Sonntag, 28. Mai 2017

Ein „Tag“ auf der Schlangenfarm Schladen

Im schönen nördlichen Harzvorland liegt Schladen, wo sich Europas größte, private Schlangenfarm befindet. Gründer und Inhaber der Farm ist der aus TV und Zeitung bekannte Weltrekordhalter im „Snake-sit-in“ Jürgen Hergert.

Auf der Schlangenfarm Schladen (auch als
Nordharzer Schlangenparadies bekannt) werden erwartungsgemäß vor allem Schlangen gezeigt. Schwerpunkt liegt auf der Präsentation von Giftschlagen. Von den laut eigenen Angaben 58 Schlangenarten zählen 48 Arten zu den weitläufig als „Giftschlangen“ bezeichneten Arten. Doch auch ungiftige Exemplare wie Korn- und Erdnattern, Boidae, Pythonidae und sogar einige Echsen und Schildkröten werden ausgestellt. Diverse Wirbellose (hauptsächlich Vogelspinnen und Skorpione), Piranhas sowie ein „Krokodilhaus“ vervollständigen den Tierbestand. Mein persönliches Highlight war ein zentrales Außenterrarium, in dem sich mehrere einheimische Schlangenarten befanden. Dort konnte ich mehrere Äskulapnattern und eine Ringelnatter beobachten, die an einem improvisierten Fischteich auf Beutefang ging.
 

Insgesamt werden auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände rund 1300 Tiere gehalten. Da die Farm aber vor allem der Produktion von Schlangengiften dient, die in der Pharmazie z.B. für Antiseren oder Medikamente eingesetzt werden, wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon den Besuchern präsentiert. Der Rundweg ist entsprechend kurz, daher darf man nicht mit falschen Erwartungen an einen tagesfüllenden Ausflug anreisen. Ich habe mir Zeit gelassen, manche Terrarien mehrmals besucht und eine Vorführung angesehen, war aber trotzdem schon nach etwa einer Stunde mit allem durch.


Die Präsentation der Tiere wirkte auf mich teilweise leider nicht besonders ansprechend. Die ganze Farm hat einen Charme, den Wohnungsmakler beschönigend als „vintage“ bezeichnen würden. Die meisten Schlangenterrarien sind in Gebäuden eingemauert und durch Außenfenster zugänglich. Durch diese Fenster erfolgt auch die Beobachtung. Da man sich selbst dabei jedoch unter freiem Himmel befindet, erschweren Lichtreflexionen und Schattenwürfe die Beobachtung.
 

Bei der Einrichtung der Terrarien gab es ebenfalls Licht und Schatten. Die meisten Terrarien waren während meines Besuchs zunächst einmal sauber. Abgestreifte Exuvien – so erfuhr ich in der Vorführung – werden zu Demonstrationszwecken absichtlich für eine Zeit lang in den Terrarien belassen. Leider ließ die Einrichtung bei einigen Arten zu wünschen übrig. Geschnitzte Eulen und weihnachtliche Elche/Rentiere (?) aus Holz mögen zwar für manche eine ansprechende Terrariendekoration sein, auf mich wirkte das dann aber doch eher befremdlich. Vielleicht sollte damit dargestellt werden, dass die Tiere in freier Natur gerne mal Müllhaufen als Versteck nutzen? In einem Terrarium mit mehreren ausgewachsenen Tigerpythons gab es keinerlei Versteckmöglichkeiten. Zwar sind sich diese Tiere sicherlich ihrer Kraft bewusst und daher nicht mehr so scheu wie Jungtiere, dennoch würde ich bei diesen Tieren immer ein paar ausreichend große Rindenstücke o.Ä. empfehlen, unter die sich die Tiere bei Bedarf zurückziehen können. In einem Terrarium mit Schönnattern - auch Streifenkletternattern genannt – fehlte es mir an Kletterästen und Deckung im oberen Terrarienbereich. Der nutzbare Raum wurde meinem Empfinden nach nicht wirklich sinnvoll genutzt. Die Piranhas hatten es leider nicht besser. Diesen sensiblen Fischen dienten nämlich nicht etwa Wurzeln und Wasserpflanzung als Versteckmöglichkeit, sondern lediglich eine außen mit Rückwandfolie abgeklebte Hälfte ihres Aquariums.

Dass Terrarien mit Giftschlangen immer gut einsehbar sein müssen und daher zwischen Praktikabilität, Sicherheit und ausreichend Deckung für die Tiere abgewogen werden muss, ist mir bewusst. Die eher spartanische Einrichtung der Terrarien mit ungiftigen Schlangen lässt sich damit allerdings nicht rechtfertigen. Auch bei den Unterkünften der Echsen (beispielsweise einer Grünen Wasseragame sowie mehrerer Grüner Leguane, die in Gewächshäusern – jedoch ohne Gewächse – hockten, oder von Leopardgeckos, deren Rückwand keinerlei strukturierte Aufenthaltsfläche bot) waren die Haltungsbedingungen leider nicht so vorbildlich, wie sie bei einer öffentlich zugänglichen Tierhaltung meiner Meinung nach sein sollten.


Die Vorführung war in Ordnung. Eine Tierpflegerin präsentierte den Zuschauern einen Königspython namens „Norbert“ und erklärte einiges über die Farm, die Lebensweise dieses Tieres sowie die unterschiedlichen Giftwirkungen. Interessant war die Information, dass das Melken von Giftschlangen inzwischen nicht mehr in öffentlichen Vorführungen, sondern hauptsächlich hinter den Kulissen abläuft. Während des Vortrags konnten die Zuschauer den Königspython berühren, halten und mit ihm Fotos machen. Für mich als Halter dieser Art war das zwar nichts Besonderes, das Tier wirkte aber immerhin ruhig und gelassen. Auch war es schön zu sehen, wie Leute, die sonst mit diesen Tieren wohl eher nichts zu tun haben, ihre Vorbehalte ablegten und das Tier hautnah erlebten. Aus Aspekten der Naturbildung eine tolle Sache.
 

