Sonntag, 31. Mai 2015

Immer mehr Menschen halten sich giftige Reptilien

...und immer mehr Schmierblätter betreiben eine Volksverhetzung in Bezug auf die Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren: Wehe, wenn Mamba und Co. ausbüxen 
In diesem Artikel heißt es:
Rund vier Millionen Reptilien halten sich deutsche Liebhaber als „Haustiere“.
Grüne Mamba (Dendroaspis viridis)
Eine Quelle für diese Anzahl wird nicht genannt. Mal sind es laut Medienberichten vier Millionen Haushalte, in denen Reptilien gehalten werden, nun sind es vier Millionen Reptilien bundesweit. Was stimmt denn nun? Leider ist da wohl offenbar das Komma verrutscht. Absicht? Wer weiß... Fakt ist, dass er Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) für das Jahr 2009 bundesweit etwa 0,4 Millionen Terrarien (= 400.000!) in deutschen Haushalten angab. Die für das Jahr 2014 vom ZZF veröffentlichten Zahlen sprechen inzwischen von 800.000 Terrarien in 1 Prozent der deutschen Haushalte (= ca. 400.000 Haushalte).

Eine Angabe über die genaue Anzahl der darin gehaltenen Reptilien wird vom ZZF nicht gemacht. Laut einer Studie der European Pet Food Industry Federation (FEDIAF) aus dem Jahr 2012 befinden sich in der deutschen Heimtierhaltung etwa 1.350.000 Reptilien. Woher die Angabe der vier Millionen Reptilien stammt, gibt der intransparente Artikel leider nicht preis.

Doch von der genauen Anzahl mal abgesehen: Beim Großteil der gehaltenen Reptilien handelt es sich um vollkommen harmlose Arten!
Allein in Köln hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 39 Schlangen-Einsätze, 68 Reptilien mussten in Düsseldorf einfangen werden.
Im Jahr 2013 wurden von der Feuerwehr Köln 1667 Tiereinsätze durchgeführt, wobei es sich bei 19 Stück um Einsätze mit als „exotisch“ anzusehenden Schlangen handelte. Im Jahr 2009 waren es 36 Schlangeneinsätze, bei dem es sich bei lediglich einem um eine Giftschlange handelte. Hier werden für vergangenes Jahr also auch wieder Einsätze mit harmlosen Tieren genannt, die mit der Gefahrtierhaltung nichts zu tun haben!

Von der Düsseldorfer Feuerwehr habe ich im Herbst 2014 bereits auf Anfrage die Auskunft bekommen, dass es sich bei den Einsätzen nicht nur im Einsätze mit „gefährliche Exoten“ handelte, sondern auch um Einsätze mit einheimischen Tieren (siehe Falsche Zahlen in der Rheinischen Post zum NRW-Gefahrtiergesetz)!

Es mag zwar sein, dass immer mehr sogenannte „Exoten“ gehalten werden und somit auch häufiger aus einer Haltung entkommen. Der Anteil an Vorfällen mit „Gefahrtieren“ ist und bleibt aber sehr gering. Dies bestätigte mich auch der Leiter der Reptilien-Fachkundigengruppe der Feuerwehr Düsseldorf Michael Harzbecker mit den Worten: „Bissverletzungen betrafen bis dato immer nur den Halter und nicht andere Bürger.“

Zum Abschluss werden noch ein paar spektakuläre Fälle mit „Gefahrtieren“ ausgegraben, wie z.B. der Fund einer „südamerikanische Kornnatter“ in Euskirchen.

Auch die Infokästen sind sehr suggestiv:
Am häufigsten findet man die Königspython in Terrarien. Sie wird maximal zwei Meter lang und ist eine Würgeschlange.
Vor allem ist DER Königspython für Menschen absolut harmlos!
Und schließlich werden Schildkröten gehalten. Unproblematisch ist die griechische Landschildkröte. Als gefährlich gilt die Schnappschildkröte, die sehr bissig ist und ca. 50 cm groß werden kann.
Vor allem ist die Haltung letztgenannter Schnappis in Deutschland bereits verboten, was dazu führte, dass ausgesetzte Exemplare seit Jahren eine Sightseeingtour durch deutsche Baggerseen machen.
Die private Haltung von besonders gefährlichen und giftigen Tieren soll vermutlich ab Herbst verboten werden.
Grund dafür sind keine Vorfälle mit gefährlichen „Exoten“ (weil diese statistisch bisher nämlich keinerlei Rolle spielten), sondern zu einem großen Teil der stetige Gesinnungsjournalismus von Stammtischschmierblättern, die den ohnehin schon verblödeten Pöbel in Panik versetzen und gegen engagierte Tierhalter aufhetzen. Vielen Dank auch dafür!

Dienstag, 26. Mai 2015

Nach Spinnenfund: Erneut Propaganda gegen Gifttierhaltung

Die „Presse mit Pseudologiehintergrund“ hat erneut zugeschlagen! Diesmal ist mir der Südwestrundfunk (SWR) ins Netz gegangen, der in seinem Onlineportal in den letzten Tagen zweimal über den Fund einer mutmaßlich hochgiftigen Spinne berichtete.

Hintergrund:
Eine 44-Jährige im rheinland-pfälzischen Oggersheim fand letzte Woche unter ihrem Sofa eine ihr unbekannte Spinne mit „verdächtigem Aussehen“ und rief die Polizei, weil sie nach Internetrecherchen von einer womöglich hochgiftigen „Bananenspinne“ ausging. Polizei und Feuerwehr rückten an und stellten das Tier sicher. Ein von der Feuerwehr hinzugezogener Arachnologe war sich aufgrund der Größe des Tieres jedoch nicht sicher, ob es sich tatsächlich um eine hochgiftige Spezies handelte. Der SWR zitierte in der Erstmeldung außerdem Peter Jäger, Leiter der Arachnologie des Senckenberg-Museums, der an dem Gefahrenpotential der Spinne Zweifel hegte und erklärte, dass der Begriff „Bananenspinne“ ein Sammelbegriff für viele verschiedene Arten sei.

Soviel zum Hintergrund. Im Grunde genommen also wieder eine eher unspektakuläre Meldung, bei der vorerst nicht geklärt werden konnte, ob die Fundspinne überhaupt exotisch oder gar potentiell für Menschen gefährlich war. Doch dann folgte am Donnerstag eine Aktualisierung des Artikels, mit der sich der SWR als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt auf das Niveau der Klatschpresse herablässt.

Aktualisierter Artikel: "Hochgiftige" Spinne nach Transport verendet
Darin heißt es, die Spinne sei unmittelbar nach dem Transport zu einer Tierhandlung verendet und dass weitere Untersuchungen nicht erfolgt seien. Allein dies ist schon seltsam, denn Experten könnten auch an einem toten Tier (durch die Möglichkeit der Sektion sogar noch sehr viel besser als an einem lebenden Exemplar) die Spezies bestimmen. Mehrere Experten gehen von den Fotos außerdem davon aus, dass es eine ungefährliche Art war. Als Fazit bleibt also eine nicht näher identifizierte aber sehr wahrscheinlich harmlose Spinne.

