Donnerstag, 23. Februar 2017

Phelsuma grandis - meldepflichtig?

Immer wieder stößt man in Terraristikforen auf die Frage, ob der Große Madagaskar-Tagecko (Phelsuma grandis) meldepflichtig ist oder nicht - mit teils äußerst kreativen Antworten zur Folge. Dieser Fragestellung möchte ich heute mal auf den Grund gehen. Das ernüchternde Ergebnis vorab: Eine eindeutige Antwort gibt es leider nicht.
 
Großer Madagaskar-Taggecko (Phelsuma grandis)
 

Schutzstatus & Meldepflichtbefreiung

Die Gattung Phelsuma ist (bis auf Guenthers-Taggecko (Phelsuma guentheri), welcher im EU-Anhang A zu finden ist) komplett im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet und unterliegt demnach grundsätzlich der Nachweis- und Meldepflicht.

In der seit 2005 gültigen Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wurden jedoch einige Wirbeltierarten von der Meldepflicht befreit. Aus der Gattung Phelsuma betraf diese Erleichterung den Madagaskar-Taggecko (Phelsuma madagascariensis) sowie den Goldstaub-Taggecko (Phelsuma laticuada). Zum damaligen Zeitpunkt galt der Große Madagaskar-Taggecko noch als Unterart des Madagaskar-Taggeckos und wurde dementsprechend als Phelsuma madagascariensis grandis (RÖSLER 1995, BERGHOF 2005) gezüchtet und vermarktet. Der Große Madagaskar-Taggecko war seinerzeit also eindeutig von der Meldepflicht befreit.
 

Taxonomische Änderungen

Im Jahre 2007 wurde die Art jedoch einer Revision unterzogen (RAXWORTHY et al.). Der Große Madagaskar-Taggecko erhielt eigenen Artstatus und galt somit nicht mehr als Unterart von Phelsuma madagascariensis. Der Artstatus Phelsuma grandis wurde 2008 von HALLMANN et al. bestätigt. Fortann wurde dieser Taggecko also sowohl als Phelsuma grandis als auch als Phelsuma madagascariensis grandis gehandelt – mit entsprechenden Angaben in den Herkunftsnachweisen.
 

Meldepflichtbefreiung damit ungültig?

Laut Aussage des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) haben Vertreter der Bundesländer vor einigen Jahren über die Problematik diskutiert, wie damit umzugehen ist, wenn Arten aufgrund taxonomischer Änderungen nicht mehr wörtlich in der Anlage 5 BArtSchV genannt werden. Sie fällten einen Beschluss, der aus meiner Sicht mehr als fragwürdig ist: Nur namentlich in der Anlage 5 genannte Arten sind von der Meldepflicht ausgenommen. Bedeutet: Phelsuma grandis ist meldepflichtig. 
 
Blauer Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „azureus“)
Gleiches gilt demnach auch für den Blauen Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „azureus“) und die Kaiserboa (Boa imperator). In Anlage 5 BArtSchV wird Dendrobates azureus von der Meldepflicht befreit. Diese zum Inkrafttreten der Anlage 5 anerkannte Art gilt inzwischen als Lokalvariante von Dendrobates tinctorius. Gemäß der Entscheidung des Gremiums sind diese Frösche also wieder meldepflichtig. Die Kaiserboa hat 2009 ebenfalls (wieder) einen eigenen Artstatus erlangt (Boa imperator), welcher in dieser Form jedoch auch nicht in Anlage 5 BArtSchV genannt wird.
 

Bewertung des Beschlusses

Aus meiner Sicht ist der Beschluss des Gremiums juristisch nicht tragbar. Sinn und Zweck des Beschlusses ist eine Erleichterung des Vollzugs. Die Vollzugsbehörden wollen sich nach dem exakten Wortlaut in den Herkunftsnachweisen sowie dem in der Anlage 5 BArtSchV richten, weil dies ihre Arbeit erleichtert. Steht im Herkunftsnachweis Phelsuma madagascariensis grandis, wird von einer Meldung meist abgesehen. Steht jedoch (korrekterweise) Phelsuma grandis in den Papieren, wird eine Meldung gefordert. Dadurch greifen jedoch für ein und dasselbe Tier gänzlich unterschiedliche Regelungen, eben abhängig vom wissenschaftlichen Artnamen, den der Händler in die Papiere geschrieben hat, was die gebotene Rechtssicherheit vermissen lässt.
 

Wozu dient überhaupt die Meldepflichtbefreiung?

Die Befreiung von der Meldepflicht wurde auf Bestreben überlasteter Vollzugsbehörden eingeführt. Sie gilt für Wirbeltierarten, die aus Sicht der Behörden häufig vermehrt und demnach unbedenklich sind. Der Madgaskar-Taggecko war (inkl. der damals anerkannten Unterart „grandis“) eine Art, die als unbedenklich eingestuft wurde, um die Masse an Meldungen zu reduzieren und die Vollzugsbehörden damit zu entlasten. Der häufig gehandelte Phelsuma madagascariensis grandis war sogar der Hauptgrund dafür, die Art Phelsuma madagascariensis überhaupt von der Meldepflicht zu befreien.

Eine Anfrage bei der IG Phelsuma nach einer Nachzuchtstatistik ergab, dass zwischen 1993 und 2015 über 7.000 Phelsuma (mad.) grandis nachgezüchtet wurden. Bei Phelsuma madagascariensis waren es im gleichen Zeitraum „lediglich“ ca. 1.600 Stück. Da nicht alle Halter in der IG Phelsuma organisiert sind, liegt die Dunkelziffer weitaus höher. Laut Experten der Internationalen Geckotagung handelt es sich beim Großen Madgaskar-Taggecko neben dem Leopardgecko um einen der häufigsten in Privathand gezüchteten Geckos. Es ist gewiss keine Entlastung für die Vollzugsbehörden, wenn nach taxonomischen Änderungen plötzlich immense Mengen an Meldungen erfolgen, obwohl sich an der artenschutzrechtlichen Unbedenklichkeit der jeweiligen Art rein gar nichts geändert hat.
 
Kaiserboa (Boa imperator)
Bei den Boas fällt auf, dass dort die Unterarten seinerzeit explizit in der Anlage 5 genannt wurden, während durch die Nennung von Phelsuma madagascariensis direkt alle (zum damaligen Zeitpunkt bekannten) Unterarten von der Meldepflicht befreit wurden. Dies tat man, um die beiden häufig gezüchteten Boa c. constrictor und B. c. imperator von anderen damals anerkannten und heute teilweise umstrittenen Unterarten abzugrenzen, die bewusst nicht von der Meldepflicht befreit werden sollten, weil sie nicht so häufig gezüchtet wurden und demnach nicht als unbedenklich eingestuft werden konnten. Die Kaiserboa, neben Königspython und Abgottschlange die wohl am häufigsten gezüchtete Riesenschlange, nun aber wieder melden zu müssen, würde für die Vollzugsbehörden erneut einen immensen Aufwand bedeuten, der durch die Meldepflichtbefreiung eigentlich vermieden werden sollte.
 
