Samstag, 29. November 2014

Nächstes Wochenende: Fisch und Reptil 2014 in Sindelfingen

Nächstes Wochenende schon etwas vor? Vom 5. bis 7. Dezember 2014 findet in Sindelfingen wieder die „Fisch und Reptil“ in Sindelfingen statt. Diese Messe gehört zu den führendsten innerhalb der Aquaristik- und Terraristikbranche. Auch ich bin dieses Jahr an allen drei Tagen vor Ort und werde über dieses Ereignis berichten.

Abgerundet wird die Messe durch ein Vortrags- und Workshop-Programm. Die Experten aus der Terraristik werden dieses Jahr vom Dähne-Verlag organisiert. 

Vielleicht sieht man sich ja dort? Auf dass GDL-Chef Weselsky am kommenden Wochenende mal nicht nach der Weltherrschaft greifen möge... 


Wir sehen uns...

Haltung gefährlicher Tiere: Bayern

Artikel 37 des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes (LStVG) gibt Information über die Regelungen bei der Haltung von Gefahrtieren im Freistaat Bayern. 

Der Grundton des Gesetzes spricht erst einmal nicht von strengen Verboten, sondern nur von Erlaubniserteilung. Das macht zwar faktisch gesehen keinen Unterschied, da es trotzdem ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt darstellt, es liest sich jedoch vergleichsweise angenehm.

Lobenswert hervorzuheben ist außerdem, dass das bayerische Recht keinen Unterschied zwischen der gewerblichen und der privaten Haltung macht. Dies ist in Anbetracht der in meinen Augen grundgesetzwidrigen Unterscheidungen in vielen anderen Bundesländern als äußerst positiv zu bewerten.

Leider enthält das Gesetz einen großen Kritikpunkt:
37.4.1  Berechtigtes Interesse
Das Tatbestandsmerkmal „berechtigtes Interesse“ ist streng zu handhaben, um zu gewährleisten, dass die Haltung von gefährlichen Tieren [...] auf wenige Ausnahmetatbestände beschränkt und somit die Zahl der genehmigten Haltungen – auch im Interesse eines effektiven Vollzugs – gering bleibt. Ein reines „Liebhaberinteresse“ genügt daher nicht.
Ein berechtigtes Interesse kann nach diesen Maßgaben im Einzelfall wissenschaftlicher, wirtschaftlicher oder ggf. sonstiger persönlicher Art sein..
Das sogenannte „berechtigte Interesse“ ist daher schon ein Totschlagkriterium für das Gesetz. Heimtierhaltung gehört zum Grundrecht eines jedes Menschen im Rahmen der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit (Artikel 2 Grundgesetz). Ein berechtigteres Interesse als die Wahrung eines Grundrechtes kann es ja wohl kaum geben. Eine solche Regelung beschränkt die Möglichkeiten einer Erlaubniserteilung auf ein Minimum, kommt einem Verbot der Privathaltung gleich und ist somit scharf zu kritisieren!

Das Grundgesetz sollte eigentlich dem Länderrecht höhergestellt sein. Gefahrtierhalter sind sicherlich eine Minderheit innerhalb der Minderheit der sogenannten „Wildtierhalter“, daher werden die Einschränkungen dieser Menschen von der Mehrheit der Bevölkerung und selbst von vielen Terrarianern einfach so hingenommen oder sogar noch für gut erachtet. Aber sollten Minderheiten nicht dieselben Grundrechte haben? Die unbegründeten Ängste einer xenophoben Mehrheit werden im Sinne der Profilierung seitens der Politik leider eher bedient als die Grundrechte einer Minderheit. Gewiss können einige Grundrechte durch Gesetze eingeschränkt werden (so auch Art. 2 GG), beispielsweise im Strafvollzug. Gesetze zur Gefahrenabwehr haben zwar dieselbe rechtliche Möglichkeit, dass jedoch unbescholtenen Haltern ihre Grundrechte ohne eine vernünftige Begründung genommen werden, kann und darf nicht akzeptiert werden! Das wirtschaftliche Interesse von gewerblichen Händlern wird übrigens als Vorhandensein eines berechtigten Interesses akzeptiert, wodurch gewerbliche Händler im Grunde dann doch wieder fein raus sind.

Die Liste der gefährlichen Tiere ist in Bayern (im direkten Vergleich zu anderen Gefahrtierlisten) gar nicht mal so schlecht. Vor allem das Update der Liste im März 2017 hat vieles verbessert. Zuvor galt beispielsweise noch die gesamte Gattung Tegenaria als gefährlich. Die Winkelspinnen wurden seinerzeit gelistet, weil in den USA gemutmaßt wird, dass der Biss einer dort heimischen Art (Tegenaria agrestis) kurzweilige Lähmungen oder sogar nekrotisierende Wunden erzeugen kann. Experten gehen jedoch davon aus, dass diese Berichte auf Verwechslungen mit anderen Spinnenarten beruhen*. Wenn man bedenkt, dass Vertreter dieser Gattung sogar bei uns in Deutschland vorkommen, wirkte die Listung der gesamten Gattung schon sehr seltsam. Die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) wird sicherlich jeder Kellerbesitzer schon einmal bei sich zuhause entdeckt haben. In Bayern machte sich bis zur Revision der Liste prinzipiell jeder Kellerbesitzer einer Ordnungswidrigkeit schuldig, wenn er diesen Tieren ohne Sondererlaubnis einen Unterschlupf in seinem Keller gewährte. Diese Lächerlichkeit wurde zum Glück inzwischen behoben.

Der lebensmüde Autor nimmt eine
heimische Tegenaria sp. auf die bloße Hand!!!
Die neue Tierliste bietet aber immer noch andere Gags, wie beispielsweise die Nennung von Schnapp- und Geierschildkröten, die bereits seit Jahren bundesweit verboten sind. Eine solche Doppelnennung im Landesrecht scheint also lediglich der Absicherung zu dienen, falls auf Bundesebene diese Tiere wieder erlaubt werden, was jedoch nicht zu erwarten ist.

Trotz dieser Umstände, die mit einem Augenzwinkern abgetan werden können und niemandem wirklich wehtun, ist die bayrische Gefahrtierliste (zumindest in Bezug auf Terrarientiere) die wohl durchdachteste, aktuell gültige Liste mit als gefährlich angesehen Tieren in Deutschland. Als ungefährlich anzusehende Abgottschlangen (Boa constrictor) oder mindergiftige Hakennasennattern (Gattung Heterodon) sind beispielsweise nicht gelistet. Das sieht in anderen Bundesländern leider anders aus! Auch Vogelspinnen werden zurecht unter keinen Generalverdacht gestellt, sondern lediglich Gattungen genannt, bei denen aufgrund von einigen negativen Berichten über die Folgen eines Bisses eine Listung vielleicht nicht ganz unbegründet ist (Gattung Poecilotheria). Darüber lässt sich zwar streiten und ich sehe es eigentlich auch eher so, dass diese Tiere nicht unbedingt auf solchen Verbotslisten genannt werden sollten, da sie dem Menschen keinen erheblichen Schaden mit möglicher Todesfolge zufügen können, aber man freut sich ja schon, wenn nicht direkt alle Vogelspinnen gelistet werden. Bei den Skorpionen verhält es sich ähnlich.

Fazit:

Den größten Kritikpunkt an der bayrischen Gefahrtierregelung stellt das darin geforderte „berechtigte Interesse“ dar. Sogenannte „Liebhaberei“ muss als berechtigtes Interesse akzeptiert werden, wenn von der Haltung keine Gefahr für dritte Personen ausgeht. Ansonsten müssten auch diverse andere Liebhabertätigkeiten wie die Pferdehaltung verboten werden, die eine Gefahr für Unbeteiligte sein können und dahingehend auch immer wieder negativ auffallen (ganz im Gegensatz zur sog. Gefahrtierhaltung). Die Forderung eines berechtigten Interesses sollte daher bei Überlegungen auf Bundesebene unbedingt verworfen werden!

Abgesehen davon verdient die bayrische Regelung Lob. Bemerkenswert ist, dass Bayern keinen direkten Unterschied zwischen der gewerblichen und der privaten Haltung macht, sondern laut Wortlaut des Gesetzes und der Durchführungsverordnung die Haltungsbedingungen und den Halter im Einzelfall prüft. Ein solches Konzept ist akzeptabel. Auch die dem Gesetz zugehörige Artenliste mit gefährlichen Tieren ist die beste ihrer Art, da sie tatsächlich nur Arten listet, die in gewisser Weise schon mal als gefährlich in Erscheinung getreten sind. Im Rahmen der Überlegungen zu einer bundeseinheitlichen Regelung kann somit gerne die bayrische Gefahrtierliste als Vorlage genommen werden.