Doch dieses Ergebnis ist dem SWR offenbar zu unspektakulär. So dient der letzte Absatz des aktuellen Artikels (Stand: 21.5.2015, 14.07 Uhr) mal wieder dem Bashing von Gifttierhaltern, der Panikmache und der zwischen den Zeilen formulierten Forderung nach einem Gefahrtiergesetz in Rheinland-Pfalz:

Züchter brauchen keine Genehmigung

Wie die Spinne in die Wohnung kam, ist bislang unklar. Es gibt auch harmlose Arten, die der hochgiftigen Wanderspinne ähnlich sehen. Für die Haltung der giftigen Spinnenart ist in Rheinland-Pfalz keine Sondergenehmigung erforderlich. Es könnte also durchaus sein, dass das Tier in der Nachbarschaft der Frau ausgerissen ist. Dass die Spinne mit einem Bananentransport aus Südamerika hierher kam, gilt als unwahrscheinlich.

Was soll diese Scheiße?! Warum nicht gleich eine spinnenähnliche Sonde einer außerirdischen Spezies? Wenn die Herkunft und die Gefährlichkeit der Fundspinne nicht endgültig bewiesen werden konnte, warum werden dann Halter von solchen Tieren mit Mutmaßungen präventiv angeprangert?
 
Der SWR bedient damit xenophobe Scheißhausparolen und stellt sich mit diesem Gesinnungsjournalismus selbst ins Abseits!

Samstag, 23. Mai 2015

Grüne Drogenpolitik: Pro Cannabis, contra Tier- und Artenschutz

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen veröffentlichte im März 2015 den Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes (CannKG) und zeigt sich damit seltsamerweise einmal nicht von ihrer bevormundenden Seite. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Einleitung des Gesetzes kreativ überarbeitet und auf die Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren abgepasst, bei der die Grünen (derzeit insbesondere in Nordrhein-Westfalen) seltsamerweise eine gänzlich radikalere Position vertreten.
 

Liebe Grüne, hinterfragt doch bitte mal eure kranke Doppelmoral oder seid ihr vom Kiffen bereits zu benebelt? Dass ihr die berechtigte Kritik an eurem Verbotswahn seitens der Halterverbände nicht verstehen wollt, geschenkt! Vielleicht muss man euch ja einfach nur mal mit euren eigenen Formulierungen konfrontieren ansprechen. Diese werdet ihr ja wohl noch verstehen:

A. Problem
Die grüne Verbotspolitik im Bereich der Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren in Privathand ist vollständig gescheitert. In Deutschland werden Studien zufolge ca. 1,35 Millionen Reptilien gehalten (FEDIAF 2012). Größtenteils handelt es sich dabei um harmlose Arten, die man auch im regulären Zoofachhandel finden kann (ZZF). Der Anteil an für den Menschen potentiell gefährlichen Reptilien ist aufgrund einer fehlenden Meldepflicht nicht bekannt. Dennoch wurde seit Anbeginn der privaten Gefahrtierhaltung nie eine unbeteiligte Person durch ein solches Tier verletzt.

Das derzeit angestrebte Verbot von potentiell gefährlichen Wildtieren in Privathand ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Halterinnen und Halter werden durch ein ordnungsrechtliches Verbot nicht von der Gefahrtierhaltung abgehalten. Gleichzeitig verhindern Haltungsverbote durch den so geschaffenen Schwarzmarkt glaubwürdige Prävention und wirksamen Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Zudem machen sie einen effektiven Tierschutz und Bemühungen um Natur- und Artenschutz unmöglich, da die illegalisierte Haltung nicht effektiv kontrolliert werden kann. Letzteres ist vor allem deswegen bedenklich, weil durch die geplanten rechtlichen Bedingungen ein Schwarzmarkt entstehen würde, auf dem auch Tierarten vertrieben würden, die erhöhte Ansprüche an eine tiergerechte Haltung haben oder einer artenschutzrechtlichen Meldepflicht unterliegen. Damit wird die gesundheitliche Gefährdung der in Privathand verbotenen Tierarten sowie eine Gefährdung der einheimischen Fauna durch ausgesetzte Tiere bewusst in Kauf genommen.

Die Mehrzahl der Halterinnen und Halter praktiziert keinen riskanten Gebrauch von potentiell gefährlichen Wildtieren. Die angestrebte Rechtslage führt bei ihnen in der Konsequenz zu einer unverhältnismäßigen Kriminalisierung. Für Halterinnen und Halter ist das geplante Verbot - auch verglichen mit anderen gefährlichen Freizeitbeschäftigungen und privaten Tierhaltungen wie beispielsweise das Reiten oder die Hundehaltung - daher ein unverhältnismäßiger Eingriff in ihre Handlungsfreiheit, weil die Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren in verschlossenen Behältnissen oder Gehegen lediglich eine Selbstgefährdung darstellt.

B. Lösung
Von strikten Verboten der privaten Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren wird in Zukunft abgesehen. Stattdessen wird ein kontrollierter legaler Markt für potentiell gefährliche Wildtiere eröffnet. Damit wird dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung besser Rechnung getragen als mit den geplanten Haltungsverboten, da erst in einem solchen Markt das Verbot, Gefahrtiere an nicht sachkundige Käuferinnen und Käufer auszuhändigen, wirksam überwacht werden kann. Eine gute Wildtierhaltungspolitik reguliert den Tiermarkt so, dass sowohl Tier- und Artenschutz gestärkt werden als auch die Risiken für unbeteiligte Dritte möglichst stark reduziert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, muss die gesamte Handelskette von Gefahrtieren (Import/Nachzucht, Großhandel, Einzelhandel) reguliert werden. Die Regulierung der Handelskette mit staatlich erteilten Erlaubnissen für jedes Glied der Handelskette an deren Ende das Zoofachgeschäft bzw. der Anbieter auf einer Wildtierbörse steht, ermöglicht eine effektive Trennung der Märkte und Kontrolle des legalen Gefahrtierhandels. Zweitens muss der Verkauf an nicht sachkundige Personen verboten und eine möglichst effektive Kontrolle dieses Verbots ermöglicht werden. Zum Schutz zählen neben einer klaren Altersgrenze von 18 Jahren, eine Sachkundenachweispflicht für Halterinnen und Halter sowie eine behördliche Meldepflicht von gefährlichen Wildtieren, eine Haftpflichtversicherung für potentiell tödliche Gefahrtiere sowie Zugangskontrollen mit Alters- und Sachkundenachweis. Zur Gewährleistung einer sicheren und tierschutzgerechten Unterbringung der Tiere sind ein umfassender Sachkundenachweis durch etablierte Halterverbände, das Aushändigen von Informationen über die grundlegenden Bedürfnisse des jeweiligen Wirbeltieres bei gewerbsmäßiger Abgabe gemäß § 21 Tierschutzgesetz (TierSchG), Herkunftsnachweispflicht, Warnhinweise an den Behältnissen/Gehegen und speziell bei bestimmten Gifttieren die verpflichtende Mitgliedschaft in einem Serenverein notwendig. Zudem müssen die gewerblichen Tierhändler zahlreiche Auflagen hinsichtlich des Verkaufs und der Schulung ihres Verkaufspersonals gemäß § 11 TierSchG erfüllen.

Überdies können in einem legalisierten Markt ausgesetzte oder entwichene Gefahrtiere schneller ihrer Halterin bzw. ihrem Halter zugeordnet werden. Ein angemessener Gesetzentwurf sieht dafür die Einführung einer Kennzeichnungspflicht (teilweise lediglich per Fotodokumentation) für bestimmte Tierarten vor.

C. Alternativen
Fortführung der bisherigen grünen Verbotspolitik, die den Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Tierhalterinnen und Tierhalter sowie der Tiere selbst nicht sicherstellen wird können, Freiheitsrechte übermäßig beeinträchtigten und überdies hohe Kosten verursachen würde.