Laut der Reptile-Database ist Phelsuma madagascariensis grandis auch heute noch ein gültiges Synonym für Phelsuma grandis, weswegen die Erleichterungen der Anlage 5 BArtSchV auch weiterhin Gültigkeit haben sollten. Hierbei lässt sich eine Parallele zu den Regelungen der Haltung von potenziell gefährlichen Tieren ziehen. Dort werden taxonomische Änderungen (zumindest von fachkundigen Sachverständigen) in der Regel ignoriert und stattdessen die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der jeweiligen Verordnung gültige Taxonomie für die Entscheidung einer Haltebewilligung herangezogen. Schließlich ändert sich nichts am Gefahrenpotenzial einer Art, nur weil sich ihre Artbezeichnung ändert. Auch hier ist die Kaiserboa ein gutes Beispiel, welche in den Bundesländern, in denen sie als Gefahrtier eingestuft wurde, auch weiterhin als solches gilt. Rechtsverbindlich ist der Stand der Wissenschaft zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bzw. der Revision einer Verordnung. Es ist daher notwendig, dass im Vollzug nicht nur die aktuelle Taxonomie beachtet wird, sondern auch die taxonomische Historie sowie gültige Synonyme. Darüber hinaus sind taxonomische Änderungen gelegentlich umstritten (bestes Beispiel die Taxonomie des Raymond T. HOSER) und werden in solchen Fällen häufig revalidiert. Allein schon deswegen ist es nicht tragbar, eine neue Taxonomie über die gültige Taxonomie zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Anlage 5 BArtSchV zu stellen.

Der Bundesgerichtshof entschied schon 1951, dass der Sinn und Zweck eines Gesetzes höher steht, als dessen exakter Wortlaut (BGHZ 2, 184). Der Sinn und Zweck der Meldepflichtbefreiung war und ist die Entlastung der Vollzugsbehörden aufgrund der Unbedenklichkeitseinstufung bestimmter Tierarten, die mit der damals gültigen Artenbezeichnung in der Anlage 5 BArtSchV benannt wurden. Eine Änderung des Wortlautes durch eine Änderung der Taxonomie ändert nichts am Sinn und Zweck der Meldepflichtbefreiung, weswegen diese auch weiterhin Gültigkeit hat. Wenn es Ziel des Verordnungsgebers wäre, die häufig vermehrten Arten Phelsuma grandis, Boa imperator und Dendrobates tinctorius „azureus“ plötzlich von der Meldepflichtbefreiung auszuschließen, müsste die Anlage 5 BArtSchV regelmäßig dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst werden.
 

Tausende Tiere damit illegal?

Der für den Artenschutzvollzug in meinem Bundesland Niedersachsen zuständige NLWKN hat mir Ende 2014 auf Nachfrage mitgeteilt, dass Phelsuma grandis nicht meldepflichtig ist. Und nicht nur das: Die Vollzugshinweise zum Artenschutzrecht (Stand 2010) besagen, dass bei Arten, die in der Anlage 5 BArtSchV aufgeführt sind, auch auf die Nachweisführung verzichtet werden kann. Der NLWKN tat dies bislang bei allen in der Anlage 5 genannten Arten außer den Dendrobates-Arten. Demnach sind bei uns in Niedersachsen viele Phelsuma grandis im Umlauf, für die gar keine Herkunftsnachweise vorliegen, weil unsere höchste Vollzugsbehörde das Synonym Phelsuma madagascariensis grandis bisher richtigerweise anerkannte. Der Beschluss des Gremiums erklärt diese Tiere prinzipiell für illegal, sofern die Vollzugsbehörden ihre Fachkompetenz fallen lassen und dieser aus meiner Sicht willkürlichen Entscheidung blind folgen.
 

Fazit:

Geht es nach dem Beschluss des Gremiums aus Vertretern der Bundesländer, ist der Große Madagaskar-Taggecko (Phelsuma grandis) - ebenso wie der Blaue Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „azureus“) und die Kaiserboa (Boa imperator) - seit einigen Jahren wieder meldepflichtig. Dieser Beschluss ist jedoch äußerst fragwürdig. Grundsätzlich teile ich in dieser Sache die Aussage der IG Phelsuma, welche auf ihrer Website folgendes erklärt:
Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Bestimmungen galt Phelsuma grandis noch als Unterart von Phelsuma madagascariensis, daher trifft die Befreiung von der Meldepflicht auch auf diese Art zu. Da die Behörden sich aber an der Anlage 5 zur Bundesartenschutzverordnung orientieren, in der nach heutigem Stand Phelsuma grandis nicht gesondert genannt wird, sollte man für diese Art die Sachlage mit dem zuständigen Mitarbeiter der Behörde bei der Anschaffung abklären.
Auf Nachfrage beim BfN, wo der Beschluss der Ländervertreter überhaupt offiziell bekanntgegeben wurde, bekam ich die ernüchternde Antwort, dass eine Veröffentlichung nie erfolgte. Der Beschluss liegt den Behörden also nur intern vor. Wie diese damit umgehen, liegt in ihrer Entscheidungsgewalt. Wenn sie eine Meldung für Neuanschaffungen einfordern, sollten betroffene Halter dem einfach folgen. Vielleicht würde das schiere Ausmaß an Meldungen endlich auch mal für die seit Jahren überfällige Aktualisierung der Anlage 5 BArtSchV sorgen. Sollte die zuständige Behörde von einer Meldung absehen, dann ist das ja auch in Ordnung. Interessant wird es, wenn im Nachhinein eine Meldung für bestehende Bestände aufgrund des Beschlusses des Gremiums eingefordert, Bußgelder verhängt oder gar Beschlagnahme angedroht würden - insbesondere in den Bundesländern, die bisher sogar auf die Nachweisführung verzichtet haben. Dieses Vorgehen durch die Vollzugsbehörden wäre treuwidrig. Eine Bewertung des Beschlusses durch die Judikative wäre dann jedenfalls äußerst interessant.

Wünschenswert wäre, wenn sich unsere Dachverbände dafür einsetzen, dass die Anlage 5 BArtSchV endlich mal aktualisiert wird, damit wir Halter rechtsverbindliche Gewissheit haben, ob Phelsuma grandis & Co. meldepflichtig sind oder nicht.
 
 
 

Montag, 20. Februar 2017

E.ON Energie-Ranking zu Haustieren

Zum heutigen „Liebe-dein-Haustier-Tag“ hat die E.ON Energie Deutschland GmbH ein Energie-Ranking erstellt, welches die Energiekosten verschiedener Haustiere miteinander vergleicht. Dies geht aus einer Pressemeldung hervor, welche ich vor einigen Tagen vom Konzern zugeschickt bekam. Der Energieanbieter kommt darin zu dem Ergebnis, dass Terrarientiere den ersten Rang in Sachen Energiekosten einnehmen. 

„Einige Haustiere, allen voran die exotischen, verbrauchen im Jahr sogar mehr Strom als Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher zusammen“, heißt es in der Pressemeldung. Stellvertretend für die Terraristik wird ein Gecko-Terrarium mit zwei Metern Länge und einem Meter Höhe genannt, welches für die Steuerung einer artgerechten Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtung jährliche Energiekosten in Höhe von 250 Euro verursacht. E.ON betont: „Bei wärmeverwöhnten Reptilien aus den Tropen schlagen die Energiekosten stärker durch als für Arten aus gemäßigten Klimazonen.“ Als Energiespartipp wird die Beleuchtung mittels LED genannt, welche zwar teuer in der Anschaffung ist, jedoch die Energiekosten senkt.