*James H. Diaz; The Global Epidemiology, Syndromic Classification, Management, and Prevention of Spider Bites; 2004

Mittwoch, 26. November 2014

Nach IFAW-Studie: Jetzt aktiv werden!

Auch wenn diverse Nachrichtenportale die Ergebnisse der IFAW-Studie über den Online-Handel mir Wildtieren inzwischen schon wieder in der Versenkung verschwinden lassen, bedeutet das noch längst keine Entwarnung. Organisationen wie IFAW oder Pro Wildlife sind gut vernetzt und haben einen heißen Draht zu politischen Entscheidungsträgern. Diese Clubs nutzen ihre Spendengelder, um Mitarbeiter zu finanzieren, die täglich mehrere Dutzend E-Mails versenden. Der IFAW hat auf seiner Website (ganz im PETA-Stil) ein Spam-Mail-Formular eingerichtet, mit dem aufgewiegelte „Tierschützer“ den Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bombardieren sollen: Der illegale Wildtierhandel im Internet muss aufhören

Da es dabei jedoch nicht nur um den illegalen Wildtierhandel, sondern um das ideologische Ziel eines Verbots von Weitergabe und Haltung von Wildtieren geht, müssen wir erneut aktiv werden, um zu verhindern, dass diese Vereine mit dramatisierten Mutmaßungen und bewussten Falschaussagen Stimmung gegen jede Art von Wildtierhaltung machen. Daher sollten auch wir den Entscheidungsträgern unsere Sicht der Dinge mitteilen. Ich tat dies mir der folgenden Stellungnahme zum IFAW-Bericht:
Sehr geehrter Herr Minister Gabriel,

ich bin schockiert zu sehen, wie der IFAW die im Rahmen einer 6 wöchigen Beobachtung ermittelten Erkenntnisse über den Handel mit geschützten Tieren im Internet gegenüber der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern darstellt.

Laut den Ergebnissen lässt sich die überwiegende Mehrheit an Inseraten von lebenden Reptilien auf den Handel mit in Menschenhand nachgezüchteten Tieren zurückführen. Konkret machten laut der IFAW-Studie "Wanted – Dead or Alive" über 70 % der lebenden Reptilien im Online-Handel Griechische oder Maurische Landschildkröten aus. Diese Tiere werden in Massen in Deutschland nachgezüchtet. Illegale Angebote und Wildtierschmuggel mit diesen artgeschützten Tieren lassen sich weitestgehend ausschließen, da illegaler Handel mit diesen Tieren für Kriminelle ganz einfach nicht lukrativ ist, weil hierzulande diese Tiere als echte Nachzuchten problemlos mitsamt der Herkunftsnachweise erworben werden können.

Die nächsthöchste Position bei lebenden Reptilien machen laut IFAW-Studie Schlangen mit gerade einmal 6,7 % aus. Hierbei wird es sich ebenfalls größtenteils um Arten handeln, die zwar nach CITES-Anhang II geschützt sind, jedoch auch massenhaft in Privathand nachgezüchtet werden (z.B. Königspython oder Abgottschlange). Die Nachzuchtbemühungen gehen sogar schon so weit, dass diese Tiere in besonderen Farbvariationen (z.B. Albino) gezüchtet werden, die in der Natur nur selten bis gar nicht zu finden sind. Der Handel mit diesen Nachzuchten ist in keiner Weise illegal und somit auch nicht verboten. Das Ausmaß an illegalen Angeboten ist bei weitem nicht so hoch, wie es der IFAW oder andere NGOs wie Pro Wildlife darstellen. Bisher konnte der IFAW keinen einzigen Fall vorweisen, in dem ein Anbieter nachweislich ein Tier illegal angeboten hatte.

Der Anstieg an Online-Angeboten spiegelt das wieder, was die vom Statistischen Bundesamt ermittelten sinkenden Importzahlen (von bis zu 800.000 Importen von lebenden Reptilien vor einigen Jahren im Vergleich zu nur noch ca. 320.000 Importen im Jahr 2013) ebenfalls belegen: Wildtierimporte werden durch den wachsenden Handel mit Nachzuchten immer seltener.

Sicherlich ist es bei den meisten Anzeigen auf den ersten Blick nicht erkennbar, ob sich dahinter nicht evtl. doch ein geschmuggeltes Tier verbirgt. Bei KFZ-Anzeigen kann man jedoch auch nie sicher sein, ob nicht ein Autoschieber hinter dem Angebot steckt. Die IFAW-Ermittler bleiben jedenfalls Details über die Herkunft der Tiere und das Vorhandensein der erforderlichen Papiere schuldig und stellen lediglich Mutmaßungen über die Illegalität an. Es wird bemängelt, dass den Online-Anzeigen keine Dokumente beigefügt waren. Dieser angebliche Missstand lässt sich ganz einfach erklären.

In aller Regel werden die erforderlichen Herkunftsnachweise von CITES-Anhang-II-Arten bei Abgabe eines nachgezüchteten Tieres vom jeweiligen Züchter selbst ausgestellt, da amtliche CITES-Dokumente nur beim Import dieser Arten in die EU erforderlich sind. Da die CITES-Anhang-II-Arten bis auf wenige Ausnahmen meldepflichtig sind und im Herkunftsnachweis die Adresse des neuen Besitzers angegeben wird, macht es schlicht und ergreifend keinen Sinn, diese Dokumente (sozusagen blanko) der jeweiligen Anzeige beizufügen. Die Forderungen des IFAW eine solche Einstellpflicht von Dokumenten verbindlich festzulegen, wäre somit absurd und nicht praktikabel.

Härtere Kontrollen oder gar Einschränkungen des Online-Handels, in dessen Rahmen sehr viele engagierte und versierte Züchter ihre Tiere weitergeben und somit sehr viel für den Erhalt dieser geschützten Arten leisten (weil dadurch Naturentnahmen ausgeschlossen werden), halte ich aufgrund der wenigen tatsächlich vorkommenden illegalen Aktivitäten für den komplett falschen Ansatz. Im Gegenteil würde dadurch der legale Handel gefährdet und dem Artenschutz ein Bärendienst erwiesen. Ich bitte Sie dies zu bedenken und nicht auf die dramatisierten Darstellungen einiger NGOs hereinzufallen, die nur ideologische Ziele verfolgen und den Unterschied zwischen „aus der Natur entnommenes Wildtier“ und „in Menschenhand geborenes Wildtier“ ganz bewusst verschweigen.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Diese Nachricht habe ich zwar auch über das IFAW-Formular abgesendet, ich gehe jedoch fest davon aus, dass sie vom IFAW gefiltert und nicht weitergeleitet wird. Daher geht sie morgen per Post (das macht in der Regel mehr Eindruck und wird eher gelesen als Spammails) sowohl an Minister Gabriel als auch an die (in der Vergangenheit öfter mal bei dieser Thematik aktiv gewordene) stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ute Vogt.

Jeder meiner Leser ist hiermit aufgerufen, ebenfalls Kontakt zu den Entscheidungsträgern aufzunehmen und sachlich darzustellen, dass nicht jedes im Internet angebotene artgeschützte Wildtier automatisch einen illegalen Wildtierhandel darstellt. Dafür hier die Kontaktdaten von Sigmar Gabriel und Ute Vogt.