Auf die erheblichen negativen Auswirkungen bevormundend ausgerichteter Regelungen haben zuletzt verschiedene Initiativen wie zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT), der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e. V. (BNA) und der unabhängige Landkreistag Nordrhein-Westfalen (LKT NRW) hingewiesen. Letzterer vertritt als Spitzenverband gegenüber der nordrhein-westfälischen Landesregierung die Interessen der Landkreise in Nordrhein-Westfalen und fordert ebenfalls eine Abkehr vom ideologisch motivierten Regulierungswahn.

D. Kosten
Die vorgesehenen Haltungsverbote werden – gegenwärtig noch nicht genau prognostizierbare – Bürokratiekosten verursachen. Dem werden jedoch Einnahmen aus Gebührenregelungen sowie Entlastung seitens engagierter Privathalterinnen und Privathalter gegenüberstehen. Dazu kommt eine Kosteneinsparung von bundesweit mehreren Milliarden Euro durch den Wegfall von Strafverfolgungsmaßnahmen, sollte ein bundesweit einheitliches Gefahrtiergesetz vergleichbar dem Bundeswaffengesetz (WaffG) oder dem Chemikaliengesetz (ChemG) eingeführt werden und die verschiedenen Gefahrtierregelungen der einzelnen Bundesländer ablösen.
 
 

Dienstag, 19. Mai 2015

38. Internationaler Museumstag im Naturhistorischen Museum Braunschweig

Parallel zu den „Tagen der Vivaristik“ wurde am vergangenen Sonntag bundesweit der 38. Internationale Museumstag gefeiert. Das Naturhistorische Museum Braunschweig hatte einige Sonderveranstaltungen im museumseigenen Aquarium im Programm. Ich nahm nachmittags an einer Führung durch das Aquarium und hinter die Kulissen teil. Diese war zwar sehr gut besucht und wurde von ein paar hyperaktiven Kindern ein wenig gestört, war aber dennoch sehr interessant. 

Ein paar Impressionen aus der Schaupräsentation des Naturhistorischen Museums Braunschweig:


Der Grüne Baumpython befand sich in Quarantäne: 
 
Ein Terrarium wird derzeit für Blaue Baumwarane eingerichtet: 
 
Ein besonderes, wenn auch ein wenig befremdliches Highlight war ein Gesellschaftsterrarium, in dem sich Kaiserboas (
Boa imperator syn. Boa constrictor imperator), Sinaloa-Königsnatter (Lampropeltis polyzona, im Museum noch als Lampropeltis triangulum sinaloae beschriftet) sowie eine Martinique-Baumvogelspinne (Avicularia versicolor) befanden. Eine Vergesellschaftung, die ich hier nicht näher kommentieren möchte, die aber offenbar tatsächlich funktionieren kann. 
 
Nach der Führung ging es hinter die Kulissen: 
Dort gab es junge Stirnlappenbasilisken zu sehen, die nach Abschluss ihrer Quarantäne ein Becken im Ausstellungsbereich beziehen werden:
 
Eine Kettennatter, eine Erdnatter sowie ein Königypthon, welche als Fundtiere in den Bestand des Museums aufgenommen wurden, befanden sich ebenfalls hinter den Kulissen. Die Kettennatter wurde vom Tierpfleger aus dem Terrarium genommen und die Besucher hatten die Gelegenheit, einmal selber eine Schlange zu berühren und dadurch Ängste abzubauen. Dabei wurde auch erläutert, dass „Würgeschlangen“ eher ungefährlich sind und selbst Riesenschlangen keine echte Gefahr für Menschen darstellen, weil der Mensch nun einmal nicht in das Beuteschema dieser Tiere passt.
 
Hier noch ein paar weitere Terrarienbewohner, die sich im Quarantänebereich des Museums befanden (darunter die museumseigene Nachzucht ihres Grünen Baumpythons):

Montag, 18. Mai 2015

Tage der Vivaristik 2015 in Braunschweig

Vom 15. bis 17. Mai 2015 fanden in der Stadthalle Braunschweig die „Tage der Vivaristik“ statt, welche im Vorfeld als „das aquaristische und terraristische Highlight des Jahres 2015“ angekündigt wurden und in deren Rahmen der diesjährige Bundeskongress des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) abgehalten wurde. Organisiert wurde die Rahmenveranstaltung vom Aquarienclub Braunschweig e.V. und dem Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern e.V. (AKWB), in dem ich selbst Mitglied bin. Mehrere Sponsoren finanzierten die Veranstaltung. Der Eintritt für Besucher war frei.

Anreise
Meine persönliche Anreise mit der Bahn wäre normalerweise an dieser Stelle nicht weiter erwähnenswert. Trotzdem musste ich beim Anblick eines Großaufgebots der Bundespolizei im Hauptbahnhof Hannover, der Verspätung meines dortigen Anschlusszuges aufgrund der „ärztlichen Versorgung eines Fahrgastes“, den grölenden „Möchtegern-Hooligans“ sowie beim Anblick eines verwüsteten 1. Klasse-Abteils in meinem Zug (inkl. eingeschlagener und heruntergerissener Deckenplatte) an die Kostenübernahme durch die Allgemeinheit denken. Wann fängt die rot-grüne Verbotspolitik eigentlich mal an, dort einzuschreiten, wo tatsächlich immense Kosten und Gefahren für Unbeteiligte entstehen und fordert die Abschaffung der Fußball-Bundesliga?


Ausstellung
Im Ausstellungsbereich wurden mehrere Aquarien mit Garnelen, Krebsen und Fischen präsentiert. Auch ein Meerwasseraquarium wurde gezeigt. Ein besonderes Highlight für mich waren Schaubecken mit Urzeitkrebsen, die im AKWB kürzlich größere Aufmerksamkeit genossen und Titelthema der Zeitschrift „caridina“ vom Dähne-Verlag waren.


Der Terraristik-Bereich war dagegen etwas spartanischer. Es wurden mehrere Terrarien mit verschiedenen Reptilien (darunter Teppichchamäleons, Taggeckos, Halsbandleguane und Zauneidechsen) ausgestellt. Manche der Terrarien konnten nach der Veranstaltung (mal mit mal ohne Tiere) käuflich erworben werden.


Im Ausstellungsbereich wurde eine Tombola veranstaltet, für die mehrere namhafte Hersteller Sachpreise gesponsert hatten. Als besondere Highlights wurden zwei, seit mehreren Monaten eingelaufene Terrarien inkl. Wasserlauf, verkauft. Dies sollte einen Teil der Veranstaltungsfinanzierung sichern.



Das Tierheim Braunschweig präsentierte direkt am Eingang auf einer Schautafel die derzeit im Tierheim zur Vermittlung stehenden Reptilien unter dem Motto „Exoten suchen ein Zuhause“ und bat um Spenden.

Händlerpräsentation
Die Händlerpräsentation fand hinter einer Art Zwischenraum mit gastronomischer Verpflegung statt. Dies war zwar aufgrund der räumlichen Aufteilung der Stadthalle sicherlich nicht anders möglich, war jedoch trotzdem etwas unglücklich. Für mich wirkte der Gastronomiebereich wie eine Abgrenzung zum eigentlichen Geschehen, weswegen man als flüchtiger Besucher von der Straße, der nur mal eben zufällig die Veranstaltung besuchen wollte, evtl. gar nicht mitbekam, dass es dahinter noch etwas zu sehen gab.

