Samstag, 5. August 2017

EXOPET-Studie: Erste Ergebnisse veröffentlicht

Die ersten Ergebnisse der Forschungsarbeit „Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand: Situationsanalyse, Bewertung und Handlungsbedarf insbesondere unter Tierschutzaspekten“ (EXOPET-Studie) wurden in einem 2. Zwischenbericht veröffentlicht und können in der Projektträger-Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgerufen werden: Förderkennzeichen: 2815HS014

Der 2. Zwischenbericht ist in drei Teile unterteilt: In Teil 1 findet man die Methodik der Studie, Teil 2 stellt die Ergebnisse zu den Handelswegen dar und Teil 3 bezieht sich primär auf die Haltungsbedingungen bei Tierhaltenden inkl. den Ergebnissen der Online-Befragung.

Zusammengefasst lässt sich ableiten, dass sich die Haltungsbedingungen von Reptilien und Amphibien größtenteils im grünen Bereich befinden. Dies wird von den Autoren der Studie darauf zurückgeführt, dass sich vor allem Tierhalter aus den Reihen der Fachverbände beteiligten. Zitat aus dem Bericht:
Bei der Reptilienhalterumfrage lag eine gewisse Unausgeglichenheit der erhobenen Daten vor, da eine hohe Beteiligung (etwa ein Drittel) von in Vereinen organisierten Teilnehmern verzeichnet werden konnte.
Als Grund dafür wird die fehlende Bereitschaft des Zoofachhandels genannt, sich einzubringen und z.B. Informationsflyer zur EXOPET-Studie an seine Laufkundschaft zu verteilen. Es ist schon sehr bezeichnend, dass sich der Handel nur widerwillig an der Studie beteiligte, wie mehrfach im Bericht betont wird. Nach all den Aktionen des Zoofachhandels in letzter Zeit (sei es der Verzicht auf Reptilienverkäufe oder die aktuelle Tierschutzkampagne des ZZF) hätte ich nicht damit gerechnet, dass sich der Handel so verhält, als hätte er Dinge zu verbergen. Bis zum Abschluss des Projekts soll nun der Zoofachhandel verstärkt mit ins Boot geholt werden.

Aus den Ergebnissen geht jedoch auch hervor, dass Abweichungen von den zugrundeliegenden empfohlenen Haltungsparametern ebenfalls auftreten. Da aufgrund des hohen Datenvolumens allerdings der Schwerpunkt zunächst nur auf die häufigsten im Rahmen der Halterbefragung aufgeführten Tierarten gelegt wurde (und somit auf die Arten, die aufgrund ihrer Häufigkeit logischerweise auch häufiger schlecht gehalten werden), ist dieses Resultat nicht verwunderlich. Haltungsverbote und Positiv- sowie Negativlisten wurden von den Studienteilnehmern als nicht zielführend angesehen, was sich auch mit der Meinung der beteiligten Expertengruppen deckt. Ergänzend dazu steht im Bericht:
Letzteres wird auch dadurch untermauert, dass auch bei „einfacher zu haltenden Arten“ deutliche Haltungsdefizite im Rahmen der Studie gefunden wurden. In der Expertengruppe war man sich weiterhin einig, dass ein Handlungsbedarf nicht nur bei der Haltung exotischer Tiere, sondern generell bei allen in Privathand gehaltenen Wirbeltieren einschließlich domestizierter Haus-, Heim- und Hobbytiere besteht.
Zu diesem Zweck werden u.a. eine Überführung der Mindesthaltungsrichtlinien in verbindliches Recht, ein TÜV für Tierbedarf sowie ein verpflichtender Sachkundenachweis als zielführende Lösungen zur Verbesserung des Tierschutzes eingestuft. Wörtlich heißt es im Fazit des Berichts:
Die in der bisherigen Auswertung der großen Datenmenge erhaltenen Ergebnisse zeigen, dass eine artgemäße und verhaltensgerechte Haltung von fremdländischen und einheimischen Amphibien, Reptilien und Vögeln als Heimtiere grundsätzlich möglich ist. Es ist allerdings auch nicht abzustreiten, dass Probleme bis hin zu eklatanten Missständen auftreten können. Der aus Sicht der Projektteilnehmer aussichtsreichste Ansatzpunkt zur Verbesserung der Haltung liegt in der Vermittlung von Sachkunde und damit der Verbesserung der Halterkompetenz.

Fazit:

Grundsätzlich belegen die ersten Ergebnisse der EXOPET-Studie, dass die sogenannte Exoten- oder Wildtierhaltung nicht so dramatisch ist, wie es radikale Tierhaltungsgegner gerne behaupten und dass die durchaus vorhandenen Probleme wie mangelhafte Haltungsbedingungen, falsche Ernährung etc. mit Verbesserungen der Tierhalterkompetenz eher behoben werden können als mit Haltungsverboten. Ob und in welcher Weise die Bundesregierung die noch folgenden Abschlussergebnisse bei Gesetzgebungsvorhaben berücksichtigen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber zumindest wird den Kritikern, die mit einseitiger Propaganda und Desinformation (z.B. zu Importzahlen) arbeiten, mit den Ergebnissen dieses unabhängigen Forschungsvorhabens gehörig Wind aus den Segeln genommen. Vielleicht der Grundstein, das Wohl von exotischen Heimtieren nachhaltig zu verbessern? 
Wir werden sehen...
 
