Dienstag, 21. März 2017

Deutscher Tierschutzbund erstellt „Heimtierschutzverordnung“

In einer heutigen Pressemeldung hat der Deutsche Tierschutzbund die Erstellung eines Entwurfs für eine Heimtierschutzverordnung bekanntgegeben: Heimtierschutzverordnung: Deutscher Tierschutzbund legt Entwurf vor

Der Entwurf, welcher dem zuständigen Ministerium (BMEL) sowie den Bundestagsfraktionen vorgelegt werden soll, sieht eine bundeseinheitliche Regelung der Heimtierhaltung vor, welche aus Sicht des Vereins unzureichend durch das Tierschutzgesetz (sowie die Tierschutz-Hundeverordnung) geregelt sei. Geht es nach dem Deutschen Tierschutzbund, soll mit einer solchen Heimtierschutzverordnung zunächst die Haltung von „üblicherweise in Privathaushalten gehaltenen Heimtieren“ geregelt werden. In der Pressemeldung heißt es ferner:
„In einem zweiten Schritt könnten Tierarten ergänzt werden, für welche eine Eignung zur Haltung als Heimtier wissenschaftlich nachgewiesen wurde - aus Tierschutzsicht, aber auch aus Arten- und Naturschutzsicht sowie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit.“
In diesem Wortlaut findet sich die unterschwellige Forderung nach einer Positivliste wieder. Wie so oft versucht der Deutsche Tierschutzbund, Einschränkungen der Heimtierhaltung durchzusetzen. Mittlerweile mit einer erschreckenden Dreistigkeit, bei der es nicht mehr nur bei Forderungen bleibt, sondern inzwischen schon Verordnungen eigenhändig im gewünschten Wortlaut erstellt werden. Der Tierschutzbund hat offenbar noch nicht ganz verstanden, wie in unserer Demokratie das Gesetzgebungsverfahren abläuft: Interessenverbände können sich zwar einbringen und in bestimmten Fällen sogar mittels Sachverständigen aktiv am Prozess teilnehmen, legislative Gewalt haben sie jedoch ganz und gar nicht.

Ich habe mich mit der „Pseudo-Verordnung“ deshalb auch nicht großartig beschäftigt. Außerdem ließe sie sich gemäß den darin aufgeführten Begriffsbestimmungen sowieso nicht auf Terrarientiere anwenden. Dass es bei den etablierten Heimtieren (insbesondere Katzen mangels Katzenschutzverordnung) einen gewissen Nachholbedarf gibt, ist bekannt und ich finde es in der Sache auch gut, dass der Tierschutzbund die Situation u.a. mit der Schaffung von Mindesthaltungsstandards verbessern möchte (dann sollte § 19, Abs. 5 aber bitte noch geändert und Freigänge zum Schutz einheimischer Arten sowie der öffentlichen Sicherheit strikt verboten werden). Durch die Erstellung von Verordnungstexten durch Lobbyverbände wird jedoch die Kompetenz des vom Volk demokratisch gewählten Verordnungsgebers für meinen Geschmack ein wenig zu sehr untergraben. Würde eine solche „Verordnung“ mehr oder weniger identisch in geltendes Recht überführt, wäre dies ein weiteres Armutszeugnis für unseren Rechtsstaat.

Es wird also wohl bei einem (wenn auch aufwendigen) PR-Gag bleiben.

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Sonntag, 19. März 2017

Feldherpetologen beziehen Stellung zu Tierbörsen und Tierhaltung

Kürzlich wurde in der Zeitschrift für Feldherpetologie (Band 24, Seite 119–127) das Positionspapier einiger Feldherpetologen veröffentlicht, in denen die Reptilienforscher eine ablehnende Position zu Tierbörsen einnehmen: Positionspapier - Tierhandel, Tierhaltung und Feldherpetologie

In ihrem Positionspapier unterstützen THIESMEIER et al. Den Beschluss der noch amtierenden Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag, Importe von Wildfängen in die EU sowie gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere zu untersagen.

Begründet wird diese Forderung mit Quellen wie Bündnis 90/Die Grünen oder Pro Wildlife e.V., die unkommentiert zitiert und somit als wahrheitsgemäß dargestellt werden. Unter anderem werden dabei die Importzahlen von lebenden Reptilien
sowie der Anteil an Wildfängen mit Schätzungen von Pro Wildlife (jährlich bis zu 850.000 lebende Reptilienimporte) als besonderns hoch angegeben. Bekräftigt wird diese Schätzung mit einer Angabe des Statistischen Bundesamtes, welches von jährlich ca. 800.000 lebenden Reptilien spricht, die nach Deutschland importiert werden.