Der Dähne-Verlag war mit einem Stand vertreten und bot neben Kaufexemplaren seiner Bücher auch kostenlose Exemplare der Magazine „caridina“, „terraristik“ und „aquaristik“ an. Das Terraristikhaus-Braunschweig präsentierte ein Pantherchamäleon in einem Gazeterrarium, sowie weitere Reptilien und auch terraristische Wirbellose. Das Aquarium war natürlich ebenfalls vertreten. Terrarieneinrichter und Zubehöranbieter waren ebenfalls vertreten.

Leider glich der Umfang der Händlerpräsentation eher einem mittelgroßen Kinderflohmarkt, statt dem von mir im Vorfeld erwarteten Verkaufsgeschehen auf „einem aquaristischen und terraristischen Highlight“.

Vortrag: Die bunte Welt der Pfeilgiftfrösche
Da der ursprünglich geplante Referent aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, wurde dieser Vortrag von Kai A. Quante (1. Vorsitzender des AKWB) und Armin Senger (eher in Aquaristikkreisen bekannt als Halter von Panzerwelsen) gehalten. Obwohl der Vortrag erst wenige Tage zuvor vervollständigt wurde, glänzte er mit anschaulichen Bildern, kleinen Video- und Ton-Sequenzen sowie geballtem aber zugleich verständlich erklärtem Fachwissen über die Haltung von Dendrobatiden. Von Herkunft der Tiere, über Futtertierzucht bis zum Brutpflegeverhalten wurde die Lebensweise und Haltung verschiedener Arten dem Publikum erläutert. Humorvolle, wenn auch teilweise nicht ganz spontan wirkende Einlagen lockerten den Vortrag auf. Ganz besonders hervorheben möchte ich, dass die Referenten das Thema „(Un)Giftigkeit“ und die widersinnige Einstufung des Schrecklichen Pfeilgiftfrosches (Phyllobates terribilis) in manchen Bundesländern ansprachen. Bezüglich der Terrariengestaltung wurde betont, dass zugewucherte Biotopterrarien entgegen der Einschätzung mancher Außenstehender das Entdecken der darin gepflegten Tiere nicht unbedingt erschweren, weil die Tiere sich in solchen Terrarien umso sicherer fühlen und dadurch vergleichsweise eher mal zeigen als in aufgeräumten Schaubecken. Mir fehlte allerdings die Erläuterung der artenschutzrechtlichen Aspekte, was aber auch den einzigen Kritikpunkt an diesem ansonsten rundum gelungenen Vortrag darstellt.

Neuigkeiten vom Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V.
Am Sonntag ermöglichte Ex-VDA-Präsident Dr. Stefan K. Hetz in einem Vortrag einen Rückblick auf die Aktionen des VDA und seiner Wenigkeit. Die Zahl der Mitglieder innerhalb der Mitgliedsvereine und auch der Vereine an sich, die im VDA organisiert sind, ist leider seit mehreren Jahren rückläufig. Wobei die Zahl der Mitgliederverluste in letzter Zeit eher wieder unter dem Jahresdurchschnitt liegt und somit eine gewisse Besserung der Situation erkennbar ist.

In der Präsentation wurden aktuelle Gesetzgebungsverfahren insbesondere in Bezug auf die Haltung von gefährlichen Reptilien angesprochen. Während in letzter Zeit die Aquaristik eher in Ruhe gelassen wurde, steht die Terraristik zunehmend in der Kritik. Umso bedrückender, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) meiner Einschätzung nach noch immer ein wenig im Dämmerzustand befindet und nur reagiert, statt selber agiert. Umso erfreulicher war es für mich, dass sich der VDA (zumindest unter der Präsidentschaft von Stefan K. Hetz) im letzten Jahr äußerst intensiv für den Erhalt unseres Hobbys eingesetzt hat!

Im Anschluss war eigentlich eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Politik geplant. Leider wurde diese gecancelled, weil das Interesse der eingeladenen Politiker offenbar zu gering war, um den beschwerlichen Weg nach Braunschweig in Angriff zu nehmen.

Vortrag: Für die Vivaristik begeistern: 10 Schritte, um in Politik und Öffentlichkeit zu punkten
Dieser für mich als Blogger natürlich äußerst interessant Vortrag wurde von Jens Crueger gehalten, der im Rahmen des VDA-Bundeskongresses zum neuen VDA-Präsidenten gewählt wurde. Jens Crueger ist Mitglied in der SPD und dieses Jahr erneut als Abgeordneter in die Bremer Bürgerschaft eingezogen. Privat hält und züchtet er Schwanzlurche. Das Vorhandensein eines Terrarianers an der Spitze des VDA wird von mir künftig natürlich mit besonderem Interesse verfolgt.

Die „10 Schritte“ stellten einen Leitfaden dar, der von der „Selbst-Erkenntnis“ (unser Hobby steht unter Beschuss) über die „Entwicklung eines Selbst-Bewusstseins“ (unser Hobby ist produktiv) bis zur kreativen Findung von Strategien reichte, um unser Hobby der Zielgruppe als das zu präsentieren, was es ist und dafür auch mal Wege zu gehen, die man zuvor noch nicht ausprobiert hat.

Im Anschluss folgte eine Diskussion mit dem anwesenden Publikum, um weitere Ideen und Anregungen für die positive Außenwirkung der Vivaristik zu sammeln.

Workshop: Aqua- und Terra-Scaping
Parallel zu den Vorträgen fand ein Workshop zur Einrichtung von zwei Aquarien und einem Terrarium statt. Das Terrarium wurde von Kathrin Glaw eingerichtet und konnte käuflich erworben werden.


Sonstiges
An den sonstigen Veranstaltungen der „Tage der Vivaristik“ wie z.B. dem gemütlichen „Freu(n)deabend“ mit Kabarettist Helge Thun, den Aquaristik-Vorträgen oder an der Stadtführung durch Braunschweig nahm ich nicht teil, weil mich diese Veranstaltungen als „introvertierter“ Terrarianer nicht wirklich interessierten. Auch die nach dem VDA-Bundeskongress veranstaltete „Zierfischbörse“ wurde von mir aus diesem Grund ebenfalls ignoriert.

Fazit:
An meinem ersten Besuchstag (Samstag) war der Ausstellungsbereich nicht wirklich gut besucht und ich wäre als Terrarianer, hätte ich nicht eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung gehabt, schon ein wenig enttäuscht gewesen. Als „das aquaristische und terraristische Highlight des Jahres 2015“ angekündigt, war der Umfang der Präsentation eher mau. Gewissermaßen als Braunschweiger Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Das Vortragsprogramm war für Aquarianer sicherlich sehr abwechslungsreich, für mich als Terrarianer zumindest quantitativ aber dann doch zu schwach.

Dennoch soll die positive Außenwirkung insbesondere aufgrund des freien Eintritts nicht unerwähnt bleiben. Auf den „Tagen der Vivaristik“ konnten sich Leute einen Eindruck von der Aquaristik und eben auch ein wenig von der Terraristik verschaffen, die sonst mit diesem sinnvollen Hobby keine Berührungspunkte haben. Was der regionale Aquarienclub Braunschweig und der überregionale AKWB mit dieser Veranstaltung auf die Beine gestellt haben, wird der sogenannten „Exotenhaltung“ nicht schaden und war somit eine durchaus gelungene Veranstaltung, die am Sonntag dann auch ein wenig besser besucht wurde.