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Dienstag, 1. August 2017

Sonderausstellung „Spinnen & Skorpione“ im Museum Koenig (Bonn)

Vom 23. März bis zum 30. Juli wurde im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn die Sonderausstellung „Spinnen und Skorpione – Eine Erfolgsgeschichte der Evolution“ von Dieter Scholz präsentiert, die ich am vergangenen Sonntag noch kurzfristig besuchen konnte.


Gleich zu Beginn begrüßte, neben einem überlebensgroßen Kreuzspinnenmodell, eine naturgetreue Nachbildung einer männlichen Zwerg- bzw. Baldachinspinne (Walckenaeria acuminata) in 100facher Vergrößerung die Besucher, welches von der Designerin Julia Stoess angefertigt wurde.

Modell einer Walckenaeria acuminata von Julia Stoess

Herzstück der Sonderausstellung waren 80 Terrarien mit unterschiedlichen Vertretern der Klasse Arachnida. Der Schwerpunkt lag dabei deutlich auf den Vogelspinnen (Theraphosidae) und dabei vor allem auf den Gattungen Brachypelma und Poecilotheria. In einem Terrarium wurde z.B. die erfolgreiche Gruppenhaltung von Poecilotheria smithi präsentiert. Auch eine Brachypelma boehmei x emilia, also eine Hybridkreuzung, war vertreten. Die Gattung Theraphosa wurde mit ihren drei derzeit bekannten Arten (T. apophysis, T. blondi und T. stirmi) präsentiert und demonstrierte anschaulich, dass diese Tiere die Trivialbezeichnung „Riesenvogelspinnen“ absolut zu Recht tragen.
 
Terrarien mit allen drei Theraphosa-Arten

In einem Terrarium, welches laut Beschriftung eine weibliche Ceratogyrus marshalli enthielt, wimmelte es nur so von Spiderlingen (das adulte Tier war nicht zu sehen) und in einem Avicularia-Terrarium konnten ebenfalls einige Jungtiere entdeckt werden.
 
Jungtiere von Ceratogyrus marshalli

Neben all den Vogelspinnen rundeten Skorpione wie Opistophthalmus pallipes und Smeringurus vachoni, Geißelspinnen, ein Geißelskorpion, Krabbenspinnen sowie ein Walzenspinnen-Terrarium den Lebendtierbestand ab.

Opistophthalmus pallipes

Nephila pilipes in
Freilufthaltung

Kritik könnte man lediglich bei der Beschriftung der Terrarien äußern. Diese trugen lediglich den wissenschaftlichen Artnamen sowie das Herkunftsland als Information zum Inhalt. Die naturnahe Terrarieneinrichtung verschaffte zwar einen tollen Eindruck vom Lebensraum der Tiere, dennoch wären weiterführende Informationen zu den ausgestellten Arten wünschenswert gewesen. Auf großformatigen Informationstafeln wurden zwar interessante Infos über die Lebensweise von Spinnentieren und zu speziellen Themen wie Arachnophobie oder die Gewinnung von Spinnenseide vermittelt, explizite Infos zu den ausgestellten Tieren waren dort aber leider nicht immer zu finden. Da mir selbst als „Spinnen-Freak“ nicht alle wissenschaftlichen Artnamen geläufig sind, wären deutsche Trivialnamen für eine grobe Einordnung und weitere Infos für ein schnelleres Auffinden der Tiere in den Terrarien hilfreich gewesen.

Das ist allerdings schon Kritik auf hohem Niveau, die mit Höhepunkten wie der Freilufthaltungen von Opuntienspinnen (Cyrtophora citricola) und Nephila pilipes, einem Fossil von Megarachne sowie einem dreidimensionalen Nachbau eines Ausschnitts des Kupferstiches von Maria Sybilla Merian aus dem Jahre 1705, welcher Carl von Linné zu dem Artnamen Aranae avicularia veranlasste und so den Begriff „Vogelspinne“ prägte, allemal wettgemacht wurde.
 
Rekonstruktion des bekannten Vogelspinnen-Kupferstichs
von Maria Sybilla Merian aus dem Jahr 1705


Ein Terrarium mit Großen Zitterspinnen (Pholcus phalangioides), die sich in vielen hiesigen Haushalten ebenfalls in „Freilufthaltung“ befinden, ein Kino mit einer Spinnendokumentation sowie eine kleine aber feine Galerie mit Makrofotos sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben.
 


Wer die Sonderausstellung verpasst hat, muss sich nicht grämen. Das Museum Koenig ist auch so immer einen Besuch wert. Im Untergeschoss findet man z.B. ein sehenswertes Vivarium. Herpetologisch interessierte Besucher kommen dort u.a. mit Ringelnatter (Natrix natrix), Schwarzgepunkteten Winkerfröschen (Staurois guttatus) und Schneckenfresser-Schildkröten (Malayemys subtrijuga) auf ihre Kosten. Geduld lohnt sich, da sich manche Tiere nicht sofort offenbaren. Aber den geschulten Augen eingefleischter Terrarianer entgehen auch die mitunter gut getarnte Paradies-Schmuckbaumnatter (Chrysopelea paradisi) oder die Vietnamesischen Moosfrösche (Theloderma corticale) nicht.

Montag, 31. Juli 2017

Fake News: Schlangensteuer ab 2018


Eine aktuelle Meldung auf 24aktuelles.com macht gerade in den Sozialen Netzwerken die Runde und sorgt für Verunsicherung unter Schlangenhaltern. Laut der Meldung mit dem Titel „Schlangenhalter werden zur Kasse gebeten“ soll ab dem 1. Januar 2018 eine Steuer für Schlangen in Menschenobhut erhoben werden. Der Bundestag habe ein entsprechendes Gesetz am heutigen Tag verabschiedet und die Bundesländer würden demnächst ihre Steuermodelle (ca. 30 bis 100 Euro pro Tier) vorstellen.