An zweiter Stelle werden im E.ON Energie-Ranking Aquarien mit geschätzten 200 Euro Energiekosten für Heizung und Beleuchtung eines 200 Liter-Aquariums für tropische Fische genannt. Die dauerhafte Filterung wird dabei leider nicht erwähnt. Rang 3 nehmen Pferde mit Energiekosten in Höhe von ca. 100 Euro für die winterliche Beheizung von Stall und Wassertränke ein. Den 4. Rang belegen Hunde, Katzen, Hamster und Vögel mit einem jährlichen Energieverbrauch von 0 Euro.
 

Diskussion:
In Bezug auf die Aussage, dass ein Terrarium für tropische Tiere mehr Kosten verursachen soll als Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher zusammen, muss betont werden, dass es hierbei natürlich auf den jeweiligen Einzelfall ankommt. Die jährlichen Kosten für die genannten Geräte sind schließlich von der jeweiligen Leistung und der Nutzungsdauer abhängig und liegen normalerweise weit höher als die Betriebskosten für ein einziges Terrarium.

Ein pauschales Ranking ist ohnehin schwierig, da die Energiekosten immer von der gehaltenen Tierart und den Umgebungsbedingungen abhängen. Ein großes Meerwasseraquarium für tropische Fische wird sicherlich mehr Energiekosten verursachen als ein Terrarium für Reptilien oder gar Amphibien aus gemäßigten Zonen. Meerwasseraquarien benötigen in der Regel mehr Technik als Süßwasseraquarien. Nanoaquarien für Wirbellose kommen womöglich sogar gänzlich ohne Technik aus. Ähnlich gravierende Unterschiede beim Energieverbrauch gibt es auch in der Terraristik: Hier werden ebenfalls diverse Arten von wirbellosen Terrarientieren gehalten, die in einer normal temperierten und beleuchteten Wohnung keine weiteren technischen Geräte benötigen. Die individuelle Umgebung spielt also eine große Rolle für die Berechnung der Energiekosten. Wer in einer warmen Dachgeschosswohnung wohnt, wird für den Betrieb eines Kaltwasseraquariums womöglich sogar mehr Energie für die Kühlung aufbringen müssen als für den Betrieb eines Wüstenterrariums. Umgekehrt wäre es, wenn die Haltung in einem kühlen Hobbykeller stattfindet.

Daher sind Aquarien und Terrarien in Bezug auf die durchschnittlichen Energiekosten als ziemlich gleichwertig zu bewerten. Sie teilen sich aus meiner Sicht den 1. Rang im Energie-Ranking.

Laut der E.ON-Pressemeldung fallen bei Vögeln keine weiteren Stromkosten an. Vögel benötigen jedoch – sofern sie keinen Zugang zu einer Außenvoliere haben – ebenfalls eine geeignete Beleuchtung mit UV-Anteil. Dies wird leider von vielen Haltern immer wieder vernachlässigt. Zu einer artgerechten Vogelhaltung gehört das richtige Licht aber dazu. Vögel sind in Sachen Energieverbrauch also gewiss keine 0-Euro-Position, sondern nehmen für mich einen separaten Rang zwischen Pferden und Hunden/Katzen/Kleintieren mit durchschnittlich 50 bis 75 Euro Energiekosten im Jahr ein – wieder abhängig von der gehaltenen Art und den äußeren Umständen.

Fazit:

Grob gesagt kann man festhalten, dass wechselwarme Tiere wie Terrarientiere und die für die Privathaltung relevanten Aquarien-Fische mehr von außen zugeführte Energie benötigen als Säugetiere und Vögel, die ihre Körpertemperatur durch ihre Stoffwechselaktivität regulieren. Dies bedeutet aber auch, dass ein Ranking in Bezug auf die Futterkosten genau gegenteilig ausfallen würde, wodurch sich die durchschnittlichen Gesamtkosten für den Unterhalt wieder angleichen.

Als Schlusswort ist ein Zitat aus der E.ON-Pressemeldung sehr gut geeignet:
„Auch wenn es wichtig ist, sich über die zusätzlichen Energiekosten zu informieren: Letztendlich sollten sie kein Entscheidungskriterium für oder gegen ein Haustier sein.“

Mehr zum Thema:
 

Sonntag, 19. Februar 2017

Aliens – Das große Schlachten

Nach dem Beschluss der ersten Schwarzen Liste invasiver gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste) im August letzten Jahres stehen nicht nur Privathalter, Händler und Auffangstationen vor Problemen, sondern auch zoologische Einrichtungen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt in den letzten Wochen der Zoo Leipzig, der laut Berichten der BILD-Zeitung die Schlachtung seiner Chinesischen Muntjaks (Muntiacus reevesi) plane, weil die Haltung dieser Kleinhirsche einer neuen Themenwelt weichen müsse, die geplante Abgabe an einen Privathalter jedoch laut des „EU Alien Species Acts“ nicht erlaubt sei und von den sächsischen Behörden eindeutig untersagt wurde.
 
 
Der Aufschrei in der Bevölkerung war natürlich groß. Nicht nur ideologische Tierrechtler tummelten sich mal wieder als Shitstormtrooper auf der Facebook-Page des Zoos, sondern auch Interessenverbände der Zootierhaltung äußerten scharfe Kritik an der Europäischen Kommission und der EU-Verordnung grundsätzlich, nach der angeblich eine Tötung der Tiere vorgeschrieben sei.

Ich konnte beide Positionen nicht nachvollziehen. Einerseits ist es aus Tierschutzsicht prinzipiell egal, ob die Raubkatzen des Zoos nun mit gekauftem Fleisch oder mit dem Fleisch eigener, nicht artgeschützter Zootiere gefüttert würden. Auf der anderen Seite gehen aus der EU-Verordnung
bestimmte Übergangsregelungen für private und kommerzielle Tierbestände hervor. Während in nicht gewerblicher Haltung untergebrachte Invasivarten im Sinne des Bestandsschutzes auch in Zukunft gehalten werden dürfen, sofern Fortpflanzung und Entkommen verhindert werden (Artikel 31), müssen kommerzielle Tierbestände aufgelöst werden. Dafür ist ein Jahr lang nach Aufnahme einer Art in die Unionsliste die Abgabe an Privathalter erlaubt (Artikel 32).

Verordnung nicht auf Zoos anwendbar?

Zooverbände kritisieren, dass die EU-Verordnung und die genannten Übergangsregelungen gar nicht auf Zoos anwendbar seien, weil zoologische Einrichtungen gar nicht expliziert darin erwähnt werden. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob Zoos als nicht gewerbliche oder als kommerzielle Halter eingestuft werden. Die EU-Verordnung ist tatsächlich in vielen Punkten nicht sehr deutlich, so auch in diesem Fall. Zoos sind aus meiner Sicht als kommerzielle Tierbestände anzusehen. Natürlich erfüllen Zoos aufgrund der Naturbildung und des Artenschutzes auch andere Ziele, dennoch werden Tiere zu kommerziellen Zwecken ausgestellt. Demnach müssten die Übergangsregelungen für kommerzielle Tierbestände greifen, welche eine Auflösung der Tierbestände fordern, ebenso aber auch eine Abgabe in Privathand erlauben. Über diese Einschätzung setzte ich den Zoo Leipzig in Kenntnis - obwohl ich es nebenbei bemerkt durchaus diskutabel finde, ob ehemalige Zootiere in Privathand in jedem Fall besser untergebracht wären.