Dienstag, 25. November 2014

IFAW-Studie über Onlinehandel mit Wildtieren

Es war schon seit einigen Tagen bekannt, dass die sogenannte *hüstel* „Artenschutzorganisation“ Pro Wildlife diverse Onlineportale auseinandernimmt und Anzeigen z.B. auf www.terraristik.com auf vermeintlich illegale Aktivitäten durchsucht. Nun liegen konkrete Ergebnisse zu diesem Thema vor, wie heute die TAZ berichtete: Wildtierhandel im Netz: Reptilien gut vernetzt

Blauer Baumsteiger
Geschützt: Ja, Wildfang: Nein
Es wird also deutlich, dass nicht nur Pro Wildlife, sondern auch der International Fund for Animal Welfare (IFAW) mit einer Recherche beschäftigt war. Die IFAW-Studie „Wanted – Dead or Alive, Der Online-Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten“ ist in vielen Punkten zu kritisierten. Einerseits konzentrierte sich die Studie auf häufig gehandelte artgeschützte Tiere mit der Begründung, dass diese Arten durch das hohe Ausmaß des Handels stark bedroht seien. Dass jedoch die meisten der artgeschützten Tiere, die im Internet gehandelt werden, Nachzuchten aus Menschenobhut sind, wird mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt. Ebenso, dass die meisten Arten ihren Schutzstatus nicht wegen des Wildtierhandels, sondern wegen der Zerstörung ihrer Lebensräume genießen und der Handel mit Nachzuchten dieser Tiere unproblematisch ist. Im Gegenteil werden verschiedene Problematiken miteinander verquickt und pauschal behauptet, die Tiere seien nur deswegen so stark gefährdet, weil sie oft gehandelt werden. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Die IFAW-Ermittler haben sich bei vielen Arten nicht einmal die Mühe gemacht, die tatsächliche Herkunft der Tiere in Erfahrung zu bringen. Dazu komme ich gleich noch mal genauer zu sprechen.

Das Problem ist leider, dass Pro Wildlife die Ergebnisse gegenüber den Medien und letztlich auch den Entscheidungsträgern in der Politik einseitig und somit falsch darstellen wird. Aber für solche Aktionen ist dieser Verein ja schon bestens bekannt (Artenschutzverein PRO WILDLIFE erfindet Horror-Statistik). Auch die Unwissenheit der Bürger wird ausgenutzt und bei der Ergebnisdarstellung kein Unterschied zwischen den Begriffen „Wildtier“ und „wildgefangenes Wildtier“ gemacht.

Betrachten wir aber mal im Detail die Ergebnisse der IFAW-Studie in Bezug auf den Internethandel mir Reptilien in Deutschland:

Insgesamt wurden von den „Ermittlern“ 1.666 Online-Anzeigen mit insgesamt 4.837 artgeschützten Tieren bzw. tierischen Produkten entdeckt und näher betrachtet.

Davon fielen 1.448 Anzeigen in die Kategorie CITES-Anhang I und 218 Anzeigen in die Kategorie CITES-Anhang II. In den Medien wird es mal wieder so dargestellt, als würden die Anbieter dieser 1.666 Anzeigen allesamt illegal mit artgeschützten Tieren dealen. Dem ist jedoch nicht so.

1.090 Anzeigen bezogen sich auf Griechische und Maurische Landschildkröten. Diese sind CITES-Anhang I geschützt und werden in Deutschland zu Tausenden nachgezüchtet. Die Bestände in Gefangenschaft sind inzwischen aufgrund der einfachen Nachzucht dieser Tiere höher als in freier Wildbahn. Knapp 75 % der CITES-Anhang I – Anzeigen kann also schon mal als weitestgehend unproblematischer Online-Handel mit Nachzuchten vernachlässigt werden.

Königspython
Geschützt: Ja, Wildfang: Nein
112 Anzeigen boten artgeschützte Schlangen an. Das ergibt einen Anteil von 6,7 % aller 1.666 Anzeigen. Artgeschützte Echsen machen sogar nur 0,8 % aller Anzeigen aus. Das sind für sich genommen schon einmal verschwindend geringe Zahlen. Und auch hierbei ist davon auszugehen, dass es sich beim Großteil der gehandelten Arten um Arten wie dem Königspython oder der Abgottschlange handelte. Beide sind CITES-Anhang II geschützt, jedoch ohne Probleme in Gefangenschaft zur Fortpflanzung zu bringen (was diverse Farbzuchten dieser Tiere beweisen). Also ebenfalls größtenteils unproblematisch und kein Indiz für einen illegalen Wildtierhandel.

5 Angebote bezogen sich auf Ägyptische Landschildkröten (= 0,35 % des Handels mit geschützten Tieren des CITES-Anhangs I). Laut Studie wurden in diesen Anzeigen keine Angaben über die Rechtmäßigkeit des Angebots gemacht. Dies wird auch als grundsätzliches Problem bei anderen Angeboten mit geschützten Tieren angeprangert. Aber ist das überhaupt ein offensichtlicher Missstand und Beweis für illegale Aktivitäten? Im TAZ-Artikel heißt es dazu:
Bei einem Großteil der Anzeigen fehlten die erforderlichen artenschutzrechtlichen Genehmigungen, so dass es oft nicht möglich gewesen sei, ohne weitere aufwendige Prüfung die Legalität der Angebote einzuschätzen, teilte der IFAW mit.
In der Studie steht dazu konkret:
Allerdings waren nur 21 dieser Anzeigen tatsächlich auch Nachweise oder Unterlagen über die Rechtmäßigkeit der geplanten Transaktion beigefügt.
Solche Aussagen finde ich schon etwas seltsam. Erwarten die IFAW-Ermittler etwa, dass die Anbieter die Unterlagen zum Download oder als Bild der Anzeige hinzufügen? Und wer diese Dokumente nicht direkt mit einstellt, fällt durch das Raster und macht sich verdächtig? Seit wann wird von den Kleinanzeigenportalen vorausgesetzt, dass die Papiere direkt mit eingestellt werden müssen? Ist bei KFZ-Kleinanzeigen auch vorgeschrieben, dass die Fahrzeugpapiere der jeweiligen Anzeige beigefügt werden sollen und wer dies nicht tut, ist ein mutmaßlicher Autoschieber? Bei meinen Transaktionen war es bisher der übliche Weg, dass man den Anbieter angeschrieben und sich dabei dann auch direkt nach den jeweiligen Papieren erkundigt hat. Aber das fällt vermutlich unter „weitere aufwendige Prüfung“, die von den Ermittlern gescheut wurden.
Aufgefallen ist der Organisation [Pro Wildlife], dass sich im nordrhein-westfälischen Hamm im Umfeld einer Reptilienbörse eine regelrechte Drehscheibe für die Tiere in ganz Europa entwickelt habe.
Die finden auch echt alles heraus. Demnächst finden sie heraus, dass im Umfeld von Fußballspielen immer wieder rechtsradikale Hooligans aktiv sind. Was uns dazu führt, dass Fußballspiele deswegen natürlich verboten werden müssen. Allein schon wegen der immensen Kosten für Großeinsätze der Polizei. Tja... Adieu Bundesliga! An diesem Zitat aus dem TAZ-Artikel sieht man mal wieder, dass die Studie auch für das von Pro Wildlife und Co. geforderte und im Koalitionsvertrag der Großen Koalition verankerte Verbot von Terraristikbörsen herangezogen wird. Was natürlich unlogisch ist, weil dieser Parallelmarkt nicht auf die Veranstalter der Terraristika Hamm selbst zurückzuführen ist, deren Börse nur die Kulisse darstellt, illegale Aktivitäten jedoch in keiner Weise von ihnen unterstützt werden.

Es wird durch solche Argumentationen aber sehr deutlich, wohin die Reise gehen soll, auf die uns insbesondere Pro Wildlife mitnehmen möchte: Artgeschützte Wildtiere werden von diesen NGOs allesamt als „aus der Natur entrissen“ deklariert. Börsen sollen bekanntermaßen ohnehin abgeschafft und der Handel im Internet dank dieser IFAW-Studie ebenfalls weitestgehend eingedämmt werden. Natürlich vollkommen unbegründet in Anbetracht der Tausenden Nachzuchten von Griechischen Landschildkröten, Königspythons und Co. Die fallen nun aber leider ebenfalls in die Kategorie „artgeschützt“ und somit auch in die geforderten Handelsverbote. Böse Wildtierhalter wie ich sollen so von ihren Bezugsquellen abgeschnitten werden und die Terraristik auf diesem Wege langsam ausbluten. Der Zoofachhandel, der tatsächlich in Massen mit Wildfängen von nichtgeschützten Arten handelt, wird jedoch aus wirtschaftlichen Interessen nicht kritisch angefasst. Unfair? Willkommen in Deutschland! 

