Montag, 28. Juli 2014

Entscheidung: Petition gegen ein Wildtierhaltungsverbot

Der auf den ersten Blick erfreuliche Beschluss des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zu einer Petition vom Februar 2012 gegen ein Haltungsverbot von Wildtieren macht gerade die Runde. In dem Dokument vom 21. Juli 2014 heißt es: "Ein Wildtierverbot ist nicht in Kraft getreten. Der Petitionsausschuss hält dies derzeit auch nicht für erforderlich." Klingt zu schön, um wahr zu sein? Tja, stimmt leider. Denn momentan steht ja auch (noch) nicht die grundsätzliche Haltung von Wildtieren auf der unmittelbaren Abschussliste, sondern erst einmal "nur" die sgnt. Wildtierbörsen und der Import von Wildfängen. Werden diese Punkte durchgesetzt (was der Petitionsausschuss mit keinem Wort ausschließt), stirbt die Terraristik langfristig trotzdem aus. Auch die Einführung von Positivlisten wird nicht ausgeschlossen, welche massive Einschnitte in die Terraristik bedeuten würden. 

Ein direktes Haltungsverbot ist deswegen gar nicht erforderlich und die Petition verpufft ohne nachhaltige Wirksamkeit. Unser Hobby soll langsam ausbluten. Es besteht also leider absolut kein Grund für Entwarnung!

Samstag, 26. Juli 2014

Ich will, dass du dich änderst!



Weil deine Meinung mir Angst macht.

Wo ich herkomme, fühle ich mich wohl. Mein Pfleger füttert mich und gibt mir Sicherheit. Wenn er vor meinem Terrarium erscheint, freue ich mich und erwarte Futter. Deswegen kratze ich manchmal an den Scheiben, damit er mir Futter gibt. Denn ich habe gelernt, dass er das macht und habe deswegen keine Angst mehr vor dem Menschen. Ich muss auch keine weiten und gefährlichen Strecken zurücklegen wie meine Brüder und Schwestern in freier Natur, denn hier habe ich alles, was ich zum Wohlfühlen benötige. Ich muss keinen Hunger leiden und brauche keine Angst vor Fressfeinden oder Lebensraumzerstörung zu haben. Das Leben im Terrarium gefällt mir, weil ich mich hier drin nicht wie ein Gefangener fühle, sondern sehr wohl. "Artgerecht ist nur die Freiheit"? Ja, weil mein Terrarium fühlt sich an wie Freiheit! Leider kann mich mein Pfleger nicht vor der Meinung von radikalen Tierrechtsaktivisten wie denen von PETA Deutschland e.V. beschützen, die mich lieber tot sehen wollen als glücklich in meinem Terrarium.

Ich will, dass du dich änderst!


Und nicht länger auf die Propaganda von PETA 


Donnerstag, 24. Juli 2014

7 Gründe, doch Einsiedlerkrebse zu kaufen

Die in meinen Augen radikale Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. hat vor exakt einer Woche in ihrem „VeganBlog“ einen Beitrag mit dem Titel „7 Gründe, keinen Einsiedlerkrebs zu kaufen“ veröffentlicht. Darin berichtet die Autorin von ihrer einsamen Zeit am College, als sie sich in einem Einkaufszentrum einen Einsiedlerkrebs kaufte und diesen anschließend mit besten Gewissen unter nicht artgerechten Bedingungen hielt, welche ihr auch vom Verkäufer so genannt und als Anleitung mitgegeben wurden. Die Autorin hatte also den Fehler begangen, sich im Vorfeld der Anschaffung eines Tieres nicht ausreichend genug zu informieren. Ein Fehler, den leider viele Leute (jedoch nicht nur in Bezug auf exotische Tiere) begehen. Ihr menschliches Versagen mag zwar kein Einzelfall sein, rechtfertigt jedoch nicht die im Artikel von ihr genannten „sieben gute Gründe, warum man niemals einen Einsiedlerkrebs kaufen sollte“. Diese besagen sinngemäß:

1) Jeder verkaufte Landeinsiedlerkrebs wurde aus seiner Freiheit gerissen, da sie sich in Gefangenschaft kaum fortpflanzen.


Die Nachzucht von Landeinsiedlerkrebsen ist in Gefangenschaft möglich und auch schon mehrfach geglückt. Dafür bedarf es allerdings einiges an Geschick und Aufwand. Beispielsweise benötigen die Tiere einen tropischen Landteil und zur Fortpflanzung einen Meerwasserteil mit Gezeitensimulation. Die Meerwasseraquaristik ist innerhalb der Aquaristik ohnehin die Königsdisziplin, weil die Anforderungen an den Salzgehalt nicht so leicht zu bewerkstelligen sind, wie die Anforderungen an ein Süßwasseraquarium. Gleiches gilt für den Meerwasserteil in einem Aquaterrarium für Landeinsiedlerkrebse, in dem sich die Tiere fortpflanzen sollen. Unmöglich ist dies jedoch nicht und je mehr leidenschaftliche Halter von Landeinsiedlerkrebsen sich dieser Problematik annehmen, desto mehr Erkenntnisse werden darüber gesammelt und dadurch werden umso mehr Tiere in Gefangenschaft nachgezüchtet.

Aktuell kann der Bedarf des Handels aber tatsächlich nur durch Naturentnahmen (sogenannte Wildfänge) gedeckt werden. Prinzipiell empfindet man bei diesem Gedanken sicherlich eine Art von Abscheu. Wie kann der Mensch es bloß wagen, Tiere aus der freien Natur zu entnehmen und dann für die Privathaltung zu verkaufen? Das ist doch barbarisch! So dachte ich auch einmal, aber ich habe erkannt, dass es einen Unterschied gibt zwischen legalen und nachhaltigen Wildfängen und illegalem Schmuggel inkl. Ausbeutung der Natur. Im Falle der Einsiedlerkrebse sind die Populationen gesichert. Wenn die Bevölkerung der Herkunftsländer Geld mit diesen Wildfängen verdient, sorgen sie auch dafür, dass die Populationen in Zukunft stabil bleiben. Schließlich stellen diese Tiere ihr Kapital dar. Hierfür könnte man eine Art Siegel einführen, welches den nachhaltigen Wildfang bescheinigt. Ein solches Modell existiert bereits in der Aquaristik (Ramsar-Konvention). Nicht zuletzt sind die Wildfänge für den Heimtiermarkt nur ein kleiner Aspekt aller Naturentnahmen von Einsiedlerkrebsen. Der Großteil der Naturentnahmen dient in vielen Teilen der Welt schlicht und ergreifend der Ernährung des Menschen. Daran wird nicht gerüttelt, wenn weniger Tiere auf dem Heimtiermarkt landen.

Wenn dem Krebs in menschlicher Obhut naturnahe Haltungsbedingungen geboten werden, fühlt er sich dort nicht unwohler als in der freien Natur. Im Gegenteil, denn in menschlicher Obhut ist er zudem vor dem ständigen Druck durch Fressfeinde, vor Dürreperioden oder Überflutungen sicher. Er leidet demnach in artgerechter Haltung weniger Stress. Es gibt zwar Tierarten, die als Wildfang in der Terraristik sehr anfällig sind, aber Landeinsiedlerkrebse gehören nicht dazu, sofern sie nicht unter extremen Bedingungen transportiert wurden oder am Ende an nicht ausreichend informierte Leute verkauft werden. Über eine artgerechte Haltung sollte man sich aber vor der Anschaffung eines jeden Tieres im Vorfeld informieren.

2) Einsiedlerkrebse brauchen Artgenossen, weil sie z.B. gemeinsam schlafen und gemeinsam Futter suchen.


Hierzu gibt es vergleichbare Meinungsverschiedenheiten wie zu der Gruppenhaltung von Schildkröten oder Schlangen. Nur weil Tiere in der Natur z.B. gemeinsame Schlafplätze nutzen, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie die Nähe zum Artgenossen zwingend benötigen. Sie schützen sich in der Gruppe nur effektiver vor Fressfeinden, die in der Terrarienhaltung nicht vorhanden sind.

Ich persönlich vertrete jedoch ebenfalls die Meinung, dass eine Gruppenhaltung dieser Tiere in entsprechend großen Terrarien anzuraten ist. Dies ermöglicht weitere interessante Beobachtungen und ein gewisses Sozialverhalten lässt sich bei diesen Tieren nicht abstreiten. Trotzdem finde ich dieses Argument irgendwie widersinnig. Es handelt sich beim Sozialverhalten dieser Tiere nämlich weniger um einen Grund, keine Einsiedlerkrebse zu kaufen, sondern doch wohl eher um einen guten Grund, gleich noch ein paar weitere zu kaufen.

3) Einsiedlerkrebse werden in freier Wildbahn recht alt, in Gefangenschaft jedoch weniger als ein Jahr.

Die Lebenserwartung von Landeinsiedlerkrebsen unterliegt artbedingten und geschlechtsspezifischen Unterschieden. Nur weil ein Weibchen von Art A bei einem Halter 30 Jahre lebte und ein Männchen von Art B bei einem anderen nur ein Jahr lang, bedeutet dies nicht, dass die Haltung im letzten Fall schlechter war und das Tier nur aufgrund der Haltung in Menschenhand qualvoll vorzeitig einging. Solche Fälle kommen zwar sicherlich auch vor, sind jedoch kein plausibler Grund, dass sich informierte Halter keine Landeinsiedlerkrebse zulegen sollten. Zumal bei Wildfängen das Alter ohnehin nicht bekannt ist und ein männliches Tier beim Import schon am Ende seiner natürlichen Lebenszeit stehen kann. In Foren findet man die Aussagen verschiedener Halter, die einzelne Tiere zum Teil schon über 20 Jahre lang pflegen. Die Daten über die anzunehmende Lebenserwartung dieser Tiere stammen übrigens nicht aus Feldstudien in der freien Natur, sondern aus der Haltung in menschlicher Obhut. PETA argumentiert hier also ohne Sinn und Verstand.

4) Einsiedlerkrebse benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit zum Atmen, sonst ersticken sie qualvoll.


