Dienstag, 21. November 2017

Crowdfunding: Rechtsgutachten zur Heimtierhaltung

Seit gestern läuft auf der Crowdfunding-Plattform startnext.com eine Kampagne zur Finanzierung eines Rechtsgutachtens zur Heimtierhaltung. Das Gutachten wird u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) und dem Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) sowie von Firmen wie beispielsweise HAGEN Deutschland und JBL unterstützt.

Das Rechtsgutachten soll prüfen, ob und in welcher Weise Verbote und Einschränkungen der Heimtierhaltung nach aktueller Rechtslage möglich sind und den Tierhalterfachverbänden bei ihrer politischen Arbeit helfen, um ideologisch motivierte Haltungsverbote abzuwenden. Auch für von Einschränkungen direkt betroffene Tierhalter kann ein solches Gutachten ein hilfreiches Werkzeug bei der Beschreitung des Rechtswegs sein. Es wird u.a. in Anbetracht einer von einigen Vereinen und politischen Parteien geforderten Positivliste in Auftrag gegeben und dies sogar unabhängig vom Erfolg der Crowdfunding-Kampagne, welche eine Restsumme in Höhe von 6.000 Euro für ein vollumfängliches Gutachten einbringen soll. Sollte das Fundingziel nicht erreicht werden, wird das Gutachten trotzdem, jedoch in einem geringeren Umfang in Auftrag gegeben (in diesem Fall erhalten die Unterstützer ihre Spenden zurück).

Als typisches Startnext-Goodie bekommen Unterstützer, die eine Summe in Höhe von 150 Euro spenden, das fertige Gutachten als gebundenes Buch, welches 2018 in einem juristischen Fachverlag veröffentlicht werden soll.

Die Kampagne läuft noch bis Neujahr 2018.
 

Samstag, 4. November 2017

Krokodilzoo Friedberg: Gericht untersagt Mensch-Tier-Kontakt

Das Verwaltungsgericht Gießen hat in einem Beschluss vom 27.10.2017 (1 L 6907/17.GI) die Auflagen der für den Krokodilzoo Friedberg zuständigen Naturschutzbehörde, dass der direkte Kontakt von Besuchern mit den im Krokodilzoo gehaltenen Panzerechsen mittels Trennbarrieren verhindert werden muss, bestätigt.

Das Regierungspräsidium Darmstadt erteilte im August dieses Jahres dem Betreiber der Einrichtung die Auflage, dass nur noch volljährige Besucher nach vorheriger schriftlicher Belehrung über die Risiken in Bereiche ohne Absperrgitter und somit in direkten Kontakt zu den potentiell gefährlichen Tieren gelangen dürfen, die entsprechenden Bereiche ansonsten jedoch für den Zutritt gesperrt werden müssen. Die Behörde bezog sich dabei auf die Auflagen des Bundesnaturschutzgesetzes. Bislang war es im Krokodilzoo Friedberg nicht nur möglich, Alligatoren hautnah an Land zu erleben und sich mit ihnen fotografieren zu lassen (auch im Rahmen von Kindergeburtstagen), sondern sogar mit ihnen zu schwimmen. Auf seiner Website wirbt der Krokodilzoo mit einem entsprechend bebilderten Slogan „Alligatorküssen leicht gemacht
.

Der Betreiber der Krokodilzoos stellte beim Verwaltungsgericht Gießen einen Eilantrag gegen die Auflagen. Schließlich betreibe er die Alligator-Farm seit vielen Jahren, ohne dass es bislang zu Unfällen gekommen sei. Neben seiner vorhandenen Fachkunde habe er auch einen Wesenstest vorgeschlagen, um die Ungefährlichkeit seiner handaufgezogenen Tiere zu bestätigen.