Himmelblauer Zwergtaggecko
Nachzucht aus Privathand
In der Studie wird in einer Randbemerkung die Problematik des Handels mit dem Himmelblauen Zwergtaggecko aufgegriffen. Es wurden 68 dieser Tiere in insgesamt 32 Angeboten im Internet gehandelt. Meine Fragen lauten: Na und? Wo gibt es den Beweis, dass dies überhaupt Wildfänge waren? Die Erwähnung dieser Art empfinde ich als extrem heuchlerisch. Im Zoofachhandel findet man diese Geckos fast ausschließlich als Wildfänge (also aus der Natur entnommene Exemplare!), da dies billiger und somit lukrativer für einen gewinnorientierten Händler ist. In den privaten Internetanzeigen bieten hingegen sehr viele versierte Züchter Ihre eigenen Nachzuchten dieser Art an (das sind dann eben keine aus der Natur entnommene Exemplare!). Diese Privatanbieter haben weniger den finanziellen Gewinn beim Handel mit diesen und anderen Reptilien im Hinterkopf, sondern primär ist die Nachzucht (das Erleben, wenn ein niedlicher Babygecko aus seiner Eihülle schlüpft) ein elementarer und freudiger Bestandteil der Terraristik. Die Kosten für die Aufzucht übersteigen in der Regel auch die Gewinne beim Verkauf der nachgezüchteten Tiere, insbesondere weil der gewerbliche Handel mit seinen Wildfängen die Preise drückt. In der Konsequenz wurde also erneut an der gänzlich falschen Stelle ermittelt, um die private Haltung von Reptilien zu diskreditieren!

Auf der anderen Seite ist natürlich auch nicht alles unproblematisch im Netz. Kürzlich stieß ich in einer Kleinanzeigengruppe auf Facebook auf die Anfrage eines Halters, der das Bild einer frisch erworbenen Boa präsentierte und die Gruppe um Identifizierung der genauen Unterart bat. Dass er für dieses Tier eigentlich einen Herkunftsnachweis inkl. Artbezeichnung besitzen müsste, war ihm demnach offenbar gar nicht bekannt. Ähnliche Missstände habe ich allerdings auch schon in Zoofachgeschäften erleben müssen. Solche Einzelfälle sind natürlich eine Schande und werfen leider ein schlechtes Licht auf die gesamte Terraristik. Über einen aufgeflogenen Reptilienschmuggel wird in den sensationsgeilen Medien natürlich auch eher mal berichtet als über erfolgreiche Nachzuchten von geschützten Tieren in Privathand, wodurch das öffentliche Meinungsbild verzerrt wird. Deswegen jedoch jeden, der ein artgeschütztes Tier aus seiner eigenen Nachzucht im Internet anbietet, als Wildtierschmuggler zu verdächtigen, ist eine ungeheuerliche Verleumdung!

Fazit:
Dass der illegale Handel mit geschützten Tieren unterbunden werden und von verantwortungsvollen Terrarianern nicht unterstützt werden sollte, versteht sich ja sicherlich von selbst. Die Anzahl an gehandelten Tieren, die in den CITES-Anhängen gelistet sind, gibt jedoch für sich genommen keinen Aufschluss darüber, ob es sich um illegale oder vollkommen legale Aktivitäten (z.B. Handel mit Nachzuchten) handelt. Hier wären intensivere Ermittlungen nötig, ehe man mit solchen Ergebnissen im Gepäck die Politik dahingehend beeinflussen möchte, einen Handel mit geschützten Wildtieren im Internet grundsätzlich zu verbieten. Denn Mutmaßungen und Schätzungen sind an dieser Stelle unangebracht. Bei den bisher von mir erlebten Privatabgaben habe ich zwar schon diverse tierschutzrechtliche Mängel beobachtet (insbesondere bei den nichtgeschützten Arten), illegaler Wildtierhandel ist mir bisher allerdings noch nicht untergekommen und ich bin schon eine Weile in diesem Bereich tätig. CITES ist meiner Meinung nach ein gutfunktionierendes Werkzeug, um den Handel mit geschützten Arten zu steuern, welches jedoch durch die Mutmaßungen des IFAW und der aus meiner Sicht verleumderischen Auslegung der Ergebnisse seitens Pro Wildlife in seinen Grundfesten erschüttert wird.

Sonntag, 23. November 2014

Neues Wahlplakat von NRW-Umweltminister Remmel aufgetaucht! (Satire)

Johannes Remmel, der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, zeigt in letzter Zeit bei den Überlegungen zu neuen Gesetzen eine perfide Doppelmoral, die auf einem neuen Wahlplakat für die nächste Legislaturperiode ganz unverfroren zum Vorschein kommt:


Einerseits tritt der Umweltminister vor die Kameras, um sich zur Reform des Jagdgesetzes in Nordrhein-Westfalen zu äußern, welches den Abschuss von wildernden Hauskatzen verbieten soll. Sehr zum Ärger von Jägern und Leuten, die sich dem Natur- und Artenschutz verschrieben haben. Denn jede streunende Hauskatze dezimiert nicht nur geschützte Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Amphibien und Wirbellose, sondern tritt in direkte Nahrungskonkurrenz zu einheimischen Raubtieren wie z.B. der Wildkatze. Dieser natur- und artenschutzrechtliche Skandal wird ausgelöst durch verantwortungslose Leute, die ihre Haustiere ohne Aufsicht / Leine in der Natur herumwildern lassen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, diesen sozialen Säugetieren in den eigenen vier Wänden ein angemessenes Territorium und Abwechslung im Rahmen von intensiver Beschäftigung zu bieten. Sollen sich solche Leute doch lieber ein Reptil anschaffen! Ich kenne Leute (die man auch ständig in TV-Formaten wie „Hundkatzemaus“ sieht), die meinen, ihrer Katze nur den Zutritt in ein einziges Katzenzimmer der Wohnung gewähren zu müssen und die Katze, sobald sie mangels Beschäftigung die Tapeten und Möbel zerfetzt, als Freigängerkatze deklarieren und in die Natur entlassen, wo sie sich austoben kann und dies, sehr zum Schaden der einheimischen Fauna, auch tut. In manchen Foren liest man sogar: „Ich halte meine Freigängerkatze artgerecht, weil ich wohne hier direkt am Rande eines Naturschutzgebietes.“
*Kopf auf Tischplatte schlägt*
Jäger haben ganz einfach die Pflicht unsere Artenvielfalt zu bewahren und einen solchen von Menschen geschaffenen und damit unnatürlichen Einfluss zu unterbinden. Ich bin zwar kein Jäger, aber trotzdem solidarisiere ich mich mit jedem Jäger, der unsere Natur von einem wildernden Haustier (egal ob nun Hund oder Katze) befreit.


Der Abschuss von Haustieren wird jedoch von der allgemeinen Bevölkerung als brutal empfunden, die das Leben einer süßen Hauskatze über das Leben von ihnen unbekannten Wildtieren stellt. Die Tierrechtslobby springt natürlich auf dieses Zug auf. Ebenso leider populistische Politiker wie Johannes Remmel, der in den Medien Aussagen tätigte wie: „Jede abgeschossene Katze ist ein familiärer Verlust für die Besitzer.“ Ach wie romantisch. Dann sollen diese Familien ihre Haustiere eben im Haus lassen und sich vernünftig mit ihnen beschäftigen, dann gibt es die ganze Diskussion erst gar nicht. Jedes durch eine Katze getötete Wildtier ist ein enormer Verlust für die einheimische Fauna! Aber das ist ja eben nicht so brutal und barbarisch, wie der Abschuss einer „harmlosen“ Hauskatze. Ein grüner Umweltminister kann sich dadurch natürlich sehr gut in den Medien profilieren und Rückendeckung von der naturentfremdeten Bevölkerung, der Tierrechtslobby und anderen Gutmenschen erfahren.

Dass dieser Umweltminister zeitgleich durch verschärfte Auflagen und Verbote diverse unbescholtene Halter von sogenannten „Gefahrtieren“ dazu zwingen will, ihre Tiere abzugeben oder nicht mehr zur Fortpflanzung zu bringen und dabei unverfroren das Grundrecht auf Eigentum in § 14 GefTierG NRW aushebeln möchte, zeigt diese perfide und in der oben gezeigten politischen Karikatur angeprangerte Doppelmoral. Als würden diese Tierhalter nicht auch an ihren Tieren hängen. Es mag für manche Leute zwar befremdlich wirken, dass Leute wie ich sich lieber mit Schlangen oder Vogelspinnen umgeben und eine höhere Zuneigung zu diesen „Ekeltieren“ entwickeln als zu Kuscheltieren wie Katzen, jedoch ist das schlicht und ergreifend unser gutes Recht im Rahmen unserer freien Persönlichkeitsentfaltung! Doch auch die soll in § 14 GefTierG NRW einfach mal so eingeschränkt werden.