Fazit:

Wer in der Nähe von Schladen wohnt, ein Auto hat (oder eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln inkl. eines längeren Fußmarsches nicht scheut) und sich vor allem für Giftschlangen begeistert, sollte sich ruhig selbst mal einen Eindruck von der Schlangenfarm verschaffen. Eine weite Anreise lohnt sich aber meinem Empfinden nach nicht. Die 8,- Euro Eintrittspreis empfinde ich auch als zu hoch, insbesondere da man als Besucher nicht den Eindruck hat, als würden die Einnahmen für Modernisierungen eingesetzt. Auch die Außenwirkung der Terrarien lässt teilweise sehr zu wünschen übrig. Durch eine derartige Präsentation von Tieren in einer öffentlich zugänglichen, zoologischen Einrichtung wird leider erneut der (falsche) Eindruck vermittelt, dass Reptilien in deutschen Haushalten auch nicht besser gehalten werden.


Samstag, 20. Mai 2017

Exotenhaltung bundeseinheitlich regeln, aber wie?

Immer wieder wird die Forderung laut, dass die Haltung von sogenannten exotischen Wildtieren bundeseinheitlich geregelt werden soll. Diese Forderung betraf in ihren Anfängen zunächst erst einmal „nur“ die Haltung von potenziell gefährlichen Tieren, für die es je nach Bundesland gänzlich unterschiedliche Auflagen gibt. So hat Berlin derzeit eine recht strenge Gefahrtierverordnung, während es in Brandenburg keinerlei Regelung zur Gefahrtierhaltung gibt. Die Auflagen ändern sich an der Grenze Berlin/Brandenburg gewissermaßen mit der Postleitzahl an der nächsten Straßenecke. Dies ist natürlich absurd und sollte durch eine bundeseinheitliche Regelung behoben werden. Auch Tierhalterverbände fordern eine solche, um endlich Rechtssicherheit zu schaffen. Im Folgenden sollen die Möglichkeiten einer bundeseinheitlichen Regelung beleuchtet werden:

1. Bundesgefahrtiergesetz scheitert an Föderalismus

Die teils vollkommen unterschiedlichen Gefahrtierregelungen resultieren aus der Tatsache, dass aufgrund des Föderalismus die Gesetzgebungskompetenz in Bezug auf die Gefahrenabwehr bei den einzelnen Bundesländern liegt. Dies geht aus dem Grundgesetz hervor und wurde mit der Ewigkeitsklausel als unabänderlich erklärt:
Art 79 GG
„Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“
Will man dies ändern, müsste das Volk gemäß Artikel 146 GG eine Verfassung verabschieden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass dies aufgrund einer Randgruppe von Tierhaltern geschieht. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Noch ein paar Flüchtlingskrisen, noch ein paar populistische Parteien, die dieses Thema für sich ausschlachten und schwupps wird das Grundgesetz mit Volkes Stimme abgeschafft. Aber an und für sich besteht derzeit keine Möglichkeit für ein verbindliches „Bundesgefahrtiergesetz“.

2. Gifttierhaltung mit Chemikaliengesetz regeln

Eine realistische, derzeit verfügbare Möglichkeit für eine verbindliche Gefahrtierregelung auf Bundesebene betrifft lediglich die Haltung von giftigen Tieren. Dies geht aus dem Chemikaliengesetz (ChemG) hervor:
§ 18 Giftige Tiere und Pflanzen
(1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, soweit es zum Schutz von Leben oder Gesundheit des Menschen unter Berücksichtigung der Belange des Natur- und Tierschutzes erforderlich ist, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzuschreiben, dass Exemplare

1. bestimmter giftiger Tierarten


a) nicht eingeführt oder nicht gehalten werden dürfen,

b) nur eingeführt oder gehalten werden dürfen, wenn geeignete Gegenmittel und Behandlungsempfehlungen vom Einführer oder Tierhalter bereitgehalten werden, oder
c) nur eingeführt oder gehalten werden dürfen, wenn dies der zuständigen Behörde zuvor angezeigt wird,

[…]


Die Erlaubnis zur Haltung nach Satz 1 Nummer 1 Buchstabe b und c kann mit Auflagen verbunden werden.


(2) Absatz 1 Nummer 1 gilt entsprechend für tote Exemplare giftiger Tierarten oder für Teile von diesen. […]
Die Reglementierung der Haltung von giftigen Tiere wäre also schon jetzt bundeseinheitlich möglich. Allerdings wird das derzeit noch abgelehnt, weil man damit keine Tiere verbieten kann, die z.B. aufgrund ihrer Körperkraft dem Menschen gefährlich werden können (z.B. Raubkatzen oder Panzerechsen). Ob dieses Argument standhält, ist fraglich. Während Tierarten, die unbeteiligten Menschen aufgrund von Bissen oder Körperkraft tatsächlich gefährlich werden können, meist recht auffällig sind (man würde sicherlich mitbekommen, wenn der Nachbar einen Braunbären im Wohnzimmer sitzen hat), sind viele potenziell tödliche Gifttiere eher unscheinbar und können aufgrund fehlender Regelungen des Handels vergleichsweise problemlos von nicht sachkundigen Leuten erworben und dann heimlich in den Wohnzimmern gehalten werden. Statistiken belegen zwar, dass es Vorfälle mit diesen Tieren nur sehr selten gibt, bislang nur die direkten Halter betroffen waren und dass die meisten Halter solcher Tiere sehr verantwortungsvoll sind, dennoch sollte mit vernünftigen Regelungen gegen schwarze Schafe vorgegangen werden. Mit dem Chemikaliengesetz könnte zumindest an dieser Baustelle eine einheitliche Rechtssicherheit geschaffen werden.

3. Artenspektrum mittels Positivliste einschränken

Schaut man sich ein wenig um, wird deutlich, dass selbst in den Reihen der Terrarianer große Uneinigkeit bzgl. der Gefahrtierhaltung herrscht. Während einige auf vernünftige Regelungen pochen, die eine mit realistischen Auflagen verbundene Haltung von gefährlichen Tieren auch weiterhin erlauben sollten, vertreten andere Kollegen die Meinung, dass man Gefahrtiere nicht halten müsse und man diesen Zweig ruhig mit strengen Verboten abschneiden könne. Der Rückhalt für sog. „Gefahrtierhalter“ seitens vieler „Standardterrarianer“ (zu denen ich mich selbst ebenfalls zähle) ist meinem Empfinden nach nicht so hoch, wie er sein sollte. Viele vertraten bislang immer die Meinung „Betrifft mich nicht, also ist es mir egal.“ Diese Ignoranz hat dazu geführt, dass die derzeit favorisierte „bundeseinheitliche Regelung“ nicht mehr nur Gefahrtierhalter betrifft wird, sondern die gesamte Terraristik… und darüber hinaus.

