Sonntag, 22. Februar 2015

Gefährliche Exoten? Bunthörnchenzüchter an Virusinfektion verstorben

Sciurus granatensis (Beispielbild)
Mit der Zeit frage ich mich echt, ob es wirklich nötig ist, auf jeden noch so unqualifizierten Geisteserguss der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. zu reagieren, weil diese im Grunde immer und immer wieder dieselben Dinge über die „Exotenhaltung“ behauptet. So nun wieder geschehen im veganblog.de, eine von PETA Deutschland betriebene Seite. Dort findet sich ein aktueller Artikel mit dem Titel „Gefährliche Exoten: Drei Tierzüchter aus Sachsen-Anhalt an Virus gestorben“ in dem kurz auf diesen Vorfall eingegangen wird, den ich weiter unten noch näher betrachten werde.

Ansonsten wird in dem Artikel erneut das Schreckgespenst der Salmonellose hervorgekramt, welches für die Gegner der Exotenhaltung den wohl einzigen halbwegs wissenschaftlichen Argumentationsfaden für das Durchsetzen ihrer ideologisch motivierten Verbotsforderung gegenüber der Politik darstellt.

Diesbezüglich wird seitens PETA Deutschland e.V. erneut eine Angabe des Robert Koch-Institutes genannt, laut derer 90 Prozent der in deutschen Haushalten gehaltenen Reptilien Salmonellen ausscheiden würden. Wie schon häufig erwähnt, bezieht sich das RKI bei der Angabe dieser hohen Durchseuchungsrate auf eine Studie von Woodward et al., bei der Schildkröten untersucht wurden, welche aus kanadischen Zuchtfarmen in die USA importiert und kostengünstig mit Schlachtabfällen aus der Geflügelzucht gefüttert wurden. Mit nach Deutschland importierten oder hier nachgezüchteten Tieren (sprich mit der hiesigen Exotenhaltung) haben diese Ergebnisse aber in keiner Weise etwas zu tun. Auf Anfrage beim Robert Koch-Institut im November 2014, welche repräsentative Feldstudie (also ohne Untersuchung von bereits auffälligen Verdachtstieren) eine derart hohe Durchseuchungsrate bei Reptilien in deutschen Haushalten bestätigt, erhielt ich von Seiten des Institutes die bezeichnende Antwort, dass man eine solche Studie leider nicht vorweisen könne, weil solche Studien in Deutschland fast unmöglich durchzuführen seien.

Eine Studie der Universität Leipzig untersuchte tatsächlich einmal Salmonellosefälle bei Kleinkindern in Bezug auf den Umgang mit Reptilien. In 19 Haushalten wurden Reptilien gehalten und in 15 davon wurden dieselben Salmonellenstämme bei den Tieren als auch bei den Kleinkindern festgestellt. So lauten jedenfalls die Zahlen, die von PETA Deutschland e.V. verbreitet werden und eine angeblich hohe Infektionsgefahr beweisen sollen. Was PETA jedoch verschweigt: Insgesamt wurden 206 Salmonellosefälle bei Kleinkindern in der Studie erfasst. Somit lassen sich pauschal gesagt lediglich 15 von 206 Fällen auf den Umgang mit Reptilien zurückführen, was einen Anteil von ca. 7 Prozent ergibt. Die von PETA Deutschland im Veganblog verbreitete Schätzung (!) des RKI, nach derer jedes dritte an Salmonellose erkrankte Kind zuvor Umgang mit Reptilien hatte, ist somit ganz einfach zu widerlegen.

Davon ganz abgesehen lässt sich bei den betroffenen Haushalten nicht nachweisen, ob die Reptilien die Kinder angesteckt haben oder umgekehrt. Womöglich wurden die Reptilien vom Menschen angesteckt (z.B. aufgrund von Fütterungen mit rohem Fleisch, Schalen von rohen Eiern als Calciumquelle oder durch den Kontakt zu auf anderen Wegen erkrankten Kleinkindern). Dies machte auch schon Dr. Frank Mutschmann von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft in einem Artikel in der Apotheken Umschau deutlich. Darin sagte er außerdem: „Grundsätzlich geht von Reptilien ein deutlich geringeres Risiko aus, vergleichbar dem von Katzen oder Hunden.“ Ein Tierarzt wird es wohl auch am besten wissen. Übrigens steht bei den meldepflichtigen Infektionskrankheiten die Campylobacteriose noch vor der Salmonellose und diese wird von Hauskatzen übertragen. 2010 wurden in Deutschland 65.713 Campylobacteriosefälle gemeldet, Tendenz steigend! Salmonellen werden natürlich ebenfalls von Hunden und Katzen übertragen (meist auch hier aufgrund einer Fütterung mit rohem Geflügelfleisch), doch gibt es darüber seltsamerweise noch weniger Studien. Die Infektionsgefahr beim Umgang mit wechselwarmen Tieren ist dennoch deutlich geringer als beim Umgang mit Warmblütern, deren Physiologie der unseren wesentlich ähnlicher ist.

Womit sich der Kreis zum aktuellen Vorfall schließt:
3D-Model des Bornavirus
In Sachsen-Anhalt sind drei Züchter von Bunthörnchen an den Folgen einer Infektion mit dem sogenannten Bornavirus verstorben. Diese Vorfälle ereigneten sich bereits in den Jahren 2011 und 2013 und erst jetzt wurde die Todesursache diagnostiziert. Besonders interessant ist, dass der Übertragungsweg nicht gänzlich geklärt werden konnte und sich inzwischen wohl auch nicht mehr rekonstruieren lässt. Die Ärzte schließen zwar die Bunthörnchen als ursprüngliche Erregerquelle nicht aus, führen aber genauso die Möglichkeit auf, dass sich die Bunthörnchen an anderen (einheimischen) Tieren angesteckt und das Virus lediglich als Zwischenwirt auf ihre Halter übertragen haben und somit nicht als ursächlichen Infektionsherd zu identifizieren sind. Insbesondere Pferde und Schafe gelten als die Hauptüberträger des Bornavirus. Der Name des Virus klingt vielleicht sehr exotisch, ist er jedoch gar nicht. Das Virus wurde erstmalig im Jahre 1885 bei Kavalleriepferden in Borna festgestellt, die in Folge der Infektion alle verstorben sind. Und Borna liegt nicht irgendwo im Verbreitungsgebiet der exotischen Bunthörnchen, sondern ca. 30 km südlich von Leipzig. Anders gesagt: Hätten die Opfer direkten Umgang mit einheimischen Tieren wie z.B. Eichhörnchen oder domestizierten Tieren wie Pferden gehabt (somit keine „Exoten“ gemäß PETA-Definition), hätten sie ebenfalls mit dem Bornavirus infiziert werden können.

