Samstag, 27. Juni 2015

Gecko Feeder von SNI Reptiles

Das Kleinunternehmen „SNI Reptiles“ bietet mit dem sogenannten „Gecko Feeder“ zwei Varianten von Futterstellen für baumbewohnende Geckos etc. an. Dabei handelt es sich um Kunststoffhalterungen, in die kleine Näpfe gehängt werden, die man mit diversen Futtersorten befüllen kann. Angeboten werden eine „Single“-Version mit einem Napf zu einem Preis von 9,99 Euro und einer „Dual“-Variante mit zwei Näpfen für 11,99 Euro. Die Näpfe haben eine Abmessung von 4,5 cm Durchmesser und 2,9 cm Höhe, was ein Fassungsvolumen von max. 46 ml ergibt. Dem Gecko Feeder „Single“ ist zusätzlich ein Ersatznapf und dem Gecko Feeder „Dual“ sind zwei Ersatznäpfe beigelegt. Diese können im Doppelpack für 1,99 Euro auch separat bestellt werden.


Zur Anbringung der Halterung werden je nach Modell ein bzw. zwei Saugnäpfe sowie zwei Schrauben beigelegt. Mit den Saugnäpfen kann man den Gecko Feeder problemlos in Glasterrarien anbringen. Die Saugnäpfe sind sehr stabil und halten den gefüllten Gecko Feeder problemlos an Glasscheiben. Allerdings halten die Saugnäpfe auch nicht ewig und müssen ab und zu erneut befeuchtet werden. Ansonsten kann es passieren, dass sich der Gecko Feeder samt Inhalt löst und im Terrarium liegt. Mit den Schrauben lässt sich der Feeder dauerhaft z.B. an die Wände von Holzterrarien oder an Einrichtungsgegenständen wie Holzästen, Korkrinde etc. befestigen, wobei jedoch Vorsicht geboten ist, damit die Kunststoffhalterung bei der Verwendung von Akkuschraubern nicht splittert.

Test:
Die Näpfe eigenen sich sehr gut für baumbewohnende Geckos, die gerne Fruchtbrei von höher gelegenen Futterstellen aufnehmen. Der Gecko Feeder „Dual“ bietet mit seinen zwei Näpfen verschiedene Kombinationsmöglichkeiten. So kann der eine Napf als Wassernapf und der andere als Futternapf genutzt werden. Auch Sepia- oder alternatives Calciumpulver lässt sich auf diesem Wege sauber und praktisch anbieten. Selbst für Futtertiere, die sich gerne im Bodengrund verstecken und keine glatten Wände emporlaufen können (z.B. Asseln oder einigen Schabenarten) ist der Gecko Feeder sehr gut geeignet.


Ich habe mich für den Gecko Feeder „Dual“ entschieden, der meiner Meinung nach preislich mit nur 2 Euro mehr als die „Single“-Version ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist. Die „Single“-Version finde ich im Vergleich dazu jedoch ein wenig teuer. Meine „Versuchstiere“ haben diesen neuen Einrichtungsgegenstand zuerst skeptisch aber dennoch mit Interesse beobachtet.


Mancher von ihnen hat den Feeder auch direkt nach der Montage angenommen.



Die Reinigung der Näpfe, welche natürlich das Zeichen für „Lebensmittelecht“ aufweisen, gestaltet sich problemlos, da die Näpfe ganz einfach aus der Halterung entfernt werden können. Durch die beigefügten Ersatznäpfe hat man immer auch schon einen frisch gefüllten Napf parat. Bei größeren Tieren wie z.B. meinen Phelsuma grandis kann es gelegentlich passieren, dass die Näpfe aus der Halterung geworfen werden, was je nach Inhalt zu einer entsprechenden Sauerei im Terrarium führen kann.

Das Design der Gecko Feeder ist edel, jedoch auch unnatürlich. Hier muss der Halter für sich selbst entscheiden, ob ein solches Zubehör in das Terrarium passt oder nicht. Da ich meine Tiere eher praktisch halte, statt in extrem biotopnah gescapten Terrarien, stören mich die Gecko Feeder nicht am Layout.

Fazit:
Die Gecko Feeder von SNI Reptiles sind eine vergleichsweise kostengünstige und praktikable Möglichkeit, um baumbewohnenden Reptilien wie Geckos eine Tränk- und Futterstelle zu bieten. Obwohl die Befestigung mittels Saugnäpfen nicht ewig hält und größere Tiere die relativ leichten Futternäpfe gelegentlich aus der Halterung werfen, gibt es von mir trotzdem eine klare Kaufempfehlung.

