Freitag, 31. Oktober 2014

Was ist ein „Odd Ball“ Königspython?


Aktuell veranstaltet ein bekannter Züchter von Königspythons, den ich erst kürzlich an anderer Stelle für seine Qualität lobte (M&S-Reptilien), eine Versteigerung auf Facebook. Versteigert wird ein Schwung sogenannter „Odd Balls“, jeweils mit einem Startgebot in Höhe von 10,- Euro. Doch lohnt sich das Mitbieten überhaupt? Handelt es sich um seltene Farbvarianten des Königspythons, die man im Rahmen der Auktion zum Schnäppchenpreis ergattern kann?

„Odd Balls“ werden mitunter auch „Question Balls“ genannt, was den eigentlichen Hintergrund bereits deutlich werden lässt. Bei einem Königspython mit der Bezeichnung „Odd Ball“ handelt es sich im Prinzip um ein wildfarbenes Tier, welches eine Abweichung in seiner Zeichnung zeigt, welche jedoch genetisch noch nicht als neue Farbvariante bestätigt wurde. Beispielsweise ein ungewöhnliches Zeichnungsmuster oder eine leicht von der Norm abweichende Farbgebung. Ob diese Varianten jedoch vererbt werden und in den Nachkommen evtl. in einer gänzlich neuen (und spektakulären) Farbvariante resultieren (beispielsweise durch eine Kreuzung mit einem „Spider“), ist allerdings nicht bekannt. Es handelt sich um Variationen, bei denen eine Weitergabe der Merkmale also fraglich ist – daher „Question Ball“. Ob sich der Kauf eines solchen Tieres lohnt, kommt also immer auf das jeweilige Exemplar, auf den Preis und auf eine Portion Glück an (wobei mir bisher keine Farbvarianten bekannt sind, die auf einem Odd Ball  Elterntier beruhen). Manche „Odd Balls“ zeigen schon recht auffällige Abweichungen von der naturfarbenen „Classic“-Variante, dass sich der Kauf dieser Tiere für manche Leute bereits um ihrer selbst willen lohnt. Andere Exemplare sehen jedoch nicht sehr viel anders aus als die wildfarbenen Tiere und daher sind die meisten „Odd Balls“ tatsächlich nur sehr teuere „Classics“. Durch das Label „Odd Ball“ wird ein wildfarbener Königspython plötzlich immens im Wert gesteigert. Daher treiben mache Händler auch ein gewisses Schindluder mit dieser Bezeichnung, zumal viele Käufer nicht wirklich wissen, was ein sogenannter „Odd Ball“ überhaupt ist.

Ein paar kritische Worte zur aktuellen Versteigerung von „Odd Balls“ auf Facebook durch den Anbieter M&S-Reptilien:

Zu einer Versteigerung von Tieren gibt es sicherlich sehr emotionale Meinungen, was auch auf Facebook in den Kommentaren zur besagten Auktion deutlich wird. Ein Startgebot in Höhe von 10,- Euro wirkt anfänglich schon ziemlich seltsam und lässt die Schlangen in gewisser Weise recht wertlos dastehen. Die Tiere würden verramscht, lautet der Vorwurf. Auf der anderen Seite ist aber zu erwarten, dass keines dieser Tiere am Ende tatsächlich für nur 10,- Euro den Besitzer wechselt und dann im Schuhkarton hausen muss.* Die bisherigen Endgebote bewegen sich zwischen 56,- und 150,- Euro, was schon recht stolze Summen für wildfarbene Königspython-Farmzuchten sind.

Und in diesem Punkt wird es aus meiner Sicht dann nämlich doch etwas problematisch: Da es sich bei den angebotenen „Odd Balls“ laut Aussage des Anbieters zum größten Teil um Farmzuchten aus Afrika handelt und die Versteigerung damit begründet wird, dass die Kapazitäten des Züchters am Ende seien und daher nicht selber mit diesen Tieren gezüchtet werden kann, klingt die Sache für mich als Außenstehenden schon etwas seltsam. Erst viele Farmzuchten aus Afrika importieren, dann merken, dass die Kapazitäten nicht ausreichen und deswegen den Entschluss fassen, diese Farmzuchten als sogenannte „Odd Balls“ zu versteigern? Wurde dort vielleicht falsch kalkuliert? Womöglicht handelt es sich aber auch um die ganzen Überschüsse an wildfarbenen Tieren, die bei den Zuchtversuchen von neuen Farbvarianten entstehen.

Noch ein Fazit zum „Odd Ball“ an sich:
Auch wenn hinter dieser Bezeichnung in der Regel nur ein wildfarbenes Exemplar des Königspythons steckt und viele Tiere zu einem überhöhten Preis gehandelt werden, finde ich die Situation eigentlich sogar ganz gut. Durch die Kreuzungsversuche von (Möchtegern-)Züchtern mit diesen Tieren oder dem irregeleiteten Käufer, der ein solches Tier als vermeintlich seltene Farbvariante erwirbt, wird der Bestand an wildfarbenen Tieren in unseren Terrarien beständig aufgefüllt, was aus meiner Sicht ja der Grundgedanke der Terraristik sein sollte. Auch wenn die Wertschätzung der Wildfarbe dadurch bei vielen Leuten nicht bewusst gesteigert wird, wird sie dies in gewisser Weise aber schon irgendwie. 

*Nachtrag vom 29. August 2015: 
Diese Annahme war leider ein Trugschluss. Die Auktion läuft immer noch und mittlerweile wechseln regelmäßig Tiere für 10,- Euro den Besitzer. Dies ist aus meiner Sicht nicht mehr tragbar! Sind es doch diese Tiere, die in ein ungewisses Schicksal verkauft werden und womöglich schon in einem Jahr die Schlagzeilen des Sommerlochs 2016 bestimmen, wenn sie von uninformierten Haltern ausgesetzt werden. Durch die Massenzucht (bzw. den Massenimport von Farmzuchten) werden die Preise gedrückt und die typischen Haustierprobleme bei Arten wie dem Königspython nur noch verstärkt, weil diese Tiere in Folge dessen anteilmäßig öfter bei nicht sachkundigen Haltern landen. Doch dadurch wird leider die verantwortungsvolle Terraristik mit in den Abgrund gerissen. Aus diesem Grund möchte ich klar betonen, dass ich diese Art des Tierhandels nicht gutheiße!

Montag, 27. Oktober 2014

Antwort vom NRW-Umweltministerium und Petition gegen NRW-Gesetz

Ende letzter Woche erhielt ich Antwort auf meine beiden Schreiben an das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen (siehe meine Beiträge Nachtrag: NRW plant nun doch eine Gefahrtierverordnung und Großes Lob: Stadt Castrop-Rauxel beweist Sachverstand). Darin heißt es, dass Herr Minister Remmel meine Schreiben mit den sehr konstruktiven Anmerkungen gelesen habe. Im Grunde enthält das Schreiben jedoch wie erwartet denselben Inhalt, der auch aus den bereits zuvor veröffentlichten FAQ entnommen werden kann. Es zeugt allerdings sehr vom gegenseitigen Verständnis und der Aufmerksamkeit, mit der man sich mit dem Anliegen eines Bürgers auseinandergesetzt hat, wenn man in dem Brief mehrmals als „Herr Bergemann“ angesprochen wird. Vielen Dank für die Antwort Herr Minister Rammel pardon Remmel.



Da also Einzelpositionen offenbar nichts mehr bringen, bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder die Eier schaukeln und hoffen, dass VDA und DGHT es schon richten werden, sofern sie wie angedacht tatsächlich an einem Runden Tisch noch angehört werden, oder aber selber tätig werden und beispielsweise eine Petition beim Landtag NRW einreichen.

Zu diesem Zweck gibt es dieses Onlineformular:
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster/GB_I/I.3/Petitionen/onlinepetition.jsp

Bei der Formulierung ist wichtig, dass man keine Forderungen und Argumente aufstellt, die widersinnig sind und die Petition im Ganzen angreifbar machen. So hat beispielsweise die Stimme der Tierhaltung IG einen vorgefertigten Text veröffentlicht, der einige rechtlich brisante Argumente enthält:
 

Quelle

Dieser Text ist aus folgenden Gründen problematisch:

Das Grundrecht auf freie Berufsausübung wird zwar in § 14 des Gesetzesentwurfs eingeschränkt jedoch im Grunde genommen gar nicht verletzt, da in NRW nur die private Haltung mit Verboten reglementiert werden soll. Wer das Prüfverfahren mit allen Pflichten und Kosten für die gewerbliche Haltung von Gefahrtieren durchlaufen hat, wird diese Tiere in Zukunft (zumindest nach aktuellem Stand der Dinge) auch weiterhin halten, erwerben und vermehren dürfen. Privathalter sollten sich daher nicht auf dieses Grundrecht berufen, da es faktisch nicht durch das neue Gesetz verletzt wird.

