Dienstag, 24. Juni 2014

Lüge der Deutschen Presse-Agentur über 200 beschlagnahmte Chamäleons

Foto: Nanosanchez
Es ist zwar schon ein paar „Tage“ her, aber Anfang 2012 bewies die Deutsche Presse-Agentur schon einmal, dass es ihr nicht um Aufklärung und sachliche Recherche geht, sondern dass sie im Stil bekannter Boulevardblätter Meldungen anderer Medien ungeprüft veröffentlicht. Bloß erst einmal schnell etwas veröffentlichen, fragen kann man ja später auch noch (wenn überhaupt). So hieß es bei FOCUS-Online (und in weiteren Nachrichtenportalen) ausgehend von einer dpa-Pressemeldung: 
200 Chamäleons in Belgien beschlagnahmt

„Nur für 14 der 204 Chamäleons lagen Papiere vor.“

Das Terraristik-Fachmagazin REPTILIA hatte damals zeitnah selber recherchiert und dabei herausgefunden, dass die Angaben vertauscht wurden. Vom süddeutschen Empfänger wurden insgesamt 190 Chamäleons bestellt. Für diese Tiere lagen auch die notwendigen CITES-Papiere (3 Stück à 50 Tiere und 1 Stück mit 40 Tieren) vor, deren Kopien im Fachmagazin abgedruckt wurden. 190 Tiere wurden somit vollkommen legal gehandelt. Der Exporteur hatte versehentlich jedoch 14 Tiere zu viel verschickt. Dies fiel ihm laut Aussage des Artikels nach einer Kontrolle seiner Ausfuhrlisten sogar noch selber auf, die Lieferung war aber zu diesem Zeitpunkt schon beim belgischen Zoll. Der Händler wurde verwarnt, die Tiere trotzdem beschlagnahmt und in einen belgischen Zoo gebracht. Dass dieser den 204 Chamäleons direkt artgerechte Bedingungen bieten konnte, wage ich aber ein wenig zu bezweifeln.

Von dieser sensationsgeilen Verdrehung der Tatsachen der belgischen Presse, welche die Deutsche Presse-Agentur blind übernahm und weiter streute, mal ganz abgesehen: Das Beispielbild des Artikels zeigt kein Chamäleon, sondern eine Agame - deutlich zu erkennen an den Augen und den nicht vorhandenen Greifhänden. 

Dass die Deutsche Presse-Agentur ohnehin nicht viel Ahnung von Chamäleons hat, zeigt auch dieser aktuelle Artikel: Viele Halter wissen zu wenig über exotische Tiere

Offenbar wissen selbst die sogenannten „Experten“, die von der dpa für die Meldungen regelmäßig herausgekramt werden, herzlich wenig über diese Tiere. In der Meldung heißt es nämlich stumpf vom Deutschen Tierschutzbund nachgeplappert: „Exoten wie das Jemen-Chamäleon dürfen nicht in allen Bundesländern gehalten werden.“ Das stimmt nicht. Die Artenschutzgesetze, die auf Chamäleons zutreffen, haben bundesweite Gültigkeit. Ob man nun in NRW oder in Hessen ein Chamäleon hält, macht generell keinen rechtlichen Unterschied. Lediglich bei Gefahrtieren gibt es unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesländern. Chamäleons sind jedoch vernünftigerweise nirgendwo in der Bundesrepublik als gefährliche Tiere eingestuft. Demnach gibt es auch kein Bundesland, welches die Haltung dieser Tiere von Grund auf verbietet.

Literatur: REPTILIA 93, Terraristik im Kreuzfeuer, Februar/März 2012

Freitag, 20. Juni 2014

Pressemeldung über neue Tierheimstudie vom Deutschen Tierschutzbund e.V.

Gestern veröffentlichte der Deutsche Tierschutzbund eine Pressemeldung, in der neue Ergebnisse einer Tierheimbefragung in Bezug auf abgegebene Reptilien dargestellt werden. Nachdem sich der erste Rauch der einseitigen Propaganda des Vereins bei sternTV etwas gelegt hat, versuche ich einmal unvoreingenommen die Ergebnisse zu betrachten. Die vollständige Pressemeldung des Tierschutzbundes kann hier nachgelesen werden.

Die einleitenden Sätze mit den Aussagen zu kleinen Plastikboxen und Schnäppchenpreisen habe ich wohl schon in meiner Nachbetrachtung zur sternTV-Sendung hinreichend kommentiert.

„dreiviertel der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierschutzvereine mussten in den letzten fünf Jahren Reptilien […] aufnehmen – insgesamt hochgerechnet 30.000 Tiere in den letzten fünf Jahren.“


Interessant. Zum Vergleich habe ich ebenfalls mal eine Hochrechnung gestartet. Grundlage meiner Erhebung sind die Angaben der Seite www.tiervermittlung.de, einer Datenbank von Tieren aus Tierheimen, ausgesetzten Tieren sowie Tieren in Not. Die Datenbank kann von jedem Internetnutzer besucht werden. Die Anzeigen der letzten 7 Tage (13.06. bis 19.06.2014) geben folgende Anzahl an Tieren an:

2889 Hunde
386 Katzen
11 Nagetiere
2 Reptilien
1 Pferd
0 Vögel
6 Sonstige

Wenn ich diese Ergebnisse von 7 Tagen auf einen Zeitraum von 5 Jahren (1826 Tage) hochrechne, komme ich auf die folgenden Ergebnisse:

753.616 Hunde
100.691 Katzen
2.869 Nagetiere
522 Reptilien
261 Pferde
0 Vögel
1565 Sonstige

Hierbei werden nun zwei Dinge deutlich:
Einerseits die Problematik bei Hochrechnungen mit einer kleinen Datenmenge. Zeiträume mit einer höheren Aussetzrate von Tieren z.B. zur Urlaubszeit werden evtl. gar nicht oder ganz gezielt beachtet. In der Ferienzeit käme somit ein gänzlich anderes (höheres) Ergebnis zustande als bei einer Hochrechnung mit Daten z.B. aus dem Winter, wenn nur die krassesten Tierhalter ihre Tiere aussetzen. Durch Festlegung der Ursprungsdaten kann man also eine Hochrechnung so durchführen, dass durch die Ergebnisse genau die Argumente bestätigt werden, die man als Wahrheit beweisen möchte. Weil selbst in hundert Jahren rechnerisch kein einziger Vogel in meiner dargestellten Hochrechnung auftauchen würde, ist der fehlende Bezug zur Realität jedoch deutlich erkennbar. Gleiches trifft auch auf die Hochrechnungen des Tierschutzbundes zu. Solange der Verein nicht angibt, welcher ursprüngliche Zeitraum auf 5 Jahre hochgerechnet wurde, bleibe ich bei der veröffentlichten Angabe sehr skeptisch. Vielleicht wurden die Tierheime ja sogar gezielt nach den Monaten gefragt, in denen am meisten Reptilien abgegeben wurden und diese Daten dann einfach auf 5 Jahre hochgerechnet. Aber ich wäre nicht der Autor dieses Blogs, wenn ich dies nicht beim Deutschen Tierschutzbund nachfragen würde. Im Falle einer Antwort gibt es wie üblich hier einen Nachtrag mit ergänzenden Informationen.

Auf der anderen Seite zeigt meine Hochrechnung trotz ihrer geringen Aussagekraft über die Realität eine deutliche Tendenz. Zähle ich die sonstigen, nicht näher definierten Tiere (neben vermutlich Fischen und Amphibien auch Patenschaften für Primaten) und die Reptilien zusammen und gebe diesen Anteil an „Exoten“ im Vergleich zu den domestizierten Tierarten an, komme ich auf einen Anteil von gerade einmal 0,2 %. Also zu einem vergleichsweise niedrigen Anteil. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man, wenn man einzelne Tierheimstatistiken (die im Internet zu finden sind) anschaut und vergleicht. Das Tom-Tatze-Tierheim vom Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf und Umgebung e.V. gibt z.B. in seinem Jahresbericht 2012 eine Anzahl von 338 aufgenommenen Tieren an. Exotische Reptilien machen einen Anteil von 2,1 % aus, Hunde und Katzen hingegen 63,9 %. Auch der vom Tierschutzbund verkündete Anstieg an Exoten ist kein Einzelphänomen. So zeigen die Jahresberichte des Tierschutzvereins Altentreptow e.V., dass sich der Anteil an Katzen zwischen 2008 und 2013 mehr als verdoppelt hat (73 Katzen in 2008 zu 180 Katzen in 2013). Wo bleibt also die Forderung nach einem Führerschein für Katzenhalter oder gar nach einem Verbot der Katzenhaltung grundsätzlich? Jedes einzelne Tier, das wegen eines überforderten Halters abgegeben oder gar ausgesetzt wird, ist natürlich sehr tragisch und dass viele Tierheime aufgrund fehlender Sachkunde oder wegen des nötigen Platzbedarfes mit Terrarientieren überfordert sind, möchte ich auch keinesfalls abstreiten. Von einem „Fass ohne Boden“ kann jedoch bei diesen Tieren in Anbetracht der Anzahl an klassischen Haustieren keine Rede sein. Solange die offensichtlichen Missstände bei Tausenden von Hunden, Katzen und Nagetieren nicht angepackt werden, ist die Argumentation des Deutschen Tierschutzbundes einfach nicht nachvollziehbar.

„Die Bundesregierung muss ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag - also Regelung des Handels und der Haltung von Wildtieren, Einfuhrverbot von Wildfängen und Verbot gewerblicher Tierbörsen - zügig umsetzen.“

Ich bitte den Tierschutzbund mit solchen Forderungen vorsichtig zu sein. Wenn die Politik ihre Entscheidungen zügig und im Eilverfahren durchsetzt, kommt selten etwas Gutes dabei raus. Politische Entscheidungen sollten abgewogen werden. Wobei es bei einem Verbot natürlich nicht viel abzuwägen gibt.