Insgesamt schränkt der Gesetzesentwurf vier Grundrechte in aller Deutlichkeit ein. Ist das eigentlich Sinn und Zweck, weswegen man die Partei Bündnis 90 / Die Grünen gewählt hat? Grundrechtsverletzungen? Interessant!

Beide Entscheidungen dienen einzig und allein der Profilierung und dem Fang von Wählerstimmen, da Großteile der Bevölkerung (ausgelöst durch überzogene Medienpropaganda) keine Tiere wie Schlangen oder Spinnen in der Nachbarschaft haben möchte, ganz egal wie gefährlich diese Tiere nun sind oder ob sie sicher und artgerecht untergebracht sind. Diese Regelungen werden in Nordrhein-Westfalen jedoch die öffentliche Sicherheit und den Tierschutz enorm gefährden. Katzen dürfen weiterhin tötend durch die Lande streifen und Verkehrsunfälle mit Sach- und Personenschäden auslösen, während vermehrt gefährliche „Exoten“ ausgesetzt werden, sobald eine illegal gewordene Haltung aufzufliegen droht.

Die Schreckensherrschaft des zweigesichtigen Umweltministers kann vielleicht nur noch Batman beenden! Na na na na na na na na na na na na na na na na... BATMAN!

Samstag, 22. November 2014

Skandal: Bürgermeister stoppt Vivaristik-AG in Schule!

Heute fand ich auf www.kreiszeitung.de einen Artikel, der mir direkt das Frühstück im Hals stecken blieben lies: „Reptilien rein – und wieder raus“

Da setzen sich engagierte Leute wie der Vorsitzender der Auffangstation für Reptilien und Gefahrtiere e.V. in Stemmen dafür ein, dass Kinder in den Schulen wieder Bezug zu Reptilien bekommen und die Naturbildung vorangetrieben wird (woran die Kinder sogar großes Interesse und Engagement gezeigt haben) und dann kommt plötzlich ein konservativer Bürgermeister auf die Idee, dieses wunderbare Vorzeigeprojekt an der Lauenbrücker Oberschule zu beenden.

„Die Schüler lernten nicht nur die Tiere und ihre Lebensweise genauer kennen, sondern erfuhren auch die Hintergründe und Zusammenhänge zwischen Tier, Lebensraum, Natur und Umwelt“, betont René Becker im Artikel, Vorsitzender der Auffangstation und Initiator des Projekts. Das sind Dinge, die in den Schulen heutzutage viel zu kurz kommen. Wenn ich mir die Naturentfremdung in unserer Bevölkerung so anschaue, die einen der Hauptgründe bzgl. des angestrebten „Exotenverbots“ darstellt, sind solche Arbeitsgemeinschaften perfekt geeignet, um bei Schülern und Eltern wieder ein Gespür für Lebewesen zu entwickeln, die sonst keine Lobby haben oder sogar regelrecht verteufelt werden.

Die Argumente des Bürgermeisters Michael Niestädt sind meiner Meinung nach an den Haaren herbeigezogen: „Da weder tierschutz- noch haftungsrechtliche Fragen geklärt waren, habe ich veranlasst, dass die Reptilien umgehend aus der Schule zu entfernen sind.“ Ich gehe fest davon aus, dass der Vorsitzende einer Reptilienauffangstation den Schülern gezeigt hat, wie Terrarien für die verschiedenen Reptilien artgerecht einzurichten sind und die Bewohner (wie es im Artikel geschrieben wird... Sprache kann ja so verräterisch sein...) artgemäß gepflegt werden. Tierschutzrechtliche Bedenken gab es demnach keine, auch nicht in Hinblick auf die bevorstehenden Ferien. Dafür hätte es diverse Möglichkeiten gegeben. Aber darum geht es ja ohnehin mal wieder eher sekundär:
Außerdem sei die Samtgemeinde als Eigentümerin und Schulträgerin der Fintauschule generell auch für die Sicherheit vor Ort verantwortlich.
Wie bitte? Sicherheit?! Die Rede ist von kleinen Echsen und kleinen Schlangen. Es gibt Schulen, die pflegen Hamster, Mäuse oder haben eine Aquaristik-AG. Natürlich auch sehr gute Dinge, um Schülern den Umgang mit Tieren und Verantwortungsgefühl beizubringen. Doch hätte sich der Bürgermeister auch gegen solche Projekte ausgesprochen? Vom Gefahrenpotenzial der Tiere ist da nämlich kein Unterschied zu machen! Nur sind Hamster eben süß und niedlich, Schlangen sind es hingegen nicht.

Die Entscheidung des Bürgermeisters sendet die absolut falschen Signale und ist ein Arschtritt für alle, die versuchen das Image von „Ekeltieren“ bei der nachwachsenden Generation zu verbessern. Aus diesem Grund bekommt Herr Niestädt von mir noch eine entsprechende Beschwerde zugestellt, in der ich ihm meinen Unmut über seine Entscheidung mitteilen werde.

Hier die Kontaktdaten, falls ihr ihm auch eure (bitte sachliche!) Meinung zu dem Vorfall sagen wollt: Samtgemeinde Fintel oder direkt an die E-Mail-Adresse des Bürgermeisters Michael Niestädt 


Donnerstag, 20. November 2014

Stellungnahmen zum NRW-Gefahrtiergesetzesentwurf

Mittlerweile wurden einige der Stellungnahmen im Rahmen der Verbändeanhörung zum Entwurf des neuen Gefahrtiergesetzes in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht:

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.

Stellungnahme des Bundesverbands für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V.

Stellungnahme der Verbands der Zoologischen Gärten e.V.
 
Stellungnahme der Veranstalter der Terraristika Hamm

Stellungnahme der Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. und der Arbeitsgemeinschaft der Amphibien und Reptilientierärzte der DGHT e.V.  

Und natürlich die Stellungnahme der LesTAT IG

Jede beleuchtet im Grunde die Hauptproblematik des Gesetzesentwurfs (Verbote ohne Möglichkeit einer Erlaubnis und eine nicht fachlich durchdachte Gefahrtierliste), geht jedoch jeweils auch noch auf andere Aspekte ein. Die LesTAT IG beispielsweise auf den Imageverlust der Partei Bündnis 90 / Die Grünen und der Verband der Zoologischen Gärten e.V. auf die Listung von Großsäugern, die für eine Haltung in Privatwohnungen ohnehin eher schlecht geeignet sind. Dass insbesondere dieser Verband die gute Zusammenarbeit zwischen Privathaltern und Artenschutzprojekten der Zoos hervorhebt, bekommt einen ganz besonderen Wert. Die Stellungnahme der Terraristika-Veranstalter ist von allen ganz besonders ausführlich und auch sehr anschaulich illustriert, was jedoch womöglich die Empfänger abschrecken wird.

Bereits kurz nach Verkündung der Eckdaten veröffentlichte die Auffangstation für Reptilien, München e.V. eine Stellungnahme auf ihrer Website, die hier natürlich nicht unter den Tisch fallen soll: „Minister Remmels Gefahrtiergesetz ist der falsche Weg“

Aktuelle Stellungnahmen im Rahmen der Verbändeanhörung habe ich
von der Gegenseite (Pro Wildlife, PETA etc.) bisher keine gefunden. Lediglich der Deutsche Tierschutzbund bezog in einer Pressemeldung einen Tag nach Veröffentlichung der Eckdaten Stellung. Dies natürlich scheinheilig wie gewohnt, indem z.B. die Abgabe von Schnappschildkröten in Tierheimen als Begründung für ein Gefahrtiergesetz aufgeführt wurde, obwohl diese Abgaben  erst aufgrund des Verbotes auf Bundesebene zustande kam. Schnappschildkröten sind daher eher ein gutes Argument gegen Verbote. Nebenbei bemerkt waren laut der Studie lediglich 18 Schnappschildkröten von insgesamt 9.068 tatsächlich ermittelten Reptilien in den befragten Tierheimen vorhanden (0,2 %).

Es mag aber auch daran liegen, dass diese Clubs schlau genug sind und sich nicht durch eine direkte Veröffentlichung noch während der Verbändeanhörung in die Karten schauen lassen. So konnten sie bis zum Einsendeschluss noch auf die Argumente unserer Führsprecher reagieren und ihre Stellungnahmen entsprechend anpassen. So wird eben Politik gemacht, was wohl ein paar naive Terrarianer, die glauben, es ginge bei dem Gefahrtiergesetz wirklich um gefährliche Tiere und nicht um Populismus, noch nicht ganz begriffen haben.