Das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung findet seine Einschränkung in allgemeinen Regelungen des öffentlichen Rechts, beispielsweise in der Gefahrenabwehr. Ansonsten könnten sich auch Hanfplantagenbesitzer und Bombenbastler darauf berufen. Das neue NRW-Gesetz soll ebenfalls der öffentlichen Sicherheit dienen und wird dadurch das Grundgesetz in diesem Punkt vollkommen rechtmäßig einschränken dürfen.

Beim Grundrecht auf Eigentum verhält es sich ähnlich. Niemandem darf legal erworbenes Eigentum genommen werden. Aber Eigentum, welches der Eigentümer aufgrund von Verbotsregelungen gar nicht besitzen darf, wird nicht durch das Grundgesetz geschützt. Da das neue NRW-Gefahrtiergesetz eine Übergangsregelung vorsieht, kann jeder Halter sein bestehendes Eigentum, welches verboten werden soll, legalisieren lassen, indem er seine Sachkunde, Zuverlässigkeit und die sichere Unterbringung der Tiere vorweist.

Diese Punkte sollten also aus dem vorgefertigten Text gestrichen werden, da sie Einschränkungen des Grundgesetzes bemängeln, die das Grundgesetz selber in Artikel 19 ermöglicht und im Rahmen einer vernünftigen Gefahrenabwehr auch eingeschränkt werden müssen. Unter Berufung auf das Grundgesetz das Grundgesetz zu kritisieren, ist schon ein wenig widersinnig und eine solche Petition hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Ob eine Petition mit einem anderen Inhalt Wirkung zeigen würde, kann man schwer abschätzen. Das Einreichen von Petitionen ist natürlich ebenfalls ein Grundrecht eines jeden Bürgers der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 17 Grundgesetz. Bereits auf Bundesebene kam von Seiten der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Ute Vogt jedoch der Kommentar, dass E-Mails oder Unterschriftenlisten bei ihr nicht dieselbe Wirkung haben, wie das persönliche Gespräch. Es kommt also immer auch auf den Empfänger an. Da jedoch das Umweltministerium meiner Meinung nach am persönlichen Gespräch wenig Interesse zeigt, wäre der Weg über eine Petition vermutlich doch noch eine Möglichkeit, um ungerechtfertigten Verboten entgegenzuwirken.

Zu diesem Zweck habe ich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Interessengemeinschaft „LesTAT“ eine eigene Petition formuliert:

Gegen grundsätzliche Verbote der Haltung von gefährlichen Tieren wildlebender Art in Nordrhein-Westfalen (Download)

Diese gilt es auszudrucken, zu unterschreiben (je mehr Personen desto besser) und bis zum 20.11.2014 zurückzuschicken an die im Dokument angegebene Adresse oder per Mail an lestat-exoten@t-online.de.

Eine weitere Überlegung wäre gewesen, in Kooperation mit der TERRARISTIKA eine Demonstration in Hamm zu veranstalten, weil zu diesem Terraristik-Großereignis aus ganz Deutschland Leute anreisen, die an einer solchen Demo sicherlich teilnehmen würden. Aber es ist leider anzunehmen, dass egal wie hoch die Teilnehmerzahl sein würde, die Wirkung auf die Entscheidungsträger genau das Gegenteil bezwecken würde. So gut kenne ich mittlerweile die Obrigkeit und das Mediengeschehen. Ich sehe schon die Schlagzeile: „108 Exotenhalter demonstrierten vergangenen Samstag in Hamm gegen das neue Gefahrtiergesetz von NRW. Umweltminister Remmel sieht daher keinen Grund, die Sicherheit der Allgemeinheit für die Wünsche einer solchen Minderheit zu opfern und hält an seinen Bestrebungen gefährliche Arten komplett zu verbieten weiterhin fest.

Oder aber: „9.672 Exotenhalter demonstrierten vergangenen Samstag in Hamm gegen das neue Gefahrtiergesetz von NRW. Umweltminister Remmel fühlt sich nun umso mehr darin bestätigt, dass ein Komplettverbot gefährlicher Arten zum Schutz der Allgemeinheit kommen muss. Denn die Dunkelziffer der Halter von gefährlichen Tieren liegt noch weitaus höher, als die hohe Anzahl der Demonstranten erkennen lässt.“

Eine ähnliche Auswirkung könnte natürlich auch eine Sammelpetition haben. Wie man es macht, man kann es eigentlich nur falsch machen...

Freitag, 24. Oktober 2014

Falsche Zahlen in der Rheinischen Post zum NRW-Gefahrtiergesetz

Kurz nach Verkündigung der Eckdaten zum neuen Gefahrtiergesetz in Nordrhein-Westfalen, berichtete natürlich auch die Presse über das dortige Vorgehen. So beispielsweise die Rheinische Post (RP) in ihrem Portal rp-online.de mit ihrem Artikel: „NRW-Minister will giftige Haustiere verbieten“. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) teilt solche Artikel fleißig auf Facebook, ohne sie jedoch direkt zu kommentieren*. Dies wäre allerdings bitter nötig, da der o.g. Artikel diverse fehlerhafte Zahlen enthält, die ein komplett falsches Bild der Lage in der Öffentlichkeit vermitteln und daher nicht unkommentiert verbreitet werden sollten.

