Mittwoch, 21. September 2016

Gummi arabicum – (K)eine natürliche Leckerei für Geckos!

Gummi arabicum ist der getrocknete Pflanzensaft von bestimmten Akazien, den man im Fachhandel für vielseitige Verwendungszwecke findet – z.B. als esoterisches Räucherwerk oder als „Ergänzungsfuttermittel“ für Krallenaffen. Auf der Internationalen Geckotagung 2016 hörte ich in einem Vortrag erstmals davon, dass Gummi arabicum auch als zusätzliche Futterquelle für diejenigen Geckos geeignet sei, für die Pflanzensäfte zum natürlichen Nahrungsspektrum gehören.

Als ich diese Info in einem vorherigen Blogpost veröffentlichte, kam es in den sozialen Netzwerken, nachdem mehrere Geckohalter von ihren positiven Erfahrungen mit Gummi arabicum berichtet hatten, zu Diskussionen über die zulässige Anwendung von Gummi arabicum. Bei Gummi arabicum handelt es sich nämlich einerseits um einen Gefahrstoff, der als augenreizend eingestuft ist und ein entsprechendes GHS-Kennzeichen trägt. Die Bedenken bezüglich dieser Gefahrstoffkennzeichnung teile ich nicht, weil es aus meiner Sicht schon noch einen Unterschied macht, in welcher Form man das Gummi arabicum verwendet. In Pulverform wäre die reizende Wirkung auf Augen und wohl auch auf die Atemwege im Falle des Einatmens durch die Tiere tatsächlich nicht zu unterschätzen. In Form eines naturbelassenen Harzklumpens ist die Gefahr von Reizungen allerdings als sehr viel geringer einzuschätzen. Außerdem wurde bisher kein ADI-Wert für Gummi arabicum festgelegt. Der ADI-Wert ist das Maß für die Menge eines Stoffes, die täglich ohne gesundheitliche Gefahren konsumiert werden kann. Deswegen halte ich das Verfüttern von Gummi arabicum grundsätzlich für unbedenklich. Zumal Geckos und andere Tiere Gummi arabicum und vergleichbare Pflanzensäfte auch in freier Natur konsumieren und vertragen. Dort steht niemand daneben und verbietet ihnen dies oder klebt GHS-Piktogramme auf die Akazien. Wie ein Tier auf einen bestimmten Stoff reagiert, hängt nicht zuletzt von seinem artspezifischen Stoffwechsel und der aufgenommenen Dosis eines Stoffes ab.

Es wurde allerdings noch eine weitere Kritik geäußert: Gummi arabicum ist futtermittelrechtlich nämlich gar nicht als Einzelfuttermittel zugelassen, sondern lediglich als Futtermittelzusatzstoff (E 414) und darf demnach (unabhängig von der GHS-Kennzeichnung) gar nicht direkt als Nahrungsquelle angeboten werden. What? Kann es wirklich sein, dass die Verwendung eines natürlichen Rohstoffes, der zum natürlichen Nahrungsspektrum verschiedener Tierarten gehört, zur Nahrungsergänzung verboten ist, nur weil dieser Stoff aufgrund seiner besonderen Eigenschaften als Futtermittelzusatzstoff zugelassen wurde? Mit dieser Fragestellung wandte ich mich an das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), welches u.a. für die Futtermittelüberwachung hier bei mir in Niedersachsen zuständig ist.

Von dort erhielt ich heute ebenfalls die Information, dass es sich bei Gummi arabicum um einen Futtermittelzusatzstoff handelt und deswegen nicht direkt an Tiere verfüttert werden darf. Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung gilt dies für alle Tierarten und somit auch für Wild- und Zootiere. Da Gummi arabicum nicht für die Applikation über Tränkwasser zugelassen ist, darf es tatsächlich nur in Mischfuttermitteln verfüttert werden.

Somit ist die seit Jahren sowohl in der privaten als auch in der gewerblichen Haltung von Geckos und Primaten praktizierte Direktverfütterung von Gummi arabicum futtermittelrechtlich gar nicht zulässig! 


Ich finde es schon ziemlich absurd, dass für den natürlichen Rohstoff, der von einigen Tieren auch in freier Natur direkt konsumiert wird, dieselben Vorschriften gelten, wie für den aufbereiteten und zu diesem Zweck in Verkehr gebrachten Futtermittelzusatzstoff! Wird ein Zusatzstoff nicht erst dann zum Zusatzstoff, wenn er Lebens- bzw. Futtermitteln zugesetzt wird? War es wirklich das Ziel des Verordnungsgebers, die von einer Randgruppe seit Jahren praktizierte Direktverfütterung zu untersagen oder wollte man nur die Eigenschaften von Gummi arabicum in Lebens- und Futtermittel einbringen?

So dämlich es auch sein mag, futtermittelrechtlich ist die Sache eindeutig, weswegen ich meinen Tieren kein Gummi arabicum anbieten werde und auch anderen Haltern davon abrate, dies zu tun oder, z.B. in öffentlichen Vorträgen auf Fachtagungen, zu empfehlen. 

„Adoptierstube“ für Reptilien im Fressnapf XXL München eröffnet

Der Fressnapf XXL an der Lotte-Branz-Straße in München hat in Kooperation mit der Auffangstation für Reptilien, München e.V. eine „Adoptierstube“ für Reptilien eröffnet. Weil der Markt den Verkauf eigener Reptilien komplett eingestellt hat, werden in den freigewordenen Terrarienanlagen zukünftig Tiere aus der Reptilienauffangstation zur Vermittlung angeboten. Die Vermittlung erfolgt zu den Konditionen der Auffangstation und auch die Einnahmen sollen komplett an diese fließen. Für die Reptilienauffangstation ist dies eine große Chance. Tierhaltern kann so eine neue Möglichkeit geboten werden, Tiere aus der Auffangstation aufzunehmen. Viele potentielle Tierhalter, die im Zoofachhandel nach einem Reptil als Heimtier suchen, wissen gar nicht, dass in der Auffangstation jährlich bis zu 1.200 Tiere landen und – sofern rechtlich möglich – auf Vermittlung warten. Die Kooperation zwischen der Auffangstation und der Fressnapffiliale hat daher bundesweite Vorbildfunktion.