Was viele der in Panik geratenen Schlangenhalter offenbar versäumt haben, ist eine kurze Überprüfung dieser Meldung. Tatsächlich ermöglicht einem die Nachricht eine anschauliche Demonstration, wie Fake News enttarnt werden können:

  1. Keine anderen Medien berichten über die angebliche Entscheidung des Bundestages.
  2. Die Orthographie des Artikels ist fehlerhaft.
  3. Es wird kein Autor genannt.
  4. Eine Überprüfung der Seite 24aktuelles.com ergibt, dass dies kein seriöses Presseportal ist.
Tatsächlich wird die Unwahrheit der Meldung sofort beim Betreten der Startseite deutlich. 24aktuelles.com wirbt dort nämlich mit folgendem Text:
+ Erstelle deinen Witz in wenigen Sekunden
Erfinde deine eigenen Fake News und lege alle deine Freunde rein! Du kannst deine erfundenen Nachrichten auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken teilen. Worauf wartest du noch? Lass den Spaß beginnen!

Es ist bedauerlich, dass überhaupt auf diesen Hoax hingewiesen werden muss. Leser mit einem Mindestmaß an politischer Grundkenntnis sollten unabhängig der oben genannten 4-Punkte-Checkliste die Unwahrheit schon beim Lesen erkennen. Denn aus heiterem Himmel beschließt der Bundestag keine Gesetze. Das Gesetzgebungsverfahren ist langwierig und setzt insbesondere bei solchen Themen Fachgespräche mit Experten in den zuständigen Ausschüssen voraus. Solche gab es zum Thema Schlangensteuer bisher nicht, ebenso wenig wie irgendeinen Gesetzesentwurf über den überhaupt hätte abgestimmt werden können. Und da der Bundestag derzeit in Sommerpause ist, konnte dort heute sowieso gar kein neues Gesetz zu Abstimmung stehen.

Auch als Kenner der Tierschutzszene müsste man sofort stutzig werden. Reptilien und insbesondere Schlangen werden zwar regelmäßig als große Probleme für Tierheime genannt, eine Steuer fordern Tierschutzvereine allerdings derzeit lediglich für Katzen. Denn den Vereinen ist durchaus bewusst, dass es in dem 1 % der Terrarianer-Haushalten kaum genug zu holen gibt, um die Kosten der Tierheime auch nur ansatzweise zu decken. Die oft heraufbeschworene Exotenschwemme wird eher als lukratives Instrument für Medienauftritte und Spendenschleicherei zweckentfremdet. Bevor es also irgendeine Art von Reptiliensteuer gibt, wird wohl eher eine Katzensteuer eingeführt.

Freitag, 28. Juli 2017

EU-Verordnung nach Vorbild des U.S. Lacey Acts sinnvoll?

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife e.V. und die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordern regelmäßig die Einführung eines „EU Lacey Acts“. Was steckt hinter dieser Forderung und wäre eine solche Regelung auf EU-Ebene überhaupt sinnvoll und praktikabel?

U.S. Lacey Act, was ist das?

In den USA wurde im Jahr 1900 auf Initiative des Republikaners John F. Lacey ein Gesetz verabschiedet, welches zunächst primär den Handel mit Jagdtrophäen über Bundesstaatsgrenzen hinweg regulieren sollte. Es handelte sich um das erste Bundesgesetz zum Zwecke des Wildtierschutzes. Der Transport von in manchen Bundesstaaten illegalen Jagdtrophäen in andere Bundesstaaten zum Zwecke des dortigen legalen Verkaufs wurde damit unterbunden. Außerdem sollte mit dem Lacey Act verhindert werden, dass nicht-einheimische Arten von einem Bundesstaat in einen anderen verbracht werden. Das Gesetz wurde immer wieder erweitert und regelt heute nicht nur die Einfuhr von ihm Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geschützten Arten, sondern beachtet darüber hinaus auch den Schutzstatus von Tier- und Pflanzenarten in ihren ursprünglichen Herkunftsländern.

Der U.S. Lacey Act wurde im U.S. Code Kapitel 53, Titel 16 verankert und besagt in der heutigen Fassung wörtlich:
§ 3372. Prohibited acts
[…]
It is unlawful for any person -
(1) to import, export, transport, sell, receive, acquire, or purchase any fish or wildlife or plant taken, possessed, transported, or sold in violation of any law, treaty, or regulation of the United States or inviolation of any Indian tribal law;
(2) to import, export, transport, sell, receive, acquire, or purchase in interstate or foreign commerce
(A) any fish or wildlife taken, possessed, transported, or sold in violation of any law or regulation of any State or in violation of any foreign law;
(B) any plant taken, possessed, transported, or sold in violation of any law or regulation of any State;
Quelle: 16 U.S. Code § 3372
 

Ist ein „EU Lacey Act“ denkbar?

Eine EU-Regelung nach dem Vorbild des U.S. Lacey Acts wäre durchaus denkbar, würde dann aber natürlich anderes benannt, da Mr. Lacey seine Finger bei einer solchen Regelung wohl eher nicht mehr mit im Spiel haben wird. Eine Regulierung des teils unkontrollierten Handels mit Arten, die zwar in ihren Herkunftsländern geschützt sind und Exportverboten unterliegen, jedoch keinen internationalen Schutzstatus haben, ist grundsätzlich zu begrüßen. Es ist äußerst fragwürdig, dass betroffene Arten hierzulande auch als Wildfänge vollkommen legal gehandelt werden dürfen, obwohl Naturentnahmen in den Herkunftsländern gar nicht gestattet sind.