Entweder wurde von der RP-Redaktion geschlampt und die von der Tierrechtsszene verbreiteten Aussagen (vielleicht mit dem NRW-Umweltministerium als Zwischeninformant) ohne weitere Recherche blind übernommen oder es steckt eine absichtliche Propaganda dahinter. Ich habe jedenfalls die Hintergründe und die korrekten Zahlen recherchiert, was eigentlich die Aufgabe eines bezahlten Redakteurs der RP gewesen wäre. Ich sage nur Sorgfaltspflicht nach Pressekodex Ziffer 2. Das rechtfertigt eigentlich schon wieder eine Beschwerde beim Deutschen Presserat. Die getätigten Aussagen sind nämlich nachweislich falsch. Ich zitiere aus dem o.g. Artikel und stelle die korrekten Daten im Folgenden dar:
Wegen giftiger Tiere ist die Feuerwehr Düsseldorf in diesem Jahr bereits 57-mal ausgerückt.
Fragen wir doch einfach mal direkt dort nach: Laut Auskunft von Michael Harzbecker, Leiter der Reptilienfachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf, ist diese Angabe so nicht korrekt. Bei den 57 Einsätzen „handelt es sich um Einsätze mit Tieren wie exotischen Spinnen, heimischen Spinnen, Echsen, exotischen sowie heimischen Schlangen“, so Harzbecker. Demnach werden im besagten Artikel Gittiereinsätze aufgeführt, die in Wahrheit Tiere betreffen, die gar nicht unter die neue Gefahrtierregelung fallen und auch keine Gefahr darstellten. Einsätze mit echten Giftschlangen kämen laut Aussage des Gruppenleiters zwar vor, seien aber äußerst selten. Involviert war die Fachkundigengruppe für Reptilien der Düsseldorfer Feuerwehr dieses Jahr bei der Serumbeschaffung zweier Giftschlangenbisse. Diese Vorfälle betrafen bis heute immer nur den direkten Halter und keine unbeteiligten Bürger, erläutert Harzbecker. Die neue Gesetzgebung sieht der Gruppenleiter ebenfalls kritisch: „Ich befürchte ein Aussetzen gefährlicher Tiere und somit eine Gefahrenzunahme. Selbstverständlich haben wir dies dem Minister auch so zu Bedenken mit gegeben.“ Leider wurde dieser fachkundige Rat offenbar nicht beherzigt. 
Ihre Kölner Kollegen sammelten 19 entfleuchte Schlangen, zehn Spinnen, acht Bartagamen, einen Skorpion und eine Reihe anderer Amphibien ein.
Natürlich habe ich auch bei der Feuerwehr Köln um weitere Informationen gebeten. Eine Statistik über die jeweilige Art der aufgefundenen Tiere und somit über die Gefährlichkeit wird nicht geführt. Auch ob es sich um exotische oder einheimische Arten handelt, wird in der Statisitik des Tiertransportwagens der Kölner Feuerwehr nicht erfasst. Bei dem Großteil der Tiertransporte soll es sich allerdings um Tiere wie Hunde und Katzen handeln. In der Jahresbilanz 2013 können laut Aussage meines Kontaktes rund 30 von insgesamt ca. 1.600 Tiertransporten in die Kategorie „exotisches Heimtier“ eingeordnet werden. Das macht einen Anteil von gerade einmal rund 2 %! Bei den restlichen 98 % der Einsätze handelt es sich um einheimische Arten oder domestizierte Heimtiere. Auch wenn es keine Statistik über die Gefährlichkeit der sogenannten Exoten gibt, gehe ich fest davon aus, dass es sich durchweg um ungefährliche Arten handelte. 
Bestehende Haltungen sind nur indirekt betroffen. Für sie ist eine Übergangsregelung bis zum Tod der Tiere geplant.
Diese Übergangsregelung wird, nach aktuellem Stand der Dinge, die Halter sehr wohl mehr als nur indirekt betreffen. Die Nachzucht wird verboten, weil die Bestände ja auslaufen sollen. Somit wird den betroffenen Haltern ein elementares Erlebnis und Bestreben der Terraristik genommen. Des Weiteren müssen diese Halter dann ebenfalls ihre Sachkunde und Zuverlässigkeit nachweisen. Theoretisch Dinge, die für verantwortungsvolle Halter kein Problem sein sollten. Doch man weiß nicht, was so alles im Detail gefordert wird. Wenn jemand z.B. mal bei Rot mit dem Fahrrad über eine Ampel gefahren ist, dabei von der Polizei erwischt und daraufhin eine Ordnungswidrigkeit festgestellt wurde, kann ihm die erforderliche Zuverlässigkeit womöglich bereits abgesprochen werden und die Tiere werden beschlagnahmt (in anderen Bundesländern bereits geschehen). Hier spielt der Artikel die Situation der betroffenen Halter herunter.
Immer wieder entweichen die gefährlichen Exoten aus ihren Terrarien und können zur tödlichen Gefahr für ihren Besitzer und andere werden. So war etwa ein 53-Jähriger aus Kerken von seiner eigenen Puffotter lebensgefährlich verletzt worden. Der Mann war beim Wechseln des Wassers im Terrarium von dem Reptil gebissen worden. Im Juni sorgte ein Duisburger nach einem Klapperschlangenbiss für bundesweite Schlagzeilen, weil ein Polizeihubschrauber das Gegenmittel aus München einfliegen musste.
Wo lag bei diesen Fällen nun eigentlich die Gefahr für Unbeteiligte? Was hinter verschlossenen Türen vorgeht und in welche Gefahr sich die Leute dahinter begeben, ist doch wohl die freie Entscheidung eines jeden einzelnen Bürgers. Manche Leute finden nun einmal Befriedigung darin, wenn sie in artgerechten Terrarien ihre Giftschlangen beobachten und nachzüchten können, andere basteln gerne an elektrischen Schaltkreisen herum und wieder andere finden es geil sich beim Liebesspiel mit Seidenschals zu würgen. Werden nun auch Heimwerkerbedarf und Seidenschals verboten, weil ab und an mal jemand bei solchen Freizeitaktivitäten verletzt wird oder sogar stirbt? Natürlich nicht, weil darum dann kein Medienrummel gemacht wird, sondern solche Vorfälle einfach nur als „häuslicher Unfall“ eingestuft werden. Doch wo liegt der Unterschied?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden jährlich bis zu 800 000 Reptilien nach Deutschland eingeführt.
Bei den 800.000 Reptilienimporten handelt es sich um eine veraltete Zählung. Mittlerweile wird der Markt wesentlich stärker mit Nachzuchten versorgt. Die jüngste veröffentliche Statistik des Statistischen Bundesamtes spricht von ca. 320.000 importierten Reptilien im Jahr 2013 – Tendenz sinkend! Dabei handelte es sich größtenteils um harmlose Arten und Farbvarianten von Züchtern aus den USA und nicht um gefährliche Exemplare. Was hat die im Artikel angegebene Zahl, würde sie denn heutzutage noch stimmen, also bitte mit dem Thema „Gefahrtiere“ zu tun?
Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) schätzt, dass bundesweit in mehr als vier Millionen Privathaushalten wildlebende Arten gehalten werden.
Auch diese Aussage ich grundlegend falsch, was innerhalb von 5 Minuten recherchiert werden kann. Es scheint mir fast so, als würde die RP eine kurze Recherche bereits scheuen und stattdessen einfach nur Textbausteine verwenden, die von dubiosen Experten (vermutlich aus der Tierrechtsszene) vorgegeben wurden. Laut einer vom ZZF im April 2012 in Auftrag gegebenen Studie eines Marktforschungsinstitutes, deren Ergebnisse auf einem Terraristik-Symposium im November 2013 dargestellt wurden, befinden sich ca. 800.000 Terrarien in deutschen Haushalten mit wiederum einigen Millionen Reptilien, Amphibien und Wirbellosen. Primär natürlich harmlose Arten wie z.B. Bartagame, Kornnatter oder auch Stabschrecke. Eine Pressemeldung des ZZF diesbezüglich hätte von einem hauptberuflichen Zeitungsredakteur in wenigen Minuten gefunden werden können: ZZF-Symposium 2013 zur Terraristik: Im Trend sind artgerecht zu haltende kleine Arten
Somit käme man auf höchstens 800.000 Haushalte. Da in vielen Terrarianerhaushalten gleich mehrere Terrarien stehen, sind es sogar noch weitaus weniger. Die für das Jahr 2014 vom ZZF veröffentlichten Zahlen geben an, dass die 800.000 Terrarien in 1 Prozent der deutschen Haushalte stehen (= ca. 400.000 Haushalte)! Eine Anzahl von vier Millionen Haushalten wäre wünschenswert, denn dann würden wir keine Randgruppe mehr sein und könnten eine vernünftige Lobby aufbauen, mit der massiv Druck auf die Politik zur Verhinderung irgendwelcher unfairen Regelungen ausgeübt werden könnte. So wie die Katzenhalter mit ihren ca. 8 Millionen Katzen der Tierrechtslobby den Rücken stärkte und in NRW das Jagdrecht auf streunende Katzen kippte. Ebenfalls ein Tierschlag für den Natur- und Artenschutz, ausgeführt durch die Jäger, die sich dem Schutz einheimischer Arten verschrieben haben (durch das Wildern streunender Katzen werden geschützte Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien dezimiert und Räuber wie Füchse, Luchse oder Wildkatzen bekommen einen unnatürlichen Nahrungskonkurrenten).
Laut Tierschutzbund mussten Tierheime in den vergangenen fünf Jahren rund 30 000 Reptilien aufnehmen, darunter gefährliche Arten wie Schnappschildkröten und Riesenschlangen.
Wie ich bereits hier nach eigenhändiger Recherche ausführlich darstellte, wurde diese Zahl vom Tierschutzbund mittels einer Hochrechnung aus der Luft gezaubert. Tatsächlich wurden in den letzten 5 Jahren in 214 Vereinen des Tierschutzbundes insgesamt ca. 9.000 Reptilien aufgenommen. Also weniger als ein Drittel der in der Öffentlichkeit verkündeten Anzahl. Da es im RP-Artikel schließlich um Gefahrtiere geht, wäre es interessant zu erwähnen, dass davon lediglich 11 Tiere als gefährlich einzustufen sind (1 Brillenkaiman, 2 Giftschlangen und 8 potentiell gefährliche Riesenschlangen). Das macht einen prozentualen Anteil von statistisch kaum noch relevanten 0,1 %. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu den in Tierheimen abgegeben domestizierten Tieren, landet man im statistischen Spurenbereich (ca. 0,002 %), der schlichtweg zu vernachlässigen ist. Noch! Denn sobald ein Verbot in Kraft tritt, wird die Anzahl an ausgesetzten oder beschlagnahmten Gefahrtieren natürlich sprunghaft ansteigen. Sehr scheinheilig ein Verbot mit der Tierheimsituation zu begründen.

Als Reaktion habe ich inzwischen diese Pressemeldung mit den korrekten Zahlen geschaltet: NRW-Umweltministerium verkündet Eckdaten für neues Gefahrtiergesetz

Eine Beschwerde an die Redaktion ist ebenfalls rausgegangen. Notfalls reiche ich auch wieder Beschwerde beim Deutschen Presserat ein. Wegen eines Fehlschlages (ich sag nur „Salmonellenpanik“) stecke ich nicht den Kopf in den Sand. Einseitiger und nachweislich falscher Propaganda gegen die Terraristik muss dringend Einhalt geboten werden!
 