Dies ist lediglich ein guter Grund, die Krebse artgerecht zu halten und sich im Vorfeld darüber zu informieren. Nicht jedoch dafür, sich keines dieser Tiere anzuschaffen. Wer sich nicht ausreichend informiert und Meerschweinchen dem Namen folgend in Meeresaquarien hält, hat ebenfalls mit einem baldigen Ableben seines Tieres zu rechnen.

5) Einsiedlerkrebse werden durch Leitungswasser oder farbige Gehäuse nach und nach vergiftet.

Was die kitschigen, buntbemalten Schneckenhäuser betrifft, stimme ich mit der PETA-Autorin vollkommen überein. Diese Produkte sollten vom Markt entfernt werden. Schlimm ist nicht nur die Giftwirkung, sondern mir sind auch Berichte bekannt, in denen Landeinsiedlerkrebse aus ihren natürlichen Schneckenhäusern mit Pressluft rausgeblasen wurden, um sie in den Umzug in ein buntes Schneckenhaus zu „überreden“. Gegen solche kommerziellen Auswüchse sollten verantwortungsvolle Terrarianer, die an einer artgerechten Haltung ihrer Pfleglinge interessiert sind, ebenfalls deutliche Position beziehen!


Dass Leitungswasser grundsätzlich giftig für die Tiere ist, stimmt so jedoch nicht. Vergiftungserscheinen entstehen in der Haltung von Krebstieren entweder durch chemische Zusätze wie Wasseraufbereiter für Fische, durch die Verwendung des falschen Salzes (Spezialsalz aus der Zoofachhandlung verwenden und kein normales Speisesalz!) oder in manchen Fällen durch gechlortes Wasser. Die Stadtwerke geben meist nur dann bekannt, dass sie Chlor ins Trinkwasser gegeben haben, wenn der Chlorgehalt für uns Menschen eine Rolle spielt und die Grenzwerte angekratzt werden. Die unbedenklichen Konzentrationen insbesondere für wirbellose Tiere sind jedoch weitaus niedriger, weswegen man nur abgestandenes Leitungswasser für diese Tiere verwenden sollte, welches man mit einem Spezialsalz für die Meerwasseraquaristik auf den erforderlichen Salzgehalt einstellt.

Doch auch dies ist kein Grund, den Kauf von Landeinsiedlerkrebsen zu unterlassen, wenn man sich entsprechend informiert. Eine Möglichkeit der Information hätte PETA in ihrem eigenen Blogbeitrag bieten können. Leider steht dort jedoch die Aufzählung von Schauergeschichten vor der objektiven Aufklärung über die Ansprüche der Tiere.

6) Einsiedlerkrebse benötigen Platz und ein tiefes, feuchtes Substrat für die Häutung, sonst bleiben sie in ihrem Panzer stecken und sterben.

In diesem Punkt wagt die Autorin tatsächlich eine objektive Aufklärung, die ich somit nicht zu kritisieren habe. Diese Bedürfnisse kann man als informierter Halter allerdings leicht erfüllen, was also kein vernünftiger Grund dafür ist, keine Landeinsiedlerkrebse zu kaufen.

7) Durch die Entnahme von Muscheln aus der Natur für den Heimtiermarkt als Unterkunft für die Landeinsiedlerkrebse kommen wildlebende Landeinsiedlerkrebse in eine sogenannte „Immobilienkrise“ und finden keine Behausungen mehr in der richtigen Größe.

Dieser vor einiger Zeit in diversen Medien verbreitete Unfug beruht auf der Geschäftsidee eines US-Amerikaners. Er stellte die These auf, dass an der „Immobilienkrise“ der Einsiedlerkrebse der Handel mit den Gehäusen (übrigens weniger Muscheln, sondern vielmehr Häuser von Seeschnecken) in den USA Schuld sei. Als Abhilfe dafür entwickelte er kleine Plastikhäuser, die via 3D-Drucker hergestellt wurden. Geplant war zunächst (so jedenfalls die Aussage des Initiators dieses Projektes), diese Plastikgehäuse in das Meer zu schütten, um den dortigen Einsiedlerkrebsen neue Unterschlupfmöglichkeiten zu bieten. Schließlich nehmen diese Tiere auch jetzt schon in ihrer Not Teile des Zivilisationsmülls wie z.B. Plastikflaschen oder Getränkedosen an. Dieser Plan wurde jedoch glücklicherweise verworfen (hätten andere Tiere dieses unverdauliche Zeug gefressen, gäbe es womöglich Darmverschlüsse mit Todesfolge). Stattdessen sollte der Zoofachhandel beliefert werden, damit weniger Gehäuse aus der Natur entnommen würden. Dies stellt sicherlich eine lukrative Geschäftsidee dar, doch hat das auch etwas mit Tierschutz zu tun? Schließlich klingt der Ansatz ja sehr nobel. Leider nützt dieser Plan den wildlebenden Krebsen herzlich wenig.

Der Handel mit aus der Natur entnommenen Schneckenhäusern steht nämlich in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Ursache der Immobilienkrise der Einsiedlerkrebse und trägt somit keine Schuld an dieser. Die tatsächliche Ursache ist die Zersetzung der aus Kalk bestehenden Gehäuse aufgrund der immer saurer werdenden Meere. Beispielsweise durch die Entsorgung von Müll oder durch das Einleiten von Chemikalien über die Flüsse in die Meere. Um den Kreis zum VeganBlog zu schließen: Daran ist nicht zuletzt auch der unreflektierte Konsum konventioneller, pflanzlicher Produkten beteiligt. Denn Pflanzenschutzmittel und Düngemittel sind die wohl wichtigsten Ursachen für die immer saurer werdenden Meere. Wenn schon vegan, dann regional und in Bio-Qualität.

Wäre ich so radikal gepolt wie die Herrschaften von PETA, wäre das doch mal ein guter Grund, um vegane Ernährung komplett zu verurteilen. Das bin ich aber nicht, weswegen es allenfalls ein guter Grund dafür ist, sich zu informieren und die Zusammenhänge zu verstehen, ehe man sich aufgrund irgendeiner einseitigen Propaganda das Hirn waschen lässt.

Montag, 21. Juli 2014

Nachtrag: Rabatte beim Futterhaus

Das ist ja wieder einmal typisch. Das aktuelle Gutscheinheft der Zoofachhandlung „Futterhaus“ offenbart mal wieder, welche Randposition die Terraristik leider selbst bei den Zoofachgeschäften einnimmt. Das Heft enthält 33 Gutscheine für Katzen, 32 für Hunde, 8 für Nagetiere, 5 für Vögel, lobenswerte 12 für die Aquaristik und 1 Gutschein für eine Futterhaus-Tragetasche. Speziell für die Terraristik sind es… *schnell noch mal mit einem Taschenrechner überprüfen…*: 0 (in Worten: Null) Stück! Lediglich 1 Gutschein ist für Kleintierprodukte nutzbar, worunter auch Terraristik-Artikel fallen dürften. In solchen Momenten erklingt in meinen Ohren seltsamerweise immer der Refrain eines Liedes von Manfred Mann: „Ha! Ha! Said the clown!“

Es ist ja aber nicht so, dass ich nicht über Verbesserungen berichten würde, wenn es denn welche gibt. In Bezug auf meinen letzten Beitrag über die Futterkarte vom Futterhaus, kann ich nämlich verkünden, dass Frostfutter (zumindest in der mir bekannten Filiale nach erneutem Ansprechen der Situation) neuerdings vom Futterkarten-Rabatt berücksichtigt wird und somit 2 % vom Kaufpreis abgezogen werden. Dies ist doch mal eine erfreuliche Meldung. Lebende Futtertiere sind weiterhin als Lebendtiere eingestuft und daher nicht vom Rabatt betroffen. Aus Respekt vor diesen Tieren finde ich das auch in Ordnung. Ich finde es dennoch schlichtweg sehr ironisch, dass auf „Futter“ die Futterkarte nicht anwendbar ist, obwohl man meinem Partner und mir die Futterkarte eigentlich wegen unseres Futtertier-Abos ans Herz legte.

Samstag, 19. Juli 2014

Nachtrag: Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Entgegen aller Erwartungen habe ich vor einigen Tagen tatsächlich doch noch eine Antwort vom Deutschen Tierschutzbund e.V. bzgl. meiner Anfrage über die Grundlagen der von dieser Organisation durchgeführten Tierheimstudie erhalten. Der Fragebogen mit Fragen über die Anzahl an aufgenommenen Reptilien in den letzten 5 Jahren ging im Dezember 2013 an insgesamt 735 Tierschutzvereine des Deutschen Tierschutzbundes. 64 Vereine wurden aus der Bewertung genommen, da diese sich auf lediglich eine einzige Tierart spezialisiert und somit keine Reptilien aufgenommen hatten (z.B. Schutzvereine für Katzen, Igel oder Frettchen). Damit blieben nur noch 671 Vereine übrig. Von diesen erhielt der Tierschutzbund lediglich von 226 Vereinen eine Antwort. Davon waren ebenfalls 12 Stück unter den o.g. Vereinen, die bewusst aus der Bewertung genommen wurden, was ich auch vernünftig finde. Somit blieben zum Ende der Befragung im April 2014 lediglich die Ergebnisse von 214 Tierschutzvereinen übrig.

Von diesen 214 Vereinen haben in den letzten 5 Jahren 157 Vereine (73 %) insgesamt ca. 9.068 Reptilien aufgenommen. Also rund 8 Reptilien pro Verein in einem Jahr, was mir auch als eine realistische Zahl erscheint. Von diesen 157 Vereinen waren 41 % nicht in der Lage, die Reptilien angemessen unterzubringen. An Tieren wurden hauptsächlich Schildkröten, aber auch Bartagamen und Schlangen wie die Kornnatter abgegeben. Diese seien auch schwerer zu vermitteln, als seltenere Exemplare. Die Frage, ob die Anzahl an abgegebenen Reptilien in den letzten 10 Jahren zugenommen habe, beantwortete etwa die Hälfte der Vereine (51 %) mit einem Ja.