Dass PETA Deutschland e.V. auf ihrer Facebookseite mit einem Bild eines Grünen Leguans inkl. der Aufschrift „Gefährliche Exoten“ auf den Artikel im Veganblog aufmerksam macht, die ganzen Hintergründe des Vorfalls jedoch weder etwas mit Reptilien, noch mit Salmonellen und womöglich nicht mal etwas mit „Exoten“, sondern mit einem einheimischen Virus zu tun haben, offenbart erneut das aus meiner Sicht dubiose und für Exotenhalter diskriminierende Vorgehen dieses Clubs.

Bezeichnend ist nun auch wieder die Panik, die in den Medien geschürt wird. So raten „Experten“ den Haltern von Bunthörnchen, den Kontakt zu ihren Tieren „vorläufig zu unterbinden“. Wie soll bitte dann eine artgemäße Pflege möglich sein? Außerdem ist anzunehmen, dass nach den inzwischen gut 4 Jahre zurückliegenden Todesfällen der eine oder andere weitere Halter erkrankt wäre, würde es sich um eine Epizootie innerhalb der in Gefangenschaft gehaltenen Bunthörnchenpopulation handeln. Reaktionäres Verhalten ist also komplett überzogen. Allein die Haltungsform spricht bereits gegen ein Seuchenpotential im Vergleich zu Vogelgrippe und Co. Grund für überzogene Panik besteht also meiner Meinung nach nicht.

Nachtrag vom 26.03.2015:
Leider sind die verantwortlichen Behörden offenbar anderer Meinung.

Um den aus meiner Sicht komplett unqualifizierten PETA-Artikel abschließend noch vollständig zu beleuchten: PETA Deutschland behauptet darin zum Ende hin mal wieder, dass „Exoten“ in Gefangenschaft nicht alt werden würden. Auch dies entspricht nicht der Wahrheit und wird mit keiner Quelle belegt. In Gefangenschaft artgerecht gehaltene Reptilien werden in der Regel sogar älter als Vertreter ihrer Art in freier Natur, weil Bedrohungen wie Futtermangel, Fressfeinde, Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung etc. fehlen und kranke Tiere eine medizinische Behandlung bekommen. Vermutlich bedient sich PETA Deutschland damit weiteren falsch ausgelegten Studien von der Uni Leipzig, laut derer nicht artgerecht gehaltene Tiere frühzeitig erkrankten oder starben. Hier macht jedoch die nicht artgerechte Haltung die Ursache aus und nicht die Art des Tieres. Denn primär findet man in den Tierarztpraxen aufgrund von falscher Haltung erkrankte domestizierte Tiere (z.B. verfette Hunde mit Gelenkproblemen aufgrund der zum Großteil aus Getreide bestehenden Fertigfuttermitteln). Doch auch dieses Faktum wird von PETA Deutschland verschwiegen, weil die eigene Klientel nicht verprellt werden soll. Der hohe Anteil an vollkommen gesunden und langlebigen Terrarientieren wurde in den Studien der Uni Leipzig gar nicht ermittelt, weil man lediglich an einem Ende der Haltungskette Forschungen anstellte, an dem nicht artgerecht gehaltene Tiere einen hohen Anteil ausmachten und in der Folge keine Aussage über die Haltungsbedingungen des durchschnittlichen Gesamtbestands gemacht werden kann, weil die Probenahme für eine solche Aussage bereits einseitig und somit fehlerhaft war!

Abschließend nennt PETA noch Sterberaten beim Import in Höhe von 70 Prozent. Diese Zahlen wurden von PETA USA bei einem Zoogroßhändler (U.S. Global Exotics) ermittelt. Die Herkunft ist also keine unvoreingenommene und somit für mich äußerst unglaubwürdige Quelle. Unabhängige Studien zur Transportmortalität gibt es wenige. 1994 und 1996 lag die Transportmortalität von wildgefangenen Reptilien noch zwischen 1,97 und 3,88 Prozent. Zwar auch nicht so toll, aber das ist trotzdem weit weg von den von PETA Deutschland propagierten 70 Prozent! Dank der logistischen und technischen Fortschritte in den letzten 10 Jahren sinkt diese Rate zudem auch immer weiter und der Anteil an Importen ist ebenfalls rückläufig, weil der Markt (aufgrund der steigenden Erfahrungen innerhalb der Terraristik) vermehrt mit Nachzuchten bedient werden kann. Dies wird aus den Einfuhrzahlen des Statistischen Bundesamtes deutlich:



Samstag, 21. Februar 2015

Stellungnahme des Landkreistages Nordrhein-Westfalen zum GefTierG NRW

Das geplante Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren wildlebender Arten bleibt ein aktueller Brennpunkt in Nordrhein-Westfalen. Nach den guten Stellungnahmen der Fachverbände und der befremdlichen Stellungnahme der Tofu-Fraktion wurde am 17. Februar ein Dokument vom Landkreistag Nordrhein-Westfalen veröffentlicht, welches mich in Anbetracht des drohenden Gefahrtiergesetzes erstmalig sehr optimistisch stimmt, dass dieses Gesetz mit seinen ungerechtfertigten Komplettverboten doch noch in eine angemessene Bahn gelenkt werden kann!