Rückläufige Importe

Entscheidend hierbei ist, dass es sich um veraltete Zahlen aus dem Jahr 2007 handelt. Aktuellere Daten des Statistischen Bundesamtes sprechen von ca. 405.000 importieren Reptilien im Jahr 2012 und ca. 320.000 Stück im Jahr 2013. Bei Reptilienimporten ist also ein deutlicher Rückgang um ca. 60 Prozent festzustellen. Setzt man diese Importzahlen mit den Angaben der European Pet Food Industry Federation (FEDIAF) in Relation, welche in ihren „Facts & Figures“ für das Jahr 2014 etwa 1.450.000 Reptilien in deutschen Haushalten angibt, kommt man zu dem Ergebnis, dass Importe, bei denen es sich nicht zwangsläufig immer um Naturentnahmen handelt, rund ein Fünftel (22 Prozent) am für die Terraristik relevanten Wildtierhandel ausmachen. Zwar geben die Autoren auch valide Importzahlen an (20,8 Millionen Reptilien), da sich diese jedoch auf das gesamte EU-Gebiet beziehen, ist mit diesen Zahlen für die Bundesgesetzgebung leider wenig anzufangen. Hier wären weitere Studien interessant, die Importe sowie Transportmortalität näher beleuchten. 

In dem Positionspapier fehlt es mir stellenweise an der notwendigen wissenschaftlichen Objektivität, die ich von Feldherpetologen eigentlich erwarten würde. Vorübergehende Importverbote von bestimmten Arten, aktuell z.B. aufgrund der Chytridpilzproblematik, wären durchaus sinnvoll – gerne auch präventiv. Begleitet werden sollten diese von entsprechenden Untersuchungen, um die Bedrohungslage objektiv auszuloten. Forderungen nach generellen Import- sowie Börsenverboten lediglich auf Schätzungen und Mutmaßungen zu berufen, statt auf valides Datenmaterial, halte ich allerdings für äußerst fragwürdig.

Der Import von Ranching-Tieren wird von THIESMEIER et al. immerhin nicht abgelehnt, sofern diese Zuchtfarmen dem Schutz der Wildpopulationen dienen und nicht dazu, Wildfänge als Nachzuchten deklariert zu exportieren.
 

Zimmerterraristik für Herpetologie bedeutungslos?

Bemerkenswert ist auch, dass aus Sicht der Autoren des Positionspapiers die Terraristik für die Herpetologie nur noch zu einem kleinen Anteil von Bedeutung ist. Die sog. „Zimmerterraristik“ spiele für die Erforschung von Reptilien (insbesondere einheimischer Arten) kaum noch eine Rolle. Wie ist das zu interpretieren? Die Haltung von Terrarientieren durch sog. „Citizen-Scientists“ ist also in Ordnung, der Haltung durch Tierfreunde, die statt Hunden oder Katzen lieber Reptilien etc. um sich haben, wird hingegen die Legitimation abgesprochen – ganz egal wie artgerecht die Haltung ist? Dabei hat doch gerade diese anfängliche Liebhaberei dafür gesorgt, dass aus „Zimmerterrarianern“ später Bürgerwissenschaftler, Naturschützer oder gar professionelle Herpetologen wurden.

Fazit:

Dass sich an flohmarktähnlichen Zuständen auf einigen Börsen und am unkontrollierten Handel mit Wildfängen nicht geschützter aber teilweise sehr wohl bedrohter Arten etwas ändern muss, wird von mir unterschrieben. Ob Verbote dafür die richtige Lösung sind, wage ich aber zu bezweifeln. Verbote des legalen Handels führen zu einer Verlagerung der Probleme in den nicht mehr kontrollierbaren Untergrund. Damit wäre den wildlebenden Populationen nicht geholfen. Seriöse Terraristikbörsen sorgen für Aufklärung und die Zimmerterraristik schafft neue Reptilien-/Amphibienforscher und -schützer. Diese Vorteile überwiegen die Nachteile und dürfen mit unüberlegten Verboten nicht gefährdet werden.
 