Denn auf politischer Ebene kam man, angetrieben von Tierhaltungsgegnern aus den Reihen dubioser Organisationen und einseitig informierten (manipulierten) Mehrheiten in der Bevölkerung, auf die glorreiche Idee: „Verbieten wir doch einfach alles, bis auf ein paar wenige oft gehaltene Heimtiere. Damit schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe.“ Diese Position wurde einst von der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen vertreten. Während die SPD von dieser radikalen Meinung inzwischen offenbar ein Stück weit abgetreten ist (wobei ich mit Vorschusslorbeeren noch vorsichtig bin), schlagen die Landesverbände der Grünen weiterhin in diese Kerbe und wollen sich auf Bundesebene für eine sog. Positivliste einsetzen.


Mit einer Positivliste sollen alle Probleme auf einen Schlag gelöst werden. Es sollen nur noch Arten in den Privathaushalten erlaubt sein, die ungefährlich für Mensch und Natur sind, aus Tierschutzsicht gut zu halten sind, aufgrund guter Vermehrungsrate nicht mehr importiert werden müssen usw. Ziel ist eine möglichst kurze Liste zu schaffen, damit den Behörden der Vollzug erleichtert wird. Das klingt soweit auch alles ganz plausibel. Doch schaut man sich die Konsequenzen an (bekannt aus europäischen Ländern, die bereits Positivlisten beschlossen haben), kann eine solche Regelung aus Natur-, Tier- und Artenschutzsicht nur abgelehnt werden:

  • Nachzucht- und Naturbildungsprojekte sowie Kooperationen zwischen Privathaltern und zoologischen Einrichtungen würden unterbunden.
  • Nachhaltige Nutzung von Wildtierbeständen wäre nicht mehr möglich und Herkunftsländer würden die Lebensräume anderweitig (z.B. für konventionelle Landwirtschaft) nutzen.
  • Tierheime und Auffangstationen könnten die illegal eingestuften Tiere nicht mehr vermitteln. Die Tiere müssten also dauerhaft in solchen Einrichtungen untergebracht werden, die dafür häufig nicht ausgestattet sind. Gleichzeitig würden immer mehr „illegale“ Exemplare abgegeben, beschlagnahmt oder gar ausgesetzt.
  • Die Haustierprobleme bei den häufig gehaltenen und häufig vermehrten legalen Arten würden nicht bekämpft. Nichtsachkundige Leute, die nur aus Spaß oder als Statussymbol ein Reptil haben möchten, würden sich einfach am legalen Artenspektrum bedienen und so weiterhin Tierschutzprobleme verursachen.
  • Die Grundrechte auf freie Persönlichkeitsentfaltung und auf freie Berufswahl würde auf unverhältnismäßige Weise eingeschränkt und viele Halter in die Illegalität getrieben.
  • Der Marktwert für die illegal eingestuften Tiere würde auf dem Schwarzmarkt enorm ansteigen und Begehrlichkeiten bei den falschen Leuten wecken.
  • Sinnvolle Instrumente (z.B. die internationalen Artenschutzregelungen, welche Haltung und Handel durchaus erlauben) würden umgangen und regelrecht außer Kraft gesetzt.
  • Nachzucht- und Haltungsberichte, die mitunter sogar für den Erhalt von seltenen Arten im natürlichen Lebensraum von großer Bedeutung sind, würden nicht mehr veröffentlicht. Dadurch würden Haltungsbedingungen nicht verbessert, sondern jeder würde an seinem Tier selbst herumexperimentieren.
  • Gleiches wäre im Krankheitsfall denkbar, da illegal eingestufte Tiere nicht mehr dem Tierarzt vorgestellt würden.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man mit einer Positivliste all die Halter einschränken würde, die gar kein Problem darstellen, während man die bestehenden Probleme wie illegalen Tierhandel, Massenzucht und Spontanerwerb sogar noch befeuern würde. Eine Positivliste ist daher nicht nur aus subjektiver Haltersicht, sondern auch aus objektiver Tier- und Artenschutzsicht strikt abzulehnen!

4. Musterentwurf eines einheitlichen Gefahrtiergesetzes

Obwohl die Gesetzgebungskompetenz für Fragen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bei den einzelnen Bundesländern liegt, kann diese „Problematik“ dennoch umgangen werden. Dies wurde schon im Polizeirecht vergleichsweise erfolgreich demonstriert. Die Konferenz der Innenminister schuf einen Musterentwurf eines einheitlichen Polizeigesetzes (MEPolG), welcher von den Bundesländern größtenteils in geltendes Recht überführt wurde. Der Musterentwurf selbst ist nicht rechtsverbindlich, sondern gewissermaßen als Empfehlung zu verstehen. Da jedoch die Bundesländer das Ziel eines einheitlichen Polizeigesetzes hatten, wurde der Musterentwurf akzeptiert und umgesetzt.

Gleiches wäre auch bei der Gefahrtierhaltung denkbar. Es müsste ein „Musterentwurf für ein einheitliches Gefahrtiergesetz“ inkl. einer entsprechenden Gefahrtierliste (Negativliste) geschaffen werden, auf den sich zunächst alle Bundesländer einigen müssten, und dieser schließlich auf Landesebene in offiziellen Rechtsstatus erhoben werden. Dann hätten wir eine einheitliche Gefahrtiergesetzgebung.


5. Keine Verbote, sondern Sachkundenachweispflicht

Statt die Haltung bestimmter Tierarten mittels Positiv- oder Negativlisten zu verbieten, könnte die Haltung mittels Tierschutzgesetz an einen verpflichtenden Sachkundenachweis gekoppelt werden. Für nicht gefährliche Tierarten ist dieses Konzept alleine aus meiner Sicht vollkommen ausreichend. Damit würden die Gefahrtierregelungen der Bundesländer allerdings nicht vereinheitlicht, weswegen wir zusätzlich zu einem Sachkundenachweis für alle (!) Haus- und Heimtierhalter ein auf Sachkunde und Erlaubnisvorbehalt basierendes einheitliches Gefahrtiergesetz benötigen.
 

Fazit:

Mithilfe des Chemikaliengesetzes könnte zumindest die Haltung von giftigen Tieren bereits heute ohne großen Aufwand reglementiert werden. Im Rahmen eines Musterentwurfs könnte eine weitgreifende bundeseinheitliche Gefahrtiergesetzgebung geschaffen werden, die ursprünglich die Hauptforderung von Politik und Tierschützern war, weil es hierbei tatsächlich keine einheitliche Regelung gibt, was zu Rechtsunsicherheit führt. Dafür müsste jedoch zunächst einmal Einigkeit zwischen den Ländern geschaffen werden, woran diese Lösung meiner Einschätzung nach derzeit leider scheitert.