Der Landkreistag NRW ist nicht irgendeine Institution, sondern dieser Spitzenverband vertritt gegenüber der Landesregierung die Interessen der Kreise in Nordrhein-Westfalen. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht der Landkreistag NRW die Verbandszeitschrift „Eildienst“. Der Schwerpunkt der Ausgabe 02/2015 liegt dabei auf dem Thema „Tierschutz“. Somit wurde darin auch das geplante Gefahrtiergesetz aufgegriffen und Stellung dazu bezogen. Die Ausgabe 02/2015 kann hier heruntergeladen werden: Landkreistag NRW - Eildienst 2015 

Die Einleitung zum Artikel über das Gefahrtiergesetz verdeutlicht bereits, welche Meinung der Landkreistag NRW vertritt:
Wir lehnen den Gesetzentwurf sowie den Entwurf einer Durchführungsverordnung ab und regen einen vollständigen Verzicht auf das Gesetzgebungsvorhaben an.
Einen vollständigen Verzicht auf eine gesetzliche Regelung über das Halten von potentiell gefährlichen Tieren wildlebender Arten haben sich nicht einmal die Interessenvertreter der Wildtierhaltung getraut zu fordern. Somit verdient diese Äußerung schon einmal Anerkennung. Weiterhin heißt es in dem Dokument:
Der von der Landesregierung in der Kabi­nettsitzung am 21.10.2014 gebilligte und beschlossene Gesetzentwurf nebst Entwurf einer Durchführungsverordnung lässt – trotz der umfangreichen Begründung eines angeblichen Regelungsbedarfes im Vor­blatt – keine Notwendigkeit für ein solches Gesetz erkennen. [...] Die Fälle, in denen es in der jüngeren Ver­gangenheit tatsächlich zu einer Gefähr­dung der Bevölkerung oder auch nur einzelner Bürgerinnen und Bürger durch exotische oder gefährliche Tiere gekom­men ist, sind äußerst gering.
Dass jetzt ein als unabhängig anzusehender Spitzenverband auf politischer Ebene diese Sachlage so kompetent und korrekt darstellt und einen Verzicht auf scharfe Gesetzgebungsverfahren fordert, ist ein enormer Rückenwind für die Wildtierhalter, die sich mit vernünftigen Rahmenbedingungen wie Sachkundenachweispflicht, Haftpflichtversicherung etc. bereits zufrieden gegeben haben.

Auch in Bezug auf die eigentlichen Interessen, die durch das geplante Gefahrtiergesetz (welches unsinnigerweise im Umweltministerium entstanden ist) vertreten werden sollen, verdeutlicht der Landkreistag NRW in seiner Stellungnahme, dass da gänzlich andere Themenschwerpunkte über Umwegen in das Landesrecht gebracht werden sollen:
Diese Ausführun­gen legen es nahe, dass Ziel der Landes­regierung in erster Linie eine Regelung im Bereich der Rechtsgebiete des Tier- und Artenschutzes ist. Die Gesetzgebungszu­ständigkeit hierfür liegt jedoch beim Bund (Art. 72, 74 Abs. 1 Nr. 20 GG).
Immer wieder wurde von aufmerksamen Beobachtern angemerkt, dass die Tierschutz- und Tierrechtsvereine mit ihren Forderungen auf Bundesebene offenbar nicht durchkommen und deswegen auf Landesebene die Gesetze für die Regelung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung als trojanisches Pferd missbrauchen, um ihre Ideologie (ein generelles Exotenverbot) scheibchenweise gesetzlich zu verankern.

Sehr ausführlich geht der Landkreistag NRW in seiner Stellungnahme auf die Kostenfrage ein, die das geplante Gesetz mit sich bringen wird! Eine Argumentation, die tatsächlich nur von Seiten einer Landkreisvertretung wirklich treffsicher vorgetragen werden kann. Denn diese müssen das populistische Gesetz (neben den unbescholtenen Haltern) am Ende ausbaden! Auch für die Streuerzahler in NRW ist dieser Punkt sicherlich nicht unerheblich, ganz egal wie sie zur Exotenhaltung stehen.

Zu den einzelnen Punkten des Gesetzesentwurfs vertritt der Landkreistag NRW grundsätzlich eine ähnliche Position, wie unsere Fachverbände. Beispielsweise, dass nach einem Komplettverbot mit einem vermehrten Aussetzen von Gefahrtieren zu rechnen ist und viele Halter ihre Tiere weiterhin illegal halten und über dubiöse Kanäle erwerben/weitergeben werden. Wenn solche Argumente von einer unabhängigen Seite vorgetragen werden, kann das nur in unserem Interesse sein.

Äußerst Interessante Hintergründe kommen auch in Bezug auf die Unterbringung von beschlagnahmten Tieren an die Öffentlichkeit:
Die Kapazi­tätsgrenzen dieser Einrichtung sind schon heute erreicht. Bereits heute fehlt es für Tiere wie der Geier- und der Schnapp­schildkröte, die nach § 3 der Bundesarten­schutzverordnung einem Haltungsverbot unterliegen, in NRW an Unterbringungs­möglichkeiten. Diese Tiere wurden notge­drungen nach Slowenien, wo es keine ent­sprechenden Haltungsverbote gibt, expor­tiert.
Dass die Unterbringung von Gefahrtieren ein Problem darstellt und nach Beschluss einer flächendeckenden Illegalisierung natürlich noch dramatisiert werden würde, war mir bereits klar. Dass jedoch die Möglichkeit besteht, dass beschlagnahmte Tiere ins Ausland verfrachtet werden und dass dies bereits bei den Schnapp- und Geierschildkröten praktiziert wird, finde ich ziemlich erschütternd. Das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck des Tierschutzes sein, wenn „Exoten“ in Länder verbracht werden, wo die Gesetzgebung womöglich zu lasch für eine tiergerechte Haltung ist. Ist es etwa das, was die angeblichen Tierschutzvereine wollen? Jetzt sollte eigentlich auch der zurückgebliebenste Tierrechtler aufgewacht sein!
Die Aufnahme der beiden Schildkröten- Arten Schnappschildkröte und Geierschild­kröte unter § 1 Nr. 9 erscheint insoweit fraglich, als diese Arten nach § 3 Bundes­artenschutzverordnung (BArtSchV) einem Haltungsverbot unterliegen und hier inso­fern der Eindruck erweckt wird, dass diese Tiere unter Einhaltung der Anzeigepflicht doch gehalten werden dürfen.
Sehr richtig. Dies ist bereits geschehen und auch kein Einzelfall. Der Landkreistag NRW liegt somit vollkommen richtig, dass eine Aufnahme dieser Tiere nur Verwirrung stiftet und somit zu unterlassen ist oder zumindest im Gesetz deutlich darauf verwiesen werden muss, dass die Regelung der BArtSchV davon nicht berührt werden.