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Literatur:

B. THIESMEIER et al.; Positionspapier - Tierhandel, Tierhaltung und Feldherpetologie; Fachzeitschrift für Feldherpetologie (März 2017) 

Samstag, 18. März 2017

Review: rbb-Reportage „Zwischen Affenliebe und Echsenalarm“

Erneut wurden Handel und Haltung von exotischen Tieren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen thematisiert. Diesmal in der Reportage „Tier zuliebe“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb): „Zwischen Affenliebe und Echsenalarm“

Erfreulicherweise handelte es sich diesmal um eine differenzierte Darstellung der Thematik. Es wurden sowohl vorhandene Schattenseiten wie unbedachte Anschaffung und daraus resultierende Tierschutzfälle als auch positive Aspekte wie die Beratung auf Terraristikbörsen angesprochen.

Kritik an Berliner Gefahrtierverordnung

Seitens des Fachtierarztes für Reptilien Dr. Frank Mutschmann (Exomed) wurde Kritik an der Berliner Gefahrtierregelung laut. Durch die strikten Haltungsverbote für besonders gefährliche Tiere des Anhangs A der Verordnung sei von einer Zunahme illegaler Haltungen auszugehen, welche sich den Kontrollen durch die Behörden entzögen, was eine erhöte Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle. Sinnvoller wäre, die Haltung von Giftschlangen, Panzerechsen etc. unter Erlaubnisvorbehalt des Senats zu stellen. Die damalige Regelung sah vor, dass Halter von Gifttieren für die Vorratshaltung eines Antiserums Sorge tragen mussten, beispielsweise durch eine Mitgliedschaft im Serum-Depot Berlin. Dadurch konnte der Bestand von Gifttieren in den Haushalten Berlins besser eingeschätzt werden.

Sogar die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ute Vogt sieht inzwischen deutliche Nachteile in solchen Regelungen. Denn durch die legale Haltung und die damit verbundene Mitgliedschaft in einem Serendepot konnte die zeitnahe Versorgung mit Antiseren im Falle von Unfällen sichergestellt werden, was bei illegalen Haltungen nun nicht mehr möglich sei. Außerdem bergen Verbote zusätzliche Tierschutzprobleme, weil illegale Tiere im Krankheitsfall wohl keinem Tierarzt vorgestellt würden. Diese Argumente wurden regelmäßig von uns Haltern und unseren Verbänden vorgebracht. Es ist sehr erfreulich, dass diese Argumente mittlerweile bei den politischen Entscheidungsträgern für gewisse Erkenntnisse gesorgt haben. Hoffentlich bleibt es dabei. Die Forderung von Frau Vogt: ein bundesweiter, mehrstufiger Sachkundenachweis.

Börsen bieten Möglichkeit der Aufklärung

Auch Terraristikbörsen wurden in der Reportage thematisiert, eingeleitet mit den Worten: „Eine Möglichkeit, Interessierte schon vor dem Kauf aufzuklären und zu beraten, könnten Terraristikbörsen bieten.“

Während andere Börsenveranstalter das Filmen strikt untersagen, und durch diese Geheimniskrämerei erst den Anschein erwecken, etwas verbergen zu wollen, hat der Veranstalter der Terraristikbörse Berlin dem TV-Team eine Drehgenehmigung erteilt. Dadurch war es nicht nötig, mit versteckter Kamera zu filmen und auch nicht möglich, das Material danach einseitig zu vermarkten. Eine mutige aber auch sehr vorbildliche Entscheidung des Börsenbetreibers.

Fazit:

Die Reportage der Autorin Anne Mücke hat gezeigt, dass eine Berichterstattung über die vorhandenen Probleme beim Handel mit und bei der Haltung von exotischen Tieren auch unaufgeregt, sachlich und objektiv erfolgen kann. Eine solche Aufklärung der Öffentlichkeit ist wesentlich zielführender als investigativer Sensationsjournalismus, der negative Einzelfälle aufbauscht. Daher hoffe ich, dass die Sendung die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Sie ist noch bis zum 18. September in der ARD-Mediathek abrufbar.

