Dienstag, 28. April 2015

Scheißhausparolen gegen die Exotenhaltung

Warum muss man sich als Terrarianer eigentlich ständig rechtfertigen und sich mit dem gefährlichen Halbwissen von Leuten herumplagen, die aus dem Bauch heraus die Haltung von exotischen Wildtieren in Privathand für verwerflich halten? Vermutlich weil sich die Dummheit schnell vermehrt. Dumm fickt eben gut und benutzt kein Gummi. Mit Sachargumenten kommt man gegen die ignorante Einstellung dieser Leute schlicht und ergreifend nicht an. Zu tief sitzen die romantischen Vorstellungen von heilen Lebensräumen und grenzenloser Freiheit der Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen. Viel zu schnell werden alle Tiere auf eine Ebene gestellt und ihnen Emotionen zugesprochen, die sie aufgrund ihrer unterschiedlich entwickelten kognitiven Fähigkeiten gar nicht besitzen. Hund und Katze werden ebenso vermenschlicht und ihre Haltung für leicht empfunden, jedoch dabei übersehen, dass diese hochentwickelten Säugetiere Ansprüche haben, derer man in Privathand zumindest in der heutigen Zeit kaum noch gerecht werden kann. Aber statt an der eigenen Tierhaltung etwas zu verändern, wird kollektiv auf die bösen Wildtierhalter gezeigt und mit fadenscheinigen Argumenten um sich geworfen. Radikaler Tierschutz wird heute zu einer Ersatzreligion und fanatische Anhänger ohne auch nur einen Hauch von Sachkenntnis predigen ihre Scheißhausparolen, mit denen man sich als Terrarianer herumschlagen muss:

Exotische Wildtiere wie z.B. Riesenschlangen leben im tropischen Urwald und bewohnen dort große Gebiete. Das kannst du ihnen im Terrarium gar nicht bieten!

Davon abgesehen, dass nicht jeder „Exot“ aus dem tropischen Regenwald stammt: Eine Riesenschlange frisst, verdaut ein paar Wochen in einem Versteckt, kommt raus, sucht Beute, frisst, verdaut wieder mehrere Wochen usw. Ab und zu wird dann auch mal für ein paar Tage im Jahr nach einem Geschlechtspartner gesucht. Die angeblich so großen Territorien werden gar nicht genutzt, wenn die Lebensbedingungen vor Ort stimmen. Die Natur ist ein gefährlicher Ort, daher wäre es für diese Tiere leichtsinnig, wenn sie ständig ohne triftigen Grund umherstreifen würden, um ihre Freiheit zu genießen (das kann sich nur der Mensch am oberen Ende der Nahrungskette erlauben). Sie streifen nur aus der Not heraus umher, wenn die Lebensumstände nicht mehr passen. Diese Nöte zu verhindern ist Aufgabe des Tierhalters. Beispielsweise durch Beregnungsanlagen, Zeitschaltuhren zur Steuerung des Tages- und Jahresrhythmus oder modernen Leuchtmitteln mit sonnenlichtähnlichem Spektrum inkl. UV-Anteil (wovon so manches andere Kleintier nur träumen kann). Im Vergleich zu den menschlichen Bedürfnissen entspricht ein für Außenstehende „kleines“ Schlangenterrarium einem ganzen Wohnblock inkl. kostenloser Ver- und Entsorgung.

Aber Wildtiere fühlen sich trotzdem in Gefangenschaft nicht wohl. Sie wollen frei sein. In Gefangenschaft sind sie doch total unglücklich!

Das Gefühl des Gefangenseins und andere Emotionen entstehen durch die emotionale Bewertung von niederen Reizen in der Großhirnrinde. Dort (im präfrontalen Cortex) entsteht das Ich-Gefühl und nur mit einem solchen, kann man sich gefangen fühlen. Vergleicht man ein Reptilien- oder Amphibiengehirn mit einem Säugetiergehirn, wird ein anatomischer Unterschied schnell deutlich:


Wo ist denn da die Großhirnrinde? Sie ist bei niederen Wirbeltieren wie Reptilien und Amphibien kaum ausgebildet oder fehlt bei Wirbellosen sogar komplett. Dieser anatomische Unterschied liegt in der Evolution begründet: Nachdem die Reptilien während ihrer Evolution zum Säugetier ihre Schuppen verloren, wurde die Haut ein empfindliches Sinnesorgan. Um die Hautreize zu verarbeiten, war ein komplexeres Gehirn nötig. Dadurch wurde einer der ersten Grundsteine für das heutige menschliche Bewusstsein geschaffen. Das „Freiheitsgefühl“ eines Reptils mit dem eines Säugetiers zu vergleichen und beide auf dieselbe emotionale Stufe zu stellen, beruht somit auf biologischer Unkenntnis. Was wird heute eigentlich an den Schulen gelehrt? Bei wechselwarmen Tieren wie Reptilien liegt ein weiterer physiologischer Unterschied zu Säugetieren darin, dass sie nicht fressen müssen, um ihre Körpertemperatur zu halten. Sie laufen von Natur aus auf Sparflamme, um keine Energie zu verschwenden. Allein schon dadurch verringert sich ihre Aktivität immens. Bei niederen Wirbeltieren entstehen Verhaltensauffälligkeiten nur dann, wenn man sie in ihren natürlichen Lebensgewohnheiten einschränkt. Beispielsweise wenn man ihnen nicht ihren Vorzugstemperaturbereich bietet. Tut man dies und beachtet auch die restlichen Anforderungen dieser Tiere, ist eine artgerechte Haltung sehr wohl möglich. Die typischen Terrarientiere sind somit weder „glücklich“ noch „unglücklich“ in Gefangenschaft, solange keine niederen Reize (z.B. Hunger, Durst, Schmerz usw.) entstehen und nicht befriedigt werden. Diese Reize so zu steuern, dass es dem Tier gut geht, ist Aufgabe des Tierhalters.

Aber die Wildtiere werden aus der Natur entrissen, was oft sehr schmerzhaft ist, und leiden auf dem Transport Qualen. Außerdem fördert dieser Raubbau den Artenschwund!

Lediglich 24 Prozent der in Deutschland gehaltenen Reptilien stammen aus Importen - Tendenz seit Jahren sinkend, weil immer mehr einheimische Nachzuchten die Nachfrage decken können. Bei der Mehrheit der Importe von geschützten Tiere handelt es sich ebenfalls um Nachzuchten. Die Ausfallquote auf dem Transport lag bei wildgefangenen Reptilien laut unabhängiger Studien in den Jahren 1994 und 1996 zwischen 1,97 und 3,88 Prozent. Seitdem gab es kaum eine repräsentative Studie von unabhängiger Quelle zu diesem Thema. Die Tiere sind das Kapital der Importeure. Ein totes oder krankes Tier bringt kein Geld, somit liegt es im Interesse der seriösen Händler, dass die Tiere gesund im Handel ankommen.

Solange die Landesbevölkerungen durch die nachhaltige Nutzung der Lebensräume mit den Wildfängen Geld verdienen können, werden die Populationen geschützt. Würden jedoch keine Naturentnahmen mehr verkauft, müssten sich die Bevölkerungen eine andere Einnahmequelle suchen. Beispielswiese durch konventionelle Landwirtschaft, Goldschürfen etc., wodurch die Lebensräume zerstört würden (z.B. durch Rodung, Pestizide und Quecksilbereintrag). Das wäre das endgültige Aus für die Tierpopulationen und der wahre Artenschwund.

Viele Arten existieren nur noch, weil sich die Terraristik ihrer angenommen hat. Kaum jemand interessiert sich für „Ekeltiere“ wie Schlangen oder Spinnen, außer spezialisierte Wissenschaftler und private Terrarianer. Die Terraristik ist gelebter Tier- und Artenschutz!

Aber die Nachzucht findet unter Qualen z.B. in dunklen Schubladensystemen statt!

Manche Arten neigen zwar mitunter zu sogenannter Panikvermehrung, doch damit kann man schlicht und ergreifend keinen sich selbst erhaltenen Zuchtstamm aufbauen. Dies ist nur möglich, wenn sich die Tiere in ihrem künstlichen Lebensraum wohlfühlen. Dies zu gewährleisten ist Aufgabe des Tierhalters. Nur weil die Presse mit Pseudologiehintergrund immer mal wieder Einzelfälle von schlechter Tierhaltung aufbauscht, entspricht die organisierte Terraristik diesem Bild in keiner Weise.

Aber die Halter sind schnell überfordert oder gelangweilt und vernachlässigen die Tiere oder setzen sie aus!


