Donnerstag, 12. Januar 2017

Waffenhändler, Nazis und andere „Exoten“

Wie ich aus verlässlicher Quelle erfahren habe, gehören Terrarianer und andere „Exotenhalter“ nach Meinung der Stadt Passau (Bayern) zum selben Milieu wie Waffenhändler, Nazis und „Sachsen-Paule“. Derzeit befindet sich ein Beschluss in Arbeit, welcher bereits ab dem 1. Januar dieses Jahres die Nutzung des städtischen Messeparks (bestehend aus Dreiländerhalle, X-Point Halle, Eis-Arena, Messeplatz) strenger reglementieren soll.

Nach Wortlaut des Beschlusses sollen die genannten städtischen Veranstaltungsorte zukünftig nur noch „der kulturellen Bildung, der Unterhaltung und dem Breitensport“ dienen. Messen, Märkte jeglicher Art und andere Veranstaltungen sind weiterhin zulässig, sofern sie nicht der Verbreitung von pornografischem Material, der Verherrlichung von Waffen jeglicher Art, der Verbreitung von frauenfeindlichen, rassistischen oder gewaltverherrlichenden Bildern... und natürlich auch nicht der Zurschaustellung sowie dem An- und Verkauf von exotischen Tieren dienen.

Kurz gesagt: Die Stadt Passau hat bzw. wird demnächst ein Verbot für sog. „Exotenbörsen“ beschließen. Über ein Verbot von verfassungsfeindlichen Materialien brauchen wir natürlich nicht diskutieren. Alle anderen Veranstaltungsverbote erklären jedoch Dinge für illegal, die in Deutschland legal sind und meiner Meinung nach auch legal bleiben sollten.
 
Der Beschluss ist zwar noch nicht endgültig rechtswirksam, Genehmigungen zur Ausrichtung derartiger Veranstaltungen werden aber schon jetzt nicht erteilt. Sobald der Beschluss rechtswirksam ist und im Amtsblatt der Stadt Passau veröffentlicht wurde, werde ich ihn hier verlinken.
 

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Terrarientiere und Silvester: Was ist zu beachten?

Das Jahr nähert sich dem Ende und viele Terrarianer haben Bedenken, ob und wie ihre Tiere die von Feuerwerk und Böllern begleitete Silvesternacht wohl am besten überstehen.  
 
Als Terrarianer muss man sich zunächst bewusst werden, wie stressanfällig die eigenen Tiere überhaupt sind und wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Terrarianer, die noch nicht lange im Hobby aktiv sind und dieses Jahr mit ihren Tieren womöglich das erste Silvester erleben, machen sich besonders Sorgen, dass die geliebten Tiere den Jahreswechsel nicht heile überstehen könnten. Vielleicht wurden auch schon negative Erfahrungen mit anderen Haustieren gemacht: Schon so mancher Wellensittich soll an Silvester tot von der Stange gefallen sein, sofern er nicht zuvor im Fondue versunken oder versehentlich in Blei gegossen wurde.

Reptilien, Amphibien und Silvester
Die gute Nachricht für uns Terrarianer: Eingewöhnte Reptilien und Amphibien sind in der Regel nicht sonderlich schreckhaft und reagieren in ihrem gewohnten Umfeld kaum auf das Silvesterfeuerwerk. Tagaktive Arten verschlafen den Jahreswechsel normalerweise ohne zu erwachen, während nachtaktive Arten die Leuchterscheinungen und den Lärm zwar sicherlich wahrnehmen, davon aber nicht weiter gestört werden – sofern der Tierhalter nicht gerade im Terrarienzimmer die Fenster öffnet, um das Feuerwerk zu sehen. Die Fenster und Balkontüren sollten in den Räumen, in denen sich Terrarien befinden, geschlossen bleiben - nicht nur wegen des drohenden Temperatursturzes, sondern auch wegen des Lärms. Das Gehör von Reptilien & Co. unterscheidet sich nämlich von dem des Menschen. Einige Arten nehmen z.B. nur besonders tiefe Töne war, die wir gar nicht hören können. Darüber, wie gut das Gehör verschiedener Tierarten ausgeprägt ist und wie anfällig diese für den Böllerlärm sind, ließen sich wohl ganze Fachbücher schreiben. Pauschal kann man sagen, dass Tiere, die sich über Laute verständigen (wie z.B. viele Amphibien), besonders vor lautem Böllerlärm geschützt werden sollten. Da aber in der Erforschung der Sinnesorgane noch viele Fragen offen sind, fährt man sicherlich gut, wenn man Störungen durch Lärm so gut wie möglich vermeidet.

Wichtig ist auch das sonstige Umfeld während der Silvesterfeierlichkeiten. Hat man Besuch und / oder macht die Nacht mit der Zimmerbeleuchtung zum Tage, kann dies einen Stressfaktor für alle Terrarientiere darstellen, die sich im selben Raum befinden. 
 