Freitag, 17. März 2017

Nachtrag: NDR-Bericht über Exotenhandel (Zuschauerpost)

Als Reaktion auf den kürzlich ausgestrahlten Bericht über den Handel mit exotischen Tieren im NDR (ich berichtete) ließ ich der Redaktion von Panorama 3 meinen Unmut über die Art und Weise der Darstellung in Form einer Zuschauerpost zukommen:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Interesse verfolgte ich gestern (14. März) in Ihrer Panorama-Sendung den Beitrag "Ungezügelter Handel mit exotischen Tieren". Dazu möchte ich Ihnen gerne eine Zuschauermeinung zukommen lassen:

Der besagte Beitrag stößt bei mir als Halter von exotischen Tieren auf Unmut, weil ich ihn als äußerst tendenziös empfinde. Ich begrüße es sehr, wenn Medien über negative Aspekte der Exotenhaltung berichten, um Verbesserungen voranzutreiben. Nur sollte eine differenzierte und objektive Berichterstattung dabei nicht verloren gehen. Die Art und Weise Ihrer Darstellung des Exotenhandels entspricht nicht den Erlebnissen, die ich regelmäßig auf Exotenbörsen mache. Sicherlich gibt es auf diesen Veranstaltungen viele Spontankäufe und einen gewissen Anteil an skrupellosen Händlern, da die Hürden für den Erwerb leider sehr niedrig sind. Deshalb wäre ein verbindlicher Sachkundenachweis durchaus sinnvoll. Trotzdem erlebe ich regelmäßig, dass man auf Börsen durchaus eine kompetente Beratung bekommt, wenn man ehrliches Kaufinteresse zeigt und eine Beratung wünscht. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass es bei Ihren Undercoverrecherchen keine solchen positiven Situationen gab, über die sie hätten berichten können.


Warum basierte die Reportage ausschließlich auf der Meinung der Leiterin der Reptilienstation Kappeln? Warum wurden nicht zusätzlich Experten aus den Tierhalterfachverbänden geladen, um das Geschehene zu kommentieren und so eine differenzierte Berichterstattung zu ermöglichen? Solche Experten hätten erklären können, dass der Verkauf von Tieren in Plastikdosen und der Transport von Schlangen in Stoffbeuteln laut den Richtlinien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sowie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft als tierschutzgerecht festgelegt wurden. Stattdessen wurde diese tierschutzkonforme Art der Tierpräsentation abfällig mit Fleischverkauf im Supermarkt verglichen.


Die von Ihnen interviewten Börsenbesucher - von denen tatsächlich zum Teil erschreckende Aussagen kamen - haben fast ausnahmslos wirbellose Tiere erworben. Für diese schreibt das Tierschutzgesetz derzeit noch keine Beratung durch den Verkäufer vor (bei Wirbeltieren muss der Käufer über grundlegende Bedürfnisse aufgeklärt werden). Ethisch gesehen ist es sicherlich fragwürdig, dass Leute ein Insekt oder eine Spinne - also ein Lebewesen - ohne Vorkenntnisse erwerben und zuhause totpflegen können. Aus juristischer Sicht schreibt der Gesetzgeber derzeit aber auch gar keine Beratung beim Verkauf von Wirbellosen vor. Die Kritik ist also nur zum Teil beim Handel an der richtigen Adresse.


Im Beitrag wurde ferner suggeriert, dass die Vogelspinne, welche von einem Jungen erworben wurde, lebenslänglich in der kleinen Box (eine sog. Heimchendose) hausen müsse. Ein fachkundiger Halter hätte erklären können, dass diese Dosen zur Aufzucht von Jungspinnen durchaus geeignet sind.


Dies sind nur ein paar Dinge, die ein fachkundiger Experte hätte erklären können, damit unbedarfte Zuschauer die Thematik anhand von Fakten realistisch bewerten und nicht anhand von Bauchgefühlen und der suggestiven Darstellung direkt zu negativen Urteilen gelangen würden. Ich wünsche mir daher für die Zukunft eine ausgewogenere Berichterstattung, damit verantwortungsvolle Exotenhalter und -händler nicht aufgrund einseitiger Berichte in Verruf geraten.


Mit freundlichen Grüßen

Marco Bergmann

P.S. Gab es in der Vergangenheit bereits Panorama-Berichte, in denen auf die ansteigende Zahl von Katzen in Tierheimen hingewiesen wurde? Und kamen darin Tierschützer zu Wort, die einen verbindlichen Sachkundenachweis für Katzenhalter oder eine Katzensteuer forderten? Falls nicht, verstehen Sie dies bitte als Anregung für Behandlung in einer Ihrer nächsten Sendungen.