Diese Tierschutzproblematik findet man primär bei Haustieren, insbesondere bei Hunden und Katzen, was sofort deutlich wird, wenn man mal einen Blick in die Tierheimstatistiken wirft. Auch hierbei spricht der anatomische Unterschied eher für die Haltung von Terrarientieren. Hunde sind Rudeltiere und wollen ihre Beute selber jagen. Wird ihnen dies in der heutigen Haltung geboten? Katzen sind ebenfalls Raubtiere und haben einen Jagdtrieb. Können sie diesen heutzutage ausleben, ohne dabei den Straßenverkehr oder die heimische Fauna zu gefährden? Wohl eher nicht. Mit diesen Tieren muss man sich als Halter mehrmals täglich beschäftigen, was bei einem Reptil nicht notwendig ist. Dass immer mehr Haustierprobleme auch bei „Exoten“ auftreten, zeigt lediglich, dass diese Tiere nicht immer nur von sachkundigen Leuten gehalten werden. Wenn Überforderung von einzelnen Haltern jedoch ein Argument gegen die gesamte Haltung dieser Tiere ist, dann gehören Hunde und Katzen noch heute verboten.

Aber Wildtiere bleiben wild und sind daher unberechenbar. Außerdem zeigen sie instinktiv nicht, wenn es ihnen nicht gut geht!

Ein Wildtier ist meiner Meinung und Erfahrung nach sogar sehr viel leichter einzuschätzen als z.B. ein Haushund. Wildtiere fliehen oder drohen, wenn sie sich bedrängt fühlen. Ein Hund ist jedoch so sehr an den Menschen gewöhnt, dass er aus heiterem Himmel zum Angriff übergehen kann und dabei noch freudig mit dem Schwanz wedelt. Dies geschieht in regelmäßigen Abständen und betrifft häufig Unschuldige, darunter oftmals sogar Kinder. Katzen wiederum sind Wildtieren sehr ähnlich, wenn es darum geht, eine Krankheit bis zum Ende zu verheimlichen. Auch mit diesen Argumenten gehören Hunde- und Katzenhaltung sofort verboten.

Aber die Ernährung von Reptilien wie z.B. Schlangen mit lebenden Nagetieren birgt große Tierschutzprobleme!

Wenn das Verfüttern von lebenden Tieren notwendig ist, damit ein Reptil frisst, ist dies tierschutzrechtlich unbedenklich. Außerdem stellt es eine naturnahe und somit artgerechte Ernährung gemäß § 2 TierSchG dar. Dennoch lassen sich viele Tiere an Frostfutter gewöhnen, was z.B. aufgrund der Sicherheit des Reptils vor Bissverletzungen durchaus anzuraten ist. Bei Tieren, die eine Umstellung auf Totfutter nicht akzeptieren, ist die Lebendfütterung laut aktueller Rechtssprechung sowie gemäß der Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien zulässig.


Im Vergleich dazu entspricht die von Möchtegerntierschützern immer häufiger praktizierte einseitige vegane Ersatzernährung von Raubtieren wie Hunden oder Katzen nicht dem Tierschutzgesetz. Die Tiere strafen ihre leichtfertigen Halter danach oft mit einer Futtermittelallergie und werden krank. Doch selbst die artgerechte Ernährung dieser Raubtiere mit Fleisch wird sehr oft auf Dosenfutter beschränkt. Aber kann Dosenfutter mit Fleisch aus der Massentierhaltung für hochspezialisierte Raubtiere artgerecht sein?

Aber Frostfutter ist auch nicht besser! In Zoogeschäften werden tote Mäuse und Küken verkauft, die lebendig eingefroren wurden!

Wenn dies in kleinen Zoofachgeschäften vereinzelt mal geschieht, ist dies zwar verwerflich, entspricht jedoch nicht den Praktiken der kommerziellen Futtertierzucht. Frostfutter, das von großen Ketten vermarktet wird, stammt aus kontrollierten Zuchtbetreiben, die im Rahmen des Tierschutzgesetzes agieren. Die Tötung findet vor dem Frostprozess mittels CO2-Begasung statt, was tierschutzrechtlich erlaubt ist und allein schon daran erkannt werden kann, dass die Nagetiere in Reih und Glied verpackt werden. Es ist wohl eher zu bezweifeln, dass sie sich während des Frostens noch schnell selber in eine stabile Seitenlage begeben haben:


Bei den Frostfutter-Küken handelt es sich um männliche Eintagsküken aus der konventionellen Geflügelzucht. Diese landen nicht nur als Frostfutter in den TK-Truhen der Zoofachgeschäfte, sondern auch in Hunde- und Katzenfutter. Darin findet man neben Fleisch aus der Massentierhaltung auch noch das eine oder andere „tierische Nebenerzeugnis“. In guter Qualität ist letzteres zwar sicherlich nahrhaft für die Tiere, oftmals handelt es sich jedoch lediglich um Erzeugnisse in der niedrigsten Futtermittelqualität. Die Ernährung von Hunden und Katzen ist also sehr viel schwieriger mit dem Tierschutz zu vereinbaren, wenn man nicht selber für sein Haustier das Futter zubereitet und dabei auf Produkte in Bio-Qualität zurückgreift. Das kostet dann halt etwas mehr. Ein Blick in die Tierarztpraxen voller übergewichtiger Hunde und Katzen zeigt allerdings, dass der Griff zu einer billigen Nassfutterdose aus dem Supermarkt dann doch eher praktiziert wird. Fette Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen haben eben auch fette und kranke Haustiere. Eine vegetarisch lebende Landschildkröte wäre da vielleicht die bessere Wahl, wenn das Gewissen und der Gürtel zwicken.

Aber Reptilien können Krankheiten wie z.B. Salmonellen übertragen!

Hunde und Katzen übertragen ebenso Salmonellen, zumeist nachdem sie mit rohen Geflügelprodukten gefüttert wurden. Bei Reptilien ist es nicht anders, wenn z.B. Schalen von rohen Eiern als Kalziumquelle gegeben werden. Während jedoch vor dem Kontakt mit Reptilien panisch gewarnt wird, wird es von vielen Leuten sogar noch als niedliches Zeichen der Zuneigung empfunden, wenn der Hund seinem Halter oder gar einem Kind durch das Gesicht schlabbert. Dass sich das Tier womöglich vorher seine Klöten und Rosette geschleckt hat, wird dabei häufig im Vermenschlichungswahn übersehen. Eine Ansteckung von Säugetier auf Säugetier (Hund/Katze auf Mensch) ist zudem sehr viel wahrscheinlicher als eine Ansteckung von Reptil auf Mensch. Die eigentlich selbstverständlichen Hygienemaßnahmen sollte jeder Tierhalter beachten, dann wird er auch nicht krank.

Aber Exoten bedrohen unsere heimische Artenvielfalt, wenn sie ausgesetzt werden!

Lediglich 0,02 Prozent der bekannten Reptilienarten sind als potentielle Faunenverfälscher für Deutschland bekannt. Im Gegensatz dazu stehen Haushund und Hauskatze an oberster Stelle, wenn es um Faunenverfälschung durch Heimtiere geht. Während nur alle paar Wochen mal ein „Exot“ von einem verantwortungslosen Halter ausgesetzt wird, werden täglich Tausende Hunde im Wald von der Leine gelassen und noch mehr Freigängerkatzen ohne Aufsicht in die Natur entlassen, wo sie ihren Jagdtrieb auf Kosten der heimischen Fauna ausleben können. So mancher Katzenhalter hat sogar vorgesorgt und einen Knüppel daheim, um die von seiner Muschi angeschleppte Ekeltiere in die ewigen Jagdgründe zu befördert. Manche Katzenforen machen sogar einen sportlichen Wettkampf daraus, was so alles von den Freigängen an Tierleichen oder halbtoten Jagdopfern angeschleppt wird (kotz, würg). Es lebe der Tierschutz!

Aber es werden ständig Leute von gefährlichen Tieren wie Giftschlangen verletzt!

Bisher wurde noch kein einziger unbeteiligter Mensch in Deutschland von einem Terrarientier ernsthaft verletzt oder gar getötet. Dem gegenüber stehen jährlich mehrere Dutzend unschuldige Opfer von Hundeangriffen. Freigängerkatzen oder entlaufene Pferde verursachen jährlich zig schwere Verkehrsunfälle mit hohen Sach- und Personenschäden. Dass es mehr Hunde und Katzen als Giftschlangen und Skorpione gibt, ist kein Argument, denn gerade deswegen sollte man die Hunde- und Katzenhaltung zuerst strenger reglementieren. Doch da ist die Lobby natürlich zu groß. Bei Giftschlangen und anderen potentiell gefährlichen Tieren aus der Terraristik waren bislang immer nur die direkten Halter bei Unfällen betroffen. Laut Anfragen in den Giftnotrufzentralen wurde dabei deutlich, dass jährlich ca. 0,075 Prozent der Gifttierhalter von ihren Tieren gebissen bzw. gestochen werden. Die überragende Mehrheit von 99,925 Prozent hält diese Tiere also vollkommen sicher (und dies zum Teil in Bundesländern, die keinerlei gesetzliche Regelung für die Haltung von Gifttieren haben). Von einer solchen Quote können die Halter von klassischen Heimtieren nur träumen.