Ich finde diese Idee an sich sehr gut. Es wäre wünschenswert, wenn weitere Zoofachgeschäfte ähnliche Kooperationen mit ihren örtlichen Tierschutzvereinen eingehen würden. Leider hat nicht jede Filiale das „Glück“, eine auf Reptilien spezialisierte Auffangstation als Kooperationspartner in der direkten Nähe zu haben. Reptilien und andere „Exoten“ spielen für die meisten Tierheime schließlich gar keine Rolle. Sie werden in den je nach Bundesland mehr oder weniger verfügbaren Wildtierauffangstationen untergebracht. Nur dort ansässige Zoofachgeschäfte könnten eine langfristige Kooperation zur Tiervermittlung eingehen. Es ist außerdem jetzt schon gängige Praxis, dass sich Behörden im Falle eines Fundtieres an gewerbliche Halter und Zoofachgeschäfte in der näheren Umgebung wenden, um dort die Tiere unterzubringen, wenn keine Auffangstation und kein geeignetes Tierheim zur Verfügung steht. Dieses eher selten medienwirksam beworbene Engagement verdient ebenfalls Anerkennung.

Gleichwohl werden mit solchen Kooperationen leider nur die Symptome bekämpft, nicht die Ursachen. Zwar hat ein Markt durch die Vermittlung von Tierschutzfällen keinen Bedarf mehr an Tieren aus anderen Quellen, was die Nachfrage bei den „Produzenten“ ein wenig senkt, der Anteil an im Zoofachhandel verkauften Terrarientieren ist seit einiger Zeit aber ohnehin stark rückläufig. Heutzutage werden die meisten Reptilien nicht mehr in Zoofachgeschäften, sondern auf Börsen oder im Internet verkauft. Viele Zoofachgeschäfte haben auf diesen Trend reagiert und kompensieren ihre Gewinneinbußen, indem sie auf preiswerte Importe oder „Massenzuchten“ zurückgreifen, statt auf die in der Regel teureren Nachzuchten kleinerer Züchter. Dies spiegelt sich auch im Tiersortiment der meisten Zoofachgeschäfte wider. Und auch immer mehr Züchter verkaufen ihre Tiere lieber direkt an den Endkunden, statt an einen Zwischenhändler.
 
Der Verzicht auf die Beschaffung von Tieren aus Massenzuchten und Massenimporten ist zwar sehr nobel, langfristig betrachtet ändert sich dadurch aber nur wenig. Tierhalter, die auf Beratung Wert legen, ein Tier vor dem Kauf vielleicht erst ein paarmal „besuchen“ möchten und nicht auf der Suche nach einer ganz besonderen Rarität sind, sind bei einer Adoptierstube an der vollkommen richtigen Adresse. Spontankäufe auf Börsen, oder im Internet insbesondere bei den häufig gehaltenen und vermehrten Tierarten werden allerdings auch in Zukunft für genug Nachschub an Tierschutzfällen sorgen. Ebenso wie diejenigen Zoofachgeschäfte, die auf eine fachkundige Beratung aus Kostengründen wenig Wert legen – und sei es nur aus dem Grund, weil sich Leute stundenlang beraten lassen, am Ende dann aber doch woanders günstiger kaufen. 
 
Nicht zuletzt würde auch die vom Deutschen Tierschutzbund, einem Unterstützer und Fürsprecher der Adoptierstube, geforderte Positivliste die bestehenden Tierschutzprobleme noch weiter verschärfen! Stattdessen muss aus meiner Sicht eine Sachkundenachweispflicht her, damit Spontankäufe minimiert werden und alle Halter - sowohl die Haustierhalter als auch die Raritätenzüchter - ihre jeweiligen Tiere ohne weitere Repressalien halten, züchten und abgeben dürfen.

Weitere Informationen zu der Adoptierstube gibt es auf www.tierwelt-muenchen.de.



Sonntag, 18. September 2016

Ausstellung „Die Wüste lebt!“ im A2 Center Hannover

Seit Anfang September ist im A2 Center Hannover in Altwarmbüchen die Ausstellung „Die Wüste lebt!“ zu sehen, in der Reptilien, Amphibien und Spinnentiere aus Trockenregionen verschiedener Kontinente der Erde ausgestellt werden.

Vor kurzem zog  ein Shitstorm über dem A2 Center und der besagten Ausstellung auf, worauf mich ein befreundeter Terrarianer aufmerksam machte. Auf der Facebookseite des A2 Centers hagelte die Scheiße nur so nieder. Eine 1-Stern-Bewertung nach der anderen zog den Bewertungsdurchschnitt in die Tiefe. Kommentare, in denen die Verantwortlichen als „Tierquäler“ beleidigt wurden, waren und sind dort noch immer zu lesen. Doch der Shitstorm kam nicht etwa wie gewohnt aus Richtung radikaler Tierrechtler, sondern braute sich in einer Terraristikgruppe auf Facebook zusammen. Dort wurde der Aufruf gestartet, das A2 Center aufgrund der Ausstellung negativ zu bewerten. Was war geschehen?