Auch hierbei kommt es ganz auf die jeweilige Tierart an. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich berichten, dass sich manche Tiere wie z.B. Bartagamen (Pogona vitticeps) kurz vor Erlöschen der Terrarienbeleuchtung zu ihrem angestammten Schlafplatz begeben und nach Erlöschen der Beleuchtung wie auf Knopfdruck einschlafen – ganz egal, ob im Raum noch Menschen aktiv sind oder nicht. Wenn sich diese Tiere aus bestimmten Gründen nicht in Winterruhe befinden sollten, träfe dies wohl auch auf die Silvesternacht zu. Andere Arten wie z.B. Australische Wasseragamen (Intellagama lesueurii) bleiben hingegen solange wach, bis auch die Raumbeleuchtung erloschen ist. Befreundete Halter berichteten mir, dass sich wohl auch Chamäleons von der Raumbeleuchtung irritieren lassen, da es sich bei ihnen um sehr aufmerksame Tiere handelt. Solche Tiere sollte man im Falle einer geplanten Silvesterparty lieber in einen ruhigeren Raum ausquartieren. Dies allerdings bevorzugt mitsamt Terrarium, weil der Verlust des Territoriums wohl einen sehr viel größeren Stress für das Tier darstellt als das Erleben von Silvesterfeierlichkeiten in gewohnter Umgebung. In solchen Fällen wäre es sinnvoll, zumindest das Terrarium abzudecken.

Damit die Tiere sich normal verhalten, ist es wichtig, dass der gewohnte Tagesablauf eingehalten wird. Die Aktivitätsphase sollte also nicht manipuliert werden (z.B. durch ein Füttern von tagaktiven Tieren um Mitternacht als symbolisches „Anstoßen auf das neue Jahr“).

Wirbellose und Silvester
Halter von wirbellosen Tieren machen sich womöglich ebenfalls Gedanken, wie ihre Spinnen, Skorpione & Co. die Silvesternacht am besten überstehen. Schließlich reagieren diese Tiere ganz besonders auf Schwingungen und somit womöglich auch auf die Silvesterknallerei. Das oben für Reptilien und Amphibien Geschilderte lässt sich auch auf Wirbellose übertragen. Während das eigentliche Silvesterfeuerwerk kein großes Problem für die Tiere darstellen sollte, kann die Silvesterparty unnötigen Stress verursachen, denn man durch die bereits genannten Tipps reduzieren kann.

Fazit:
Der Jahreswechsel bedeutet für die allermeisten Terrarientiere nicht mehr als ein ordentliches Gewitter. Der Stress ist also zu vernachlässigen. Solange kein Tischfeuerwerk im Terrarienraum gezündet wird, verschlafen die meisten Terrarientiere die Silvesternacht oder gehen ihren üblichen nächtlichen Aktivitäten nach. Wichtig ist, dass man seine Tiere keiner vermeidbaren Unruhe aussetzt. Dann steht einem für alle Beteiligten angenehmen Jahreswechsel nichts im Wege. 
 
Mit Stroboskopen beleuchtete und von wummernden Bässen bebende Skorpionterrarien möchte ich dieses Jahr in keinem ach so coolen Facebook-Video sehen müssen...
 
In diesem Sinne wünsche ich euch ein 
erfolgreiches und gesundes neues Jahr!


Mittwoch, 21. Dezember 2016

Studie zur Persönlichkeit von Exotenhaltern

Da mir leider (trotz mehrmaliger Rückfragen) keine Ergebnisse der Studie der Uni Bremen über die Persönlichkeitsmerkmale von Haustierbesitzern vorliegen, nähere ich mich dem Thema heute anhand der Diplomarbeit von Ina M. MAUERER aus dem Jahr 2009: Besitz exotischer Haustiere und Persönlichkeit

Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden insgesamt 250 Personen befragt, welche sich in zwei Gruppen bestehend aus 50 Personen ohne Haustierbesitz und 200 Personen mit Haustierbesitz aufteilten lassen. Die Gruppe der Tierhalter wiederum teilt sich zu jeweils 25 Personen in Katzenhalter, Hundehalter, Kleintierhalter, Vogelhalter, Aquarianer, Reptilienhalter, Wirbellosenterrarianer sowie Halter von mehreren verschiedenen Haustierarten auf.

Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass signifikante Unterschiede bei der Persönlichkeit von Halterinnen und Haltern unterschiedlicher Haustierarten zu erkennen sind. So zeigen Besitzer von warmblütigen Exoten oder klassischen Haustieren wie Hunde oder Katzen eher eine enge Bindung zu ihren Haustieren als Halter von wechselwarmen Tieren. Als Gründe für die Anschaffung der Tiere wurde von Vivarianern primär deren beruhigende Wirkung aber auch das Interesse an den Tieren genannt, während klassische Haustierhalter angaben, sich in das jeweilige Tier verliebt zu haben. Auffällig ist auch, dass Leute bevorzugt mit den Haustierarten ihr Leben teilen, mit denen sie auch schon als Kinder aufgewachsen sind.

Halterinnen von klassischen Haustieren sind laut den Ergebnissen der Befragung tendenziell weniger offen für neue Erfahrungen als Halterinnen von wechselwarmen Haustieren. Auf der anderen Seite sind Besitzer von Hunden und Katzen offener für neue Kontakte, während Reptilien-, Spinnen- und Insektenhalter dafür weniger offen – sprich introvertierter sind. Dies erklärt die Autorin dadurch, dass z.B. Hunde das Knüpfen von neuen Kontakten erleichtern. Ich vermute es liegt nicht unerheblich auch an der Akzeptanz bestimmter Haustierarten innerhalb der Gesellschaft.