„Oft unterschätzen Tierhalter die Kosten, das Lebensalter und die Endgröße der Tiere.“

In diesem Punkt stimme ich dem Tierschutzbund grundsätzlich zu. Ich selbst habe schon Reptilien aus schlechter Haltung gesehen oder diese zum Teil sogar in meinen eigenen Bestand aufgenommen: eine Dreiecksnatter mit starken Vernarbungen und Häutungsproblemen, einen aufgrund ständiger Weitergabe gestressten Tokeh sowie ein Bartagamenpärchen mit ausgerissenen Krallen, beginnender Rachitis, anderen Verletzungen und mehreren unterschiedlichen Parasiten. Alle (!) diese Tiere sind bei mir jedoch (soweit möglich) wieder genesen, was aufzeigt, dass die Haltung dieser Tiere mit der nötigen Sachkunde (die ich nicht primär über das Ablegen einer Prüfung, sondern über das Studieren von Fachliteratur und den Austausch mit anderen Terrarianern definiere) problemlos möglich ist. Trotzdem zerreißt es auch mir das Herz, wenn ich leidende Reptilien sehe und mit „leidend“ meine ich gewiss nicht das bisschen Börsenstress, sondern langfristig schlechte Haltung. Der springende Punkt ist, dass man nicht alle Halter über einen Kamm scheren darf. Wenn der Tierschutzbund ein grundsätzliches Haltungsverbot fordert, legt er sich auch mit den fachkundigen Leuten in der Terraristik an. Dabei ist ein gemeinsamer Konsens gegeben und eine Zusammenarbeit, diese Missstände bei uninformierten Haltern anzupacken, sicherlich möglich. Doch die pauschalen Forderungen und die auf Unwahrheiten und Falschdarstellungen beruhenden Attacken des Deutschen Tierschutzbundes und anderer Tierrechtsvereine gegen die Exotenhaltung, lassen diese Zusammenarbeit wohl leider nicht zu. Am Ende zum Leidwesen der Tiere. Ich würde meine Energie sehr gerne wieder in Haltungsbeschreibungen stecken, um mein Fachwissen über diesen Blog zu teilen, doch das ständige Pressegeschehen, auf das man schnellstmöglich reagieren sollte, macht dies leider derzeit unmöglich. Irgendwie total widersinnig!

„Gleichzeitig ist es viel zu leicht diese Wildtiere zu bekommen, wie Bilder in der aktuellen Ausgabe von stern TV erneut belegen. Die Beliebtheit der Wildtiere wird ihr Verhängnis, denn sie leiden unter der oft nicht fachgerechten Haltung.“

Klassische Haustiere kann man ebenfalls ganz einfach im Zoofachhandel für wenig Geld erwerben. Da aber das Wiederholen von Argumenten langweilig ist, möchte ich in diesem Zusammenhang einmal aus meiner persönlichen Kindheit berichten, die dies verdeutlicht: Ich war schon immer von Reptilien, Insekten und Spinnen begeistert. Nach Besuchen z.B. in einer Insektenausstellung oder der Schmetterlingsfarm in Steinhude wollte ich schon als Kind gerne Gespenstschrecken oder eine Gottesanbeterin halten, um diese zu studieren. Davon war meine Mutter jedoch nicht begeistert. Nach langem Hin und Her bekam ich zum Geburtstag ein Tier geschenkt. Jedoch keines, welches mich wirklich interessierte. Es war ein Kaninchen. Zwar kann ich nicht behaupten, dass ich dieses Tier nicht auch irgendwie mochte oder so, aber mit Säugetieren war ich noch nie so wirklich dicke. Das Tier wurde von mir mit der Zeit immer mehr vernachlässigt, was mir zwar im Nachhinein leidtut, aber eben mit dem nötigen Abstand als Erwachsener irgendwie auch logisch erscheint, weil ich ein solches verspieltes Fellknäuel schließlich nie pflegen wollte. Das Tier wurde schließlich von uns wieder abgegeben. Als ich dann endlich meine eigenen Entscheidungen treffen konnte und von zuhause ausgezogen war, schaffte ich mir mein erstes Wunschtier an: eine Vogelspinne, gezielt erworben auf einer Börse. Und diese ist auch heute noch seit nunmehr 8 Jahren in meinem Besitz und erfreut sich bester Gesundheit. Mit dieser Spinne begann meine Leidenschaft für Terrarientiere. Es kommt also weniger darauf an, wie leicht oder wie schwer man ein Tier erwerben kann, sondern ob man sich dafür begeistert. Die Aussage „Die Beliebtheit der Wildtiere wird ihr Verhängnis“ ist also einfach nicht richtig! Fälle, in denen ein Spontankauf vielleicht zu keiner solchen Leidenschaft führt, kommen sicherlich auch vor. Aber das passiert eben auch bei allen anderen Heimtieren und nicht nur bei Exoten. Wenn also den Terrarianern durch Börsenverbote der Erwerb von Tieren erschwert wird, sollten auch Zoofachgeschäfte keine Tiere mehr anbieten dürfen. Denn dann können Eltern auch keine Tiere mehr für ihre Kinder kaufen, die damit aufgrund fehlender Leidenschaft vielleicht nichts anfangen können und die Tiere u.U. in engen Käfigen (Kaninchen) oder wegen ständiger Tagesaktivitäten (Hamster) sogar noch mehr leiden, als eine Schlange, die fast nur in ihrem Versteckt liegen bleibt. Das wäre immerhin fair, wenn auch nicht wünschenswert, da dann bei der Kindeserziehung viel am Erleben von Empathie und Naturverständnis verloren gehen würde.

„In den letzten fünf Jahren mussten die über 700 Mitgliedstierschutzvereine hochgerechnet 30.000 Reptilien aufnehmen.“

An dieser Stelle wird der Tierschutzverein ja dann doch noch etwas konkreter. Dann wollen wir das mal zurückrechnen: 30.000 Reptilien in 700 Tierschutzvereinen… das macht… etwa 9 abgegebene Reptilien pro Tierschutzverein in einem Jahr. Oh Wunder, dies deckt sich mit den oben genannten Angaben im beispielhaft von mir genannten Tom-Tatze-Tierheim. Dort waren es 1 Gecko und 6 Schildkröten im Jahr 2012. Rechnen wir jetzt doch mal die 160 Katzen dieses Tierheims beispielhaft hoch: 160 Katzen pro Verein in 700 hypothetischen Vereinen in 5 Jahren macht… 560.000 abgegebene Katzen. Über eine halbe Million! Die 30.000 Reptilien (so schlimm das auch sein mag) wirken dagegen geradezu nichtig. Auch wenn ich damit nicht die Arbeit der Tierheime mit diesen Tieren als nichtig bezeichnen möchte. Die Anteile stehen nur in keinerlei Verhältnis; Hunde, Meerscheinchen und Co. sogar noch nicht mit einbezogen! Graphisch sieht das dann so aus:
 
 
Was bleibt ist eine einseitige Pressemeldung, welche den Anteil an Exoten in Tierheimen mit statistischen und populistischen Klimmzügen als sehr hoch darstellt, jedoch einiges an Fakten zur Gesamtsituation der Heimtierhaltung unterschlägt. Aber es gibt ja immer auch die Möglichkeit, eine eigene Pressemeldung* herauszugeben: >>>klick mich<<<

 
*Diese Meldung soll nicht die Haltung von anderen Tieren ins schlechte Licht, sondern lediglich die Haltung von Exoten ins rechte Licht rücken.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Nachbetrachtung: Bericht über Exotenhaltung bei sternTV

Am gestrigen 18.06.2014 um 22:15 Uhr ging es bei sternTV auf RTL um das Thema: 
Die Vorschauberichte zu dieser Sendung zeigten schon, in welche Richtung die ganze Diskussion gehen sollte und dass der Boulevardsender RTL mit seinem Sensationsformat sternTV gerne mal Panik verbreitet, ist ohnehin bekannt. Die geladene „Expertin“ und Tierärztin vom Deutschen Tierschutzbund Dr. Henriette Mackensen hört sich natürlich erst einmal seriös und kompetent an. In Berichten aus der Vergangenheit hat diese Person jedoch schon mehrfach bewiesen, dass es ihr und ihrem Verein weniger um wissenschaftliche Fakten, als um ideologische Glaubenskriege geht. Frau Doktor kehrt gerne alle Exotenhalter über einen Kamm und fordert ein generelles Exotenverbot, statt sich den Problemen (die bei jeder Art der Tierhaltung in Einzelfällen vorkommen und z.B. durch den oftmals nicht sachkundigen Zoofachhandel verstärkt werden) mit Sachverstand anzunehmen. Stattdessen attackiert diese Frau mit ihren Konsorten auch die Züchter und Halter, die kompetent und artgerecht mit ihren Tieren umgehen. Emotionalisierter Tierschutz ist hier die Devise. Als Gegenstimme war Heiko Werning, ein deutscher Reptilienforscher, Autor mehrerer Fachbücher und Chefredakteur der Terraristik-Fachmagazine REPTILIA, TERRARIA und DRACO, geladen. Eingeleitet wurde das Thema von einem voreingenommenen Steffen Hallaschka, der mit Aussagen wie „Auf Börsen verramschen dubiose Händler diese Tiere wie Billigware zu Tiefstpreisen“ einen Film über die Gegebenheiten auf der Terraristika in Hamm und die Situation in deutschen Tierheimen in Bezug auf abgegebene und ausgesetzte Exoten ankündigte.