Donnerstag, 14. Mai 2015

BUND stellt den „Exotenhandel“ falsch dar

Erneut springt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) auf den Zug der „Anti-Exoten-Propaganda“ auf und äußert sich in den Medien kritisch zur „Exotenhaltung“ mit längst nicht mehr aktuellen Zahlen von Wildtierimporten. Hier geht es zum Artikel: Erst verschleppt, dann ausgesetzt -BUND kritisiert Haltung von Reptilien und Amphibien

Anlass für diesen Artikel ist der Fund einer womöglich ausgesetzten evtl. aber auch aus einer privaten Haltung entflohenen Europäischen Sumpfschildkröte. Dieser Vorfall ist natürlich inakzeptabel, steht aber auch in keinem Verhältnis zu der Faunenverfälschung aufgrund der täglich in der Natur herumstreunenden Hauskatzen, deren Beseitigung durch Jäger der BUND seltsamerweise verurteilt.

Doch mit dieser verlogenen Doppelmoral ist es leider noch nicht getan. Der BUND verbreitet wie schon andere radikale Clubs zuvor falsche Zahlen im o.g. Medienbericht:
Denn mit der Nachfrage steigt das Angebot und so werden immer mehr Tiere wild gefangen und in ihrem Bestand bedroht. Pro Jahr werden allein nach Deutschland ca. 840.000 Reptilien importiert, Schwarzmarktverkäufe nicht mitgerechnet.
Diese hohen Importzahlen sind bekanntlich schon fast ein Jahrzehnt alt. Inzwischen liegt die Zahl der jährlich importierten Reptilien bei ca. 320.000. Auch die Aussage über steigende Importe ist nachweislich falsch, was schnell festgestellt werden kann, wenn man einen Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes wirft!

Von absoluter Weltentfremdung zeugt auch die folgende Aussage aus dem Artikel:
Aus Sicht des BUND müssten Tierhändler gesetzlich verpflichtet werden, Tiere zurückzunehmen – unabhängig davon, ob sie selbst das Tier verkauft haben.
Lieber BUND, geht’s noch? Über eine Rücknahmepflicht in einem gewissen Zeitrahmen von Tieren, die direkt bei einem Händler gekauft wurden, könnte man evtl. ja noch diskutieren. Eure Forderung, dass ein Händler gewissermaßen Waren „zurücknehmen soll, die er gar nicht verkauft hat, ist hingegen totaler Schwachsinn! Rechtlich dürfte sich das zwar ohnehin nicht umsetzen können, dennoch zeigt diese Idee, wes Geistes Kind ihr seid. Ich fordere euch nach diesem Vertauensbruch gegenüber engagierten Naturschützern, die bedrohte „Exoten“ nachzüchten, hiermit als Gegenleistung auf, alle von mir an euch gezahlten Spendengelder in Höhe von 3.274,58 Euro wieder an mich zurückzuzahlen, ganz egal, ob ihr diese Spenden überhaupt von mir bekommen habt oder nicht!

Warum arbeitet der BUND mit falschen Zahlen, fordert absurde Tier-Rücknahmen durch gewerbliche Reptilienhändler und stößt mit dieser Propaganda engagierten Natur- und Artenschützern vor den Kopf?

Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel, weswegen dieser Verein aus meiner Sicht nicht besser ist als PETA, Pro Wildlife, Deutscher Tierschutzbund und andere manipulative Clubs, die mit falschen Zahlen die öffentliche Meinung verzerren. Pfui!

Mittwoch, 6. Mai 2015

E%TRABLATT: Neue Rabattaktion vom Futterhaus

Inzwischen wird meine Berichterstattung zu den Rabattaktionen des Zoofachgeschäftes „Das Futterhaus“ schon zu einem Running Gag dieses Blogs. Nicht nur die Futterkarte oder das letzte Gutscheinheft, sondern auch die aktuelle Rabattaktion (02.05. bis 09.05.2015) für Futterkartenbesitzer, zeigen uns Terrarianern mal wieder, wo unser Platz ist:

So können wir uns zum Auftakt des Frühlings über Rabatte in Höhe von bis zu 20 Prozent auf ausgewählte Sortimentsbereiche freuen. Wer z.B. mal mit seinem Grünen Leguan an der Leine durch den Wald spazieren wollte, bekommt 20 Prozent auf Halsbänder, Leinen und Geschirre aus Nylon. Braucht die Bartagame mal wieder einen neuen Beißknochen oder einen quietschenden Ball? Kein Problem, der zweite Gutschein spendiert ebenfalls 20 Prozent auf alle Hundespielzeuge. Vielleicht wäre dann noch der Kauf eines Kaninchenstalls für die Freilandhaltung von Strumpfbandnattern sinnvoll? Dann bekommt man immerhin 2,5 kg Premium-Heu im Wert von 4,99 Euro gratis dazu. Für die Schabenzucht gibt es auf Katzen- und Hundefutter noch 15 Prozent Rabatt. Und falls die Tiere davon Durchfall bekommen, staubt man direkt noch einen mit 15 Prozent rabattierten Katzenstreuartikel nach Wahl ab. Den Einkauf schleppt man dann mit einer gegen einen weiteren Coupon eingetauschte Futterhaus-Einkaufstasche nach Hause. Diese bedruckt mit typischen Terrarientieren wie Katze und Hund, die man ja ohnehin viel zu selten auf Werbeflächen sieht.

Alle Terrarianer jedoch, die ihre Tiere artgerecht halten möchten, müssen sich bis zum Zeitraum vom 21.05. bis 23.05.2015 gedulden, denn dann gibt es immerhin 10 Prozent Rabatt auf den gesamten Einkauf. Dann dürfen ausnahmsweise auch mal Zubehörartikel aus dem Terraristik-Sortiment günstiger erworben werben. Wie gnädig...

Montag, 4. Mai 2015

Patentag im Allwetterzoo Münster 2015

Am vergangenen Samstag fand der erste diesjährige Patentag im Allwetterzoo Münster statt. Da ich letztes Jahr eine Patenschaft für eine der in diesem Zoo gehaltenen San-Francisco-Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis tetrataenia) übernommen habe, weil ich den Erhalt dieser Unterart unterstützen möchte, mich jedoch selber noch nicht an eine Haltung wage, folgte ich natürlich sehr gern der Einladung des Zoodirektors Jörg Adler zum Patentag 2015.

Nach einer Begrüßungsveranstaltung ging es in verschiedenen Gruppen zu den einzelnen Tiergehegen der Paten. Meine Gruppe wurde von einer Zooführerin zum Aquarium des Zoos geführt, wo uns eine für diesen Teil des Zoos zuständige Tierpflegerin in Empfang nahm. Neben einigen Paten von aquatilen Süß- und Meerwasserfischen sowie einer Mördermuschel waren noch Paten von Axolotl, Leopardgecko, Pfeilgiftfrosch und Vogelspinne vertreten. Die Führung durch das Aquarium war sehr interessant. Zwischenzeitlich wurden die Paten hinter die Kulissen geführt, was mir und meiner Begleitperson die Möglichkeit gab, ein wenig mit den anderen Tierpaten in Kontakt zu kommen. So konnte ich einem Bartagamenhalter einen Hinweis darauf geben, was evtl. die Legenot eines seiner Weibchens hervorrufen könnte. Als innerhalb meiner Gruppe dann klar wurde, dass wir selbst diverse Terrarientiere pflegen, wurde öfter das Gespräch zu uns gesucht. Leider konnten wir aus Zeitgründen nicht am Abschlussgrillen teilnehmen und somit den Kontakt zu Paten und Tierpflegern nicht weiter vertiefen.