Am Montag, den 24. Januar dann die Aussage vom Sprecher der EU-Kommission in Deutschland, dass die Übergangsregelung für kommerzielle Bestände, laut derer die Tiere ein Jahr lang verkauft und transportiert werden dürfen, auch für Zoos gelten: Leipziger Zoo stoppt Pläne für Muntjak-Schlachtung

Der Zoo Leipzig erklärte in seiner Stellungnahme, dass eine Vermittlung an Privatleute ebenso wie die Weiterführung der Haltung problematisch seien. Entweder würde das Problem einfach auf andere Halter verlagert oder aber man müsste das Sozial- und Fortpflanzungsverhalten der Tiere so sehr einschränken, dass Tierschutzprobleme die Folge wären. Mehrere Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen entgegneten in ihren Stellungsnahmen, dass Zoos doch ständig in das Fortpflanzungsgeschehen eingreifen würden und dass Muntjaks durchaus auch in Einzelhaltung tierschutzgerecht gepflegt werden können. Auch auf mich wirkte die Argumentationskette des Zoos ein wenig seltsam.
 

Vollzugsbehörden der Länder widersprechen

Das Problem ist damit aber noch längst nicht gelöst. Die sächsischen Behörden (wie auch die niedersächsischen Behörden, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage meinerseits an die IAS-Abteilung des NLWKN hervorgeht) widersprechen der Einschätzung der EU-Kommission und wenden stattdessen die Übergangsregelungen für nicht gewerbliche Halter auf zoologische Einrichtungen an, weswegen Abgabe an Privatleute und Transport verboten sind. Dummerweise besagen nämlich die Fragen und Antworten zur Annahme der ersten Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung Fragen und Antworten“ (Stand: Juli 2016), dass die Regelungen für den Bestandsschutz auch für Zoos gelten. Eine Auflösung der Bestände – wie in den Übergangsbestimmungen für kommerzielle Halter vorgeschrieben sei bei Zoos nicht notwendig. Im Gegenteil, diese können auch in Zukunft Exemplare, die in freier Natur gefangen wurden, aufnehmen und bis zu ihrem Lebensende halten. Seitens der Europäischen Kommission wurden also inzwischen beide Übergangsregelungen auf Zoos bezogen, was die Verwirrung nur noch verstärkt. Indirekt hat die EU-Kommission damit zugegeben, dass eine klare Regelung für die Zootierhaltung in der EU-Verordnung versäumt wurde. Mit den gegenteiligen Aussagen wurde gewissermaßen eine dritte Übergangsbestimmung formuliert, die so aber gar nicht in der Verordnung steht und daher juristisch irrelevant ist.

Eine Lösung könnte nur durch eine Revision der Verordnung oder auf dem Rechtsweg erreicht werden. Ein Gericht müsste dann entscheiden, wie die EU-Verordnung auszulegen ist. Entweder würde dann von der EU-Kommission Nachbesserung mit einer deutlichen Regelung für Zoos (und dann bitte auch für Tierheime und Auffangstationen!) gefordert oder aber Zoos würden verbindlich als kommerzielle bzw. nicht gewerbliche Tierbestände eingestuft, für die dann die jeweiligen Übergangsregelungen gelten würden.

Fazit:

Der Fall des Zoos Leipzig zeigt erneut die Problematik des EU Alien Species Acts, für die aber nicht nur die EU-Kommission verantwortlich ist, sondern auch die hiesigen Landesregierungen, die vor Beschluss der Verordnung ihre Einwände hätten äußern können. Zoologische Einrichtungen sollten von dem Haltungs- und Nachzuchtverbot ausgenommen werden, weil mit der Haltung invasiver Arten auf diese Problematik aufmerksam gemacht werden kann. Dies ist nach aktuellem Stand der Dinge in Zukunft nicht mehr möglich, sobald die Bestände endgültig ausgelaufen sind.

Zoologische Einrichtungen müssen (genau wie wir Privatleute) entscheiden, wie sie mit ihren Tierbeständen umgehen. Entscheiden sie sich aus bestimmten Gründen (z.B. aufgrund der Schaffung einer neuen Themenwelt) gegen die lebenslange Haltung ihrer Invasivarten, fehlt es an Lösungen, wie mit den Tieren umgegangen werden soll. Eine Schlachtung wird zwar nicht direkt vorgeschrieben, stellt jedoch unter Umständen den einzigen tierschutzgerechten Weg zur Bestandsreduzierung dar, weil eine Abgabe in den aktuell von den Vollzugbehörden angewandten Übergangsregelungen nur an staatliche Einrichtungen gestattet wäre, die in Deutschland erst noch definiert werden müssten.

Neben einer klaren Regelung in der EU-Verordnung für Zoos wäre demnach auch eine nationale Durchführungsverordnung sinnvoll, um zumindest ein paar Punkte zu klären, bei denen die EU-Verordnung den Mitgliedsstaaten einen gewissen Spielraum gewährt. Darin könnten die Auflagen für Auffangstationen definiert und diese im Anschluss mit Ausnahmegenehmigungen für die Aufnahme von invasiven Arten ausgestattet werden. Das grundsätzliche Verbot der Abgabe und Nachzucht kann auf nationaler Ebene allerdings nicht ausgehebelt werden, weswegen die mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestatteten Einrichtungen ebenfalls lebenslang auf den Tieren sitzenbleiben würden. In Anbetracht der schlechten Finanzierung und des Ausmaßes an gehaltenen Tieren (insbes. bei den betroffenen Schmuckschildkröten (Trachemys scripta)) würde sicherlich bald wieder die Frage aufkommen, ob „das große Schlachten“ nicht vielleicht doch eine tierschutzgerechte Alternative wäre...
 
 
 

Donnerstag, 16. Februar 2017

Schweizer Reptilienhaltung auf dem Prüfstand

Der Schweizer Tierschutz STS hat in den vergangen zwei Jahren die Haltungsbedingungen von Reptilien in der Schweiz auf den Prüfstand gestellt und die gesammelten Erkenntnisse nun in einer Studie veröffentlicht: Tierschutzprobleme in der Schweizer Reptilienhaltung

In seiner Studie stellt der STS dar, dass Reptilien als wechselwarme Tiere ganz besondere Ansprüche an die Haltung in menschlicher Obhut stellen, was ein Mindestmaß an Vorabinformation der Halter voraussetzt. Ebenso kommt die Organisation zu dem Ergebnis, dass Reptilien immer häufiger spontan gekauft und später aus diversen Gründen wieder abgegeben werden. Spezialisierte Tierheime und Auffangstationen sind jedoch Mangelware, weil es an der Finanzierung scheitert. Mit niedlichen Tieren lassen sich mehr Spenden generieren als mit Schlangen, Echsen & Co., weswegen spezialisierten Einrichtungen die finanzielle Unterstützung fehlt und eine Vermittlung der Tiere ohnehin schwierig ist.