*Immerhin wurde mittlerweile eine Pressemeldung zu den Eckpunkten des neuen Gefahrtiergesetzes von der DGHT verfasst: NRW-Gefahrtiergesetz: Nutzlose Verbote statt sinnvoller Regelungen

 


Dienstag, 21. Oktober 2014

Landeskabinett von NRW verabschiedet Eckpunkte für neues Gefahrtiergesetz


Eine aktuelle Pressemeldung des Umweltministieriums von Nordrhein-Westfalen verkündet den aktuellen Stand der derzeit in der Mache befindlichen Gefahrtierregelung:
http://www.umwelt.nrw.de/ministerium/presse/presse_aktuell/presse141021.php 

Zuerst werden in der Meldung einige Vorfälle hervorgezaubert, welche die Emotionen ordentlich anheizen sollen:

Pythons an einem Hildener Bachlauf
Es handelte sich um drei Königspythons, die generell als ungefährlich anzusehen sind. Es hätten demnach auch drei ausgesetzte Meerschweinchen sein können.

Vogelspinne unter einem Kühlschrank in Königswinter
Vogelspinnen sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls als ungefährlich anzusehen. Die Vogelspinne in diesem Fall war, soweit auf den Fotos erkennbar, eine amerikanische Art mit Brennhaaren als primäres Verteidigungssystem. Also eine Art, die erst in größter Bedrängnis zubeißt und selbst dann nicht gefährlicher als eine Biene ist. Es hätte somit auch einfach eine Biene auf einer Brennnessel sein können.

Puffotter-Biss in Kerken
Hier wurde ein Halter von seiner eigenen Giftschlange gebissen. Das ist zwar tragisch, aber solche Unfälle können passieren. Eine Gefahr für unbeteiligte Dritte bestand jedoch nicht, ganz anders als bei Unfällen im Straßenverkehr.

Würgeschlange am Bahndamm in Dortmund
Bei diesem Tier soll es sich um eine Regenbogenboa gehandelt haben, die ebenfalls für Menschen keine Gefahr darstellt.

Warum also werden diese Vorfälle eigentliche aufgezählt, wo dich keinerlei Gefahr für die Öffentlichkeit bestand? Im gleichen Zeitraum der genannten Vorfälle wurden übrigens Dutzende Menschen von Hunden oder Pferden zum Teil schwer verletzt. Zwei unschuldige Menschen wurden derweil sogar von Rindern getötet. Haushunde und Nutzvieh findet man natürlich nicht in der geplanten Verbotsliste zur neuen Gefahrtierregelung von Nordrhein-Westfalen. Warum eigentlich nicht?

Dass manche Arten komplett verboten werden und es keinerlei Möglichkeit mehr für zukünftige Halter geben soll, eine Haltungsbewilligung zu erhalten, ist ein unglaublicher Tiefschlag. Die bestehenden Bestände sollen regelrecht aussterben. Wir sprechen hier von gefährdeten Arten wie der Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum), die meiner Meinung nach aufgrund des an sich ruhigen Verhaltens zu Unrecht als Verbotstier eingestuft wird. Wer als aktueller Halter solcher Tiere die Anforderungen an eine Haltung nicht erfüllen kann, wird zur Abgabe gezwungen. Dass keinerlei Ausnahmen möglich sein sollen, ist aus tierschutz- und artenschutzrechtlichen Gründen und für die Naturbildung ein Skandal! Keinesfalls darf eine solche Regelung bei den Überlegungen zu einer bundeseinheitlichen Gefahrtierregelung auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen werden.

Zumindest bei der Entstehung der Artenlisten scheint stellenweise eine gewisse fachliche Expertise eingeflossen zu sein. Jedoch leider nicht in die gesamte Liste. Denn neben den üblichen Pannen wie das Vertauschen der wissenschaftlichen Artnamen beim Hellen und Dunklen Tigerpython oder die Nennung von Schnapp- und Geierschildkröte, die ohnehin schon bundesweit verboten sind, verdient die Listung von ungefährlichen Arten wie z.B. dem Nashornleguan schärfste Kritik!

Ich selbst habe dem Ministerium mehrere Briefe zukommen lassen und Vorschläge gemacht, wie die angedachte Regelung für alle Seiten von Vorteil sein kann (siehe meine Beiträge Nachtrag: NRW plant nun doch eine Gefahrtierverordnung und Großes Lob: Stadt Castrop-Rauxel beweist Sachverstand). Nach meinem zweiten Brief erhielt ich eine Antwort vom Ministerium, dass die Abstimmungen zum Abschluss kämen. Nach den Herbstferien sollten zu dem Gesetzesentwurf die Spitzenverbände angehört werden. Welche Verbände damit gemeint waren und ob eine solche Anhörung erfolgte, ist mit derzeit nicht bekannt. Unmittelbar nach dem Beschluss soll ich ein ausführliches Antwortschreiben zu den von mir aufgebrachten Fragen und Anregungen erhalten. Vermutlich wird es sich dabei um den Inhalt handeln, der nun ohnehin schon öffentlich zugänglich ist. Beispielsweise dieses Dokument: Fragen und Antworten zum Entwurf des neuen Gefahrtiergesetzes

Leider wurden nicht alle Anregungen beachtet oder strikt umgangen. Immerhin ist die zu Beginn der Überlegungen angedachte Liste mit unbedenklichen und erlaubten Arten vom Tisch. Denn bei einer solchen Positivliste wären alle neuen Arten innerhalb der Terraristik von vornherein verboten.
 

Ein paar halbwegs positive Punkte gibt es aber trotzdem:
bei den Lurchen die Arten aus der Gattung Phyllobates (Blattsteiger), wenn es sich um Wildfänge handelt, 
Immerhin wurde der Passus noch ergänzt und nur auf Wildfänge bezogen. Mir liegt ein Entwurf einer neuen Gefahrtierverordnung für Niedersachsen vor, laut der auch ungiftige Nachzuchten dieser Gattung verboten werden sollen. Aber hier wird man dann immerhin eine Ausnahmegenehmigung beantragen können. Mit der Einschränkung „Wildfänge“ wird aber zumindest das Interesse der Halter an einem Erwerb von Nachzuchten gesteigert, was sicherlich einen Mehrwert in Sachen Artenschutz darstellt. Diese dürften dann laut der aktuell vorliegenden Listen auch ohne gesonderte Meldepflicht in Bezug auf die Einstufung als Gefahrtier in NRW gehalten werden. Eine Meldepflicht aus Artenschutzgründen besteht bei diesen Arten ohnehin bereits. Dennoch ist die Listung von Tieren, die aktiv keinerlei Gefahr für den Menschen darstellen (um sich an wildgefangenen Pfeilgiftfröschen zu vergiften, muss man schon sehr mutwillig agieren), zu kritisieren.

Des Weiteren sollen laut Pressemeldung die Sachkundeprüfungen der Halterverbände anerkannt werden, was schon einmal positiv zu werten ist. Bis zum endgültigen Beschluss bleibt aber noch vieles im Dunkeln und da die beiden Artenlisten lediglich eine Auswahl darstellen, kann das böse Erwachen nach endgültigem Beschluss noch auf die Halter in NRW zukommen. Manche Bürger anderer Bundesländer können evtl. bald ihre Bestände aufstocken, wenn die ersten Kleinanzeigen bei ebay, DeineTierwelt.de & Co. geschaltet werden, weil besagte Terrarianer aus NRW ihre sogenannten Gefahrtiere lieber selber an andere Liebhaber abgeben. 

Sonntag, 19. Oktober 2014

Terrarientiere im Internet bestellen

Die Schlange im Sack kaufen?
Ein oftmals sehr kontrovers diskutiertes Thema ist die Frage, ob man Terrarientiere im Internet bestellen sollte oder nicht. Wie so oft gibt es auch bei diesem Thema viele unterschiedliche Meinungen und leider auch sehr viele Pauschalisierungen, insbesondere von Seiten der Gegner einer Bestellung von Tieren im Internet. Ein großes Gegenargument lautet, dass man die Tiere und die Haltungsbedingungen bei einer Bestellungen im Internet vorher nicht begutachten kann. Klar kauft man auf diesem Weg mitunter die Katze bzw. genauer gesagt die Schlange im Sack, aber bei vielen Internethändlern ist die Qualität so gut, dass das kein Problem ist.