Es gibt somit kein stichhaltiges Argument gegen die Haltung von exotischen Wildtieren in Privathand! Falls ihr doch noch eines auf Lager haben solltet, hinterlasst gerne euer gefährliches Halbwissen über die „Exotenhaltung“ in Form eines unqualifizierten Kommentars unter diesem Artikel. Vielen Dank!

Dienstag, 21. April 2015

Neuigkeiten zum Entwurf eines Gefahrtiergesetzes in Nordrhein-Westfalen

Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis)
Aus internen Quellen wurden mir ein paar Neuigkeiten zum geplanten Gefahrtiergesetz NRW zugetragen. Die Verbändeanhörung mit diversen fundierten Stellungnahmen hat an den kritischen Punkten des Entwurfs wohl leider wenig rütteln können. Der Druck seitens des Umweltministeriums war am Ende dann doch zu hoch. Der Lobbyismus der Tierschutz- und Tierrechtsvereine hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, obwohl deren Stellungnahme bei genauerer Betrachtung eher gegen Verbote sprach als dafür. Ein paar Änderungen sollen aber dennoch bei der Erstellung eines neuen Entwurfs umgesetzt werden:

1. Für manche der im ersten Entwurf unter Komplettverbot stehenden Arten soll es nun doch die Möglichkeit einer Haltungs- und Zuchtbewilligung geben. Dies allerdings nur in wenigen Ausnahmefällen, wenn ein „berechtigtes Interesse“ für die Haltung besteht. Also im Prinzip dieselbe Regelung wie in Hessen und Bayern. Das Grundrecht auf freie Persönlichkeitsentfaltung wird dabei jedoch mit bloßer Liebhaberei gleichgesetzt und nicht als berechtigtes Interesse anerkannt. In was für einem „Sozialstaat“ leben wir eigentlich, wenn Grundrechte keine Berechtigung mehr haben? Das Grundrecht der Allgemeinheit auf körperliche Unversehrtheit wird höhergestellt als die Grundrechte des Einzelnen, was durchaus nachvollziehbar, jedoch nur dann gerechtfertigt ist, wenn der berechtigte Verdacht besteht, dass von der Grundrechtsausübung der Einzelperson eine Gefahr für Dritte ausgeht. Dies ist nachweislich bei der fachkundigen Haltung von potentiell gefährlichen Tieren nicht der Fall, weswegen derart drastische Einschränkungen gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip verstoßen.
Die Haltung zu wissenschaftlichen Zwecken oder für den (wissenschaftlich koordinierten) Arterhalt gilt hingegen als „berechtigtes Interesse“ im Sinne des Gefahrtiergesetzes. Ein solches Anliegen als Privathalter bei den Behörden durchzusetzen, ist jedoch nahezu unmöglich. Und genau das ist ja auch das Ziel dieses „Zugeständnisses“! Man will den Anteil an potentiell gefährlichen Tieren in NRW so klein wie möglich halten. Das Werkzeug des „berechtigten Interesses“ ist dafür sehr praktisch, weil man damit zwar irgendwie auf die Sachargumente der Fachverbände und Halter eingeht, eine Privathaltung jedoch trotzdem nahezu unmöglich macht.

2. Aquatile Arten sollen aus den Gefahrtierlisten gestrichen werden, weil nun doch eingesehen wurde, dass von diesen Tieren keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, welche über bereits strafbewehrte Handlungen seitens der Besitzer hinausgeht. Ob dies auch für die im Entwurf genannten Pfeilgiftfrösche gelten wird, die nur durch mutwilligen Missbrauch eine Gefahr darstellen, wäre zwar wünschenswert, wage ich jedoch zu bezweifeln.

3. Es werden noch weitere Arten in die Gefahrtierlisten aufgenommen, die bisher keine Beachtung gefunden haben. Welche Arten dies sein werden und auf welcher der beiden Listen sie jeweils aufgeführt werden sollen, steht allerdings noch nicht fest. Dass es sich dabei um Hund, Katze und Pferd handelt, die in Anbetracht der regelmäßigen Unfälle durchaus als „Gefahrtiere“ zu bewerten sind, ist wohl aber vollkommen ausgeschlossen. Sehr wahrscheinlich wird der Schwerpunkt dieser Neuzugänge erneut deutlich auf der Vivaristik liegen.

Fazit:
An diesen Überlegungen, die bisher jedoch noch nicht schriftlich von den GRÜNEN veröffentlicht wurden (und daher von mir auch keine Gewähr übernommen wird), erkennt man, dass geballter Sachverstand gegen den auf emotionalen Lobbyismus beruhenden Populismus kaum ankommen kann. Bereits in den Kommentaren auf der Website der GRÜNEN/NRW zu ihrem Artikel „Wenn Haustiere gefährlich werden“ wurde für mich deutlich, dass es den Entscheidungsträgern innerhalb dieser Partei definitiv nicht um die Gefahrenabwehr, sondern um Bauernfängerei geht: „Es werden nun einmal mehr Hunde und Katzen gehalten als Skorpione oder Schlangen.“

Im Kern bleibt das geplante Gefahrtiergesetz trotz dieser „Zugeständnisse“ ein grundrechtsverletzendes und auf emotionaler Panikmache ohne fundierten Hintergrund beruhendes Pamphlet, welches noch dazu im falschen Ministerium ausgearbeitet wurde!

Derzeit wird also an einem zweiten Entwurf geschraubt, der anschließend (voraussichtlich noch vor der diesjährigen Sommerpause) im Landtag zur Abstimmung kommen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die dortigen Abgeordneten ihre Haltung bewahren und damit unsere (Gefahrtier-)Haltung bewahren. Die grandiose Stellungnahme des unabhängigen Landkreistages sollte den Abgeordneten eigentlich schon ausreichend zu denken geben. Leider ist mir natürlich bewusst, dass integrere Politiker wahre „Exoten“ sind, die zu einer bedrohten Spezies gehören.

Freitag, 17. April 2015

Geschmuggelte Schmuck-Grüngeckos kehren in Heimat zurück

Eine freudige Nachricht gab gestern das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in einer Pressemeldung bekannt: Zwei illegal von skrupellosen Tierfängern geschmuggelte Schmuck-Grüngeckos (Naultinus gemmeus) haben nach zwei Jahren endlich ihre Reise zurück in ihre Heimat Neuseeland angetreten.

Die beiden besonders geschützten Tiere wurden illegal in Neuseeland gefangen und nach Deutschland geschmuggelt. Hier landeten sie bei einem 45-jährigen Privathalter aus Stadthagen (Niedersachsen). Als dieser die Tiere im Dezember 2013 im Internet verkaufen wollte, konnte eines der Tiere dank einer wissenschaftlichen Fotodokumentation in einer neuseeländischen Datenbank identifiziert werden. Beide Geckos wurden daraufhin beschlagnahmt und vorläufig im Kölner Zoo untergebracht. Der unermüdlichen Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den neuseeländischen Behörden sowie dem Kölner Zoo ist es zu verdanken, dass die Tiere nun nach ihrer Winterruhe ihre Heimreise antreten konnten, um in Neuseeland nach einer Quarantäne wieder ausgewildert zu werden. Das Weibchen ist laut Berichten der Aachener Zeitung sogar trächtig.

Die Gattung Naultinus wurde Mitte 2013 in den CITES Anhang II aufgenommen. Seit 2003 waren sie nur in Neuseeland geschützt (WA III) und durften nicht exportiert werden, in der EU konnten sie bis 2013 aber weiterhin frei gehandelt werden. Seit 2013 ist der Handel mit Nachzuchten innerhalb der EU, die es von dieser Art durchaus gibt und die im Gegensatz zu den in der Pressemeldung genannten 7.000 Euro einen realistischen Marktwert zwischen 300 und 700 Euro (pro Einzeltier) haben, weiterhin erlaubt. Rahmenbedingungen dafür sind jedoch entsprechende Herkunftsnachweise sowie eine Meldepflicht bei der zuständigen Naturschutzbehörde. Diese Tiere sind wieder einmal der Beweis dafür, dass die bestehenden Artenschutzwerkzeuge ausreichen, um den Handel zu reglementieren. Generelle Import- und Haltungsverbote hätten in diesem konkreten Fall nämlich sicherlich das Gegenteil bewirkt: Der Halter hätte die Tiere mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht öffentlich im Internet inseriert, sondern einfach in dunkle Kanäle verkauft. Handels- oder gar Haltungsverbote hätten die Rückkehr der Tiere somit verhindert, was aufzeigt, dass ein freier Handel unter gewissen Rahmenbedingungen die bessere Lösung ist als strikte Verbote!