Andere Probleme wie z.B. Spontankäufe ungefährlicher Arten oder illegalen Artenhandel würden so zwar nicht beseitigt, aber für diese gibt es auch jetzt schon Gesetze, in denen diese Themen richtig aufgehoben sind und die bundesweit gültig sind (z.B. Bundesartenschutzverordnung, Tierschutzgesetz etc.). Eine sog. „Positivliste“, die alle Probleme auf einmal regeln soll, jedoch andere mühsam gewachsene Instrumente einfach außer Kraft setzen würde, ist jedoch aus vielen Gründen als nicht zielführend abzulehnen.


Die politischen Entscheidungsträger sollten sich auf den Kern der Forderung nach einer bundeseinheitlichen Regelung besinnen (gefährliche Tiere) und eine Regelung unter Konsultation von Sachverständigen aus den Reihen der Tierhalterverbände schaffen. Denn dort ist die geballte Kompetenz in Bezug auf gefährliche Tiere vorhanden.


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Freitag, 12. Mai 2017

ZZF fordert Regulierung des Internethandels

Nachdem der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) kürzlich ein Verbot gewerblicher Tierbörsen von den politischen Parteien zur Bundestagswahl 2017 forderte (ich berichtete), geht die Lobbyarbeit in die zweite Runde. Denn inzwischen hat der ZZF ein weiteres gemeinsames Positionspapier mit Tierschutzbund, Pro Wildlife und weiteren veröffentlicht, in dem eine Beschränkung des Internethandels mit Tieren gefordert wird: ZZF fordert zur Bundestagswahl 2017, den Versandhandel mit Tieren zu regeln!

Auf den ersten Blick sind die Forderungen des ZZF bzgl. einer Regelung des Internethandels nicht ganz so abgehoben wie in Bezug auf Tierbörsen. So wie ich die Forderung verstehe, sollen Inserate z.B. in Kleinanzeigenportalen weiterhin erlaubt sein. Nur sollen die Tiere dann nicht mehr per Kurier verschickt werden, sondern die Interessenten müssen die Anbieter persönlich besuchen, damit sich beide Parteien einen Eindruck voneinander verschaffen können. Zitat aus dem Positionspapier:
„Der Online- und sonstige Versandhandel mit Tieren an private Käufer soll […] verboten werden. Tiere dürfen im Internet und in anderen Medien angeboten werden. Aber sie sollten persönlich im Tierheim, bei Tierschutzorganisationen, im Zoofachmarkt oder in der Zuchtstätte des jeweiligen Anbieters übergeben werden.“
Dagegen ist aus meiner Sicht zunächst einmal nichts einzuwenden… auf den ersten Blick. Das Geschäftsfeld der Tierspedition müsste demnach komplett auf den gewerblichen Tierhandel beschränkt werden, denn nur so könnte ein Verbot umgesetzt werden. Ein Verbot des Versands von Tieren zwischen zwei sich bereits bekannten Tierhaltern wird zwar nicht im Positionspapier gefordert, wäre aber die logische Konsequenz, um Schlupflöcher zu vermeiden. Ob das allerdings im Interesse der Speditionen ist und ob der private Tiertransport mit der Bahn oder im überhitzten Auto in jedem Fall besser für das Tier ist, bleibt fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Tiere dann erst recht nicht mehr mit solchen seriösen Tierspeditionen, sondern mit normaler Paketpost verschickt würden. Alles naheliegende Konsequenzen, über die der ZZF und die anderen Vereine in ihrem gemeinsamen Positionspapier leider schweigen.
 

Fazit:

An Forderungen, den Handel auf Börsen oder im Internet zu regulieren, habe ich im Interesse der Tiere zur Vermeidung von Spontankäufen nichts auszusetzen. Aber genau wie die Forderung nach Verboten von gewerblichen Händlern auf Börsen ist die Forderung nach Einschränkungen des Internethandels seitens des ZZF in meinen Augen leider plump und unausgegoren. Börsen und Internet sind in Bezug auf den Handel mit Tieren inzwischen so negativ geprägt, dass Händlerverbände sich davon abgrenzen wollen. Dafür habe ich trotz all der Kritik durchaus Verständnis. Auf mich erweckt das alles aber mehr und mehr den Eindruck, als feuere der ZZF seine Forderungen als Schnellschüsse ab, um aus den nächsten Koalitionsverhandlungen möglichst unbeschadet hervorzugehen und eben selbst nicht von Verboten betroffen zu sein.

Um diesen Eindruck zu beseitigen, gäbe es eine simple Lösung: Wann liefert der ZZF eigentlich ein Positionspapier, in welchem die Missstände im stationären Zoofachhandel thematisiert und Forderungen nach strengeren Auflagen für die eigenen Mitglieder gestellt werden? Der ZZF ist schließlich vom Fach, also wird er doch wohl auch solche Forderungen liefern können. Die bisher mitzeichnenden Vereine wären dann bestimmt auch wieder gerne mit von der Partie...

 
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Donnerstag, 11. Mai 2017

Norwegen beschließt Positivliste für Reptilien

Seit 40 Jahren besteht in Norwegen ein striktes Haltungs- und Handelsverbot für Reptilien. Wie der ehemalige DGHT-Präsident Peter Buchert in einem Vortrag auf dem ersten Wildtier-Symposium in Berlin darstellte, führte dieses generelle Verbot zur Tötung von jährlich mindestens 1.000 beschlagnahmten Reptilien und Amphibien. Damit wird voraussichtlich ab Sommer dieses Jahres zumindest ein Stück weit Schluss sein: 

Wie die norwegische Regierung heute in einer Pressemeldung bekanntgab, wird am 15. August 2017 eine Änderungsverordnung in Kraft treten, welche die Haltung, den Import und den Handel von 19 Reptilienarten wieder legalisiert. Die Liste der erlaubten Reptilien entstand in einem langwierigen Prozess seit 1994 unter Konsultation verschiedener Experten und mit Beteiligung mehrerer Ausschüsse (anders also als in den Niederlanden).