Beim Geschlechtervergleich tendieren Frauen eher zu der Haltung von Hunden, Katzen und warmblütigen Exoten, während Reptilien, Spinnen und Insekten vor allem von Männern gehalten werden. Frauen sind zudem stärker an ihre Haustiere gebunden als Männer.

Fazit:
Anhand der Ergebnisse wird deutlich, dass Tierhalter und Haustier zueinander passen müssen. Eine Person, die von ihrem Haustier eine enge soziale Bindung erwartet, würde mit einer Vogelspinne oder einer Schlange wohl kaum glücklich. Gleiches gilt aber auch im Umkehrschluss. Soziale Haustiere wie Hunde oder Katzen sind ebenso wie wechselwarme Exoten nicht für jeden Persönlichkeitstyp geeignet. Umso wichtiger ist, dass jeder Mensch die Tierart halten darf, für die er sich aufgrund seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung begeistert. Denn nur so ist eine adäquate Versorgung des jeweiligen Tieres sichergestellt. Nicht zuletzt zeigen diverse andere Studien, dass die Haltung eines Haustiers der menschlichen Psyche guttut. Dies funktioniert aber nur dann, wenn die jeweilige Haustierart auch zur Persönlichkeit des Halters passt.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass vor allem Männer zu der Haltung von „ausgefalleneren“ Haustieren und somit auch eher zur Terraristik tendieren. Warum ist das so? Ich führe dies auf die Kindesentwicklung zurück. Mädchen werden ja regelrecht geschult, schwächer zu sein und sich vor „ekeligen Tieren“ zu fürchten, während Jungs immer stark sein müssen. Immerhin hat Mama auch Angst vor Spinnen und Papa ist der Retter in der Not, wenn mal eine Spinne an der Wand sitzt. Viele Eltern leben es ihren Kindern vor, wie sie sich je nach Geschlecht zu verhalten haben. So wird die Persönlichkeit der Kinder geformt und somit auch ihr späteres Verhältnis zu bestimmten Tierarten. Die häufig zitierte „Urangst“ vor Schlangen und Spinnen, welche sich über Generationen bis in unsere heutige Zeit vererbt haben soll, spielt aus meiner Sicht hingegen kaum eine Rolle. Schließlich gehört die Angst vor Raubtieren wie Wölfen ebenfalls zu unseren Urinstinkten. Trotzdem gehören Hunde zu unseren liebsten Haustieren. Die „Urängste“ sind also entweder gar nicht oder allenfalls rudimentär in Form von Reflexreaktionen in Schreckmomenten vorhanden (dann beruhen Abneigung und Ängste vor bestimmten Tieren lediglich auf der Erziehung) oder aber diese Ängste schlummern noch in unserem Erbgut, können aber – ebenfalls durch Erziehung bzw. Gewöhnungseffekte – abtrainiert werden. Beides ist denkbar und die psychologische Forschung ist sich in dieser Sache gespalten. Da aber insbesondere kleine Kinder für „Ekeltiere“ sehr aufgeschlossen sind, halte ich die Urangst-Theorie für überholt. 
 
Literatur:
MAUERER, Ina Maria: Besitz exotischer Haustiere und Persönlichkeit; Diplomarbeit, Universität Wien. Fakultät für Psychologie; 2009 

Samstag, 17. Dezember 2016

Terrarientiere unterm Weihnachtsbaum

In der Weihnachtszeit mahnen viele Tierschutzvereine, doch bitte keine Tiere zu Weihnachten zu verschenken. Einige Tierheime aber auch Zoofachgeschäfte stoppen derzeit sogar die Vermittlung bzw. den Verkauf von lebenden Tieren, weil sie Spontankäufe verhindern und Rückläufer vermeiden wollen. Diese Entscheidung ist auf den ersten Blick natürlich nachvollziehbar. Kurz nach den Feiertagen, nachdem die erste Freude verflogen und das am Weihnachtsabend noch heißgeliebte Haustier langweilig geworden ist, verzeichnen schließlich viele Tierheime und Auffangstationen einen Anstieg an Abgaben. Spätestens in der Sommerurlaubszeit wird das spontan zu Weihnachten verschenkte Tier gerne mal abgegeben oder gar ausgesetzt.

Doch hat nicht jeden Tag irgendein Kind Geburtstag? Besteht somit nicht laufend die Gefahr eines spontanen Geschenkkaufs und einer späteren Abgabe? Wie kann es eigentlich überhaupt dazu kommen, wo doch Zoofachgeschäfte und Tierheime ihren Kunden die Ansprüche des jeweiligen Tieres erklären sollten. Plagt Tierheime etwa die Sorge, dass Leute zur rührseligen Vorweihnachtszeit einem Tier ein schönes Zuhause bieten wollen, diesen Vorsatz im neuen Jahr jedoch nicht halten können?

Prinzipiell spricht aus meiner Sicht nichts gegen das Verschenken von Haus- und Heimtieren wie Reptilien oder anderen Terrarientieren, sofern – wie auch bei jedem anderen Kauf – im Vorfeld die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden. Hat sich der zukünftige Beschenkte bereits ausführlich (z.B. mit Fachliteratur oder Kontakten zu anderen Haltern) über eine bestimmte Tierart informiert und hegt nun den ernstgemeinten Wunsch einer Anschaffung, kann man diesen Wunsch meiner Meinung nach ruhig erfüllen. Entscheidend ist hierbei die Einstellung des Beschenkten (dass nämlich das Interesse eben nicht schon nach wenigen Tagen verfliegt) und auch die ausgewählte Tierart. Während man z.B. viele wirbellose Terrarientiere direkt mitsamt fertig eingerichtetem Terrarium verschenken kann, erfordert das Verschenken von Reptilien und Amphibien schon mehr Aufwand. In der bestmöglichen Situation hat der Beschenkte schon selbst das benötigte Terrarium vor Ort stehen. Zumindest ist zum Zeitpunkt des Schenkens alles vorhanden, um das Tier seinen Bedürfnissen entsprechend unterzubringen. Im unbedingt zu vermeidenden Worst-Case-Szenario verschenkt man ein wechselwarmes Tier, das über die Feiertage hinweg in einer Box vegetieren muss, nur weil das notwendige Terrarium fehlt, die Geschäfte geschlossen haben und eine artgerechte Haltung somit nicht möglich ist. Nicht zuletzt sollte in der winterlichen Weihnachtszeit vom Verschenken von normalerweise in dieser Zeit ruhenden Tieren aus gemäßigten Breiten abgesehen werden. Notwendig für ein verantwortungsvolles „Tiere-Verschenken“ ist außerdem, dass der Schenkende selber Ahnung von dem Tier hat, welches er verschenken möchte.

Nicht nur die artgerechte Unterbringung und Versorgung des Terrarientieres muss über die Feiertage gesichert sein, auch das Umfeld der Eingewöhnung sollte der Tierart entsprechend bedacht und gestaltet werden. Reptilien, Amphibien und Wirbellose sind zwar bei weitem nicht so sozial wie z.B. Hunde oder Katzen, für die eine neue Umgebung im Weihnachtstrubel und der Jahreswechsel eine Woche später ein großer Stress sein kann, doch auch sie brauchen unter Umständen Zeit und Ruhe, um sich einzugewöhnen. Besonders stressanfällige Arten sind also weniger als Weihnachtsgeschenk geeignet.

Möchte man ein Tier verschenken, muss dies vorher mit allen anderen Familienmitgliedern oder Mitbewohnern des Beschenkten abgesprochen werden. Wenn z.B. ein Familienmitglied eine panische Angst vor Schlangen oder Spinnen hat, wäre es auch für das Tier nicht vorteilhaft, wenn man es in eine solche Umgebung verschenkt. Auch eine Regelung für die laufenden Kosten bei je nach Tierart recht hoher Lebenserwartung sowie eine geeignete Urlaubsvertretung müssen mit den Angehörigen oder dem Beschenkten geklärt werden, damit das Tier nicht irgendwann zur Last wird.

Sind diese Umstände gegeben, ist gegen ein „Reptil unterm Weihnachtsbaum“ prinzipiell nichts einzuwenden. Können diese Rahmenbedingungen jedoch nicht sichergestellt werden, wäre ein anderes Geschenk wohl sinnvoller. Vielleicht ein gutes Buch über die gewünschte Tierart? Oder ein Gutschein für das notwendige Zubehör vom Zoofachhandel des Vertrauens?
 
Darf man Kindern Tiere schenken?
 
Grundsätzlich sind Tiere vor dem Gesetz zwar keine Sachen, auf sie können aber die für Sachen geltenden Rechtsvorschriften angewandt werden (§ 90a BGB). Tiere dürfen daher verkauft, getauscht oder eben auch verschenkt werden. Eine Schenkung stellt rechtlich gesehen einen Vertrag dar. Kinder sind bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres nicht geschäftsfähig (§ 104 BGB). Man darf somit prinzipiell keine Tiere und auch keine „anderen Sachen“ an Kinder verschenken. Minderjährige vom vollendeten 7. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind beschränkt geschäftsfähig  (§ 106 BGB). Veträge mit Jugendlichen in diesem Alter sind ohne Einverständnis der gesetzlichen Vertreter schwebend unwirksam (§ 108 BGB). Eltern von minderjährigen Jugendlichen können Schenkungen also widerrufen.

Da allerdings die meisten Schenkungen juristisch als „rechtlich vorteilhafte Verträge“ eingestuft werden, greift hier eine Ausnahme von der Regel: Schenkungen, die für Minderjährige keine Nachteile und keine Verpflichtungen bedeuten, werden auch ohne Zustimmung der gesetzlichen Vertreter wirksam (§ 107 BGB). Altersgerechtes Spielzeug zu verschenken wäre also in Ordnung, Tiere zu verschenken bedarf hingegen der Einwilligung der Eltern, da mit dem Erwerb eines Tieres die Einhaltung der Verpflichtungen des Tierschutzgesetzes einhergeht, was somit juristisch gesehen keinen rechtlichen Vorteil bedeutet.

Eine weitere Regelung findet man im Tierschutzgesetz selbst. Dort heißt es, dass Wirbeltiere ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten an Minderjährige schon nach Vollendung ihres 16. Lebensjahres abgegeben werden dürfen (§ 11c TierSchG). Reptilien und Amphibien dürfen demnach auch schon an Jugendliche mit vollendetem 16. Lebensjahr ohne Einwilligung der Eltern abgegeben / verschenkt werden. Wirbellose Tiere wie Spinnen und Insekten bei wörtlicher Auslegung der Gesetzeslage hingegen nicht, weswegen Wirbellose in diesem Punkt einen höheren Schutz genießen, was wohl nicht Absicht des Gesetzgebers war, aber durch die konkrete Nennung von „Wirbeltieren“ statt „Tieren“ im § 11c TierSchG tatsächlich so ausgelegt werden kann. Der Tierschutzbund ist übrigens bestrebt, dass diese Grenze für die Abgabe von (Wirbel)Tieren auf 18 Jahre – wie auch bei der grundsätzlichen Geschäftsfähigkeit – angehoben wird, um Tierkäufe durch Jugendliche ohne elterliche Einwilligung zu verhindern, was ich persönlich ebenfalls sinnvoll finde.
 

Freitag, 9. Dezember 2016

Gefahrtiergesetz Nordrhein-Westfalen gestoppt

Halter von gefährlichen Tieren in Nordrhein-Westfalen können (vorerst) aufatmen. Das in vielen Punkten zu kritisierende geplante Gefahrtiergesetz wurde Medienberichten zufolge von der Landesregierung auf Eis gelegt. Zu groß war der Widerspruch der kommunalen Spitzenverbände.

Mir liegt inzwischen das Schreiben des Umweltministers Johannes Remmel an die Mitglieder des Landtags NRW vom 8. Dezember vor, in welchem die Gründe für den Stopp des Gesetzgebungsvorhabens beschrieben werden. 
 
Im einem Anhörungsgespräch am 31. Oktober dieses Jahres stellte der Landkreistag NRW noch einmal seine Position dar und erklärte, dass sich an der ablehnenden Haltung nichts geändert habe. Ein gesondertes Gefahrtiergesetz sei aus Sicht des Landkreistages nicht notwendig, da von einer nicht relevanten Gefahrenlage auszugehen sei. Die von privaten Gefahrtierhaltungen ausgehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei Teil des von „jedermann hinzunehmenden allgemeinen Lebensrisikos“. Dadurch fehle es an der Legitimation für ein solches Spezialgesetz zur Gefahrenabwehr. Für die Durchführung des Gesetzes fehle es den Kommunen außerdem an den notwendigen Kapazitäten.

Aus Sicht der Landesregierung müsse an dem Gesetzesvorhaben festgehalten werden, da dieses ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrags sei und von bestimmten Wildtieren eine objektive Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe, die beseitigt werden müsse. Aufgrund von Börsen und Internethandel sei von einer erheblichen Zahl nicht sachkundiger Halter von gefährlichen Tieren auszugehen. Da der Dissens zwischen der Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden aber nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode zu lösen sei und diese sich dem Ende nähert (2017 finden Landtagswahlen in NRW statt), sieht es die Landesregierung als nicht zielführend an, das Gesetzgebungsvorhaben in der laufenden Legislaturperiode zu einem Abschluss zu bringen.

Damit ist das Gefahrtiergesetz nun erst einmal offiziell vom Tisch. Bei all der Freude sollte aber bedacht werden, dass das Gesetzgebungsvorhaben primär aufgrund der fehlenden Kapazitäten der Kommunen eingestellt wurde und nicht aufgrund der fachlichen Kritik an der Qualität der Regelung seitens Tierhalterverbänden. Sollte es in NRW nach den Landtagswahlen im nächsten Jahr keinen Führungswechsel geben, wird das Projekt mit einer neuen Haushaltsplanung vielleicht irgendwann wieder ausgegraben und ein Kompromiss zwischen Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden geschlossen. Im Entwurf des am 4. Dezember beschlossenen Wahlprogramms der Grünen NRW wird ein Verbot der Haltung von gefährlichen Tieren auch für die nächste Legislaturperiode angestrebt.

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Mittwoch, 7. Dezember 2016

Berliner Gefahrtierverordnung wird aktualisiert

Während der gestrigen Sitzung des Berliner Senats wurde die „Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere wildlebender Arten“ überprüft und teilweise aktualisiert, da die aktuell gültige Fassung am 19. Januar 2017 außer Kraft treten wird.
 
An den strikten Komplettverboten für Panzerechsen, (aus Sicht des Verordnungsgebers) potentiell tödlichen Giftschlangen sowie einigen Spinnen und Skorpionen wird sich nichts ändern. Das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt für Pythons, Boas und Warane ab einer bestimmten Körperlänge, Schnapp- und Geierschildkröten, Krustenechsen, Vogelspinnen der Gattung Poecilotheria sowie die Blaue Burma-Vogelspinne (Cyriopagopus lividum syn. Haplopelma lividum) bleibt ebenfalls bestehen. Für diese weniger gefährlichen Tiere können die zuständigen Behörden weiterhin Ausnahmegenehmigungen erteilen. Hierfür muss der Halter der Behörde gegenüber seine Zuverlässigkeit und seine Sachkunde nachweisen. Außerdem müssen die Tiere ausbruchsicher untergebracht und das notwendige Equipment jederzeit in der Nähe des Tieres griffbereit sein.

Neu wird sein, dass die Halter von gefährlichen Tieren dafür sorgen müssen, dass andere Personen keinen unkontrollierten Zugang zur Haltungseinrichtung erlangen können. Eine weitere Änderung bezieht sich auf die Belege im Falle einer Abgabe eines gefährlichen Tieres, aus denen das Abgabedatum sowie Name und Anschrift des neuen Halters hervorgehen müssen. Diese Dokumente mussten bislang 5 Jahre aufbewahrt werden. In Zukunft soll diese Frist auf 10 Jahre erweitert werden.

Halter von potentiell tödlichen Tieren, welche dem Komplettverbot unterliegen aber zum Zeitpunkt der Schaffung der Gefahrtierverordnung im Jahr 2007 bereits gehalten wurden (Bestandsschutz), müssen einen geeigneten Notfallplan vorweisen. Für Halter von giftigen Tieren bezieht sich dies konkret auf die Vorratshaltung von Antiseren, was z.B. auch durch eine Mitgliedschaft in einem Serumdepot ausreichend erfüllt sei. Diese Regelung ist lobenswert, da die private Vorratshaltung von Antiseren, welche ebenfalls Gefahrstoffe darstellen und eine trügerische Sicherheit vorgaukeln, als für die meisten Halter nicht praktikabel abzulehnen ist. Fraglich bleibt aber, wie diese Auflage bei Arten zu erfüllen ist, für die es gar kein Gegengift gibt (wie z.B. im Falle einiger vom Verbot betroffenen Trugnattern).

Vor offizieller Revision der Verordnung wird diese nun erst noch dem Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme vorgelegt.
 
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Donnerstag, 1. Dezember 2016

Planet Wissen: „Achtung! Gefährliche Haustiere“

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD, WDR und SWR haben am vergangenen Dienstag in ihrem Populärwissenschaftsmagazin „Planet Wissen“ den Versuch unternommen, über die Haltung von sogenannten „gefährlichen Haustieren“ zu berichten. Die komplette Sendung vom 29. November gibt es hier: Achtung! Gefährliche Haustiere

Der Sendung lag die derzeit in Nordrhein-Westfalen geplante Gesetzgebung für die Haltung von gefährlichen Tieren wie u.a. Giftschlangen zugrunde. Zu Gast waren die Reptilienhalterin Nina Freitag und der Tierarzt sowie Vizevorsitzende des Landestierschutzverbands Nordrhein-Westfalen e.V. (LTV-NRW) Dr. Ralf Unna.

Zu Beginn der Sendung wurde in einem Einspielbeitrag die Reptilienhaltung von Nina Freitag gezeigt. Die gezeigten Haltungsbedingungen waren soweit vorbildlich (auch wenn in den sozialen Netzwerken mal wieder der lose Sand kritisiert wird, auf dem u.a. Bartagamen gehalten wurden). Interessant war an diesem Einspieler vor allem die akustische Untermalung. So wurden normalerweise weitestgehend lautlose Vorgänge wie das Kiefer-Einrenken eines Königspythons nach dem Fressen, der Fressvorgang eines Kronengeckos oder die Tötung einer Futterratte durch einen Königspython mit dramatischen Zisch- und Schmatzlauten oder einem markerschütternden „Genickbruch-Sound“ unterstrichen. Eine dramaturgische Glanzleistung, mit der die Gefährlichkeit der an sich vollkommen harmlosen Tiere betont werden sollte.

Frau Freitag erklärte im Interview, dass sie Haltungsverbote sehr kritisch sieht und stattdessen die Sachkunde der Halter im Vordergrund stehen sollte. Sie sieht den unkontrollierten Handel mit Reptilien auf Börsen oder im Internet aber ebenso kritisch, weil so auch uninformierte Leute einfach so „Exoten“ kaufen könnten, was ihr und unser aller Hobby in Verruf brächte. Sie sprach sich ebenso gegen strikte Verbote von z.B. Reptilienbörsen aus, weil diese einen wichtigen Treffpunkt für die Halter darstellen. Die Börsen müssten strenger kontrolliert werden, damit auch die problematischen „Parkplatzgeschäfte“ unterbunden würden.

Anderer Meinung war Dr. Unna vom LTV-NRW. Aus seiner Sicht hätten die zuständigen Veterinärämter nicht die finanziellen Mittel und auch nicht das notwendige Fachwissen, um gegen die illegalen Auswüchse solcher Börsen vorzugehen. Ein gemeinsamer Treffpunkt für Halter für den Fachaustausch wäre aus seiner Sicht natürlich vollkommen in Ordnung, nur müssten dafür ja nicht unbedingt lebende Tiere gehandelt werden. Nun, die Deutsche Bahn hat auch nicht die notwendigen Mittel, um randalierende Fußballfans in ihren Zügen von Sachbeschädigung abzuhalten, deswegen muss aus meiner Sicht unbedingt die Fußball-Bundesliga verboten werden. Vor allem sei es aus seiner Sicht problematisch, dass uninformierte Leute sich ohne große Hürden gefährliche Tiere wie z.B. Klapperschlangen als Statussymbol kaufen könnten. Auf die Frage des Moderators, welches denn das gefährlichste Tier sei, welches bisher in seiner Praxis vorgestellt wurde, antwortete er zunächst Rottweiler, was zeigt, dass Hunde bei all der Diskussion über gefährliche Exoten immer noch die häufigsten in Deutschland gehaltenen „Gefahrtiere“ sind.

In einem weiteren Einspielfilm kam einen gewisse Laura Zimprich zu Wort, was zeigt, dass es sich dabei um einen älteren Beitrag handelte. Denn Laura Zodrow ist mittlerweile bekannt als 1. Vorsitzende des Tierrechtsvereins „animal public e.V.“. Sie behauptete im Beitrag, dass immer mehr Reptilien importiert würden. Fakt ist, dass die Importzahlen seit Jahren stark rückläufig sind und seit 2007 um mehr als 60 Prozent abgenommen haben.

Frau Zimprich / Zodrow mahnte darüber hinaus an, dass NRW ein rechtsfreier Raum sei, wo gefährliche Tiere ohne Auflagen gehalten und gehandelt werden dürften. Dies entspricht zwar derzeit noch der Wahrheit, lässt aber aufhorchen: Warum kommt es dann nicht täglich zu Zwischenfällen mit gefährlichen Reptilien? Wo sind denn die ganzen Giftschlangen im öffentlichen Raum? In der Sendung wurden altbekannte Fälle wie das „Kobrahaus“ in Mülheim an der Ruhr genannt. Diese liegen jedoch schon Jahre zurück. Ein Anstieg solcher Vorfälle ist auch schon zu verzeichnen, wenn in einem Jahr 1 Unfall passiert, im nächsten Jahr dann vielleicht schon 2 oder 3. Im Vergleich zu den täglichen Vorfällen mit klassischen Heimtieren wie Hunden sind diese Zahlen aber ein Witz und zeigen bei näherer Betrachtung nur, dass der Großteil der Halter von gefährlichen Reptilien ihre Tiere sicher untergebracht hat – und das trotz fehlender gesetzlicher Vorgaben.


Imkerei = Gefahrtierhaltung
Die Reptilienhalterin Nina Freitag wurde in der Sendung mehrmals als Halterin von gefährlichen Tieren bezeichnet. Bei den gefährlichsten Tieren handelte es sich um Königspythons, Vogelspinnen und Kaiserskorpione. Die Halterin betonte mehrmals, dass ein Biss oder Stich in etwa mit einem Griff in einen Kaktus bzw. einem Bienenstich zu vergleichen sei. Trotzdem wurden diese somit vollkommen harmlosen Tiere immer wieder als gefährlich dargestellt, was einfach nur lächerlich ist. Das wäre so, als würde man in einer TV-Sendung über Löwen berichten und jemand bringt seine Hauskatzen als Beispiel mit. Auch wenn Frau Freitag die Pro-Argumente für die Terraristik sachlich und ruhig herüberbrachte, ist es schon sehr fragwürdig, dass die Produktionsleitung keine echten Gefahrtierhalter einlud, sondern stattdessen eine Reptilienhalterin mit harmlosen Tieren als Gefahrtierhalterin verkaufen musste. Vielleicht sind die echten Gefahrtierhalter aufgrund der systematischen Medienpropaganda auch einfach nicht mehr bereit, sich in solchen Formaten zu präsentieren und lehnen entsprechende Anfragen direkt ab. Ich kann es ihnen nicht verdenken.

Des Weiteren wurde in diesem Wissensmagazin gar nicht wirklich definiert, was eigentlich „gefährliche Tiere“ sind. Teilweise wurde das natürliche Abwehrverhalten von in die Enge getriebenen Tieren als grundsätzliche Gefährlichkeit dieser Tiere interpretiert. In einem Einspielfilm wurde beispielsweise die Schulung von Feuerwehrleuten im Umgang mit Reptilien gezeigt, wo nicht zimperlich mit den lebenden „Studienobjekten“ umgegangen wurde. Dass die Tiere in diesen Situationen gefährliches Verhalten an den Tag legten, ist natürlich kein Wunder. Jeder Hund und jede Katze würde sich gewaltsam verteidigen, würde man sie gewaltsam auf den Boden werfen, mit Stäben traktieren oder grob festhalten. Kaum jemand würde das Abwehrverhalten in solchen Situationen als natürliches Alltagsverhalten dieser Tiere im Kontakt zum Menschen interpretieren. In der Sendung wurde dies in Bezug auf Reptilien aber leider so an die unbedarften Zuschauer transportiert.