Das Ergebnis ist natürlich ein schönes „Happy End“ für die beiden Geckos. Illegalem Wildtierhandel und Schmuggel muss auch in Zukunft mit aller Härte begegnet werden. Dafür sollten z.B. die Kontrollen an den Flughäfen verschärft werden. Engagierte Terrarianer aus gut organisierten Vereinen können dafür beispielsweise ihr Fachwissen weitergeben. Auch der Anteil von auf artenschutzrechtlich relevante Souvenirs geschulten Spürhunden könnte an den Flughäfen ausgebaut werden. Bereits 2012 wurde ein Deutscher in Neuseeland zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er Grüngeckos schmuggeln wollte. Derartige Einzelfälle werfen leider ein schlechtes Licht auf die gesamte Terraristik. Engagierte Züchter, die ihre Nachzuchten vollkommen legal weitergeben, stehen aufgrund solcher Vorfälle immer wieder unter dem Generalverdacht, sie würden illegal mit geschützten Wildtieren handeln. Die Situation wird sogar noch dadurch pointiert, dass mir ein Fall bekannt ist, bei dem nachgezüchtete Grüngeckos aus einer privaten Terrarienanlage gestohlen wurden. Der oder die Einbrecher wusste/n, dass diese Tiere einen gewissen Wert haben und raubten einen bei den Behörden gemeldeten Privatbestand aus! Hinter beiden Einzelfällen stecken skrupellose und von kriminellen Energien getriebene Räuber, von denen wir uns als verantwortungsbewusste Terrarianer deutlich distanzieren müssen. 

Dienstag, 14. April 2015

GfK-Umfrage zum Thema „Wildtierschutz“

Im November 2014 veröffentlichte die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema „Wildtierschutz“, welche von der GfK SE (Gesellschaft für Konsumforschung), laut Wikipedia derzeit Deutschlands größtes Marktforschungsinstitut, durchgeführt wurde. Befragt wurden in einem Zeitraum von einer Woche (17.10. bis 24.10.2014) insgesamt 1.000 Männer und Frauen in einem Alter von über 14 Jahren, ein repräsentativer Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung. Auftraggeber der Umfrage war PETA Deutschland selbst, weswegen viele Terrarianer die Ergebnisse als unwichtig abtaten… „PETA mal wieder.“ Für mich sind die Ergebnisse jedoch keine Banalität, da es sich um eine repräsentative Meinungsforschung einer unabhängigen Institution handelt und ausnahmsweise mal nicht um dubiose Zahlen aus eigenen „Studien“, mit denen PETA sonst gerne arbeitet (z.B. zur Transportmortalität beim Wildtierimport). Deswegen sollten wir Wildtierhalter die Ergebnisse mit der nötigen Aufmerksamkeit beachten.

Den Teilnehmern der Umfrage wurden zwei Fragen nach der folgenden Einleitung gestellt:
Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Wildtierschutz zu verbessern: Der Handel mit exotischen Tieren und Wildtieren sowie die private Haltung von exotischen Tieren und Wildtieren soll bundeseinheitlich geregelt werden.
Frage Nr. 1:
Die Bundesregierung plant dafür ein Verbot für die Einfuhr von in der Natur gefangenen, exotischen Wildtieren, sogenannten Wildfängen, um den Schutz dieser Tiere zu verbessern. Halten sie eine solche Maßnahme für richtig oder nicht richtig?
95,5 Prozent aller Befragten halten die geplanten Importverbote für richtig, 3,2 Prozent für nicht richtig und 1,3 Prozent hatten dazu keine Meinung oder wollten keine Angabe machen. 


Dabei gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Bei den Altersgruppen finden sich die wenigsten Befürworter für Importverbote in der Altersklasse zwischen 20 bis 29 Jahren (92,5 Prozent), die meisten in einem Alter zwischen 40 und 49 Jahren (98,1 Prozent). Bei der schulischen Bildung und dem Berufsstand gibt es ebenfalls kaum Unterschiede. In den einzelnen Bundesländern liegt die Spanne der Befürworter eines Wildtierimportverbotes zwischen 88,6 Prozent (Schleswig-Holstein) und 100,0 Prozent (Rheinland-Pfalz / Saarland und Thüringen).

Es bleibt also festzuhalten, dass sich die deutliche Mehrheit der Befragten für ein Verbot von importierten Wildfängen ausspricht. Den Fragestellern muss man zugutehalten, dass sie in der Fragenformulierung deutlich von „aus der Natur entnommenen Wildtieren“ sprechen. Oftmals werden diese Wildfänge gerne mit jeder Art von Wildtierimport in den Publikationen der Tierrechtsszene gleichgesetzt. Dies war bei der Umfrage ausnahmsweise mal nicht der Fall.

Die Meinung zum Thema „Wildfänge“ ist selbst bei den Wildtierhaltern kontrovers. Der Großteil der Terrarianer in meinem Bekanntenkreis sieht Wildfänge selber kritisch (und vergisst dabei, dass auch die Nachzuchtpopulationen von Bartagame, Kornnatter & Co. seinerzeit auf aus der Natur entnommenen Exemplaren beruhen). Da Wildfänge einerseits oftmals mit Parasiten belastet sowie vom Transport häufig sehr geschwächt sind und andererseits Naturentnahmen grundsätzlich sehr emotional bewertet werden, sind Wildfänge selbst in Halterkreisen regelrecht verpönt. Nur wenige Leute befassen sich wirklich mal intensiv mit diesem Thema und hinterfragen die Behauptungen, die dazu veröffentlicht werden, beispielsweise über die Transportmortalität oder den tatsächlichen Anteil an Wildfängen auf dem Heimtiermarkt. Wie ich schon häufig mit öffentlich zugänglichen Zahlen von vertrauenswürdigen Quellen wie dem Bundesamt für Naturschutz darstellen konnte, ist der Anteil an Wildfängen auf dem für die Terraristik relevanten Heimtiermarkt äußerst niedrig (ca. 8 Prozent) und befindet sich seit mehreren Jahren im Rückgang, weil die Nachzucht immer häufiger auch bei Arten gelingt, die vor einiger Zeit noch als besonders heikel galten (weitere Informationen siehe Vertriebswege in der „Exotenhaltung“).

Dennoch spielen Wildfänge gerade bei der Auffrischung des Genpools zur Verhinderung von Inzuchtdepressionen eine wichtige Rolle. Dafür sollten Einfuhren auch weiterhin möglich sein. Bei den meisten Arten sind die Naturentnahmen für die Bestände außerdem weit weniger problematisch als z.B. die Lebensraumzerstörung vor Ort. Nach Importverboten wird der Anteil an zerstörten Lebensräumen noch weiter steigen, weil die Wildfänge für die Bevölkerungen in den Herkunftsländern danach ihren Wert verloren hätten (siehe „Wir müssen doch den Regenwald bewahren“ (Cartoon)). Nicht wenige Wildfänge, die für den Heimtiermarkt nach Deutschland importiert werden, sind auch einfach nur ein kleiner Ausschuss an Tieren, von denen der Rest im Kochtopf landet. Gleiches gilt für viele Farmzuchten. Die Tiere werden in den Herkunftsländern gejagt oder auf Farmen gezüchtet, um sie zu verspeisen oder ihnen für die Luxusindustrie die Haut abzuziehen. Dem kleinen Anteil an Importen wird somit ein oftmals brutales Lebensende erspart. Somit sind einige Wildtierimporte irgendwie doch auch ein Akt der Tierbefreiung, die PETA z.B. bei Pelztieren befürwortet.

Wäre dem Großteil der Bevölkerung dies bewusst, sehe das Meinungsbild gewiss anders aus. Leider wird die Bevölkerung von Vereinen wie PETA nicht sachlich aufgeklärt, sondern seit Jahren mit falsch ausgelegten Studien und Medienpropaganda beeinflusst. Daher wundert mich diese „überwältigende Mehrheit“ an Gegnern von Wildtierimporten nicht. Dass Importverbote die richtige Lösung sind, beweisen die Ergebnisse der GfK-Umfrage allerdings keinesfalls! Sie zeigen nur, dass Populismus zu diesem Thema ganz gut funktioniert, denn einerseits fehlt es den meisten Bürgern an Sachkenntnis zum Thema „Wildtierschutz“ und andererseits hat trotzdem jeder eine Meinung zu diesem emotionalen Thema. Diese Mischung macht es so leicht, die Meinung für den eigenen finanziellen Vorteil (Spendengelder bzw. Parteienfinanzierung durch abgegebene Wählerstimmen) zu manipulieren. Mit ähnlich perfiden Methoden kamen schon totalitäre Regimes an die Macht und schürten den Hass gegen Juden, Homosexuelle, Farbige und andere „Exoten“.

Wildtierimportverbote dürften aber dennoch in weiter Ferne liegen, weil eine solche Regelung, würde Deutschland sein eigenes Süppchen daraus kochen, gegen EU-Richtlinien verstieße. Nicht die Bundesregierung kann Wildtierimporte verbieten, sondern lediglich das Europäische Parlament. Darin ist Deutschland zwar ebenfalls Mitglied und könnte entsprechende Forderungen einbringen, jedoch wird es meiner Einschätzung nach mittelfristig nicht dazu kommen. In der EU hat jedes Mitgliedsland lediglich eine Stimme (unabhängig von der Anzahl der Abgeordneten im EU-Parlament). Dass sich eine Mehrheit der Länder für Wildtierimportverbote ausspricht, halte ich für eher zweifelhaft. Ute Vogt von der SPD stellte übrigens auch immer wieder dar, dass von „grundsätzlichen“ Importverboten die Rede sei und dass das Wort „grundsätzlich“ immer auch Ausnahmen ermögliche. 