Soweit die Grundlagen der Befragung, die ich im Prinzip so stehen lassen kann. Dass Tierheime überfordert mit Reptilien sind, kann ich nachvollziehen. Dass allerdings nur knapp über die Hälfte der Vereine mit den Reptilien überfordert war, überrascht mich positiv. Auch die Anzahl an durchschnittlichen Abgaben deckt sich mit meinen eigenen Recherchen. Man kann also festhalten, dass pro Jahr etwa 6-10 Reptilien pro Tierheim abgegeben werden, was jedoch nur einen sehr geringen Anteil der gesamten Tierabgaben ausmacht. Den Großteil an Abgaben machen hauptsächlich Hunde und Katzen aus. Der Tierschutzbund spricht selber von jährlich bis zu 80.000 Hunden und 130.000 Katzen in seinen angeschlossenen Tierheimen. Dort wird aber seltsamerweise kein Verbot gefordet.

Die Details zur Hochrechnung bestätigen mir, was ich schon in meinem letzten Beitrag zur Tierheimstudie erläutert habe. Der Deutsche Tierschutzbund hat nämlich einfach nur die Daten der Rückantworten auf alle befragten Vereine hochgerechnet. Die ermittelten 9.068 Reptilien in 214 Vereinen wurden auf die 671 befragten Vereine hochgerechnet, was 28.433 abgegebene Reptilien in 5 Jahren ergibt. Am durchschnittlichen Anteil an Abgaben ändert sich dadurch natürlich nichts, aber die Zahl wirkt plötzlich umso dramatischer. Hochrechnungen sind zwar gemeinhin akzeptiert, spiegeln jedoch nicht die tatsächliche Situation wider. Wissenschaftlich valide sind lediglich die Rückmeldungen der 214 ausgewerteten Vereine und die sprechen gerade mal von einem Drittel der in den Medien verbreiteten Anzahl an abgegebenen Exoten. Überhaupt wäre der Verbreitung von Prozentangaben und Verhältnisdarstellungen wesentlich verständlicher für die Leser, als irgendwelche Stückzahlen, die vom Leser erst noch in das richtige Verhältnis gesetzt werden müssen. Aber aufgeklärte Leser sind natürlich bei der ganzen Anti-Exoten-Propaganda äußerst hinderlich…

Was ebenfalls in der ersten Antwort des Tierschutzbundes an mich nicht erläutert wurde, ob auch auf Reptilien spezialisierte Tierheime und Auffangstationen angefragt wurden und ob diese später ebenfalls aus der Berechnung genommen wurden. Angegeben wurde in der mir zugeschickten Zusammenfassung der Studie lediglich, dass Tierheime ausgewertet wurden, die mindestens 2 Tierarten betreuen. Katzenschutzvereine wurden also vernünftigerweise aus der Wertung genommen, weil diese sich lediglich auf die Art Felis silvestris catus spezialisiert haben. Eine Reptilienauffangstation, die z.B. Bartagamen, Schildkröten und Kornnattern aufnimmt, hat faktisch gesehen aber bereits mehrere Tierarten im Bestand und würde somit laut der Ausschlusskriterien mitgezählt, was dann jedoch gezielt den durchschnittlichen Anteil an abgegebenen Reptilien in die Höhe schnellen lassen würde!

Weil demnach noch ein paar Antworten offen waren, machte ich mir erneut die Mühe und stellte eine weitere Anfrage beim Deutschen Tierschutzbund. Darin bat ich um den Fragebogen, die vollständige Studie oder zumindest eine Bezugsquelle dafür, weil mir die zugeschickte erste Seite mit der Zusammenfassung der Ergebnisse nicht ausreichte, sowie eine Erläuterung über den Umgang mit Reptilienauffangstationen bei der Auswertung. Eine seriöse und transparente Organisation würde ihre Studien im Sinne der wissenschaftlichen Publikationsethik zur Verfügung stellen und nicht nur ausgesuchte Teile davon veröffentlichen. Bei Studien sehr wichtig ist nämlich der sogenannte „Methodikteil“. Darin wird erläutert, wie die jeweilige Studie aufgebaut ist und auf welche Art die Daten erfasst wurden. Nur dieser Teil macht eine Überprüfung und Beurteilung durch den Leser erst möglich. Der Abschnitt über die Methodik ist somit extrem wichtig, da sonst eine Studie absolut keinen wissenschaftlichen Wert hat.

Vorgestern erhielt ich dann auch wirklich eine Bezugsquelle für die komplette Studie und die Antwort auf meine Frage zu Reptilienauffangstationen. [Nachtrag: Inzwischen hat der Tierschutzbund die Studie auch öffentlich bereitgestellt: Klick] Darin heißt es, dass nur die Reptilienauffangstation München Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes ist. Deren Ergebnisse werden zwar ebenfalls in der Studie dargestellt, sie sind jedoch nicht in die Auswertung und Hochrechnung eingeflossen. Die eigentlichen Ergebnisse wurden also vom Tierschutzbund glücklicherweise nicht gezielt zu Ungunsten der Reptilienhaltung manipuliert. Es wurden „nur“ die Ergebnisse pauschal hochgerechnet und diese Angabe plump in den Medien verbreitet und das Verhältnis zu klassischen Haustieren unter den Tisch gekehrt. Das ist meiner Meinung nach schon schlimm genug! Ein weiteres interessantes Detail stellt die ermittelte Anzahl an abgegebenen Gefahrtieren dar, die von Frau Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund bei sternTV noch als großes Problem dargestellt wurden. So wurden gerade einmal 1 Brillenkaiman, 2 Giftschlangen und 8 potentiell gefährliche Riesenschlangen im abgefragten Zeitraum von 5 Jahren abgegeben (pro Jahr also nur 2 gefährliche Tiere in sämtlichen 157 Vereinen). Bei insgesamt 9.068 abgegeben Reptilien macht das einen statistisch schlichtweg kaum relevanten Anteil von gerade einmal 0,1 %! Zählt man die 19 Alligator- und Schnappschildkröten hinzu, die bereits bundesweit verboten sind und in der Tierheimstudie nicht gesondert als gefährliche Tiere aufgeführt werden, kommt man immerhin noch auf 0,3 %. Der Anteil an Listenhunden in Tierheimen liegt weitaus höher. Panikmache ist somit unbegründet. Der Anteil an für den Menschen ungefährlichen Reptilien liegt mit 99,9 % ganz eindeutig weit entfernt von irgendeiner begründeten Panikmache! Setzt man diese Ergebnisse ins Verhältnis zu sämtlichen Tierabgaben in Tierheimen, bleiben nur noch ca. 0,002 % übrig und diese Zahl ist nun wirklich nicht mehr statistisch relevant. Außerdem zeigt dieses Ergebnis, dass die Regelungen in Bezug auf gefährliche Tiere gut funktionieren, denn sonst wäre der Anteil wesentlich höher und die Unfallstatistiken auch nicht so blank, was Zwischenfälle mit für den Menschen potentiell gefährlichen Terrarientieren betrifft. Aber das ist wieder ein anderes Thema...

Wie man an den Schnappschildkröten deutlich sieht, sind es gerade die Verbote, welche die Tierheimsituation befeuern. Dass der Tierschutzbund also Haltungsverbote kraft einer Positivliste fordert, grenzt an Wahnsinn!
 

Mittwoch, 16. Juli 2014

Die Schwarze Wegameise (Lasius niger)

Bei der Schwarzen Wegameise handelt es sich um eine einheimische, nicht geschützte Ameisenart. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa. Sie kommt zudem auch in Asien, Afrika und Nordamerika vor. Dort bewohnt sie Wälder und offene Landschaften. Im Sommer findet man in den Städten auf den Wegen und am Straßenrand die Nestöffnungen dieser sehr anpassungsfähigen Ameisenart. Nicht selten dringen die Tiere sogar bis in die Behausungen des Menschen vor und werden dann als Schädlinge betrachtet und bekämpft.

Königinnen der Schwarzen Wegameise können bis zu 1 cm lang werden. Arbeiterinnen werden nicht einmal halb so groß. Männchen erreichen knapp ein Drittel der Größe der Königin. Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Grundfarbe dieser Ameise schwarz. Der Hinterleib glänzt je nach Lichteinfall in einem Bronzeton. Im Sommer findet der Königinnenflug statt. Genauer gesagt schwärmen an den warmen Sommertagen sowohl weibliche als auch männliche, beflügelte Geschlechtstiere aus und paaren sich im Flug. Die Männchen sterben zeitnah nach der Paarung, während die Königinnen ihre Flügel abtrennen und in einer unterirdischen Kammer eine neue Kolonie gründen. Die einmalige Paarung der Königin während des Schwarmfluges reicht aus, um lebenslang befruchtete Eier abzulegen.
Königspaar bei der Kopulation
Die Schwarze Wegameise ist eine dem Menschen gegenüber friedliche Ameisenart, die selten aktiv jagt, sondern allenfalls tote Insekten sammelt. Ihre Hauptnahrung im natürlichen Lebensraum stellt jedoch der Honigtau von Blattläusen dar. Die Ameisen betrommeln die Läuse mit ihren Fühlern, worauf die Läuse einen kleinen Tropfen Honigtau abgeben. Die Ameisen wiederum beschützen die Läuse vor Räubern wie z.B. dem Marienkäfer. Im Terrarium kann man diese Ameisen mit Zuckerwasser, Ahornsirup und Honig ernähren. Trotz des friedlichen Gemüts ist eine Vergesellschaftung mit anderen Arten zu vermeiden. Auch gegenüber Individuen der eigenen Art aus anderen Kolonien reagiert Lasius niger mit tödlicher Gewalt.