Der Kreis der sehr lesenswerten Stellungnahme schließt sich mit den folgenden Schlussworten:
Nach alledem sprechen wir uns für einen Verzicht auf das Gesetzgebungsvorhaben aus und weisen erneut auf die zwingende Notwendigkeit der Vorlage einer Kosten­folgeabschätzung hin.
Bisher ging ich trotz der guten Stellungnahmen unserer Fachverbände davon aus, dass die populistischen Politiker in Nordrhein-Westfalen das geplante Gesetz in einer nahezu unveränderten Version beschließen würden, weil Großteile der Landesregierung trotzdem so abstimmen, wie es Remmel, Abel und Co. vormachen. Diese Einschätzung wurde durch die Aussagen in den Kommentaren auf der Website der Grünen NRW unter einem Artikel mit dem Titel Wenn Haustiere gefährlich werden bestätigt. Wer für eine Sache eintritt, ist in der Politik sowieso falsch aufgehoben und wird dann oft sehr schnell weg komplimentiert. Wenn nach den Ausführungen des unabhängigen Landkreistages NRW hingegen das Gefahrtiergesetz tatsächlich in seiner angedachten Form beschlossen werden sollte, wäre dies der Offenbarungseid der Entscheidungsträger. Jeder Landtagsabgeordnete, der zu dem Gefahrtiergesetz jetzt noch seine Hand hebt, verschleißt mutwillig die Augen vor den drohenden Konsequenzen und handelt damit grob fahrlässig gegen die Interessen der eigenen Landkreise seines Bundeslandes!

Montag, 16. Februar 2015

Heimtiermesse Hannover 2015

Vom 13. bis 15. Februar fand in einer Halle auf dem Messegelände Hannover die „Heimtiermesse Hannover 2015“ statt. Ich war am 14. Februar selber vor Ort und habe mir das Messegeschehen angesehen:

Die Heimtiermesse war in der „abf Messe für aktive Freizeit“ (im Folgenden „Freizeitmesse“ genannt) integriert. Während auf besagter Freizeitmesse beispielsweise Reiseangebote, Caravaning, Campingzubehör, Fitnessaktivitäten etc. präsentiert wurden, war in der Messehalle 23 die eigentliche Heimtiermesse untergebracht. Beim dortigen Rundgang wurde sofort deutlich, welchen Platz die Terraristik auf dem Heimtiersektor einnimmt: Hunde, Katzen und Kleintiere dominierten das Geschehen. Auch die Aquaristik war gut vertreten. Bei der Terraristik sah es jedoch extrem mau aus.

Das Zoofachgeschäft „MegaZoo“ hatte ein paar Landschildkröten aufgebaut.

 

Ein gewisser kommerzieller Händler von Landeinsiedlerkrebsen in bunten Gehäusen war ebenfalls vor Ort. Auch „The Pet Factory“ war auf der Messe zu finden und bot ein Sortiment an Wirbellosen wie Käfern, Käferlarven, Vogelspinnen und Skorpionen sowie Zubehör für deren Haltung an. Beim Stand des Dähne-Verlags konnte man die in diesem Verlag erschienene Literatur erwerben. Vom Dähne-Verlag wurde auch ein Vortragsprogramm organisiert, welches sich jedoch primär auf die Aquaristik bezog. Da ich selbst ja auch zu einem gewissen Anteil Aquarianer bin und Wirbellose wie Garnelen, Flusskrebse, Schnecken und Blutegel in Aquarien halte, habe ich mir ein paar der Vorträge am Tag meines Besuches angehört.

Den Anfang machte der Leiter des VDA-Arbeitskreises für Wirbellose in Binnengewässern e.V. (bei dem ich selbst auch Mitglied bin) zum Thema „Nano-Aquaristik – Tiere in kleinen Aquarien“. Der Vortragstitel machte mir die Hoffnung, dass es dabei primär um Wirbellose gehen würde, weil Fische aufgrund ihres Stoffwechsels nicht gut in kleinen Wassermengen haltbar sind (so jedenfalls meine bisherige Annahme). Zwar wurde ich dahingehend anders belehrt, weil der Referent Kai A. Quante in seinem Vortrag verdeutlichte, dass er Fische auch schon in kleinsten Wassermengen langfristig halten konnte. Jedoch war für mich als Wirbellosenhalter der Schwerpunkt des Vortrags auf „Nano-Fische“ nicht sonderlich interessant. Nur wenige Wirbellose wurden vorgestellt und Schnecken nahezu komplett übersprungen, weil diese in einem Anschlussvortrag noch näher betrachtet werden sollten. Positiv in Erinnerung geblieben ist aber die Darstellung, dass Aquarien ruhig eine dicke Mulmschicht am Boden haben können und somit gewissermaßen „verdreckt“ aussehen dürfen, weil sie dann aufgrund der ganzen Mikroorganismen umso stabiler laufen. Dieselbe Erfahrung habe ich mit der Zeit ebenfalls gemacht, nachdem ich in meinen Nano-Aquaristik-Anfängen meine Aquarien wie in den Hochglanzmagazinen sehr „sauber“ hielt und trotzdem immer wieder Ausfälle bei den Tieren zu beklagen hatte. Die Anfälligkeit von Hochzuchtgarnelen wurde ebenfalls im Vortrag erwähnt. Der typische unterschwellige Humor eines Norddeutschen kam in diesem Vortrag auch nicht zu kurz.