Frage Nr. 2:
Des Weiteren will die Bundesregierung dafür gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere, sogenannte Reptilienbörsen, untersagen. Ist eine solche Maßnahme Ihrer Meinung nach richtig oder nicht richtig?
89,1 Prozent aller Befragten halten die im Koalitionsvertrag verankerten Verbote von gewerblichen Tierbörsen für richtig, 7,7 Prozent für nicht richtig und 3,3 Prozent hatten dazu keine Meinung oder wollten keine Angabe machen (= 100,1 Prozent?). 


Frauen sind dabei die geringfügig stärkeren Börsengegner (2,7 Prozent mehr als Männer). Die wenigsten Befürworter eines solchen Verbotes befinden sich in der Altersklasse zwischen 14 und 19 Jahren (75,3 Prozent). Prinzipiell ist der Trend erkennbar, dass Börsenverbote immer stärker befürworten werden, je älter die Befragten sind (93,7 Prozent in der Generation 70+). Übertragen auf die Wahlbeteiligung lässt dies befürchten, dass alteingesessene Stammwähler eher mal eine populistische Partei wählen, während die meisten Börsenbefürworter eher bei den jugendlichen Nichtwählern zu finden sind. Eine weitere Gruppe, die den Anteil in Richtung „nicht richtig“ drückt, sind die Befragten mit einem abgeschlossenen Abitur, Studium oder Hochschulabschluss: 85,6 Prozent befürworten Börsenverbote, was ca. 5 Prozent weniger sind als bei den anderen Schulbildungen (je mehr Bildung, desto weniger Börsengegner?). Der berufliche Hintergrund macht wiederum keinen signifikanten Unterschied bei der Meinung zu Tierbörsen. Im Vergleich der Bundesländer liegt Thüringen mit einem Anteil von 82,6 Prozent an Börsengegnern unter dem Durchschnitt. In Nordrhein-Westfalen, dem „Mekka der Reptilienbörsen“, findet man die meisten Befragten, die sich deutlich gegen Börsenverbote positionieren (11,4 Prozent). NRW hat somit einen Anteil von 86,3 Prozent an Börsengegnern und liegt damit gleichauf mit Niedersachsen. Spitzenreiter der Börsengegnerländer sind Hessen (93,9 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (95,3 Prozent).

Auch bei dieser Frage fällt auf, dass sich die Mehrheit der Befragten für ein Verbot von gewerblichen Tierbörsen ausspricht. Mich hätte in diesem Zusammenhang die Antwort auf die Frage „Haben Sie selbst bereits eine gewerbliche Tierbörse besucht?“ interessiert. Denn immer wieder bekomme ich mit, dass sich Leute kritisch zu Tierbörsen äußern, die selbst eine solche noch nie in ihrem Leben selber besucht haben. Dass die Tierrechtsvereine jedoch sehr einseitig über solche Börsen berichten und teilweise sogar Lügen verbreiten (z.B. Fotos von Transportkisten veröffentlichen und behaupten, dass aus solchen „Wühlkisten“ der Verkauf stattfände), ist bekannt. Wer jedoch selber noch nie eine solche Börse besucht hat, sollte zumindest so ehrlich sein und keine Meinung dazu vertreten. Bei sehr vielen politischen Fragestellungen ist das in der Regel auch so, nur nicht beim emotional aufgeladenen Thema „Tierschutz“.

Fakt ist, dass gewerbliche Tierbörsen in aller Regel von den Behörden kontrolliert werden und zu den Rahmenbedingungen abgehalten werden, die als tierschutzgerecht festgelegt worden sind. Ab und zu stelle ich selbst Missstände auf solchen Börsen fest, die ich auch gar nicht leugnen will, aber diese rechtfertigen aus meiner Sicht keine Verbote, sondern lediglich schärfere Kontrollen (nach denen in der GfK-Umfrage leider nicht gefragt wurde). Verbotsforderungen verurteile ich schon alleine aus dem Grund, weil die Tierrechtszene dafür mit manipulierten Aufnahmen und falschen Zahlen arbeitet! Mehr Kontrollen, strengere Auflagen für gewerbliche Anbieter, mehr Wertschätzung von Privatzüchtern und gerne auch Verbote von Reptilienbörsen im Winter wären Dinge, die ich sogar unterstützen würde. Auf Emotionen und Lügen basierende Komplettverbote sind jedoch inakzeptabel!

Fazit: 
Die Ergebnisse der GfK-Umfrage sind auch für uns Tierhalter nicht uninteressant, um mal die Meinung in der deutschen Bevölkerung zu erkennen. Für sachliche Aufklärung mit fundierten Zahlen ist offensichtlich noch sehr viel an Arbeit notwendig. Leider sind „wir“ wohl auch zu spät aufgewacht, als sich die Tierrechtssyndikate immer mehr aufbäumten. Wichtig ist natürlich, dass unsere Seite den Kontakt zu den politischen Entscheidungsträgern nicht verliert. Unsere Fachverbände (DGHT, VDA, BNA etc.) sind diesbezüglich gut aufgestellt und leisten auf Symposien und Podiumsdiskussionen auch eine sehr gute Arbeit. Auch der WWF geht bisher sachlich und kompetent mit dem Thema um. Doch für ebenso wichtig halte ich die Aufklärung der Bürger. Leider scheinen die Fachverbände an dieser Baustelle weiterhin zu schlafen. Börsenauftritte schön und gut, aber ich will Stände in den Fußgängerzonen sehen, die sachlich fundierte Infomaterialien über die positiven Aspekte der Terraristik verteilen und mit der Lügenpropaganda seitens der Tofu-Fraktion aufräumen!

Als eine der größten Gefahren für unser Hobby sehe ich derzeit nicht die im Koalitionsvertrag verankerten Wildtierimportverbote, da diese von unserer Bundesregierung gar nicht im Alleingang umgesetzt werden können. Trotzdem sollten wir hier natürlich am Ball bleiben und weiterhin sachliche Argumente und valide Zahlen liefern. Auch die Börsenverbote gilt es zwar zu verhindern, sie wären aber auch nicht das Ende der organisierten Terraristik. Nachzuchten würde stattdessen vermehrt über das Internet (z.B. mit Kleintieranzeigen oder in den sozialen Netzwerken) oder in den Vereinen gehandelt bzw. getauscht. Ein sehr viel größeres Risiko sehe ich aktuell bei den sogenannten „Positivlisten“, die in der GfK-Umfrage keine Erwähnung fanden. Derzeit dreht sich dabei alles um die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren, wird aber bald auch andere Halter treffen. Das Modell der Positivlisten hat sich insbesondere der Deutsche Tierschutzbund auf die Fahne geschrieben. Und dieser Verein steht in der Öffentlichkeit sehr viel seriöser da als die Tierrechtsorganisation PETA, was ihm eine sehr viel stärkere Rückendeckung beschert. Die radikale Organisation PETA ist bei der ganzen Gefahrtierhaltungsdiskussion mehr so eine Art gereizter Appendix, die sich zwar den Verbotsforderungen für eine Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren anschließt, deren Forderung eines vollständigen „Exotenverbotes“ wohl aber so schnell nicht zum Durchbruch kommen wird.

Mittwoch, 8. April 2015

Nach Giftschlangenbiss: Soll die Krankenkasse zahlen?

Nach nunmehr vierzehn Wochen passierte es am vergangenen Karfreitag erstmalig in diesem Jahr: Ein 48-jähriger Giftschlangenhalter aus Extertal wurde von einer seiner Schlangen gebissen. Laut Medienberichten geschah dies, als er einer jungen Gabunviper bei der Häutung helfen wollte. Dem Tier gelang es dabei, seinen Kopf freizubekommen und mit einem Giftzahn den Finger des Halters zu treffen. Laut Aussage des zuständigen Dienstgruppenleiters wurde von der Feuerwehr (nach Recherchen im Internet und Rücksprache mit einem Schlangenexperten der Bielefelder Feuerwehr sowie der Giftnotrufzentrale Berlin) ein Antiserum beschafft. Das Bissopfer wurde per Rettungshubschrauber in ein Bielefelder Klinikum geflogen und sechs Ampullen des Antiserums, wovon eine Ampulle bereits mehrere tausend Euro kosten soll, ebenfalls per Helikopter aus dem Wuppertaler Zoo in besagtes Klinikum transportiert. Das Antiserum wurde allerdings nicht verabreicht, weil sich der Zustand des Bissopfers stabilisierte und das Risiko einer Überdosierung des potentiell ebenfalls tödlichen Antiserums vermieden werden sollte. Dennoch sind alle sechs Ampullen nun unbrauchbar geworden. Laut Medienberichten wird das Bissopfer aufgrund der gewebezersetzenden Wirkung des Schlangengiftes womöglich seinen Finger verlieren.