Reichen bestehende Instrumente denn nicht aus?

Da eine Regelung nach Vorbild des U.S. Lacey Acts vor allem von Pro Wildlife e.V. gefordert wird, lehnen viele organisierte Tierhalter und -händler dies strikt ab und betonen, dass bereits jetzt schon alle Regularien zur Verfügung stehen, um die Problematik des Handels mit nicht geschützten Arten zu beheben. Schließlich müsse man die betroffenen Arten doch bloß international unter Schutz stellen.

Prinzipiell ist dies zwar richtig, enthält aber auch einige Fallstricke. Beispielsweise finden die Artenschutzkonferenzen nur alle drei Jahre statt. Für manche Arten insbesondere für Neuentdeckungen kann das eine sehr lange Zeit sein – mitunter zu lange. Außerdem zeigt die Vergangenheit, dass Anträge nicht immer den gewünschten Erfolg haben. Zwar wurden auf der letzten CITES-Artenschutzkonferenz die herpetologisch interessanten Spezies im Eiltempo behandelt, doch gab es bei anderen Anträgen äußerst kontroverse Debatten. Insbesondere wenn andere CITES-Mitglieder einen Nutzen aus dem freien Handel mit bestimmten Arten ziehen, stehen die Herkunftsländer mit ihren Schutzanträgen mitunter alleine da und Lösungen kommen nicht zustande oder es werden faule Kompromisse eingegangen. Sicherlich muss jeder Einzelfall für sich genommen betrachtet und beurteilt werden, aber pauschal kann man sagen, dass CITES für manche Arten offenbar einfach nicht ausreicht und eine ergänzende Regelung wie in den USA auch in der EU wünschenswert ist.

Eine weitere alternative Möglichkeit wäre eine Regulierung im Rahmen der EU-Artenschutzverordnung. So bietet die Listung im EU-Anhang D die Möglichkeit, den Handel zu überwachen und ggf. einen höheren Schutzstatus für diejenigen Arten zu beschließen, die aufgrund des Handels bedroht sind. Das Problem hierbei ist, dass es wohl eine unlösbare Mammutaufgabe wäre, alle national geschützten Tier- und Pflanzenarten in allen Weltstaaten zu ermitteln, diese in den EU-Anhang D aufzunehmen und dann auch noch effektiv zu überwachen.

In Abwägung der oben dargestellten Gründe bin ich also der Meinung, dass eine Regelung ähnlich des U.S. Lacey Acts wünschenswert wäre. Wichtig wäre dabei, sich auf die Einfuhren und den Handel mit Naturentnahmen zu konzentrieren. Der Handel mit Nachzuchten sollte natürlich erlaubt bleiben. Das ist auch in den USA der Fall. Womit wir allerdings auch schon bei den ersten Problemen wären…

Probleme eines „EU Lacey Acts“

Der Handel mit EU-Nachzuchten und mit von den Ursprungsländern genehmigten, kontrollierten und daher nachhaltigen Wildfängen (z.B. für Erhaltungszuchten und zur Bewahrung der Lebensräume) sollte auch in Zukunft erlaubt bleiben. Doch wie will man die legale Herkunft kontrollieren? Eine Regelung nach Vorbild des Lacey Acts kann nur die Einfuhr überwachen und den nachweislich illegalen Handel innerhalb der EU sanktionieren. Es ist jedoch nahezu unmöglich, die auf illegalen Wegen in die EU eingeführten und als Nachzuchten umdeklarierten Wildfänge zu identifizieren. Insbesondere aufgrund der Problematik, dass der legale Tierhandel gerne mal als Deckmantel für illegale Aktivitäten genutzt wird. Der einzige Vorteil bestünde darin, dass im Falle eines nachweislich illegalen Handels die Täter endlich sanktioniert werden könnten, was derzeit nicht möglich ist.

Ein weiteres Problem stellt der bürokratische Aufwand dar. Bei einer Veranstaltung der Europäischen Kommission zur Umsetzung des Aktionsplans zur Bekämpfung des illegalen Artenhandels am 8. Februar in Brüssel machte die österreichische CITES-Behörde deutlich, dass mit den vorhandenen Mitarbeitern eine zusätzliche Überprüfung des Schutzstatus von Tieren in ihren Herkunftsländern nicht zu leisten sei.

Fazit:

Die Grundidee einer Regelung nach Vorbild des U.S. Lacey Acts wäre aus Artenschutzsicht zu begrüßen, weil die bestehenden Artenschutzinstrumente die mutmaßliche Problematik des unkontrollierten Handels mit nur in ihren Herkunftsländern geschützten Arten nicht ohne weiteres beheben können. Doch ein „EU Lacey Act“ wäre mit einigen Problemen behaftet und ließe sich nur mit einer kostenintensiven Bürokratie umsetzen. Im Rahmen eines aktuellen Forschungsvorhabens sollen die Vertriebswege erforscht werden, um anhand der Ergebnisse bedrohte, jedoch nicht international geschützte Arten zunächst einmal in den Anhang D der EU-Artenschutzverordnung aufzunehmen.