Mein Patentier stand ganz am Ende der Terminliste. Die San-Francisco-Strumpfbandnattern des Zoos befanden sich zum Zeitpunkt des Patentages leider nicht vor Ort, weil sie nach der Winterruhe vor dem Einzug in ihre vor einem Jahr entstandene Anlage einer tierärztlichen Untersuchung unterzogen wurden. 


Immerhin ein Weibchen wurde uns von der Tierpflegerin gezeigt. Außerdem konnten wir die besagte Anlage selber betreten und ein wenig mit der Tierpflegerin über diese Strumpfbandnatterunterart austauschen. Der Zoo bemüht sich sichtlich, diese auf nur fünf Exemplaren beruhende und somit vermutlich unter schweren Inzuchtdepressionen leidende Unterart der Gewöhnlichen Strumpfbandnatter nachzuzüchten. Die in Terrarianerkreisen und aus der Literatur bekannten Horrorgeschichten wurden leider auch schon im Allwetterzoo erlebt. So musste bereits ein trächtiges Weibchen eingeschläfert werden, nachdem Jungtiere im Mutterleib verstarben und bereits zu verwesen begannen. Trotzdem gelang dem Zoo bereits die Nachzucht und der Bestand soll alsbald mit weiteren Exemplaren aus einem vielversprechenden Bestand eines anderen Zoos ergänzt werden. Das ca. 16 m² große Freilandterrarium ist für 25 Schlangen ausgelegt, wobei die Überlegung im Raum steht, auch noch einheimische Würfelnattern mit den Strumpfbandnattern in der Anlage zu vergesellschaften. Das Wasserbecken wird von den Tieren laut Beobachtungen der Tierpflegerin übrigens nur zum Trinken aufgesucht.


Zwar war es schon ein wenig schade, nur eine der Schlangen zu sehen, aber immerhin wurde durch den Besuch deutlich, dass die Patenschaft ihren Zweck erfüllt. Die Gelder fließen zwar nicht unmittelbar in das jeweilige Patentier, sondern werden dort eingesetzt, wo der Zoo aktuell Gelder benötigt, dennoch war dies offensichtlich bei den Strumpfbandnattern kürzlich der Fall. Auch die Gelegenheit des fachlichen Austauschs soll an dieser Stelle betont werden und aufzeigen, dass sich engagierte Terrarianer bei Nachzuchtprojekten in zoologischen Einrichtungen einbringen. Ob ich es zum Patentag 2016 schaffen werde, kann ich derzeit noch nicht sagen. Die Patenschaft werde ich jedenfalls definitiv beibehalten und den Allwetterzoo nicht das letzte Mal besucht haben.

Hier noch ein paar Impressionen aus dem Zoo:











Nachbetrachtung: Terrarienbörse Hannover (03.05.2015)

Gestern fand im Hannover Congress Centrum (HCC) wieder einmal die Terrarienbörse Hannover statt. Meine Erwartungen, dort die von mir gesuchten Kaiserskorpione (Pandinus imperator) zu finden, waren nicht sehr hoch. Seitdem es seit ein paar Jahren keine legalen Importe dieser angeblich so häufig nachgezüchteten Art mehr gibt, werden seltsamerweise auch keine „Nachzuchten“ oder „Farmzuchten“ mehr auf Börsen oder in Internetshops angeboten. Wo sind denn all die Züchter hin? Da ich aber noch einiges an Dekoration benötigte und Hannover direkt bei mir um die Ecke liegt, war ich dennoch wieder vor Ort.

Dieses Mal war die Veranstaltung tatsächlich mal ein wenig besser ausgeschildert als bei meinen letzten Besuchen. Auch neu war eine lange Besucherschlange, die bis nach draußen vor das Gebäude führte. An meiner Ankunftszeit hatte sich zu den letzten Besuchen nichts verändert, die Wartezeit hingegen stieg von ca. 4 Minuten auf über 20 Minuten an – trotz einer zusätzlichen Kasse am Einlass. Die Besucherzahl fand ich schon sehr überraschend. In der Glashalle verteilte sich diese Masse aber aufgrund der breiten Gänge recht gut und das Börsenerlebnis war nicht anstrengender als sonst. Wie schon bei meinem letzten Besuch der Terraristika in Hamm wurde auch gestern auf der Terrarienbörse Hannover deutlich, dass die Wirbellosenterraristik einen enormen Zulauf erfährt. Die Stände der Händler von Vogelspinnen, Skorpionen und Co. waren besonders stark von Besuchern umringt, während die Stände der Anbieter von Leopardgeckos, Kornnattern und Königspythons ohne Gedränge begutachtet werden konnten. Auch die Anbieter von kleinen Reptilien wie z.B. Zwergtaggeckos konnten einige Interessenten um sich scharen.

Meine Ausbeute bestand aus diversen Korkröhren, einer neuen Wasserschale für meine Strumpfbandnattern sowie Futtertieren. Auch ein subadultes Männchen von Hierodula membranacea erweiterte meinen Bestand und wird für Zuchtbemühungen eingesetzt.

An besonderen Highlights wären für mich als Schlangenfreak zwei Anbieter genannt, die Raue Grasnattern (Opheodrys aestivus) verkauften, mit denen ich selber seit geraumer Zeit liebäugle, für die ich jedoch bisher kein Terrarium eingerichtet habe und daher von einem kauf absah. Abseits der Terraristik bot ein Anbieter Wildguppys an.

Kritisch anzumerken sind erneut unvollständige Beschriftungen der Verkaufsbehälter. Ein kommerzieller Anbieter hatte wieder Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis) im Sortiment und gab auf der Verpackung fälschlicherweise „Schutzstatus: Keiner“ an. Dies trotz der Tatsache, dass ich ihn bei der letzten Börse auf diesen Fehler aufmerksam machte. Der Gesundheitszustand einer der Unken wirkte auf mich sehr ausgemergelt und somit besorgniserregend. Die von Tierrechtlern häufig getätigte Aussage, dass gewerbliche Händler mit ihren Tieren von Börse zu Börse fahren und die Tiere zwischendurch kaum artgerecht zwischengehältert werden, schwingt bei solchen Anbietern ein wenig nach. Vereinzelte Missstände dieser Art rechtfertigen aus meiner Sicht zwar kein generelles Börsenverbot, da der Tierverkauf ansonsten in Ordnung war. Wenn jedoch Anbieter trotz geäußerter Verbesserungsvorschläge nichts an den Missständen ändern, sollten sie von Börsen ausgeschlossen werden.

Auch der von mit beobachtete Querschnitt der Besucher weckte bei mir nicht unbedingt das Vertrauen, dass jedes der erworbenen Tiere wirklich in einer artgerechten Haltung seinen Lebensabend verbringen wird. Dass die Terraristik gesellschaftsfähiger wird, ist einerseits zwar erfreulich. Jedoch sind dadurch vermehrt die typischen Haustierprobleme bei Terrarientieren zu befürchten, die derzeit primär Hunde, Katzen und klassische Kleintiere betreffen. Kein Grund für Verbote, aber eine Aufgabe für uns verantwortungsvolle Terrarianer und auch für die Börsenanbieter, umso deutlicher über die artgerechte Haltung von Terrarientieren aufzuklären!
 