Die entstandenen Kosten dieses spektakulären Rettungseinsatzes sind also nicht unerheblich. Laut Stefan Hartmann-Paulsen von der Rettungsleitstelle Lippe werden die entstandenen Einsatzkosten auf jeden Fall in Rechnung gestellt. Womöglich springt die Krankenkasse des Halters ein und zahlt die Kosten. Andernfalls wird die Feuerwehr in logischer Konsequenz den Betrag dem Bissopfer in Rechnung stellen. Die in den Medien zitierten Experten glauben, dass der Schlangenhalter beim Umgang mit seiner Gabunviper grob fahrlässig gehandelt habe, weil er auf Schutzkleidung wie Handschuhe verzichtete. Ich nehme mir nicht heraus, konkret über diesen Einzelfall zu urteilen, kann jedoch aus eigener Erfahrung im Umgang mit (harmlosen) Schlangen sagen, dass Häutungshilfe mit groben Handschuhen oder anderen Werkzeugen in bestimmten Situationen schwierig ist und das Tier dabei womöglich auch Schaden nehmen könnte. Ein sicherer Griff, gerade bei kleineren Jungtieren, ist mit bloßen Händen oftmals besser möglich als mit dicken Handschuhen (bei Giftschlangen sollte der Kopf immer mit einem Werkzeug wie z.B. einem Schlangenhaken oder durch einen sicheren Griff fixiert werden!). Außerdem können Gabunvipern mit ihren langen Giftzähnen so manchen Handschuh durchdringen, weswegen Schutzkleidung womöglich eine Sicherheit vorgaukelt, die gar nicht vorhanden ist. Es bleibt aus meiner Sicht also immer eine Abwägungssache zwischen Schutzmaßnahmen und durchaus gefährlicher Einschränkung des Handlings.

Um den konkreten Fall soll es aber hier eigentlich gar nicht gehen, sondern primär um die Frage nach der Kostenübernahme bei solchen Vorfällen. Unfälle können auch bei größter Vorsicht passieren. Ich arbeite z.B. hauptberuflich als Chemielaborant in einem Untersuchungs- und Forschungsinstitut. Regelmäßig werden die vorhandenen Arbeitssicherheitsmaßnahmen durch die Berufsgenossenschaft überprüft. Trotzdem passieren im Laborbetrieb ab und zu mal Unfälle, denn wir sind alles Menschen und Menschen können auch mal unachtsam sein. Wäre dies anders, wären wir Maschinen. Die Kommunen haben bekanntlich immer häufiger finanzielle Probleme und somit wird auch immer häufiger versucht, den Verursachern von Unfällen die Einsatzkosten in Rechnung zu stellen. Dies bestätigt auch der Rechtsanwalt Dr. Martin Montag vom Deutschen Anwaltverein e.V. (DAV).

Ganz besonders interessant wird es aber erst, wenn man sich die Kommentare unter den Medienberichten durchliest: Der Grundtenor besagt sinngemäß, dass „wegen der Blödheit eines solchen Typen nicht die Allgemeinheit belastet werden darf! Warum muss man überhaupt solche Tiere halten?“. Die meisten Kommentatoren hoffen, dass die Krankenkasse die Kostenübernahme verweigert und das Bissopfer die Einsatzkosten aus eigener Tasche bezahlen muss. Auch Forderungen nach Haltungsverboten werden wieder laut. Zumindest sind derartige Kommentare besonders häufig und bekommen sehr viel Zuspruch in Form von „Daumen-hoch-Stimmen“.

Vergleicht man diese Aussagen mit den Kommentaren unter den Berichterstattungen zu einem anderen Vorfall aus dem Jahr 2012, welcher vergangenes Jahr vor Gericht verhandelt wurde, wundert man sich schon ein wenig: Damals stellte die Berliner Feuerwehr einer 46-jährigen Hundehalterin die Kosten für einen Rettungseinsatz in Höhe von 13.146 Euro in Rechnung, bei dem der Terrier der Halterin aus einem Dachsbau ausgegraben werden musste. Vor Gericht einigte man sich schließlich auf eine Kostenübernahme in Höhe von 10.000 Euro, wovon 50 Prozent von der Haftpflichtversicherung der Halterin übernommen wurden. Viele Leserstimmen beklagten damals sinngemäß, „warum man überhaupt Steuern zahlen muss, wenn die Behörden am Ende doch alles in Rechnung stellen“. Schließlich sei ein hilfloser Hund in Gefahr gewesen. Der Einsatz mit 23 Feuerwehrleuten und 5 Einsatzfahrzeugen wurde von den Kommentatoren als unverhältnismäßig bezeichnet – ja sogar als Schildbürgerstreich und als Feuern mit Kanonen auf Spatzen. Man solidarisierte sich mit der Betroffenen.

Zwar geht es im ersten Fall um die Notfallbehandlung eines Menschen (Krankenversicherung) und im anderen Fall um eine Tierrettung (Haftpflichtversicherung), aber der Sachverhalt ist in beiden Situationen trotzdem gleich: Vorfall mit einem Tier, aufgrund von Unachtsamkeit. Wenn Krankenversicherte von ihren Pferden fallen oder von ihren Hunden gebissen werden, was täglich passiert, sind die Stimmen, die eine Kostenübernahme durch die verantwortlichen Halter fordern, vergleichsweise leise (Haltungsverbote kommen dabei überhaupt nicht zur Sprache). Sobald jedoch ein sogenannter „Exotenhalter“ von einem seiner sogenannten „Gefahrtiere“ verletzt wird, was äußerst selten vorkommt, sieht die Sache wieder vollkommen anders aus. Plötzlich wird der Begriff „Allgemeinheit“ hochgehalten und dass diese bloß nicht mit den Kosten belastet werden dürfe. Das Schlangenbissopfer aus Extertal ist aber ebenfalls ein Teil der sogenannten „Allgemeinheit“! Wir „Exotenhalter“ zahlen natürlich auch Steuern und Krankenkassenbeiträge und finanzieren somit anteilig die Einsatz- und Behandlungskosten, wenn andere Tierhalter fahrlässig handeln und dadurch Unfälle provozieren. Schließlich muss man heutzutage auch keine Hunde, Pferde oder Katzen halten. Man sollte es aber dürfen, ebenso wie z.B. Giftschlangen! Die Kostenübernahme nach Unfällen, die bei jeder Art von Freizeitbeschäftigung passieren können (Fahrradfahren ohne Helm ist praktisch ebenso grob fahrlässig, gehört aber zum typischen Stadtbild), ist ein Zeichen für gesellschaftliche Solidarität, eine Grundsäule unseres Sozialstaates. Wenn man diese Solidarität einer Randgruppe von Tierhaltern verwehrt, nur weil man persönliche Animositäten gegenüber ihrer Freizeitbeschäftigung hat, spaltet man damit das Volk. Das ist nicht nur diskriminierend, sondern der direkte Weg in die gesellschaftliche Entsolidarisierung und steht der Grundlage unserer Verfassungsordnung somit diametral gegenüber. Das Gedankengut, welches eine Kostenübernahme durch das Bissopfer fordert, fördert die Abschaffung unseres Sozialstaates. Aus meiner Sicht haben diese Kommentatoren ihren Status als Teil der sogenannten „Allgemeinheit“ damit verspielt. Solidarität existiert in unserer Gesellschaft wohl nur noch für die eigenen Kreise und somit aus Eigennutz und nicht mehr für Randgruppen, mit denen man sich nicht identifizieren kann. Aber wenn sich in einer Gesellschaft jeder selbst der Nächste ist, gibt es praktisch gar keine Gesellschaft mehr!

Fazit:
Soll die Krankenkasse die Kosten für Rettungskräfte und Notfallbehandlung des gebissenen Giftschlangenhalters bezahlen? Aber selbstverständlich, denn dafür ist sie schließlich da! Die Kosten, welche über die Notfallbehandlung hinausgehen (z.B. Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Fingeramputation), sollten hingegen nicht von der Krankenkasse, sondern von einer evtl. vorhandenen privaten Arbeitsunfähigkeitsversicherung gezahlt werden, eine Versicherung, die ich (neben einer entsprechenden Haftpflichtversicherung) jedem Halter von potentiell gefährlichen Tieren (inkl. Hund, Katze, Pferd... !) ans Herz lege. Soviel Weitsicht erwarte ich dann doch von Haltern solcher Tiere.

Im konkreten Fall rate ich dem Bissopfer, sollte die Krankenkasse die Kostenübernahme für den Notfalleinsatz verweigern, einen Anwalt zu konsultieren und ggf. vor Gericht darzustellen, warum kein grob fahrlässiges Verhalten vorlag.