Wer erinnert sich z.B. noch an das Symposion 2011 in Metelen? Dort stand bereits die Gefahrtierregelung in NRW zur Diskussion. 19 Verbände sprachen über ihre Sicht der Dinge: Die Mehrheit (15 Verbände) sprach sich für vernünftige Regelungen aus (darunter auch die DGHT und die Reptilienauffangstation München). 3 (Tierrechts-)Vereine und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen forderten strikte Haltungsverbote. Der aktuelle Gesetzesentwurf zeigt, welche Seite die „besseren“ Argumente hatte. Und es ist leider nicht die Seite mit den sachlichen und wissenschaftlich fundierten Argumenten zum Gefahrenpotential sondern die Seite, der es um Manipulation der Wähler und Spender durch populistische Regelungen geht. Ich fürchte, daran werden auch die sehr guten oben verlinkten Stellungnahmen wenig ändern.


Donnerstag, 13. November 2014

Boss von „Zoo Zajac“ bezeichnet NRW-Gesetzesentwurf als „vernünftig“


Beim routinemäßigen Stöbern in der von mir ernannten Bibel gegen die Exotenhaltung (kurz: Onlineportal der WAZ), stieß ich auf diesen interessanten Artikel: Duisburger Norbert Zajac hat an Gesetz zur Gifttier-Haltung mitgearbeitet

Norbert Zajac ist der Betreiber des wohl weltweit größten Zoofachgeschäftes, welches beispielsweise wegen des Verkaufs von Hundewelpen oder Faultieren in der Kritik von PETA & Co. steht. Leider wird in dem o.g. Artikel deutlich, welche Interessen der Betreiber dieses kommerziellen Handels vertritt... nämlich nur seine eigenen: 

„Dieser Gesetzesentwurf ist vernünftig und er ist mit Augenmaß verfasst.“

Nein, lieber Herr Zajac, das ist er nicht! Jedenfalls nicht aus der Sicht der betroffenen Halter, die ihre Bestände auslaufen lassen müssen und keine gefährlichen Tiere mehr weitergeben, anschaffen oder nachzüchten dürfen. Moment mal… Weitergeben? Wie und wo denn das? Etwa über Kleinanzeigen im Internet oder auf Börsen wie der Terraristika in Hamm? Das ist doch ein Parallelmarkt, der in Konkurrenz zu den Zoofachgeschäften steht! Logisch, dass der Betreiber eines solchen Konsumtempels Gesetze befürwortet, die für ihn die Konkurrenz vom Markt verdrängt und viele Halter zwingt, auf „Allerweltsarten“ wie Bartagame oder Kornnatter zurückzugreifen, die natürlich rein zufällig im Ladengeschäft von Zajac regelmäßig angeboten werden. Im Artikel ist außerdem nachzulesen, dass Zajac selbst seit 35 Jahren keine Giftschlangen mehr verkauft. Da er also nicht selbst betroffen ist, fällt es ihm natürlich leicht, einen unfairen und unbegründeten Gesetzesentwurf als „vernünftig“ zu betiteln. Insbesondere, wenn er selber seine Finger in der Sache hatte, um seine eigenen Interessen zu vertreten.
Im Frühjahr 2013 sei die rot-grüne Arbeitsgruppe aus dem Düsseldorfer Landtag unter Führung des Duisburger MdL Frank Börner bei ihm in der Zoo-Handlung in Neumühl gewesen und habe vor Ort nach einer vierstündigen Führung mit Tierärzten, Biologen und sachkundigen Mitarbeitern seines Unternehmens über giftige und gefährliche Tiere gesprochen.
Aha. Man spricht mit einem Zoohandelsboss, der seit Jahrzehnten keine Giftschlangen verkauft hat über - wie sollte es auch anders sein - Giftschlangen. Das macht natürlich Sinn. So wird also Politik gemacht. Warum spricht man nicht mit sachkundigen Haltern und schaut sich die Bedingungen vor Ort in den Privathaushalten an? Zuviel Bürgernähe ist wohl auch nicht so gut.
„Der Pfeilgiftfrosch zum Beispiel ist nur dann so giftig, wenn er sich zuvor von giftigen Tieren ernährt hat. Füttert man ihn mit Fliegen, ist er so ungiftig wie ein Laubfrosch.“ Also sind künftig Pfeilgiftfrösche nur bei einer „Naturentnahme“ verboten, gezüchtete Tiere aber nicht.
Sehr richtig. Nur war Herr Zajac nicht der einzige, der die Entscheidungsträger auf solche Dinge aufmerksam gemacht hat. Ich maße mir jedenfalls deswegen nicht an, zu sagen:
„Das Gesetz ist vermutlich deshalb erträglich für den Tierhalter, weil ich daran mitgearbeitet habe.“
Ganz einfach aus dem Grund, dass es das nicht ist! Erträglich??? Meine Schwelle der Erträglichkeit ist jedenfalls demnächst überschritten…
Künftig müssen für deutlich mehr Tiere, die alle im neuen Gesetz aufgelistet sind, eine Sachkunde und eine ausbruchsichere Unterkunft vom Käufer nachgewiesen werden. Für Baby-Krokodile, Giftfische oder Schnappschildkröten.
Ich brech‘ zusammen…
Manche Giftfische sind zwar im zweiten Teil der unter Auflagen erlaubten Tierarten aufgeführt, jedoch sollen Baby-Krokodile, wie auch alle anderen Panzerechsen, in NRW komplett und ohne Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung verboten werden. Ein Terrarianer kann also noch so sachkundig sein und den Tieren ein regelrechtes „Fort Knox“ bieten, ein Baby-Krokodil wird er genauso wenig legal erwerben können, wie eine Schnappschildkröte. Denn Letztere sind bereits seit Jahren in ganz Deutschland verboten.
Etwa 500 Giftschlangen-Halter, so sagt Zajac, gebe es wohl in Deutschland.
Dann können diese 500 Personen, sollte diese sagen wir mal interessante Schätzung zutreffen, ja schon fast dankbar dafür sein, dass die Politik einen solchen Aufriss wegen einer solch kleinen Randgruppe veranstaltet. Würde sich die Obrigkeit doch nur bei anderen Minderheiten, beispielsweise bei einem Verbot der NPD oder der Gleichstellung der „Homo-Ehe“, im gleichen Maße den Arsch aufreißen. Vielleicht braucht die „Gefahrtierhalter-Szene“ ja nur ein paar V-Männer vom BND in den eigenen Reihen und schon sind alle Verbote vom Tisch.
Aber einer der größten Giftschlangen-Züchter und -Händler agiere ausgerechnet in Duisburg. Ein ehemaliger Mitarbeiter von ihm, von dem er aber nicht wisse, wo er wohne. „So einer wird seine giftigen Tiere niemals den Behörden melden.“
Mit dieser Diffamierung eines Ehemaligen zeigt Zajac, wie er zu (konkurrierenden) Privatzüchtern steht. Wie schon oben erläutert wird aufgrund solcher Aussagen deutlich, welche Interessen vertreten werden, wenn Handelsgrößen wie Norbert Zajac als hinzugezogene Experten in der Politik mitmischen. Da der Staat durch den privaten Handel schließlich auch Steuereinkünfte verliert, haben Entscheidungsträger und kommerzielle Großhändler wie Zajac schließlich auch denselben Feind. Da macht man sicherlich gerne mal ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, denn am Ende geht es nicht um die öffentliche Sicherheit, sondern einzig und allein um hartes Geld und Wählerstimmen.

Mittwoch, 12. November 2014

Artikel in der Apotheken Umschau über Salmonellen bei Reptilien

Heute stieß ich auf einem Artikel in der Frankfurter Rundschau mit dem Titel „Salmonellen: Kleinkinder von Reptilien fernhalten“

Dieser Medienbericht bezieht sich auf einen Artikel aus der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau und zitiert die darin enthaltenen Warnung von Wolfgang Rabsch vom Robert Koch-Institut (RKI), dass bis zu 90 Prozent der Reptilien Salmonellen ausscheiden können (was, wie wir alle inzwischen wissen, bisher von keiner repräsentativen Studie bestätigt wurde). Studien auf Schildkrötenzuchtfarmen oder in Haushalten, wo bereits Salmonellenfälle aufgetreten sind, halte ich ganz einfach nicht für repräsentativ für den Reptilienbestand in deutschen Privathaushalten!