Ein Beispiel: Mein erster Königspython, welchen ich im Zoofachhandel erwarb und der augenscheinlich einen gesunden Eindruck machte, verstarb noch vor Abgabe einer Kotprobe. Eine Sektion ergab einen Befall mit verschiedenen Parasiten. Meinen zweiten Königspython erwarb ich dann bei einem Züchter im Internet. Dieses wildfarbene Tier kostete inkl. Versand zwar einiges mehr, war jedoch gesund und machte mir in den Jahren der Haltung bisher keinerlei Probleme. Ich zahle also lieber höhere Preise für ein gesundes Nachzuchttier von einem Züchter mit Internetversand, anstatt ein krankes (wenn auch günstiges) Farmzucht- oder gar Wildfangtier aus dem Zoofachhandel um die Ecke zu erwerben. In Zoofachgeschäften sind die Tiere ja auch nicht immer in einer artgerechten Umgebung untergebracht, weswegen die Begutachtung der Haltungsbedingungen dort für den zukünftigen Halter wenig nützt. Die Tiere sind zudem vom Transport und Laufkundschaft häufig sehr gestresst und dadurch leider eben auch oftmals sehr krank. 

Auf Börsen sieht es da schon besser aus, zumal man dort die Tiere in der Regel von spezialisierten Züchtern erwirbt und somit auch eine bessere Fachberatung erhält, sofern die Anbieter sich dafür die Zeit nehmen. Im Internet bleibt die Beratung zwar meist aus, aber wenn man gezielt nach bestimmten Arten sucht und sich im Vorfeld ausführlich über die Pflege informiert hat, wird man im Internet meist recht schnell fündig und erhält je nach Anbieter auch eine sehr ordentliche Qualität. Problematisch sind allerdings Spontankäufe von Leuten, die sich vor dem Kauf nicht eingehend mit den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart auseinandergesetzt haben. Hier sollten strengere Regelungen eingeführt werden, um solche Spontankäufe zu verhindern - beispielsweise ein verbindlicher Sachkundenachweis, der dem Händler während des Bestellvorgangs als Scan/Foto hochgeladen werden muss.

Ein weiteres (jedoch emotional behaftetes) Gegenargument lautet: „Die armen Tiere in dunklen Paketen mit der Post zu verschicken ist doch pervers!“ Mit solchen pauschalen Meinungen sollte man vorsichtig sein, denn Tierversand bedeutet nicht gleich Versand mit der Deutschen Post AG:

Wirbellose Tiere
Die Deutsche Post AG verbietet in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen den Versand von Wirbeltieren, erlaubt aber den Versand von Wirbellosen:
Von der Beförderung ausgeschlossen (Verbotsgüter) sind:
4. Sendungen, die lebende Tiere oder sterbliche Überreste von Menschen enthalten; ausgenommen sind Urnen (nur für Paket) sowie wirbellose Tiere wie Bienenköniginnen und Futterinsekten, sofern der Absender sämtliche Vorkehrungen trifft, die einen gefahrlosen, tiergerechten Transport ohne Sonderbehandlung sicherstellen

Dies gilt ebenfalls für den nationalen Expressversand. Wirbeltiere dürfen demnach gar nicht per Post verschickt werden. Die Angaben zu den Wirbellosen fasse ich als Beispiele auf. Demnach ist ein Versand von z.B. Vogelspinnen oder anderen wirbellosen Terrarientieren per Post erlaubt, sofern die Tiere tierschutzgerecht und ausbruchsicher verpackt sind. Gleiches gilt für Futtertiere wie z.B. Schaben. Letztlich trägt der Absender die Verantwortung und die Beseitigungskosten, wenn eine Postfiliale durch den Ausbruch aus einem nicht ausreichend sicher verschlossenen Paket von z.B. Periplaneta americana befallen wird.

Ich habe auch schon öfters wirbellose Tiere von Internetanbietern erhalten, die diese Tiere mal mehr mal weniger gut für den Transport gesichert hatten. Beispielsweise vorbildlich in Filmdosen oder Heimchendosen mit ausreichend Füllstoff (z.B. Küchenkrepp) gesichert oder eben leider auch in Heimchendosen voller Substrat, welches beim Transport natürlich ordentlich durchgeschüttelt wurde und die Tiere demnach bei der Ankunft entsprechend gestresst oder sogar beschädigt waren. Es kommt also hierbei auch auf den jeweiligen Anbieter an. Bewertungen im Internet auf unabhängigen Portalen können einem vor der Kaufentscheidung helfen. Einen Anbieter von Landkrabben, der laut Bewertungen auf solchen Portalen diese Tiere in Beuteln voller Wasser verschickt, würde ich z.B. meiden. Je nach Art und aktueller Witterung ist natürlich auch eine temperaturstabile Verpackung mit evtl. zusätzlichen Wärmemitteln anzuraten, die bei vielen Anbietern jedoch vom Kunden während des Bestellvorgangs separat hinzugebucht werden müssen. In diesem Fall liegt die Verantwortung für die lebendige Ankunft laut AGB der Anbieter dann meist beim Kunden (es lohnt sich also, diese zu lesen!). 

Wirbeltiere
Obwohl der Versand von Wirbeltieren per Post verboten ist, gibt es leider Anbieter (sowohl private als auch gewerbliche), die trotzdem Wirbeltiere per DHL-Express versenden. Ich habe dies und die damit verbundenen Verluste leider schweren Herzens auch schon erlebt, weswegen ich mich von diesen Anbietern inzwischen distanziere. Ein solcher Versand ist nicht nur seitens der Deutsche Post AG verboten sondern tierschutzrechtlich äußerst bedenklich. Denn selbst wenn man auf das Paket einen Vermerk „Vorsicht, lebende Tiere“ anbringt und es per Express verschickt, werden diese Pakete nicht anders behandelt als der Rest. Wer schon einmal die Abfertigung von Paketen bei der Post gesehen hat, käme nicht im Traum auf die Idee, Wirbeltiere auf diesem Weg zu versenden.

Für den tierschutzkonformen Versand von Wirbeltieren gibt es aber auch spezialisierte Versandunternehmen, bei denen der Transport aufgrund von regelmäßigen Schulungen der Zusteller reibungslos abläuft. Beispielsweise für Reptilien und Amphibien das Logistikunternehmen GO!, welches ich dank meiner positiven Erfahrungen ruhigen Gewissens für den Tierversand uneingeschränkt empfehlen kann. Seriöse Internetanbieter verschicken Wirbeltiere mit solchen Tierspeditionen. Diese kosten zwar etwas mehr, die Pakete werden jedoch tierschutzkonform abgearbeitet und temperaturstabil transportiert sowie umgeladen.

Ob das Tier nun kilometerweit mit dem eigenen Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Züchter nach Hause transportiert wird oder mit einer spezialisierten Tierspedition, macht meiner Ansicht nach keinen Unterschied. Eine dunkle und temperaturstabile Verpackung mit z.B. zerknülltem Zeitungspapier gibt den Tieren auf dem Transportweg Halt und das Gefühl des Verstecktseins. Überspitzt formuliert: Je dunkler und enger die Verpackung, desto geringer der Stress für das Tier. Da die Tiersendung im Falle von GO! in der Regel am späten Nachmittag beim Absender abgeholt wird und die Zustellung bereits früh am nächsten Tag erfolgt, ist der zugemutete Stress der Tiere sehr gering. Bisher hatte ich auf diesem Wege noch nie Ausfälle zu beklagen.

Der zukünftige Halter sollte die Tiere nach Ankunft mit Flüssigkeit versorgen (ich persönlich füge je nach Tierart auch noch eine Prise Kochsalz hinzu, um einen evtl. vorhandenen Mangel an Elektrolyten ebenfalls schnellstmöglich auszugleichen). Eine Fütterung erfolgt erst, sobald der Transportstress sich gelegt hat (je nach Tierart nach etwa 1-3 Tagen, bei Schlangen auch mal länger).

Fazit: 
Ob ein Kauf von Tieren im Internet nötig und ethisch vertretbar ist, entscheidet natürlich jeder Halter für sich selbst. Es kommt außerdem sehr stark auf den jeweiligen Händler an, ob dieser seine Wirbeltiere mit einer Tierspeditionen versendet oder den leichten, wenn auch im Falle von Wirbeltieren verbotenen Weg über die Deutsche Post AG geht. Auch die Art der Verpackung entscheidet im hohen Maße über die unbeschädigte Ankunft von Tieren jeder Art. Tierschutzrechtliche Bedenken bei einem Versand mit einem auf Tiertransporte spezialisierten Logistikunternehmen sind jedoch unbegründet. Ein Transport über Nacht in, von den Tieren als sicheres Versteck wahrgenommenen, engen und dunklen Verpackungen bedeutet für die verschickten Tiere weniger Stress, als manche Leute aus emotionalen und vermenschlichenden Beweggründen annehmen. 