Haltungsbedingungen:
Für die Pflege von wirbellosen Tieren gibt es prinzipiell keine Mindesthaltungsrichtlinien. Man sollte sich trotzdem nach den Hinweisen in der Fachliteratur oder den Erfahrungen anderer Halter richten, um wirbellose Tiere artgerecht halten zu können. Zu Beginn der Haltung von Lasius niger ist der Platzbedarf noch sehr gering, da man meist mit einer selbst gefangenen, einzelnen Königin oder einer käuflich erworbenen Kleinkolonie mit der Königin und ein paar Arbeiterinnen beginnt. Ameisen werden in sogenannten „Formicarien“ gehalten, die es je nach Bedürfnis der zu haltenden Art in verschiedenen Ausführungen gibt. Der Grundaufbau stellt bei Lasius niger einerseits ein Nest dar, in dem die Kolonie lebt. Außerdem wird den Tieren noch eine sogenannte „Arena“ zur Verfügung gestellt, in der die Arbeiterinnen nach Nahrung suchen und wo sie die anfallenden Abfälle der Kolonie entsorgen. Dies machen sie zur Freude des Pflegers meist an einem bestimmten Stammplatz, der so weit wie möglich vom Nest entfernt liegt, was die Reinigung des Beckers erleichtert. Als Arena eignen sich dichtschließende Terrarien oder Aquarien mit feinen Lüftungsgittern, durch die sich die Ameisen nicht durchzwängen können. Solche Becken können im Internet z.B. beim Ameisenshop „Antstore“ käuflich erworben werden. Für Lasius niger empfiehlt es sich, den Bodengrund mit einer reinen Lehmschicht zu beschichten, damit die Tiere sich nicht in der Arena eingraben können und dort plötzlich ein Nest anlegen. Wichtig ist, dass das Becken ausbruchsicher ist. Dafür kann man wenige Zentimeter unter dem Beckenrand eine Schicht aus speziellem Flüssigkunststoff auftragen, an dem die Ameisen abrutschen. Diesen gibt es ebenfalls im Ameisenshop zu kaufen.
 
Als eigentliches Nest dient zu Beginn der Haltung meist ein Reagenzglas, welches man zu etwa 2/3 mit Wasser füllt und in das man anschließend einen fest geknüllten Wattebausch bis an das Wasser heran drückt. Das Ende der Watte, welches zur Öffnung des Reagenzglases zeigt, sollte durch das aufgesogene Wasser feucht (nicht nass!) sein und das im Reagenzglas enthaltene Wasser darf nicht herauslaufen. Auf diese Weise entsteht im vorderen Drittel des Reagenzglases das eigentliche Nest für die ersten Wochen der Kolonie. Wenn man eine befruchtete Königin selber nach dem Königinnenflug gefangen hat, setzt man diese in das Reagenzglas und verschließt es mit einem lockeren Wattebausch, feiner Gaze oder einem fein durchlöcherten Stopfen, um Luftzufuhr zu gewährleisten. Das Reagenzglas muss verdunkelt werden, sonst wird keine Kolonie gegründet und die Königin würde auf der verzweifelten Suche nach einer geeigneten Gründungskammer irgendwann sterben. Zur Verdunklung eignet sich z.B. rote Folie, weil Ameisen die Farbe Rot wohl nicht wahrnehmen können und im roten Licht das Gefühl von Dunkelheit und Sicherheit haben (wobei hier manche Halter auch eine andere Meinung vertreten und das Nest komplett verdunkeln). Die Königin hat normalerweise genug Energie getankt und benötigt in den ersten Tagen keine Nahrung. Sobald sie mit der Koloniegründung begonnen und das Nest somit angenommen hat, legt man das Reagenzglas geöffnet in die Arena und kann in der Arena in kleinen Näpfen oder auf kleinen Stückchen von Alufolie ein paar Tropfen Zuckerwasser, Ahornsirup oder Honig als Futter reichen. Zuckerwasser wird sehr gerne aufgenommen, Honig ist jedoch wesentlich nahrhafter. Manche Halter mischen sich auch eine eigene Futterlösung mit Zucker, Wasser, Honig und anderen Inhaltsstoffen selbst.

Im Laufe der Wochen wird die Kolonie immer weiter wachsen. Das Reagenzglas wird dabei irgendwann (meist erst nach einigen Monaten bis zu 2 Jahren, je nach Haltungstemperatur, Ernährung und damit verbundener Expansion der Kolonie) für diese zu klein. Irgendwann ist auch das Wasser verbraucht und die Kolonie muss umziehen. Normalerweise macht sie das freiwillig, sobald wegen Wasser- oder Platzmangel die Haltungsbedingungen im Nest nicht mehr optimal sind. Spätestens dann muss der Halter der Kolonie ein größeres Nest mit optimalen Haltungsbedingungen zur Verfügung stellen. Dafür gibt es grundsätzlich zwei einfache Möglichkeiten:

1. Man verbindet die Arena über einen Schlauch mit einer sogenannten Ameisenfarm. Diese gibt es ebenfalls käuflich im Ameisenshop zu erwerben. Dabei handelt es sich prinzipiell um zwei Glasscheiben, zwischen denen ein grabfähiges Substrat (eine Sand-Lehm-Mischung) gefüllt wird, in dem die Ameisen dann ihre Gänge und Höhlen selber anlegen können. Dies ist vorteilhaft für interessante Beobachtungen der Tiere, jedoch sind diese Nester in Sachen Befeuchtung und Pflege nicht unbedingt sehr praktisch.
Yton-Nest
2. Man stellt ein vorgefertigtes oder selbstgebautes Nest z.B. aus Yton (Blähbeton) oder Gips in die Arena. Dafür schnitzt man z.B. in einen Yton-Block die Gänge und Kammern und befestigt anschließend mit Schrauben oder Aquariensilikon eine Glasplatte inkl. roter Folie auf den Block. Zur Befeuchtung wird ein Wassergraben auf der Oberseite des Blocks bis hinter einen Teil der Kammern gefräst. Die Ameisen können bei einem solchen Nest zwar ihre Gänge nicht selber anlegen, jedoch ist ein solches Nest leichter zu pflegen und die Gefahr, dass sich in einer Kammer Schimmel bildet, ist nicht so groß wie bei einer Ameisenfarm. Im Notfall kann man die Glasplatte einfach abnehmen und Teile des Nestes säubern oder für die Kolonie verschließen. Bei einer Ameisenfarm würde eine solche Aktion das gesamte Nest zerstören. Beim Yton-Nest erlebt man allerdings nicht, wie die Ameisen ihre Gänge und Kammern selber bauen, was das zu erlebende Beobachtungsspektrum etwas einschränkt.

Bei beiden Varianten biete sich der Vorteil, dass man das Nest von der Arena separieren kann, was bei der Winterruhe ein Vorteil ist. Man kann dann das Nest mit der darin zurückgezogenen Kolonie in die Winterruhe schicken, während der Rest des Formicariums an seinem Stammplatz bleiben kann. Ich persönlich bevorzuge die zweite Variante mit einem selbstgebauten Yton-Nest, bei dem ich die Ränder der Kammern mit etwas Gips ausgefüllt habe, damit keine Eier oder Larven in den Poren des Blähbetons fallen können. Für den Umzug der Kolonie empfiehlt es sich, das neue Nest direkt mit dem Reagenzglasnest zu verbinden. Das neue Nest wird dann von den Tieren schneller gefunden und bei darin herrschenden besseren Bedingungen im Vergleich zum Reagenzglas auch relativ schnell angenommen. Sollte dies alles nichts nützen und die Tiere einfach nicht umzugswillig sein (Lasius niger hat eine ausgeprägte Nesttreue), kann man auch den radikalen Weg gehen und das Reagenzglasnest in der Arena in der Nähe des neuen Nestes ausschütten und vorsichtig ausklopfen. Den Ameisen schadet dies meiner Meinung nach nicht. Die Arbeiterinnen werden die Brut zusammentragen und schnellstmöglich nach einem neuen Nest suchen. Steht das Yton-Nest bereit, wird es recht schnell gefunden und als neue Unterkunft angenommen.

Formicarium
Lasius niger ist als einheimische Art an unsere Temperaturen gewöhnt und somit stellt sie keine besonderen Ansprüche an das im Formicarium herrschende Klima. Zimmertemperatur reicht bei der Haltung dieser Art vollkommen aus. Zusätzliche Wärmequellen wirken sich sogar eher negativ auf das Wohlbefinden der Kolonie aus.

Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls relativ nebensächlich. Wichtiger ist die Nestfeuchtigkeit. Das Nest darf nicht zu nass sein! Lasius niger mag es im Nest zwar eher feuchter als zu trocken, jedoch kann eine zu feuchte Haltung im Nest für Kondenswasser sorgen und somit zu Schimmelbildung führen. Dies wäre für die Kolonie wesentlich tödlicher, als eine zu trockene Haltung. Ich befeuchte mein Yton-Nest einmal täglich, indem ich den Wassergraben des Nestes auffülle. Danach zieht das Wasser in den Blähbeton und befeuchtet die Hälfte der Kammern im Nest, während die andere Hälfte trocken bleibt. So können die Ameisen sich in die Kammern zurückziehen, die ihnen am ehesten zusagen. In der Arena sollte man außerdem eine Tränke (z.B. eine Vogeltränke oder eine Dochttränke) anbieten, damit die Tiere direkten Zugang zu Frischwasser haben.

Ernährt werden die Tiere wie schon erwähnt mit Zuckerwasser und Honig. Gelegentlich wird der Speiseplan mit toten Insekten oder anderen Proteinen (z.B. getrocknete Mückenlarven aus dem Zoofachgeschäft) ergänzt. Hauptnahrung stellt jedoch Honig bzw. Zuckerwasser oder eine Mischung aus beidem dar. Wer in der Arena den nötigen Platz hat, kann auch eine mit Blattläusen befallene Pflanze darin aufstellen. Die Ameisen können dann die Läuse melken, was die natürlichste Form der Ernährung für diese Tiere darstellt.