Auf der Facebookseite des A2 Centers wurde am 7. September ein Imagefilm über die Ausstellung veröffentlicht, in dem u.a. eine Kornnatter (Pantherophis guttatus) sowie eine Kaiserboa (Boa constrictor imperator) in Terrarien mit losem Sand als Bodengrund zu sehen waren. Dies war Grund genug für die Terraristik-Szene, eine unsachliche Hetzjagd gegen die Verantwortlichen der Wüstenausstellung zu starten und sich damit selbst nicht mit Ruhm zu bekleckern. Das Management des A2 Centers lud die Kritiker daraufhin zu einem persönlichen Gespräch ein. Diesen Termin nahmen mein Bekannter, mein Partner und ich am gestrigen Samstag war, um die Ausstellung einmal selber zu besuchen und im Anschluss mit dem Management des A2 Centers und der Ausstellungsleiterin von der Firma expovivo zu sprechen:

Insgesamt werden 17 Terrarien mit verschiedenen Tierarten ausgestellt. Darunter beispielsweise ein großräumiges Terrarium, in dem Bartagamen (Pogona vitticeps) mit Kragenechsen (Chlamydosaurus kingii) vergesellschaftet sind. Verschiedene weitere Echsen wie eine Dornschwanzagame (Uromastyx ocellata) und Biberschwanzagamen (Xenagama batilifera) sind in Artterrarien untergebracht. Neben der besagten Kornnatter und der Kaiserboa sind noch andere Schlangen zu sehen, darunter Steppennattern (Elaphe dione) und Afrikanische Eierschlangen (Dasypeltis inornata). Zwei sympathische Coloradokröten (Incilius alvarius) sind die einzigen Amphibien, die in der Ausstellung gezeigt werden. An Wirbellosen werden eine
Vogelspinne (Aphonopelma chalcodes) sowie Spaltenskorpione (Hadogenes sp.) ausgestellt.

Die technische Ausstattung der Terrarien gab uns keinen Grund für Kritik. Besonders im Großterrarium mit den Bartagamen und Kragenechsen sind mehr als genug UV-Leuchtmittel angebracht. Alle Tiere befanden sich zum Zeitpunkt unseres Besuches in einem gesundheitlich einwandfreien Zustand. Umso absurder wirkt der Vorwurf einiger teils anonymer Kritikerinnen bei Facebook, die eine im Imagefilm gezeigte Biberschwanzagame als Zwergbartagame (Pogona henrylawsoni) mit Rachitis „identifizierten“. Die Qualität mancher „Kritik“ wird bei solchen Kommentaren besonders deutlich.

Manche der Terrarien hätten aus unserer Sicht allerdings ein wenig mehr Einrichtung vertragen können, insbesondere weil auf den Terrarien ein geballtes Sortiment an Ästen, Trockenpflanzen und auch Kunstpflanzen als Dekoration drapiert wurde. Im Gespräch mit den Verantwortlichen wurde uns diesbezüglich mitgeteilt, dass diese Dekorationsgegenstände nicht desinfiziert seien und bei jeder Ausstellung nur für die Außendeko genutzt würden und dabei teilweise auch auf dem Boden liegen, weswegen sie nicht einfach so in die Terrarien gestellt werden können. Man nahm die Anregung jedoch für die nächsten Veranstaltungen auf.

Die Dornschwanzagame machte bei unserer ersten Begehung einen sehr aufgeregten Eindruck und lief an den Scheiben des Terrariums entlang. Hätte das Tier dieses Verhalten dauerhaft gezeigt, wäre dies schon sehr auffällig gewesen. Später saß die Agame jedoch vollkommen ruhig auf ihrem Sonnenplatz und auch am Ende unseres Besuches verhielt sie sich unauffällig. Dies zeigt, dass man sich niemals einen Eindruck von einer kurzen Momentaufnahme machen sollte! Tierrechtsorganisationen arbeiten mit solchen Momentaufnahmen in ihren Propagandafilmen, um angebliches Tierleid zu offenbaren. Daher sollte man sich immer selber einen Eindruck verschaffen und dies nicht nur für ein paar Minuten.

Das Terrarium der Vogelspinne wirkte auf mich zunächst nicht gerade artgerecht. Dem Tier wird eine nur wenige Zentimeter hohe Schicht eines Erde-Sand-Gemisches geboten, welches mit einer losen Sandschicht umrandet wurde, um die Wüstenthematik zu unterstreichen. Die Spinne saß allerdings ruhig unter einem Korkstück und von verzweifelten Grabaktivitäten war nichts zu erkennen. Ich pflege selbst mehrere Exemplare verschiedener Vogelspinnenarten, die teilweise arttypische Wohnröhren graben, teilweise aber auch nur Korkröhren als Unterschlupf bevorzugen oder trotz anderer Möglichkeiten seit Jahren offen im Terrarium sitzen und Störungen mit stoischer Ruhe ertragen. Ich halte nach dem gestrigen Gespräch die Aussteller für fachlich so kompetent, dass sie die Tiere gezielt nach ihren individuellen Verhaltensweisen auswählen.

Das für uns auffälligste Tier war ein männliches Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus), welches sehr dunkel gefärbt war und somit Anzeichen für Stress zeigte. Dies lag unserer Einschätzung nach an den halbdurchsichtigen Sichtschutztüchern, die von einigen neugierigen und total rücksichtslosen Besuchern ständig zur Seite gezogen wurden. Laut Aussage der Veranstalterin befinden sich derzeit bedruckte Sichtschutzfolien in der Herstellung, die in der nächsten Ausstellungssaison an drei Seiten der Terrarien angebracht werden sollen. Abgesehen davon war am Chamäleonterrarium nichts auszusetzen. Bemerkenswert ist auch das stolze Alter des Tieres von über 6 Jahren. Mit unserer Anregung, dass die Terrarien mit Hinweisschildern wie „Bitte nicht klopfen“ und „Nicht mit Blitzlicht fotografieren" beschriftet werden sollten, rannten wir offene Türen ein, weil dies ebenfalls bereits geplant ist.

Die Bodengrunddebatte kann bei der Boa und der Kornnatter ein Stück weit entkräftet werden. Beiden Tieren steht eine Fläche mit einem Erde-Sand-Gemisch zur Verfügung, wovon zumindest die Kornnatter genug (ca. 2/3 der Bodenfläche) für Grabaktivitäten zur Verfügung hat. Der lose Sand stellt bei ihr somit nicht den Hauptbodengrund dar. Einzig die Außenwirkung auf die Besucher sollte hinterfragt werden. Wer sich die gezeigte Haltungsform als Vorbild nimmt und losen Sand als dauerhaften Bodengrund im Kornnatterterrarium nutzt, riskiert Entzündungen der Bauchschuppen und der Atemwege durch das Einatmen von Staubpartikeln. Abgottschlange und Kaiserboa sind mit verschiedenen Lokalformen ebenfalls sehr weit verbreitet und kommen auch in Halbwüsten vor (TRUTNAU: „Ungiftige Schlangen“, Ulmer Verlag, 2002), weswegen der Sandboden je nach Lokalform gar nicht falsch sein muss.