Lobenswert ist, dass die norwegische Regierung sich in den letzten 23 Jahren intensiv mit Meinungen seitens der Heimtierbranche auseinandergesetzt hat und nicht mehr an einem veralteten Beschluss festhalten wollte. Andererseits wird deutlich, dass die Zoofachhandelslobby ihren Einfluss vor allem bei den handelsrelevanten Arten spielen ließ. Folgende 19 Reptilienarten werden nämlich wieder erlaubt sein:

Schlangen:
Grüner Baumpython (Morelia viridis)
Hundskopfboa (Corallus hortulanus)
Abgottschlange (Boa constrictor)
Königspython (Python regius)
Kettennatter (Lampropeltis getula)
Kornnatter (Pantherophis guttatus)
Dreiecksnatter (Lampropeltis triangulum)
Regenbogenboa (Epicrates cenchria)
Rautenpython (Morelia spilota)

Echsen:
Stachelschwanzwaran (Varanus acanthurus)
Neukaledonischer Kronengecko (Correlophus ciliatus, syn. Rhacodactylus ciliatus)
Leopardgecko (Eublepharis macularius)
Perleidechse (Lacerta lepida)
Geschmückte Dornschwanzagame (Uromastyx ocellata)
Bartagame (Pogona vitticeps)
Madagaskar-Taggecko (Phelsuma madagascariensis)

Schildkröten:
Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
Chinesische Dreikielschildkröte (Chinemys reevesi)
Köhlerschildkröte (Chelonoidis carbonarius, syn. Geochelone carbonaria)

Prinzipiell hat also Lobbyismus zwar dafür gesorgt, dass ein paar wenige Reptilienarten wieder gehalten und gehandelt werden dürfen, statt beschlagnahmt und getötet zu werden, was man zunächst einmal als Erfolg auffassen könnte. Dennoch ist die Objektivität weiterhin zu hinterfragen. Warum soll z.B. die Kornnatter geeigneter für die Heimtierhaltung sein als beispielsweise die Erdnatter (Pantherophis obsoletus)? Objektiv gibt es dafür schlicht und ergreifend keinen Grund… aus subjektiven Handelsinteressen aber offenbar schon
.
 
Positivlisten mögen in einem Land, welches bislang nur strikte Komplettverbote kannte, zwar ein Schritt in die richtige Richtung sein, dennoch sind sie prinzipiell abzulehnen. Denn für Tausende andere Reptilienarten wird sich nichts ändern. Sie werden weiterhin beschlagnahmt und mitunter eingeschläfert. Dabei wären diese in der Mehrzahl ebenfalls für eine sachkundige Privathaltung sehr gut geeignet. Ein ideologisch motiviertes generelles Verbot aller Reptilien lehne ich zwar ebenso ab, es ist für mich aber dann doch eher nachzuvollziehen als diese leidige Rosinenpickerei mittels Positvliste!


Freitag, 5. Mai 2017

Tierschutz ist SCHEISSE!!!1elf

Im Nachklang des Hilferufs von 30 Tierschutzvereinen an den amtierenden Bundeslandwirtschaftsminister (ich berichtete) entbrannte auf der Facebookseite des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V. (HTV) eine hitzige Debatte über die Forderungen der mitzeichnenden Vereine. Konkret wurde die Forderung nach einer Positivliste (nette Umschreibung für Haltungsverbote) von einigen Reptilienhaltern inkl. meiner Wenigkeit scharf kritisiert. So stellten wir u.a. klar, dass
…eine Positivliste nicht die Reptilienhalter reglementieren würde, die sich diese Tiere als Statussymbol anschaffen, da sich diese dann einfach am noch erlaubten Artenspektrum bedienen würden oder ihre Tiere aus dubiosen, nicht kontrollierbaren Quellen bezögen.

…verantwortungsvolle Reptilienhalter, die sich als Artenschützer in Kooperation mit Naturschutzverbänden und -behörden am Erhalt und der Auswilderung von Arten sowie als Bürgerwissenschaftler z.B. bei der Entdeckung von Brutpflegeverhalten aktiv am Artenschutz beteiligen, in diesem wichtigen Engagement behindert würden.

…Reptilienhalter, die Tierheime und Auffangstationen entlasten, nicht mehr helfen dürften, da mit einer Positivliste ein generelles Verbot der Neuanschaffung einherginge und die zunehmend ansteigenden Tierheimbestände daher nicht mehr vermittelt werden dürften.

…in diversen anderen Situationen, in denen Verbote umgesetzt wurden (z.B. Schnapp- und Geierschildkröten, Gefahrtiere, invasive Arten, Listenhunde...), Tierheime und Auffangstationen eine besondere Überlastung beklagen, weil sie diese Tiere nicht mehr vermitteln dürfen (was nach Beschluss einer Positivliste nicht mehr nur für ein paar wenige, sondern Tausende Spezies gelten würde).

…die Eignung eines Tieres für die Haltung in menschlicher Obhut davon abhängt, ob und in welcher Weise die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden können und dass sich die meisten Reptilien aus Tierschutzsicht nachweislich nicht von anderen Heimtieren unterscheiden.
Weitere Argumente sind dem Diskussionsverlauf auf Facebook zu entnehmen. Fraglich ist, wie lange noch, da bereits erste Kommentare gelöscht und Kommentatoren blockiert wurden, was die Hilflosigkeit des HTV in Anbetracht des geballten Fachwissens seiner Kritiker unterstreicht.

Auf diese Argumente gingen weder der HTV noch die anderen aktiven Befürwortern einer Positivliste ein. Positivlisten wurden und werden als das Allheilmittel schlechthin zur Beseitigung der vorhandenen Probleme in der Reptilienhaltung beschworen. Eine Antwort auf die Frage, warum man dieses tolle Instrument dann nicht auch zur Beseitigung der massiven Probleme in der sog. „Haustierhaltung“ fordert, blieb man uns schuldig. Stattdessen wurden wir lapidar als skrupellose, Tierausbeuter bezeichnet, die Probleme stur leugnen und denen Tierschutz egal se
i. 

Tierhaltung ist Tierschutz – auch „Wildtierhaltung“ 

Der Vorwurf, dass wir Terrarianer die Probleme der Reptilienhaltung leugnen und uns nicht im Tierschutz engagieren, ist ein Undank sondergleichen! Mein eigener Tierbestand besteht größtenteils aus „Glücksschüppchen“. Wenn Leute Hunde oder Katzen aus dem Tierschutz aufnehmen und mit großem finanziellen Aufwand wieder aufpäppeln, dann werden sie dafür gefeiert. Ich will ja gar nicht gefeiert werden, denn ich halte meine Tiere schließlich nicht als Statussymbol, aber ich verlange Toleranz und Respekt dafür, dass ich mich im gleichen Maße für Tiere einsetze, die Großteile der Bevölkerung als Ekelviecher bezeichnen. Dafür müssen wir Terrarianer uns genauso wenig schämen, wie alle anderen Leute, die Tierheimtieren ein schönes Zuhause bieten!