Antwort der Redaktion

In der Antwort auf diese Zuschrift weißt eine Mitarbeiterin des NDR den Vorwurf einer tendenziösen Berichterstattung zurück. Sie stellt klar, dass es sich bei der gezeigten Umfrage unter den Börsenbesuchern um eine repräsentative Umfrage handele. Die gezeigten Börsenbesucher wurden ohne böse Hintergedanken befragt. Außerdem habe man ja auch die positiven Aussagen von zwei Börsenbesuchern gezeigt.

Im Rahmen der Recherchen für den Bericht wurden zudem nicht nur Tierschützer und verschiedene Auffangstationen befragt, sondern laut Auskunft der Redaktion auch andere Organisationen und Experten. Da man jedoch in einem achtminütigen Beitrag nicht alle davon zeigen konnte, habe man sich für die Auffangstation Kappeln entschieden.


Die Redaktion macht abschließend deutlich, dass sie sich von extremen Forderungen wie der nach einer Positivliste distanziere. Einzig der Sachkundenachweis, welcher nicht nur von Tierschützern sondern auch von verantwortungsvollen Exotenhaltern gefordert wird, sei Gegenstand des Berichts gewesen. Dieser Sachkundenachweis würde laut Redaktion von Tierschützer nicht nur für Exoten, sondern für jedes Haustier gefordert. Da es im Bericht jedoch um Exoten ging, wurde diese Forderung auch nur auf diese bezogen.


Daraufhin schrieb ich der Redaktion erneut:

Sehr geehrte Frau […],
vielen Dank für Ihre Antwort auf die ich dann aber doch noch mal näher eingehen möchte.

Ihr Empfinden, dass keine extremen Positionen transportiert wurden, teile ich leider nicht. Frau Umlauf stellte u.a. ohne jede Begründung die Behauptung auf, dass exotische Tiere aus Tierschutzsicht nicht in Haushalten gehalten werden sollten. Ferner bezeichnete sie die Vermittlung von Sachkunde über den Haustier-Berater.de lapidar als Werbung. Dies sind äußerst extreme Positionen, die nicht zielführend sind, Ihren Zuschauern jedoch als einzige Meinung verkauft wurden. Zur Bekräftigung der durchaus sinnvollen Forderung nach einem Sachkundenachweis wäre es doch eigentlich logisch gewesen, auch verantwortungsvolle Exotenhalter in den Beitrag aufzunehmen, die diesen z.B. bei der VDA/DGHT Sachkunde GbR erworben haben. Deren Tierhaltung hätte anschaulich gezeigt, dass es auch anders geht und wie sinnvoll ein verbindlicher Sachkundenachweis wäre.


Es ist außerdem hinlänglich bekannt, was der Tierschutzbund mit einer „bundeseinheitlichen Regelung“ meint: Nämlich exakt die von Ihnen genannte Positivliste. Diese wurde zwar in Ihrem Beitrag tatsächlich nicht direkt beim Namen genannt, Ihre Zuschauer wurden durch die tendenziöse Darstellung dennoch sehr gut auf die Befürwortung einer solchen Regelung eingestimmt.


Leider haben Sie meine abschließende Frage nicht beantwortet, ob und wann es vergleichbare Beiträge in Ihrer Sendung zur prekären Situation von Hauskatzen in Tierheimen gab. Bei diesen Tieren ist ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen. Inzwischen landen jährlich bis zu 130.000 Katzen in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes. Das ist das rund 70fache im Vergleich zur Gesamtanzahl anderer Exoten. Auf ein exotisches Reptil kommen somit 70 Katzen in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes. Deswegen wird es doch wohl sicherlich schon Beiträge zu diesem dramatischen Tierschutzproblem in ihrer Sendung gegeben haben, in denen Tierschützer deutlich eine Sachkundenachweispflicht für Katzenhalter forderten oder sich gar gegen die Haltung von Katzen in Haushalten aussprachen. Falls es diese bisher nicht gab, frage ich mich schon, warum der Fokus auf eine Minderheit unter den Tierhaltern gelegt wurde. Ich hoffe sehr, dass Sie sich diesem Thema in einer der nächsten Sendungen widmen werden und entsprechende Forderungen transportieren. Dann werde auch ich sehr gerne wieder einschalten.