Als Endbemerkung soll noch erwähnt werden, dass das Gift der Gabunviper zwar für den Menschen potentiell tödlich ist, bisher jedoch keine Todesfälle als Folge eines Gabunviperbisses dokumentiert wurden, nicht einmal in West- und Zentralafrika, wo diese Art heimisch ist! Dies zum „tödlichen Monster“, welches die Medien postulieren. Pferde, Hunde und Katzen haben gemäß der von mir in diesem Jahr bereits dokumentierten Medienberichte bundesweit schon mehrere Dutzend größtenteils unschuldige Menschen verletzt (133 Stück) oder sogar getötet (4 Stück), zum Teil verbunden mit enorm hohen Sachschäden (insgesamt ca. 430.000 Euro, Einsatzkosten nicht einmal mit eingerechnet).

Dienstag, 7. April 2015

Erfolg: Rheinische Post ändert Schlagzeile

Am 1. Dezember 2014 veröffentlichte die Rheinische Post einen Artikel mit der Schlagzeile „Feuerwehr stellt 30 Giftschlangen in Düsseldorfer Wohnung sicher“. Ich beleuchtete den Vorfall hier im Blog und machte dabei deutlich, dass lediglich 5 Giftschlangen in besagter Wohnung gefunden wurden, was zwar im Artikel auch so nachzulesen war, die Schlagzeile jedoch einen falschen Eindruck vermittelte. Dieser Artikel war ein Paradebeispiel dafür, wie die Medien Vorfälle mit potentiell gefährlichen „Exoten“ aufbauschen – ganz egal, ob dabei überhaupt Personen in unmittelbarer Gefahr waren oder nicht.

Wie ich schon damals betonte, ist es grundsätzlich egal, ob im konkreten Fall 30 oder 5 Giftschlangen gefunden wurden. Für mich ist die Anzahl an Tieren nicht entscheidend, sondern nur, dass jedes davon artgerecht und sicher untergebracht ist. Und von den Gegnern der sogenannten „Gefahrtierhaltung“ würde selbst ein Vorfall mit nur einer Giftschlange missbraucht, um die Bevölkerung für Verbotsforderungen einzuspannen. Aber dieser Umstand bedeutet trotzdem nicht, dass man der Lügenpresse Wahrheitspresse mit Pseudologiehintergrund jede falsche Schlagzeile durchgehen lassen sollte. Daher beschwerte ich mich zuerst bei der Redaktion der Rheinischen Post und forderte Korrektur des Artikeltitels. Diese Aufforderung blieb unbeantwortet, weswegen ich am 14. Dezember 2014 Beschwerde beim Deutschen Presserat einreichte (Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht gemäß Pressekodex Ziffer 2). Inzwischen habe ich zu dieser Beschwerdesache eine Rückmeldung vom Presserat bekommen:

Meine Beschwerde wurde mit Beschluss vom 10.03.2015 als begründet angesehen. Auf Maßnahmen gegen die Redaktion der Rheinischen Post wurde jedoch verzichtet, weil der Beschwerdegegner einsichtig war und den Artikeltitel änderte.


Die Schlagzeile des Artikels lautet also nun „Feuerwehr stellt Giftschlangen in Düsseldorf sicher“. Mehr wollte ich nicht.

Fazit: 
Natürlich wird die Änderung der Schlagzeile wie oben schon erwähnt nichts an der Gesamtsituation ändern. Aber prinzipiell geht es hierbei einfach darum, dass die Medien schon bei der Wahrheit bleiben sollten und wenn sie dies mal nicht tun, wir entsprechend darauf reagieren sollten, damit die öffentliche Meinung über die „Exotenhaltung“ nicht wegen überzogener Falschmeldungen noch mehr ins Negative gerückt wird! Also immer schön wachsam bleiben.
 

Freitag, 3. April 2015

Kölner Tierheim beklagt sich über „Gefahrtiere“

Mal wieder meldet sich ein Tierheim, welches selbstverständlich auch Mitglied im Deutschen Tierschutzbund e.V. ist, in den Medien zu Wort und beklagt die Abgabe von „Gefahrtieren“: „Gefahrentiere“ im Tierheim - Drei Boas abzugeben

Seltene Gäste beherbergt derzeit das Konrad-Adenauer-Tierheim in Zollstock: Dort wurden nun schon drei Boas abgegeben.
Interessant, drei Boas also. Abgegeben in einer Zeit, in der die Haltung dieser Tiere noch nicht mit strengen Auflagen belegt ist. Ich will mal hoffen, dass sich dieses Tierheim dann auch darüber beschweren wird, wenn nach Inkrafttreten eines Gefahrtiergesetzes in NRW der Anteil an wirklich als gefährlich anzusehenden Abgabetieren merklich steigen wird.
Die Schlangen sind zwar die Ausnahme, die Beherbergung von „Gefahrentieren“ liegt aber im Trend. Vogelspinnen, Skorpione, Warane oder Kaimane landen immer häufiger im Tierheim.
Wohl aber nicht im besagten Konrad-Adenauer-Tierheim. Dieses beherbergt derzeit laut Angabe auf der eigenen Website die drei genannten Boas sowie drei Kornnattern und eine Bartagame (Stand 03.04.2015). Also insgesamt sieben Reptilien, von denen ich keines als gefährlich einstufen würde (die beiden größten Boas sind sieben Jahre alt und gerade einmal 150 cm groß, somit keine „Gefahrtiere“). Die genannten Vogelspinnen sind bis auf die Gattung Poecilotheria ebenfalls nicht zu den gefährlichen Tieren zu zählen. Ganz davon abgesehen lässt sich diese Aussage sogar mit der Tierheimstudie des Deutschen Tierschutzbundes (2014) relativieren: Es wurden gerade einmal 1 Brillenkaiman, 2 Giftschlangen und 8 potentiell gefährliche Riesenschlangen im abgefragten Zeitraum von 5 Jahren in den befragten Tierheimen des Tierschutzbundes abgegeben. Bei insgesamt 9.068 gemeldeten Abgabe-Reptilien macht das einen statistisch schlichtweg kaum relevanten Anteil von gerade einmal 0,1 Prozent! Warum also diese ganze Dramatisierung?

Der gesamte Reptilienbestand des Tierheims entspricht der Anzahl an Kaninchen, die am 30.03.2015 (also an bloß einem Tag!) vor der Tür des Tierheims in einem Karton ausgesetzt wurden. Warum rät das Tierheim dann nicht auch generell vom Erwerb von Kaninchen ab? Diese Tiere wurden schließlich ausgesetzt, die Boas von ihren verantwortungsvollen Haltern hingegen (kostenpflichtig) abgegeben.
Dringend raten die Tierheim-Mitarbeiter schon vom Erwerb exotischer Tiere ab und empfehlen, sich zunächst beim Tierschutzbund über die Haltung zu informieren.
Sorry, aber sich bei diesem Verein über die Haltung von exotischen Tieren zu informieren, ist meiner Meinung nach genauso widersinnig, wie einen Veganer nach einem guten Gulaschrezept zu fragen (Gulasch = Rinderhirtenfleisch, also kommt mir nicht mit eurem Oxymoron „veganes Gulasch“).

Was dabei rauskommt, kann man in den „Erfolgsgeschichten“ des Tierheims nachlesen. So müssen zwei vermittelte Bartagamen nun „einiges an Kuscheleinheiten nachholen!“.
Auch bei üblichen Haustieren sei es oft so, dass sich die Besitzer nicht darüber im Klaren seien, welche Belastung auf sie zukomme.
Richtig, aber warum stellt sich das Tierheim auf Seiten des Tierschutzbundes und unterstützt Haltungsverbote von „Exoten“, fordert aber dies nicht für die Haltung von „üblichen Haustieren“?

Schon ein Blick auf die in dem Artikel angegebenen Zahlen macht auch für dieses Tierheim deutlich, wo die eigentlichen Probleme liegen und wo der Gesetzgeber eher mal eingreifen müsste (beispielsweise indem man den § 22 Tier-LMHV ändert und Hunde und Katzen für den menschlichen Verzehr freigibt):
Allein das Zollstocker Tierheim hat im vergangenen Jahr fast 1000 Tiere aufnehmen müssen: 365 Hunde, 290 Katzen sowie 334 Nagetiere, Vögel und Reptilien.
Reptilien machen nur einen winzigkleinen Anteil aus, was allein schon darin deutlich wird, dass auf der Website des Tierheims die sieben Reptilien einzeln aufgezählt werden können, bei den Vögeln oder Nagetieren jedoch darauf verzichtet werden muss und der Bestand stattdessen mit „Diverse Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Ratten...“ und „Diverse Wellensittiche, Kanarienvögel...“ beschrieben wird.