Die Implementierung eines „EU Lacey Acts“ wäre dann erst im Bedarfsfall der nächste Schritt. Allerdings stehen die Zeichen dafür im Moment eher schlecht, wie die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erklärte:
„Das BMUB setzt sich auf EU-Ebene weiterhin für eine Regelung ein, die nach Vorbild des U.S. Lacey Acts Importe von Arten in die EU verbietet, wenn diese Arten nach dem Recht des Ursprungslandes einem Exportverbot unterliegen. BMUB hat sich hierfür […] ausgesprochen und entsprechend die Europäische Kommission dazu aufgefordert, eine solche Regelung auf EU-Ebene einzuführen. Die Europäische Kommission kommt dieser Aufforderung bislang nicht nach. Einzelne EU-Mitgliedstaaten haben sich gegen eine derartige Vorgabe ausgesprochen, da eine solche Regelung nicht praktikabel sei. Bilaterale Anstrengungen, um Verbündete unter den anderen EU-Mitgliedstaaten zu finden, waren nicht erfolgreich. Deutschland ist mit der Forderung isoliert.“
Quelle: Drucksache 18/11544

Sollte es jemals eine Art „EU Lacey Act“ geben, muss eines aber abschließend betont werden: Dieses Werkzeug darf nicht als Waffe ideologischer Organisationen gegen die sog. „Wildtierhaltung“ grundsätzlich missbraucht werden! Die USA sind diesbezüglich leider kein gutes Beispiel. Die von Tierhaltungsgegnern nicht gering finanzierte Regierung unter Präsident Obama stufte beispielsweise diverse Riesenschlangen als invasive Arten gemäß Lacey Act ein, um so flächendeckende Haltungsverbote ohne wissenschaftliche Grundlage zu beschließen. Wissenschaftliche Objektivität muss bei solchen Regelungen also oberste Priorität haben!

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Dienstag, 25. Juli 2017

Was sind eigentlich… invasive Arten?

Bei der Diskussion über invasive gebietsfremde Arten werden regelmäßig verschiedene Begrifflichkeiten miteinander verwechselt. Da es auch hier im Blog immer wieder um dieses Thema geht, ist eine Begriffsbestimmung sinnvoll.

Gebietsfremde Arten

Gebietsfremde Arten sind diejenigen Spezies (für die Terraristik sind wohl nur Tiere und Pflanzen relevant), welche natürlicherweise nicht in Deutschland bzw. Mitteleuropa vorkommen und auch nicht auf natürlichen Wegen (also ohne direkten oder indirekten Einfluss des Menschen) einwandern. Gebietsfremde Arten sind allerdings grundsätzlich nicht mit invasiven Arten gleichzusetzen.

Neobiota: Neophyten & Neozoen

Neobiota sind diejenigen gebietsfremden Tier- (Neozoen) und Pflanzenarten (Neophyten), welche nach dem Jahr 1492 durch direkten oder indirekten Einfluss des Menschen eingeschleppt wurden. Warum das Jahr 1492? Weil mit der Entdeckung von Amerika und dem Beginn des transatlantischen Handels in kürzester Zeit ein hohes Maß an neuen Arten einwandern konnte.

Da neobiotische Pilze (Neomyceten) für die Terraristik keine Relevanz haben, finden sie an dieser Stelle keine weitere Beachtung.

Archäobiota: Archäophyten & Archäozoen

Gebietsfremde Arten, die vor 1492 durch menschlichen Einfluss eingeschleppt wurden, werden als Archäobiota bezeichnet. Diese Tier- (Archäozoen) und Pflanzenarten (Archäophyten) sind zwar nicht einheimisch (indigen), werden im Naturschutz aber traditionell den einheimischen Arten gleichgestellt und daher als heimisch betrachtet (NEHRING et al., 2013). Die oft u.a. von Herpetologen kritisierte Freisetzung von Hauskatzen, die nachweislich einen hohen negativen Einfluss auf bedrohte einheimische Arten haben (siehe u.a. GENOVESI et al., 2012), wird wohl nie mittels Regularien zur Eindämmung von invasiven Neobiota unterbunden werden können, da die Hauskatze im Naturschutz als Archäozoon und somit nicht als gebietsfremde Art bewertet wird. Deswegen müssen andere Lösungen gefunden werden, um das unkontrollierte Freisetzen von hochspezialisierten Beutegreifern, derer sich die Natur aufgrund der menschlichen Hege nicht mittels Krankheiten, Nahrungsmangel etc. erwehren kann, zu verhindern – beispielswiese mittels einer Katzenschutzverordnung, die endlich Mindesthaltungsrichtlinien für diese Tiere schaffen und zudem eine strikte Ausgangssperre für Hauskatzen verhängen sollte.

Invasive Arten

Gemäß § 7 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wird eine invasive Art als „eine Art, deren Vorkommen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets für die dort natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellt“ und in der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als „eine gebietsfremde Art, deren Einbringung oder Ausbreitung die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen gefährdet oder nachteilig beeinflusst“ definiert. Neobiota werden im Naturschutz in drei Kategorien eingeordnet:
  1. Arten, die keinen ökologischen Schaden verursachen = (noch) nicht invasiv
  2. Arten, die ökologische Schäden verursachen = invasiv
  3. Arten, die vermuten lassen, dass sie ökologische Schäden verursachen können = potentiell invasiv
Aus diesem Grund betreffen die Maßnahmen der Europäischen Union derzeit vorrangig nordamerikanische Spezies, weil diese aufgrund der ähnlichen klimatischen Bedingungen und der nachgewiesenen Einschleppung nach 1492 in Mitteleuropa als invasive bzw. potentiell invasive Neobiota eingestuft werden. Darunter fallen derzeit neben Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) und Nordamerikanischem Ochsenfrosch (Rana catesbeiana; Syn. Lithobates catesbeianus) diverse amerikanische Sumpfkrebsarten (u.a. Procambarus clarkii) und natürlich der Waschbär (Procyon lotor). Das Problem bei solchen Invasivitätsbewertungen ist, dass ein Spagat zwischen Prävention und dem Vorhandensein von objektiven Nachweisen über Schäden abgewogen werden muss. Aus Naturschutzsicht ist der Prävention mehr Gewicht zu verleihen, was allerdings aus Sicht von Betroffenen oft als Überregulierung aufgefasst wird.