Im Rahmen der in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführten STS-Recherche wurden Umfragen bei Tierärzten sowie Gespräche mit weiteren Fachleuten (darunter auch Reptilienzüchter, Börsenbetreiber und Mitglieder von Terraristik-Vereinen) durchgeführt. Außerdem wurden Auffangstationen und private Tierschützer interviewt, die ehrenamtlich Reptilien aufnehmen. Nicht zuletzt wurden Recherchen im Internet, im Zoofachhandel sowie auf Reptilienbörsen durchgeführt. Die Erkenntnisse wurden mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen für die Reptilienhaltung in der Schweiz abgeglichen und bewertet.

Sinkende Importzahlen

Auch die Importzahlen zwischen 1990 und 2005 von lebenden Reptilien in die Schweiz wurden vom STS unter die Lupe genommen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis:
Im Verlaufe dieser 15 Jahre sanken die Importzahlen stetig […]. Die sinkenden Importzahlen sind vermutlich dadurch zu erklären, dass die Nachfrage zunehmend durch inländische Nachzuchten befriedigt wurde. […] Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass die «Spitzenzahlen» der 1990er Jahre, wohl auch aufgrund der zunehmenden Nachzuchterfolge, in letzter Zeit nicht mehr erreicht wurden; jährlich aber nach wie vor mehrere tausend Reptilien importiert werden, wobei der Import grossen Schwankungen unterworfen ist.
Beim Internethandel kommt der STS nach einer Hochrechnung zu dem Ergebnis, dass jährlich über 14.000 Tiere auf den drei beobachteten Internetplattformen angeboten werden, stellt aber ebenso deutlich klar, dass diese Hochrechnung kein verlässliches Ergebnis sei, weil Doppelplatzierungen von Inseraten und saisonale Schwankungen nicht berücksichtigt wurden. Dennoch sei von einer Anzahl an Inseraten im tiefen fünfstelligen Bereich auszugehen.

Bei den befragten Terraristik-Experten herrschte Uneinigkeit darüber, ob die Reptilienhaltung in den letzten Jahren zugenommen habe oder nicht. Meiner Einschätzung nach ist die Reptilienhaltung rückläufig. Nur sind inzwischen alle Tiere aus dem Boom der 90er erwachsen und stellen ihre Besitzer vor damals nicht bedachte Herausforderungen. Dadurch entstehen in der heutigen Zeit viele medienpräsente Problemfälle, die den Anschein erwecken, als würde die Reptilienhaltung derzeit noch einen Boom erleben.

Tierschutzprobleme bei Schweizer Reptilienhaltung

An Tierschutzproblemen in der Reptilienhaltung wurden u.a. unzureichende Verkaufsbehältnisse auf Reptilienbörsen, fehlende Hinweise zur artgerechten Haltung bei Internetinseraten, die Haltung in zu kleinen oder mangelhaft eingerichteten Terrarien sowie die Überproduktion von gängigen Arten durch Züchter vom STS ermittelt.

In der Studie wird am Rande auch auf eine Problematik hingewiesen, deren Ausmaß in Zukunft womöglich noch zunehmen wird, wenn immer mehr Kapazitäten öffentlicher Einrichtungen erschöpft sind: Unseriöse private „Auffangstationen“, die im Internet damit werben, Tiere gratis aufzunehmen. Nicht selten stecken hinter solchen Anzeigen Leute, die die Tiere direkt weiter veräußern, um damit Geld zu verdienen. Die Haltungsbedingungen in solchen „Auffangstationen“ stellen sich häufig als äußert mangelhaft dar, insbesondere weil die Fachkenntnis der oftmals anonymen Betreiber nicht überprüft werden kann. Solche Leute werfen ein schlechtes Licht auf alle ehrenamtlichen Tierschützer, die abgeschobene Tiere mit Herzblut aufpäppeln und ihnen wieder ein artgerechtes Leben in menschlicher Obhut ermöglichen!

Forderungen des Schweizer Tierschutz STS

Um diesen Problemen zu begegnen, fordert der STS vorrangig eine Verbesserung der Fachkenntnisse – sowohl bei Privathaltern als auch bei Zoofachhändlern. Die Einführung eines verbindlichen Sachkundenachweises sowie die Meldepflicht von Reptilien stehen ebenso im Forderungskatalog wie eine Überarbeitung der Ausbildung von Zoofachhandelsmitarbeiten und die Schaffung von gesetzlich verankerten Börsenrichtlinien. Haltungen sollten häufiger durch geschulte Fachleute kontrolliert werden. Nicht zuletzt sollte aus Sicht des STS die Produktion von häufig vermehrten Arten reglementiert und die Kapazitäten von Tierheimen und Auffangstationen ausgebaut werden.

Fazit:

Nach dem Lesen der Studie komme ich zu dem Ergebnis, dass es sich um eine äußerst umfangreiche und vor allem differenzierte Arbeit auf hohem Niveau handelt. Bestehende Probleme werden aufgezeigt, ebenso werden positive Beispiele genannt. Das ist eine ganz andere Qualität als wir hierzulande von den häufig ideologisch motivierten Pseudo-Studien gewisser Vereine gewohnt sind.

Die Forderungen des Schweizer Tierschutzes entsprechen auch dem, was ich mir zur Verbesserung der Reptilienhaltung (bzw. der Tierhaltung grundsätzlich) in Deutschland wünsche. Als Schlusswort soll ein Zitat aus dem Fazit der STS-Studie dienen:
Der STS ist der Ansicht, dass die in diesem Bericht detailliert aufgezeigten Tierschutzprobleme dringend angegangen werden müssen. Dabei geht es nicht um ein Verbot der Reptilienhaltung oder Positivlisten. Vielmehr gilt es, Wissen und Können der Reptilienhalter anzuheben, den Tierhandel besser zu überwachen, das Angebot und die Kompetenz der Zoofachgeschäfte zu verbessern und umfangreichere gesetzliche Grundlagen samt konsequentem Vollzug zu schaffen. 
 

Donnerstag, 9. Februar 2017

EU-Kommission spricht mit Tierhändlern

Gestern fand in Brüssel eine Veranstaltung der Europäischen Kommission bezüglich der Umsetzung des im Jahr 2016 beschlossenen „Aktionsplans der EU zur Bekämpfung des illegalen Artenhandels“ statt. Zur Veranstaltung geladen waren Sachverständige aus verschiedenen Bereichen – so z.B. aus dem Heimtiersektor aber auch aus dem logistischen Bereich (Flughäfen, DHL etc.).