Im Oktober sollte man die Kolonie etappenweise abkühlen, um sie auf die Winterruhe vorzubereiten. In dieser Zeit ist die Kolonie verstärkt zu füttern, damit sie genug Reserven speichern kann. Die eigentliche Überwinterung von Mitte November mit zum März des Folgejahres (bei Bedarf auch etwas länger oder kürzer) sollte bei ca. 6 bis 9 °C stattfinden. In dieser Zeit muss das Nest weiterhin befeuchtet werden. Die meisten Kolonien in der Haltung gehen ein, weil der Halter das Nest während der Winterruhe nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt hat. Ich persönlich überwintere meine Tiere in einem unbeheizten Raum, in dem im Winter ca. 8 °C herrschen. Auch eine Überwinterung im Keller, im Kühlschrank oder frostfrei im Freien wäre denkbar. Die Winterruhe ist notwendig für die Produktivität der Kolonie im darauffolgenden Jahr. Die Lebensdauer der Kolonie wird dadurch ebenfalls erhöht bzw. wird sie im Falle einer ausbleibenden Winterruhe massiv verkürzt. Im März wird die Temperatur wieder schrittweise auf die Normaltemperatur gebracht und mit der Fütterung begonnen.

Die längste nachgewiesene Lebensspanne einer Königin und somit der gesamten Kolonie lag bei fast 29 Jahren. Wer sich also für die Haltung der Schwarzen Wegameise entscheidet, sollte mit einer Lebenserwartung der Kolonie von zumindest über 20 Jahren rechnen. In dieser Zeit kann die Kolonie auf weit über 30.000 Individuen anwachsen. Dennoch reichen für diese Art am eher kleinere Formicarien aus. Aufgrund der niedrigen Ansprüche und die Robustheit ist Lasius niger für Neulinge in der Ameisenhaltung sehr zu empfehlen. 


Freitag, 11. Juli 2014

Die Futterkarte vom Futterhaus: 2 % Rabatt auf alles… außer Futter?!

„Sie kaufen doch jede Woche bei uns so viele Futtertiere. Dann würde sich für Sie bestimmt auch unsere Futterkarte lohnen. Mit der bekommen Sie 2 % Rabatt auf jeden Einkauf.“

So oder so ähnlich begann eines Tages ein Verkaufsgespräch beim besagten Zoofachgeschäft, von dem wir im Abo unsere Heimchen, Grillen und Heuschrecken als Futter für unsere Terrarientiere beziehen. Dank unserer recht großen Anzahl an Pfleglingen kommen wir bei jedem wöchentlichen Einkauf auf ca. 40 Euro. Eine eigene Futtertierzucht hatten wir einmal selber versucht, jedoch machte das am Ende (von Schaben einmal abgesehen, die inzwischen schon eher zu unseren gepflegten Schützlingen zählen) dann doch sehr viel mehr Arbeit, als die Pflege der eigentlichen Terrarientiere, weswegen wir lieber „unnötig“ Geld ausgeben, als wertvolle Zeit in die Pflege einer Futtertierzucht zu investieren. Bei den genannten Beträgen würden wir am Ende des Jahres etwa 38 Euro durch die angebotene Futterkarte einsparen. Auch wenn ich selbst absolut kein Sammler irgendwelcher Kundenkarten bin, erschien mir dieses Angebot dann doch recht lohnenswert, weswegen wir dem Angebot der freundlichen Verkäuferin nachkamen und das Antragsformular ausfüllten.

Wir erklärten uns dabei mit dem Erhalt von Werbung und der Erfassung unseres Einkaufsverhaltens (unter Angabe der von uns gepflegten Terrarien) bereit. Schließlich soll der Laden ja auch etwas davon haben, wenn er uns Rabatt gibt. In den AGBs stand, dass allerdings z.B. Bücher, reduzierte Artikel und Lebendtiere vom Rabatt ausgenommen sind. Bei Büchern aufgrund der Preisbindung nachvollziehbar. Auch bei reduzierten Artikeln ist es verständlich, dass ein Laden keinen weiteren Rabatt geben kann. Und mit dem Passus „Lebendtiere“ waren ja wohl sicherlich die zum Verkauf angebotenen Heimtiere gemeint, bei denen ich Rabattaktionen und Feilschereien am Preis ethisch ohnehin bedenklich finde. Aber Futtertiere, die wie der Name schon sagt als Futter dienen, waren ja wohl nicht gemeint, schließlich hatte die freundliche Verkäuferin uns ja auch extra deswegen die Futterkarte ans Herz gelegt.

Ihr Grinsen, als sie bei unserem ersten Einkauf mit der Futterkarte nach dem Scannen derselben (vermutlich für die Einkaufsstatistik) meinte „Tut mir leid, aber Futtertiere sind vom Rabatt leider ausgeschlossen!“, habe ich mir sicherlich nur eingebildet... Frostfutter, wie z.B. Mäuse, Ratten, Mückenlarven, Stinte etc., ist übrigens ebenfalls vom Rabatt ausgenommen und dies fällt nach meinem Verständnis nicht wirklich in die Kategorie Lebendtiere. Es ist aber immer wieder interessant, wie man als Exotenhalter diskriminiert wird.

Nachtrag: Rabatte beim Futterhaus  

Mittwoch, 9. Juli 2014

Brasilianische Kornnatter gefunden…?

Am vergangenen Donnerstag den 3. Juli wurde mal wieder eine Schlange gefunden. Normalerweise ist mir das keinen Bericht wert, da auch nicht über jeden ausgesetzten Hund oder über jede frisch aufgetauchte Straßenkatze berichtet wird. Aber dieser Fall offenbart mal wieder die stümperhaften Recherchen in Situationen, bei denen es um „Exoten“ geht. Der Fund ereignete sich im bayrischen Frammersbach im Garten einer Familie. Der Familienhund soll das Tier gefunden und laut gebellt haben. Die Hundehalterin verständigte daraufhin die Polizei und fing die Schlange mit einem Eimer ein. Nach Internetrecherchen (!) der Polizei konnte die 150 cm lange Schlange als brasilianische Kornnatter identifiziert werden.

Das ist eine wissenschaftliche Sensation, weil es sich hierbei somit um die weltweit erste Kornnatter aus Brasilien handelt! Denn normalerweise kommt die Kornnatter im Osten der USA (z.B. in Florida in den Everglades) vor. Dies hätte eine kompetente Internetrecherche wohl auch recht schnell ergeben, aber vielleicht haben die Beamten dann doch zu oft in die Fußball WM in Brasilien reingezappt und waren daher etwas nachlässig? Oder hatte das Tier vielleicht sogar ein brasilianisches Trikot an, in dem auch noch der offizielle Reisepass des Tieres gefunden wurde? Wann weiß es nicht... 
 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus) ist eine ungiftige, kleinbleibende und vorrangig bodenbewohnende Natter, deren Verbreitungsgebiet sich über große Teile Afrikas erstreckt. Ihr Name lässt schon vermuten, dass sie die Nähe zum Menschen nicht scheut. Sie gilt in ihrer Heimat als Kulturfolger und jagt mit Vorliebe kleinere Nagetiere, die wiederum von den Hinterlassenschaften des Menschen angelockt werden. In ihrem natürlichen Lebensraum kommt diese Schlange ansonsten in Grassavannen und Buschlandschaften vor. Sie bevorzugt freie Flächen, wohingegen dichte Wälder oder gar Wüsten gemieden werden. Angepasst an ihre Beutetiere ist die Afrikanische Hausschlange dämmerungs- und nachtaktiv.

Die Art wurde 1827 von BOIE als Boaedon fuliginosus beschrieben. Später wurde sie der Gattung Lamprophis zugeordnet und ist heute oftmals unter dem Namen Lamprophis fuliginosus im Handel zu finden. Im November 2010 kam es allerdings zu einer Revision der Gattung Lamprophis durch KELLY et al., bei der einige Vertreter der Hausschlangen aufgrund von weiteren Untersuchungen wieder der ursprünglichen Gattung Boaedon zugeordnet wurden. Der aktuell gültige Artname lautet daher Boaedon fuliginosus.

Die Afrikanische Hausschlange hat eine meist braune Grundfärbung. Am Kopf besitzt ihre Schwesternart, die Gestreifte Hausschlange (Boaedon lineatus), helle Streifen. Inzwischen gehe ich fest davon aus, dass es sich bei den Tieren in meinem Bestand ebenfalls um die Gestreifte Hausschlange handelt, da diese Art in den Terrarien wesentlich verbreiteter und die Deklaration als Afrikanische Hausschlange oftmals falsch ist (die Haltung ist bei beiden Arten identisch). Bei dem Großteil der in Gefangenschaft gehaltenen Hausschlangen wird es sich um falsch deklarierte Boaedon lineatus handeln. Hier ein paar Bilder einer echten Boaedon fuliginosus. 

Das Schuppenkleid irisiert je nach Perspektive und Lichteinfall in den verschiedensten Regenbogenfarben. Weibchen erreichen eine Gesamtkörperlänge von etwa 100 cm (seltener bis über 120 cm), Männchen bleiben mit etwa 70 cm deutlich kleiner. Vom Verhalten her sind diese Schlangen in der Regel sehr ruhig und lassen sich zur Fütterung, zur Kontrolle oder zur Reinigung des Terrariums sehr gut aus diesem herausnehmen. Ich persönlich habe auch nichts dagegen einzuwenden, wenn man Besuchern diese Tiere zeigt, um die unbegründeten Ängste vor Schlangen abzubauen. Dieses Hantieren mit den Schlangen sollte jedoch zur Vermeidung von Stress bei den Tieren nicht ständig erfolgen, sondern auf das nötige Maß begrenzt werden. Meine persönlichen Erfahrungen mit diesen Schlangen zeigen, dass sie sehr gierig sind und problemlos ans Futter (bei mir ausschließlich Frostfutter) gehen. Diese Gier äußerte sich schon öfters mit einem versehentlichen Biss der Schlange in einen meiner Finger direkt nach der Fütterung. Die Schlange merkte jedoch immer sofort, dass meine Finger kein weiteres Futter darstellen und lies direkt wieder los. Aggressive Abwehrbisse habe ich bei der Afrikanischen Hausschlange jedoch noch nie erlebt. Afrikanische Hausschlangen sind demnach zwar sehr ruhig und lassen sich gut hantieren, sind jedoch auch sehr ungestüm, wenn es ums Fressen geht. Daher sollten sie auch immer separat gefüttert werden. Anfangs hielt ich mein Pärchen noch zusammen. Um Zwischenfälle nach der Fütterung zu vermeiden, lies ich das wesentlich kleinere Männchen im Anschluss an die Fütterung mehrmals durch ein leicht feuchtes Handtuch gleiten, um evtl. vorhandene Duftnoten des Futtertieres zu entfernen. Dadurch kam es nie zu Zwischenfällen zwischen Männchen und Weibchen. Nach den ersten Paarungen trennte ich das Paar jedoch wieder und seitdem pflege ich die Geschlechter getrennt.