Ferner taten der HTV und seine Unterstützer die jährlich ca. 130.000 Tierheimkatzen und 80.000 Tierheimhunde als Einzelfälle ab (und rechtfertigen so indirekt den regelmäßigen Import von inzwischen über 300 weiteren Hunden aus Rumänien durch den HTV und seine Kooperationspartner), während die jährlich ca. 1.800 Reptilien in den angeschlossenen Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes als großes Übel dargestellt wurden. Dabei geht aus diesen Zahlen deutlich hervor, dass Reptilien für Tierheime keine große Rolle spielen. Man beachte, dass der HTV auf seiner Website einen jährlichen Katzenbestand von etwa 3.000 angibt. Dieses Tierheim muss also fast doppelt so viele Katzen unterbringen, wie Reptilien in allen Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes zusammen untergebracht werden müssen! Aber Exoten sind ein Problem...

 

Positivlisten leisten Tierschutz einen Bärendienst

Aus der Tierheimbefragung des Deutschen Tierschutzbundes aus dem dem Jahr 2014 geht hervor, dass das Hamburger Tierheim jährlich durchschnittlich 204 Reptilien aufnehmen muss (davon rund 62 % Wasserschildkröten, 11 % Landschildkröten, 8 % Bartagamen, 5 % Kornnattern und 1 % Pythons). Der Verein ist damit einer der Spitzenreiter was Reptilienaufnahmen betrifft. Deswegen habe ich für die Probleme des Vereins durchaus Verständnis. Warum der HTV diese Probleme aber weiter befeuert, indem er mit der Forderung nach einer Positivliste die Möglichkeit einer Weitervermittlung beendet, entzieht sich meinem Verständnis. Womöglich spekuliert man darauf, dass die typischen Tierheimtiere vom Gesetzgeber als gut haltbar und demnach auch als „handelbar“ eingestuft werden. Fall nicht, wird der HTV im Falle einer nächsten Befragung wohl nicht mehr angeben: „Alle Reptilien konnten erfolgreich an Privathaushalte vermittelt werden“ 

Mir liegt es fern, die Überforderung von klassischen Tierheimen in Bezug auf sog. „Exoten“ zu leugnen (das erlebe ich ja selbst, deswegen springe ich als Fachkundiger ja gerne helfend ein). Aber die Darstellung des HTV ist in meinen Augen scheinheilig. Die Tierschutzvereine können froh sein, dass es momentan noch so wenige „Exoten“ sind, die im Tierheim landen. Denn das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs, weil wir Reptilienhalter recht gut vernetzt sind und untereinander Tiere weitervermitteln, ohne Tierheime zu belasten. Aber das ist ja dann für Außenstehende der „Szene“ wieder „illegaler Internethandel“ oder „Herumreichen von Wanderpokalen“. Wie man es macht, macht man es falsch...

Ich hätte nie gedacht, dass jemals der Tag kommen würde, an dem ich mich schämen muss, selbst im Tierschutz aktiv zu sein! Deswegen ist Tierschutz manchmal eben scheiße. Man gibt sein letztes Hemd, arbeitet hart und wird dann noch von sog. „Tierschutzvereinen“ mit Undank bestraft. Immer mehr seriöse Tierschutzvereine scheinen sich bei radikalen Tierhaltungsgegnern anzubiedern und deren Forderungen undifferenziert auf die eigene Fahne zu schreiben, obwohl ihnen diese Clubs ohne aktive Tierschutzarbeit ständig Unterstützer und Spendengelder abspenstig machen. Und echte Tierschützer aus den Reihen der Tierhalterschaft werden mit unqualifizierten Aussagen vor den Kopf gestoßen. Das ist entweder pure Dummheit oder es steckt tatsächlich mehr dah
inter. 

Verbote verschaffen nicht nur der Tiermafia Profit

Positivlisten (also Haltungsverbote) sind eine Enteignung der Tierhalter auf Raten. Zwar wird der Bestandsschutz gewahrt, aber es wäre naiv anzunehmen, dass Tiere nicht doch irgendwann ein Fall für den Tierschutz werden. Da Positivlisten die Neuanschaffung verbieten, wird auch die Vermittlung innerhalb der Halterschaft verboten. Die betroffenen Tiere wären dann immer ein Fall für die Behörden, die dieses Problem bekanntlich gerne auf den Tierschutz abwälzen, und würden zur dauerhaften Unterbringung in Tierschutzeinrichtungen verdammt. Wer dies nicht einfach nur aus Naivität ausblendet, scheint diese Konsequenz offenbar als eigentliches Ziel zu verfolgen. Gewisse Organisationen scheinen, so mein in den Jahren gewachsener persönlicher Eindruck, ehemalige „Wildtiere“ aus Zirkussen, Zoos und Privathand in sogenannten „Gnadenhöfen“ und „Tierschutz-Zoos“ unterbringen zu wollen, um mit den Eintrittsgeldern sowie Spenden ihre Gehälter aufzustocken. Die Tierhaltung, die auf der einen Seite als großes Übel dargestellt wird, wird selbst betrieben und weißgewaschen. Objektiv hat sich für die Tiere aber rein gar nichts geändert. Statt selbst die teils seltenen Tiere mit großem Aufwand zu züchten, werden einfach Verbote gefordert, mit denen die Halter enteignet und die „Tierschutz-Zoos“ mit neuen Exponaten aufgewertet werden.

Fazit:

Selbst wenn die Forderung nach einer Positivliste doch nur auf Naivität beruht, empfinde ich es als sehr bedenklich, dass die Befürworter solcher Haltungsverbote trotz der vielen Warnungen und vergleichbaren Erkenntnissen aus der Vergangenheit beratungsresistent sind. Am Ende sind nicht nur wir, sondern auch die Tierheime und Auffangstationen und natürlich die Tiere die Leidtragenden. Ich werde, sollten die politischen Entscheidungsträger ebenso borniert sein und tatsächlich der Forderung nachgeben, meine Konsequenzen aus der Sache ziehen. Sollte eine Positivliste beschlossen werden, stehen die besagten 30 Vereine – angefangen beim Hamburger Tierschutzverein – auf meiner persönlichen „Positivliste“ all der Einrichtungen, die zur Exotenaufnahme empfohlen werden können. Sollen die sich dann um die ganzen Fund- und Abgabetiere selbst kümmern, bei denen bisher noch sachkundige Privathalter einspringen dürfen. Die Vereine haben ja offenbar genug Kapazitäten, um auf privates Ehrenamt verzichten zu können, sonst würden sie Tierschutzprobleme nicht noch weiter befeuern.