Was im Gespräch mit der Ausstellungsleiterin sehr schnell deutlich wurde, ist die Tatsache, dass sie sich den Auflagen des jeweils zuständigen Veterinäramtes fügen muss. Als reisende Ausstellung müssen sich die Aussteller nun einmal mit verschiedenen Amtsveterinären auseinandersetzen, die bekanntlich am längeren Hebel sitzen und nicht unbedingt immer Ahnung von Reptilien haben. Wenn von Seiten der Behörden z.B. Steinaufbauten und enge Verstecke untersagt werden, dann müssen die Aussteller sich dem leider fügen.

Wir wurden bei unserem Besuch sogar hinter die Kulissen geführt und bekamen so noch einen Einblick in die Haltung der Futterinsekten, die absolut vorbildlich ist. In den Terrarien mit herbivoren bzw. omnivoren Tieren wird nicht etwa billiger Blattsalat verfüttert, sondern hochwertige pflanzliche Kost wie Wildkräuter. Als Calciumquelle steht den entsprechenden Arten Sepiaschale dauerhaft zur Verfügung. Also gab es beim Thema Fütterung auch keinen Anlass für Kritik.

Fazit:
Es gab zwar ein paar Kritikpunkte, diese waren bzw. sind jedoch nicht so dramatisch, als dass sie einen unsachlichen Shitstorm gegen die ausstellende Firma oder gar gegen das A2 Center rechtfertigen würden. Unsere sachliche Kritik wurde von den Verantwortlichen dankbar aufgenommen und soll im Rahmen der Möglichkeiten zeitnah umgesetzt werden. Man nahm sich viel Zeit (etwas über 2 Stunden) für uns und war offen für unsere Kritik.

Wir hatten nicht den Eindruck, dass es sich um einen „Wanderzirkus“ handelt, der auf Kosten der Tiere Besucher anlocken soll, um Profit zu machen. Der Ansatz, den Leuten diese Tiere näherbringen zu wollen, stand ganz klar im Vordergrund. In einer Zeit, in der wir ständig mit unsachlichen Angriffen seitens der „Tofu-Fraktion“ zu rechnen haben, empfinde ich es als sehr bedenklich, wenn wir uns auf dasselbe Niveau herablassen und Mitstreiter auf vergleichbar infame Art und Weise diffamieren. Das A2 Center Hannover verdient großes Lob (und daher positive Bewertungen auf der Facebookseite) dafür, dass eine solche Ausstellung in der heutigen Zeit überhaupt ermöglicht wird!

Wer Kritik hat, sollte diese sachlich äußern. Als Trittbrettfahrer bei einem Shitstorm mitzumachen, ohne selbst die Gegebenheiten vor Ort einmal persönlich inspiziert zu haben, empfinde ich schlicht und ergreifend nur als feige und dumm. Das sagt mehr über die „Kritiker“ aus als über die Ausstellung. Bisher hatte keiner der Shitstormtrooper den Arsch in der Hose, sich mit den Veranstaltern von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Ich hätte nicht gedacht, dass jemals der Tag kommen würde, an dem ich mich dafür schämen muss, ein Teil der Terraristik-Szene zu sein!

Die Ausstellung „Die Wüste lebt!“ ist noch bis zum 1. Oktober im A2 Center Hannover in Altwarmbüchen zu sehen.


Samstag, 17. September 2016

Niedersächsische Landesregierung befasst sich mit „Exotenhaltung“

Landtag Niedersachsen
Neue Gefahrtierverordnung „under construction“?
Gestern hat sich der Niedersächsische Landtag mit einem Antrag der Regierungsfraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen zum Thema „Exotenhaltung und -handel“ befasst. Über das Bestreben der rot-grünen Landesregierung, den Handel und die Haltung von sogenannten „Exoten“ strenger zu reglementieren, berichtete im Vorfeld auch schon der Weser-Kurier: Wenn der Leguan groß wird

Bei meinem Besuch im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde habe ich mit der im Artikel interviewten Leiterin Bärbel Rogoschik ausführlich über die Probleme innerhalb der Reptilienhaltung gesprochen, mit denen sie und auch ich mit meinem privaten „Exoten-Gnadenhof“ zu kämpfen haben. Daher kann ich grundsätzlich nachvollziehen, dass jemand, bei dem ständig nur die nicht mehr gewollten Tierschutzfälle auflaufen, deutliche Kritik äußert. Manche Aussagen sind allerdings an den Haaren herbeigezogen: So werden Bartagamen seit Jahrzehnten nicht mehr aus Australien exportiert, sondern zu Tausenden hierzulande vermehrt. Das ist ein qualitativer Unterschied, weil Zuchttiere mit einem Leben als Heimtier viel besser zurechtkommen, als frisch aus der Natur entnommene Wildtiere. Dass mit Bartagamen eine hohe Gewinnspanne erzielt werden kann, ist schlicht und ergreifend ebenfalls falsch. Das ist allenfalls bei besonderen Farbvarianten (oder gar schuppenlosen Qualzuchten) möglich, deren Produktion jedoch für einen hohen Ausschuss an stinknormalen Bartagamen sorgt, welche – wie auch die Exemplare der vielen Möchtegernzüchter – die Preise drücken. Auch die genannte Mortalitätsrate bei Importen in Höhe von 50 Prozent wird von keiner seriösen Studie belegt. Wenn man Kritik an den vorhandenen Problemen äußert, sollte man zumindest bei den Fakten bleiben. Mir ist außerdem unbekannt, wann in Niedersachsen zuletzt einmal hochgiftige Mambas in einer verlassenen Wohnung aufgefunden wurden.