Mit freundlichen Grüßen

Marco Bergmann

Diese Nachricht blieb bislang unbeantwortet. 
Nun soll jeder für sich selbst entscheiden, ob der NDR-Bericht einseitig war oder nicht.
 

Mittwoch, 15. März 2017

Neuordnung der Vogelspinnengattung Avicularia

Caribena versicolor (syn. Avicularia versicolor)
Der Vogelspinnengattung Avicularia wurden bisher diverse Vogelspinnenarten zugeordnet, die dort eigentlich gar nicht hineingehören. Aus diesem Grund haben sich die Vogelspinnen-Forscher Caroline Sayuri FUKUSHIMA und Rogério BERTANI dieser Gattung angenommen und sie neu geordnet. Ihre Ergebnisse wurden am 2. März im Fachmagazin „ZooKeys“ veröffentlicht.

Nach taxonomischer Neuordnung der Gattung Avicularia durch die Wissenschaftler bleiben von den rund 50 bisher bekannten Avicularia-Arten nur noch 12 Stück übrig. Drei davon wurden im Rahmen der Forschungen neu beschrieben: Avicularia merianae aus der Region San Martín in Peru, Avicularia lynnae, welche in Peru und Ecuador vorkommt, sowie Avicularia caei, die in einem kleinen Gebiet im brasilianischen Bundesstaat Pará entdeckt wurde.

Bei den restlichen 9 Arten, die nach der Revision noch sicher der Gattung Avicularia zugeordnet werden, handelt es sich um Avicularia avicularia, A. glauca, A. hirschii, A. juruensis, A. minatrix, A. purpurea, A. rufa, A. taunayi und A. variegate. Der aktuelle World Spider Catalog (Version 18.0) hat die Revision übernommen und listet derzeit nur noch diese 12 Arten der Gattung Avicularia.

Die in der Terraristik sehr beliebte und in der Privathaltung daher weit verbreitete Martinique-Baumvogelspinne (ehemals Avicularia versicolor) wurde von den Wissenschaftlern als Caribena versicolor neu beschrieben. Die Artzugehörigkeit von Avicularia metallica, eine ebenfalls häufig gehaltene Baumvogelspinne, bleibt hingegen ungeklärt, weil das Typusexemplar der Wiener Sammlung nicht gefunden werden konnte. Der bisher geläufige wissenschaftliche Artname dieser Art bleibt somit als Nomen dubium (zweifelhafter Name) vorerst weiterhin gültig. 
 

Literatur:

FUKUSHIMA CS, BERTANI R (2017) Taxonomic revision and cladistic analysis of Avicularia Lamarck, 1818 (Araneae, Theraphosidae, Aviculariinae) with description of three new aviculariine genera. ZooKeys 659: 1–185. https://doi.org/10.3897/zookeys.659.10717

Dienstag, 14. März 2017

Review: „Panorama 3“ (NDR) über „Ungezügelten Handel mit exotischen Tieren“

Heterometrus cyaneus im Börsenverkauf
Der heutige Bericht „Ungezügelter Handel mit exotischen Tieren“ in der NDR-Sendung „Panorama 3“ hat mal wieder eindrucksvoll gezeigt, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine aus meiner Sicht einseitige Meinungsbildung betreiben:

Dass der freie Handel mit sogenannten „Exoten“ auf Börsen oder im Internet für Tierschutzprobleme sorgen kann, soll an dieser Stelle gar nicht geleugnet werden. Personen, die Reptilien und andere Exoten z.B. als Statussymbol kaufen, sich jedoch nicht ausreichend über die Haltungsbedingungen informiert haben, gibt es durchaus und das vermutlich nicht gerade wenige (belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht). Die im Beitrag interviewten Börsenbesucher zeugten größtenteils nicht gerade von Fachkenntnis. Wenn beispielsweise nicht einmal bekannt ist, welches Tier man da gerade erworben hat, ist vorhandene Sachkunde zweifelhaft. Ob die Verkäufer über die artgerechte Haltung aufgeklärt haben (was übrigens bei wirbellosen Tieren vom Gesetzgeber nicht vorgesehen ist), bleibt fraglich. Schließlich können Verkäufer ihren Kunden auch nur bis vor die Stirn schauen. Selbst Tierheime haben regelmäßig Rückläufer, weil sie Tiere in falsche Hände vermittelt haben. Das kommt vor und ist menschlich. Fraglich ist ebenso, wie viele fachkundige Käufer interviewt, aber nicht gezeigt wurden. Nach solchen Berichten wundert es mich andererseits auch nicht, dass immer weniger fachkundige Käufer für solche Interviews bereit sind. Übrig bleiben dann nur noch die mediengeilen Spontankäufer, die mit unqualifizierten Aussagen nur allzu gut in derartige Sendungen passen.