Freitag, 1. Mai 2015

Was sind eigentlich… Positivlisten?

Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter einer Positivliste für die Tierhaltung eine Liste, auf der Tierarten aufgeführt sind, die aus bestimmten Gründen als unproblematisch in ihrer Haltung eingeschätzt werden. Das Gegenteil davon wäre eine Negativliste, wie man sie z.B. von den Gefahrtiergesetzen kennt. Eine solche Liste enthält Tiere, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht ohne Auflagen gehalten werden dürfen. Juristisch gesehen handelt es sich bei diesen Negativlisten allerdings ebenfalls um Positivlisten im Sinne des jeweiligen Gefahrtiergesetzes. Denn auf diesen Listen sind die Tiere aufgeführt, auf welche die Regelungen des jeweiligen Gefahrtiergesetzes positiv anzuwenden sind. Im Folgenden werde ich jedoch die landläufige Begriffsbestimmung verwenden:
 
Positivlisten enthalten Tiere, deren Haltung als unbedenklich eingestuft wird.

Gibt es bereits Positivlisten?
Vorreiter für das Modell der Positivlisten ist Belgien, wo 2009 eine solche Liste für die Säugetierhaltung eingeführt wurde. Weitere Listen für andere Bereiche der Tierhaltung sind dort seitdem ebenfalls geplant. Auf der Säugetierliste wurden 42 Arten aufgeführt, deren Haltung erlaubt ist. Alle anderen Säugetierarten dürfen in Belgien somit grundsätzlich nicht mehr gehalten werden. Folgende Kriterien muss ein Tier erfüllen, um in der Positivliste aufgenommen zu werden:
  • Die Art muss ohne spezialisierte Vorkenntnisse des Halters zu pflegen sein, ohne dass seine natürlichen Bedürfnisse eingeschränkt werden.
  • Die Art muss ungefährlich sein und keine sonstige Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen.
  • Die Art darf nachweislich keine Gefahr für die heimische Umwelt darstellen.
  • Es muss ausreichend Fachliteratur über die artgerechte Haltung der Art vorhanden sein.
Im Zweifel (z.B. bei widersprüchlichen Angaben) wird von einer Aufnahme in die Positivste zu Gunsten des Tierwohls abgesehen.

Belgische Halter von Tieren, die nicht auf der Positivliste genannt werden, haben immerhin die Möglichkeit, für ihren jeweiligen Einzelfall eine Ausnahmegenehmigung beim Ministerium zu beantragen. Dabei müssen sie beweisen, dass sie in der Lage sind, die jeweilige Art so zu halten, dass keine Schäden am Tier entstehen und keine Gefahr von ihm ausgeht. Eine Aufnahme in die Positivliste kann ebenfalls beantragt werden. Dabei muss jedoch per Gutachten belegt werden, dass die jeweilige Art für jedermann ohne besondere Kenntnisse gehalten werden kann. Die (immensen) Kosten für einen solchen Vorgang trägt der Antragsteller selber, weswegen dieser Weg für Privathalter nahezu ausgeschlossen ist.

In Anbetracht dieser Auflagen ist es nicht nachvollziehbar, dass z.B. Hunde, Katzen und Pferde auf der Positivliste gelandet sind. Diese Arten sind weder leicht zu halten, stellen nachweislich eine Gefahr für die einheimische Fauna dar und sind für Menschen ebenfalls potentiell gefährlich bzw. können der Gesundheit schaden. In Diskussionen mit (Kuschel-)Tierrechtlern habe ich aber schon oft die Aussage gehört, dass z.B. die Hundehaltung mittlerweile zum Allgemeinwissen gehöre! „Belegt“ wird diese irrsinnige Aussage mit jährlich mehreren Dutzend unschuldiger Bissopfer, falsch ernährten Hunden in den Tierarztpraxen, ausgesetzten Hunden an Straßenrändern und von überforderten Haltern abgeschobenen Hunden in Tierheimen.

Die Niederlande beschlossen 2013 ebenfalls ein ähnliches Modell, welches jedoch insgesamt drei Tierlisten enthält: Auf einer Liste sind Arten aufgeführt, die ohne Auflagen gehalten werden dürfen (die eigentliche Positivliste, die sich an der belgischen Liste orientiert), auf einer weiteren Liste sind Arten genannt, die nur mit einer behördlichen Genehmigung gehalten werden dürfen, und die dritte Liste enthält Arten, die (wie auch alle anderen nicht gelisteten Arten) einem strikten Haltungsverbot unterliegen. Auch in den Niederlanden gibt es derzeit noch keine Positivliste für die Vivaristik.

Was erwartet uns in Deutschland?
Während PETA Deutschland generelle Haltungsverbote für „exotische Wildtiere“ fordert, fordert der in der Öffentlichkeit als sehr viel seriöser angesehene Deutsche Tierschutzbund zuerst einmal die Einführung einer solchen Positivliste. Der Verein bewirbt dieses Konzept als besonders nachhaltig und gut umsetzbar. Er fordert allerdings eine Positivliste, die möglichst kurz gehalten werden soll. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen steht auf Bundesebene ebenfalls deutlich hinter diesem Konzept und führte es bereits vor der Bundestagswahl 2013 als erklärtes Ziel in ihrem Wahlprogramm auf. Die SPD hat nach der Wahl im Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU verankert, dass die Wildtierhaltung bundeseinheitlich geregelt werden soll. Derzeit gibt es dazu noch keine konkreten Vorschläge. Womöglich läuft es auf ein Gefahrtiergesetz mit mehr oder weniger gut durchdachten Negativlisten hinaus, welches ähnlich wie das Waffengesetz die öffentliche Sicherheit (die normalerweise Ländersache ist) bundesweit regelt. Stattdessen kann aber durchaus noch in der laufenden Legislaturperiode das Modell der Positivlisten zur Diskussion kommen, wodurch nicht nur sogenannte „Gefahrtierhalter“ betroffen wären, sondern nahezu jeder Terrarianer, der in seinem Bestand Arten pflegt, die über die typischen „Anfängerarten“ hinausgehen.

Nachtrag: Am 16. Juni 2015 veröffentlichte die SPD-Bundestagsfraktion ein neues Positionspapier Tierschutz, in dem die Einführung einer Positivliste für die Heim- und Wildtierhaltung deutlich gefordert wird. Somit ist jetzt klar, wohin in Deutschland die Reise geht, wenn von einer bundeseinheitlichen Regelung gesprochen wird!

Warum sind Positivlisten zu kritisieren?
1. Positivlisten erwecken den Anschein, den Behörden eine einfache Handhabe zu ermöglichen. Sicherlich ist es auf den ersten Blick für die Behörden praktisch, wenn eine kompakte Liste mit erlaubten Arten vorhanden ist und alle anderen Arten verboten sind. Das Problem dabei ist jedoch, dass in der Folge einer solchen Regelung sehr viele verantwortungsbewusste Halter von nicht aufgeführten Arten eine Sondererlaubnis beantragen müssten (sofern dies wie in Belgien überhaupt möglich ist). Dadurch würde der behördliche Aufwand aufgrund der zahlreichen Sonderanträge enorm gesteigert.