Als Reaktion auf solche zwar tragischen aber oftmals aufgebauschten Vorfälle will die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen nun der Haltung von und dem Handel mit Exotenwidmen. Dazu wurde gestern im Landtag über einen Antrag der Regierungsfraktionen beraten (Drucksache 17/6408). Erfreulicherweise ist der besagte Antrag gar nicht so misslungen, wie man es von SPD und Grünen sonst gewohnt ist. Zwar werden die seit Jahren rückläufigen Importzahlen mal wieder so dargestellt, dass der Eindruck eines Anstiegs suggeriert wird und auch die Tierheimbefragung des Deutschen Tierschutzbundes wird erwähnt, mit der bekanntlich durch dubiose Hochrechnungen ein verzerrtes Bild von der tatsächlichen Tierheimsituation verbreitet wurde. Die eigentlichen Forderungen sind jedoch soweit akzeptabel und ihre Umsetzung aus meiner Sicht teilweise sogar dringend notwendig.

So fordern die rot-grünen Regierungsfraktionen, dass sich Niedersachsen auf Bundesebene weiterhin für den Schutz von bedrohten Arten mittels CITES einsetzen soll. Dies kann aus meiner Sicht zwar zu Überregulierung und teilweise nicht nachvollziehbaren Einschränkungen für Halter führen, man würde aber immerhin mit bestehenden Instrumenten arbeiten. Auch die Forderung nach einer Regelung für den Import und Handel von Arten, die bisher nur in ihren Herkunftsländern geschützt sind, ist aus Artenschutzsicht zu begrüßen. Eine Zertifizierung von nachhaltigen Wildfängen wäre ebenfalls sinnvoll. Von generellen Importverboten ist im Antrag jedenfalls nichts zu lesen.

Des Weiteren wird Wert auf Sachkunde gelegt. Nicht nur „Züchterinnen und Züchter sowie Verkäuferinnen und Verkäufer“ sollen zu einem Sachkundenachweis verpflichtet werden, sondern es soll auch ein Sachkundenachweis für Halterinnen und Halter bestimmter Tierarten eingeführt werden. Ich begrüße dies, weil somit Spontankäufe minimiert würden, wenn Halterinnen und Halter sich vor der Anschaffung über die Bedürfnisse informieren müssen (was prinzipiell ja auch jetzt schon vom Tierschutzgesetz vorgeschrieben wird) und dies auch belegen müssen. Problematisch wäre es aus meiner Sicht jedoch, wenn die Haltung bestimmter Tierarten als „Allgemeinwissen“ abgetan und für bestimmte Haus- und Heimtiere auf eine Sachkundenachweispflicht verzichtet werden würde. Alle Tiere haben besondere Ansprüche, daher sollte ein verpflichtender Sachkundenachweis auch für alle Tierhalter eingeführt werden und nicht nur für eine leicht zu diskriminierende Randgruppe. Erfreulich ist, dass die Parteien fordern, dass ein Sachkundenachweiskonzept in Zusammenarbeit mit Halterverbänden wie der DGHT entwickelt werden sollte.

Skolopender
Bald ein Gefahrtier in Niedersachsen?
Eine weitere Forderung der Antragsteller bezieht sich auf die Gefahrtierhaltung. So soll die Gefahrtierliste überprüft und bei Bedarf erweitert werden. Die Gefahrtierverordnung (GefTVO) von Niedersachsen, die im direkten Vergleich zu den Regelungen anderer Bundesländer noch eine der besseren ist, bedarf tatsächlich einer Überarbeitung. Das Verbot für „tropische Giftspinnen“ ist einer der Knackpunkte der GefTVO, weil diese Formulierung einige harmlose Arten nur aufgrund ihrer Herkunft verbietet und einige potentiell gefährliche Giftspinnen aus subtropischen Gefilden nicht reglementiert sind. Potentiell gefährliche Riesenschlangenarten sucht man auf der Gefahrtierliste derzeit vergebens. Allerdings sollten Änderungen mit Sachverstand erfolgen, damit keine harmlosen Arten als gefährlich eingestuft werden, was in anderen Bundesländern leider bereits geschehen ist.

Eine Regelung des Handels im Internet sowie von Tierbörsen soll ebenfalls geprüft werden. Von einem Börsenverbot ist allerdings nur in Form eines Verweises auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung zu lesen. Im Antrag selbst wird von SPD und Grünen erfreulicherweise nur die stärkere Kontrolle von Tierbörsen und eine Aktualisierung der Leitlinien zur Durchführung von Tierbörsen gefordert, um Rechtsverbindlichkeit zu schaffen. Nicht zuletzt sollen aus Sicht der antragstellenden Fraktionen die „Beipackzettel“, die beim Verkauf eines Wirbeltieres dem Käufer mitgegeben werden müssen, bundesweit vereinheitlicht werden.

Außerdem soll ein Finanzierungskonzept entwickelt werden, um die Kosten für die Unterbringung von langlebigen „Exoten“ in Tierheimen und Auffangstationen zu decken. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des „EU Alien Species Act“ interessant, der eine Vermittlung von langlebigen Buchstaben-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta) an Privatleute verbietet. Deswegen muss natürlich überprüft werden, wie die leidtragenden Tierheime und Auffangstationen solcher Verbote die nicht mehr vermittelbaren Tiere möglichst artgerecht landfristig unterbringen können und wie dies zu finanzieren ist.

Im oben verlinkten Artikel fordert der Deutsche Tierschutzbund darüber hinaus noch eine Kennzeichnungspflicht für „exotische Wildtiere“ vergleichbar der von Hunden. Dadurch würde zwar auch Haltern eine gewisse Sicherheit gegeben, falls ein Tier tatsächlich mal entweichen sollte, führt aus meiner Sicht jedoch zu weit. Denn im Gegensatz zu Hunden werden Reptilien nicht täglich in den öffentlichen Raum geführt. Bei Hunden besteht daher eine gesteigerte Gefahr für ein Entweichen und Anrichten von Schäden, weswegen eine Kennzeichnungspflicht hierbei sinnvoll ist, jedoch nicht auf die Reptilienhaltung übertragen werden kann. Auch die Meinung des niedersächsischen Tierschutzbund-Landesvorsitzenden, dass eine „Positivliste“ Auswüchse und Missbrauch effektiv bekämpfen würde, teile ich nicht. Die meisten Probleme wie Spontankäufe und Tierheimabgaben findet man doch bei den Arten, die prädestiniert für eine Aufnahme auf eine solche Positivliste wären. Und die nach einer Positivliste nicht mehr erlaubten Arten könnten dann auch nicht mehr problemlos vermittelt werden, was zu weiteren Problemen wie überfüllten Tierheimen und Auffangstationen führen würde. Eine Positivliste schafft somit erst die Probleme, die man eigentlich bekämpfen möchte und ist daher aus Tierschutzsicht abzulehnen. Aus diesen Gründen ist es sehr zu begrüßen, dass die Forderung nach einer Positivliste keinen Einzug in den Antrag von Rot-Grün in Niedersachsen gefunden hat.