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Sonntag, 23. Juli 2017

Drei-Meter-Königspython... oder Netzpython... oder was?

Königspython (Python regius) - Symbolbild ;)
Berichte über Fundschlangen sind insbesondere in der parlamentarischen Sommerpause ein gefundenes Fressen für die Medien. Während in der Urlaubs- und Ferienzeit zwar zig Hunde und Katzen ausgesetzt werden und die Tierheime regelmäßig über Überfüllung klagen, interessieren sich für solche Vorfälle nur wenige (meist regionale) Medien. Der Fund eines exotischen Tieres ist jedoch keine Alltagssituation und weckt daher das Interesse von überregionalen Berichterstattern.

Leider wird bei solchen Berichten oft arg übertrieben. So auch zuletzt in einem Bericht des WDR vom 20. Juli: Drei-Meter-Schlange im Garten gefunden*

Bei Entrümpelungsarbeiten wurde ein angeblich drei Meter langer Königspython (Python regius) gefunden, welcher von einem Fachmann der Reptilienfachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf eingefangen wurde. Nun weiß jeder halbwegs über Schlangen informierte Leser, dass Königspythons nur in seltenen Fällen länger als 150 cm werden. Körperlängen bis zu 186 cm wurden zwar schon in Studien in Ghana ermittelt (GORZULA et al., 1997) und treten auch in der Terrarienhaltung auf, sind jedoch als Ausnahme zu betrachten. Längen ab zwei Metern wurden bislang noch nie überprüfbar dokumentiert und sind daher als illusorisch anzusehen. Der WDR-Bericht wirkt aufgrund des Fotos, welches einen Feuerwehrmann mit dem besagten Königspython in den Händen zeigt, umso absurder, weil jeder aufmerksame Leser erkennen müsste, dass der Feuerwehrmann um die sechs Meter groß sein müsste, wenn das Fundtier tatsächlich eine Länge von drei Metern besaß.

Am 21. Juli berichtete die B.Z. über denselben Vorfall: Zwei-Meter-Königspython gefunden beim Garten entrümpeln

Obwohl die B.Z. (wohlgemerkt eine Marke der BILD-Zeitung) als Boulevardmagazin die geschätzte Körpergröße der Fundschlange von max. 120 cm zwar immer noch großzügig aufrundet, liegt sie dennoch näher an der Realität als der WDR als öffentlich-rechtliches Medium mit einem staatlichen Informations- und Bildungsauftrag. Wenn Boulevardmedien übertreiben, dann ist das zwar in der Sache nicht weniger schlimm, ist aber eher zu dulden als bei Berichterstattungen der durch Zwangsbeiträge der Allgemeinheit finanzierten Öffentlich-rechtlichen.

Der ganze Vorfall artete spätestens dann zu einem regelrechten Treppenwitz aus, als die Geislinger Zeitung in einem Artikel über einen gänzlich anderen Vorfall, bei dem anderenorts ein den Berichten zufolge zwei Meter langer Netzpython gefunden wurde (eine Art, die durchaus Körperlängen von weit über drei Metern erreichen kann), das Foto der Düsseldorfer Feuerwehr mit dem Königspython als Symbolbild (!) verwendete: Mit Schlange nach Neu-Ulm

Fazit:

Die oft aufgebauschten und falsch recherchierten Medienberichte über aufgefundene Exoten führen dazu, dass die Öffentlichkeit regelmäßig ein falsches Bild von der Reptilienhaltung vermittelt bekommt. Dass das Aussetzen von Tieren egal welcher Art schändlich ist, soll hier gar nicht abgestritten werden. Aber wenn dann auch noch und insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien regelmäßig falsch und einseitig berichten, spielt radikalen Tierhaltungsgegnern in die Karten, weil sie damit verstärkt Rückhalt von Seiten der desinformierten Bevölkerung genießen, die Schlangen & Co. ohnehin nicht unbedingt in der Nachbarschaft haben will.

Der WDR berichtete in seinem Artikel zudem über bis zu 70 Fälle der Reptilienfachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf pro Jahr. Anzumerken ist, dass diese Spezialisten zu Einsätzen in ganz Nordrhein-Westfalen ausrücken, was bei Hunden, Katzen und klassischen Kleintieren meist von der örtlichen Feuerwehr übernommen wird. Deswegen ermöglichen die Zahlen kaum Rückschlüsse auf die statistische Relevanz solcher Einsätze. Der Leiter der Reptilienfachgruppe teilte mir 2014 zudem auf Anfrage mit, dass es sich bei der Mehrheit der Einsätze mit Reptilien um einheimische Arten handelt. Durch die Medienberichte wird die Wahrnehmung geschaffen, dass es sich bei all den Einsätzen immer um Exoten handele. Diese Verzerrung der Realität führt dazu, dass immer mehr naturentfremdete Leute beim Anblick einer einheimischen Schlange von einem mutmaßlichen Exoten ausgehen, was wiederum zu mehr Feuerwehreinsätzen und somit zu einem Anstieg an Medienberichten führt. Für diesen Teufelskreis sind neben der Sensationspresse, radikalen Tierhaltungsgegnern und naturentfremdeten Teilen der Bevölkerung aber zu einem gewissen Teil auch alle verantwortungslosen Tierhalter verantwortlich, die ihre Reptilien aussetzen oder entkommen lassen.