Zum Ende erwähnt die Frankfurter Rundschau noch die Aussage der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), dass Reptilien nicht gehalten werden sollten, wenn Kinder unter 6 Jahren im Haushalt sind.

Natürlich stürmte ich direkt in die nächste Apotheke und verlangte nach der besagten Rentner-Bravo Apotheken Umschau. Beim Lesen des Artikels verflog mein Zorn jedoch recht schnell. Beispielsweise wird darin deutlich, dass die Aussage von Herrn Rabsch lediglich Mutmaßungen sind. Zitat:

„Rabsch vermutet, dass sich jedes Jahr Hunderte von Salmonellen-Erkrankungen bei Kleinkindern auf Reptilien zurückführen lassen.“

Schön, dass er das vermutet. Ich vermute dann einfach mal, dass er sich irrt. Der Versuch eines Beweises wird in dem Artikel noch geliefert. Rabsch ermittelte im Rahmen einer Studie, dass bei 15 von 19 Salmonellosefällen von Kindern, die im Haushalt gehaltenen Reptilien dieselben Erreger in sich trugen. Was unterschlagen wird: In der Studie wurden über 200 Salmonellosefälle bei Kleinkindern untersucht. Somit lassen sich allenfalls 7 Prozent der Infektionen auf den Umgang mit Reptilien zurückführen.

Direkt darauf zitiert die Apotheken Umschau mit Dr. Frank Mutschmann von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) einen Experten, der in meinen Augen wesentlich „näher am Tier“ ist und die Ergebnisse dieser Studie relativiert:

„Letztlich bleibt in diesen Falluntersuchungen unklar, wer wen angesteckt hat.“

Genauso ist es! Wenn Hänschen bei Mama in der Küche erst den rohen Pfannkuchenteig (inkl. nicht mehr ganz so frischer Eier) vom Rührstab schleckt und anschließend mit Schildkröte Elsa spielt, dann hat der Mensch das Tier infiziert und nicht umgekehrt. Dr. Mutschmann ergänzt ferner:

„Grundsätzlich geht von Reptilien ein deutlich geringeres Risiko aus, vergleichbar dem von Katzen oder Hunden.“

Außerdem sagt er, dass Kinder mit Reptilien in Kontakt treten können, sofern dies unter Aufsicht geschieht, die Kinder danach ihre Hände mit Seife waschen und auch sonst die Repitlien sowie Gegenstände wie Futterschüsseln etc. keinen Kontakt mit Lebensmitteln oder Bereichen haben sollten, wo Lebensmittel verarbeitet werden. Alles Empfehlungen, die bei einer ordnungsgemäßen Tierhaltung (und Kindererziehung) selbstverständlich sein sollten.

Diese klaren Aussagen insbesondere zur Verhältnismäßigkeit gegenüber Hunden oder Katzen werden jedoch seltsamerweise nicht in der Frankfurter Rundschau zitiert. Warum eigentlich nicht? Ich weiß schon: Reptilien und ihrer Halter darf man natürlich für ein bisschen Panikmache als Keimschleudern darstellen und dabei die Expertenmeinung zu Kuscheltieren wie Hunden oder Katzen unter den Tisch fallen lassen. Sonst wäre es ja auch keine Anti-Exoten-Propaganda mehr und viele Leser würden verprellt. Immerhin die Apotheken Umschau hat die nötige Sorgfaltspflicht ernst genommen und ihren Artikel sachgerecht recherchiert. 
 



Sonntag, 9. November 2014

Kosmos-Buch: 1x1 der Terraristik (Rezension)

Cover-QR
1x1 der Terraristik - Amphibien und Reptilien richtig halten und pflegen von Manfred Rogner; Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG; 2011; 16,95 EUR; ISBN 978-3440108376

Vorstellung des Inhalts:
Das hochwertige Hardcover-Buch aus dem Kosmos-Verlag beginnt mit einem Kapitel über die Grundlagen der Terraristik. Darin wird u.a. der Lebensraum Terrarium, die Bepflanzung, Technik und Klima sowie neun verschiedene Terrarientypen (vom Aquaterrarium über das Terrarium für Busch- und Baumbewohner bis zum Freiluftterrarium) allgemein erläutert. Das zweite Kapitel handelt von der Ernährung, Pflege und Vermehrung von Terrarientieren. Auch dieses Kapitel erläutert erst einmal grob diese allgemeinen Grundlagen.  
Die zweite Hälfte des Buches stellt insgesamt 50 verschiedene, häufig gehaltene Arten im Portrait vor. Wie der Titel schon sagt, handelt das Buch von der Haltung von Amphibien und Reptilien. Wirbellose Tiere werden somit nicht behandelt. Auch gefährliche Tiere sucht man in diesem Werk vergebens. Abgerundet wird der Inhalt durch 234 hochwertige Farbfotos sowie interessante Infoboxen, die Praxistipps und weiterführende Informationen erläutern.

Kritik:
Die ersten beiden Kapitel machen etwas weniger als die Hälfte des Buchumfangs aus und geben Neulingen in der Terraristik einen sehr guten Einblick in die Grundlagen des Hobbies. Auch die Artportraits geben einen kompakten Einblick in die Bedürfnisse der einzelnen Tiere. Wer neu in das Hobby Terraristik einsteigen möchte, kann daher ruhigen Gewissens zu diesem Buch greifen, um sich ein gewisses Grundlagenwissen anzueignen. Vor der Anschaffung eines der vorgestellten Tiere ist jedoch ein spezialisierteres Fachbuch über die jeweilige Wunschart ein absolutes Muss, da dieses Kompendium nicht ins Detail auf alle Bedürfnisse und Eigenarten der vorgestellten Tiere eingeht.

Ein paar negative Punkte sind mir jedoch auch beim Lesen aufgefallen. Beispielsweise wird in den Artportraits immer wieder auf die im ersten Kapitel vorgestellten Terrarientypen per Nennung der jeweiligen Nummer (1 = Aquaterrarium bis 9 = Freiluftterrarium) verwiesen. Es ist beim Lesefluss ziemlich nervig, wenn man von den Portraits immer wieder zurückblättern muss, um nachzulesen, was die für die jeweilige Art empfohlenen „Terrarientypen 3, 5 oder 6“ noch mal genau waren.

Das Thema Meldepflicht wird in diesem Buch leider sehr stiefmütterlich behandelt und enthält zudem grobe Fehler. Bei manchen geschützten Arten (z.B. beim Jemen-Chamäleon oder bei Dornschwanzagamen) steht zwar im Portrait unter „gesetzliche Bestimmungen“, dass man sich beim Kauf einen Herkunftsnachweis aushändigen lassen muss. Von einer Anmeldung bei den Behörden ist jedoch keine Rede. Den identisch formulierten Satz findet man korrekterweise auch bei Arten, die zwar nachweispflichtig, jedoch nicht meldepflichtig sind (z.B. Chinesische Rotbauchunke). Seit wann sind eigentlich Blauzungenskinke meldepflichtig? Beim Grünen Leguan und dem Königspython schreibt der Autor, dass diese Arten mit der entsprechenden Bescheinigung bei den Behörden gemeldet werden müssten. Dies ist im Rahmen des Artenschutzes jedoch nicht richtig. Beide Arten wurde 2005 von der Meldepflicht befreit. Das Buch erschien 2011, daher ist das Erscheinungsdatum keine Ausrede für diesen Schnitzer. Vielleicht ist ja auch die Meldepflicht als Gefahrtier gemeint, weil der Königspython in manchen Bundesländern als Vertreter der Riesenschlangen gelistet ist. Da der Autor jedoch das Thema und die Unterschiede bei der Nachweis- und Meldepflicht nicht erläutert, bleibt der Leser diesbezüglich im Dunkeln und würde gegen Artenschutzregelungen verstoßen, wenn er sich blind an die Informationen hält und sein Jemen-Chamäleon nicht bei der zuständigen Behörde meldet. Rechtliche Themen sind zwar gerne mal etwas schwere Kost, gehören aber eben auch zu einer vorbildlichen Tierhaltung dazu.

Ein weiterer Kritikpunkt von mir ist, dass der Autor in manchen Tierportraits am Ende anmerkt, dass eine andere Art genauso wie die vorgestellte zu halten sei. Beispielsweise wird die Grüne Wasseragame beschrieben und bei dieser Art korrekterweise kein Wort zu einer Winterruhe verloren. Am Ende des Portraits wird dann jedoch angemerkt, dass die Australische Wasseragame genauso zu halten sei, was in Bezug auf die Winterruhe jedoch nicht richtig ist.