Der Landtag hat den Antrag jedenfalls an den Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung überwiesen, welcher sich nun näher mit der Thematik und den Forderungen befassen wird. Was in welcher Form umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

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Sonntag, 4. September 2016

Zoofachhandel verzichtet auf Reptilienverkauf

Der folgende Artikel der Stuttgarter Zeitung über den Reptilienhandel ist mal wieder äußerst bemerkenswert: Bestrebungen im Kreis Ludwigsburg - Zoohandel künftig ohne Reptilien

Schon in der Einleitung heißt es:
Einige Zoofachmärkte geben den Verkauf von Reptilien auf. Dahinter steht die Einsicht, dass solche Tiere kaum artgerecht zu halten sind.
Für mich ist diese „Einsicht“ nur ein vorgeschobenes Argument. Da ich selbst im Kontakt zu einer meiner örtlichen Zoofachhandelsfilialen einen Verzicht des Reptilienverkaufs durchsetzen konnte, weiß ich, wo die tatsächlichen Probleme aus Sicht des Handels beim Verkauf dieser Tiere liegen. Hinter der Entscheidung vieler Zoofachhandelsketten, auf den Verkauf von Reptilien zu verzichten, stecken meiner Einschätzung nach andere Gründe, denn eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in sachkundigen Händen durchaus möglich. Und genau dort liegt wohl auch das eigentliche Problem vieler (nicht aller!) Zoofachgeschäfte. Der Verzicht auf den Handel mit Reptilien ist eher ein Selbsteingeständnis dafür, dass eine umfangreiche Beratung der Kunden das eigentliche Problem darstellt und nicht etwa die Hinterfragung einer artgerechten Haltung von Reptilien in Privathand. Spezielle Mitarbeiterschulungen und eine umfassende Kundenberatung, wie Reptilien artgerecht zu halten sind, kosten ebenso wie die Haltung dieser Tiere bis zum Verkauf nun einmal Zeit und Geld. Daher finde ich es gut, dass Läden, die womöglich erkannt haben, dass man mit billigen Massenzuchten/-importen die Kosten für Unterhalt, Mitarbeiterschulungen und Beratungsgespräche kaum decken kann, auf den Verkauf von Reptilien verzichten. Nur sollte nicht das Argument „Reptilien kann man eh nicht artgerecht halten“ als Ausrede vorgeschoben werden. Denn dass eine artgerechte Haltung sehr wohl möglich ist, beweisen langjährige Haltererfahrungen und Nachzuchterfolge.
 
Einige Zoofachgeschäfte sind natürlich durchaus in der Lage, Reptilien artgerecht zu halten und erst nach einem umfassenden Kundengespräch zu verkaufen (oder sogar auf einen Verkauf zu verzichten). Dort sind die Preise für die Tiere aber in der Regel auch weitaus höher. Werden die Mindestanforderungen gerade eben so erfüllt und die Tiere zu meist günstigen Preisen nach einer kurzen „Beratung“ verkauft, wird das Tierwohl eher untergeordnet als in Geschäften mit großen Terrarien und intensiv geschultem Fachpersonal, was nicht nur beim Reptilienhandel beobachtet werden kann.

Im oben verlinkten Artikel wird auch auf die „Recherchen“ von PETA hingewiesen, welche im „Report Mainz“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Es wundert mich nicht, dass viele Läden aus Angst vor negativen Schlagzeilen einknicken und auf den Verkauf von Reptilien verzichten. Denn so perfide es ist: PETA bestimmt die Meinung der Öffentlichkeit, weil diese Organisation trotz aller berechtigter Kritik ein „Weiße Weste Image“ hat. Aber auch die Angst vor PETA bedeutet nicht, dass Reptilien nicht artgerecht gehalten werden können, sondern ist in meinen Augen ein weiteres Eingeständnis der Zoofachgeschäfte dafür, dass Kundenberatung und Verkaufsbedingungen verbesserungswürdig sind und man daher negative Schlagzeilen fürchtet.

Andere Aussagen im Artikel sind ebenfalls zu hinterfragen. Beispielsweise die Behauptung von Adeline Fischer (Pro Wildlife e.V.), dass für Reptilien als sogenannte „Wildtiere“ die Nähe des Menschen ein großer Stress wäre. Das mag zwar für echte Wildtiere (also direkt aus der Natur entnommene Exemplare) zutreffen, nicht jedoch für Zuchttiere oder über längere Zeit eingewöhnte Wildtiere, die je nach Spezies den Menschen nicht nur nicht mehr scheuen, sondern sogar seine Nähe suchen, weil sie sein Erscheinen mit der Chance auf Futter verbinden. 
 
 
Am Ende sollte entscheidend sein, was der jeweilige Halter dem jeweiligen Tier bieten kann. Jedes Tier hat besonderen Ansprüche und die kann manch einer spielend leicht erfüllen, ein anderer hat damit aber vielleicht große Probleme. Wo will man da die Grenze für die geforderte Positivliste ziehen? Darüber hinaus sind es soch gerade die Tiere, die für eine Aufnahme auf eine Positivliste aus Sicht von „Tierschutzbund & Co.“ geeignet wären, bei denen es die meisten Tierschutzprobleme gibt. Daher sind Positivlisten aus Tierschutzsicht strikt abzulehnen! Schwerpunkt sollte stattdessen auf die notwendige Sachkunde der Verkäufer und Halter gelegt werden. Hier sollte der Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, um Spontankäufe und somit Tierschutzprobleme zu vermindern.