Im Anschluss daran folgte ein Vortrag von der Schneckenexpertin Alexandra Behrendt zum Thema „Bekannte und neue Schnecken im Blickpunkt“. Positiv anzumerken ist, dass sie die Haltung von manchen anspruchsvollen Schneckenarten, die nur als Wildfänge in die Aquarien gelangen, eher ablehnte, weil diese Arten in Gefangenschaft wohl nicht sehr alt werden. Leider fühlte ich mich bei diesem Vortrag mit der Zeit sehr deplaziert, weil die Referentin immer wieder mit den ihr bekannten Teilen des Auditoriums interagierte, ständig die Tür zum Vortragsbereich öffnete und wieder schloss oder jeden neu hinzugestoßenen Zuhörer direkt persönlich begrüßte und sich dadurch immer wieder in ihrem Vortrag unterbrechen ließ. Die gute Frau verhielt sich zudem noch wie eine Tante, der man auf einer feucht-fröhlichen Feier einmal versehentlich gesagt hat, dass sie ja sooo lustig sei und die seitdem dies auch von sich selber glaubt. Ihr „Humor“ war mit dem meinen leider nicht sehr kompatibel. Aufgrund der ständigen Unterbrechungen (zwischenzeitlich brach auch noch ein Messebesucher durch die Leichtbauwand des Vortragsbereiches) musste Frau Behrendt zum Ende hin aus Zeitgründen durch den Vortrag hetzen. Leider befanden sich dort genau die Schnecken, die mich am meisten interessiert hätten (Anentome helena).

Der dritte Vortrag wurde von Monika Rademacher und Oliver Mengedoht zum Thema „Geosesarma-Krabben – Buntes aus Südostasien“ gehalten. Darin wurde neben der Haltung verschiedener Krabbenarten aus der Gattung Geosesarma auch auf die neue Taxonomie eingegangen. Sehr ernüchternd bei diesem an sich rundum gelungenen Vortrag war, dass sich die zuvor anwesende Zuschauerzahl von ca. 40 bis 50 auf anfangs nur noch 6 (später ca. 10) Personen beschränkte. Ein weiteres Zeichen dafür, wo die Terraristik ihren Platz hat.

Für den letzten Vortrag zum Thema „Wirbellose in europäischen Gewässern“ reiste Werner Klotz aus Österreich an. Auch dieser (dann auch wieder besser besuchte) Vortrag war sehr sehenswert. Es wurden neben Garnelen und Krebsen aus z.B. Griechenland, Deutschland und Österreich auch eingeschleppte Tiere wie Procambarus clarkii und Neocaridina davidi vorgestellt, letztere sogar als „deutscher Wildfang“ aus dem berüchtigten „Guppybach“ am Niederrhein in der Nähe eines Kohlekraftwerks bei Köln. Als Blutegelhalter vermisste ich diese europäischen Wirbellosen aber schon irgendwie im Vortrag.

Im Rahmen der Heimtiermesse wurden mehrere Wettbewerbe veranstaltet. Im Bereich der Aquaristik z.B. der Aquascaper-Wettbewerb „The Art of the Planted Aquarium“ sowie das 7. Internationale Garnelenchampionat, bei dem Farbzuchten von Zwerggarnelen ausgezeichnet wurden.

Diese ganze Herumzüchterei ist ein Trend, den ich äußerst kritisch betrachte. Ich war sogar im Vorfeld am Überlegen, ob ich am sogenannten „Championat“ nicht mit meiner transparenten und somit gänzlich farblosen Rückenstrichgarnelen-Wildform mitmachen sollte. Nur um damit zu zeigen, dass diese Wildformen mehr als nur eine Existenzberechtigung haben! Aber andererseits bin ich auch kein Freund von solchen Wettbewerben grundsätzlich und die Startgebühr war mir ein Verstoß gegen dieses Prinzip dann auch nicht wert. Das einzige Highlight am Stand des Garnelenchampionats war eine eher unscheinbar drapierte Vase mit Feenkrebsen.


Auch die sogenannte Terrascaping-Weltmeisterschaft „The Art of the Planted Terrarium“ mit dem Motto „Green Desert – Die Wüste ist grün“ fand auf der Heimtiermesse statt. Bei diesem Schwanzvergleich Wettbewerb mussten die Teilnehmer jeweils ein großes Terrarium mit den Maßen 90 x 45 x 45 cm sowie einen „30er-Würfel“ des Sponsors ExoTerra gemäß des Mottos einrichten. Bei meinem Besuch am Samstag war das Werk von The Pet Factory, welche außer Konkurrenz teilnahm, bereits fertig – inkl. Plastiksalamander. Das Team „Futterhaus“ befand sich gerade im Aufbau. Ansonsten war auf der Terrascaping-WM zum Zeitpunkt meines Besuches nicht viel zu sehen. Ohnehin halte ich den Veranstaltungsort für eine sogenannte „Weltmeisterschaft“ am Rande einer Freizeitmesse in einer Großortschaft wie Hannover schon für ziemlich gewagt. Ein Foto vom Gewinner gibt es auf der Facebookpage von www.terraristik.com zu sehen: Gewinner Terrascaping-WM

 
Weitere sonderbare Präsentationen auf der Heimtiermesse waren z.B. die in kleinen Käfigen gesperrten Rassekatzen, bei denen ich mich fragte, ob diese Tiere eine solche Unterbringung eigentlich genauso relaxt überstehen, wie Reptilien in den Verkaufsbehältnissen auf einschlägigen Börsen: 


Auch am Stand des „Natur ohne Jagd e.V.“, der direkt bei den Rassekatzen positioniert war und an dem getreu dem Motto „Jagd kostet Leben“ meinem Empfinden nach äußerst einseitig über das Thema Jagd informiert wurde, verschlug es mir als aktiven Naturschützer und Lobbyisten der heimischen Flora und Fauna die Sprache. Das typische Schubladendenken und kategorische Verurteilen der Jagd wurde dort jedenfalls wieder einmal ordentlich unter Beweis gestellt.

Abseits der Heimtiermesse informierte der Zoll übrigens auch über Artenschutzprobleme bei Urlaubsmitbringseln. Eine Thematik, über die in der Tat mehr aufgeklärt werden sollte.


Mittwoch, 11. Februar 2015

Doppelmoralalarm: Aufregung über neues Hundegesetz in Berlin

Auch wenn die Hundehaltung an sich natürlich wenig mit Terraristik zu tun hat, zeichnet sich durch das in Berlin aktuell in den Senat gegebene neue Hundegesetz eine auch für „Exotenhalter“ interessante Argumentationskette am Himmel ab.