Tierschutzprobleme sind kein Exoten-Phänomen

Von den genannten Tierschutzproblemen sind vor allem die häufig gehaltenen Arten betroffen, die auch in dem Beitrag von der Leiterin der Reptilienstation Kappeln genannt wurden. Zur ganzen Wahrheit gehört ebenso, dass diese Arten mittlerweile einen gewissen Haustierstatus erlangt haben, den auch schon Katzen und Hunde „genießen“ und bei denen Probleme wie Tierheimabgaben in einem immens höheren Ausmaß auftreten. Doch nach verbindlichen Sachkundenachweisen für klassische Haustiere schreit niemand (immerhin haben manche Bundesländer eine mehr oder weniger sinnvolle Sachkundenachweispflicht für Hundehalter eingeführt). Dabei landen jährlich rund 80.000 Hunde und 130.000 Katzen in deutschen Tierheimen, während es bei Reptilien, basierend auf Zahlen des Deutschen Tierschutzbundes, gerade mal 1.800 sind. Jedes davon ist natürlich eines zu viel, aber von einer Exotenschwemme kann im Vergleich zu anderen Tieren absolut keine Rede sein – insbesondere, weil wir verantwortungsvollen Terrarianer eher untereinander für eine artgerechte Unterbringung sorgen, statt Tierheime in Anspruch zu nehmen. Aber dass ist ja dann „böser Internethandel“. Wie man es macht, macht man es falsch...

Sachkundenachweis - sinnvoll, aber fair?

Die Forderung einer verbindlichen Sachkundenachweispflicht wird von mir zwar grundsätzlich unterstützt. Ein solches Konzept sollte jedoch von echten Experten entwickelt und den Ansprüchen der jeweiligen Tierart angepasst werden. Vor allem aber sollte ein Sachkundenachweis kein Exklusivrecht für leidende Exoten sein, sondern für jede Art der Heimtierhaltung eingeführt werden.

In den Aussagen der Stationsleiterin aus dem NDR-Beitrag wurde deutlich, dass die Privathaltung von sogenannten „Exoten“ generell abgelehnt wird. So wurde u.a. der Haustier-Berater.de kritisiert, weil damit Werbung für die Haltung von Tieren gemacht würde, die „aus Tierschutzsicht auf keinen Fall in Haushalten gehalten werden sollten“. Eine Begründung für diese Aussage bleibt uns der Bericht leider schuldig. Warum? Weil sich alle Argumente gegen die Haltung von Reptilien und anderen „Exoten“ ausnahmslos auch auf domestizierte Haustiere übertragen lassen: Haltung bewahren!

Fazit:

Und so wird der Zuschauer mal wieder in dem Glauben gelassen, dass alle Reptilienhalter ihre spontan auf Börsen gekauften Viecher krank pflegen und beim kleinsten Problem abschieben. Warum nur sind die Öffentlich-Rechtlichen regelmäßig nicht zu einer differenzierten Berichterstattung in der Lage? Warum werden keine echten Fachleute wie z.B. Mitglieder der DGHT gezeigt, um zumindest den Versuch einer seriösen Berichterstattung zu wagen? Stattdessen wird mal wieder den einseitigen Aussagen von Tierschutzbund & Co. Gewicht verliehen. Journalistische Sorgfaltspflicht sieht für mich anders aus!

Am Ende des Beitrags wurde von der Moderatorin die Bitte geäußert, man solle sich melden, wenn man eine Geschichte habe, die einen aufregt oder ärgert – man würde dazu recherchieren. Was mich wirklich ärgert ist der ständige Gesinnungsjournalismus und die einseitige Meinungsbildung der Öffentlich-Rechtlichen. Das wäre doch mal ein spannendes Thema. Ich würde das Team von Panorama 3 ja um Recherche dazu bitten, aber damit würde ich der Redaktion eine unvoreingenommene Recherche zutrauen. Dies ist aufgrund des Exoten-Beitrags leider nicht der Fall...