Das Verwaltungsgericht Gießen lehnte den Antrag jedoch ab und bestätigte die Auflagen der Naturschutzbehörde. Nach § 121 Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) stelle das freie Umherbewegen von gefährlichen Tieren wildlebender Arten, zu denen Krokodile und Alligatoren zu zählen sind, sowie das Unterlassen von Vorsichtsmaßnahmen Ordnungswidrigkeitstatbestände dar. Die mutmaßliche
Zahmheit einzelner Tiere ändere nichts am grundsätzlich vorhandenen Gefahrenpotential von Panzerechsen.

Der Betreiber hat gegen den Beschluss Berufung eingelegt, wie auf der Facebookseite des Krokodilzoos gestern in einer ausführlichen Stellungnahme bekanntgegeben wurde.


Mensch-Tier-Kontakt fördert Naturbildung (Symbolbild)
 

Montag, 23. Oktober 2017

F+E-Vorhaben „Exotenhandel“: And the winner is…

Wir erinnern uns: Im Juni dieses Jahres schrieb das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E-Vorhaben) mit dem Titel „Nachfragereduktionsstrategien von als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“ öffentlich aus (ich berichtete: BfN-Ausschreibung: Analyse des Exotenhandels).

Kurz zusammengefasst beinhaltet das F+E-Vorhaben in seiner ersten Phase Analysen des Handels mit sog. exotischen Wildtieren mit seinen Vertriebswegen und Herkunftsquellen. In einer zweiten Phase soll die Nachfrage von denjenigen Arten reduziert werden, die durch den Handel bedroht werden. Dazu sollen Öffentlichkeitsarbeit und „Kundenbeeinflussung“ (auch in den sozialen Medien) einerseits und andererseits marktsteuernde Strategien auf politischer Ebene (beispielsweise zur Unterstützung der Forderung nach einem „EU-Lacey-Act“ oder mittels Regulierung in den Anhängen der geltenden Artenschutzregelungen) genutzt werden.

Ich vertrat damals (und prinzipiell auch heute noch) die Meinung, dass wir seriösen Terrarianer in Anbetracht objektiver wissenschaftlicher Erhebungen und darauf begründeten Regulierungen des Handels nichts zu befürchten haben. Nun ist es mit wissenschaftlicher Objektivität allerdings so eine Sache…

Fälschung und Betrug sind vermutlich so alt wie die Wissenschaft selbst. Universitäten und unabhängige Forschungseinrichtungen haben „Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis“ implementiert, um gegen wissenschaftliches Fehlverhalten vorzugehen. Es gibt allerdings auch Institutionen, die für Studien gezielt beauftragt werden, um den jeweiligen Auftraggebern die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Dabei werden dann gerne mal Datenerhebungen manipuliert, Untersuchungszeiträume verkürzt, sobald unbequeme Daten auftauchen, die Methodik im laufenden Verfahren umgestellt, nicht repräsentativen Einzelfalldaten mittels Hochrechnung eine Allgemeingültigkeit unterstellt usw.

Deswegen sollten insbesondere Forschungsergebnisse von öffentlichem Interesse auf objektiven Erhebungen beruhen. Dies kann nur sichergestellt werden, wenn unabhängige Institutionen ohne Lobbyinteressen und ideologische Motive die Analysen durchführen. Dürfte dies im Falle einer Marktanalyse des Exotenhandels angenommen werden, wenn die Analysen beispielsweise direkt durch die Zoofachhandelslobby oder einen Veranstalter von Exotenbörsen durchgeführt werden würden? Objektiv betrachtet wohl eher nicht. Und wie sähe es aus, wenn ein Artenschutzverein den Zuschlag bekäme, der in der Kritik steht, mit falschen Zahlen die politische Meinung zu manipulieren? Wohl auch eher nicht...

Ob die hier geforderte Objektivität gegeben ist, bleibt abzuwarten, denn Pro Wildlife e.V. hat den Zuschlag für die Durchführung der Marktanalysen und die Entwicklung der „Nachfragereduktionsstrategien“ erhalten!