Zu Beginn des Filmes wurden kurze Aussagen einzelner Personen gezeigt, welche den Zuschauer schon einmal in eine negative Grundhaltung gegenüber der Exotenhaltung versetzen sollten. Es fielen Aussagen wie „Die Tiere sind eingepfercht in kleinen Boxen“ oder „Ein neues Möbel musste ins Wohnzimmer und daher musste die Schlange eben weg.“ Damit wurden schon einmal grundsätzlich alle Händler und Halter pauschal als Tierquäler dargestellt. Das gezeigte Bildmaterial mit Pfeilgiftfröschen in kleinen Plastikboxen, während dramatisch inszenierte Musik aus den Lautsprechern schallte, tat sein Übriges zur negativen Ausrichtung der Berichterstattung bei. Diese emotionale Vermenschlichung von Tieren und die Argumente der Tierrechtler in Bezug auf Börsen sind uns ja inzwischen gut bekannt. Es folgten einige wirklich sachliche Anmerkungen einer Tierheimmitarbeiterin und direkt darauf die als kompetente Expertin angekündigte Frau Dr. Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund, die dem Zuschauer mit kindlicher Stimmlage erklärte: „Eigentlich müssten Tierbörsen verboten werden. Es wäre für die Tiere besser, es gäbe solchen Börsen nicht mehr.“ 

Im Anschluss wurde die von ihr kritisierte Terraristika mit versteckten Kameras besucht und einzelne dort angebotene Tiere im Steckbrief vorgestellt, angefangen mit einer Boa constrictor. Dieses Tier wurde als 3 m lange Schlange vorgestellt, die besonders gefährlich für Kleinkinder sei und Salmonellen überträgt. Auf Nachfrage von Frau Doktor beim verantwortlichen Verkäufer, ob ein solches Tier etwas für ihre Tochter sei, äußerte der gezeigte Händler keine Bedenken. Der Offsprecher ertönt: „Eine Boa constrictor im Kinderzimmer!“ Meine Anmerkung dazu lautet, dass es für Bedenken auch gar keinen nennenswerten Grund gibt, auch wenn das auf Außenstehende ohne Kenntnis vom Verhalten dieser Schlange vielleicht etwas befremdlich wirken mag. Es wurde nicht deutlich, um welche Unterart von Boa constrictor es sich genau handelte und somit, ob die Tiere am Ende tatsächlich die genannte 3 m – Marke hätten erreichen können. Von einem großen Hund, der frei in der Wohnung herumläuft und in direkten Kontakt zu den Kleinkindern gerät, geht mehr Gefahr aus, als von einer Riesenschlange, die sich in einem verschlossenen Terrarium befindet. Die erneut ausgekramte Gefahr einer Salmonelleninfektion ist für ein Kind nicht größer, als beim Abschlecken von Mamas frischem Kuchenteig vom Rührstab oder die Infektionsgefahr, wenn das Kind am Schwanz einer Katze zieht und diese es mit einem hochinfektiösen Biss quittiert. Davon mal ganz abgesehen fragte die Tierschützerin nach einer Schlange für die Tochter, nicht jedoch nach einer Schlange für ein Kleinkind. Es folgte ein deutlicher Schnitt im Film. Vielleicht ging das Verkaufsgespräch noch weiter und sie erläuterte dem Verkäufer, dass ihre Tochter mit dem Schlangenwunsch bereits 16 oder 17 Jahre alt sei. RTL schneidet es jedoch so, dass der Zuschauer von einer Schlange im Kinderzimmer eines Kleinkindes ausgeht. Das ist typische Arbeitsweise dieses Senders.

Als sich die Expertin bei dem Boa-Verkäufer nach den (laut Börsenordnung vorgeschriebenen) Infoblättern erkundigte, antwortete dieser, dass sie sich die nötigen Infos im Internet über Google besorgen könne. Als der Chef des Verkäufers schließlich dazukam, der Frau Mackensen erkannte und als radikale Tierschützerin entlarvte, wurde plötzlich ein solches Infoblatt ausgehändigt. Dies ist ein offensichtlicher Missstand, den auch ich nicht gutheißen oder schönreden will und bereits in meiner eigenen Nachbetrachtung zur letzten Terraristika (bei der die Dreharbeiten offenbar ebenfalls entstanden) kritisierte. Es zeigt, dass manche Händler diese Infoblätter nur als Absicherung gegenüber den Börsenordnern oder gar im Falle von Kritik seitens Tierschützern in der Tasche haben, nicht jedoch im Sinne des Tierwohls an die Käufer weitergeben. Dies geht so nicht! Andererseits weiß man auch nicht, wie viele Händler von RTL aus dem Bericht herausgeschnitten wurden, die das Infoblatt direkt parat hatten. Bei einseitiger Berichterstattung liegt der Verdacht jedenfalls auf der Hand, dass die positiven Fälle auf der Börse bewusst rausgeschnitten wurden.

Nachdem Frau Mackensen also das erste Mal entlarvt wurde, ging es weiter zum nächsten Stand. Dort wurde das Jemenchamäleon vorgestellt. Es soll 60 cm groß werden und schwierig zu halten sein. Außerdem handele es sich um eine geschützte Art. Von den Chamäleons ist diese Art allerdings das wohl noch am einfachsten zu haltende, aber meiner Meinung nach ist es für Neulinge in der Reptilienhaltung tatsächlich nicht als Einstiegsart zu empfehlen. Von extrem schweren Haltungsbedingungen, wie in der Sendung verlautet wurde, kann jedoch keine Rede sein. Weiter im Film: Der ausländische Händler erschwerte aufgrund der Sprachbarriere laut Aussage der „Expertin“ die Kommunikation. Auch dies ist mir bei meinem letzten Besuch auf der Terraristika aufgefallen, da ich erstmalig selber in eine solche Situation kam. Berechtigten Grund für eine kritische Anmerkung möchte ich Frau Mackensen somit in diesem Punkt nicht absprechen. Laut der nachgesprochenen Stimme des Verkäufers müsse man diese Tiere nur jeden Tag füttern und bräuchte nur noch ein Terrarium. Sonst sei nichts zu beachten. Sollten tatsächlich diese Aussagen vom Verkäufer getätigt worden sein, ist dies unter aller Kanone! Aber ob dies wirklich der Fall war, lässt sich aufgrund der nachgesprochenen Stimme des Offsprechers leider nicht feststellen. Gerade bei einem ausländischen Anbieter geht der Sender kein großes Risiko ein, wenn er die gesprochenen Worte... sagen wir mal ein wenig anders formuliert. Bei dem gezeigten Händler wären die nötigen Papiere für das Tier den Testkäufern jedenfalls mitgegeben worden, Papiere vom Kunden bräuchte er keine. Dies stimmt soweit. Er benötigt lediglich die Anschrift des neuen Halters, damit er das verkaufte Tier bei seiner Meldebehörde abmelden kann. Im normalen Verkaufsgespräch die Adresse direkt zu erfragen, wäre aber unsinnig gewesen, daher gibt es keinen weiteren Anlass für Kritik bei diesem Händler. Dass sich hier besonders auf den Artenschutzaspekt konzentriert wurde, war übrigens nicht gut von der Tierschützerin durchdacht. Interessanter wäre diese Frage wohl auch bei dem „dubiosen“ Boa-Verkäufer gewesen, weil die Boa constrictor ebenfalls unter Artenschutz steht. Dies war der „Expertin“ aber wohl offenbar nicht bekannt.

Das nächste Tierportrait wurde nach einem Abstecher in den Gifttierraum der Börse gezeigt. Es handelte von der Gabunviper, welche 2 m lang und 10 kg schwer wird und ein für den Menschen tödliches Gift erzeugen soll. Dies stimmt zwar grundsätzlich, wurde jedoch einseitig erläutert, um Angst vor diesem Tier zu schüren. Die Gabunviper wird zwar sehr groß, ist dadurch aber ebenso träge und zeigt zudem kaum Aggressivität gegenüber dem Menschen. Zwar kann ein unbehandelter Biss für den Menschen tödlich enden, Todesfälle durch Giftbisse dieser Art sind bisher jedoch keine bekannt. Dies hätte der Vollständigkeit halber ebenfalls gesagt werden können. Auf die plumpe Frage der Reporterin: „Kann ich dieses Tier einfach so mitnehmen?“, antwortete der Händler verdutzt: „Ich hab’ nicht verstanden... Mitnehmen?“ Was anderes wäre mir bei einer Kundin mit so komischen Suggestivfragen wohl auch nicht eingefallen. Es folgte ein weiterer verdächtiger Schnitt und dann die Aussage des Händlers: „Ja, mit dieser Box. Kein Problem.“ Aufgrund der vielen Nachfragen erschienen plötzlich Börsenordner auf der Bildfläche und baten die als Kunden getarnte Tierschützerin und die Reporter des Senders nach draußen. Vorher wurden noch die Taschen kontrolliert, die Kameras jedoch (leider) nicht gefunden. Auf Nachfrage von Frau Doktor, warum sie überprüft würden, antworteten die Ordner: „Mehrere Händler haben den Verdacht geäußert, dass Sie hier illegale Videoaufnahmen machen.“ Natürlich war die dilettantische Tarnung der Tierschützerin als Kundin aufgrund ihrer Art und Weise wie sie die Fragen stellte und trotzdem kein Tier erwarb relativ leicht zu durchschauen. Andererseits finde ich die gesteigerte Aufmerksamkeit der Börsenordner, nur weil ein Kunde gezielte Fragen stellt, etwas unglücklich und übertrieben. Mit der Aussage „Offensichtlich haben die Betreiber dieser Tierbörse etwas zu verbergen.“ endete der Bericht über die Terraristika. Es wurden noch kurz die Gefahrtiergesetze der einzelnen Bundesländer angerissen, die Ansichten von Heiko Werning im Schnelldurchgang angesprochen und zum Schluss ein Blick in die Tierheime geworfen, die mit den ganzen Exoten total überfordert seien.

Nach dem Film wurde schließlich den Experten Heiko Werning und Dr. Henriette Mackensen die Diskussion im Studio unter Moderation von Herrn Hallaschka ermöglicht. Die erste Frage des Moderators richtete sich an Frau Mackensen: „Wenn es nach Ihnen ginge, müsste dann auch ein Experte wie Herr Werning seine Reptilien abgeben?“ Nach einem respektlosen „Davon gehe ich mal aus, dass Herr Werning ein Experte ist“ drückte sie sich vor der Antwort und erläuterte stattdessen erneut ihre Ansichten über die Exotenhaltung grundsätzlich. Herr Werning äußerte einige sachliche Argumente wie u.A. die Forderung einer Sachkundeprüfung oder dass die Art des Verkaufs auf Tierbörsen von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz abgesegnet ist. Ebenso, dass die Terraristika laufend von Amtstierärzten kontrolliert wird. Frau Doktor entgegnete, dass bei mehr als 400 Händlern eine Kontrolle gar nicht möglich sei. Leider gingen die sachlichen Argumente des einzigen echten Reptilienexperten in der Runde im ideologischen Wahn der Henriette Mackensen vollkommen unter. Anstatt dass aufeinander zugegangen und die tatsächlichen Missstände konkret besprochen wurden, driftete die Diskussion in ein Säbelrasseln zur Überzeugung des Zuschauers ab. Da sternTV einseitig berichtete, hatte Frau Doktor mit dieser Masche leider die besseren Karten.