Speziellere Kritikpunkte zum fachlichen Inhalt wären beispielsweise die Verwendung des Artikels die beim Königspython, zum Teil falsche wissenschaftliche Artnamen (z.B. Elaphe guttata) oder die Empehlung, Strumpfbandnattern mit Rindfleischstreifen und Hackfleischbällchen zu füttern (aus meiner Sicht nicht Bestandteil des natürlichen Nahrungsspektrums dieser Art).

Fazit:
Neulingen in der Terraristik kann ich das Buch zur Aneignung erster Grundlagen empfehlen. Aufgrund einiger grober Schnitzer sollte man sich jedoch auch noch weiterführende Literatur anschaffen. 

Von mir gibt es daher für dieses Buch 3 von 5 Sternen.


Samstag, 8. November 2014

Geliehene Hasen an Schlange verfüttert: 1 Monat Haft


Ein interessantes, jedoch aus meiner Sicht ebenso skandalöses Gerichtsurteil aus dem Jahr 2013 wurde nun im Rahmen eines Berufungsverfahrens bestätigt und befeuert aktuell die emotionsgeladene Kuscheltierrechtslobby in ihrem Bestreben, die Haltung von Tieren wildlebender Art in Zirkussen und in der Privathand grundsätzlich zu verbieten: Eine Zirkusdarstellerin verfütterte acht (angeblich) geliehene Hasen an den Dunklen Tigerpython ihrer Zirkusattraktion „Fluch der Reptilien“. Das Gericht urteilte mit einem Monat Haftstrafe.

Zu einem Monat Haft verknackt wurde bereits im Dezember 2013 die Schaustellerin eines Zirkus, weil sie acht angeblich geliehene Hasen an den mehrere Meter langen Tigerpython der Zirkusattraktion „Fluch der Reptilien“ verfüttert haben soll. Schlangen sind nun einmal keine Veganer und daher auf die Verfütterung von lebenden oder (je nach Akzeptanz des Tieres) abgetöteten Tieren angewiesen. Doch allein schon die Vorstellung, dass ein Reptil einen süßen Kuschelhasen erwürgt und im Ganzen verschlingt, lässt den ansonsten immer sehr stark geleugneten Speziesismus sogenannter Tierrechtler aufleben.

Die verurteilte Schaustellerin erwirbt die nötigen Futtertiere normalerweise von einem Kleintierzüchter aus Heilbronn. Die Fahrt war jedoch laut Aussage der Beklagten vor Gericht zu weit und die damit verbunden Kosten zu hoch, als ihr Zirkus im Raum Freiburg gastierte. Daher suchte sie nach einer Alternative im nahen Umfeld und stieß im Internet auf eine Kleinanzeige, in welcher der Kläger (ein seinerzeit 15-jähriger Junge aus Sölden bei Freiburg) einen Zwerghasen zum Verschenken anbot. Die Beklagte erkundigte sich telefonisch, ob der junge Züchter noch andere Tiere anbieten würde. Zwar hatte dieser noch acht junge Hasen, wollte diese jedoch noch nicht abgeben.

Laut Aussage des inzwischen 16-jährigen Klägers soll sich die beklagte Zirkusschaustellerin ihm gegenüber als Lehrerin ausgegeben und behauptet haben, dass sie die Hasen nur kurzfristig für ein Schulprojekt benötigen würde. Sie habe eine Leihgebühr in Höhe von 40 Euro am Tag der Übergabe der Tiere entrichtet und wollte, so die Aussage des Klägers, am darauffolgenden Tag eine Kaution in Höhe von 80 Euro bezahlen. Diese würde sie zurückerhalten, sobald sie die geliehenen Hasen nach zwei Wochen zurückbringen würde. Laut Aussage des Klägers verschwand die Beklagte jedoch mit den angeblich geliehenen Tieren und kam nicht, wie vereinbart, am nächsten Tag für die Kautionsübergabe wieder. Sollte es so gewesen sein, tragen die Erziehungsberechtigten des nur beschränkt geschäftsfähigen Minderjährigen eine Mitschuld an diesem rechtlich natürlich zu verurteilenden Betrug.

Ob es sich jedoch tatsächlich so abgespielt hat, konnte vor Gericht nicht eindeutig bewiesen werden. Die Schaustellerin gab vor Gericht zwar zu, die Hasen an den Tigerpython verfüttert zu haben. Sie gab jedoch ebenso an, dass sie die Tiere für 80 Euro gekauft habe und der Verwendungszweck dem Kläger beim Kauf mitgeteilt wurde. Einen schriftlichen Kaufvertrag gab es jedoch nicht. Das Geschäft wurde ohne Zeugen per Handschlag besiegelt. Am Ende stand es also ganz klar Aussage gegen Aussage, dem Jungen wurde allerdings vom Amtsgericht mehr Glauben geschenkt, weil man ihm keine dermaßen hohe kriminelle Energie zutraute. Die Schaustellerin wurde ohne Beweise zu einem Monat Haft verurteilt. Die Verteidigung der Beklagten ging in ein Berufungsverfahren. Das Urteil wurde darin nun erneut bestätigt und die Forderung auf Freispruch der Verteidigung abgewiesen.

Dieses Urteil beflügelt die Tierrechtsszene und die von dieser Lobby manipulierte Bevölkerung in ihrem Irrglauben, Wildtiere wie Reptilien seien in Gefangenschaft nicht artgerecht zu halten. Kommentare wie „Generell sollte im Zirkus jede Art von Tierhaltung verboten sein.“ (Zitat: Walter S.), „Wer sich exotische Tiere wie Schlangen, Spinnen, Echsen, Stabheuschrecken, Skorpione usw. usw. hält, hat ein massives Problem mit seinem Ego.“ (Zitat: Ralf .) oder „Dieser arme Monty Python. Mit so einer Halterin. […] Solche Exoten darf jeder Assi halten.“ (Zitat: Giulio R.) sind bereits unter einem lokalen Pressebericht zur Gerichtsentscheidung auf www.badische-zeitung.de zu lesen. Dabei wurde der Tigerpython arttypisch ernährt. Da es sich außerdem um eine artgeschützte und damit meldepflichtige Art handelt, wurde die Schlange aufgrund der regelmäßigen Kontrollen durch ein Veterinäramt auch ansonsten sicherlich artgerecht gehalten. Die Tierhaltung an sich steht somit in keinem Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Betrug der Schaustellerin und tierschutzrechtliche Verstöße gibt es keine. Wäre die Beklagte eine radikale Tierrechtlerin gewesen und hätte die Hasen auf dieselbe Weise erworben jedoch anschließend freigelassen, würde sie womöglich gefeiert. Sie hätte sich damit aber im gleichen Ausmaß strafbar gemacht. Zumindest sofern man ihr den Betrug ohne Zweifel hätte nachweisen können.

Dass ein Urteil ohne stichhaltige Beweise, in dem es am Ende lediglich Aussage gegen Aussage steht, eine womöglich unschuldige Person hinter Gittern bringt, scheint offenbar niemanden zu interessieren. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ besagt zwar nicht, dass ein Gericht zu Gunsten eines Angeklagten entscheiden muss, sondern lediglich, wie es zu entscheiden hat, wenn Zweifel bestehen. Dass ein Gericht jedoch keine Zweifel aufkommen lässt, nur weil einem freundlich wirkenden Jugendlichen keine kriminelle Energie zugetraut wird, ist schon ein starkes Stück. Mit dieser Argumentation dürfte es gar keine jugendlichen Straftäter geben. Solche gibt es jedoch und einige haben es faustdick hinter den Ohren. In diesem Fall hätte der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ meiner Meinung nach jedenfalls greifen müssen! Lieber eine mutmaßliche Betrügerin auf freien Fuß als eine unschuldige Person im Knast!

Für mich ist das Urteil eine Lektion, dass ich zukünftig bei allen Tieren, die ich aus schlechter Haltung rette und über Kleinanzeigen im Internet in meinen Terraristikbestand aufnehme (was schon häufig vorgekommen ist), einen Kaufvertrag vom Anbieter unterzeichnen lasse. Wenn der Verkäufer dazu dann nicht bereit sein sollte, muss das Tier dann halt bei ihm verrotten. Es lebe der Rechtsstaat und der Tierschutz!