Nach einer Bestandsaufnahme des Aktionsplans ging es am späten Vormittag schließlich ans Eingemachte, als konkret der Heimtierhandel in den Fokus der Diskussionen gerückt wurde. Positiv anzumerken ist, dass im Rahmen der gestrigen Veranstaltung erstmalig der Heimtiersektor intensiv angehört wurde. Auf den bisherigen Veranstaltungen dieser Art waren vor allem Tier- und Artenschutzorganisationen präsent, während die von Einschränkungen betroffenen Halter und Händler(-verbände) eher in der Unterzahl waren. Daher betrachte ich die Konferenz als einen Meilenstein in der politischen Diskussion und als ersten wichtigen Schritt für eine Zusammenarbeit zwischen unseren Lobbyvertretern und den Entscheidungsträgern in der EU.

CITES-Generalsekretär John Scanlon stellte zu Beginn der Veranstaltung deutlich klar, dass die Unternehmen im Heimtiersektor eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Die Unternehmen sind wichtige Partner für die Europäische Kommission, um gegen illegalen Artenhandel vorzugehen. Die Zivilgesellschaft trägt eine gesellschaftliche Verantwortung. Sich damit zu rechtfertigen, dass bei einem selbst keine illegalen Aktivitäten vorkommen, sei nicht genug. Illegaler Artenhandel fällt auf alle Unternehmen zurück, die im Heimtierhandel aktiv sind.

Chris Newman von der Reptile and Exotic Pet Trade Association (REPTA) machte in seinem Vortrag deutlich, wie die Importzahlen von Reptilien in die EU in den letzten Jahren abgenommen haben und dass in den 1970er Jahren ca. 95 Prozent der Importe (von CITES-Arten) noch Wildfänge waren, während es heute nur noch ca. 18 Prozent sind. Bemerkenswert war auch seine Darstellung, dass nicht alle von den Behörden (im Vereinigten Königreich) dokumentierten Fälle illegalen Wildtierhandels tatsächlich als solcher zu bezeichnen sind. Zum Ende seines Vortrags stellte er die Frage, was illegaler Artenhandel eigentlich ist. So unterscheidet er zwischen totem Material und lebenden Tieren: Während totes Material wie Elfenbein im Wert steigt, sorgen lebende Tiere durch ihre Reproduktion für einen Preisverfall, was den illegalen Handel schwächt.

Alexander Dobernig, Veranstalter von Heimtierbörsen und Betreiber der Website Terraristik.com, machte in seinem Vortrag darauf aufmerksam, dass im EU-Aktionsplan immer wieder von „Verfolgung und Strafen“ die Rede sei, die Unterstützung des legalen Handels jedoch viel zu kurz käme. Dabei wäre die Unterstützung des legalen Handels eine Möglichkeit zur Prävention illegaler Aktivitäten. Aus seiner Sicht sind deshalb weitere Einschränkungen des legalen Handels (beispielsweise mittels Positivlisten) strikt abzulehnen, weil sich dadurch der Handel in den nicht kontrollierbaren Untergrund verlagern würde. Er zeigte außerdem die Bedeutung von Privathaltern in der wissenschaftlichen Forschung (Aktivitäten der DGHT, Veröffentlichung von Fachbüchern durch Hobbyisten) sowie die Tatsache auf, dass die beliebtesten Terrarientiere inzwischen zu 100 Prozent aus Nachzuchten stammen.

Als Gegenstimme zu diesen und weiteren Vertretern der Heimtierbranche (u.a. Nathalie Gamain von der European Pet Organization (EPO), einem Zusammenschluss europäischer Heimtierhalterverbände, sowie Heike Mundt vom Papageienpark Bochum, Mitglied im Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF)) kam Sandra Altherr von Pro Wildlife e.V. zu Wort. Sie machte in ihrem Vortrag darauf aufmerksam, dass immer wieder illegale Wildfänge als Nachzuchten deklariert werden. Problematisch sei u.a. der Internethandel, wo Arten als angebliche Nachzuchten gehandelt werden, die noch nie legal in die EU eingeführt wurden. Ihre Organisation fordert daher eine neue Gesetzgebung nach dem Beispiel des „US-Lacey-Acts“, wodurch der Handel mit in ihren Herkunftsländern geschützten Arten innerhalb der EU verboten wäre. Momentan können selbst geschmuggelte Exemplare frei in der EU gehandelt werden, weil den Behörden die nötige Handhabe fehlt, um dagegen vorzugehen. Die Branche solle die Nachfrage senken und diese nicht noch erhöhen. Onlineplattformen sollten z.B. die Legalität der Inserate überprüfen. Im Zweifel müsse der Handel verboten werden.

In der Fragen- und Antworten-Runde kamen von Seiten der österreichischen CITES-Behörde interessante Anmerkungen: So sind in der besagten Behörde fünf MitarbeiterInnen für die Bearbeitung von jährlich ca. 10.000 CITES-Dokumenten zuständig. Eine zusätzliche Überprüfung des Schutzstatus von Tieren in ihren Herkunftsländern (wie ein „EU-Lacey-Act“ es vorschreiben würde) wäre bei dieser Besetzung nicht zu leisten. Es wurde außerdem betont, dass das österreichische Verbot von Verkaufsbörsen für Wildtiere von der CITES-Behörde abgelehnt wurde, weil eine Förderung des legalen und kontrollierbaren Handles eine effektivere Maßnahme zur Bekämpfung des illegalen Handels wäre.

Fazit:

Bei der Umsetzung des Aktionsplans zur Bekämpfung des illegalen Artenhandels wurde schon vieles erreicht, es sind aber noch einige Baustellen vorhanden. Auf der gestrigen Konferenz wurde die Erwartungshaltung der Europäischen Kommission gegenüber dem Tierhandelssektor besonders deutlich. Dieser scheint sich bisher immer auf seine eigene Legalität berufen zu haben, statt sich aktiv bei der Bekämpfung des illegalen Handels einzusetzen. Zwar teile ich die Meinung des Handels, dass bereits die Produktion von legalen Nachzuchten die Nachfrage auf dem Schwarzmarkt senkt und eine Verdrängung legaler Aktivitäten in den Untergrund z.B. mittels Positivliste den illegalen Handel befeuern würde, dennoch kann ich auch die Kritik nachvollziehen. Zu oft habe ich auf Börsen unnötige Angriffsflächen gesehen, wenn z.B. Herkunftsnachweise nur auf direkte Nachfrage ausgegeben oder Verkaufsbehälter nicht entsprechend des geltenden Schutzstatus beschriftet wurden. Es handelt sich dabei zwar nicht zwangsläufig um illegalen Artenhandel, dennoch zeigen solche „Fehltritte“, dass das Thema Artenschutz vereinzelt nicht so ernst genommen wird, wie es sein sollte. Da helfen auch keine von eifrigem Kopfschütteln begleitete Lippenbekenntnisse, dass man als Händler den illegalen Artenhandel ja so sehr ablehnt. Auf solche Worte müssen auch Taten folgen! Bei der ganzen Debatte über „illegalen“ und „legalen“ Handel wird zu oft vergessen, was damit eigentlich bezweckt werden soll. Schließlich ist nicht jeder legale Handel gleichzeitig auch als nachhaltig zu bewerten. Die Berufung auf die Legalität eines nicht nachhaltigen Handels ist für mich inzwischen inakzeptabel.