Nachdem Herr Werning den Umstand ansprach, dass die 1-2 % an Exoten in Tierheimen nicht im Verhältnis zu den 98 % an anderen abgegebenen und ausgesetzten klassischen Haustieren stehen und für Exoten kein Sonderrecht in Sachen Tierschutz herrschen sollte, warf Frau Doktor bewusst die Begriffe „Wildtier“ und „wildgefangenes Tier“ mit Meerschweinchen als Beispiel durcheinander und letztlich auch ihre letzte zugesprochene Fachkompetenz mit der Aussage über Bord: „Es ist nicht gut auf andere Tiere hinzuweisen, wenn es doch auch hier genug zu tun gibt.“ Ich wäre nach dieser scheinheiligen Aussage sicherlich nicht so ruhig geblieben, wie Herr Werning. Denn nichts anderes macht doch Frau Doktor die ganze Zeit. Sie konzentriert sich massiv auf die Randgruppe der Exotenhalter, will von den Missständen bei den domestizierten Tieren ihrer eigenen Klientel nichts wissen und drückt sich bei Nachfragen diesbezüglich weg, anstatt wie Herr Werning sachlich zu argumentieren. In diese Kategorie könnte man letztlich auch die Aussage der „Expertin“ einordnen, dass manche Exoten „auf Börsen für 10 bis 15 Euro verschleudert werden“. In der gleichen Preiskategorie liegen aber auch klassische Haustiere wie Hamster oder Meerschweinchen (je nach Rasse). Wer für wenig Geld ein Tier schlecht halten möchte, braucht also nicht kilometerweit nach Hamm zu fahren, sondern kann den Grundstein dafür bereits im Zooladen um die Ecke erwerben!

Anschließend wurde das Thema der Gefahrtierhaltung angerissen. Der Moderator fragte Herrn Werning, ob man denn überhaupt eine Giftschlange unbedingt halten bräuchte. Herr Werning argumentierte, dass man auch nicht unbedingt Reiten oder Motorrad fahren bräuchte, man jedoch das Recht auf die freie Entscheidung haben sollte, was einen begeistert. Ebenso erläuterte der Experte, dass Giftschlangenhalter nun wirklich eher die Ausnahme und die Halter dieser Tiere in seinem Umfeld durchweg kompetente und sachkundige Leute sind, die ihre Tiere mit Leidenschaft pflegen. Frau Doktor reagierte auf diverse Argumente von Herrn Werning lediglich mit einem verächtlichen Kopfschütteln und gespitzten Lippen. An Herrn Wernings Stelle hätte ich noch den wichtigen Beitrag erläutert, den Gifttierhalter, die ihre Schlangen melken, für die medizinische Forschung leisten. Jedem Kritiker der Giftschlangenhaltung wünsche ich, dass er niemals in die medizinische Notfallsituation kommt und z.B. ein auf Schlangengift basierendes Mittel gegen Blutgerinnsel benötigt. Wobei…

Frau Doktor blieb ihrem Standpunkt bis zum vom Moderator eingeleiteten abrupten Ende der Diskussion treu, dass ein Verbot der Haltung von Wildtieren und Exoten der einzige tierschutzrechtlich verantwortungsvolle Schritt sei. Kommt ihr Verein mit diesem Wunsch durch, wird es wohl auf strengere Auflagen für die Halter von bestehenden Exotenbeständen und ein Vermarktungs- und Nachzuchtverbot hinauslaufen. So macht sich keine Organisation mit Massentötungen die Finger schmutzig und die Tiere in Gefangenschaft sterben langsam aus. Oder sie werden ausgesetzt und sterben dann, was erneut die engstirnigen Tierrechtler in ihren Argumenten bestätigen würde. Ob dadurch dann die mit Exoten überforderten Tierheime entlastet werden, wage ich aber mal stark zu bezweifeln.

Sehr bezeichnend sind auch die Abgründe, die sich z.B. bei Facebook in den Kommentaren zur Sendung auftun und die Geistesweite des gemeinen RTL-Zuschauers offenbaren. Man stößt auf die üblichen Argumente von angeblich tierlieben Menschen, dass Exoten nur in die Tropen gehören. Was haben denn aber bitte Bartagamen in den Tropen zu suchen? Oder die Glaubensvorstellung einiger Zuschauer, dass die im Beitrag gezeigten Frösche dauerhaft in den kleinen Plastikbehältern gehalten werden würden. Da hat RTL ja ganze Arbeit geleistet. Noch mal für alle: Nein, die Tiere werden nur für ein paar Stunden für den Verkauf darin aufbewahrt, die eigentliche Haltung sieht danach ganz anders aus! Wir sind doch nicht in Asien, wo Schildkröten als Schlüsselanhänger verkauft werden! Manche Kommentatoren sprechen auch von auffälligen Verhaltensstörungen der Tiere auf Börsen, die auch schon PETA festgestellt hat. Wenn sich jemand auf PETA bezieht, muss ich wohl nichts weiter dazu sagen. Tierrechtler legen sich das Verhalten der Tiere auf Börsen immer so zurecht, wie es ihnen passt: Umherkriechen bedeutet Stress, sich verstecken bedeutet Stress, völlig ruhiges Verhalten wird als stressbedingte Apathie gedeutet usw. Wie soll sich ein Tier bitte verhalten, damit es nicht als total gestresst bewertet wird? Und was ist grundsätzlich gegen diesen kurzzeitigen Stress einzuwenden? Ein Tier in Freiheit wird täglich mehrmals in Todesangst versetzt. Das ist auch Stress und mit dem Börsenaufenthalt in keiner Weise zu vergleichen. Dies ist jedenfalls der Grund, weswegen die Betreiber der Terraristika das Filmen und Photographien untersagen. Die Aufnahmen werden eben gerne auf emotionale Weise so dargestellt, dass Tierbörsen verunglimpft werden. Als Hausrechtsinhaber würde ich dies ebenfalls unterbinden. Das hat mit Verbergen von Missständen grundsätzlich erst einmal überhaupt nichts zu tun. Ein User stellt einem unsachlichen User, der einen Hund als Profilbild besitzt, die berechtigte Frage, ob denn dieser Hund im Rudel seine Beute jagen dürfe, wo der besagte Halter sich doch über die angeblich nicht artgerechte Haltung von Exoten auslässt. Diese Frage bleibt natürlich unbeantwortet, zeigt aber auch, dass wir die besseren Argumente haben und vor allem nicht alleine sind.

Als Fazit bleibt also eine einseitige Berichterstattung in Erinnerung, bei der Heiko Werning zwar ganz gut unser Hobby verteidigt hat, dies jedoch aufgrund der vom Sender angestrebten Anti-Exotenpropaganda kaum einen RTL-Zuschauer, der mit Reptilien ansonsten nichts zu tun hat, von den positiven Aspekten der Exotenhaltung überzeugt haben wird. Der einzige wirklich vernünftige Ansatz des Abends war, dass über sternTV als Kontakt ein paar exotische Tiere aus Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes vermittelt werden sollen. Hierbei sollte man aber bedenken, dass man in einem solchen Falle eine Schutzgebühr entrichten muss, die dem Tierschutzbund dann wieder als Budget für weitere Anti-Exoten-Kampagnen dient. Im Grunde also ein gut gemeinter Schuss von hinten durch die Brust ins Herz. Ich persönlich habe als Reaktion auf diesen Bericht direkt einmal bei meinem örtlichen Tierheim angefragt, ob und wie viele Exoten durchschnittlich dort abgegeben werden. Des Weiteren habe ich meine Hilfe angeboten, sollte es in Zukunft zu Abgabefällen kommen.

Zum Abschluss noch eine aktuelle Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes, die aufzeigt, dass die Reise weitergeht:

„Am Donnerstag wird der Deutsche Tierschutzbund die Ergebnisse einer neuen Tierheimbefragung vorstellen, ergänzt um ein neues Kampagnenmotiv gegen den Wildtierhandel. Die Zahlen aus den Tierheimen belegen die stetige Mehrbelastung für Tierschutzvereine durch die vermehrte Aufnahme von Reptilien vor allem als Folge überforderter Halter.“
-> Quelle





Mittwoch, 18. Juni 2014

Deutscher Tierschutzbund e.V. über Exoten im Privathaushalt

Der Deutsche Tierschutzbund veröffentlichte im April 2012 seine Grundposition über die Haltung von sogenannten „Exoten“ in Privathaushalten. Das besagte Dokument kann hier eingesehen werden. Darin werden u.a. die folgenden Aussagen an den Leser weitergegeben, die einer Anmerkung oder gar Korrektur meinerseits bedürfen:

„Als Exoten werden im Allgemeinen Wildtiere und deren Nachzuchten definiert, die weder in Deutschland heimisch sind noch als domestiziert angesehen werden können.“

Hier macht der Deutsche Tierschutzbund eine interessante Einschränkung bei der Begriffsbestimmung für das Wort „Exot“. Dass unter Exoten Tierarten zu verstehen sind, die bei uns in Deutschland nicht heimisch sind, ist soweit korrekt. Dass jedoch exotische, aber domestizierte Tiere aus der Begriffsbestimmung ausgeklammert werden, zeigt schon in welche Richtung die Grundposition des Tierschutzbundes abzielt.