Aufgrund ihres Verbreitungsgebietes legt die Afrikanische Hausschlange vor der Fortpflanzung keine Winterruhe im eigentlichen Sinne ein. Stimulation durch simulierte Regen- und Trockenzeiten kann jedoch von Vorteil sein. Eine dauerhafte Paarhaltung ist zwar aufgrund des friedlichen Verhaltens möglich, jedoch für das Weibchen sehr stressig, da es dadurch andauernd dem Paarungsdruck des Männchens ausgesetzt ist. Insbesondere vor der Eiablage benötigt das Weibchen Ruhe, da es durch andauernden Stress zu Legenot kommen kann, die unbehandelt in der Regel immer mit dem Tod des Tieres enden wird. Man sollte die Paare also nur für die Paarung zusammensetzen und danach wieder trennen. Das wollte ich zwar zu Beginn der Haltung dieser Art selbst nicht gerne hören, empfand es dann aber doch für nötig, als ich den anhaltenden Paarungseifer des Männchens bemerkte. In größeren und gut strukturierten Terrarien können aber sicherlich mehrere Weibchen mit einem Männchen gehalten werden. Auch die Vergesellschaftung mehrerer gleichgeschlechtlicher Tiere ist möglich, bedarf aber der Beobachtung, da es bei den paarungswilligen Männchen gelegentlich zu Rangeleien (Kommentkämpfen) kommen kann. Nach etwa 2 Monaten nach der Paarung wird sich das Weibchen häuten und etwa 1 Woche später das Gelege absetzen. Zu diesem Zweck sollte ihm ein geeigneter Eiablagebehälter (z.B. eine Box mit feuchtem Spaghnummoos bei einer Temperatur von ca. 27 °C) angeboten werden. Die Eier werden zur weiteren Inkubation in einen geeigneten Inkubator überführt. Bei ca. 27 °C schlüpfen die Jungtiere nach etwa 2 Monaten und sollten zur besseren Kontrolle und Fütterung einzeln aufgezogen werden. Hier gibt es einen Nachzuchtbericht mit weiteren Informationen.

Haltungsbedingungen:
Afrikanische Hausschlangen lassen sich am besten in trockenen Holzterrarien pflegen, da diese Art keinen hohen Bedarf an Feuchtigkeit hat und in Holzterrarien die erforderlichen Temperaturen gut erreicht und gehalten werden können. Eingerichtet wird das Terrarium mit mehreren Verstecken (z.B. umgedrehten Tonschalen aus dem Blumenladen, welche man an einer Seite einschlägt und abschleift, Korkröhren, Korkrindenstücken oder käuflich zu erwerbenden Boxen mit feuchtem Moos) und ein paar Klettergelegenheiten. Zwar gilt die Afrikanische Hausschlange als Bodenbewohner, dennoch klettert sie im Terrarium gelegentlich über Äste oder an einer strukturierten Rückwand. Durch eine solche wird der nutzbare Raum der Schlange vergrößert. Echte Pflanzen können die Einrichtung des Terrariums vervollständigen und sind hilfreich für das Mikroklima. Ich persönlich bevorzuge bei der Haltung von dämmerungs- und nachtaktiven Schlangen allerdings künstliche Pflanzen, da sich diese leichter reinigen lassen und sie außerdem keinen Lichtbedarf haben. Ein Schlangenterrarium nur wegen der Pflanzen hell auszuleuchten, halte ich für nicht sehr zweckmäßig und bei Einhaltung der Haltungsparameter ist es den Tieren auch egal, ob echte, künstliche oder gar keine Pflanzen im Terrarium vorhanden sind. Diese Schlangen nutzen nämlich bevorzugt enge Verstecke und keine Pflanzen als Deckung. Als Bodengrund verwende ich Kokoshumus.

Die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geben für ein Pärchen der Afrikanischen Hausschlange einen Faktor von 1,0 x 0,5 x 0,5 (L x B x H) der Gesamtkörperlänge als Mindestgröße für das Terrarium an. Bei einer zu erwartenden Größe von etwa 100 cm macht dies ein Terrarium von mindestens 100 cm x 50 cm x 50 cm für ein adultes Pärchen. Ich selbst pflege derzeit lediglich ein Weibchen in einem Terrarium dieser Größe. In einem 80 cm x 40 cm x 40 cm Terrarium ist ein Männchen untergebracht. Zur Paarung setze ich das Männchen zu dem Weibchen. Die Jungschlagen können in kleinen Plastikboxen und später z.B. in Standardterrarien von 30 cm x 30 cm x 30 cm aufgezogen werden. Die Haltungsparameter orientieren sich dabei an denen der Elterntiere.


Die Temperatur sollte tagsüber bei etwa 27 °C liegen. Die Schlangen benötigen aber auch eine kühlere Ecke als Rückzugsmöglichkeit. Ich erreiche diese Temperaturen durch das Einbringen eines Spotstrahlers in einer Hälfte des Terrariums, unter dem auch Temperaturen von etwa 35 °C erreicht werden. Dieser Strahler ist durch ein Lampenschutzgitter zu sichern, da sich die Schlangen ansonsten schwere Verbrennungen an den heißen Leuchtmitteln zuziehen können. Nachts sinkt die Temperatur auf etwa 20 °C ab. Da Afrikanische Hausschlangen sehr robust und anpassungsfähig sind, müssen diese Temperaturen nicht bis auf das Grad genau eingestellt werden. Dies soll allerdings auch kein Freifahrtschein dafür sein, die Tiere bei total ungeeigneten Bedingungen zu halten!

Die Luftfeuchtigkeit kann tagsüber bei etwa 50 % liegen, in der Nacht sollte sie leicht ansteigen. Diese Feuchtigkeit erreicht man bereits durch eine Wasserschale und gelegentliches Sprühen mit einer Sprühflasche. Die Wasserschale sollte keinesfalls fehlen und alle 2 bis spätestens 3 Tage (bei Verschmutzung sofort!) gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden. Die Schlangen trinken aktiv aus dieser Schale, nehmen aber auch nach dem Sprühen die Tropfen von der Terrarieneinrichtung auf. In der Häutungsphase (deutlich erkennbar an milchig trüben Augen der Tiere) erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit auf 60-70 % am Tag. Verstecke mit feuchtem Moos stehen immer bereit, was der Häutung ebenfalls zugutekommt. Nachdem sich das Weibchen etwa 2 Monate nach der Paarung gehäutet hat, lasse ich die Luftfeuchtigkeit ganz bewusst stark abfallen, damit die Eiablage tatsächlich in der bereitgestellten Box mit feuchtem Moos erfolgt. Das Weibchen wird diesen feuchten Ort innerhalb des ansonsten trockenen Terrariums gezielt aufsuchen und zur Eiablage nutzen.

Da die hier geschilderten Haltungsparameter sehr leicht hergestellt werden können und die Möglichkeit der Pflege von Afrikanischen Hausschlangen schon in vergleichsweise kleineren Terrarien möglich ist, die Tiere zudem robust sind, keine Winterruhe benötigen (vor der sich Neulinge meist scheuen) und zudem ein ruhiges Verhalten an den Tag legen, sind sie auch informierten Anfängern in der Schlangenhaltung sehr zu empfehlen. Die Lebenserwartung der Afrikanischen Hausschlange liegt bei guter Pflege bei ca. 20 Jahren. Dies sollte man vor der Anschaffung natürlich bedenken.


Für weiterführende Informationen über die Haltung und Zucht von Hausschlangen empfehle ich das Buch „Die Hausschlange: Lamprophis lineatus“ von Kriton Kunz aus der Reihe „Art für Art“ des Natur und Tier Verlags. 

Mittwoch, 2. Juli 2014

Allgemeine Sachkundeprüfung nach § 2 Tierschutzgesetz

Als Tierhalter ist man laut § 2 des Tierschutzgesetzes verpflichtet die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Pflege des jeweiligen Tieres zu erwerben. Wie man diese erlangt ist jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben. Das Studium von Fachliteratur ist im Grunde genommen ausreichend, um die Anforderungen des Tierschutzgesetzes diesbezüglich zu erfüllen. Die Mitgliedschaft in einem Fachverband wird von einigen Behörden ebenfalls bereits als Vorhandensein einer Sachkunde (gerade in Bezug auf die Erteilung einer Genehmigung für die Haltung gefährlicher Arten) gewertet. Die Fachverbände DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.) und VDA (Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V.) haben ein eigenes Konzept zur Schulung und Prüfung dieser Allgemeinen Sachkunde entwickelt (hier die Website zum Sachkundenachweis). Dieses Konzept beinhaltet den Erwerb eines Schulungsordners, welchen man im Eigenstudium durcharbeiten muss, und eine Prüfung mit Multiple-Choice-Fragen bei einem registrierten Prüfer der Fachverbände. Bei bestandener Prüfung erhält man ein Zertifikat in Form eines laminierten Ausweises als Beleg für die vorhandene Sachkunde und (auf Wunsch und gegen Aufpreis) eine zusätzliche Urkunde. Für eine Prüfung nach § 11 Tierschutzgesetz, welche man als gewerblicher Tierhändler ablegen muss, ist außerdem die Teilnahme an einer Schulung, die Beantwortung eines umfangreicheren Fragenkataloges sowie eine praktische Prüfung im Beisein eines Amtsveterinärs (oder einer von ihm bestimmten Personen) nötig. Eine solche Prüfung kostet durch die Konsultation des Amtstierarztes entsprechend mehr, ist jedoch für den Privathalter nicht von Belang, solange er seine Nachzuchten nicht mit Gewinnerzielungsabsicht verkaufen möchte, weswegen ich im Folgenden auch nur von meinen Erfahrungen in Bezug auf den Allgemeinen Sachkundenachweis nach § 2 TierSchG sprechen werde, welcher im Moment noch auf freiwilliger Basis abgelegt werden kann. Dieser „Führerschein“ ist noch keine Pflicht für Privathalter, jedoch in manchen Situationen (z.B. beim Erwerb mancher Arten, im Falle von Rechtsstreitigkeiten oder beim Kontakt zu den Behörden) auch jetzt schon hilfreich. Sollten die Bestrebungen von Tierrechtlern in naher Zukunft akut werden, könnte dieser Terraristik-Führerschein bald für Terrarianer Pflicht werden. Dies würde ich grundsätzlich unterstützen, um die Haltung vieler Terrarientiere wesentlich zu verbessern. Der Vollständigkeit halber müsste dann aber auch für andere Tiere wie Katze, Hamster und Co. eine derartige Führerscheinpflicht (und somit keine einseitige Sonderpflicht für Exotenhalter) eingeführt werden.