*Nachtrag vom 26.07.2017: Der WDR hat seinen Artikel inzwischen geändert und gibt unter dem Text in einem Disclaimer nun folgendes an: „In einer früheren Version dieses Artikels haben wir die Größe der Schlange mit 3 m angegeben. Diese erste Information wurde allerdings nicht mehr bestätigt. Ein Königsphyton kann eine maximal Länge von 2 m erreichen. [...]“ 

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Samstag, 22. Juli 2017

10 Gründe gegen die Exotenhaltung…?


1. Die meisten Reptilien sterben frühzeitig in Gefangenschaft, weil sie schlecht gehalten werden?

Die durchschnittliche Mortalitätsrate von Reptilien in menschlicher Obhut beträgt im ersten Haltungsjahr ca. 4 %. Hunde und Katzen haben eine doppelt so hohe Mortalität im ersten Haltungsjahr. Die Lebenserwartung von Reptilien in menschlicher Obhut ist zudem höher als die ihrer wildlebenden Artgenossen. Derzeit gibt es keine repräsentativen Studien, welche die Qualität der Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand untersuchen. Verlässliche Aussagen können daher aktuell nicht getroffen werden. Auf die Ergebnisse einer großangelegten Studie des zuständigen Bundesministeriums wird mit Spannung gewartet.

2. Reptilien und andere Wildtiere eignen sich nicht für eine Haltung in Gefangenschaft, weil sie nicht domestiziert sind?

Aus Tierschutzsicht sind sog. „Wildtiere“ nicht zwangsläufig schlechter für eine Haltung in menschlicher Obhut geeignet als domestizierte Tiere (RICHTER et al., 2012). Bedürfnisorientierte Haltung ist in sachkundigen Händen möglich. Die Domestikation ist ein Prozess, der bei vielen Haustieren (z.B. Wellensittich, Goldfisch etc.) längst nicht vollständig abgeschlossen ist. Selbst die Domestikation von Hunden, Katzen und Pferden basiert lediglich auf Training (Zähmung) des Einzeltieres. An Reptilien, die kein ausgeprägtes Sozialverhalten besitzen, können nicht dieselben Maßstäbe angelegt werden, wie an hochentwickelte Säugetiere. Doch auch Reptilien befinden sich – in Rahmen ihrer Möglichkeiten – längst ebenfalls in Domestikation.
 

3. Die Haltung von Tieren in engen Glaskästen ist nicht artgerecht?

Das Wort „artgerecht“ beschreibt eine bedürfnisorientierte Tierhaltung. Die Terrarien sorgen für das von der jeweiligen Tierart benötigte Klima. Ein Reptil fühlt sich unwohl, wenn Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden können. Der menschliche „Freiheitsbegriff“ ist Reptilien fremd, da sie mangels eines ausgeprägten Präfrontalcortex wahrscheinlich nicht mal ein Ich-Empfinden besitzen. Langeweile und Freizeitbeschäftigungen sind ihnen fremd. Leidensfähig sind sie aber durchaus. In menschlicher Obhut zeigen sie auffälliges Verhalten und leiden, wenn sie Bedürfnisse nicht befriedigen können (z.B. Hunger, Durst, Mangel an Versteckmöglichkeiten, Temperaturabweichungen etc.). Sind jedoch alle Haltungsparameter im grünen Bereich (was eine gewisse Mindestgröße der Terrarien voraussetzt), fühlen sich eingelebte Wildtiere und Zuchttiere aus Menschenhand auch nicht gefangen.

4. Jährlich werden Hunderttausende Reptilien für den Heimtiermarkt importiert?

Die Importzahlen sind seit Jahren rückläufig, weil immer mehr Nachzuchten die Nachfrage decken. Die meisten handelsrelevanten Arten werden nachgezüchtet. Neben dem illegalen Artenhandel, für den es keinerlei verlässliche Zahlen gibt, stellen billige Massenimporte von nicht geschützten Arten, welche die Preise für Nachzuchten drücken, aber ein Problem dar. Insbesondere wenn es sich um Arten handelt, die nur in kleinen Verbreitungsgebieten vorkommen oder die einen langen Generationszyklus haben. Nachhaltige Naturentnahmen sind (ebenso wie die Terraristik grundsätzlich) allerdings kein Raubbau, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

5. Großhändler rechnen hohe Verluste bis zu 70 % beim Lebendtierimport bereits ein?

Die Tierrechtsorganisation PETA USA hat bei einem US-Großhändler miserable Bedingungen und hohe Ausfallquoten ermittelt. Diese Erkenntnisse können jedoch nicht auf die Allgemeinheit der Reptilientransporte übertragen werden. Bei einem medienbekannten Tierschmuggelfall, bei dem die Tiere unter miserablen Bedingungen transportiert wurden, lag die Mortalität bei nur 3,9 %. Dieses vergleichsweise niedrige Einzelfallergebnis kann ebenso wenig auf die Allgemeinheit der Transporte übertragen werden. Unabhängige Studien kamen in den Jahren 1994 und 1996 auf eine Mortalitätsrate in Höhe von ca. 2 % bei Reptilienimporten (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996).