Dies habe ich aus vertrauenswürdiger Quelle erfahren. Auf die Ausschreibung beworben hatten sich den mir vorliegenden Informationen zufolge neben Pro Wildlife nur noch die DGHT zusammen mit dem WWF-Artenschutzprogramm TRAFFIC. Pro Wildlife erhielt letztlich den Zuschlag, obwohl beide Angebote qualitativ gleichwertig waren. Das von Pro Wildlife eingereichte Angebot war jedoch kostengünstiger und musste demnach – den EU-weit vorgeschriebenen Kriterien für öffentliche Ausschreibungsverfahren folgend – das Rennen machen. Die Kosten für das DGHT/TRAFFIC-Angebot überstiegen ohnehin den geplanten finanziellen Rahmen des BfN.

Fazit:

In einigen grundsätzlichen Dingen vertrete ich eine ähnliche Meinung wie Pro Wildlife und auch die Auftritte der Mitbegründerin dieses Vereins Sandra Altherr bei einigen von mir verfolgten politischen Veranstaltungen ließen stellenweise durchaus differenzierte Züge erahnen. Andererseits sind die regelmäßig aufgestellten Falschbehauptungen z.B. über das Sortiment auf Tierbörsen oder eine mutmaßlich angenommene illegale Herkunft von Tieren in Internetanzeigen nicht vergessen.

Ich bin daher sehr gespannt, was für Ergebnisse Pro Wildlife vorlegen wird und wie diese zur Nachfragereduzierung genutzt werden.


Sonntag, 22. Oktober 2017

EU: Importstopp für Kaiserskorpione, Chamäleons & Phelsumen

Im Amtsblatt der EU L271/7 vom 20. Oktober wurde mit der Veröffentlichung der „Durchführungsverordnung (EU) 2017/1915 der Kommission vom 19. Oktober 2017 zum Verbot der Einfuhr von Exemplaren bestimmter Arten wild lebender Tiere und Pflanzen in die Union“ für einige für die Terraristik relevanten Tierarten ein Importverbot in die Europäische Union verhängt.
 
Betroffen sind davon unter anderem der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) aus Ghana. Nachdem Benin und Togo bereits im Jahr 2013 einen Exportstopp für diese besonders geschützte und seinerzeit in der Terraristik noch sehr beliebte und im Handel weit verbreitete Skorpionspezies verhängte, verschwand P. imperator trotz der immer wieder propagierten leichten Nachzüchtbarkeit zunehmend aus den privaten und gewerblichen Terrarien. Tatsächlich werden Kaiserskorpione inzwischen nur noch zu sehr hohen Preisen gehandelt, während sie vor ein paar Jahren noch zum Standardsortiment (um nicht zu sagen zur „Wegwerfware“) nahezu jedes Zoofachgeschäfts mit Terraristikabteilung gehörten. Der durchschnittliche Handelspreis lag damals bei 15-20 Euro für ein adultes Exemplar, heutzutage werden Zuchttiere für 60 bis weit über 100 Euro gehandelt, was zeigt, dass die Nachfrage höher ist als das Angebot an Nachzuchten. Skrupellose Händler verkaufen mittlerweile sogar asiatische Riesenskorpione der Gattung Heterometrus als afrikanische Kaiserskorpione, um vom Wertanstieg und der Naivität einiger Käufer zu profitieren.

Möglich war bislang auch noch der Handel mit Ranching-Kaiserskorpionen aus Ghana, welche momentan noch zu eher moderaten Preisen (ca. 30 Euro) im Handel zu finden sind. Ob es sich bei jenen Farmzuchten tatsächlich um solche handelt, darf allerdings in nicht wenigen Fällen bezweifelt werden. Ghana diente immer wieder als legaler Ausfuhrstaat für illegal in Togo und Benin gefangene Kaiserskorpione, welche als Farmzuchten deklariert in die EU eingeführt wurden. Diese Problematik hat inzwischen wohl auch eine wissenschaftliche Prüfgruppe der Europäischen Kommission erkannt, weswegen der Import von Kaiserskorpion-Farmzuchten aus Ghana mit der besagten Durchführungsverordnung nun verboten wurde.