Inzwischen hat sich auch der BUND zu der Entscheidung des Zoofachhandels im Kreis Ludwigsburg geäußert: Reptilien-Verkauf im Kreis Ludwigsburg BUND: Ende des Exotenhandels

Der BUND fordert „ein gesetzliches, sofortiges und generelles Handelsverbot für sämtliche exotische Tierarten“. Damit fordert der BUND praktisch ein Verbot von Hunden, Katzen, Zwerghamstern, Wellensittichen usw., weil es sich bei diesen Tieren ebenfalls um „Exoten“ handelt.

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Donnerstag, 1. September 2016

EU-Verbot für Halogenlampen mit Reflektor

Am heutigen 1. September ist die sechste Stufe der Richtlinie 2009/125/EG des Europäischen Parlaments und des Rates in Kraft getreten, welche bereits 2009 das „Glühbirnenverbot“ innerhalb der Europäischen Union durchsetzte. Ab dem heutigen Tag dürfen Hochvolt-Halogenleuchtmittel mit gerichtetem Licht nicht mehr verkauft werden. Der Abverkauf von Lagerbeständen ist zwar noch erlaubt, sind diese jedoch erloschen, verschwinden die besagten Leuchtmittel endgültig vom Markt. Privatpersonen dürfen ihre Leuchtmittel natürlich ohne Konsequenzen weiter nutzen. Doch die Lebenszeit von Leuchtmitteln ist ja bekanntlich begrenzt.

Was bedeutet das für die Terraristik?
Halogenreflektorleuchtmittel sind innerhalb der Terraristik als Wärmequelle sehr beliebt, weil sie kostengünstig sind und mit ihnen, dank des eingebauten Reflektors, gezielt Sonneninseln in den Terrarien geschaffen werden können. Die Wärmeentwicklung als ökologischer Nachteil bei der Verwendung dieser Leuchtmittel im Alltag stellt für die Reptilienhaltung einen Mehrwert dar. Die besagten Hochvolt-Halogenleuchtmittel (230 V) bieten zudem den Vorteil, dass sie ohne Vorschaltgerät betrieben werden können. Die Richtlinie erlaubt ab heute nur noch den Verkauf von Niedervolt-Halogenleuchtmitteln (12 V) mit einer Lebensdauer von mehr als 4.000 Stunden und einer Energieeffizienzklasse von mindestens C. Für den Betrieb dieser Leuchtmittel benötigt man allerdings ein Vorschaltgerät (Trafo), welches die Netzspannung in Niederspannung umwandelt.

In den kommenden Jahren werden noch weitere Leuchtmittel aus dem Verkehr gezogen, die als „ineffiziente“ Beleuchtung gelten, jedoch innerhalb der Terraristik eine gewisse Rolle spielen. Seit April 2015 sind bereits Quecksilberdampflampen (HQL) in der EU verboten. Laut EU-Kommission soll die Richtlinie bis spätestens 2018 komplett umgesetzt werden. Bis die letzten Leuchtmittel vom Markt verschwunden sind, wird es zwar sicherlich noch eine ganze Weile dauern, aber langfristig wird es für Terrarianer wohl immer schwieriger, ihren Tieren eine ans Licht gekoppelte und damit aus meiner Sicht artgerechte Form der Wärmezufuhr zu bieten. Denn dafür benötigt man halt ineffiziente Leuchtmittel.

Aufgrund einer Nachfrage, ob nun auch die beliebte Bright Sun verboten ist, hier noch eine Ergänzung: Halogenmetalldampflampen (HQI) wie die Bright Sun sind nicht betroffen und wurden nach dem Verbot der Quecksilberdampflampen (HQL) neben LEDs als Alternative empfohlen, weil sie langlebiger sind und eine höhere Lichtausbeute haben als HQL oder normale Halogenlampen.

Außerdem gibt es noch ein Schlupfloch: Spezialleuchtmittel, die nicht für die Beleuchtung von Innen- und Außenräumen gedacht sind (wie z.B. Backofenlampen), sind nicht betroffen. Dies gilt meiner Einschätzung nach auch für Spezialleuchtmittel aus dem Heimtiersektor. Nur ist natürlich klar, dass eine 50 W Reflektorhalogenlampe im Baumarkt sehr viel günstiger ist/war als exakt dasselbe Modell in einer speziellen Terraristik-Verpackung im Zoofachhandel. 

Dienstag, 30. August 2016

Reptile Max 60 – Reptilieninkubator

Der „Reptile Max 60“ (Rcom Reptilieninkubator 60) wird von der Firma TRIXIE vertrieben (Art.-Nr. 76310) und kann zum Zeitpunkt dieses Tests für ca. 170 Euro käuflich erworben werden. Die Temperatur lässt sich zwischen 20 und 42° C einstellen. Kühlen ist mit dem Reptile Max 60 demnach nicht möglich, weswegen das Gerät nicht für die Überwinterung von Tieren geeignet ist. Aber das ist meiner Meinung nach auch nicht unbedingt Sinn und Zweck eines Inkubators. Das Gerät bietet neben der Möglichkeit einer Inkubation von Reptilieneiern bei einer dauerhaften Temperatur auch das Bebrüten mit einer zwischengeschalteten Phase „höchster Sonneneinstrahlung“. In diesem Programm wird die eingestellte Soll-Temperatur während 3 von 24 Stunden Betriebsdauer um 1,5 °C erhöht, um die maximale Sonneneinstrahlung während der Mittagszeit in freier Natur zu simulieren.

Darüber hinaus ist das Gerät in der Lage, die Luftfeuchtigkeit in einem Bereich zwischen 40 und 95 % zu regeln. Zu diesem Zweck befindet sich im Innenraum des Inkubators ein Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor, den man flexibel an die gewünschte Position legen kann. So ist es möglich, die Werte entweder im Innenraum des Gerätes oder sogar direkt im Innern eines Brutbehälters zu messen.