6. Hohe Durchseuchungsrate mit Salmonellen bei Reptilien in Höhe von bis zu 90 %?

Die Infektionsrate mit Salmonellen beträgt bei Reptilien in menschlicher Obhut durchschnittlich 13 % und ist mit der von Hunden und Katzen (ca. 11 %) vergleichbar.

7 Hoher Anteil an Reptilien und anderen Exoten in Tierheimen?

Die Tierheimstatistiken belegen, dass „Exoten“ in klassischen Tierheimen keine große Rolle spielen. Der Anteil an Reptilien in den Tierheimen beträgt ca. 1.800 Tiere pro Jahr, während der Anteil an Hunden 44-mal, der von Katzen sogar 72-mal höher ist. Vor allem Tiere, die aufgrund strikter Auflagen nicht vermittelt werden dürfen (z.B. geschützte Arten ohne Papiere, „Gefahrtiere“ oder neuerdings invasive Arten) stellen für Tierschutzeinrichtungen ein Problem dar. Diese Erkenntnisse sprechen somit deutlich gegen Haltungsverbote.

8. Exoten stellen eine große Gefahr für die einheimische Artenvielfalt dar?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein x-beliebiges Reptil in Deutschland als invasive Art in Erscheinung tritt, beträgt statistisch gerade mal 0,02 %. Manche Spezies stellen aber durchaus ein Risiko dar. Eine Freisetzung von Tieren aus menschlicher Obhut in die heimische Natur muss vermieden werden. Davon betroffen ist aber insbesondere auch die Hauskatze (als Nachfahre der Afrikanischen Falbkatze ebenfalls eine exotische Spezies), die regelmäßig von verantwortungslosen Besitzern als sog. „Freigänger“ in die heimische Natur entlassen wird und die den höchsten negativen Einfluss auf bedrohte, einheimische Arten hat (GENOVESI et al., 2012).

9. Von gefährlichen Reptilien in deutschen Wohnzimmern geht ein großes Sicherheitsrisiko aus?

Wie hoch der Anteil an potentiell gefährlichen Terrarientieren in deutschen Haushalten ist, ist leider nicht bekannt. Für Tierheime haben diese „Gefahrtiere“ keine statistische Relevanz und auch Meldungen über Unfälle sind selbst in den Bundesländern ohne Gefahrtierregelung extrem selten. Dies lässt darauf schließen, dass nur wenige gefährliche Tiere gehalten werden und/oder die Halter größtenteils verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen. Noch nie wurde eine unbeteiligte Person durch ein entwichenes oder ausgesetztes Reptil ernsthaft verletzt. Im Gegensatz dazu sind Hunde und Pferde die häufigsten „Gefahrtiere“ im öffentlichen Raum, die jährlich mehrere Dutzend Personen (oftmals Kinder) schwer bis tödlich verletzen.

10. Exotische Tiere werden oft spontan als Statussymbol gekauft und als Wanderpokale weitergegeben?

Das kommt vor, ebenso wie es Leute gibt, die sich martialische Hunderassen als Statussymbol oder Hunde/Katzen als Kinder-/Partnerersatz in die eigenen vier Wände hohlen. Ebenso kommen Spontankäufen bei anderen Tieren (z.B. Hamster als Kinderspielzeug) vor. Die Beweggründe einer Tieranschaffung sind immer individuell und rechtfertigen keine Pauschalkritik. Nur weil man von der Norm abweichende Tierhaltungen nicht nachvollziehen kann, muss man sie nicht ablehnen. Tierhaltung ist ein erhaltenswertes Kulturgut, welches Empathie und Naturbegeisterung fördert. Abhängig von der Persönlichkeit und den Lebensumständen des jeweiligen Menschen sind Reptilien mitunter sogar besser als Heimtiere geeignet als klassische Haustiere. Da sich Lebensumstände ändern können, wird leider manchmal eine Tierabgabe notwendig. Reptilienhalter geben ihre Tiere lieber untereinander in gute Hände weiter, weil sie wissen, dass Tierschutzeinrichtungen oftmals mit diesen Tieren überfordert sind. Dieses ehrenamtliche Tierschutzengagement als „Weiterreichen von Wanderpokalen“ zu diffamieren, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Fazit:

Tierhaltungsgegner und organisierte Tierrechtler verfolgen aufgrund einer Ideologie und der Erkenntnis, dass sie gegen die wahren Tierausbeuter und Lebensraumzerstörer sowieso nicht ankommen, das perfide (wenn auch lukrative) Ziel, mittels Desinformation eine negative Meinung über die sog. „Exotenhaltung“ in der Öffentlichkeit zu verankern, um damit massive Einschränkungen auf politischer Ebene zu erleichtern und diese als eigene Erfolge zu feiern. Eine solche Propaganda ist diskriminierend, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich sämtliche „Argumente“ gegen die Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“ problemlos auch auf die klassische Haustierhaltung übertragen lassen. Besagte Organisationen spekulieren darauf, dass Großteile der Bevölkerung die Hintergründe nicht durchblicken, die ihren Behauptungen zugrundeliegenden Studien nicht lesen und zu wissenschaftlichen (= objektiven) Faktenchecks ohnehin nicht fähig sind.

Dieser Artikel richtet sich primär an die Personen, die Vorbehalte gegenüber der Haltung von sog. Exoten“ hegen. Da sich die Exoten-Debatte aktuell primär auf die Reptilienhaltung bezieht und mit dem Label Exot“ meist Reptilien gemeint sind, wurde sich hier auch nur auf diesen Teilbereich der Terraristik konzentriert. Mehr Infos zur Begriffsbestimmung: Was sind eigentlich... Exoten?