Des Weiteren wurde der Import von Vierhornchalämeons (Trioceros quadricornis) aus Kamerun, von Fischers Chamäleons (Kinyongia fischeri) und Zweihornchamäleons (Kinyongia tavetana) aus Tansania sowie von den madagassischen Taggeckos Phelsuma borai, Phelsuma gouldi und Phelsuma hoeschi untersagt.

Aufgehoben wurden wiederum Importverbote von diversen madagassischen Arten aus den Chamäleongattungen Calumma und Furcifer, den Geckogattungen Phelsuma und Uroplatus (Blattschwanzgeckos), der Madagaskar-Buntfroschgattung Mantella sowie einigen weiteren Arten des Anhangs B aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie beispielsweise Boa constrictor aus Honduras. Diese waren noch im Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2015/736 zu finden, welche mit der neuen Durchführungsverordnung außer Kraft gesetzt wird.

Die vollständige Artenliste ist dem Anhang der oben verlinkten Durchführungsverordnung zu entnehmen, welche am 9. November 2017 in Kraft tritt.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wohnungsbrand: Giftschlange im Haus?

Wohnungsbrand (Symbolbild)
Wie unsere örtliche Tageszeitung DEWEZET berichtet, kam es gestern Morgen in einer Hamelner Wohnung zu einer Rauchentwicklung. Die Ursache war nicht etwa ein vergessener Topf auf einer Herdplatte, sondern eine geplatzte Glühlampe in einem Terrarium, wodurch das darin enthaltene Einstreu in Brand geriet. Als Nachbarn die Rauchmelder hörten, riefen sie die Feuerwehr, welche den Entstehungsbrand den Berichten zufolge schnell löschen konnte. Als die Einsatzkräfte den Hinweis bekamen, dass es sich bei dem entwichenen Terrarientier wahrscheinlich um eine Schlange handelte, entstand die Sorge, dass womöglich nun eine Giftschlange im betroffenen Mehrfamilienhaus herumkriechen könnte. Erst als der 30-jährige Bewohner von der Polizei an seiner Arbeitsstätte angetroffen wurde, konnte Entwarnung gegeben werden: Bei der Schlange handelte es sich um eine vollkommen harmlose Königsnatter.

Warum ist dieser Vorfall interessant für einen Blogpost?

Rauchentwicklung ist Wohnungen ist Feuerwehralltag und auch tierische Einsätze sind in der Regel eher Banalitäten. Verdient ein Vorfall mit einer harmlosen Natter, bei der es sich theoretisch auch um einen Goldhamster hätte handeln können, überhaupt die Aufmerksamkeit eines seriösen Blogs fernab der Sensationspresse?

Durchaus, denn der Vorfall zeigt, wie vernünftig es ist, seine Terrarien zu beschriften. Was für Gifttierhalter ohnehin Pflicht sein sollte, kann auch für Otto Normalterrarianer sinnvoll sein. Denn leider kann wohl jeder von uns in eine ähnliche Situation geraten – auch dann, wenn die Terrarien sicher verschlossen sind, der Bodengrund feuerfester ist als beispielsweise (für die Reptilienhaltung ohnehin eher ungeeignetes) Kleintier- oder Holzspaneinstreu und auf Leuchtmittel zurückgegriffen wird, die im Falle eines Ausbrennens nicht gleich platzen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht und ein Wohnungsbrand muss ja nicht einmal in den eigenen vier Wänden entstanden sein.