Der gewerbliche wie auch der private Heimtiersektor müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und aktiver gegen illegalen Artenhandel vorgehen - z.B. indem mit qualifizierten Ordnern auf Börsen oder durch eine Überprüfung eingestellter Inserate in Onlineplattformen die Vollzugsbehörden entlastet und illegale Aktivitäten aufdeckt werden. Bevor den Unternehmen seitens der Politik eine strikte Positivliste aufgedrückt wird, sind freiwillige Selbstbeschränkungen (wie beispielsweise die „Rote Liste - Tierschutz“ des ZZF) eine Chance, um von oben diktierte Einschränkungen zu vermeiden.

Positivlisten sind hingegen strikt abzulehnen! Nicht nur, weil sich der Handel dann in den Untergrund verlagert, sondern auch in Hinblick auf die Verantwortung gegenüber den Tieren. Positivlisten, wie wir sie z.B. aus Belgien kennen, schränken nicht nur den Handel ein, sondern auch verantwortungsvolle Tierhalter, die Artenschutz durch Forschung und Nachzucht oder ehrenamtlichen Tierschutz durch Aufnahme von Tierschutzfällen betreiben. Beides würde durch eine Positivliste zerstört, weswegen der verursachte Schaden die bezweckte positive Wirkung übersteigen würde.

Leider ist dieses Thema sehr emotional aufgeladen und auf beiden Seiten herrscht eine kompromisslose „Alles-oder-nichts“-Mentalität. Daher wird uns das Thema wohl noch lange Zeit beschäftigen.


Eine Gesamtaufnahme der Konferenz ist aktuell noch hier zu finden.

Mehr zum Thema:

Mittwoch, 8. Februar 2017

Herpetal Gecko Instant Feed (Produkttest)

Die Keweloh Animal Health GmbH & Co. KG verkauft unter ihrer Marke Herpetal seit einiger Zeit eine neue Fertigfuttermischung für Geckos: Gecko Instant Feed

Es handelt sich dabei um ein Pulver, welches mit Wasser zu einem Futterbrei angerührt werden kann. Je nach Menge des verwendeten Pulvers ist die Konsistenz des erzeugten Breis, der laut Hersteller im Terrarium bis zu 36 Stunden haltbar sein soll, mehr oder weniger flüssig. Vom Hersteller empfohlen wird eine Konsistenz vergleichbar mit der einer Bodylotion. Auch das direkte Verfüttern des Pulvers soll möglich sein, setzt jedoch eine ausreichende Versorgung der Tiere mit frischem Wasser voraus. Das Gecko Instant Feed ist in einer 100 g Dose für 11,99 Euro im Herpetal-Shop erhältlich.

Dieses Fertigfutter versorgt Reptilien, die sich natürlicherweise sowohl von Insekten als auch von Früchten ernähren, mit den notwendigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und ist als Alleinfuttermittel geeignet. Dennoch empfiehlt der Hersteller, das Gecko Instant Feed lediglich als Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung zu verwenden, um den Tieren durch das Verfüttern von lebenden Insekten das Ausleben ihres Jagdinstinktes zu ermöglichen. Das Pulver ist laut Hersteller auch zum „Gut-Loading“ (Anfüttern) von Futterinsekten geeignet.

Zusammensetzung:

Das Gecko Instant Feed enthält 30 % getrocknete und gemahlene Seidenraupen, 15 % Fruchtpulver (Mango, Erdbeere, Banane), 10 % Blütenpollen, 5 % Eigelbpulver, 5 % Honigpulver sowie Rote-Beete-Pulver, Calciumcarbonat, Dicalciumphosphat, Hefe, Natriumchlorid (Kochsalz) und Magnesiumoxid. Zusätzlich wurden dem Pulver Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt. Als Konservierungsmittel dient Calciumcitrat.

An der Zusammensetzung weckte die Verwendung von Eigelbpulver als Zutat sofort mein Interesse. Auf der Verpackung ist leider nicht angegeben, unter welchen Bedingungen die Legehennen gehalten werden, deren Eier für das Pulver Verwendung finden. Eine Anfrage beim Hersteller ergab, dass es sich um Eier aus deutscher Kleingruppenhaltung handelt.

Test:

Beim Öffnen der luftdicht verschlossenen Dose fällt sofort der Geruch des Pulvers auf. Das Gecko Instant Feed riecht (im direkten Vergleich zu mir bekannten Konkurrenzprodukten) richtig lecker. Die Fruchtnote ist besonders intensiv, was ein schnelles Auffinden des Futters durch die Tiere verspricht.

Das Anrühren gestaltet sich denkbar einfach. Man nimmt einen oder mehrere (je nach Anzahl der zu fütternden Tiere) Teelöffel und rührt das Pulver langsam mit Wasser an. Ich konnte bei unterschiedlicher Wasserhärte auch eine unterschiedliche Löslichkeit feststellen, daher muss man etwas experimentieren, bis man das richtige Mischungsverhältnis erreicht hat.
 


Die Akzeptanz des Futterbreis wurde mit mehreren Großen Madagaskar-Taggeckos (Phelsuma grandis) verschiedenen Alters und zwei adulten Kronengeckos (Correlophus ciliatus) getestet. Die Schälchen mit dem Gecko Instant Feed wurden zur jeweiligen Aktivitätszeit der Tiere (tagsüber bzw. nach abendlicher Abschalten der Terrarienbeleuchtung) im oberen Bereich des Terrariums angeboten. Wie zu erwarten war, bemerkten die Test-Geckos den Futterbrei aufgrund des fruchtigen Geruchs sehr schnell und nahmen diesen direkt an. Sie kehrten auch in den Stunden danach immer wieder zur Futterquelle zurück, um sich Nachschlag zu holen.



Die Haltbarkeit des Breis im Terrarium ist laut Hersteller auf 36 Stunden begrenzt. Ich konnte bereits nach 12 bis 24 Stunden feststellen, dass der Brei ausgehärtet war und von den Tieren ignoriert wurde. Der Brei hält sich also meiner Einschätzung nach maximal einen Tag im Terrarium und muss daher frühzeitiger erneuert werden, als es die Verpackung verspricht. Dies ist schade, da ich Fertigfutter insbesondere zur Überbrückung von Zeitspannen nutze, in denen ich meine Tiere mal nicht mit Frischfutter versorgen kann (wenn z.B. der Futtertierlieferant mal wieder Engpässe hat oder die Tiere mal ein paar Tage ohne mich auskommen müssen). Das Gecko Instant Feed ist – zumindest in Breiform – für solche Phasen nicht besonders gut zur Entlastung des Tierhalters geeignet.

In direkter Pulverform habe ich das Gecko Instant Feed im Test nur Heimchen angeboten. Diese nahmen es ebenso schnell als Futterquelle an, wie die Test-Geckos den Brei. Es ist also zum Gut-Loading von Futtertieren geeignet, obwohl sich mir dabei die Frage stellt, ob es dafür nicht doch etwas zu teuer ist.