Was sind eigentlich... „Glücksschüppchen"

„Glücksschüppchen“ ist ein verniedlichender Begriff für Reptilien und im weitesten Sinne auch für Amphibien und Fische, die aus dem Tierschutz stammen (z.B. aus schlechter Haltung gerettet oder nach Aufenthalt in einem Tierheim bzw. einer Auffangstation wieder in ein neues Zuhause vermittelt wurden). Das Wort ist abgeleitet vom Begriff „Glücksfellchen“, der bei Haustierhaltern kursiert und Hunde und Katzen sowie im weitesten Sinne auch Kleintiere mit Fell aus dem Tierschutz bezeichnet.

Von ernsthaften Terrarianern, die Reptilien und andere Terrarientiere nicht vermenschlichen, wird der Begriff weitestgehend abgelehnt. Im Kontakt zu Verfechtern eines emotionalen Tierschutzgedankens ist es aber stellenweise sinnvoll, ein vergleichbares Vokabular zu verwenden.

Hier ein paar „Glücksschüppchen“ aus dem Bestand von meinem Partner und mir zur weiteren Erklärung des Begriffs:
 

Bartagamen sind keine Spielzeuge!

Den Anfang macht ein Pärchen Streifenköpfiger Bartagamen (Pogona vitticeps), welches von den Vorbesitzern zwar in einem ausreichend großen Terrarium gepflegt wurde, jedoch ließen Hygiene, Bodengrund und Beleuchtung (insbesondere UV-Anteil) zu wünschen übrig. Das Weibchen quittierte dies mit einer beginnenden Rachitis, welche jedoch glücklicherweise von uns mittels UV-Beleuchtung und vernünftig supplementiertem Futter gestoppt werden konnte. Auch die Ernährung der Tiere bei den Vorbesitzern war nicht artgerecht. Bei Fertigfutterpellets und gefriergetrockneten statt lebenden Insekten scheiden sich bekanntlich die Geister. Doch diese beiden Bartagamen wurden zusätzlich mit Kuchen und ähnlichen Leckereien gefüttert! Eine Kotprobe ergab Oxyuren und Amöben.

Die Tiere wurden zudem ständig frei in der Wohnung herumlaufen gelassen. Resultat: eine Augenverletzung beim Männchen. Ob diese aus einem Zwischenfall mit einer der Katzen der Vorbesitzer resultierte oder aus den Machenschaften, mit denen die Kinder der Vorbesitzer die Tiere traktierten, lässt sich nicht nachvollziehen. Denn die Kinder hatten rege Freude daran, die Tiere umherzuwerfen oder insb. mit dem Weibchen „Auto zu spielen“: das Tier wurde ein wie Spielzeugauto ordentlich über den Teppichboden gezogen! Dadurch verlor das Weibchen an den Vorderbeinen nahezu alle Krallen. Das Auge des Männchens ist laut tierärztlicher Untersuchung zwar nicht vollständig blind, besitzt aber nicht mehr die volle Sehkraft. Dies wird auch im Verhalten des Tieres deutlich.

Schlangen aus Zoofachgeschäft

Eines unserer örtlichen Zoofachgeschäfte verzichtet auf unser Drängen in seiner Terraristikabteilung auf den Lebendtierverkauf, weil die Tiere dort den Verkäufern eher eine Last waren und dementsprechend schlecht gehalten wurden. Bei den von uns übernommenen Tieren handelte es sich um eine Stuart-Königsnatter (Lampropeltis abnorma „stuarti“) und eine Kornnatter (Pantherophis guttatus) - beides nachgezüchtete Farbvarianten. Die Tiere waren trotz der nicht wirklich optimalen Haltungsbedingungen gesund. Das besagte Zoofachgeschäft hält sich bisher an sein Wort und verkauft keine Terrarentiere mehr.
 

Taggecko-Weibchen mit Übergewicht

Dieser weibliche Madagaskar-Taggecko (Phelsuma grandis) mit Übergewicht und Häutungsproblemen stammt aus einem Privathaushalt, in dem die Fütterung mit Mehlwürmern viel zu reichhaltig war. Nach einigen Wochen angemessener Fütterung und der Versorgung mit den notwendigen Mineralstoffen und UV-Licht, entwickelten sich das Tier zu einem sehr zutraulichen und normalgewichtigen Taggecko. 


 

Fundgecko

Dieser Leopardgecko (Eublepharis macularius) wurde angeblich in einer Kunstoffbox auf dem Parkplatz eines Zoofachgeschäfts ausgesetzt und dort von einer Kundin gefunden. Die Box (siehe Foto) mitsamt eingebauter Beleuchtung machte auf uns den Eindruck, als hatte sie nicht nur zum Transport gedient, sondern wurde für die dauerhafte Haltung genutzt. Wie so oft wurde dieses Tier ausschließlich auf losem Sand gehalten, was für Leopardgeckos nicht der richtige Bodengrund ist.
 

Diese „Glücksschüppchen“ sind eine Mahnung dafür, dass die Haltersachkunde verbessert werden sollte, statt mit Positivlisten an der Situation dieser häufig und daher leider auch häufig falsch gehaltenen Reptilien rein gar nichts zu ändern, sondern damit sogar noch privaten Tierschützern die Möglichkeit zu nehmen, in solchen Einzelfällen einzuspringen!
 

Mittwoch, 3. Mai 2017

ZZF spricht sich gegen Tierbörsen aus!

Heute hat der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) ein Positionspapier veröffentlicht, in welchem er ein Verbot gewerblicher Tierbörsen zur Bundestagswahl 2017 fordert. Diese Forderung basiert auf einem gemeinsamen Schulterschluss u.a. mit Pro Wildlife und dem Deutschen Tierschutzbund. Das Positionspapier sowie die zugehörige Pressemeldung gibt es hier: ZZF fordert zur Bundestagswahl 2017: Gewerbliche Tierbörsen abschaffen!

Einen sehr lesenswerten Beitrag zu diesem Ereignis hat auch schon Homoneo.de veröffentlicht.
 