Für Feuerwehr & Co. ist es daher äußerst hilfreich, wenn sie während eines Einsatzes wissen, was in der Wohnung „kreucht und fleucht“, insbesondere wenn die Bewohner persönlich nicht anwesend sind. Terrarienbeschriftungen mit deutschen und wissenschaftlichen Artnamen, der Anzahl der gehaltenen Tiere und ein zusätzlicher Hinweis auf das Gefahrenpotential gelten als das Minimum an Beschriftung, welche z.B. Giftschlangenhalter an ihren Terrarien anbringen sollten. Für Halter von ungefährlichen Tieren reicht mitunter auch schon ein gut lesbarer allgemeiner Hinweis („Keines der hier gehaltenen Tiere ist gefährlich“) im Eingangsbereich und ggf. zusätzlich an zentralen Stellen der Wohnung inkl. Angabe von Mobilfunknummer und ggf. Telefonnummer der Arbeitsstelle aus. Solche Hinweise helfen Einsatzkräften bei der Tierrettung und dabei, sich effektiver auf die jeweilige Gefahrensituation zu konzentrieren, statt sich wegen mutmaßlichen Gifttieren um die Eigensicherung sorgen zu müssen.

Samstag, 23. September 2017

Bundestagswahl, mach ich da mit?

Morgen ist es wieder soweit. Deutschland wählt für die nächsten vier Jahre einen neuen Bundestag. Tja, da geht man also alle paar Jahre zur Urne, wählt sprichwörtlich zwischen Pest und Cholera, nur um dann zu erleben, wie die Parteien miteinander kungeln, unsägliche Zugeständnisse auf Kosten ihrer Wahlversprechen machen und Politiker  - angetrieben von Lobbyisten - ihre Zukunft in der Wirtschaft vorbereiten. So sehen es jedenfalls viele Mitbürger dieses Landes. Politikverdrossenheit ist etwas, das ich insbesondere in Terrarianer-Kreisen rückblickend auf diverse Überregulierungen und Einschränkungen durchaus nachvollziehen kann. Der eine oder andere Leser wird daher vielleicht schon entschieden haben, den morgigen Wahlsonntag gemütlich auf der Couch zu verbringen.

Aber: Nicht wählen zu gehen ist leider keine Option, weil man dadurch alle Parteien stärkt - auch diejenigen, die unser Hobby abschaffen wollen! Gleiches ist bei durchgestrichenen oder leer abgegebenen Wahlzetteln der Fall. Solange in unserem Wahlsystem die Enthaltungen von Nichtwählern (die ja durchaus eine politische Meinung haben können) und Leerabgaben (anders als z.B. in Frankreich oder Spanien) keinerlei Beachtung finden, wählt man mit seiner Enthaltung oder einem aus Protest ungültig gemachten Wahlzettel all die Parteien, die man eigentlich gar nicht haben will.

Zur Verdeutlichung: Wenn 100 Leute wahlberechtigt sind und 20 davon wählen A, 15 B, 4 C und 61 Wahlberechtigte gehen nicht wählen oder geben ungültige Stimmzettel ab, käme C mit einem Anteil von 4 % rechnerisch eigentlich nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Wenn jedoch nur die 39 abgegebenen gültigen Stimmen als 100 % gewertet werden und die Enthaltungen unter den Tisch fallen, kommt C mit einem Anteil von 10 % deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde. Da in unserem Wahlsystem so gerechnet wird, unterstützt jeder Nichtwähler anteilig alle Parteien und C (stellvertretend für radikale Parteien) schafft nur dank der Nicht- und Protestwähler den Einzug ins Parlament. Doch auch die großen Parteien werden im gleichen Maße anteilig unterstützt.