Meine Erlebnisse diesbezüglich lassen mich allerdings leider am lobenswerten Konzept der Sachkundeprüfung zweifeln. Ich bedauere es als Mitglied der DGHT zwar selbst, doch mein Eindruck hat sich in der Zeit meiner Beschäftigung mit dem Sachkundenachweis immer mehr dahingehend verstärkt, dass die DGHT sehr stiefmütterlich mit diesem Konzept umgeht. Weil ich mich lediglich auf den Fachbereich Terraristik konzentriert habe, kann ich zu den Fachbereichen der Aquaristik und dem VDA nicht viel sagen. Der VDA ist zwar der Hauptinitiator der Sachkundeprüfung (seinerzeit insbesondere für die Aquaristik), die DGHT hat sich jedoch daran angegliedert und den Fachbereich Terraristik übernommen und ausgebaut.

Meine Erlebnisse:
Das Drama begann, als ich mich nach dem intensiven Studium des Sachkundeordners mit den Prüfungsfragen befasste. Darin stieß ich auf einen fachlichen Fehler. Die angegebene Lösung deckte sich nicht mit den Informationen im Lernteil des Sachkundeordners. Laut angegebener Lösung soll man Kaltlichtleuchtmittel (also z.B. Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen) mit UV-Anteil aus Sicherheitsgründen immer außerhalb des Terrariums anbringen. Dies ist jedoch nur bei der Verwendung von Hochdruckdampflampen mit UV-Anteil in kleinen bzw. flachen Terrarien nötig, da diese Lampen einen hohen UV-Ausstoß haben und sich Reptilien schwer verletzen können, wenn sie sich zu nah an eine derart starke UV-Quelle heranbegeben. Würde man Kaltlichtleuchtmittel mit ihrem ohnehin schon schwachen UV-Ausstoß hingegen außerhalb des Terrariums anbringen, würden die Tiere gar keine UV-Strahlung abbekommen. Insbesondere bei bodenbewohnenden Arten ist diese angegebene Lösung schlicht und ergreifend Unfug. Im Lernteil steht geschrieben, dass man Kaltlichtlampen mit einer Licht-Wärmequelle kombinieren muss, damit die Umwandlung von Provitamin D3 in das Vitamin D3 durch die Wärme vollzogen wird. Als gelernter Chemielaborant kann ich auch den Namen für diesen Vorgang nennen: Thermische Isomerisierung. Eine solche Lampenkombination stellt zudem auch einen artgerechten Sonnenplatz zur VitaminD3-Synthese für Reptilien dar, weil Wärmestrahlung und UV-Strahlung wie beim Licht der Sonne kombiniert auftreten. Dies wird auch als mögliche Antwort bei der Prüfungsfrage angegeben, welche jedoch wie gesagt im Lösungsteil (und somit wohl auch bei der Sachkundeprüfung) als Fehler gewertet wird.

Ein solcher Fehler in den Dokumenten kann natürlich passieren. Wie die DGHT jedoch mit dieser Sache umging, darf meiner Meinung nach keinesfalls passieren! Auf der Website des Sachkundeordners steht geschrieben, man solle sich bei Fragen zur Allgemeinen Sachkunde per Telefon oder E-Mail an einen Prüfer aus der eigenen Region wenden. Da ich den schriftlichen Weg für die eigene Dokumentation bevorzuge und diese Möglichkeit auch gegeben wurde, schrieb ich den ersten Prüfer für das Fachgebiet Terraristik aus meinem Postleitzahlengebiet über die im Register angegebene Mailadresse an. Von diesem Prüfer erhielt ich leider keine Rückmeldung. Also versuchte ich mein Glück bei einem anderen Prüfer. Leider erbrachte auch dies keinerlei Reaktion. Nicht einmal ein „Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir gehen der Sache nach und melden uns später wieder bei Ihnen“ war zu erwarten. Wer seine Pflichten als Prüfer nicht erfüllen kann oder will, sollte sich meiner Meinung nach auch nicht für eine solche Tätigkeit bereitstellen.

Nachdem der erste Frust verflogen war, bestand meine nächste Hoffnung darin, mich im DGHT-Forum anzumelden und dort das (wie ich dachte) kollektive Fachwissen zu konsultieren. Nach mehreren nicht sachkundigen Erklärungsversuchen, dass mein Lösungsansatz falsch sei (wohlbemerkt von Leuten, die sich bisher weder mit dem Sachkundenachweis noch mit der thermischen Isomerisierung befasst hatten), erhielt ich sogar den in meinen Augen bauernschlauen Rat, die Sache doch nicht so ernst zu nehmen und einfach die im Lösungsteil angegebene „richtige“ Antwort auswendig zu lernen. Soll das etwa das Konzept des Sachkundenachweises sein? Stupides Auswendiglernen ohne das Fachwissen tatsächlich zu begreifen und dann in die Praxis umzusetzen? Ist das Sinn und Zweck zu Gunsten des Tierwohls? Unter dieser Prämisse kann man die ganze Sache auch gleich lassen. Lediglich ein einziges, sachkundiges Mitglied des Forums bekräftigte mich in meiner Logik und gab mir den Rat doch einmal die DGHT-Geschäftsstelle diesbezüglich zu kontaktieren.

Erhielt ich von dort endlich die ersehnte Antwort auf meine Frage, wie besagte Prüfungsfrage gewertet werden würde oder ob sie gar aus dem Pool an Zufallsfragen entfernt werden müsse, damit man als Prüfling nicht bewusst eine fachlich falsche Antwort ankreuzen müsste, um die Prüfung zu bestehen? Bedauerlicherweise nicht. Ist es wirklich zu viel verlangt, wenn ich als DGHT-Mitglied von meiner eigenen Geschäftsstelle irgendeine Art von Reaktion erwarte? Dennoch wollte ich dieses Projekt zu einem Ende führen und die Allgemeine Sachkundeprüfung trotz aller Resignation in der Hoffnung ablegen, dass besagte Frage nicht drankäme und ich somit in keiner Glaubenskrise landen würde. Zum Glück meldete sich doch tatsächlich der nunmehr dritte Prüfer aus meiner Region auf meine Anfrage bzgl. einer Anmeldung zur Prüfung.

Die Allgemeine Sachkundeprüfung legte ich am 21. Juni 2014 in der Privatwohnung des Prüfers ab und bestand mit 47 von 48 richtigen Antworten. Die Kaltlichtleuchtmittel-Frage kam nicht dran. Dafür jedoch eine Frage zur Gefahrentierregelung in Baden-Württemberg. Der Prüfer meinte, dass ihm dies auch aufgefallen sei und er beim Verband (in diesem Falle dem VDA) angemerkt hätte, dass wohl versehentlich ein Bogen mit den Prüfungsfragen für das Land Baden-Württemberg und nicht für Niedersachsen übermittelt wurde. Schließlich hatte er bei der Prüfungsanmeldung das Bundesland Niedersachsen korrekt angegeben. Der Verband soll daraufhin verkündet haben, dass nur bei der § 11 Prüfung die unterschiedlichen Ländergesetze im Detail abgefragt werden, die Fragen bei der Allgemeinen Sachkunde jedoch für alle Bundesländer gleich seien und es daher kein Problem sei, dass statt der Fragen für Niedersachsen nun versehentlich die Fragen für ein anderes Bundesland übermittelt wurden. Tja, leider sah das der Zufallsgenerator, der die Fragen ausspuckte, dann doch etwas anders und so erhielt ich sehr wohl eine detaillierte Frage zu einem mir fremden Bundesland. Mit diesem Fehler kann ich aber auch ganz gut leben. Trotzdem finde ich diesen Vorfall ebenfalls zehr bezeichnend.

Fazit:
Auch wenn ich die Allgemeine Sachkundeprüfung somit erfolgreich abgelegt habe, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Hätte ich im Vorfeld gewusst, dass sich meine Leidenschaft diese „offizielle“ Sachkunde zu erwerben am Ende als etwas absurd entpuppen würde, hätte ich meine Zeit vielleicht doch lieber anderen Dingen gewidmet. Lernen macht mir persönlich zwar Spaß, jedoch ist es frustrierend, wenn man Zeit und Geld in etwas investiert, das von den Verantwortlichen nur halbherzig betreut wird und man als Prüfling auf der Strecke immer wieder alleingelassen wird. Dies war jedenfalls in meinem Fall so. Andererseits zeigt mir die Situation auch, dass ich mich sehr wohl als sachkundigen Terrarianer betiteln darf. Weil ich der DGHT grundsätzlich natürlich positiv gesonnen bin, hoffe ich, dass es nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen war, die ich hier erleben durfte. Auch wenn ich mich jetzt ein wenig wie ein Nestbeschmutzer fühle, müssen die Fachverbände diese Kritik aus den eigenen Reihen aber auch verkraften können. Sie fordern immer wieder gegenüber der Politik und in den Medien die Einführung der Pflicht einer Sachkundeprüfung, was ich zwar grundsätzlich unterstütze (sonst hätte ich mich auch nicht für das Ablegen einer solchen Prüfung entschieden), aufgrund der von mir erlebten mangelhaften Pflege des Konzepts jedoch als etwas scheinheilig empfinde. Mir geht es primär darum, dass das Sachkundekonzept der Fachverbände verbessert und allgemein anerkannt wird. Dies ist aber nur möglich, wenn z.B. klar geregelt wird, wer als Prüfer ansprechbar ist. Eine lange Liste mit deutschlandweit verfügbaren Prüfern nützt wenig, wenn man als Prüfling keine Antwort auf Nachfragen von einzelnen Prüfern erhält. Qualität sollte hier vor Quantität gehen, daher wäre ein ordentliches Qualitätsmanagementsystem für das Prüfungssystem wünschenswert. Auch das DGHT-Forum könnte einen separaten Bereich zum Thema Sachkundenachweis bekommen. Ein Teil der Prüfer steht dann in der Pflicht diesen Bereich zu betreuen und Fragestellungen bzgl. des Sachkundenachweises fachlich kompetent zu beantworten. Dafür liegt das Potential in der großen Anzahl an Prüfern. Solange jedoch die von mir erlebten Missstände bestehen bleiben, wirft dies leider kein gutes Licht auf das Sachkundekonzept für den Fachbereich Terraristik.