Nach den Eckpunkten des neuen Berliner Hundegesetzes soll künftig für alle Hunde im öffentlichen Raum Leinenpflicht gelten. Ausgenommen davon sind Halter, die eine Sachkundeprüfung abgelegt haben. In Fußgängerzonen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Treppenhäusern, Parks und im Wald müssen auch die Halter mit einer solchen Lizenz ihre Tiere an der Leine führen. Vorbild dafür ist die Regelung in Hamburg. Damit die Tiere auch den artgemäßen Auslauf erhalten können, sollen Hundeauslaufflächen auf Grundstücken geschaffen werden, die nicht für den Wohnungsbau geeignet sind. Ebenfalls sollen Hundehalter immer Beutel mit sich führen, um die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu entfernen. Der Hunde-Führerschein soll nach Niedersächsischem Vorbild für Halter Pflicht werden, deren Hunde eine Höhe von mindestens 40 cm und 20 kg Körpergewicht haben. Die Prüfung soll einen standardisierten Fragenkatalog und einen Praxistest beinhalten. Sie wird (laut der 2013 verkündeten Eckpunkte) weniger als 100 Euro kosten. Besteht ein Halter nicht, hat er die Chance auf eine Nachprüfung. Fällt er auch dabei durch, droht ihm ein Haltungsverbot.

Diese Rahmenbedingungen (Sachkundeprüfung und Gewährleistung der sicheren Haltung zur Vermeidung einer Gefährdung von unbeteiligten Dritten) entsprechen somit den Forderungen, die von den Terraristik-Fachverbänden immer wieder für die Gesetzgebungen zur Haltung von potentiell gefährlichen „Exoten“ genannt werden. Aus diesem Grund finde ich das geplante Berliner Hundegesetz sehr gut und hoffe, dass andere Bundesländer sich diesbezüglich angleichen und nicht nur bei der Hundehaltung sondern auch bei der „Exotenhaltung“ ähnlich verfahren wird. Der Gesetzgeber also anstelle von Komplettverboten dafür sorgt, dass eine sachkundige und damit weitestgehend sichere Pflege von Tieren jeder Art erlaubt bleibt.

Leider musste ich nach solchen Äußerungen bereits feststellen, dass einige Menschen (nicht nur in den Tierrechtsvereinen) eine heuchlerische Doppelmoral an den Tag legen. Sehr viele Hundehalter laufen Sturm gegen die kommende Gesetzgebung. Sie betrachten den Leinenzwang im öffentlichen Raum als Eingriff in ihr Privatleben und die Sachkundeprüfungen als Gängelung durch die Behörden. Selbst einige Terrarianer, die sonst immer das Sachkundekonzept von DGHT und VDA befürworten und Argumente unterstützen, dass von z.B. Hunden nachweislich eine größere Gefahr ausgeht als von in Terrarien untergebrachten Giftschlangen, relativieren nun plötzlich in Anbetracht der gesetzlichen Konsequenzen für die von ihnen teilweise parallel betriebene Hundehaltung ihre Ansichten… und sind damit nicht besser als die „Tofu-Fraktion“.

Beispielsweise wird argumentiert, dass Leinenzwang die Hunde aggressiv machen würde und dass wegen ein paar Leuten, die ihre Hunde nicht sachgerecht halten, gleich alle vorbildlichen Halter bestraft werden sollen. In meinen Augen ist die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine sachkundige Tierhaltung jedoch keinesfalls als Strafe zu werten! Es ist auch sehr vermessen Sachkundeprüfungen für sogenannte „Exoten“ zu fordern, bei Hunden jedoch dieselbe Sache als „Gängelung“ zu titulieren. Außerdem sollen sachkundige Halter von der Leinenpflicht befreit werden. Damit ist die Leinenpflicht für verantwortungsvolle Halter praktisch vom Tisch. Auf Hundeplätzen oder entsprechend abgegrenzten Privatgrundstücken dürfen auch „nicht sachkundige“ Hundehalter ihren Hunden den tiergerechten Auslauf gewähren. Wer einen solchen Ort nicht bieten kann, der kann Hunde in der Konsequenz nicht artgerecht und sicher halten und sollte sie somit auch nicht halten dürfen (genauso wie nicht jeder Depp eine Königskobra in Hamm kaufen sollte und eine große Panzerechse nichts für eine 1-Zimmer-Studentenwohnung ist). Von Haltern einer Anakonda oder eines Grünen Leguans wird ein Großterrarium erwartet, daher erwarte ich von Hundehaltern auch den vorhandenen Zugang zu einer entsprechend großen Auslauffläche (dazu zähle ich im Gegensatz zu einigen ignoranten Hundehaltern nicht die Wälder oder die Fußgängerzonen dieses Landes).

So wie ich als Schlangen- und Spinnenhalter Rücksicht auf das Empfinden andere Leute nehme und mit meinen Tieren nicht im öffentlichen Raum unterwegs bin, so erwarte ich von Hundehaltern, dass sie ihre potentiell gefährliche(re)n Tiere so halten, dass sie mir und anderen Passanten im öffentlichen Raum nicht zu nahe kommen können und keine unbeteiligten Menschen gefährden. Viele Leute empfinden es bereits als eine immense Bedrohung, wenn ein nicht angeleinter Hund auf sie zuläuft und sie „bespielen“ möchte. Solche Vorfälle sind Eingriffe in die Privatsphäre von unschuldigen Passanten. Hundehalter müssen das von ihnen in ihrer Ignoranz erfundene „Bürgerrecht“ an dieser Stelle ganz einfach zurückstellen und ihre Tiere an die Leine nehmen, um solche Zwischenfälle zu vermeiden. Ein Hund, der auf dem Weg zum Hundeplatz an der Leine geführt wird, wird schon keine Verhaltensstörung davon bekommen. Falls ich mich in diesem Punkt irren sollte, sind Hunde offenbar wirklich äußerst anfällige Pfleglinge.