Mithilfe programmierbarer Warngrenzen können individuelle Alarme gesetzt werden. Beispielsweise kann eingestellt werden, dass ein Alarm erklingen soll, sobald die Temperatur um eine bestimme Differenz vom Sollwert abweicht. Gleiches ist bei der Luftfeuchtigkeit möglich und verhindert so (je nach Inkubationsmethode) das Austrocknen der Gelege. Steuert man die Feuchtigkeit primär über die Substratfeuchtigkeit, kann der Luftfeuchtigkeits-Alarm auch komplett ausgeschaltet werden. Zur Regelung der Luftfeuchtigkeit / Belüftung ist an der Oberseite des Inkubators ein Schieberegler angebracht, mit dem sich die Größe eines dortigen Lüftungsloches stufenlos einstellen lässt.

Die Bedienung des Reptile Max 60 ist dank der anschaulichen Bedienungsanleitung, welche Informationen über die empfohlene Inkubationstemperatur gängiger Tiergruppen enthält, einfach und problemlos. Wie bei allen Inkubatoren dieses Preissegments kann es zu geringen Temperaturabweichungen kommen, weswegen man zu Beginn mit einem geeigneten Thermometer die eingestellte Soll-Temperatur mit der tatsächlich erreichten Temperatur abgleichen und bei Bedarf das Gerät entsprechend der gemessenen Abweichung höher oder niedriger einstellen sollte. Das Netzkabel wird nach dem Einstecken in das Gerät mit einer Abdeckplatte fest verschraubt, wodurch ein versehentliches Ziehen der Stromzufuhr zumindest an dieser Stelle ausgeschlossen werden kann.

Zum Lieferumfang gehören neben der Bedienungsanleitung und dem Stromkabel, zwei Brutbehälter (ca. 14 cm x 20 cm x 11 cm) mit Lüftungslöchern am oberen Rand, mehrere Abtrenngitter und zwei Tüten Vermiculite (2 x 170 g).

Test:
Nachdem ich mit anderen Inkubatoren schon schlimme Dinge erlebt hatte, war ich zunächst skeptisch, ob ich mich erneut mit einem gekauften Inkubator herumplagen oder nicht doch lieber wieder zum Inkubator „Marke Eigenbau“ zurückgreifen sollte. Diese Bedenken wurden dank der Zuverlässigkeit des Reptile Max 60 schnell zerschlagen. Zunächst einmal zeigt mein Gerät keine Abweichung zwischen Soll- und Ist-Temperatur, was schon mal äußerst praktisch ist.

Der Lieferumfang lässt keine Wünsche offen. So können die zwei Brutbehälter direkt als solche genutzt werden oder aber man füllt einen davon mit Wasser, um die Luftfeuchtigkeit im Gerät zu erhöhen. Ich habe in diesen Behältern auch schon erfolgreich Pfleilgiftfrosch-Kaulquappen aufgezogen. Des Weiteren sind Gitter enthalten, die man nach Abtrennung voneinander als Abgrenzung innerhalb der Brutbehälter verwenden kann. Mit ihnen ist es auch möglich, die Brutbehälter ein Stück weit mit Wasser zu füllen, um dann die Eier auf den Gittern direkt über dem Wasserspiegel zu inkubieren. 
 
 
Für „Gelegenheitszüchter“ können die Brutbehälter allerdings ein wenig zu groß sein. Ich selbst inkubiere daher die meisten Gelege auch weiterhin in den bewährten Heimchendosen. Ein Vorteil der mitgelieferten Behälter ist, dass das Kabel des Temperatur- und Luftfuchtigkeitssensors durch eines der Lüftungslöcher geführt werden kann.

Das professionelle Desing des Inkubators gefällt mir persönlich sehr gut und hebt sich von günstigen Styroporbox- oder kitschigen Eier-Designs anderer Hersteller ab. Beim Gebrauch fällt allerdings auf, dass die Bauweise des Inkubators doch ein wenig unkomfortabel ist. So muss zur Kontrolle der Gelege der Deckel abgenommen werden, was einerseits zu einem Absturz der Werte führt und andererseits die Umgebung des Inkubators befeuchtet, weil Schwitzwasser an den Rändern hinabtropft, was aber sicherlich eher hinzunehmen ist, als würde Schwitzwasser während der Inkubation mittig auf die Gelege tropfen, was bei diesem Gerät dank der kuppelförmigen Bauweise nicht der Fall ist. Außerdem ist eine Kontrolle verhältnismäßig selten notwendig, arbeitet man mit programmierten Warngrenzen für die Luftfeuchtigkeit.

Abgesehen von diesen Kleinigkeiten lässt das Gerät wohl keine Wünsche offen. Ob man für einen Inkubator unbedingt einen Anschluss für das Auto benötigt, halte ich für fraglich, weswegen das Fehlen eines solchen Adapters in diesem Test zu keine Abwertung führt. Einzig Perlite-Verfechter könnten vielleicht noch bemängeln, dass nicht wenigstens eines der beiden Inkubationssubstrat-Tütchen mit ihrem bevorzugten Inkubationssubstrat gefüllt ist.

Für mich die primär wichtigste Aufgabe eines Inkubators ist das Erreichen und zuverlässige Halten der eingestellten Temperatur, um eine ordnungsgemäße Inkubation zu gewährleisten. In diesem Punkt liefert der Reptile Max 60 keinen Grund für Kritik. Sowohl bei Dauertemperatur als auch bei Wechseltemperatur funktioniert das Gerät einwandfrei und zeigt auch nach einigen Monaten der Nutzung keine Ausfallerscheinungen.

Fazit:
Für den Reptile Max 60 kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Das Gerät ist zwar preislich im oberen Bereich des Preissegments für elektrische Klein-Inkubatoren angesiedelt, erfüllt dafür seine Aufgaben aber auch zuverlässig und bietet Funktionen, die von günstigeren Geräten nicht geboten werden.

Lieferumfang: 5/5
Anleitung: 4/5
Design: 5/5
Bedienung & Komfort: 4/5
Funktion & Zuverlässigkeit: 5/5

Gesamtwertung: 4,6/5