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Hessen

In Hessen findet man etwas über die Haltung von Gefahrtieren in § 43a des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG). Diese Ergänzung zum § 43 hat seit 2007 Gültigkeit und besagt:
(1) Die nicht gewerbsmäßige Haltung eines gefährlichen Tieres einer wild lebenden Art ist verboten. Gefährliche Tiere sind solche, die in ausgewachsenem Zustand Menschen durch Körperkraft, Gifte oder Verhalten erheblich verletzen können und ihrer Art nach unabhängig von individuellen Eigenschaften allgemein gefährlich sind.
Es ist zwar äußerst nervig es immer wiederholen zu müssen, aber auch das hessische Gefahrtiergesetz verdient an dieser Stelle deutliche Kritik, weil es einen Unterschied zwischen der gewerblichen und der privaten Tierhaltung macht. Wie schon häufiger in meinen Beiträgen über Gefahrtiergesetze von mir aufgezeigt wurde: Das ist ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes, was leider die Gerichte bisher anders sehen. Dennoch bleibe ich der Meinung, dass eine Tierhaltung einzig und allein vom jeweiligen Einzelfall und der dort vorhandenen Sachkunde abhängt. Gewerbliche Halter haben nicht per se aufgrund ihrer allgemeinen Ausbildung und Sachkundeprüfung bei einem Amtstierarzt die spezielle Sachkunde, die für die Pflege von Gefahrtieren erforderlich ist. Gewerblichen Händlern werden pauschal Kenntnisse zugesprochen und zugleich Pflichten vorenthalten, die von Privathaltern gefordert werden, die im Gegensatz zu vielen gewerbsmäßigen Haltern in der Regel sehr viel sachkundiger im Umgang mit ihren Pfleglingen sind.

Einerseits ist es positiv anzumerken, dass das Gesetz nach Inkrafttreten aufgrund einer zuerst nicht vorhandenen Tierliste keine ungefährlichen Arten als gefährlich einstufte und somit auf den ersten Blick auch keinen Fehler machte, sondern tatsächlich nur wirklich gefährliche Arten meinte. Das ist an sich lobenswert, birgt jedoch ein großes Risiko: Derartige Formulierungen sorgen weiterhin für eine undurchsichtige Gesetzeslage. Wer entscheidet, welche Tiere nun gefährlich sind oder nicht? Hunde und Pferde wären meiner Meinung nach ebenso gemeint wie Panzerechsen oder Giftschlangen. Ach ne, sorry... das sind ja keine „Tiere wild lebender Arten“. Ich vergaß, dass bei domestizierten Tieren das Gefahrenpotential ja offenbar total egal ist...


Viele Terrarianer waren verunsichert und wussten nicht, ob ihre Tiere nun von der Regelung betroffen waren oder nicht, weil z.B. manche Behörden sich an den Gefahrtierlisten anderer Bundesländer orientierten, während andere den Aussagen der Halter vertrauten und durch einmalige Vorlage einer entsprechenden Angabe in der Literatur über die Ungefährlichkeit der jeweiligen Art Ruhe gaben. Eine einheitliche Gesetzesgrundlage sieht für mich jedoch anders aus. Auch über die Giftwirkung einzelner Tierarten gibt es, wie in Wissenschaft und Forschung nun einmal üblich, immer wieder gegenteilige Berichte, Studienergebnisse und Auffassungen. Somit blieb bei vielen Tierarten (meist sogar den eher ungefährlicheren Arten, bei denen sich die Experten selber uneinig sind) eine gewisse Grauzone und am Ende wurde der Halter in die Beweispflicht genommen. Er musste dann durch teure Gutachten und Prozesse beweisen, dass seine Tierart nicht gefährlich war. Entsprechende Gerichtsurteile aus Hessen sind aber leider nicht wirklich zu Gunsten der Tierhalter ausgefallen. Aus diesem Grund bin ich ein Befürworter von Gefahrtierlisten, auf denen die jeweiligen Arten aufgelistet sind, für die das Gesetz gilt. Das ist für Halter und auch Behörden wesentlich praktikabler. Diese Listen müssen aber einerseits auf Fachkenntnis beruhen und andererseits im Falle von taxonomischen Veränderungen (also Änderungen der wissenschaftlichen Artnamen) zeitnah aktualisiert werden. Eine jährliche Revision wäre denkbar und kein großer Aufwand, wenn man mit Fachexperten in Kontakt bleibt und die Tierliste in einer Durchführungsverordnung verankert. Diese Problematik wurde auch in Hessen erkannt und so folgte eine Tierliste (Stand März 2011), die am 19. März 2013 abgerufen wurde und seitdem Gütligkeit hat. Diese Liste gibt ausnahmsweise mal wenig Anlass für Kritik. Lediglich die Listung aller Baumsteigerfrösche ist absurd, weil nur Wildfänge weniger Arten giftig sind, doch selbst diese keine aktive Gefahr darstellen und in der Terrarienhaltung ohnehin ihre Giftwirkung verlieren.
Die Bezirksordnungsbehörde kann auf Antrag Ausnahmen von dem Verbot zulassen, wenn die Halterin oder der Halter ein berechtigtes Interesse an der Haltung nachweist. Ein berechtigtes Interesse kann für die Haltung zum Zwecke der Wissenschaft oder Forschung oder für vergleichbare Zwecke angenommen werden.
Diese Aussage ist meiner Meinung nach ebenfalls ein großer Knackpunkt im hessischen Gefahrtiergesetz. Heimtierhaltung gehört für mich zum Grundrecht jedes Menschen im Rahmen der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Einen wichtigeren Grund und ein berechtigteres Interesse als die Wahrung eines Grundrechtes kann es ja wohl kaum geben. Die Vollzugsbehörden sehen dies jedoch anders. Die öffentliche Sicherheit wird als höherwertiger eingestuft als das Grundrecht auf Heimtierhaltung. Typisch für eine Demokratur, in der man als Bürger alle paar Jahre mal Demokratie spielen darf. Immerhin wird die Nachzucht von gefährlichen Tieren nicht verboten, was auch schon per Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes (Az. 1BvR 2639/08) bestätigt wurde. Zitat aus dem Beschluss: „Das Ermöglichen der Erzeugung von Nachkömmlingen gefährlicher Tiere als solches ist nach dem Wortlaut des § 43a HSOG nicht verboten.“

Besagter Beschluss birgt jedoch ebenso die Aussage, dass die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen das Gefahrtiergesetz in Form einer Verfassungsbeschwerde unzulässig sei, da nach Ansicht des Gerichtes kein Grundrecht verletzt wurde.


§ 43a HSOG besagt ferner: 
(2) Das Verbot nach Abs. 1 Satz 1 gilt nicht für zum Zeitpunkt seines Inkrafttretens bereits gehaltene gefährliche Tiere einer wild lebenden Art, wenn die Haltung durch die Halterin oder den Halter bis spätestens zum 30. April 2008 der Bezirksordnungsbehörde schriftlich angezeigt wird. Satz 1 gilt entsprechend für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verbots nach Abs. 1 Satz 1 bereits erzeugte Nachkömmlinge.
Für die Übergangsregelung war dies immerhin ein erfreulicher Absatz nach Inkrafttreten des Gesetzes. So mussten immerhin die bisherigen Halter keine Beschlagnahmungen ihrer Gefahrtiere befürchten. Dennoch ändert es nichts daran, dass das Aufstockung des Bestandes nahezu unmöglich ist und die Tierbestände bei den meisten Haltern mit der Zeit ganz von alleine auslaufen werden. Außerdem können die Tiere trotzdem eingezogen werden, wenn aus Sicht der Behörden eine potentielle Gefahr von ihnen ausgeht. Beispielsweise durch nicht ordnungemäß verschlossene Terrarien.

Eine Beschlagnahmung und Geldstrafe bis zu 5.000 Euro haben Halter zu befürchten, die ihre Gefahrtiere nach Inkrafttreten des Gesetzes nicht angemeldet haben oder neue Tiere ohne Antrag auf Ausnahme vom Verbot anschaffen. 