Während die Hundehaltung von weiten Teilen der Bevölkerung vollkommen unkritisch betrachtet wird, hegen Großteile des konservativen Volkes Abneigungen gegen die Haltung von Ekelgetier, mit dem sich Terrarianer umgeben. Somit müssen wir „Exotenhalter“ mit einem großen Widerstand kämpfen und uns mit Verbotsforderungen herumschlagen. Die von unserer Seite in den Ring geworfene Sachkundeprüfungspflicht und sichere Unterbringung der Tiere sind in gewisser Weise eine Milderung dieser Umstände - um nicht zu sagen das „geringere Übel“, was mir jedoch zeigt, dass viele Terrarianer leider gar nicht richtig hinter dem Konzept der abgelegten Sachkunde zu stehen scheinen, sondern es nur als Vorwand nennen, um Verboten zu entgehen. Das finde ich sehr bedauerlich. Für Hundehalter auf der anderen Seite, die sich mit ihren Tieren immer wieder wie die Kaiser der Bürgersteige aufführen, ist eine Anpassung auf dieselbe Ebene hingegen eine Verschlechterung der Gesamtumstände und somit eine Kröte, die man nur ungern schlucken möchte. Dabei handelt es sich um denselben Sachverhalt. Die Domestikation des Hundes ist kein plausibles Gegenargument für die geforderte Sachkunde und andernfalls Leinenpflicht, da diese Tiere aufgrund ihrer Nähe zum Menschen logischerweise eine noch sehr viel größere Gefahr darstellen als nicht domestizierte Wildtiere, die in aller Regel vor dem Menschen fliehen.

Ich bleibe somit dabei: Gleiche Rechte und auch gleiche Pflichten für alle Tierhalter, die potentiell gefährliche Tiere halten (und dazu gehören Hunde eindeutig)! Ich erwarte vom Gesetzgeber, dass er mich im öffentlichen Raum vor Hunden schützt, ebenso wie er andere Bürger vor den von diesen Teilen der Bevölkerung gefürchteten „Ekeltieren“ schützt. Nicht durch rigorose und auf Emotionen beruhende Komplettverbote, sondern durch vernünftige Rahmenbedingungen wie Terrarienschlösser und Gifttierräume auf der einen bzw. Hundeleinen und abgegrenzte Hundeplätze auf der anderen Seite sowie insbesondere geprüfte Sachkunde für alle Tierhalter.

Jede andere Einstellung und Bewertung der Ereignisse wäre eine scheinheilige Doppelmoral! 

Womit wir bei den politischen Entscheidungsträgern wären: Während die Grünen in Nordrhein-Westfalen eine harte Linie gegen die Halter von potentiell gefährlichen Wildtieren fahren, sieht die Situation in Berlin gänzlich anders aus. Nun gut, dort geht es derzeit zwar nicht um gefährliche Wildtiere, aber trotzdem erkennt man an der „Kampfhund“-Thematik, wie sehr sich diese populistische Partei ihren Wählern anbiedert und krampfhaft einen auf liberal macht. Obwohl die guten Gründe gegen strikte Verbote der Haltung von gefährlichen Wildtieren bei den Grünen auf taube Ohren stoßen, möchte diese Partei in Berlin die Rassenliste mit gefährlichen Hunden komplett abschaffen.

Die Grünen argumentieren, dass sogenannte „Kampfhunde“ statistisch gar nicht so gefährlich seien, wie z.B. Deutsche Schäferhunde. Diese Meinung untermauert die Fraktion mit einer Antwort der Berliner Justizverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage, laut der im Jahr 2013 insgesamt 620 Menschen von Hunden verletzt wurden und bei der Mehrzahl der Vorfälle Mischlinge (189) bzw. Deutsche Schäferhunde (70) involviert waren, während z.B. Rottweiler nur in 22 Vorfällen beteiligt waren (siehe Hundebiss-Statistik 2013)

Daran sieht man mal wieder, dass die Grünen meiner Meinung nach nicht wirklich in der Lage sind, Statistiken richtig zu interpretieren (oder werden die Ergebnisse etwa aus populistischen Gründen absichtlich verzerrt dargestellt, um sich bei den Hundehaltern anzubiedern?). Es ist durchaus richtig, dass 2013 in Berlin von 620 Hundebissen 11,3 Prozent auf das Konto von Deutschen Schäferhunden und nur 3,5 Prozent auf das Konto von Rottweilern gingen. Dabei wird aber die Anzahl der gehaltenen Hunde nicht beachtet, wodurch das Ergebnis verfälscht wird! Laut einer Statistik der deutschen Hundezucht stand 2013 der Deutsche Schäferhund mit insgesamt 11.092 gezüchteten Welpen an der Spitze der beliebtesten Hunderassen. Rottweiler belegten mit 1.543 gezüchteten Welpen den 8. Platz. Schäferhunde werden also ca. siebenmal häufiger vermehrt und somit auch gehalten als Rottweiler. Setzt man diese Zahlen mit den Bissvorfällen in ein Verhältnis, ergibt sich daraus, dass auf einen Rottweilerbiss statistisch gesehen sieben Schäferhundbissen kommen müssten. Wenn Rottweiler und Deutsche Schäferhunde gleich gefährlich wären, müssten auf die 22 Zwischenfälle mit Rottweilern rechnerisch also 154 Vorfälle mit Deutschen Schäferhunden kommen. Es sind aber nur 70 Stück! Rottweiler verletzen somit mehr als doppelt so oft Menschen wie es Deutsche Schäferhunde tun! Das bedeutet aus meiner Sicht allerdings nicht, dass Rottweiler die gefährlichere Rasse sind, sondern nur, dass diese Rasse vermehrt von Leuten gehalten wird, die damit nicht richtig umgehen können (z.B. als Statussymbol in einem bestimmten Milieu).

Ich bin grundsätzlich zwar für eine Abschaffung der Rassenlisten, dennoch ist die Doppelmoral der Grünen nur schwer zu ertragen.

Wie wäre es, wenn sich die Grünen mal ein wenig liberaler gegenüber den Exotenhaltern zeigen würden? Wie wäre es, wenn sie mal die tatsächlichen Vorfälle mit gefährlichen Wildtieren als tragische Einzelfälle betrachten würden, statt Vorfälle mit harmlosen Wildtieren (z.B. Bartagamen, Kornnattern & Co.) als Begründung für ihre Gefahrtierverbote heranzuziehen? Wie wäre es, wenn die Partei einmal den Tierschutz bei der Wildtierhaltung mit vernünftigen Regelungen verbessern würde, statt ihn mit strikten Verbotsplänen auf Landes- oder gar Bundesebene aktiv zu verschlechtern?