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Donnerstag, 9. März 2017

Krokodil-Kadaver in Schlitz: Halter meldet sich

Vor drei Wochen ging eine Meldung durch die Presse, die mal wieder ein schlechtes Licht auf die Terraristik und hier konkret auf die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren warf. Im hessischen Vogelsbergkreis wurde ein ca. 1 Meter langer Krokodil-Kadaver von Anwohnern in einem Graben gefunden. Zunächst ging man davon aus, dass das Krokodil (ein mutmaßlicher Brillenkaiman) lebendig ausgesetzt wurde und bei der Kälte qualvoll verendete. Inzwischen hat sich der 39-jährige Halter des Krokodils der Polizei gestellt. Laut seiner Aussage sei das Tier bereits tot gewesen. Es starb nach vierjähriger Terrarienhaltung. So berichtete jedenfalls die Fuldaer Zeitung: Totes Krokodil in Schlitz: Besitzer meldet sich bei Polizei

Weitere Einzelheiten zur Todesursache des Tieres werden in den nächsten Tagen in einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei, Veterinäramt und Landeslabor erwartet.

Haltung verboten

Das Verhalten des Besitzers war natürlich verantwortungslos. Schon die Anschaffung des Tieres war mutmaßlich illegal, da in Hessen ein äußerst strenges Gefahriergesetz die Haltung und den Handel von Panzerechsen verbietet. Der Halter gab an, das Tier in einer Zoohandlung erworben zu haben. Ob dazu auch Einzelheiten in der Presseerklärung stehen werden, bleibt abzuwarten. Eines wird aber auch schon so deutlich: Strikte Haltungsverbote werden von verantwortungslosen Leute umgangen.

Die private Haltung von Panzerechsen ist in Hessen verboten.
Diese Leute, die gefährliche Tiere halten möchte und von denen die größte Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, werden sich diese auch anschaffen. Doch was passiert mit Gefahrtieren, die nicht schon bei ihren Haltern verenden und illegal entsorgt werden, sondern die lebendig ausgesetzt oder nach Auffliegen einer illegalen Haltung von den Behörden beschlagnahmt werden? Diese Tiere müssen dauerhaft in Auffangstationen untergebracht werden und dürfen von dort nicht mehr an qualifizierte Privatpersonen vermittelt werden. Restriktive Gefahrtierregelungen führen somit zu einer Mehrbelastung von Tierheimen und Auffangstationen, denen es oftmals an Kapazitäten und finanziellen Mitteln für eine dauerhafte Unterbringung fehlt. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind schon hinlänglich von der sog. „Kampfhund“-Problematik bekannt.

Lösung: Sachkundenachweis

Sinnvoller wäre daher die Schaffung eines verbindlichen Sachkundenachweises. Damit würde der illegale Handel zwar auch nicht verschwinden und gewisse Leute würden sich wohl immer noch auf anderen Wegen ihre Gefahrtiere besorgen, aber immerhin könnten Tierheime und Auffangstationen durch sachkundige Privatpersonen entlastet werden, denen eine Aufnahme von solchen Tieren weiterhin erlaubt bliebe.

In Hessen hat man diesen Weg leider nicht gewählt. Der Gesetzgeber knüpfte die Haltung von gefährlichen Tieren stattdessen an ein sogenanntes „berechtigtes Interesse“, welches selbst von verantwortungsvollen Privathaltern mit der vorhandenen Sachkunde kaum erfüllt werden kann. Getreu dem Grundsatz: Was verboten ist, existiert auch nicht mehr. Vorfälle wie jüngst in Schlitz zeigen, dass es nicht so ist. Der einzige Vorteil ist, dass der Anteil an wirklich gefährlichen Tieren in deutschen Haushalten sehr gering ist und es daher selten zu solchen Situationen kommt. Anders sieht es aus, wenn immer mehr harmlose Tiere als gefährlich eingestuft oder mittels anderer Regelungen (beispielsweise einer Positivliste) in Privathand verboten werden.

Dem ehemaligen Besitzer des Krokodils droht nun jedenfalls eine Geldstrafe in Höhe von bis zu 5.000 Euro wegen Verstoßes gegen das Hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG).