Montag, 28. April 2014

"Artgerecht ist nur die Freiheit" (Cartoon)

Artgerecht ist nur die Freiheit!" - so lautet das Motto einiger emotionaler Tierschutzkampagnen in Bezug auf ein Haltungsverbot von Exoten in menschlicher Obhut. Da es solchen Kampagnen sehr oft an einem wissenschaftlichen Fundament fehlt, kann man darauf nur in Form einer Persiflage antworten. Nach der romantischen Auffassung von Tierrechtlern stellt ausschließlich die Freiheit einen artgerechten Lebensraum für sog. Exoten dar. Privathaltern sei es uns nicht möglich, diesen Tieren artgerechte Lebensbedingungen in künstlichen Lebensräumen zu bieten.

Der „ETAP-Aktivist“ in unserem ersten Cartoon beweist jedoch das Gegenteil. Denn zu einer naturnahen Haltung gehören natürlich auch Hungersnöte, Dürreperioden und (dank des Raubbaus in den Lebensräumen) Brandrodungen.


Tierrechtler und Tierfreunde mit einem missverstandenen Verständnis von Tierschutz vertreten die Meinung, dass sog. Gefangenschaftshaltung immer mit Leid verbunden ist. Schließlich will der Mensch doch auch nicht auf engstem Raum eingesperrt werden und ein reizarmes Leben in einer tristen Umgebung fristen. Hierbei handelt es sich jedoch um einen anthropozentrischen Trugschluss, der die jeweiligen Bedürfnisse der Terrarientiere aufgrund menschlicher Empathie vollkommen vernachlässigt. Menschen sind soziale, hochentwickelte Säugetiere, die sich als die Krone der Schöpfung verstehen und vorhandene Ressourcen im Überfluss verschwenden (z.B. mit unnötigen Reisen, Freizeitbeschäftigungen usw.). Wir müssen uns im Alltag keine Sorgen machen, dass uns Beutegreifer nach dem Leben trachten. Wir haben den Luxus, die Welt zu erkunden und unsere Freiheit in vollen Zügen auszuleben, weil wir in einer Überflussgesellschaft leben. Reptilien tun dies definitiv nicht. Sie verschwenden ihre Ressourcen nicht und empfinden auch keine Langeweile, wenn sie z.B. stundenlang in einem Versteck liegen und auf Beute lauern. Ob sich dieses Versteck in einem natürlichen oder einem künstlichen Lebensraum befindet, ist ihnen herzlich egal, weil sie gar nicht den Drang haben, die große weite Welt aus Langeweile oder Entdeckertrieb zu erkunden. Denn Reptilien sind, falls das jemandem noch nicht aufgefallen sein sollte, keine Menschen und auch keine hochentwickelten sozialen Säugetiere, sondern stellen als potenzielle Beutetiere und Lauerjäger gänzlich andere Anforderungen an ihre Umwelt.

Jede Form von Tierhaltung bedeutet prinzipiell immer auch gewisse Einschränkungen für die Tiere. Kein Tier in Menschenhand lebt in Freiheit! Hunde werden z.B. ebenfalls in vergleichsweise kleinen Territorien gehalten, werden in ihren Sozialkontakten massiv vom Menschen eingeschränkt, können ihren natürlichen Jagdinstinkt nur noch rudimentär befriedigen und werden aus sog. „gesundheitlichen Aspekten“ ihrer Fortpflanzungsfähigkeit beraubt. Statt bedürfnisorientierter Haltung werden Haustiere mittels Selektionszucht den menschlichen Bedürfnissen angepasst. Gemäß des ideologischen Grundsatzes „Artgerecht ist nur die Freiheit“ ist die Haustierhaltung das größte Tierrechtsverbrechen aller Zeiten und sollte noch vor der Exoten-/Wildtierhaltung mittels Verboten abgeschafft werden! Doch dies fordern ideologische Vereine in ihren Kampagnen allenfalls unterschwellig, nie jedoch mit derselben Vehemenz wie bei sog. exotischen Wildtieren. Schließlich wollen diese Syndikate ihre spendable Klientel nicht verprellen...

Tierschutzverein blamiert sich auf Facebook

Vor wenigen Stunden postete der Tierschutzverein Pirna u. U. e.V. auf Facebook das Bild einer Ringelnatter, mit dem Aufruf: „Haben wir hier Schlangenexperten? Dieses Exemplar wurde gerade, ziemlich angriffslustig, in Dresden gesichtet.“

Diese Entfremdung von der Natur ist echt kaum noch zu ertragen. Und dies dann auch noch seitens eines Tierschutzvereins in Bezug auf die wohl bekannteste einheimische Schlange!?!? Ich weiß nicht ob ich weinen oder lachen soll...
Betroffen machen mich auch manche der Kommentare auf Facebook. Egal ob nun direkt bei diesem Aufruf des Tierschutzvereins oder bei den Leuten, die diesen Post auf Facebook weiterverbreiten. Eine Facebook-Nutzerin (die nebenbei bemerkt einen Listenhund in ihrem Titelbild abgebildet hat) schreibt beispielsweise: wollte wohl jemand wieder los werden,,Feuerwehr anrufen,,“ 
Daran sieht man mal wieder, was vielen Menschen sofort durch den Kopf geht, wenn sie eine Schlange sehen: „Dass muss ein tödlicher Exot sein, den irgendein Freak ausgesetzt hat!“ Auf der anderen Seite bin ich froh zu sehen, dass der Großteil der Kommentatoren die Schlange korrekt identifizieren konnte. Es besteht also noch Hoffnung.

Ein paar Details zur Ringelnatter:
Ringelnatter (Natrix natrix) - Symbolbild
Deutlichste Merkmale dieser ungiftigen, im Durchschnitt ca. 1 m langen Schlange sind die zwei gelben, halbmondförmigen Flecken am Nacken des Tieres. Ringelnattern halten sich bevorzugt in der Nähe von Gewässern auf, da sie sich hauptsächlich von Amphibien ernähren. Ringelnattern sind in der Regel sehr scheu. Bei Störung ergreifen sie normalerweise die Flucht. Angriffslustiges Verhalten zeigen sie nur, wenn sie in die Enge getrieben werden. Da die Lebensräume dieser Tiere immer weiter zerstört werden, ist die Ringelnatter in Deutschland als „besonders geschützt“ gelistet und darf daher nicht gefangen oder gar getötet werden. 

Ich hoffe daran halten sich auch die Leute in Dresden in Bezug auf die gefundene Ringelnatter...


Mittwoch, 23. April 2014

SPD contra Exotenhaltung: Drucksache 17/12386 vom 19.02.2013

Die Europawahl steht vor der Tür und erneut steht man vor der Wahl zwischen Pest, Cholera und neuerdings dem Schreckgespenst der „Salmonellose“ (dafür steht doch das S in SPD… oder?). Dass die SPD grundsätzlich der Lobbyarbeit radikaler Tierrechtsvereine folgt, ist bereits bekannt. Ebenso, dass ein Importverbot von Wildfängen im Koalitionsvertrag der Koalition von CDU/CSU und SPD steht. Auf Bundesebene kann ein solches Verbot jedoch nicht durchgesetzt werden. Importeinschränkungen sind nur im EU-Recht festlegbar. Daher ist die Wahl des Europaparlaments am 25. Mai 2014 ein wichtiger Termin für alle Terrarianer, um den Plänen der SPD einen Riegel vorzuschieben.

Das von Tierrechtlern beeinflusste Bestreben der SPD für ein Exotenverbot wurde bereits am 19. Februar 2013 in der Drucksache 17/12386 des Deutschen Bundestages deutlich. Dabei handelt es sich um einen Antrag der SPD-Fraktion, welcher „Wildtierhandel und –haltung in Deutschland einschränken und so den Tier- und Artenschutz stärken“ soll.

Es folgen ein paar Zitate aus diesem Schriftstück:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
[…] Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes werden derzeit jährlich zwischen 440 000 und 840 000 lebende Reptilien sowie bis zu 380 000 Süßwasserfische nach Deutschland eingeführt […].

Während der Import von Wildvögeln seit dem Jahr 2005 gestoppt ist, gehen die Einfuhren der Reptilien unvermindert weiter. […] Selbst Arten, die seit vielen Jahren unter Privathaltern beliebt sind, werden noch immer in riesigen Stückzahlen importiert, wie beispielsweise Höckerschildkröten oder Königspythons. Die Nachfrage nach solchen Arten wird bis heute nicht durch hiesige Nachzuchten, sondern Importe gedeckt.
Diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Im Falle des Königspythons würden die hiesigen Nachzuchten sehr wohl den Bedarf decken – zumindest was die Haltung der Tiere betrifft. Jedoch gibt es z.B. in den USA einige namenhafte Züchter für Farbmorphen des Königspythons. Diese „neuen Modelle“ werden in die EU / nach Deutschland verschickt, um sie auch hier bei den Züchtern zu etablieren. Diese Nachzuchten stellen einen Großteil der Importe von exotischen Wildtieren dar. Ein anderer Teil betrifft die (für den Zoofachhandel meist günstigeren) Farmzuchten des Königspythons. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Nachzuchttiere aus menschlicher Obhut, die in Afrika auf Farmen unter Zuhilfenahme der natürlichen Klimabedingungen ausgebrütet werden. Bei all diesen Importen handelt es sich demnach nicht zwangsläufig um einen Handel mit aus der Natur entnommenen Tieren, sondern um Nachzuchtprojekte, welche dem Lebensraum der Tiere und dem Artenschutz zugutekommen. Da es sich beim Königspython um eine nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützte Art handelt, ist der Handel mit diesem Tier bereits reglementiert und erlaubt eine nachhaltige Nutzung. Demnach ist die Aussage der SPD in ihrem Antrag nicht nachvollziehbar und beruhte auf Unkenntnis der tatsächlichen Sachlage.
Auch wenn für viele Arten die Lebensraumzerstörung die Hauptbedrohung darstellt, schwächen Naturentnahmen für den Handel die ohnehin schrumpfenden Wildbestände noch weiter.
Das Hauptproblem ist und bleibt die Zerstörung der Lebensräume. Ein Importverbot von Wildfängen würde diese Problematik noch verstärken. Einerseits bieten die in Menschenhand gehaltenen exotischen Tiere ein gewisses „Botschafterpotential“. Unsere Gesellschaft ist stark von der Natur entfremdet (was z.B. panische Anrufe bei der Polizei nach dem Fund einer harmlosen einheimischen Blindschleiche zeigen). Wie sollen z.B. Kinder und Jugendliche einen Sinn für die Natur und ein Interesse für die Lebensräume von Tieren wie z.B. Vogelspinnen und Schlangen entwickeln, wenn sie diese Tiere niemals direkt kennenlernen können, sondern nur in Hollywood-Streifen als gefährliche Monster erleben?

Außerdem würde ein Verbot von Importen so manchen Lebensraum zusätzlich gefährden. Wenn z.B. die Bevölkerung eines Landes mit gefangenen und anschließend exportierten Wildtieren ihren Lebensunterhalt verdient, schützt diese Bevölkerung logischerweise auch die Lebensräume der Tiere. Denn diese stellen ihr Kapital dar. Wenn dann die EU dem Wildtierimport einen Riegel vorschiebt, müssen diese Länder mit den zur Verfügung stehenden Flächen (z.B. Regenwäldern) anders wirtschaften. Es folgen Brandrodung und konventionelle Landwirtschaft, da der Wert der Wildtiere verloren gegangen ist.

Oder aber die Händler entdecken das Potential des Schmuggels. Durch bereits bestehende Ein- und Ausfuhrregelungen (z.B. durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen) kann die EU aktuell noch ihre Hand auf den Handel legen. Im Falle eines Verbots würde sich der Handel mit Exoten in den illegalen Untergrund verlagern und die Politik hätte keinerlei Einfluss mehr auf die Situation. Im Grunde wäre dies ein Arschtritt für sämtliche Artenschutzbemühungen.
Das Aussetzen nichtheimischer, insbesondere potentiell invasiver Arten durch überforderte Halter kann zu einer Faunenverfälschung mit negativen Auswirkungen auf die heimischen Arten führen.
Das Argument der Faunenverfälschung wird gerne von den Tierrechtlern und somit auch der SPD verwendet. Jedoch widersprechen sich die Urheber solcher Aussagen selbst. Einerseits wird behauptet, die Tiere seien total empfindlich und könnten in Gefangenschaft nicht überleben, da man ihnen als Halter nicht die Bedingungen bieten kann, auf die sich diese Exoten spezialisiert haben (z.B. große Hitze oder hohe Luftfeuchtigkeit). In einem Atemzug wird dann aber von Faunenverfälschung gefaselt. Wie können sich aber bitte Tiere, die in einem Terrarium mit den korrekten Haltungsparametern angeblich schnell zugrunde gehen, in unseren Klimazonen so stark vermehren, dass sie invasiv unsere Fauna bedrohen? Es mag vielleicht sein, dass manche Arten einen Sommer überleben können. Beim nächsten Winter ist jedoch schon wieder Schluss mit dem Spuk. Nur ein kleiner Teil der Arten kann theoretisch das ganze Jahr über in Deutschland überleben. Ob sich diese Arten jedoch auch vermehren können, ist bisher nur bei der Rotwangen-Schmuckschildkröte erwiesen.

Das Problem der Faunenverfälschung soll hier zwar nicht kleingeredet werden. Jedoch erlebe ich täglich ganz selbstverständlich, wie Katzen rumstreunen und (ebenfalls zum Teil geschützte) einheimische Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Amphibien und Wirbellose jagen und töten. Oder wie kommen eigentlich Goldfische in einen Tümpel unseres (als Naturschutzgebiet gekennzeichneten) Stadtwaldes, in dem es in diesem Jahr bisher noch kein einziges Gelege der dort im Vorjahr noch vorkommenden Erdkröte gegeben hat? Faunenverfälschung betrifft also auch andere Tierhalter! Und selbst durch den Warenhandel innerhalb der EU wandern Arten unwissentlich mit, welche das Potential zur Faunenverfälschung in sich tragen (dies sogar weitaus stärker, als die in Terrarien gehaltenen Exoten). Keine unserer Parteien käme auf die Idee, deswegen ein Handelsverbot mit anderen EU-Staaten zu fordern.

Nicht zuletzt liegt es auf der Hand, was einige Halter bei einem (von Tierrechtlern angestrebten) Haltungsverbot machen würden: Sie würden ihre Tiere aus Angst vor Beschlagnahmung einfach aussetzen. So geschehen bei der Apfelschnecke, als man diese in der Aquaristik aus Angst vor Faunenverfälschung verbot. Plötzlich hatten südliche Länder der EU exakt mit dem Problem zu kämpfen, welches sie durch ein Haltungsverbot dieser Süßwasserschnecke eigentlich verhindern wollten.
Der Verkauf von Wildtieren erfolgt über Tierbörsen, Baumärkte, Gartencenter, das Internet und über Zoogeschäfte. Oft unterbleibt dabei eine umfassende Beratung bezüglich der Haltungsansprüche oder es werden unüberlegte Spontankäufe gefördert, was insbesondere bei Wüsten-, Berg- und Regenwaldbewohnern mit ihren besonderen klimatischen Ansprüchen bzw. bei Nahrungsspezialisten oder langlebigen oder groß werdenden Arten zu erheblichen Tierschutzproblemen führen kann.
Dies mag in Einzelfällen zutreffen. Es läuft sicherlich nicht alles super in der Terraristik. Jedoch müsste die Politik sich hierbei Arbeit machen und die bestehenden Gesetze besser durchsetzen, um dafür zu sorgen, dass Tierhalter und das Personal im Handel sich bessere Kenntnisse aneignen bzw. besser geschult werden. Damit kann man sich natürlich nicht so schnell profilieren und Wähler sowie Lobbyisten werden nicht aussagekräftig überzeugt. Pauschale Einschränkungen eignen sich dafür natürlich immer besser, als sich den Problemen mit Sachverstand zu widmen. 
Einer Studie der Universität Leipzig zufolge sind bei 51 Prozent der Reptilien Haltungsfehler sowie bei weiteren 10 Prozent Ernährungsfehler nachzuweisen.
Diese Zahlen klingen natürlich erschreckend. Doch sollte man einmal näher betrachten, woher diese Zahlen eigentlich stammen: Diese Zahlen wurden aus einer Gruppe von 111 verendeten Tieren ermittelt, welche zur Aufklärung der Todesursache von ihren Haltern zur Untersuchung eingeschickt wurden. Somit ist das Ergebnis der Studie nicht repräsentativ für alle in menschlicher Obhut gehaltenen Exoten, weil bereits eine gewisse Vorauswahl zur Erhebung der Daten getroffen und lediglich die Ergebnisse eines Instituts herangezogen wurden.

Angenommen ich erhebe eine Studie in einem Hospiz für Krebspatienten und komme dadurch zu dem Ergebnis, dass 80 % der Patienten im ersten Jahr sterben. Mit dem Mund der Tierrechtler gesprochen könnte ich die Ergebnisse wie folgt darstellen: „Jedes Jahr sterben in Deutschland 80 % der Bevölkerung an Krebs!“ Kein halbwegs intelligenter Politiker würde wohl eine solche irrsinnige Interpretation von Ergebnissen einer Studie blind in einen Antrag an die Bundesregierung übertragen. Beim Thema Wildtierhaltung wurde dies jedoch offenkundig von der SPD-Fraktion getan!
In den Bundesländern bestehen keine bzw. uneinheitliche Regelungen zur Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand im Sinne der Gefahrenabwehr.
Dies ist korrekt und sollte daher mit politischem Sachverstand unter Konsultation der Fachverbände angefasst werden. Jedoch sollte die Politik dabei nicht zur Marionette dubioser Tierrechtsorganisationen werden! 
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die Einfuhr von Wildfängen für den kommerziellen Lebendtierhandel in die Europäische Union verboten wird, wenn es sich um gefährliche Arten handelt oder wenn die Tiere, insbesondere Reptilien, gefährliche Krankheitserreger, wie z. B. Salmonellen, in sich tragen;
Hier haben wir wieder das Schreckgespenst der Salmonellose, mit dem die SPD und die Tierrechtler gerne argumentieren. Fakt ist jedoch, dass bei sachgemäßer Handhabung der Tiere (Händewaschen nach Kontakt, kein Kontakt mit dem Mund etc.) keine Gefahr einer Ansteckung besteht. Reptilien sind als Salmonellenüberträger nicht mehr oder weniger gefährlich als rohe Eier oder ein Stück rohes Hühnerfleisch in der Küche. Aber auch diese würden die Tierrechtler sicherlich aus den Küchen verbannen, wenn sich die Politik darauf einlassen würde. Nur seltsamerweise hat die SPD gegen den Handel mit Geflügelprodukten trotz Salmonellengefahr nichts einzuwenden.
4. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die EU-Importe aller Wildtiere artspezifisch erfasst und entsprechend dem Vorsorgeprinzip auf ihre Nachhaltigkeit hin geprüft werden.
Damit macht sich die SPD lächerlich. Eine solche Regelung gibt es in Form der drei Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens bereits.
7. strenge Auflagen für die tierschutzkonforme Durchführung von Tierbörsen zu erlassen;
Auch dafür gibt es bereits die „Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Gesichtspunkten des Tierschutzes“ vom Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Wohl bemerkt interessiert die SPD nicht der Bezug auf exotische Tiere. Denn anschließend heißt es:
8. den Verkauf von Wildtieren über Tierbörsen zu verbieten;
Also bleiben auf den dann noch erlaubten Tierbörsen lediglich domestizierte Tiere übrig. Fachbörsen wie die Terrarisika (auf denen es auch um den Austausch von Fachwissen, Abgabe von Nachzuchten und somit um Artenschutz geht) wären demnach nicht mehr erlaubt.

Beim Lesen dieses SPD-Antrags fühle ich mich als Exotenhalter beleidigt und als Tierquäler und Tierverbraucher abgestempelt! Wie kann eine angebliche Volkspartei zum Instrument dubioser Tierrechtsvereine werden, sich über bestehende Artenschutzgesetze hinwegsetzen und die Artenschutzbemühungen engagierter Terrarianer mit Füßen treten, nur um sich selbst zu profilieren und Wählerstimmen bei den Leuten zu erschleichen, die mit ihrem „Fifi“ oder ihrer „Muschi“ auf dem Schoß ohnehin Vorurteile und Abneigungen gegenüber exotischen Tieren hegen?

Zur Europawahl lautet also meine Devise: Hingehen und wählen! Denn bei Nichtwahl erhält die SPD (gewissermaßen anteilig wie alle anderen Parteien auch) einen Vorteil. Die Grünen und die Linke blasen mehr oder weniger in dasselbe Horn, auch wenn sie es bisher noch nicht so deutlich ausgedrückt haben. Die CDU hat aufgrund des Kuhhandels mit der SPD in Form des Koalitionsvertrages einen Handlungsauftrag. Sachliche Verbesserungen in der Tierhaltung sind natürlich wünschenswert. Jedoch nicht aufgrund des Einflusses der fanatischen Tierrechtler! Dann also lieber eine kleine Splitterpartei wählen, damit die Stimme eine Bedeutung hat und der SPD und somit den radikalen Tierrechtslobbyisten nicht geholfen wird.

Donnerstag, 17. April 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Niedersachsen

Heute möchte ich einmal meine Meinung über die Regelung in Bezug auf die Haltung von (vermeintlich) gefährlichen Tieren in meinem eigenen Bundesland kundtun. In nachfolgenden Blog-Beiträgen werde ich mich auch zu den Regelungen anderer Bundesländer äußern.

Hier in Niedersachsen greift zu dieser Thematik die „Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere“ (GefTVO). 
§ 1
(1) Es ist verboten, nicht gewerblich Giftschlangen einschließlich der Nattern der Gattungen Dispholidus und Thelotornis, Giftechsen, tropische Giftspinnen und giftige Skorpione zu halten.
Dieser Absatz des ersten Paragraphen der Gefahrtierverordnung ist in vielen Punkten ungenau und meiner Meinung nach sogar ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Es wird nämlich ein Unterschied gemacht zwischen der gewerblichen und der privaten Haltung. Ein gewerblicher Halter hat jedoch nicht zwangsläufig eine bessere Sachkunde in Bezug auf die Haltung potentiell gefährlicher Tiere. Meist sind es sogar engagierte Privathalter, die das größere Fachwissen über die Tierarten haben, auf deren Haltung sie sich spezialisiert haben. Mit einer Unterscheidung zwischen gewerblich und privat wird nicht auf die Sachkunde der jeweiligen Halter eingegangen. Es wird pauschal behauptet, dass Gewerbetreibende grundsätzlich mehr Erfahrung haben. Eine solche Einteilung ist nicht objektiv und daher unfair und meiner Meinung nach grundgesetzwidrig.

Die Nennung der Gattungen der Giftnattern ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist die pauschale Nennung von Giftschlangen nicht deutlich genug. Hier sollte man ebenfalls Gattungen oder besser noch Arten aufzählen, um mehr Klarheit zu schaffen. Gleiches gilt für Giftechsen. Die Bezeichnung als „für den Menschen potentiell gefährliche Giftschlangen und Giftechsen“ wäre meiner Meinung nach gelungener, als die plumpe Bezeichnung „Giftechsen“. Die genaue Nennung von Gattungen oder noch besser von Arten wäre allerdings die deutlichste Form.

Bei den Wirbellosen wird es jedoch noch undeutlicher. Das Verbot der Haltung giftiger Skorpione schließt nahezu alle Skorpione ein. Lediglich die Haltung ungiftiger Pseudoskorpione wäre erlaubt. Arten wie z.B. der oft gehaltene Kaiserskorpion (Pandinus imperator) sind zwar mindergiftig, aber eben faktisch gesehen ebenfalls giftig und somit ist ihre private Haltung in Niedersachsen ohne Ausnahmegenehmigung laut § 1 (2) grundsätzlich verboten. Von einem Halter mit einer Gruppe dieser Kaiserskorpione, deren Giftwirkung vergleichbar mit einem Wespenstich ist, geht somit nach Wortlaut der Verordnung eine größere Gefahr für die Bevölkerung aus als von einem Imker mit mehreren Bienenstöcken. Dabei fliegen die Bienen sogar noch frei herum, während die Skorpione sicher in Terrarien untergebracht sind.

Das Verbot von tropischen Giftspinnen ist noch lächerlicher. Hier wird nicht auf die Giftwirkung und somit die potentielle Gefahr bestimmter Spinnen für den Menschen eingegangen, sondern die Einstufung als gefährliches Tier aufgrund des Lebensraumes vorgenommen. Abgesehen von z.B. Geißelspinnen sind die meisten Spinnen ebenfalls giftig. Der Großteil (z.B. nahezu alle Vogelspinnen, ausgenommen vielleicht die Blaue Burma sowie die Gattung Poecilotheria) ist für den Menschen jedoch vollkommen ungefährlich. Ihre Giftwirkung ist wieder mit einem Wespenstich zu vergleichen. Die private Haltung einer mindergiftigen und somit für Nichtallergiker harmlosen Vogelspinne aus den Tropen ist demnach in Niedersachsen eigentlich verboten. Die Haltung einer australischen Sydney-Trichternetzspinne wäre hingegen erlaubt, da diese nicht aus den Tropen stammt. Dass es sich bei ihr aber um die für uns Menschen wohl tödlichste Giftspinne der Welt handelt, sei mal nur am Rande erwähnt. Besonders bitter wird es dann, wenn man mit Beamten in Kontakt tritt, die sich total darüber wundern, dass auch harmlose Vogelspinnen giftig sind. Glücklicherweise relativieren viele Behörden dieses Verbot und machen die Aussage, dass mindergiftige Vogelspinnen nicht gemeint seien und daher ohne Sondergenehmigung gehalten werden dürfen. Hier muss ein Halter bei der jeweils zuständigen Behörde seines Landkreises nachfragen. Wobei selbst dies zu einem Treppenwitz ausufern kann, bei dem keiner auch nur ansatzweise eine fachkundige Ahnung hat.

Hinzu kommt noch, dass giftige Hundertfüßer in der Verordnung nicht genannt werden. Dabei ist ein Biss dieser Gifttiere für den Menschen unter Umständen sehr gefährlich, da diese Tiere die Giftmenge und Giftzusammensetzung variieren können. Nicht jeder Biss ist wie der andere. Hat man jedoch Pech, kann ein Biss ernste Folgen für die gebissene Person haben. Doch sei es drum. Die Haltung dieser Gifttiere ist in Niedersachsen nicht reglementiert.

Zusammenfassung was wirbellose Gifttiere bei wörtlicher Auslegung der GefTVO betrifft:
Mindergiftige Skorpione, deren Stiche denen von Wespen ähneln: Verboten!
Mindergiftige Vogelspinnen (sofern sie aus den Tropen kommen): Verboten!
Hochgiftige Spinnen (sofern sie nicht aus den Tropen kommen): Erlaubt!
Giftige Hundertfüßer: Erlaubt!                   
§ 2
Die nicht gewerbliche Haltung eines in der Anlage aufgeführten Tieres bedarf der Genehmigung. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn durch die Tierhaltung im Einzelfall die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird.
In besagter Anlage sind neben Raubkatzen, Bären etc. folgende für die Terraristik relevanten Arten gelistet. 
alle Arten der Echten Krokodile (Crocodylidae),
alle Arten der Alligatoren und Kaimane (Alligatoridae)
und der Gavial (Gavialis gangeticus)
Also lediglich Panzerechsen. Von Riesenschlangen ist in der Gefahrtierverordnung somit keine Rede. Einerseits lobenswert in Bezug auf harmlose Vertreter wie z.B. Kaiserboa oder Königspython. In Bezug auf z.B. Felsenpython oder Anakonda (die größten Vertreter unter den Riesenschlangen, die einem Menschen durch ihr Gewicht oder ihr Verhalten sehr wohl gefährlich werden können) sehe ich die fehlende Nennung bestimmter Riesenschlangen jedoch kritisch.

Fazit:
Eine Reglementierung zum Schutz der Bevölkerung finde ich grundsätzlich vernünftig. Auch eine bundeseinheitliche Regelung wäre wünschenswert, damit nicht in einem Bundesland ein Tier verboten ist, welches 2 km hinter der Bundeslandgrenze schon wieder erlaubt ist. Jedoch sollte für eine bundeseinheitliche Gesetzgebung das nötige Fingerspitzengefühl und Fachwissen bewiesen werden. Schwammige und zum Teil lachhafte Formulierungen wie „tropische Giftspinnen“ sind zu vermeiden. Auch sollten diese Regelungen dann für alle Tierhalter gelten und keine Unterschiede zwischen gewerblichen und privaten Haltern gemacht werden. Entscheidend ist bei den Tieren die Giftwirkung bzw. die potentielle Gefahr für den Menschen und bei den Haltern das Vorhandensein einer für die Haltung notwendigen Sachkunde sowie die sichere Unterbringung der Pfleglinge. Immerhin in diesen Punkten ist die Niedersächsische Gefahrtierverordnung durchaus vorbildlich umgesetzt worden. Die Liste mit gefährlich eingestuften Arten muss jedoch dringend überarbeitet werden, um Haltern und auch den Behörden Klarheit zu schaffen.

Aufgrund der Unfallstatistiken zähle ich Pferde, Hunde und Katzen ebenfalls zu den potentiell gefährlichen Tieren, weswegen ich neben einer Sachkundeprüfung für die Halter auch bei diesen Tieren eine stärkere Reglementierungen in Form von z.B. Leinenzwang im öffentlichen Raum für Hund und Katze, Auslauf von Katzen nur in privaten Anlagen und unter strikter Beobachtung sowie Ausritte von Pferden nur auf privaten oder speziell dafür freigegebenen Land- und Forstwegen fordere!

Donnerstag, 10. April 2014

Nachzuchtbericht: Blauer Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „azureus“)

Auf der 51. Terraristika in Hamm kauften mein Partner und ich eine 1.2 Gruppe von Dendrobates azureus. Zumindest trägt der Herkunftsnachweis diesen wissenschaftlichen Artnamen, welcher ebenfalls in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt ist. Der korrekte wissenschaftliche Artname lautet inzwischen aufgrund von neuen Forschungen eigentlich Dendrobates tinctorius „azureus“. Solange jedoch keine Revision der Anlage 5 BartSchV erfolgt, greift der gültige Schutzstatus zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Anlage 5 und somit auch die Befreiung von der Meldepflicht.

An dieser Stelle möchte ich mal über unsere ersten Erfolge bei der Nachzucht dieser Art berichten - auch in Hinblick auf die leidige Behauptung sogenannter Tierrechtler, dass exotische Tiere in Gefangenschaft eingehen und die Freiheit so viel besser wäre. Der Blaue Baumsteiger ist jedoch ein sehr gutes Beispiel, um die Vorteile der Vivaristik aufzuzeigen:

Paarungsverhalten & 1. Gelege
Nachdem sich die Gruppe in ihrem neuen Terrarium eingelebt hatte (nach ca. 2 Wochen) begann das Männchen tagsüber immer wieder mit einem leisen Quaken. Dies ist ein typisches Paarungsverhalten des Blauen Baumsteigers. Wenige Tage später beobachtete ich erstmalig, wie eines der Weibchen zusammen mit dem Männchen im Kelch einer der Bromelien saß, welche wir den Fröschen zur Verfügung stellten. Kurz darauf fanden sich im Kelch bzw. auf einem Blatt der Bromelie ein paar Eier, welche regelmäßig vom Männchen aufgesucht wurden. Laut der Literatur lässt es bei diesen Besuchen etwas Urin ab, welcher Pilzbefall vorbeugen soll.


Zu diesem Zeitpunkt wollten wir den Tieren noch selber die Aufzucht und Pflege der Gelege überlassen. Aus diesem ersten Gelege schlüpften schließlich auch mehrere Quappen. Wir konnten das Männchen beobachten, wie es die Quappen auf dem Rücken zu anderen Bromelien trug.

2. Gelege
Im Laufe der Zeit hatten wir jedoch den Eindruck, dass das Männchen mit der Pflege aller Quappen überfordert war. Hinzu kam, dass das andere Weibchen ebenfalls ein Gelege produzierte. Dieses diente vermutlich einer der Quappen als Nahrung. Um das Männchen nicht weiter zu stressen, entfernten wir das 2. Gelege und versuchten uns an der Aufzucht in einer Petrischale. Dieses Gelege ging jedoch aufgrund von Pilzbefall zugrunde, noch bevor sich sichtbare Veränderungen im Laich bemerkbar machten. Unter Umständen war es also unbefruchtet.

3. Gelege: 1. Nachzuchterfolg
Nach ca. 2 Wochen fanden wir erneut ein Gelege im Terrarium, welches wir ebenfalls für die Aufzucht außerhalb des Terrariums aus diesem entnahmen. Was aus den Quappen des 1. Geleges geworden ist, wissen wir bis heute nicht. Vielleicht hatte das Männchen schließlich die Versorgung eingestellt. Vermutlich wurden von ihm auch mehrere Quappen in eine Bromelie gesetzt und dort sind beide schließlich eingegangen. Die Kaulquappen produzieren nämlich Hemmstoffe, um die Entwicklung der Geschwister (und auch anderer Arten) zu bremsen. Daher versuchten wir uns erneut an der Pflege des Geleges außerhalb des Terrariums bei einer Temperatur von ca. 25 °C. Nachts fielen die Temperaturen teilweise auf 20 °C herab.

Drei der insgesamt fünf Eier gingen erneut aufgrund von Pilzbefall ein. Diese entfernten wir sofort. Zwei Eier veränderten sich jedoch mit der Zeit immer mehr. Im Inneren war nach wenigen Tagen schon eine Qualquappe zu erkennen. Nach 17 Tagen schlüpften schließlich die Quappen, welche wir in separate Kunststoffbecher mit niedrigem Wasserstand überführten.

Im Laufe der Zeit wurden die Quappen immer größer. Entsprechend der Größe füllten wir die Becher etappenweise mir mehr Wasser. Wir verwendeten abgestandenes Leitungswasser, welches wir mit 50 % destilliertem Wasser und einigen Seemandelbaumblättern vermischten. Der daraus entstandene Abguss diente als Aufzuchtswasser. Dieses Wasser wechselten wir etwa alle 5 Tage.

Die Quappen fütterten wir anfangs mit Spirulina, später mit Fischflockenfutter und roten Mückenlarven.


Die Entwicklung der einen Quappe stockte etwas. Sie brauchte letztlich stolze 7 Monate für die Entwicklung. Die zweite Quappe (die unter denselben Bedingungen gepflegt wurde) war nach etwa 4 Monaten fertig.


Zum Ende der Entwicklung (als sich die Vorderbeine als kleine Dellen abzeichneten) legten wir einen kleinen Stein als Ausstiegshilfe in das Wasser und verringerten den Wasserstand. Nötig ist das mit dem Stein bei Dendrobates tinctorius „azureus“ nicht unbedingt, weil diese Art auch die glatte Wand des Bechers hinaufsteigen kann. Wir wollten jedoch auf Nummer sicher gehen. Es handelte sich schließlich um unsere erste Nachzucht. Als die Vorderbeine schließlich durchbrachen, stellten wir auch die Fütterung ein, da der werdende Frosch in diesem Status seinen Schwanz zurückbildet und davon zehrt. 


Kurz darauf erfolgte der Landgang des Jungfrosches, den wir in einen kleinen Aufzuchtsbehälter umsetzten. Dort fütterten wir ihn mit Springschwänzen. Nach ein paar Wochen des Wachstums erfolgte der Umzug in das Terrarium mit den Elterntieren.

Fazit:
Dendrobates tinctorius „azureus“ - Eigene Nachzucht
Man sieht, dass die Nachzucht dieser Art gut gelingt, wenn die Haltungsbedingungen stimmen. Viele Tierrechtsorganisationen beeinflussen die Politik mit Aussagen wie „Exotische Tiere sterben in Gefangenschaft sehr schnell und lassen sich nicht dauerhaft pflegen und nachzüchten!“ Unsere Erlebnisse zeigen jedoch, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Die Elterntiere sind immer noch fit und zeigen keinerlei Degenerationserscheinungen. Einzig ihre Zutraulichkeit und den Verlust der Giftigkeit könnte man als Nebenwirkungen der Haltung in menschlicher Obhut bezeichnen. Schließlich handelt es sich bei ihnen ja auch schon um Nachzuchttiere und nicht um irgendwie geschmuggelten Wildfänge, denen es in freier Natur so viel besser gehen würde.

Und selbst diese romantische Vorstellung von der Freiheit, welche von Tierrechtlern propagiert wird, entspricht nicht der Wahrheit. Der Lebensraum von Dendrobates tinctorius „azureus“ wird massiv geschädigt. Es handelt sich bei diesen Tieren um eine Lokalform des Färberfrosches. Diese Lokalform kommt nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet in der Sipaliwinisavanne vor. Ihr Lebensraum wird systematisch von Jägern gerodet, um bessere Jagderfolge zu erzielen. Umso wichtiger ist es, dass der Blaue Baumsteiger in menschlicher Obhut gehalten und nachgezüchtet wird. Die Terraristik stellt somit eine Arche für das Überleben dieses Tieres dar - und sei es nur dadurch, dass durch aktive Nachzucht der Bedarf an (illegalen) Wildfängen und deren Marktwert reduziert werden.

Mittwoch, 2. April 2014

Wo kauft man seine Terrarientiere?

Wenn man seinen Bestand an Tieren erweitern oder eine erstmalige Anschaffung tätigen möchte (bereits eingerichtetes und auf Funktion geprüftes Terrarium vorausgesetzt!), bieten sich einem verschiedene Bezugsquellen. Diese möchte ich einmal vorstellen und meine persönliche Meinung dazu abgeben. Gegenstimmen sind (im Rahmen einer angemessenen Diskussion) im Kommentarbereich erwünscht: 

Zoofachhandel 
Im Zoofachhandel findet man inzwischen auch immer mehr Terrarientiere. Insbesondere die großen Ketten haben die Terraristik fest in ihrem Angebot integriert. Für die Beschaffung von Verbrauchsmaterialien wie Bodengrund, Lampen oder auch Futter (bei Lebendfutter jedoch oft mit Abstrichen) sind diese Geschäfte an sich gut geeignet.

Was den Kauf von Tieren betrifft, sollte man sich gerade in Zoofachgeschäften ausgiebig mit dem Personal unterhalten, um deren Sachkunde zu checken. Dies ist natürlich für Neulinge, die sich erstmalig ein Terrarientier anschaffen wollen, nicht ganz einfach. Die Beratung ist jedoch leider häufig mangelhaft, außer man gerät an einen Verkäufer, der privat selber leidenschaftlicher Terrarianer ist. Diese sind jedoch eher die Ausnahme.

Hier ein paar meiner eigenen persönlichen Erlebnisse als Kunde:
  • Falsche wissenschaftliche Artnamen an den Terrarien. Bei nachweispflichtigen oder gar meldepflichtigen Tieren würden die Dokumente somit unter Umständen Probleme bereiten. In meinem Falle war es einfach nur ein Ärgernis, als sich das gekaufte Phyllium giganteum im Laufe der Häutungen als Phyllium sp. entpuppte. 
  • Mangelnde Kenntnis des Fachpersonals. In einem konkreten Fall war ich auf der Suche nach ein paar Schnecken für mein Nano-Aquarium (ich pflege auch aquatische Wirbellose). Zuerst wollte man mir eine Rennschnecke verkaufen. Dank meiner Vorkenntnis wusste ich, dass diese aus dem Nano-Aquarium ausbrechen können, da sie zur Fortpflanzung Brackwasser aufsuchen (somit war mir auch klar, dass diese Schnecken mal wieder Wildfänge sein mussten). Als man mir dann stattdessen einen Wels zur Algenbeseitigung verkaufen wollte, war das Verkaufsgespräch vorerst gelaufen. Einen solchen Fisch für einen Nano-Cube? Artgerecht wäre das nicht! Ohne meine Vorkenntnis wäre also evtl. ein Wirbeltier in einem viel zu kleinen Aquarium untergekommen. Als ich dann zufällig in einem anderen Becken ein paar Blasenschnecken entdeckte, wollte ich diese eigentlich kaufen. Doch diese dienten laut Aussage des „Fachpersonals“ nur als Futter für einen Kugelfisch, der gerade nicht im Bestand war. Meine sarkastische Bitte: „Dann hätte ich eben gerne etwas Futter für meinen Kugelfisch!“, wurde mit einem Fingerzeig in Richtung der Fischfutterdosen quittiert.
  • Eine weitere Unkenntnis spielte sich beim geplanten Kauf eines Königspythons ab. Meine erste Nachfrage, ob es sich um eine deutsche Nachzucht handeln würde, wurde bejaht. Bei dem Preis des Tieres eigentlich unwahrscheinlich. Beim Blick in die Papiere entpuppte es sich dann auch als Farmzucht, welche mit Hunderten anderen Tieren in die EU eingeführt wurde.
  • Viele der Tiere im Zoofachhandel sind Wildfänge (also aus der freien Natur entnommene Exemplare). Insbesondere bei adulten Tieren sollte man skeptisch sein und nachfragen (wobei auch das keine Garantie ist, eine Nachzucht zu bekommen). Diese Wildfänge sind zwar legal importiert, aber dennoch aufgrund des Transportstresses in keinem guten Gesundheitszustand. Sie tragen häufig Parasiten in sich, die durch den Stress der ständigen Ortswechsel erst richtig Schaden anrichten können.
Von den Haltungsbedingungen in manchen Geschäften einmal ganz abgesehen. Einsiedlerkrebse in „Einzelhaft“, abgemagerte Kornnattern oder verendete Echsen habe ich in solchen Geschäften leider schon sehen „dürfen“. Die Tiere sind dort eben leider oftmals nur eine Ware. Ob man sich in solchen Situationen von seinem Mitleid überreden lassen sollte, beleuchte ich in einem anderen Post auf diesem Blog: Die Krux mit den Mitleidskäufen

Von einem Kauf von Tieren in Zoofachgeschäften kann ich somit eigentlich nur abraten. Ein härteres Durchgreifen des Gesetzgebers wäre angebracht. Dann wäre es mir wirklich lieber, wenn Zoofachgeschäfte mit Terraristikabteilung lediglich Zubehör und Futtertiere anbieten würden.

Züchter
Der Kauf direkt bei einem Züchter stellt definitiv die bessere Alternative dar. Insbesondere wenn man sich die Zucht- und Haltungsbedingungen direkt vor Ort anschauen kann. Züchter sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und können eine wirklich kompetente Beratung zu den Tieren geben.

Meinen größten Kritikpunkt stellt jedoch die Schönzucht bei manchen Tierarten dar. Wildfarbende Exemplare (also Tiere in ihren natürlichen Farben) mancher Arten fallen inzwischen eher als Nebenprodukt bei professionellen Züchtern ab und sind nicht mehr das Hauptaugenmerk der Zuchtbemühungen. Selbst diese wildfarbenen Tiere sind selten reinerbig, sondern tragen die meist rezessiven Gene der Designer-Farbvarianten in sich. Zwar sorgen die oft hohen Preise von Designer-Morphs schon einmal dafür, dass die Tiere nicht spontan gekauft und dann vernachlässigt werden. Auch Wildfänge sind hierbei ausgeschlossen. Dennoch geht es professionellen Züchtern bestimmter Terrarientiere nicht mehr vorrangig um die Erhaltungszucht der natürlichen Farbvarianten, sondern um die Gewinne beim Verkauf von farblich abweichenden Mutanten. Und diese Art der Produktion betrachte ich mit gemischten Gefühlen.

Börsen
Auf Börsen findet man sowohl private als auch professionelle Züchter. Hier verhält es sich ähnlich, wie bei meinen vorherigen Ausführungen zur Zucht. Der Nachteil auf Börsen ist zudem, dass man die Tiere nur in den Boxen betrachten und sich somit kein Bild von den tatsächlichen Haltungsbedingungen beim Züchter machen kann. Dennoch ist die Beratung auf Börsen allemal besser, als in Zoofachgeschäften. Wenn man sich im Vorfeld auf den Kauf eines bestimmten Tieres vorbereitet ((Quarantäne-)Terrarium steht bereit und man hat sich durch Literatur belesen) und dann auf der Börse mit dem Anbieter ins Gespräch kommt, kann man einen guten Kauf abschließen.

Ein nicht zu verschweigender Nachteil bei Börsen: Die Verlockung eines Spontankaufs ist groß. Wenn man schon eine Börse besucht, möchte man auch ein Tier mitnehmen. Dadurch landen viele Tiere leider in nicht gerade artgerechten Haltungsbedingungen. Hier sind die Anbieter gefordert, ihre Tiere nur in die Hände von Leuten zu geben, die einen sachkundigen Eindruck machen.

Internetversand
Bei Bestellungen im Internet gibt es im Grunde die gesamte Bandbreite an Anbietern. Sowohl Zoofachgeschäfte, gewerbliche Züchter als auch Privatpersonen bieten den Verkauf über das Internet inkl. Versand an.

Der größte Nachteil hierbei ist, dass man oftmals wortwörtlich die „Schlange im Sack“ kauft. Man kann sich nur selten ein Bild von den Haltungsbedingungen und dem Tier selber machen. Beratung bleibt leider ebenfalls zu oft auf der Strecke, wenn man erst am Kundendienst vorbei muss, um einen Experten zu sprechen. Auch die Versandbedingungen sind nicht immer eindeutig. Gegen den Versand über ein auf Tiere spezialisiertes Versandunternehmen ist nichts einzuwenden. Manche Anbieter verschicken ihre Wirbeltiere jedoch auch mit normaler Post! Der Zusatz „Express“ macht hierbei keinen Unterschied – es ist und bleibt tierschutzrechtlich bedenklich und von Versandunternehmen wie der DHL wird dies auch nicht gestattet. Einzig der Postversand von Wirbellosen ist erlaubt. Wenn diese Tiere dann jedoch unsachgemäß verpackt sind (z.B. Landkrabben in einem Beutel voller Wasser oder Spiderlinge in einer Heimchendose voller Erde) ist eine Lebendankunft ein Glücksspiel. Beides habe ich bereits erlebt und daher sehe ich den Versand über den normalen Postweg grundsätzlich kritisch

Der Versand nach Bestellungen im Internet stellt somit immer ein gewisses Risiko dar, wenn man an die falschen Anbieter gerät. Angesehen davon findet man im Internet eine große Auswahl an Tieren und kann auch Preise vergleichen.

Private Anbieter / Kleintieranzeigen
Manchmal handelt es sich hierbei um private Anbieter, die sich der Erhaltungszucht verschrieben haben und diese zu unterstützen halte ich für wichtiger, als irgendwelche Großhändler mit ihren Farbzuchten. Manche Terrarianer geben ihre Tiere auch wegen eines Umzugs oder wegen der Aufgabe ihres Hobbies ab. Daher sind hierbei oftmals günstige Preise zu finden oder noch das ein oder andere Zubehör abzugreifen. Bei einem Besuch beim Anbieter kann man sich ein Bild von den Tieren und ihren Haltungsbedingungen machen. Leider stößt man dabei hin und wieder auch auf nicht ganz so erfreuliche Dinge, die auf unzureichender Sachkunde der Halter beruhen. Nach solchen Besuchen erhofft man sich als leidenschaftlicher und tierlieber Terrarianer ebenfalls eine konsequentere Durchsetzung der bestehenden Gesetze seitens der Politik. Andererseits stößt man auch auf viele Terrarianer, die den Tieren ein artgerechtes Umfeld bieten, weswegen ein komplettes Verbot der Exotenhaltung total kontraproduktiv für den Tierschutz wäre.

Die Abnahme von einem privaten Halter (beispielsweise aufgrund eines Inserates im Internet) stellt den von mir favorisierten Weg der Anschaffung dar.

Tierheim / Auffangstation
Terrarientiere findet man in Tierheimen vergleichsweise selten. Diese an sich erfreuliche Situation resultiert leider daher, dass viele überforderte Halter, die nicht den Weg über eine Kleintieranzeige gehen, ihre Pfleglinge einfach aussetzen, wo diese dann aufgrund der klimatischen Bedingungen eingehen. Aufgrund von schlechter Haltung gehen viele Tiere auch schon direkt bei den Haltern ein. Manche Halter können jedoch über ihren Schatten springen und geben die Tiere in ein Tierheim oder direkt an eine auf Reptilien spezialisierte Auffangstation.

Dort kann man diese Tiere mitunter sogar kostenlos bekommen. Außerdem gibt man auf diesem Wege einem Tier eine Chance, welches der jeweilige Vorbesitzer nicht mehr halten wollte / konnte. Durch die Beschaffung eines Tieres aus einem Tierheim / einer Auffangstation unterstützt man auch nicht die Produktion von Tieren. Einerseits ist dies positiv zu betrachten, weil dann der Kommerzgedanke der Zoofachgeschäfte nicht unterstützt wird, welche Tiere nur als Ware betrachten. Dadurch landen langfristig gesehen auch weniger Tiere in miesen Haltungsbedingungen. Andererseits unterstützt man damit auch nicht unmittelbar einen Züchter bei der Erhaltungszucht. Viele dieser Tierheimtiere sind zudem auch schon sehr mitgenommen, kränkeln oder stehen am Ende ihres Lebens. Trotzdem ist der Weg zu einer solchen Einrichtung anzuraten, gerade vor dem Hintergrund, wenn man selber das jeweilige Tier nachzüchten möchte (was meiner Meinung nach das Hauptbestreben eines Terrarianers sein sollte).

Import aus dem Ausland
Der Import von Tieren aus dem Ausland ist schon eine sehr spezielle Beschaffungsmaßnahme. Die Gründe für einen Import können sein:
  • Import von Nachzuchttieren von professionellen Züchtern (z.B. aus den USA), die spektakuläre Farbvarianten gezüchtet haben, welche es in der EU noch nicht gibt. Diese Variante stellt den Großteil aller Importe dar.
  • Import von Wildfängen, die für die Auffrischung des Genpools zur Vermeidung von Inzuchtdepressionen bei noch nicht lange etablierten Terrarientieren benötigt werden.
  • Import von Wildfängen, die (noch) nicht nachgezüchtet werden können. An diesen Tieren werden die Nachzuchtbedingungen erforscht, um eine Erhaltungszucht in der Terraristik zu gewährleisten.
Alle genannten Varianten sind in meinen Augen für Neulinge relativ uninteressant. Einzig für Züchter oder fortgeschrittene Halter (im letzten Fall sogar nur für professionelle Halter und Forscher) ist dieser zumeist komplizierte Weg der Tierbeschaffung interessant.