Der Dachverband der deutschen Heimtierbranche hat also nun deutlich Stellung gegen sogenannte „gewerbliche Tierbörsen“ bezogen. Es ist bekannt, dass die Terraristik im Zoofachhandel stark rückläufig ist. Dies geht z.B. aus der Ausgabe 1/2015 des Fachmagazins für die Heimtierbranche „pet“ hervor, in dem die Terraristik als eines der „schwierigsten Segmente der Heimtierbranche“ aufgrund der „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ der Kunden bezeichnet wurde. Weil die meisten Züchter ihre Tiere lieber auf Börsen, statt über den Zoofachhandel als Zwischenhändler verkaufen und die Preise aufgrund fehlender Overheadkosten wie Miete, Personal etc. deutlich niedriger sind als im stationären Zoofachhandel, sind Börsen sicherlich als kostengünstige Alternative zu betrachten, die dem Zoofachhandel die Kundschaft streitig machen. Aufgrund der Preistransparenz auf Börsen und der Möglichkeit, verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen, bieten Börsen Vorteile, die der Zoofachhandel nicht bieten kann und deren Mangel bislang mit kostengünstigen Wildfängen oder Einsparungen beim Fachpersonal kompensiert wurden. Es ist aus wirtschaftlicher Sicht also mehr als nur verständlich, wenn der Zoofachhandel sich gegen Börsen ausspricht. Entscheidend ist, welche Argumente man bedient, um diese Position zu untermauern:

Keine Beratung auf Börsen?

Der ZZF sowie die mitzeichnenden Organisationen sind der Meinung, dass auf Börsen aufgrund des Andrangs keine sachgerechte Beratung sichergestellt werden kann. Auch sei eine Beratung nach dem Kauf nicht mehr möglich.

Wie ich schon zur der letzten Terraristika in einem Pro- und Contra-Artikel zum Thema „Exotenbörsen“ umfangreich dargestellt habe, halte ich die Beratung auf Börsen für qualitativ besser als in vielen Filialen des Zoofachhandels. Das Problem auf Börsen ist, dass die meisten Händler den Käufern eine vorhandene Sachkunde einfach unterstellen und daher meist nur auf Anfrage eine Beratung durchführen. Durch diese etablierte Verkaufspraktik sind Spontankäufe leider durchaus möglich.

Andererseits habe ich schon in vergangenen Artikeln immer wieder mal über meine Erlebnisse als Kunde im Zoofachhandel berichtet. Beispielsweise der Bericht über ein Jemenchamäleon, das monatelang als Ladenhüter in einem sehr kleinen Terrarium hauste und plötzlich, nachdem mein Partner und ich Kaufinteresse äußerten und nach den Papieren fragten, zunächst vertröstet wurden und das Tier kurz darauf aus dem Verkauf verschwand ("Die Papiere bitte!"). Oder aber über meine Suche nach Blasenschnecken für ein 10 Liter Nanoaquarium, die mit der Empfehlung der Verkäuferin endete, doch stattdessen Welse zu kaufen (die für ein solches Minibecken vollkommen ungeeignet gewesen wären!). Man fragt sich, was schlimmer ist: Keine Beratung oder falsche Beratung?

Natürlich sind das nur Einzelfälle und nicht jedes Zoofachgeschäft stellt die Verkaufsinteressen so skrupellos über das Tierwohl. In kleinen, spezialisierten Zoofachgeschäften wird man sehr gut beraten, eben weil man dort mit spezialisiertem Personal zu tun bekommt. In großen Ketten mit häufig wechselndem Tierbestand sieht das aber leider häufig anders aus. Wenn der Zoofachhandel mit Selbstbeschränkungen gegen solche Probleme vorgeht, dann ist das sehr zu begrüßen. Argumente gegen Konkurrenten vorzuschieben, obwohl es in den eigenen Reihen mindestens ebenso berechtigte Kritik gäbe, ist jedoch blanker Hohn.

Um an dieser Stelle noch eine frische Anekdote nachzuschieben: Es ist bemerkenswert, dass das Personal im örtlichen Zoofachhandel immer wieder gerne betont, wie schlimm doch Tierbörsen sind, man diese Leute dann aber selbst vollgepackt auf solchen Veranstaltungen antrifft.

Tierleid durch fahrende Händler?

Ein weiteres Argument beruht auf dem Vorwurf, dass Händler von Börse zu Börse tingeln und der wiederholte Transport insbesondere bei langen Anreisen Tierleid verursacht.

Auch dieses Argument ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen, könnte aber anstelle mit Verboten z.B. durch eine konsequente Beschränkung der Händler auf das nähere Börsenumfeld behoben werden. Dadurch würden auch kaum kontrollierbare Megabörsen mit flohmarktähnlichen Auswüchsen reduziert. Das Argument hinkt allerdings insofern, als dass Vereinsbörsen erlaubt bleiben sollen. Ob nun jemand mit seinen Tieren aus München zu einer gewerblichen Tierbörse nach Hamm fährt oder zu einer regelmäßigen Vereinsbörse nach Paderborn, macht aus Tierschutzsicht keinen Unterschied. Denn Vereine sind mitunter genauso überregional wie gewerbliche Tierbörsen. Schließt man auch diese in die Verbotsforderung mit ein, währen Züchter und Händler dazu gezwungen, ihre Tiere auf anderen Wegen (z.B. im Internet) zu verkaufen. Ob das in jedem Fall tierschutzgerecht wäre, ließe sich nur schwer überprüfen.

Fazit:

Ich hoffe sehr, dass die Börsenbetreiber nun nicht denselben Fehler machen und sich in einem Positionspapier auf ebenso undifferenzierte Art und Weise gegen den Verkauf von Tieren im Zoofachhandel aussprechen – womöglich sogar noch mit einem gemeinsamen Schulterschluss mit Tierhaltungsgegnern. Denn das ist es, was diese Lobby immer wieder geschickt einfädelt: Unterschiedliche Interessenvertreter gegeneinander auszuspielen. Statt auf Basis einer objektiven Herangehensweise eine gemeinsame Grundlage für die durchaus nötigen Verbesserungen in allen Bereichen der Heimtierbranche zu finden, geht die Tendenz leider zunehmend zu immer radikaleren Positionen, mit denen mehr und mehr das Ende der Heimtierhaltung eingeläutet wird. 
Der ZZF hat nun immerhin eine klare Stellung zu dieser Thematik bezogen. 
Zu wissen, woran man ist, ist ja auch schon ein Erfolg.
 
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