Fazit: 

Ich persönliche halte die hessische Regelung für eine der schlechtesten in ganz Deutschland, weil es im Grunde genommen ein Verbot der privaten Gefahrtierhaltung darstellt, da Privathalter wenig Aussicht auf Sondererlaubnis haben. Das Gesetz machte zudem mangels Tierliste direkt nach Inkrafttreten noch keine Aussage über die Tierarten, auf die es anzuwenden ist. Dadurch entstanden rechtliche Grauzonen, die eine Flut von Gutachten und Prozessen nach sich zogen. Die daraus resultierenden Urteile zeugen nicht gerade von einer tierhalterfreundlichen Regelung und Auslegung der Gerichte. Die 2013 abgerufene Liste mit Tierarten, auf die das Gesetz anwendbar ist, ist immerhin noch eine der besseren in ganz Deutschland. Zwar bleibt die Zucht grundsätzlich erlaubt und die bestehenden Bestände konnten nach Anmeldung während der Übergangszeit weitergepflegt werden, jedoch gerieten manche Halter dadurch erst in die Mühlen der Obrigkeit und nicht jeder ist aufgrund von fehlender Fachkunde innerhalb der Behörden ohne Schaden aus der Sache herausgegangen. Manchen fehlten schlicht und ergreifend auch die finanziellen Mittel, um aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Entscheidungen oder abgelehnte Ausnahmeanträge vor Gericht durchzusetzen. Ein vergleichbares Gesetz in anderen Bundesländern oder gar auf Bundeseben wäre untragbar, daher sollte das Hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung meiner Meinung nach keinesfalls als Vorlage für solche Überlegungen dienen.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Tierschützer fordern Abschaffung der Natur (Satire)

Eine aktuelle Studie des renommierten Bobby Koch - Institutes kommt zu dem erschütternden Ergebnis: Die Natur ist ein grausamer Lebensraum. So sterben schätzungsweise bis zu 90 % der in freier Wildbahn geborenen Reptilien, Amphibien und Wirbellosen noch vor dem Erreichen der Geschlechtsreife. Durch Fressfeinde, Lebensraumzerstörung und Klimawandel müssen Hunderttausende Tiere wildlebender Arten täglich Todesängste ausstehen oder werden bei lebendigem Leib auf brutale Art und Weise verstümmelt oder sogar getötet. Nicht nur in den weit entfernten Tropen sondern auch in deutschen Wäldern, Flüssen und sogar Gärten.

Aus der Sicht des Veterinärmediziners Dr. Hendrik von Sinnensen vom Deutschen Tierschwundbund ein tierschutzrechtlicher Skandal. „Dem Leid dieser armen Geschöpfe muss Einhalt geboten werden!“, so von Sinnensen. Der Deutsche Tierschwundbund fordert nun in einer neuen Grundsatzposition von der Bundesregierung die Abschaffung der Natur, um das Tierleid endgültig zu beenden. „Die Natur muss verboten werden. Es wäre für die Tiere einfach besser, wenn es die Natur nicht mehr gäbe.“, so von Sinnensen weiter. Aber wohin mit den Tieren, wenn die Natur geschlossen und verboten wird? „Der Deutsche Tierschwundbund arbeitet in dieser Sache sehr eng mit der Tierrechtsorganisation ETAP [Exoten, lieber tot als in Privathand – Anm. d. Red.] zusammen.“, erläutert von Sinnensen.

Die stellvertretende Vereinsvorsitzende von ETAP Deutschland Dr. Mona Schnabel bringt es auf den Punkt: „Uns interessiert nicht der Erhalt von Tierarten auf Kosten einzelner Individuen. Viel wichtiger ist der Schutz der körperlichen und geistigen Unversehrtheit jedes einzelnen Tieres. Daher werden wir den Wildtieren nach Abschaffung der Natur einen schmerzvollen und würdelosen schmerzlosen und würdevollen Tod bescheren, damit die Qualen ein Ende haben. Außer uns will sich natürlich niemand die Finger schmutzig machen, aber solche Entscheidungen gehören zum Wohl der Tiere einfach dazu. Ganz egal was Hasskampagnen im Internet gegen unsere Organisation und unser Vorgehen behaupten.“

Samstag, 11. Oktober 2014

Exoten, ein Problem für Tierheime? (Cartoon)

 

Es entspricht erwiesenermaßen der Wahrheit, dass die „Exotenproblematik“ der Tierheime in den Medien von Tierrechtsvereinen und ihren angehörigen Tierheimen gerne überzogen dargestellt wird und dabei der Anteil an domestizierten Tieren unter den Tisch fällt. Dies belegen diverse Tierheimstatistiken. In einer Pressemeldung vom 19. Juni 2014 über eine Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes wurde der Anteil an abgegebenen Reptilien in den ca. 700 Tierschutzvereinen des Tierschutzbundes mit ca. 30.000 Stück in einem Zeitraum von 5 Jahren angegeben. Liest man sich die Studie einmal genau durch, wurden im genannten Zeitraum lediglich in 214 Vereinen 9.068 Reptilien abgegeben. Das macht durchschnittlich 8 abgegebene Reptilien pro Jahr und Tierschutzverein bzw. allgemein gesagt: Jährlich landen ca. 1.800 Reptilien in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes. Der Anteil an für den Menschen vollkommen harmlosen Tieren lag dabei bei 99,9 %. Gefahrtiere machten mit 0,1 % einen statistisch nicht relevanten Anteil der Tierheimabgaben aus.

Setzt man diese Anzahl mit den Zahlen für Hunde (jährlich 80.000 Stück) und Katzen (jährlich 130.000 Stück) ins Verhältnis, kommt man zu dem Ergebnis, dass auf 1 abgegebenes Reptil 44 Hunde und 72 Katzen kommen. Keiner kann mir sagen, dass die Unterbringung einer Bartagame oder einer Kornnatter aufwendiger sein soll als die von über 100 Hunden und Katzen!

Der Deutsche Tierschutzbund stellt diese Ergebnisse durch eine plumpe Hochrechnung auf sämtliche Tierschutzvereine (die sich größtenteils gar nicht zu der Abgabesituation geäußert hatten und somit womöglich gar keine Reptilien aufgenommen haben) in der Öffentlichkeit als besonders hoch dar. Dies ist unverantwortlich und verzerrt die Realität zu Ungunsten der Exotenhaltung! Dabei liegt der Anteil an klassischen Haustieren wesentlich höher, was jedoch vom Verein offenbar bewusst verschwiegen wird. Diese Zahlen lassen sich mit Stichproben untermauern: Schaut man in die öffentlich zugänglichen Statistiken verschiedener Tierheime, liegt der Anteil an abgegebenen Reptilien im Vergleich zu klassischen Haustieren wie Hunden, Katzen und Nagetieren wie Kaninchen und Meerschweinchen bei durchschnittlich etwa 2 %.

Von mit Exoten überquellenden Tierheimen kann demnach keine Rede sein. Sollte es jedoch zu immer mehr Einschränkungen der Exotenhaltung (beispielsweise mittels Positivliste) kommen, werden vermehrt Tiere in Tierheimen und Auffangstationen landen, die von dort aber nicht mehr vermittelt werden können. Womöglich also eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

Der Grund für die einseitige Darstellung liegt für Tierschutzexperten aber auch auf der Hand: Mit Hunden und Katzen wird man kaum noch in den Medien platziert. Darunter leidet die öffentliche Aufmerksamkeit und somit gehen auch die Spenden zurück. Mit exotischen Themen ist es sehr viel leichter, werbewirksam in den Medien zu erscheinen. Die dadurch generierten Spenden werden dann bei den wahren Problemen im Tierschutz - nämlich den klassischen Haustieren - eingesetzt. Ich selbst arbeite ehrenamtlich im Tierschutz und war schon als Jugendlicher regelmäßiger Katzenkuschler und Hundeausführer in unserem örtlichen Tierheim. Daher weiß ich auch, wo den Tierheimen der Schuh tatsächlich drückt. Die Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung über die Exotenhaltung ist aber sicherlich kein angemessenes Mittel, um die rückläufige Unterstützung für Tierheime aufzufrischen.

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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Hamburg

Die Haltung gefährlicher Tiere wird in der Hansestadt über das Hamburgische Gefahrtiergesetz (HmbGefahrtierG) von Mai 2013 geregelt. Es handelt sich also um eine vergleichsweise neue Regelung. Der vollständige Amtstitel des Gesetzes spricht bereits Bände: „Hamburgischen Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren wild lebender Arten“

Domestizierte Tiere, die dem Menschen gefährlich werden können, sind also schon einmal nicht gemeint. Wölfe und Wolfshybriden sind als gefährliche Tiere gelistet, Haushunde (die anatomisch dasselbe Gefahrenpotential besitzen) sind jedoch deutlich von der Regelung ausgenommen. Gut, für Hunde gibt es das Hamburgische Gesetz über das Halten und Führen von Hunden – kurz Hundegesetz (HundeG). Aber was ist dann z.B. mit Pferden? Die sind auch eine potentielle Gefahr für Reiter und unbeteiligte Dritte und zudem weitaus häufiger im öffentlichen Raum unterwegs als nichtdomestizierte Wildtiere (einheimische Arten ausgenommen). Hier wurde offenbar mal wieder mit zweierlei Maß gemessen.