Dass sich der Artikel zur Osterzeit primär um „Gefahrtiere“ dreht und nicht um die jetzt zur Urlaubs- und Ferienzeit massenhaft ausgesetzten „üblichen Haustiere“, lässt erneut einen ideologisch motivierten Hintergrund vermuten. Allein schon das Wort Gefahrtier“ wird von der Lügenpresse Presse mit Pseudologiehintergrund und den Gegnern der privaten Wildtierhaltung gerne genutzt, um die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, weil „Gefahr“ klingt nun mal böse. Und so werden erneut die Wähler und Spender erfolgreich mit der leidigen „Anti-Exoten-Propaganda“ manipuliert. Positivbeispiele, wenn z.B. Privathalter einspringen und nicht mehr gewollte „Exoten“ aus ihrem Bekanntenkreis oder über Internetinserate aufnehmen, bevor diese ausgesetzt werden, interessiert die Medien jedoch nicht. Ein Aussetzen wäre schließlich spannender gewesen.

Donnerstag, 2. April 2015

Das „Terrarianer-Blog“ wünscht seinen Lesern fröhliche Weihnachten!

Am heutigen Vormittag ließ mich der erste Blick vor die Tür dann doch ein wenig grübeln, welche Feiertage nun eigentlich bevorstehen. 
 

Als mich dann auch noch ein treuer Leser auf einen Eintrag auf der Website der TERRARISTIKA Hamm verwies...
 

...kann ich meinen Lesern hiermit wohl eigentlich auch nur fröhliche Weihnachten wünschen!

Wir sehen uns dann wohl „im neuen Jahr“ mit neuen Beiträgen wieder. Geplant sind in nächster Zeit u.a. die Ergebnisse einer Umfrage des GfK-Markforschungsinstitutes zum Thema „Wildtierschutz“, der Abschluss meiner Reihe über die Gefahrtiergesetze (Thüringen fehlt noch) und ein Artikel zum Thema „Mietrecht“. Bis dahin wünsche ich euch fröhliche Feiertage...  

...was auch immer die kommenden Tage nun überhaupt gefeiert wird.

„Das große Schlüpfen“ (ZDF-Sendung vom 01.04.2015)

Gestern lief zur besten Sendezeit im ZDF die Sendung „Das große Schlüpfen“, in der verschiedene Tierarten vor laufenden Kameras ausgebrütet wurden und schlüpfen sollten. Da die Natur nicht gefügig gemacht, sondern nur beobachtet werden sollte, wurden keine Schlüpfvorgänge für den Showeffekt in einem unnatürlichen Maße manipuliert.

Neben einigem Federvieh und einem Aquarium mit Eiern von Katzenhaien und Marmorrochen waren Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus), Bartagame (Pogona vitticeps), Axolotl (Ambystoma mexicanum), Florida-Dosenschildkröte (Terrapene carolina bauri) und Martinique-Baumvogelspinne (Avicularia versicolor) im Brutstudio vertreten. In Videoberichten kamen zwischendurch auch noch diverse andere Reptilien, Amphibien und Wirbellose vor. Moderator Johannes B. Kerner war z.B. auf Sri Lanka und besuchte in Kosgoda ein Projekt zur Erhaltung von Meeresschildkröten.

Mögliche Tierschutzbedenken wurden zu Beginn der Sendung aus der Welt geschafft. Die Schlüpflinge werden nach der Sendung an die Züchter zurückgegeben und landen somit nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen.

Bei den für die Terraristik interessanten Tieren kam es leider während der Livesendung zu keinem vollständigen Schlupf. Bei den Bartagamen schauten immerhin zwei Schlüpflinge aus ihren Eiern. Da sich in diesem Zustand der Schlupf noch Stunden hinziehen kann, war zu erwarten, dass während der Livesendung die Chance dafür recht gering war. Ein Kokon der Martinique-Baumvogelspinne wurde vom Züchter vor laufenden Kameras geöffnet. Da dies in der Natur die Mutter übernimmt, stellt das Öffnen des Kokons auch keinen widernatürlichen Eingriff dar. Die Mutter selber sollte eigentlich dem Promigast Magdalena Neuner auf die Hand gesetzt werden, ging jedoch in eine Drohstellung, weswegen dieser Versuch zum Wohle des Tieres abgebrochen wurde.

Bei den Reptilien stand insbesondere das Jemenchamäleon in einem besonderen Fokus der Sendung. Neben dem Muttertier und einem Gelege waren auch zwei vor wenigen Tagen geschlüpfte Jungtiere in einem eigenen Terrarium untergebracht. Promigast Sonja Zietlow führte eine Fütterung des Muttertieres durch und nahm eines der Jungtiere auf die Hand. Für den Lerneffekt wurde die Funktionsweise der Chamäleonzunge während des Beutefangs erläutert.

Bei den Dosenschildkröten wurde die Frage eines besorgten Zuschauers beantwortet, ob die Tiere nicht ihre Mütter vermissen würden. Der im Brutstudie jederzeit anwesende Direktor des Kölner Zoos Theo Pagel erläuterte, dass diese Tiere (im Gegensatz zu vielen Säugetieren) Nestflüchter sind und somit nach dem Schlupf vollkommen selbstständig in ihr Leben gehen. In Zusammenhang auf die Tatsache, dass Meeresschildkröten immer wieder an ihren Geburtsstrand zurückkehren, wurde vom Tierexperten mahnend erwähnt, dass es ein großes Problem für die Tiere darstellt, wenn an diesen Stränden plötzlich eine Hotelanlage gebaut werden würde. Somit kam auch der Aspekt der Lebensraumzerstörung durch den Menschen in der Sendung zur Sprache.

Das Axolotl-Aquarium wurde von zwei aufgeregten Schülern einer Axolotl-AG vorgestellt. Ganz nett, aber dabei wurde wieder mal deutlich, dass Sendungen mit Tieren und Kindern immer etwas heikel sind: „Der Axolotl kommt vom Frosch ab.“ ... aha.

Fazit:
Mit der Sendung „Das große Schlüpfen“ wurde Naturbildung im Rahmen einer Unterhaltungssendung vermittelt. Damit hat das ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender immerhin mal wieder eine seiner Hauptaufgaben erfüllt. Ich hoffe, dass die Herrschaften diverser Tierrechtsvereine zugeschaut haben. Ihrer Naturbildung täte die Sendung jedenfalls keinen Abbruch.
 

Mittwoch, 1. April 2015

April, April: Private Futtertierzucht wird nicht verboten... oder?

Manch einer hat es bereits durchschaut, manch einer bis jetzt noch nicht, daher hier die Auflösung: Natürlich handelt es sich bei meinem heutigen Beitrag „Private Futtertierzucht in Niedersachsen vor dem Aus?“ um einen Aprilscherz! Wobei... über den darin geschilderten Gedanken, dass die private Futtertierzucht und –haltung in Niedersachsen verboten werden soll, kann man natürlich keinesfalls lachen. Und abwegig ist die Idee leider auch nicht. Mein Beitrag hat einen ernsten Hintergrund:

In einigen Tierrechtsforen findet man Beiträge über das angebliche Leid von wirbellosen Futtertieren in den Verkaufsanlagen der Zoofachgeschäfte. Die Idee, dass man Futtertiere verbieten sollte, würde aus Tierrechtssicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen (wobei das natürlich äußerst un-vegan wäre). Das von mir beschriebene Szenario mag zwar zum jetzigen Zeitpunkt undenkbar sein, weil es diesbezüglich auch schon Gesetze und Gerichtsurteile gibt, die beispielsweise ein Aussetzen von Futtertieren verbieten, die Haltung im Mietrecht einschränken oder den Halter für Schäden z.B. in der Gastronomie haftbar machen. Verbote werden jedoch trotzdem in Tierrechtskreisen diskutiert, auch mit der Begründung, dass z.B. Schabenplagen ganze Häuser unbewohnbar machen könnten.

Mein Beitrag soll also nicht als Steilvorlage für die Exotenhaltungsgegner verstanden werden, sondern die Kreise innerhalb der Terraristik dahingehend aufrütteln, dass momentan nicht nur an einem Ende bei der Gefahrtierhaltung gesägt wird, was so manchem „Otto Normalbartagamenhalter“ egal zu sein scheint, sondern dass wir alle ganz schnell unser Hobby verlieren können, wenn die obskuren Pläne der Tierhaltungsgegner auf politischer Ebene allesamt so umgesetzt werden würden.

Alle Terrarianer (egal ob Gefahrtierhalter oder nicht) sollten daher am selben Strang ziehen, damit solche gesetzlichen Regelungen nicht umgesetzt werden. Momentan steht eine „Vorratsschutzverordnung“ zwar nicht auf der politischen Agenda, die Tierrechtslobby hat solche Pläne aber leider nicht erst seit meinem heutigen „Aprilscherz“ im Kopf. Erlaubt man ihnen die ersten, auf falschen Zahlen und vorgeschobenen Emotionen basierenden Erfolge bei Wildtierimportverboten oder bei Einschränkungen der Gefahrtierhaltung (Themen, bei denen selbst Terrarianer gespaltener Meinung sind und sich von falschen Zahlen blenden lassen), können diese Clubs umso leichter einen noch größeren Schaden mit ihrer Ideologie anrichten, die dann weitere Kreise innerhalb der Terraristik ziehen würden.