„In die Kategorie der domestizierten Tiere fallen zum Beispiel der Hund, die Hauskatze oder das Pferd. Auch Meerschweinchen und Kaninchen werden hier zugeordnet, wenngleich es von beiden Arten auch wildlebende Verwandte gibt.“

Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster erfüllen genau die Kriterien, die der Tierschutzbund für Exoten nennt. Warum wird hier ein Unterschied gemacht? Tiere wie z.B. Katzen oder Meerschweinchen, welche ebenfalls wissenschaftlich betrachtet als Exoten eingestuft werden müssen, sind vom Tierschutzbund bewusst ausgeklammert worden, weil die meisten Leute, an die sich der Tierschutzbund wendet und von denen er Spenden bezieht, genau diese „niedlichen Kuscheltiere“ hält. Man möchte ja die eigene Klientel nicht verschrecken, sondern sich lieber auf eine Randgruppe wie die Exotenhalter stürzen, gegenüben denen sehr viele Leute ohnehin ihre Xenophobie besser pflegen, als ihre eigenen, pelzigen Haustiere. Aber davor verschließt man gerne die Augen, solange man irgendeinen Freak mit seinen Spinnen und Schlangen als gemeinsames Feindbild aufbauen kann.

„Zu den Exoten gehören verschiedenste Säugetiere wildlebender Arten, aber auch bestimmte Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien. Ebenso fallen Insekten und Spinnentiere unter diese Definition.“

Alle Exotenhalter, die z.B. Flusskrebse, Garnelen, Krabben, Seesterne, Oktopusse, Anemonen, Quallen, Schwämme etc. pflegen, können also aufatmen. Diese Tiere fallen nicht unter das, was der Deutsche Tierschutzbund in seiner Grundposition als „Exot“ versteht.

„Exoten sind nicht an das Leben in der nächsten Umgebung des Menschen gewöhnt und häufig ebenso wenig an die hiesigen Umwelt- und Klimabedingungen.“

Unsere hiesigen Umwelt- und Klimabedingungen haben für die Haltung von Exoten grundsätzlich keine Relevanz, weil man den Tieren in den Terrarien artgerechte Lebensräume nachempfindet. Daher ist diese Anmerkung überflüssig.

„Selbst giftige Tiere dürfen in den meisten Bundesländern frei gehandelt werden.“

Dies stimmt so nicht. Gewerbliche Tierhändler müssen eine Prüfung nach § 11 Tierschutzgesetz bei einem Amtstierarzt ablegen. Von einem freien und damit unkontrollierten Handel mit giftigen Tieren kann demnach keine Rede sein. Und was fällt unter die Definition des Tierschutzbundes „giftige Tiere“? Bienen sind ebenfalls giftig. Hier wird bei den Lesern des Dokumentes Angst vor dem Wort „Gift“ geschürt. Dabei verkauft jeder Supermarkt mit Tomaten, Paprikas und Kartoffeln die Früchte bzw. Knollen von Giftpflanzen! Warum gehen keine veganen Tierschützer auf die Barrikaden, dass diese Teile von Giftpflanzen bundesweit frei für die Ernährung gehandelt werden dürfen? Den Giftbegriff für die Verstärkung von Ängsten auf so plumpe Weise zu verwenden, ist einfach nicht seriös. Eine nähere Definition, was der Tierschutzbund unter giftigen Tieren versteht, wäre hilfreich gewesen.

„Die mit der Tierhaltung verbundenen Folgekosten (Futter, Strom, Wasser, Gehege, Technik etc.) werden vom Laien vor der Kaufentscheidung oft nicht einkalkuliert.“

Zur Beseitigung dieser Missstände wäre z.B. Aufklärung durch geschultes Fachpersonal in Zoofachgeschäften sachdienlich. Es ist jedoch kein Argument, um allen Exotenhaltern ihre Fachkenntnis abzusprechen oder die Haltung von Exoten grundsätzlich zu kritisieren. Denn die genannte Aussage lässt sich auf jedes andere Haustier übertragen und ist kein ausschließliches Phänomen bei der Exotenhaltung.

„So werden griechische Landschildkröten bis zu 100 Jahre […] alt, während eine Königspython ein Alter von über 40 Jahren, ein grüner Leguan oder ein Chinchilla von bis zu 20 Jahren erreichen.“


„Python“ in der weiblichen Form zu verwenden, zeugt schon mal von mangelnder Sachkenntnis. Viel kritischer sehe ich jedoch die beim Königspython angegebene Lebenserwartung. Ein Alter von über 35 Jahren wird nur bei sehr guter Pflege unter artgerechten Bedingungen erreicht. Daher widerspricht sich der Deutsche Tierschutzbund selbst, wenn er einerseits sagt, dass Laien diese Tiere oftmals nicht artgerecht pflegen, jedoch mit einem hohen Alter der Pfleglinge zu rechnen haben.

„Eine Vergesellschaftung verschiedener Tierarten ist abzulehnen. Zum einen ersetzen artfremde Tiere nicht den Artgenossen, zum anderen können sie Krankheiten übertragen.“

Eine Vergesellschaftung verschiedener Tierarten ist grundsätzlich nicht abzulehnen, solange dadurch den Tieren keine Einschränkungen des sozialen Verhaltens zugemutet werden und die im Terrarium herrschenden Bedingungen für die vergesellschafteten Arten artgerecht sind. Die Gefahr von Krankheitsübertragungen bei z.B. verschiedenen Echsenarten untereinander ist bei eingehaltener Quarantäne inkl. Kotprobenuntersuchung nicht größer, als bei der Vergesellschaftung von Tieren derselben Art. Die Aussage „Schildkröten beispielsweise können Träger von Amöben sein, die bei einer Vergesellschaftung für Echsen oder Schlangen tödlich sein können.“ wird hingegen von mir unterstützt.

„Exoten kommen, wie es schon der Name besagt, nicht aus hiesigen Gefilden und sind deswegen nicht an unser heimisches Nahrungsspektrum gewöhnt.“

Nahrung ist wissenschaftlich gesehen nur eine Ansammlung von Chemikalien, die der Körper zum Leben benötigt. Eine ausgewogene und artgerechte Ernährung ist somit nicht auf bestimmte spezielle Futtermittel zu reduzieren, sondern auf die darüber dem Tier zugeführten Inhaltsstoffe. Alternativnahrung aus unseren Gefilden, welche vom jeweiligen Tier angenommen und verdaut wird und durch ihre Zusammensetzung den Bedarf des Tieres deckt, gibt demnach keinen Grund für Bedenken. Am Ende zählt die Nährstoffbilanz. Ob eine Schlange z.B. einen exotischen Kleinsäuger aus seinem natürlichen Lebensraum oder eine gezüchtete Ratte erbeutet, macht für die Nährstoffbilanz keinen Unterschied.

„Ein anderes Problem besteht darin, dass manche Tiere (z.B. bestimmte Schlangen) Lebendnahrung gewöhnt sind und sich nicht darauf umstellen lassen, tote Tiere anzunehmen. Das bedeutet für die Mäuse, Küken oder anderen Tiere, die verfüttert werden, erheblichen Stress und einen möglicherweise langsamen, grausamen Tod.“

Alle mir bekannten und für den vom Tierschutzbund immer wieder genannten Laien in der Terraristik relevanten Schlangen lassen sich mehr oder weniger gut an Frostfutter gewöhnen. Die Tiere, bei denen dies nicht der Fall ist (z.B. Giftschlangen) sollten ohnehin dem fortgeschrittenen Terrarianer vorbehalten sein, was aufgrund der hohen Preise dieser Tiere auch der Regelfall ist. Doch auch das Frostfutter wird von Tierschützern kritisiert, da die Herkunft oftmals ungewiss ist und der Verdacht geäußert wird, dass z.B. Nagetiere bei lebendigem Leibe schockgefrostet werden und qualvoll erfrieren. Die meisten Frostfutteranbieter verkaufen ihre Nagetiere hübsch verpackt in Reih und Glied gefrostet. Ich bezweifle ganz stark, dass sich diese Nager während des Frostvorgangs freiwillig in eine solche „stabile Seitenlage“ begeben haben, während sie erfroren. Die genannten Küken, welche als Futtertiere verkauft werden, sind übrigens keine speziellen Zuchttiere, sondern schlichtweg der Überschuss aus der Massentierhaltung an männlichen Küken, die auf diesem Wege wenigstens noch sinnvoll als Futtertier genutzt werden. Das mag zwar nicht so schön sein, ist jedoch nicht der Exotenhaltung zu verschulden, sondern im Gegenteil vielmehr der Haltung von domestizierten Tieren. Davon abgesehen stammt tierisches Katzen- und Hundefutter in der Regel ebenfalls aus nicht bekannter Herkunft und wäre demnach genauso zu kritisieren.

„Viele der verfügbaren Informationen sind erst in den letzten Jahren bekannt geworden“

Die Terraristik mit ihren vielen engagierten Privathaltern hat für diese Erkenntnisse und die Forschung schon immer einen sehr großen Beitrag geleistet. Das Argument ist also widersprüchlich.

„Zwar sind einige Schildkröten beispielsweise durchaus in der Lage, auch den mitteleuropäischen Winter zu überleben, viele Tiere verhungern oder erfrieren aber leidvoll und es kann in jedem Fall zu einer Veränderung der hiesigen Flora und Fauna kommen.“

What? Viele Exoten sterben bei uns nach dem Aussetzen in die Natur, aber es kann in jedem Fall zu einer Faunenverfälschung kommen? Und Russland ist so groß wie Amerika, nur kleiner, während der Nachthimmel über Moskau in einem leuchtenden Blau erstrahlt. Ja nee… is klar. Sorry, aber zu diesem geistigen Dünnschiss fallen mir leider keinerlei sachlichen Argumente ein.