Das Hamburgische Gefahrtiergesetz verbietet nur die private Haltung und Beaufsichtigung von gefährlichen Tieren und macht somit einen Unterschied zur gewerblichen Haltung. Gewerblichen Haltern wird also von vornherein eine höhere Fachkenntnis zugesprochen, die faktisch schlicht und ergreifend in der Regel nicht vorhanden ist. Aus meiner Sicht liegt also auch in Hamburg ein Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgesetzes vor.

Ausnahmen vom Haltungsverbot werden auf Antrag von den zuständigen Bezirksämtern bei Vorhandensein der erforderlichen Sachkunde und Zuverlässigkeit genehmigt. Sichere Unterbringung der Tiere muss ebenfalls vorhanden sein. Positiv ist, dass der Halter kein „berechtigtes Interesse“ vorweisen muss. Lobenswert ist außerdem, dass die Genehmigung (zumindest laut Wortlaut des Gesetzes) nicht befristet ist. Die Zuverlässigkeit wird durch ein polizeiliches Führungszeugnis bestätigt. Hier scheint sich das Hamburgische Gefahrtiergesetz an der Bremer Polizeiverordnung orientiert zu haben, die in diesem Punkt aus meiner Sicht schon nicht sehr sinnvoll formuliert ist. Warum wird jemandem eine zuverlässige Tierhaltung abgesprochen, wenn er z.B. einmal wegen Hausfriedensbruch auffällig geworden ist? Unter dieser Voraussetzung dürften diverse Mitglieder von bekannten Tierrechts- und Tierschutzvereinen keine Tiere mehr halten, weil sie mit illegalen Filmaufnahmen auf Börsen den Hausfrieden massiv gestört haben.

Die Durchführungsverordnung zum Hamburgischen Gefahrtiergesetz beschreibt, welche Voraussetzungen im Detail vom Halter erwartet werden. Aus meiner Sicht werden den Haltern in Hamburg (abgesehen von der Definition der Zuverlässigkeit) keine unnötigen Steine in den Weg gelegt. Die Anforderungen sollten für sachkundige Halter zu erfüllen sein. Mir sind außerdem Fälle bekannt, in denen die hamburgischen Behörden beispielsweise die Mitgliedschaft in einem Fachverband (z.B. der DGHT) bereits als vorhandene Sachkunde gewertet haben. Positiv anzumerken ist, dass die Zahl der gehaltenen Tierarten nicht beschränkt und auch die Nachzucht nicht verboten ist.

In der Anlage der Durchführungsverordnung sind die als gefährlich eingestuften Tiere gelistet. Auch dort gibt es den einen oder anderen Fehler. Beispielsweise ist mir nicht klar, was mit „Leirus leiurus (Alle Arten)“ gemeint sein soll. Abgesehen von solchen Pannen und der Tatsache, dass man bei manchen genannten Arten vortrefflich über die Gefährlichkeit streiten könnte, handelt es sich wenigstens um eine Gefahrtierliste, die den Einfluss von sachkundigen Experten erkennen lässt. Beispielsweise die Einstufung von Riesenschlangen oder Waranen erst ab einer bestimmten zu erwartenden Größe. So werden nicht pauschal alle „Riesenschlangen“, „Bombardierspinnen“, „tropische Giftspinnen“ oder ähnliche Begrifflichkeiten als gefährlich eingestuft, sondern tatsächlich nur bestimmte Arten und solche ab einer bestimmten zu erwartenden Endkörpergröße.

Interessant ist außerdem, dass die Hansestadt auf ihrer Website ein paar Fragen zum Gefahrtiergesetz beantwortet. Beispielsweise die Frage, ob für eine Überwachung der Halter überhaupt ausreichend Personal und Sachverstand bei den Behörden vorhanden sind. Die auf diese Frage gegebene Antwort lautet:
Die Bezirksämter sehen die neue Aufgabe als wichtig an und werden die Überwachung sicherstellen. Die zuständigen Behörden arbeiten zusammen, um die zukünftigen Bedarfe zu ermitteln.
Quelle: http://www.hamburg.de/tiere/3352206/hamburgisches-gefahrtiergesetz

Die zukünftigen Bedarfe? Mit anderen Worten: Nein, momentan ist nicht ausreichend Personal und Sachverstand vorhanden?! Somit wirkt das Gefahrtiergesetz auf mich wie ein Schnellschuss. Im Gegenzug würden Halter vermutlich nicht durchkommen, wenn sie sagen: „Also ich teste erst einmal ein wenig mit der Giftschlange, ob ich mit einem solchen Tier klarkomme und werde dabei meinen zukünftigen Bedarf an Sachverstand ermitteln.“ Gefahrtierregelungen schön und gut, die halte ich selbst für wichtig, aber bitte nur, wenn die kontrollierenden Behörden denselben Sachverstand vorweisen können, den sie von den Haltern fordern. Ansonsten wirkt manche Entscheidung ziemlich willkürlich.

Spannend ist außerdem, dass auf der Website von Hamburg zwar lobenswerterweise die Aussage gemacht wird, dass die Tierheime wohl nicht mit beschlagnahmten Tieren überfüllt sein werden, da die Mehrheit der Halter die erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzt, auf der anderen Seite jedoch die Zahl der Gefahrtierhalter gar nicht bekannt ist und daher auch nicht wirklich eingeschätzt werden kann. Da die Abgabe in einem Tierheim mit Kosten verbunden ist, werden die natürlich auch vorhandenen verantwortungslosen Halter (aufgrund derer das Gesetz überhaupt erst beschlossen wurde) ihre Tiere womöglich eher aussetzen und somit die Bevölkerung dann tatsächlich unmittelbar gefährden, sobald die Behörden Wind von der illegalen Haltung bekommen, anstatt die Tiere kostenpflichtig unter Gefahr eines zusätzlichen Bußgeldes (bis zu 50.000 Euro) offiziell abzugeben.

Das Hamburgische Gefahrtiergesetz hat übrigens ein Verfallsdatum (siehe § 5 HmbGefahrtierG). Im August 2016 soll berichtet werden, welche Auswirkungen auch in Hinblick auf die Vollzugskosten das Gesetz bis dahin hatte. Silvester 2016 tritt das Gesetz außer Kraft. Es ist jedoch anzunehmen, dass zuvor eine neue Fassung für 2017 beschlossen wird.

Fazit:
Das Hamburgische Gefahrtiergesetz ist abgesehen von den genannten Kritikpunkten (wie der Unterscheidung zwischen privater und gewerblicher Haltung oder den in der Durchführungsverordnung genannten Anforderungen an die Zuverlässigkeit, die teilweise nicht in Zusammenhang mit einer Tierhaltung stehen) aus meiner Sicht trotzdem die bundesweit vorbildlichste Gefahrtierreglungen, mit der man als sachkundiger und verantwortungsbewusster Halter in der Regel ganz gut leben kann. Natürlich sind manche Punkte aus der Sicht unbescholtener Terrarianer trotzdem unfair und einseitig. Solche Gesetze dienen leider vorrangig den regierenden Parteien für den Fang von Wählerstimmen. Verantwortungslose Gefahrtierhalter, die ihre Tiere nur als Statusobjekt halten, werden aber wohl auch weiterhin ihre Tiere illegal halten und somit ändern Gefahrtiergesetze an der eigentlichen Problematik nichts. Dafür müsste z.B. der gewerbliche Handel ebenfalls verstärkt ins Visier genommen werden. Die vorbildliche Haltung bei verantwortungsvollen Tierhaltern wird hingegen in die Illegalität gerückt, was natürlich unfair ist. Aber dieser Trend lässt sich wohl leider nicht mehr aufhalten. Daher lieber ein Gesetz, welches einem die Haltung und Nachzucht trotzdem ohne große Stolpersteine ermöglicht und das auf wissenschaftlichen Fakten beruht als eines, das eine private Haltung nahezu unmöglich macht. Daher empfinde ich das Hamburgische Gefahrtiergesetz zwar in wenigen Punkten für verbesserungswürdig, jedoch im Vergleich zu den Regelungen manch anderer Bundesländer auch als das kleinste mögliche Übel.