Also geht morgen bitte wählen und wählt bewusst. Unser Hobby ist sicherlich nicht das relevanteste Thema bei der persönlichen Wahlentscheidung, sollte aber dennoch eine Rolle spielen. Vor allem die FDP zeichnet sich meines Erachtens mit ihren Forderungen im Wahlprogramm sowie aufgrund der differenzierten Antworten auf die Wahlprüfsteine als besonders wählenswert für Terrarianer aus. Auch CDU/CSU ist mit kleinen Abstrichen für Terrarianer wählbar. Die SPD ist zwar inzwischen von radikalen Positionen abgetreten, hat Haltungsverboten aber noch nicht gänzlich abgeschworen. Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und überraschenderweise auch die AfD haben sich aufgrund ihrer Forderungen nach einer Positivliste, welche das legal haltbare Artenspektrum auf ein Minimum reduzieren, das Ende der organisierten Terraristik einläuten und diverse Tier- und Artenschutzprobleme bedeuten würde, meiner Meinung nach für Terrarianer als unwählbare Verbotsparteien disqualifiziert.

Wer den etablierten Parteien gar nichts abgewinnen kann, sollte wenigstens eine kleine Splitterpartei wählen, um nicht anteilig die Verbotsparteien zu stärken. Damit erleichtert man unter Umständen zwar manchen Koalitionen die Regierungsbildung, weil die großen Parteien rechnerisch weniger Stimmen für die absolute Mehrheit im Parlament benötigen, je höher die Prozentpunkte der sonstigen Parteien sind, die es selbst nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, aber irgendjemand wird uns ja sowieso regieren und diese Art der indirekten Unterstützung der Verbotsparteien ist eher zu vernachlässigen als bei einer Enthaltung/Leerabgabe. 

Im Übrigen: Wer als Halter von sog. „exotischen Wildtieren“ bewusst eine der Verbotsparteien wählt - mögen sie noch so vernünftige Ansichten in anderen Bereichen vertreten - hat seine Tiere meiner Meinung nach nicht verdient! Einzelne Mitglieder solcher Parteien mögen unserem Hobby zwar unkritisch gegenüberstehen oder sind selbst sogar Terrarianer, aber das ändert leider nichts an der unsäglichen Fraktionssolidarität“ (= Fraktionszwang).

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Donnerstag, 21. September 2017

Bürgerbeteiligung für Management invasiver Arten ausgerufen

Das Thema „invasive gebietsfremde Arten“ ist weiterhin ein Dauerbrenner in der allgemeinen Gesamtwetterlage unseres Hobbies. Die Bundesländer haben inzwischen gemeinsame Vorschläge für ein möglichst einheitliches Management von einigen weit in Deutschland verbreiteten Invasivarten erstellt und bitten nun vor Ort in den Umweltbehörden sowie in einem gemeinsamen öffentlichen Anhörungsportal um Stellungnahmen aus der Bevölkerung. Damit wird die im Artikel 26 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit umgesetzt.

Nach dieser Phase der Bürgerbeteiligung sollen die (ggf. geänderten) Managementvorschläge von den zuständigen Behörden der Länder offiziell als Maßnahmen zum Management invasiver Arten festgelegt werden. Die Vorschläge dienen dabei lediglich als einheitliche Handlungsempfehlung. Die endgültige Ausgestaltung obliegt den Länderbehörden, weswegen durchaus unterschiedliche Vollzugsstrategien in den verschiedenen Bundesländern entstehen können.
 

Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta)

Der Managementvorschlag sieht eine intensive Information der Öffentlichkeit über die Illegalität des Freisetzens sowie die Gefahr eines Ausbrechens aus Freilandhaltungen vor. Außerdem die Zulassung der Abgabe von Tiere aus Auffangstationen an Privathalter und umgekehrt sowie eine Abgabe von privat zu privat – sofern die Auflagen des Nachzuchtverbotes und der sicheren Unterbringungen erfüllt werden. In diesem Zusammenhang wird der Transport gestattet und auf eine Kastration der Tiere verzichtet, da eine Nachzucht ein aktives menschliches Handeln (Inkubation der Eier) erfordere. Die dritte Managementmaßnahme betrifft die wildlebenden Tierbestände. So ist eine Entnahme aus Freilandhabitaten mittels Lebendfang insbesondere in Biotopen der Europäischen Sumpfschildkröte oder von bestandsbedrohten Amphibien- oder Libellenarten vorgesehen.
 

Nordamerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus)

Laut des Managementvorschlags sollen wildlebende Populationen durch Abfangen und anschließende Tötungen eingedämmt werden. Auch das Umzäunen von Fortpflanzungsgewässern und anschließendes Ablassen, was einerseits ein Abwandern verhindern und andererseits zu einem Absterben von Laich und Kaulquappen führen soll, wird als Managementmaßnahme genannt. Darüber hinaus Information der Öffentlichkeit, um das Ansiedeln und Verschleppen von Exemplaren in neue Lebensräume zu verhindern.
 

Fazit:

Die den Auffangstationen drohende Überbelastung wird aller Voraussicht nach mittels der Managementmaßnahmen dahingehend verhindert, dass eine Vermittlung zumindest von Buchstaben-Schmuckschildkröte an Privathalter legalisiert wird. Ich persönlich bleibe dennoch skeptisch, ob dies rechtlich überhaupt möglich ist. Aus meiner Sicht stellt das nämlich einen Verstoß gegen europäisches Primärrecht dar. Hätte die EU-Kommission als Verordnungsgeber eine solche Regelung beabsichtigt (wie die Kommission im Nachgang sogar selbst verlautet ließ – schließlich werden Tierschutzeinrichtungen wichtige Aufgaben beim Management von Invasivarten zuteil), hätte diese direkt in der EU-Verordnung als dritte Übergangsregelung verankert werden müssen. Faktisch wurde dies aber versäumt und die Beseitigung dieses Missstandes wurde einfach den untersten Gliedern der Kette übertragen. Stau ist halt immer am Ende besonders doof. Aber da die Vollzugsbehörden diese Verstöße gegen EU-Recht aufgrund der Managementpläne dulden werden, wird es wohl keinerlei rechtliche Konsequenzen geben. Mit dem Ergebnis kann ich aus Tierschutz- und Haltersicht natürlich sehr gut leben (in der Hoffnung, dass die einzelnen Bundesländer am Vermittlungsrecht nicht rütteln werden), im Kern der Sache zeugt die Situation aber mal wieder von einer teils unzureichend durchdachten Regelung aus Brüssel.

Die vorgeschlagenen Managementmaßnahmen sind beim Nordamerikanischen Ochsenfrosch sehr viel drastischer als bei den Schmuckschildkröten. Hier ist explizit von Tötung die Rede. Eine Vermittlung von Tieren aus dem Tierschutz oder die Weitergabe von privat zu privat bleibt – treu dem EU-Recht folgend – voraussichtlich verboten. Zwar spielen Ochsenfrösche für Auffangstationen ohnehin keine signifikante Rolle, dennoch wurden Exemplare regelmäßig im Handel angeboten, weshalb sich diese Tiere sicherlich in dem einen oder anderen Terrarianerhaushalt befinden. Zwar ist die Haltung unter Verschluss bis zum natürlichen Lebensende der Tiere weiterhin gestattet, kommt es jedoch zu einer Veränderung der persönlichen Lebensumstände, könnten betroffene Halter zur Abgabe ihrer Tiere gezwungen werden. Ob diese dann aufgrund der drohenden Tötung tatsächlich erfolgt, darf angezweifelt werden. Womöglich wird der eine oder andere Halter den Entschluss fassen, seinen Tieren durch Freisetzung in die Natur das Leben zu retten. Zu erwarten sind zudem unüberlegte Rettungsaktionen von Tierschutzaktivisten an den bekannten Ochsenfroschgewässern, was zu einer weiteren Verschleppung dieser invasiven Art in andere Biotope führen könnte.
 
Stellungnahmen zu den Managementvorschlägen können noch bis zum 20. November über das Anhörungsportal eingereicht werden.

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