Nachtrag:
Seltsamerweise sind die Grünen in NRW nach diesem tragischen Vorfall in Duisburg sehr ruhig, was die „Kampfhund“-Thematik betrifft: Rottweiler beißt Zweijährige fast tot
 
 

Montag, 9. Februar 2015

Fundskorpion bei „Menschen, Tiere & Doktoren“ (Sendung vom 01.02.2015)

Euscorpius alpha (Beispielbild)
Am 01.02.2015 lief auf VOX eine für Terrarianer interessante Folge der Sendung „Menschen, Tiere & Doktoren“. In dieser regelmäßigen Tierarzt-Doku, die derzeit sonntags um kurz nach 5 Uhr ausgestrahlt wird, dreht sich alles um tierische Patienten und den Berufsalltag in den Tierarztpraxen, Kleintierkliniken und bei der Tierrettung. Ein in besagter Sendung vom Kamerateam begleiteter Fall der Tierrettung München, die vom Verein aktion tier e.V. unterstützt wird, handelte von einem Skorpion (der Vorfall ereignete sich im Jahr 2011):

Dr. Sylvia Haghayegh von der Tierrettung München wurde in die Privatwohnung einer jungen Frau gerufen, die in ihrem Urlaubsgepäck einen Skorpion entdeckt hatte. Die Dame war gerade aus der Toskana zurück. Dr. Haghayegh schloss aus dieser Vorgeschichte korrekterweise, dass das ungewollte Urlaubsmitbringsel aufgrund seiner Herkunft eher zu den ungefährlichen Skorpionen zählen müsste. Gemeinsam durchstöberten die Damen mit dicken Handschuhen und einer langen Pinzette ausgerüstet die Reisetasche der zurückgekehrten Urlauberin. Musikalisch unterlegt wurde die Aktion natürlich wieder mal ganz im Stile eines Hitchcock-Filmes. Schließlich fanden sie in der Tasche tatsächlich einen recht kleinen Skorpion, den Dr. Haghayegh vorsichtig mit der Pinzette in ein glattwandiges Glas bugsierte. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkannten fachkundige Zuschauer an den markanten Pedipalpen und dem im Vergleich dazu eher zerbrechlichen Metasoma, dass es sich um einen ungefährlichen Vertreter der Gattung Euscorpius handelte, bei dem die Giftwirkung nach einem Stich mit der eines Bienen- bzw. Wespenstichs vergleichbar ist.

Nach einer kurzen Suche nach einem zweiten Skorpion brachte Dr. Haghayegh das Tier zur Reptilienauffangstation München, wo Fachtierarzt Thomas Türbl exakt diese Einschätzung bestätigte, den Skorpion als „nicht aggressiv“ bezeichnete und der den Fund eines solchen Tieres im Urlaubsgepäck meinem Empfinden nach nicht wirklich als große Sache auffasste. Auf der Website der Reptilienauffangstation steht diesbezüglich bei den Spinnentieren
„Oft sind versehentlich aus südlichen Ländern mitgebrachte kleine Euscorpius spec. bei uns im Bestand. Bitte anfragen, welche Skorpione aktuell bei uns zur Vermittlung sind.“ 
Für Dr. Haghayegh sei dieser Fall jedoch in den mehr als 10 Jahren ihrer Tätigkeit bei der Tierrettung München eine Prämiere gewesen. Der Bericht endete mit der Anmerkung, dass die Vermittlungschancen für den Skorpion nach einer kurzen Quarantäne gar nicht so schlecht stünden.

Dieser Bericht lässt natürlich auch ein paar Gedankenspiele zu, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Verein aktion tier e.V. der sogenannten „Exotenhaltung“ äußerst negativ gegenübersteht. Beispielsweise werden offenbar regelmäßig versehentlich nach Deutschland gebrachte Wildfänge geradezu selbstverständlich in Privathand vermittelt. Aus meiner Sicht ist daran natürlich auch absolut nichts auszusetzen. Die Auffangstationen achten schließlich auch darauf, dass die Tiere in gute Hände kommen. Faktisch gesehen handelt es sich jedoch um ein Wildfangtier (Euscorpius gilt in Italien übrigens als gefährdet), worüber sich viele Tierschutz- und Tierrechtsvereine immer wieder echauffieren. Eigentlich müssten Urlauber künftig mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie geschützte Tiere schmuggeln und nicht nur Terrarianer, die solche Tiere (auf lange Sicht womöglich illegal) aus Liebhaberei halten und nachzüchten.

Auch in Hinblick auf Gefahrtiergesetze ist der Fall interessant: Wenn die Haltung von Skorpionen immer stärker reglementiert wird und beispielswiese auch harmlose Arten wie der gefundene Euscorpius in naher Zukunft kaum noch gehalten werden dürften, wäre das langfristig mit der Vermittlung ein Problem. Wohin dann nämlich mit diesen Tieren? Die kämen auch weiterhin nach Deutschland und da Italien zur EU gehört, würde auch ein Wildtierimportverbot nichts daran ändern.

Nicht zuletzt sollten wir diese Situation im Hinterkopf behalten, wenn Gegner der Exotenhaltung die Einsätze von Tierrettung und Co. als Argument für ein Haltungsverbot von Skorpionen etc. nennen. Denn ein offenbar nicht unerheblicher Anteil der Vorfälle insbesondere mit Wirbellosen lässt sich auf den Tourismus und auch den Handel mit Waren innerhalb der EU (die berüchtigte Bananenspinne im Supermarkt) zurückführen und steht nicht unbedingt immer in direktem Zusammenhang zu einem entflohenen / ausgesetzten Tier aus der Privathaltung! Wer also die Haltung von Skorpionen verbieten möchte, sollte konsequenterweise auch den Tourismus und den Warentransfer verbieten.

Einen Bericht über diesen Vorfall von Dr. Haghayegh gibt es auf der Website der Tierrettung München.