„Mit dem Anstieg der Gesamtanzahl exotischer Haustiere in den Privathaushalten ist die Zahl der Unfälle mit Exoten ebenso angewachsen wie Feuerwehreinsätze zur Rettung entflohener oder ausgesetzter Tiere.“

Das macht natürlich rechnerisch schon einmal Sinn. Ebenso ist die Unfallrate im Winter in den Skigebieten höher, als im Sommer. Doch was bringt uns diese glorreiche Erkenntnis? Interessant ist doch wohl eher, dass die Zahl der Unfälle mit Exoten in keinem Verhältnis zu den Unfällen mit z.B. Hunden, Katzen und Pferden steht, die ebenso von Menschen angeschafft werden, die sich mit diesen Tieren nicht immer 100 % auskennen. Und dass Unfälle zum Leben dazugehören, lässt sich auch nicht abstreiten. Die Wahrscheinlichkeit von einem Sektkorken erschossen zu werden ist in Deutschland übrigens weitaus höher, als von einem giftigen Exoten gebissen oder gestochen zu werden. Die Anzahl der Feuerwehreinsätze aufgrund entflohener und ausgesetzter Exoten steht ebenfalls in keinem Verhältnis zu der Anzahl an Einsätzen, die aufgrund einheimischer Arten wie z.B. der Ringelnatter ausgelöst werden, weil ängstliche Menschen dank solcher Dokumente wie der Grundposition des Tierschutzbundes vor jedem Tier Angst und Panik bekommen, das auch nur annähernd wie eine Schlange aussieht.

„Das Robert-Koch-Institut berichtet, dass bis zu 90 Prozent der Reptilien in Terrarienhaltung mit Salmonellen infiziert sind.“

Diese Angabe vom RKI ist schlichtweg falsch, was ich bereits hier, hier und hier erläutert habe.

„Jeder dritte Salmonellenfall bei Kindern ist auf Reptilien zurückzuführen.“

Diese Aussage ist interessant und wird sogar ausnahmsweise mit einer Quelle belegt: Rabsch W. et al. (2011): Reptilien assoziierte Salmonellen Infektionen in Deutschland, Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie am 31.3. – 2.4.2011 in Leipzig. Studiert man diese Präsentation einmal genauer, kommt man jedoch zu dem ernüchternden Ergebnis, dass diese Aussage vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Es wird ein Überblick von 2001 bis 2009 gegeben, in dem die positiven Rückmeldungen nach Anfrage über Kontakt zu Reptilien im Haushalt im Zusammenhang mit Erkrankungsfällen von Kindern unter 2 Jahren aufgezeigt werden. Ob diese Reptilien jedoch ebenfalls infiziert waren, wurde bei dieser Erhebung nicht weiter untersucht. Es wird lediglich deutlich, dass der Anteil an gehaltenen Reptilien mit den Jahren angestiegen ist und 2009 schließlich in etwa 30 % der Haushalte mit erkrankten Kindern auch Reptilien gehalten wurden. Aber das bestätigt nur eine Aussage des Deutschen Tierschutzbundes: „Insgesamt ist eine Zunahme an exotischen Tieren in deutschen Privathaushalten zu beobachten.“ Mehr aber auch nicht. Hätte ich die betroffenen Haushalte selber angefragt und um Auskunft über das Vorhandensein von Smartphones gebeten, wäre ich in den letzten Jahren sicherlich noch weit über die 30 % hinausgeschossen. Somit behaupte ich jetzt einfach mit der Zunge des Tierschutzbundes, dass sich die Erkrankungen nicht auf den Umgang mit Reptilien, sondern auf den Umgang mit Smartphones zurückführen lassen. Vom wissenschaftlichen Wert sind beide Aussagen jedenfalls identisch wertlos, solange der Verdacht nicht näher untersucht und bestätigt wird. Im Falle der Exotenhaltung wurde dies von PEES et al. getan. Die Autoren kommen dabei auf eine Quote von 7 %, bei denen Salmonelleninfektionen von Kindern tatsächlich auf den Umgang mit Reptilien zurückgeführt werden konnten. Das ist allerdings nicht jedes dritte Kind.

„Als erster Schritt sollte ein Verbot der Haltung von Wildtieren erlassen werden, die dem Menschen aufgrund ihrer Körperkräfte, Gifte oder Verhaltensweisen gefährlich sein können; die eine bestimmte Größe im Laufe ihres Lebens überschreiten (u. a. bestimmte Schildkröten, Schlangen, aber auch Grüner Leguan); die ein bestimmtes Durchschnittslebensalter überschreiten (z.B. Griechische Landschildkröten oder Papageien) und die als besonders heikel gelten aufgrund ihrer hohen Ansprüche an Ernährung, Klimaumgebung oder Sozialstruktur (z.B. Chamäleons).“

Deutliche Worte. Es wird also klar ein Verbot gefordert und keine Besserung der bestehenden Missstände. Verbote sind schließlich auch der leichteste Weg. Von Sachverstand oder auch nur der Bereitschaft das Problem mit langfristig anzupacken, zeugt diese Aussage jedenfalls nicht. Dass der Umgang mit gefährlichen Tieren besser geregelt werden sollte, wird von mir unterstützt. Auch das Vorhandensein einer Sachkunde vor der Anschaffung insbesondere von heiklen Arten, sehe ich als einen Punkt, den man anpacken könnte. Jedoch ein Haltungsverbot von altwerdenden Arten zu fordern, halte ich für unangebracht. Wo soll dieses durchschnittliche Lebensalter liegen? Pferde werden übrigens bis zu 30 Jahre alt und dazu auch noch größer als ein Grüner Leguan. Warum wird einem Exotenhalter der Wille, z.B. einen Leguan für 20 Jahre und mehr zu pflegen, durch die Forderung eines Verbotes abgesprochen, während eine hohe Lebenserwartung und Körpergröße (mit ebenfalls hohem Risiko für den Menschen und sogar der Öffentlichkeit) bei domestizierten Tieren einfach so verschwiegen hingenommen wird? Der Deutsche Tierschutzbund misst offensichtlich mit zweierlei Maß!

„Jede Haltung von weiteren Tieren wildlebender Arten sollte an Voraussetzungen geknüpft sein: von der Zuverlässigkeit des Halters, über Sachkunde, berechtigtes Interesse an der Haltung, Volljährigkeit, Tierhalterhaftpflichtversicherung, Haltungsvorgaben zur Gewährleistung einer sicheren, aber auch art- und verhaltensgerechten Unterbringung bis zur Meldepflicht.“

Sollten nicht alle Tiere einen besonderen Schutz genießen und nicht nur sogenannte Wildtiere und Exoten? Hat ein domestiziertes Tier kein Recht auf artgerechte Haltung und einen sachkundigen Pfleger? Sachkunde und in bestimmten Fällen eine Meldepflicht halte ich jedenfalls grundsätzlich für sinnvoll. Haltungsvorgaben für eine artgerechte Unterbringung sollten sehr gut durchdacht sein. Volljährigkeit halte ich persönlich für kein Kriterium für Verantwortungsbewusstsein. Die geforderte Zuverlässigkeit des Halters klingt zwar auf den ersten Blick vernünftig, würde aber wahrscheinlich auf ein leeres polizeiliches Führungszeugnis hinauslaufen. Wenn also jemand einmal im Straßenverkehr auffällig geworden ist, wird ihm somit direkt die Haltung von Exoten untersagt, obwohl beides in keinerlei Zusammenhang steht. Eine solche Herangehensweise ist zwar unlogisch, wird aber leider schon in einzelnen Bundesländern so betrieben. Dass ein berechtigtes Interesse für die Haltung vorherrschen soll, ist eine schwammige Formulierung, die schlichtweg so nicht stehenbleiben kann. Ich würde mal sagen jeder Mensch hat berechtigtes Interesse daran, sein Recht auf freie Entfaltung (dazu gehört dann auch die Tierhaltung) zu leben. Es würde aber wohl eher darauf hinauslaufen, dass man gegenüber der Behörden Rede und Antwort stehen muss, warum man ausgerechtet ein exotisches Tier und keine domestizierte Art halten möchte.

Nach all den pauschalen Unwahrheiten und Verdrehungen gibt der Tierschutzbund immerhin noch einen Lösungsvorschlag mit auf dem Weg:

„Eine Lösungsmöglichkeit der Problematik und eine Erleichterung der Arbeit der Behörden wäre eine übersichtliche Positivliste von Tierarten, die gehalten bzw. mit denen gehandelt werden darf.“

Die Bezeichnung als „übersichtliche“ Positivliste zeigt ja schon, wohin die Reise gehen soll: Eine Handvoll Exoten wird gestattet, der Großteil der bestehenden und alle neu hinzukommenden Arten in der Zukunft werden verboten. Mit fatalen Konsequenzen für den Arterhalt und dem Verlust hunderter Arbeitsplätze. Die dadurch wegfallenden Steuereinnahmen wird sich der Bund dann bei jedem einzelnen Bürger zurückholen. Kommt der Deutsche Tierschutzbund mit seinen Absichten durch, sehe ich schwarz für die Zukunft… oder sagt man, dass man rot sieht? Oder Schwarz-Rot bzw. Groko? Ist doch alles am Ende eh derselbe Mist…

Gute Nacht!

Dienstag, 17. Juni 2014

Vermarktung von „BioBubble“ in Deutschland

Die Firma „BioBubble Pets“ mit Sitz in Boca Raton (USA) plant eine Vermarktung ihrer Produkte wie der „BioBubble“ auf dem deutschen Markt. Nach Angaben des Herstellers auf seiner Website oder in diesem Produktvideo wird suggeriert, dass man jede Art Kleintier in diesen Behältnissen dauerhaft und artgerecht halten könne.

Dies trifft jedoch nur auf ein paar wenige Tierarten zu. In derartigen Behältnissen können lediglich verschiedene Wirbellose wie z.B. Stabschrecken dauerhaft artgerecht gehalten werden. Sofern bei der BioBubble eine angemessene Belüftung vorgesehen ist, wäre auch die Haltung von kleinbleibenden Reptilien aus dem Bereich der Nano-Terraristik denkbar. Auch als Aufzuchtsbehälter könnte man die BioBubble nutzen. Für die Aquarienfunktion eignen sich z.B. Zwerggarnelen, Blutegel oder Süßwasserschnecken. Der Betrieb als Meeresaquarium halte ich auf Dauer für nicht möglich, weil sich bei einem derart kleinen Volumen kein dauerhaftes Gleichgewicht einspielen wird und die dafür nötige Technik derzeit nicht vorgesehen ist. Meeresaquaristik ist nun einmal weitaus anspruchsvoller als Süßwasseraquaristik. Die im Produktvideo gezeigte Nutzung als Mini-Gewächshaus wäre ebenfalls denkbar.