Fazit:

Trotz der sehr guten Akzeptanz des Gecko Instant Feed bei meinen Tieren stellt die Verwendung von Eiern aus Kleingruppenhaltung für mich persönlich leider ein Ausschlusskriterium dar, weil ich eine artgerechte Ernährung meiner Tiere nicht auf Kosten einer (aus meiner Sicht) nicht artgerechten Haltung anderer Tiere praktizieren möchte. Die Kleingruppenhaltung wurde als Ersatz für die inzwischen verbotene Käfighaltung entwickelt und stellt nach ökologischer Produktion, Freilandhaltung und Bodenhaltung den untersten Standard in der Geflügelzucht dar. Ich teile nicht die Meinung der Geflügellobby, dass die Kleingruppenhaltung ein „verhaltens- und tiergerechtes Leben“ der Legehennen ermöglicht. Da jedoch die restliche Zusammensetzung des Pulvers überzeugt, gibt es in diesem Punkt keine übertrieben ideologische Abwertung. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er zum Thema Tierwohl steht.

Eine nennenswerte Abwertung erfolgt jedoch bei der Haltbarkeit. Mit Vitamin- und Mineralstoffpulver versetztes Fruchtmus erfüllt seinen Zweck ebenso und das zu niedrigeren Kosten. Dabei ist allerdings unbedingt auf die richtige Dosierung zu achten! Wer sich das nicht zutraut und lieber auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehle ich das Gecko Instant Feed von Herpetal zur Ergänzung eines abwechslungsreichen Speiseplans seiner Tiere.

Zusammensetzung: 4/5
Anleitung: 4/5
Aufwand & Handling: 4/5
Haltbarkeit: 3/5
Akzeptanz: 5/5

Gesamtwertung: 4/5


Samstag, 4. Februar 2017

Panik! Lygodactylus williamsi ab jetzt illegal?

Da am heutigen Tag die lang erwarteten Änderungen der Anhänge der EU-Artenschutzverordnung offiziell in Kraft treten, stellt sich bei einigen Terrarianern offenbar immer noch die Frage, ob ihre geliebten Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) nun illegal geworden sind und jederzeit beschlagnahmt werden können.

Das Herkunftsland Tansania vertritt tatsächlich die Auffassung, dass Lygodactylus williamsi noch nie legal exportiert wurde und deshalb alle Bestände innerhalb der EU (also inkl. aller Nachzuchten) illegal seien. Dass es nie vom tansanischen Zoll genehmigte Exporte von L. williamsi gab, mag konkret auf den Artnamen bezogen zwar durchaus zutreffen, dennoch haben Exemplare dieser Art ihr Herkunftsland bei genehmigten Exporten von Arten der Gattung Lygodactylus als Lygodactylus spp. auf durchaus legalem Weg verlassen und sind demnach auch legal in die EU eingeführt worden. Davon abgesehen spielt das nationale Naturschutzrecht von Tansania für EU-Bürger (derzeit) keine Rolle. Selbst ein illegal geschmuggeltes Exemplar durfte bis Dezember 2014 in der EU frei gehandelt werden, da keine hiesige Gesetz- oder Verordnungsgebung dagegen sprach. Als schließlich die EU den Himmelblauen Zwergtaggecko in den Anhang B der EU-Artenschutzverordnung aufnahm, unterlag der Handel zwar strengeren Auflagen in Form einer Meldepflicht für laufende Bestände und deren Zu- und Abgänge, der Handel selbst wurde aber keineswegs untersagt. In der Übergangszeit war es sogar problemlos möglich, illegale Schmuggelware durch eine simple Meldung zu legalisieren. Nach Ablauf einer Übergangsfrist (welche im Ermessen der zuständigen Naturschutzbehörden lag) konnte der Handel aber insgesamt besser kontrolliert und nachvollzogen werden.

Die ab heute rechtlich verbindlichen Auflagen des Anhangs A für L. williamsi ändern nichts an der Legalität der Tiere innerhalb der Terrarienhaltung. Alle Exemplare, welche sich vor Inkrafttreten des neuen Schutzstatus innerhalb der EU befanden und zu den bisher geltenden Vorschriften gehandelt und gehalten wurden, sind - ebenso wie deren Nachkommen - als legal zu betrachten. Dies wurde mir vom NLWKN bestätigt und auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erklärte diesen Sachverhalt gegenüber der REPTILIA (siehe Ausgabe Nr. 122, „Schutz, wem Schutz gebührt: Ergebnisse der CITES-Konferenz in Johannesburg“ von Heiko WERNING).

Die EU könnte zwar eine neue Verordnung schaffen, mit der in ihren Herkunftsländern geschützte Tiere auch auf EU-Gebiet unter Schutz stünden (vergleichbar mit dem „Lacey Act“ der USA), doch selbst damit dürften rückwirkend keine Bestände illegalisiert und beschlagnahmt werden, sofern die für den Bestandsschutz geltenden Auflagen von den Halterinnen und Haltern eingehalten werden. Verbindlich ist immer das aktuell gültige Recht und das sah für L. williamsi bisher einen freien Handel vor (bis Dezember 2014 ohne Einschränkungen, danach unter den Auflagen des EU-Anhangs B). Die zuständigen Naturschutzbehörden sollten also (spätestens nach Vorliegen einer geeigneten Kennzeichnungsmethode) für Nachzuchten wie auch für die Elterntiere die nötigen Vermarktungsgenehmigungen ausstellen. Dies geht aus den Vollzugshinweisen zum Artenschutzrecht unter Punkt 11.4.1. „Vermarktungsbescheinigung bei legalem Erwerb und legaler Einfuhr vor Inkrafttreten der Bestimmungen für WA I-Arten, C1- Arten und A-Arten (Art. 48 Abs. 1 Buchstabe a DVO)“ hervor:

„Eine solche Bescheinigung kann ausgestellt werden, wenn das Exemplar in der Gemeinschaft rechtmäßig erworben oder in diese eingeführt wurde, bevor die Art in Anhang I des WA, in Anhang C1 der VO (EWG) Nr. 3626/82 oder in Anhang A der EG-VO mit Geltung für den jeweiligen Mitgliedstaat aufgeführt waren. In Art. 1 Nr. 1 DVO ist klargestellt, dass unter „Erwerb“ nicht der rechtsgeschäftliche Erwerb zu verstehen ist, sondern Naturentnahme, Zucht oder künstliche Vermehrung.“
Prinzipiell kann Deutschland zwar den Besitz insbesondere von lebenden Anhang-A-Tieren gemäß Artikel 8 EU-Artenschutzverordnung verbieten, ein solcher Beschluss ließe sich aber kaum ausreichend begründen und nur schwer mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und dem bestehenden Artenschutzvollzug vereinbaren, zumal diese Möglichkeit auch bei allen anderen geschützten Arten wie z.B. Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni) bestünde, welche bekanntlich schon einen bemitleidenswerten Haustierstatus mit all den damit verbundenen Problemen erlangt haben.

Fazit:

Eine Beschlagnahmung von L. williamsi innerhalb der Terrarienhaltung ist demnach ausgeschlossen, sofern die Tiere zu den jeweils geltenden Auflagen gehandelt und gehalten wurden. Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass die EU auf Drängen von Tansania oder dubioser „Artenschutzorganisationen“ nicht doch alsbald einen wahnwitzigen Beschluss erlässt oder zuständige Naturschutzbehörden im Einzelfall Willkür walten lassen. Als Betroffener müsste man in solchen Fällen sein Recht unter Umständen vor Gericht durchsetzen.

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