Lieferumfang: 5/5 
Anleitung: 4/5 
Design: 4/5 
Bedienung & Komfort: 4/5 
Funktion & Zuverlässigkeit: 3/5 

Gesamtwertung: 4/5

Mittwoch, 24. Juni 2015

„aktion tier“ kritisiert Exotenhaltung in Sachsen

Am heutigen 24. Juni veröffentlichte die Freie Presse, Sachsens größte Zeitung (Autorin: Jana Peters) einen Artikel mit dem Titel „Alligator und Boa - Exotische Chemnitzer“. Darin kommen Tierschützer zu Wort, welche die Regelung für die Haltung von gefährlichen Tieren in Sachsen als zu lasch empfinden. Grundsätzlich sehe ich dies ähnlich. In Sachsen gibt es keine landesweite Regelung für die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren. Manche Städte haben in ihren Polizeiverordnungen besondere Regelungen erlassen. Außerdem greifen in Sachsen natürlich auch die Regelungen auf Bundesebene. Dennoch wäre eine genauere Regelung inkl. einer Tierliste und Rahmenbedingungen für eine legale Haltung, wie sie z.B. in Hamburg umgesetzt wurde, für die Behörden, die öffentliche Sicherheit und auch die Halter solcher Tiere in Sachsen wünschenswert.

Dass sich dubiose Tierschutz- und Tierrechtsvereine nach Nordrhein-Westfalen nun dem nächsten Bundesland widmen, um auch dort eine Gefahrtierregelung mit möglichst strengen Einschränkungen der privaten Wildtierhaltung zu fordern, war natürlich abzusehen. Stück für Stück wird die Tierhaltung in einer (veganen) Salamitaktik in ganz Deutschland systematisch abgeschafft. Würden sich die Tierhaltungsgegner dabei wenigstens auf Fakten berufen, die ein solches Vorgehen rechtfertigen, würde ich dies gar nicht so stark kritisieren. In dem o.g. Artikel wird aber erneut deutlich, dass der ideologische Kreuzzug mit Fakten leider nichts zu tun hat! Den Stein ins Rollen zu bringen versucht nun mal wieder eine kleine „Tierschutzorganisation“ aus Berlin namens „aktion tier - menschen für tiere e.V.“, die bereits in der Vergangenheit nicht gerade mit validem Zahlenmaterial ihre Forderungen unterstreichen konnte. So tätigt die Geschäftsführerin dieses Clubs Ursula Bauer gegenüber der Freien Presse im oben verlinkten Artikel folgende Aussagen:
"Ich denke, in sächsischen Haushalten wartet noch so einiges, wovon bisher niemand etwas weiß", so die Tierschützerin. Über das Internet lasse sich heute alles bestellen. "Die Klapperschlange kommt in einer Papp-Box mit der Post", so Bauer. Dass die Mississippi-Alligatoren, die es in Chemnitz gibt und die in Terrarien leben, artgerecht gehalten werden, könne sie sich nicht vorstellen.
„Ich denke...“, „Ich glaube...“, „Ich stelle mir vor...“ – sind wir hier im Religionskurs oder reden wir über Fakten? Was Frau Bauer denkt, glaubt oder sich vorstellt ist schlicht und ergreifend nicht relevant! Zudem ist ihre Panikmache unerträglich. Wenn es tatsächlich Leute gibt, die Giftschlangen mit der Post versenden, sind das verantwortungslose Idioten, die das auch dann noch machen würden, wenn ein Gefahrtiergesetz in Sachsen beschlossen würde. Der Versand von Wirbeltieren mit der Post ist nämlich nicht gestattet. Verantwortungsvolle Halter und Händler wissen dies und halten sich auch daran. Diese sind es jedoch auch, die im Rahmen einer restriktiven Gesetzgebung in die Illegalität gedrängt würden. An der angeblich vorhandenen Gefahrensituation beim Tierversand würde ein neues Gesetz jedoch nichts ändern, weil ein solches die tatsächlichen Täter nicht beeindrucken würde.