2. Die Alternative wäre, dass sich viele Halter mit ihren Tieren in die Illegalität zurückziehen. Wenn ein Tierliebhaber vor der Wahl steht, entweder eine aus nicht nachvollziehbaren Gründen erforderliche kostenpflichtige Sondergenehmigung zu beantragen und dabei das Risiko einzugehen, diese aus irgendwelchen Gründen doch nicht zu bekommen, was womöglich die Beschlagnahmung seines Tierbestandes zur Folge hätte, ist der Gedanke an eine heimliche Haltung nicht fern. Wenn dann jedoch mal Tiere erkranken oder ausbrechen, wird sich ein solcher Halter wohl kaum Hilfe holen. Immenses Tierleid und gesteigertes Risiko für die Allgemeinheit im Falle von potentiell gefährlichen Tieren wären dann vorprogrammiert. Auch die bereits heute bestehende Meldepflicht von geschützten Tieren würde womöglich nicht mehr praktiziert, was ein herber Schlag für sämtliche Artenschutzbemühungen wäre.

3. Je mehr Leute ihre Tier heimlich halten, desto lukrativer wird auch der Handel auf dem Schwarzmarkt. Mangels gelebter Meldepflicht würde der Anteil an illegalen Wildfängen steigen, auf den die Behörden keinerlei Einfluss mehr hätten. Tierschutzfälle und Artenschutzverstöße könnten nicht mehr aufgedeckt werden, weil man die Tiere kaum noch wahrnehmen würde. Das mag zwar das Ziel der Politik sein, aber damit verschließt man die Augen vor den tatsächlichen Problemen, anstatt aktiv gemeinsam mit engagierten Privatleuten gegen die schwarzen Schafe vorzugehen.

4. Die größten Tierschutzprobleme findet man innerhalb der Terraristik bei den Tierarten, die gemeinhin als einfach zu halten angesehen werden. Diese Arten werden häufig vermehrt, billig verkauft und somit häufig bei Einsteigern gehalten. Dadurch entstehen bei diesen Tieren allerdings auch die typischen Haustierprobleme wie bei den sich in Domestikation befindenden Tieren. Legt man die belgischen Kriterien für die Aufnahme in eine Positivliste der Reptilienhaltung zugrunde, müssten z.B. Bartagamen, Leopardgeckos, Kornnattern, Königspythons und vielleicht noch die ein oder andere Land- bzw. Wasserschildkrötenart auf der Positivliste landen. Doch gerade bei diesen Tieren findet man die größten Tierschutzprobleme. Laut der Tierheimbefragung des Deutschen Tierschutzbundes aus dem Jahr 2014 machen Schildkröten durchschnittlich ca. 68,5 Prozent der gesamten Reptilienbestände in den befragten Tierheimen aus, gefolgt von Bartagamen (ca. 9,1 Prozent), ungefährlichen Nattern (ca. 5,3 Prozent) und Geckos (ca. 4,2 Prozent), während man Arten, die nur von vereinzelten Liebhabern gehalten werden (und die sicherlich auf keiner Positivliste landen würden), in Tierheimen so gut wie gar nicht zu finden sind (Giftschlangen ca. 0,02 Prozent und Panzerechsen ca. 0,01 Prozent). Umso widersinniger ist es, die typischen Tierschutzfälle nicht zu reglementieren, sondern stattdessen die spezialisierten Halter mit Positivlisten einzuschränken.

5. Fachkundige Privathalter, die zu keiner Zeit ein Problem für den Tierschutz oder die öffentliche Sicherheit darstellen, könnten kaum noch helfen und z.B. Tierschutzfälle aufnehmen, weil ihnen die Haltung unnötigerweise eingeschränkt werden würde. Somit würde der Anteil von beschlagnahmten Tieren, die dann größtenteils nicht so einfach zu halten sind, in den Tierheimen und Auffangstationen steigen, zusätzlich zum unveränderten Anteil an „Anfängertieren“. Die Kosten für die Allgemeinheit würden dadurch natürlich ebenfalls expandieren.

6. Bereits etablierte Nachzuchten und Artenschutzprojekte, die z.B. zwischen Zoos und Privathaltern Hand in Hand praktiziert werden, würden außer Kraft gesetzt. Dies wäre ein herber Rückschlag für den Artenschutz. Auf der anderen Seite könnten Bartagamen und Co. fröhlich weiter vermehrt und verramscht werden, um dann in schlechter Haltung zu leiden. Mit Positivlisten bestraft man die vollkommen falschen Leute und verschlechtert die Situation der Tiere immens!

7. Es könnten ohne enormen behördlichen Aufwand niemals wieder Arten auf legalem Weg in der Vivaristik etabliert werden, um z.B. eine Nachzuchtpopulation für den Arterhalt zu gründen, weil neue Arten grundsätzlich erst einmal nicht gehalten werden dürfen.

8. Die Naturbildung sowie das Erlangen und Weitergeben von Fachwissen über nicht auf der Positivliste aufgeführte Tierarten und ihrer Lebensräume würde erschwert. Da kaum noch jemand Tiere (legal) halten würde, würde es auch kaum neue Fachliteratur oder Publikationen über die artgerechte Haltung sowie Nachzuchterfolge geben. Wie sollen andere Halter dann informiert werden, um die Haltung ihrer Tiere zu verbessern?

Fazit:

Vernünftige Regelungen für die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren sind eine Sache, die von mir grundsätzlich unterstützt werden. Wenn jedoch diverse Arten nur deswegen verboten werden sollen, weil sich nur ein paar wenige leidenschaftliche Halter intensiv der artgerechten Pflege dieser Arten widmen, hört für mich der Spaß endgültig auf. Wer sich ein tatsächlich als gefährlich anzusehendes Tier anschafft, muss mit gesundem Menschenverstand damit rechnen, dass die Haltung eines solchen Tieres evtl. an besondere Auflagen geknüpft ist. Beim Großteil der Halter ist diese Vernunft auch vorhanden, weswegen Gefahrtierregelungen, sofern sie wissenschaftlich begründet sind und nicht auf Ängsten und emotionaler Panikmache beruhen, von den meisten Haltern mitgetragen werden. Positivlisten sind jedoch eine ganz andere Nummer, da sie der organisierten Terraristik den Boden unter den Füßen wegziehen und nur die Halter betreffen würden, die sich mit hohem Engagement für Tiere (und deren Erhaltung) einsetzen, die sonst von der Gesellschaft nicht wahrgenommen oder sogar verteufelt werden, während typische Anfängerarten mit ihren Haustierproblemen weiterhin in schlechter Haltung leiden müssten. Dies ist nicht zu akzeptieren!

Mehrstufige Sachkundeprüfungen, behördliche Meldepflicht für potentiell gefährliche und artgeschützte Tiere sowie eine artgerechte Unterbringung sind Rahmenbedingungen, die von Großteilen der Halterschaft unterstützt werden und die verhältnismäßige Maßnahmen unter Wahrung der Grundrechte alle Bürger zur Verbesserung des Tierwohls und der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sind. Diese könnte man zwar theoretisch an Positivlisten koppeln, doch sollten diese Bedingungen schlicht und ergreifend für alle Heimtierhalter gelten. Das Tierschutzgesetz sowie die Artenschutzrichtlinien ermöglichen dafür bereits eine ausreichende juristische Handhabe. Positivlisten sind absolut widersinnig und ein im vollen Umfang tier-, arten- und naturschutzrechtlicher Skandal! Ihre Einführung sollte mit aller Entschiedenheit verhindert werden! In allerletzter Konsequenz, sobald sämtliche anderen Rechtsmittel ausgeschöpft sind, notfalls mit zivilem Ungehorsam!