Die im Produktvideo gezeigte Haltung von z.B. Zwerghamster, Chamäleon, Königspython, Leopardgecko, Goldfisch, Clownfisch, Flammen-Zwergkaiserfisch etc. halte ich jedoch für absolut tierschutzwidrig und fordere daher eine entsprechend abgewandelte Werbekampagne für dieses Produkt auf dem deutschen Markt! Sollte der Hersteller dazu nicht bereit sein, sollte ein Handelsverbot für dieses Produkt in Erwägung gezogen werden.

Die Reptilienauffangstation München hat eine Petition gestartet, die gegen die Vermarktung vorgehen soll. Ich unterstütze diese Petition nicht direkt selber, da sie Pauschalisierungen und allgemeine Informationen enthält, die nicht (wie angegeben) auf alle Tierarten zutreffen. Daher hat sie in meinen Augen nicht den erforderlichen sachlichen Wert. Dennoch möchte ich euch die Möglichkeit geben, diese Petition zu unterstützen. Es soll jeder Leser für sich selbst entscheiden, ob er die Petition unterschreiben und weiterverbreiten möchte. Ich werde selber einen eigenen Brief an die verantwortlichen Stellen schreiben, sobald dieses Produkt auf diese Art und Weise in Deutschland beworben werden sollte.

Freitag, 13. Juni 2014

Nachtrag: NRW plant nun doch eine Gefahrtierverordnung

Heute stieß ich auf einen weiteren Artikel, der sich mit den Bestrebungen des Umweltministers von Nordrhein-Westfalen befasst: NRW-Minister will Privathaltung hoch gefährlicher Tiere verbieten

Der Artikel der WAZ, auf den ich hier bereits einging, beruht auf sachlichen Grundlagen und informiert die Leser in dem Rahmen, wie es von einer seriösen Redaktion zu erwarten ist. Beim vorliegenden Artikel im Portal von T-Online, sieht das jedoch leider anders aus. Darin gibt mir die Passage nach dem neckischen „Übrigens“ besonders zu denken. Die Erläuterung, dass die Allgemeinheit für die medizinische Versorgung eines gebissenen Schlangenhalters aufkommen muss, sofern dieser gesetzlich krankenversichert ist, grenzt mal wieder an Volksverhetzung. Ich kann mir schon bildlich die aufgebrachten Hausfrauen vorstellen, die sich vor Empörung darüber, dass sie für die Kosten der Schlangenbissbehandlung eines solchen „Freaks“ aufkommen mussten, direkt beim Schneiden von (übrigens wahrscheinlich mit Salmonellen belasteten) Lebensmitteln mit dem Messer in den Finger sensen und danach selber die Krankenkassen schröpfen. Unfälle gehören zum täglichen Leben dazu und die Angst vor Schlangen für Sensationsberichte zu nutzen, ist kindisch und unverhältnismäßig. Immerhin wird aber auch die Aussage der Krankenversicherungssprecherin veröffentlicht, dass ein gebissener Schlangenhalter in keinem Verhältnis zu den vielen Verletzungen steht, die durchs Fußballspielen entstehen. Vielen Dank Frau Marini für diese klaren und wahren Worte in einer Zeit, wo fast jeder unter Fußballfieber leidet!

Dass am Ende des Artikels noch einmal der inzwischen schon 4 Jahre alte Fall einer entflohenen Monokelkobra aus Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) ausgegraben wird, zeigt die Hilflosigkeit der Redaktion, da offenbar keine weiteren spannenden Fälle dieser Art in der Zwischenzeit aufgetreten sind, welche die Sensationsgier hätten befriedigen können. In einer solchen Not gräbt man dann alte Geschichten aus der Mottenkiste.

Ich möchte aber an dieser Stelle nicht nur rummeckern, sondern auch mitteilen, dass ich heute dem Umweltminister von Nordrhein-Westfalen den folgenden Brief als Reaktion auf die Pressemeldungen geschickt habe:

Sehr geehrter Herr Remmel,

gestern las ich in diversen Nachrichtenportalen die Meldung, in der von Ihren Bestrebungen berichtet wird, bis zu den Herbstferien einen Gesetzesentwurf über ein Haltungsverbot giftiger Exoten in den Landtag zu bringen. Ich selbst komme zwar aus Niedersachsen und bin daher von diesen Überlegungen nicht direkt betroffen, dennoch möchte ich Ihnen in Anbetracht der Tatsache, dass derzeit eine bundeseinheitliche Regelung zur Debatte steht und die neuen Gesetze einzelner Bundesländer sicherlich ein gewisses Zeichen in Richtung der Bundespolitik senden würden, meine Meinung zu diesen Bestrebungen in Ihrem Bundesland mitteilen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich die Zeit dafür nehmen könnten.

Der in den Meldungen beschriebene Vorfall eines Bissunfalls mit einer Zwergklapperschlange ist natürlich nicht einfach unter den Tisch zu kehren. Trotzdem wären Ihre jetzigen Bestrebungen, sich für ein Verbot der Haltung solcher Tiere einzusetzen, eher als Kurzschlussreaktion aufzufassen und nicht als politisch durchdachte Handlung. Bei dem vorliegenden Fall wurde lediglich der direkte Halter von seinem Tier gebissen. Eine unbeteiligte Person war nicht betroffen und auch nicht in unmittelbarer Gefahr. Unfälle können immer passieren, auch bei anderen Hobbies oder beim Umgang mit anderen Haustieren. Unfälle mit Exoten spielen in der Statistik kaum eine Rolle. Etwa 30.000 Bissverletzungen werden jährlich von den Haftpflichtversicherungen angegeben. Nach amerikanischen Studien belegen Hunde-, Katzen- und Menschenbisse die ersten drei Plätze. Diese Bisse haben zum Teil schwere Infektionen zur Folge und diese Lebewesen treten regelmäßig in direkten Kontakt mit dritten Personen oder gar der allgemeinen Öffentlichkeit, während giftige Terrarientiere lediglich in Ausnahmefällen in Kontakt zum Menschen und dann auch nur zu ihrem Pfleger geraten. In den Jahresberichten meiner zuständigen Giftnotrufzentrale lassen sich gerade einmal knapp 1 % der gemeldeten Giftnotfälle auf Tiere zurückführen (300 von 27.656 im Jahr 2008). Eine steigende Tendenz ist nicht zu erkennen. Da hierbei aber auch einheimische Arten wie z.B. stechende Insekten aufgeführt sind, verschwindet der Anteil an gemeldeten Unfällen mit giftigen Exoten im statistisch kaum noch relevanten Bereich. Ihre Pläne liegen also in keinerlei Relation zum vorhandenen Gefahrenpotential der verschiedenen Haustiere und dabei habe ich die Statistiken über Reitunfälle und die Gefahren anderer Hobbies gar nicht erst mit einbezogen.

Dass in Ihrem Bundesland derzeit keine Regelungen in Bezug auf gefährliche Tiere wie z.B. Giftschlangen existieren, finde ich ebenfalls bedenklich. Ein pauschales Verbot könnte den Handel allerdings auf den Schwarzmarkt verlagern und der Politik die Kontrolle nehmen. Daher sehen meine Anregungen für Ihre geplante Gefahrtierverordnung (die besser nicht auf die Schnelle bis zu den Herbstferien durchgedrückt werden, sondern langfristigen Überlegungen und Abwägungen unter Konsultation von Fachleuten folgen sollte) folgendermaßen aus:

1. Es sollte zuerst einmal kein Unterschied zwischen der privaten und der gewerblichen Haltung gemacht werden. Privathalter haben nicht unbedingt weniger Kenntnis von ihren Tieren, als z.B. Zoofachhändler, die eine Sachkundeprüfung nach § 11 Tierschutzgesetz abgelegt haben, weil Händler sich dadurch nicht zwangsläufig auf den Umgang mit Gefahrtieren spezialisiert haben. Privathalter, die sich engagiert mit ihren Tieren befassen, ein intensives Studium von Fachliteratur betreiben und in Kontakt zu anderen Haltern stehen, haben in der Regel sogar mehr Ahnung von diesen Tieren. Diesen fähigen Haltern die Pflege ihrer Tiere mit pauschalen Verboten zu untersagen, entbehrt jeder Grundlage.

2. Die von Ihrer Partei geforderte Positivliste mit unbedenklichen Arten wäre langfristig unklug. Hierbei würden harmlose Arten, die vielleicht in Zukunft neu in der Terraristik etabliert werden sollen, gar nicht aufgeführt und würden somit direkt und unbegründet dem Haltungsverbot unterliegen. Eine „Negativliste“ mit deutlich bezeichneten Arten, die dem Menschen aufgrund von Giftwirkung oder Körperkraft tatsächlich gefährlich werden können, wäre der bessere Weg.

3. Es sollte ein Sachkundenachweiskonzept aufgebaut werden, bei dem ein Halter vor dem Kauf eines potentiell gefährlichen Tieres zu einer Prüfung verpflichtet wird. Erst nach bestandener Prüfung wird dem Halter eine Haltungserlaubnis erteilt. Laut der Meldungen im Internet liegt Ihnen ein solches Konzept von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. bereits vor.

4. Es sollte eine Meldepflicht bei einer zuständigen Behörde für die Tiere einer solchen Gefahrtierliste eingeführt werden. Auch die für Gefahrtiere zuständigen Beamten dieser Behörde müssten die besagte Sachkundeprüfung ablegen, damit sie das nötige Fachwissen über die Thematik erlangen.

5. Der Halter muss bestimmte Anforderungen an die Sicherheit erfüllen, bevor ihm eine Haltungserlaubnis erteilt wird. Diese (wie auch die Gefahrtierliste) sollten mit vernünftigem Sachverstand unter Konsultation von Fachleuten entwickelt werden, damit nicht unnötige Einschränkungen oder Einträge harmloser Tiere (z.B. Vogelspinnen) auf der Gefahrtierliste die Folge sind.