Im o.g. Artikel kommt auch noch der Marktleiter einer Zoofachhandlung zu Wort:
Allerdings würden Anfragen nach Exoten immer seltener. Einen Boom habe es vor fünf bis sechs Jahren gegeben. Ursula Bauer sieht das anders. Sie glaubt, dass der Trend nach wie vor anhält, sich lediglich ins Internet verlagert habe.
Letzteres ist offenbar wieder eine These aus der heiligen Tierschutz-Bibel der Tofu-Fraktion. Amen! Die Faktenlage sieht jedoch gänzlich anders aus. Nicht nur der Zoofachhandel bestätigt in diesem (wie auch schon in anderen Publikationen), dass die Nachfrage im Bereich der Terraristik rückläufig ist. Die jährlichen Importzahlen von Reptilien nach Deutschland offenbaren dies ebenfalls:


Sicherlich liegt dies primär daran, dass immer mehr Nachzuchten den Markt füllen und somit immer weniger Importe notwendig sind. Damit ist die Mutmaßung von Frau Bauer tatsächlich noch nicht widerlegt. Wenn sich jedoch der „Exotenboom“ ins Internet verlagert haben soll, sollte eine Abfrage bei Google Trends dies ja bestätigen:

 

Quelle: Suchanfragen bei https://www.google.de/trends/?hl=de am 24.06.2015 17:26 Uhr
Diese Abfragen zeigen, dass das vegane Gutmenschentum boomt, nicht jedoch die Haltung von exotischen Wildtieren. Dass sich der Handel mit Wildtieren ins Internet verlagert hat, so wie es Ursula Bauer „glaubt“, wird damit eindeutig widerlegt! Sie tritt mit ihren Mutmaßungen erneut in den Kampf gegen eine Randgruppe von Tierhaltern, die ohnehin bereits ausstirbt, statt sich mal einem Gegner auf Augenhöhe (z.B. aus der Massentierhaltung) zu suchen. Dies ist in meinen Augen ein sehr armseliges Verhalten, aber offenbar sehr effektiv, um einen auf noblen „Tierschützer“ zu machen!

Zum Schluss des Artikels kommt dann immerhin auch noch der Leiter eines Tierheims zu Wort, der das bestätigt, was auch schon der Deutsche Tierschutzbund in seiner Tierheimumfrage ermittelte:
Mit abgegebenen potenziell für den Menschen gefährlichen Tieren habe er noch nie zu tun gehabt, sagt Jens von Lienen, Leiter des Chemnitzer Tierheims.
Laut der Tierheimbefragung des Tierschutzbundes betrug der Anteil an potentiell gefährlichen Tieren in den 214 befragten Tierheimen lediglich 0,1 Prozent und spielt damit statistisch kaum eine Rolle. In Anbetracht der unzähligen Hunde und Katzen in Tierheimen ausgerechnet strenge Regelungen für die sogenannte Exotenhaltung zu fordern, ist blanker Hohn. Die meisten Tierschutzaktivisten haben einfach nicht den Schneid, um sich den wahren Tierschutzproblemen in Deutschland zu widmen, weil man sich dafür mit der eigenen Lobby anlegen müsste.  

Und da ich ja eh schon meinen Ruf als Hundehasser weg habe:
Solche Vereine unterstützen sogar noch die Überhundung des westlichen Abendlandes, indem sie Tierschutzfälle aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln oder den Abschuss von wildernden Exemplaren unterbinden, während die Tierheime immer voller werden. Daher wäre ein sofortiges Importverbot von Straßenhunden aus dem Ausland angebracht, bis die Tierheimsituation sich gebessert hat! Aber die Nachfrage ist scheinbar dann doch zu groß:




Montag, 22. Juni 2015

Haltung gefährlicher Tiere: Regelungen des Bundes

Auf Bundesebene gibt es bisher keine einheitliche Regelung, was die Haltung von gefährlichen Tieren betrifft, weil das Grundgesetz die Bundesländer zur Schaffung von Regelungen für die Gefahrenabwehr befugt? 
 
Falsch gedacht, solche Regelungen gibt es sehr wohl:

Ordnungswidrigkeitengesetz
In den einzelnen Bundesländern werden Gefahrtierregelungen im Rahmen des Ordnungsrechts behandelt. Diese Regelungen sind im Prinzip lediglich eine Verschärfung einer bundesweit einheitlichen Reglementierung, die in § 121 Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) festgelegt ist:
§ 121 Halten gefährlicher Tiere

(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. ein gefährliches Tier einer wildlebenden Art oder ein bösartiges Tier sich frei umherbewegen läßt oder
 
2. als Verantwortlicher für die Beaufsichtigung eines solchen Tieres es unterläßt, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Schäden durch das Tier zu verhüten.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.
Somit kann auch jetzt schon in den Bundesländern, die keine eigene Gefahrtierregelung beschlossen haben, (entgegen der Panikmache seitens Tierrechtslobbyisten und Medien) eingegriffen werden, wenn ein Tierhalter ein gefährliches Wildtier nicht sicher untergebracht hat und somit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt.