Überhaupt wurden viele Themen nur angerissen und dann zumeist tendenziös vermittelt. So wurde in einem weiteren Einspielbeitrag die tierärztliche Studie der Uni Leipzig erwähnt. Es wurde behauptet, dass dabei herauskam, dass 50 Prozent der in Privathand gehaltenen Reptilien aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen im ersten Jahr sterben würden. Mit dieser Aussagen wird die Studie aber falsch ausgelegt. Nicht etwa 50 Prozent aller in Privathand gehaltenen Reptilien sterben im ersten Jahr, sondern 50 Prozent der im ersten Jahr verstorbenen Reptilien wurden schlecht gehalten. Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Aussagen! Einen Rückschluss auf die Haltungsbedingungen lässt die tierärztliche Studie gar nicht zu, weil die Gruppe von Tieren, die in die Studie einfloss, nicht repräsentativ war. Die Tausenden Reptilien, die sich seit Jahren bester Gesundheit erfreuen, wurden in der besagten Studie schlichtweg gar nicht untersucht (nicht einmal in Form einer Stichprobe). Daher sind Rückschlüsse auf die vorherrschenden Haltungsbedingungen gar nicht möglich. Dies betonen selbst die Autoren der Studie im einleitenden Text. Die von Tierhaltungsgegnern und tendenziösen Medien bewusst falsch verbreitete Aussage „50 Prozent der in Privathand gehaltenen Tiere sterben im ersten Jahr aufgrund von schlechter Haltung“ entbehrt somit jeder wissenschaftlichen Grundlage.


Ähnliche Meinungsmache wurde beim Thema Importe betrieben. So sprach Dr. Unna von einer Mortalitätsrate in Höhe von 50 bis 70 Prozent beim Transport von Reptilien. Zu schnell denkt man da an die von PETA ermittelten Zahlen bei nur einem US-Großhändler, welche regelmäßig auf unwissenschaftliche Art und Weise als Standard in der Branche dargestellt werden (zuletzt ebenfalls in einem Beitrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks). Immerhin drehte sich dieser Abschnitt der Sendung eindeutig um illegale Importe, weswegen die Aussagen von Dr. Unna auch nur auf diese zu beziehen sind. Dass die Ausfallquoten beim Schmuggel höher sind als beim legalen Import, ist logisch. Das von Dr. Unna genannte Beispiel von nicht geheizten Frachträumen ist beim illegalen Transport nicht von der Hand zu weisen und zu bekannt sind Schmuggelfälle aus der Vergangenheit mit hohen Verlusten, bei denen z.B. artfremde Pfeilgiftfrösche in enge Dosen gestopft wurden und sich gegenseitig vergifteten. Entscheidend ist aber, dass diese Fälle nicht den legalen Import abbilden, bei dem die Transportmortalität laut repräsentativer Studien zwischen 1,97 und 3,88 Prozent liegt (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996). Leider kam das in der Sendung nicht ganz so deutlich rüber... was wohl auch nicht das Ziel war. 

Auch der Deutsche Tierschutzbund e.V. kam in einem Einspielfilm zu Wort und forderte erneut eine Positivliste, um eine bundeseinheitliche Gesetzgebung zu schaffen und Tierleid effektiv zu verhindern. Dass eine Positivliste genau das Gegenteil bewirken würde, habe ich hier schon mal ausführlich dargestellt. Denn ich erlebe es aus meiner eigenen Praxis, dass ich immer seltener als Privatperson im Tierschutz helfen kann, wenn es immer striktere Regelungen gibt. Wenn das so weiter geht, darf sich wahrlich niemand mehr wundern, wenn Tierheime und Auffangstationen ihre Tiere nicht mehr vermitteln können und überfordert sind.

Dr. Unna betonte in Bezug auf die Haltung von geschützten Tieren, dass der Preis für diese Tiere auf dem Schwarzmarkt umso höher ist, je höher der Schutzstatus der Tiere ist. Dies ist korrekt, denn durch höchste Auflagen brechen leider viele seriöse Züchter weg, was den illegalen Handel (wieder) lukrativer macht. Gleiches würde aber auch in anderen Situationen - wie einem Haltungsverbot für (angeblich) gefährliche Tiere - passieren. Er forderte eine bundeseinheitliche Gefahrtierregelung, die möglich wäre, wenn sich die Bundesländer, bei denen die Gesetzgebungskompetenz für die Gefahrenabwehr liegt, an einem Strang ziehen würden. Ich persönlich plädiere ja auf die Schaffung eines durchdachten „Musterentwurfs eines einheitlichen Gefahrtiergesetzes“, vergleichbar dem des Polizeirechts, welches ebenfalls pro Bundesland unterschiedlich geregelt ist, dank des Musterentwurfs aber trotzdem weitestgehend vereinheitlicht wurde.

Das Fazit der Sendung lautete, dass jeder sich selbst entscheiden muss, worauf er sich bei der Anschaffung eines gefährlichen Tieres einlässt und dass Sachkunde, sichere Unterbringung und eine fachkundige Urlaubsvertretung wichtig sind. Dem stimme ich so voll und ganz zu, doch sollte dies nicht nur für die Reptilienhaltung bedacht werden, sondern bei jeder anderen Art der Heimtierhaltung auch. Gelangweilte Hauskatzen in den öffentlichen Raum zu entlassen, wo sie eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen, ist eine gängige Unart verantwortungsloser Katzenhalter. Doch danach kräht kein Hahn, weil die Hauskatze schließlich neben dem Hund das beliebteste Haustier ist und im Falle von Verboten sehr viele Gebührenzahler und potenzielle Wähler betroffen wären als bei einem Verbot gefährlicher Reptilien. Hier sieht man mal wieder sehr anschaulich, wie mit zweierlei Maß gemessen wird.

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