Wenn die geplante Gefahrtierverordnung auf diesen Grundsteinen beruht, profitieren alle davon: Die Halter, die Bevölkerung, die Politik und auch die Tiere selbst und NRW wäre Vorreiter in Sachen durchdachter Gefahrenabwehr in Bezug auf gefährliche Tiere. Ein pauschales Verbot von Tieren, die laut den Statistiken für die Bevölkerung nicht gefährlicher als Hund, Katze oder Pferd sind, ließe sich dagegen schlichtweg nicht logisch begründen und wäre vielmehr ein Zeichen von Hilflosigkeit, als von politischem Sachverstand. Daher bitte ich Sie, dass Sie meine Schilderungen bei Ihren Gesetzesentwürfen beherzigen und stehe Ihnen für einen weiteren Austausch gerne zur Verfügung.

Im Falle einer Antwort, werde ich wie üblich berichten.
 

Donnerstag, 12. Juni 2014

Nordrhein-Westfalen plant nun doch eine Gefahrtierverordnung

Die WAZ titelte am vergangenen Pfingstmontag mit der Meldung: 

In dem Artikel heißt es, dass vergangene Woche ein Schlangenhalter aus Duisburg von seiner Zwergklapperschlange gebissen wurde und auf die Intensivstation gebracht werden musste. Nun will NRWs Umweltminister handeln und die Privathaltung „giftiger Exoten“ per Gesetz verbieten. Bisher gibt es in Nordrhein-Westfalen keine Gefahrtierverordnung. Erst vor wenigen Wochen hieß es aus dem Bundesland, man wolle derzeit keine eigenen Gesetze beschließen, da derzeit eine bundeseinheitliche Regelung zur Debatte stünde. Nach dem aktuellen Vorfall zeigt sich jedoch wieder einmal das Kurzschlussverhalten der verantwortlichen Politiker. Ich gehe davon aus, dass jetzt wieder mal kurz über ein Verbot diskutiert wird, am Ende jedoch nichts passiert. Mit dem heutigen Beginn der Fußball WM wird die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für dieses Thema ohnehin sicherlich schnell wieder abklingen.

Trotzdem zeigt der Artikel erneut, in welcher Weise über solche Verbote nachgedacht wird. Die Bezeichnung „giftige Exoten“ offenbart mal wieder eine unüberlegte Pauschalisierung. Was ist mit anderen gefährlichen Exoten, die nicht giftig sind (z.B. Panzerechsen oder große und leicht reizbare Arten unter den Riesenschlangen)? Oder mit gefährlichen Tieren, die nicht zu den Exoten zählen? Wer schützt die Bevölkerung vor diesen Gefahren? Wäre ein Unfall mit einem sogenannten Kampfhund passiert, würde die Politik nun sicherlich über strengere Regelungen in Bezug auf die Haltung dieser Tiere diskutieren, sich ein paar Wochen um sich selbst drehen, um dann z.B. beim nächsten Amoklauf über ein Verbot von sogenannten Killerspielen nachzudenken.

Erneut wird die Privathaltung besonders betont. Dabei haben Privathalter nicht unbedingt weniger Kenntnis von ihren Tieren, als z.B. Zoofachhändler. Zwar müssen gewerbliche Tierhändler eine Sachkundeprüfung nach § 11 Tierschutzgesetz bei einem Amtstierarzt ablegen, jedoch ist dies noch lange kein Beweis ihrer tatsächlich vorhandenen Fachkompetenz in Bezug auf bestimmte potentiell gefährliche Tierarten. Privathalter, die sich engagiert mit ihren Tieren befassen und ein intensives Studium von Fachliteratur betreiben, haben in der Regel sogar mehr Ahnung von diesen Tieren – auch ohne abgelegte Sachkundeprüfung. Diesen fähigen Haltern die Pflege ihrer Tiere mit pauschalen Verboten zu untersagen, entbehrt jeder Grundlage. Wenn ein Unterschied zwischen der gewerblichen und der privaten Haltung gemacht wird (wie es bereits mehrere Bundesländer tun) und kein Wert auf die tatsächlich vorhandene Sachkunde der Halter gelegt wird, ist dies ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes.

Dennoch halte ich die Einführung eines funktionierenden Sachkundenachweises für die Haltung potentiell gefährlicher Tiere, wie es die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) im Artikel fordert, ebenfalls für sinnvoll. Jeder Halter, der sich mit gefährlichen Tieren nicht profilieren möchte, sondern sie aus Gründen wie z.B. dem Artenschutzgedanken hält, wird wohl kein Problem mit einer Sachkundeprüfung haben. Jedoch sollte die DGHT dies nicht ständig immer nur fordern, sondern ihr eigenes Sachkundenachweiskonzept qualitativ einmal gründlich aufwerten. Ein nahezu bundesweit nur nachfrageorientiertes Angebot an Schulungen und Prüfungen bei zum Teil unerreichbaren Prüfern lässt diese Forderung jedenfalls ziemlich hilflos erscheinen.

Die Einführung einer Meldepflicht von potentiell gefährlichen Tieren (deren Einstufung dann aber bitte mit Sachverstand durchgeführt werden soll), wäre ebenfalls denkbar und für engagierte Halter eine akzeptable Hürde, sofern man nicht durch die Behörden gegängelt wird. Fachkenntnis direkt bei den zuständigen Ämtern wäre daher wünschenswert, da man diese leider momentan sehr häufig vermisst. Die zuständigen Beamten stünden dann ebenfalls in der Pflicht die Sachkundeprüfung abzulegen und wüssten besser über die Problematik Bescheid. Ebenso wäre eine klare Verteilung der Zuständigkeiten wünschenswert, damit nicht eine Behörde die Verantwortung an die nächste weitergibt. Auflagen für die Haltung dieser Tiere sollten so geregelt sein, dass auch Privathalter diese ohne großen Mehraufwand erfüllen können. In manchen Bundesländern sind die von den Behörden geforderten Anforderungen an die Haltung von „gefährlichen“ Tieren (die zum Teil für den Menschen nicht einmal wirklich gefährlich sind) nahezu unmöglich zu erfüllen. Solche Regelungen kommen einem Verbot im Grunde schon gleich, was nicht Sinn und Zweck zukünftiger Regelungen sein sollte.

Ein Verbot selber würde den Handel mit gefährlichen Tieren wahrscheinlich in den Untergrund verlagern. Der Schwarzmarkt würde florieren und die Politik hätte keinerlei Einfluss mehr auf den Handel. Ein grundsätzliches Verbot wäre somit ein falscher Ansatz.

Die von den Grünen geforderte Positivliste kann leider nur negativ ausgelegt werden. Eine „Negativliste“ wäre der sinnvollere Weg. Bei einer Positivliste werden die Arten aufgezählt, die bedenkenlos gehalten werden dürfen. Alle Bartagamen- und Kornnatter-Halter wären wahrscheinlich vorerst sicher vor dem Verbot. Bei harmlosen Riesenschlangen wie dem Königspython oder der Kaiserboa und mindergiftigen Skorpionen sowie Vogelspinnen könnte die Einstufung als gefährliches Tier und somit ohne Eintrag auf einer solchen Positivliste jedoch leider ziemlich schnell erfolgen, da auch andere Bundesländer diese Tiere als gefährlich einstufen. Davon abgesehen würde jede neue Art, welche sich frisch in der Terraristik etablieren möchte, logischerweise nicht auf einer solchen Positivliste erscheinen und würde demnach automatisch unter das Haltungsverbot fallen. Sinnvoller wäre eine Liste mit Tieren, welche aufgrund ihrer Giftwirkung oder ihrer Körperkraft dem Menschen gefährlich werden können. Für die Gefahrtiere einer solchen Liste benötigt der Halter dann einen Sachkundenachweis und muss die Tiere anmelden. Ist dies gegeben und die Haltung in einem artgerechten und sicheren Umfang möglich, sollte sie auch Privathaltern gestattet bzw. im Falle von NRW nicht neu verboten werden.

Selbst einige Halter von anderen exotischen Reptilien sind gegen die Haltung von Giftschlangen und sehen daher kein Problem in dem geplanten Verbot. Ich selbst empfinde die nicht geregelte Haltung von z.B. einigen Giftschlangen in NRW ebenfalls für bedenklich und halte diese Tiere auch für ungeeignet für einen Großteil der Privathaushalte, da leider wohl tatsächlich einige Halter mit diesen Tieren überfordert sind bzw. nach einem leichtfertigen Erwerb wären. Zukünftige Regelungen sollten solche Situationen verhindern, jedoch die Haltung nicht gänzlich verbieten. Denn dabei macht es sich die Politik zu einfach und schert alle Gifttierhalter über einen Kamm. Dabei sind die meisten Halter von z.B. Giftschlangen umso zuverlässiger, da ihre Tiere nicht für 5 Euro auf Börsen verramscht werden, wie es z.B. bei Einsteigerarten in der Terraristik leider oftmals der Fall ist. Die hohen Preise dieser Gifttiere führen dazu, dass die meisten Halter sich vorab informieren, ehe sie eine solche Investition tätigen. Und wie gesagt haben diese Halter dann auch sicherlich kein Problem mit Sachkundenachweisprüfung und Meldepflicht. Den Terrarianern, die gegen ein Verbot der Gifttierhaltung nichts einzuwenden haben, weil sie mit ihren Tieren davon offenbar nicht betroffen sind, fehlt leider die Weitsicht. Auf lange Sicht (so der Wunsch einiger Tierrechts- und inzwischen auch Tierschutzvereine) soll es auch den harmlosen Exoten an den Kragen gehen. Wer vor den ersten unbegründeten und persönlichkeitsrechtsverletzenden Einschränkungen die Augen verschließt, weil er meint, dass er davon nicht betroffen ist, wird mit dieser Einstellung sicherlich noch ein frühes und zugleich grausiges Erwachen erleben.
 
Zwergklapperschlange (Sistrurus miliarius barbouri)