Mein eigener Prüfer war jedenfalls mit mir (so mein Eindruck) auf einer Wellenlänge, weswegen ich ein paar der genannten Missstände auch direkt ansprach. Er teilte mir mit, dass der VDA/DGHT-Sachkundenachweis derzeit überarbeitet wird. Dies lässt ja auf Besserung hoffen. Sollte ich von einer Beseitigung der von mir hier angesprochenen Probleme erfahren, bin ich natürlich zu einer entsprechenden Gegendarstellung bereit.

Noch eine interessante Randnotiz als Schlusswort:
Der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V. (BNA) bietet selber einen Sachkundenachweis im Fachbereich Terraristik an. Jedoch nur den Nachweis nach § 11 TierSchG, welcher für gewerbliche Tierhändler gilt. Der BNA fordert jedoch ebenfalls:

„Die Sachkunde für den Hobbytierbereich muss in der Eigenständigkeit der Züchterverbände bleiben. Jeder Züchterverband, der seine Mitglieder sachkundig für die Tierhaltung schult, muss anerkannt werden. Gerade bei den Züchterverbänden ist ein hohes Potential an Sachkunde vorhanden.“

Dienstag, 1. Juli 2014

Die Problematik mit dem Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Männchen von Lygodactylus williamsi
Der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi), auch Türkis-Zwerggecko genannt, ist ein bis zu ca. 10 cm großer Gecko, welcher nach aktuellen Erkenntnissen nur in einem wenige Quadratkilometer großen Gebiet in Tansania vorkommt. Männchen dieser Art tragen ein leuchtend blaues Schuppenkleid und sind in der Terraristik sehr beliebt. Dieser Gecko wurde 2012 allerdings in die Rote Liste der Weltnaturschutzunion als „vom Aussterben bedroht“ aufgenommen, weil in einem Zeitraum von 2 Jahren die zu beobachtende Population um etwa 68 % sank (FLECKS et al.). Diese Einstufung hat jedoch auf den Handel mit Wildfängen dieser Art keinerlei Auswirkung, da nur die CITES-Behörden den Handel durch Listung in einem der drei Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) reglementieren könnten. Tansania ist selbst CITES-Mitglied, eine Listung von Lygodactylus williamsi als WA-Art ist allerdings vorerst nicht abzusehen. Das Land verhängte zwar ein Ausfuhrverbot, jedoch ändert dies aufgrund des fehlenden Eintrags im WA nichts am bestehenden Handel von Wildfängen dieser Art. Die Tiere werden als Lygodactylus sp. aus Tansania exportiert und als Lygodactylus williamsi in der EU und somit auch in Deutschland gehandelt. Diese halblegalen Wildfänge werden z.B. auf Börsen, in Zoofachgeschäften oder von Anbietern im Internet verkauft.

Nun gibt diese Problematik natürlich den radikalen Tierrechtsvereinen Stoff für derbe Kritik an Reptilienbörsen und der Terraristik im Allgemeinen. Ein Börsenverbot wird gefordert, damit diese vom Aussterben bedrohten Tiere nicht mehr in einem derart großen Stil verkauft werden, wie es die Organisationen nach eigenen (und somit nicht ganz unvoreingenommenen) Schätzungen angeben. Bei meinem letzten Besuch auf der Terraristika wurden tatsächlich auch diese Zwergtaggeckos von vielleicht gerade mal 2-3 Anbietern verkauft. Diese waren jedoch durchweg als Nachzuchttiere deklariert. Da dieser Gecko inzwischen in freier Wildbahn so selten geworden ist, sind die Zeiten längst vorbei, in denen Tische mit Dutzenden wildgefangenen Tieren das Börsenbild bestimmten. Ein Blick auf das restliche Angebot dieser Züchter ließ die Deklaration als Nachzuchttiere ebenfalls glaubwürdig erscheinen, weil Anbieter mit Wildfängen oftmals eine ganze Palette an unterschiedlichen Tieren verkaufen und sich nicht auf z.B. verschiedene Zwerggeckos der Gattung Lygodactylus spezialisiert haben. Es handelte sich also offenbar tatsächlich um Nachzuchttiere, deren Handel nicht zu kritisieren, sondern zu befürworten ist. Wenn vom Aussterben bedrohte Arten nachgezüchtet und auf Börsen zur weiteren Nachzucht durch andere Personen verkauft werden, ist dies eigentlich ein Grund zum Feiern und ein positiver Aspekt der Börsen. Da die Nachzucht dieser Art in Gefangenschaft problemlos möglich ist, zeigt der Himmelblaue Zwergtaggecko sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen, welche die Terraristik auf den Artenschutz haben kann. Kontrollierte Wildfänge zur genetischen Auffrischung des in Terrarien gehaltenen Bestandes an nachgezüchteten Tieren sollten jedenfalls nicht grundsätzlich verurteilt werden. Wildfänge im großen Stil durch Wilddiebe, teilweise sogar inklusive Abholzung der Schraubenbäume (Pandanus rabaiensis), die von Lygodactylus williamsi als Lebensraum genutzt werden, um die Tiere leichter aus den Baumkronen absammeln zu können, sind jedoch zu unterbinden. An den Nachzuchtbemühungen mancher kommerziell denkender Züchter ist aber noch zu kritisieren, dass diese Züchter gezielt hohe Inkubationstemperaturen beim Ausbrüten der Eier wählen, um eine höhere Rate an Männchen in kürzester Zeit zu erhalten, die sich aufgrund ihrer schönen Färbung besser verkaufen lassen. Für eine stabile Erhaltungszucht dieser Art sollten also zukünftig vermehrt Züchter durch niedrigere Inkubationstemperaturen (unter 24 °C) mehr Weibchen „produzieren“, um ein stabiles Geschlechterverhältnis innerhalb der Terraristik zu gewährleisten.

Ein Verbot von Tierbörsen, wie von Tierrechtlern und SPD gefordert, würde das Problem des Aussterbens des Himmelblauen Zwergtaggeckos allerdings in keiner Weise ändern. Damit bekämpft man nur die Symptome, nicht jedoch das eigentliche Übel. Für den Artenschutz ist damit nicht viel getan, weil einerseits dann auch die Erhaltungszucht und der Austausch von Tieren und Fachwissen erschwert und andererseits am legalen Handel mit Wildfängen dieser Art nicht gerüttelt werden würde. Zum Profilieren gegenüber den Wählern und Spendern vielleicht ganz nett, aber nicht nachhaltig für den Schutz dieser Tierart. Der bessere Möglichkeit wäre, diese Art in einem der Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens zu listen, um den Handel nachhaltig und konsequent steuern zu können. Deutschlands wissenschaftliche CITES-Behörde (das Bundesamt für Naturschutz) könnte einen solchen Antrag stellen, welcher dann bei der nächsten Konferenz der Vertragsstaaten des WA beraten werden würde. Hierfür müsste Deutschland jedoch ein berechtigtes Interesse am Schutz dieser Art haben. Weil ein unmittelbares Interesse wohl nicht vorliegt, müsste eine deutsche Delegation nach Tansania fliegen, sich mit der verantwortlichen CITES-Behörde des Heimatlandes dieses Geckos an einen Tisch setzen und diese davon überzeugen, dass eine Antragstellung auf Listung in den Anhängen des WA zu erfolgen hat, um die Bestände von Lygodactylus williamsi zu schützen. Aber das wäre ja unbequeme und evtl. lang andauernde Arbeit, mit der man sich nicht so fabulös und kurzfristig profilieren könnte, wie mit irgendwelchen Verboten.

Eine Listung im Anhang II des WA wäre sicherlich ein händelbares Instrument. Würde die Art jedoch in Anhang I des WA gelistet, würde dadurch allerdings ebenfalls die Weitergabe von Tieren erschwert. Auch könnte eine Listung plötzlich Begehrlichkeiten wecken, die es derzeit noch nicht gibt und somit das Schicksal der Zwergtaggeckos endgültig besiegeln. Daher wäre aktiver Biotopschutz vor Ort die wohl beste Möglichkeit für den Schutz der Art. Daran könnte sich Deutschland beteiligen, indem verstärkt Entwicklungshilfe für Tansania betrieben wird, damit die dortige Bevölkerung die Lebensräume von Lygodactylus williamsi nicht mehr für die Agrarwirtschaft abholzen müsste, wodurch die Flächen für einheimische Pflanzen wie dem Schraubenbaum unbrauchbar werden. Durch gezielte Aufforstung der Schraubenbaum-Wälder würden Arbeitsplätze geschaffen und es könnte durch kontrollierte Wildfänge ein Zubrot für die Bevölkerung ermöglicht werden, die Art würde dann aktiv geschützt und nachhaltig genutzt. Auch für die Bestände innerhalb der Terraristik wären diese Wildfänge eine positive Auffrischung des Genpools. Für eine solche Form der Entwicklungshilfe müsste Deutschland jedoch Geld in die Hand nehmen, was natürlich aus Sicht der Obrigkeit nicht so angenehm ist, wie simple Verbote durchzusetzen, die zwar nichts bringen aber eine weiße Weste verschaffen.