Die Formulierung des § 121 OWiG ist natürlich sehr allgemein gehalten. Welche Terrarientiere gelten z.B. als gefährlich im Sinne des OWiG? Außerdem können Verstöße nur mit Bußgeldern (in Höhe von bis zu 1.000 Euro gemäß § 17 OWiG) geahndet werden. Theoretisch kann ein Halter danach weiterhin seine Tiere in einer unsicheren Art und Weise halten. Beschlagnahme ist gemäß OWiG nämlich prinzipiell nicht möglich. Ferner dient das Gesetz nur dazu, bereits begangene Verstöße zu ahnden, nicht jedoch das Entstehen solcher Situationen zu vermeiden, indem die Anschaffung eines potentiell gefährlichen Tieres bereits mit bestimmten Auflagen verbunden wird. Diese Lücken schließen die einzelnen Gefahrtierregelungen der verschiedenen Bundesländer mehr oder weniger.

Nach allgemeiner Rechtsauffassung handelt es sich bei gefährlichen Tieren um Vertreter von Tiergattungen, die für den Menschen erfahrungsgemäß eine Gefahr für Leib, Leben und Eigentum/Besitz darstellen. Es ist auch davon auszugehen, dass Bußgelder eine gewisses Abschreckungspotential haben. Außerdem gilt zuerst einmal die Unschuldsvermutung und somit die Annahme, dass Gefahrtierhalter ihre Tiere sicher untergebracht haben. Fällt ein Tierhalter mehrfach durch mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein auf, kann das zuständige Ordnungsamt durchaus eine weitere Tierhaltung untersagen und auf diesem Weg die Tiere einziehen, auch wenn das OWiG dies nicht direkt vorsieht. Rechtsgrundlage dafür bietet das Tierschutzgesetz. Dieses schreibt vor, dass Tiere „verhaltensgerecht“ untergebracht werden müssen. Die Unterbringung von potentiell gefährlichen Tieren wird nach allgemeiner Rechtsauffassung nur in ausbruchsicheren Behältnissen / Gehegen ihrem (potentiell gefährlichen) Verhalten gerecht. Außerdem ist anzunehmen, dass ein Halter nicht die erforderliche Sachkunde gemäß § 2 TierSchG besitzt, wenn er potentiell gefährliche Tiere dauerhaft nicht ausbruchsicher untergebracht hat. Daher ist eine Beschlagnahme und somit eine dauerhafte Abstellung der Gefahr auf diesem Weg durchaus möglich.

Strafrecht
Darüber hinaus bietet das Strafrecht genug Ahndungsmöglichkeiten, wenn ein Tierhalter fahrlässig oder mutwillig einen anderen Menschen durch sein „Gefahrtier“ geschädigt hat. Infrage kommen dafür beispielsweise fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB), gefährliche oder schwere Körperverletzung (§ 226 bzw. § 224 StGB) oder eine vorsätzliche oder fahrlässige Tötung (§ 212 bzw. § 222 StGB).

Diese Regelungen ahnden zwar auch erst einen bereits begangenen Verstoß und nützen den geschädigten Opfern auch nichts mehr, aber dennoch dienen diese Regelungen prinzipiell erst einmal der Abschreckung und somit der Gefahrenvermeidung. Potentiell gefährliche Tiere bieten zwar von Natur aus ein gewisses Gefahrenpotential und werden deswegen strenger reglementiert als z.B. tote Gegenstände, die lediglich eine passive Gefahr darstellen, dennoch ist diese Unterscheidung aus meiner Sicht nicht notwendig. Sind gefährliche Tiere nämlich sicher untergebracht, wovon im Allgemeinen auszugehen ist (allein die Halter haben ein Interesse am Selbstschutz), geht von ihnen ebenfalls keine aktive Gefahr mehr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus.

Zivilrecht
Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt in § 823 vor:
(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.
Der Halter eines Tieres haftet für die Schäden, die durch sein Tier entstanden sind. Auch in solchen Situationen ist es möglich, eine Tierhaltung zu unterbinden, wenn weiterhin die Unversehrtheit Dritter als gefährdet angesehen wird. Dies läuft jedoch auf zivilrechtlicher Ebene ab. Beispielsweise müsste ein Nachbar, der von einem entflohenen Terrarientier geschädigt wurde, die Abstellung der Tierhaltung selber einklagen und für die befürchtete Gefährdung entsprechende Beweise liefern. Derartige Verfahren sind natürlich langwierig und können auch nur den Einzelfall behandeln. Dies mag zu kritisieren sein, stellt aber aus meiner Sicht die Tierhalterrechte sicher, die es prinzipiell ebenfalls zu schützen gilt.

Gegen Verstöße im Einzelfall vorzugehen, ist jedenfalls wesentlich rechtsstaatlicher als prophylaktisch jeden „Gefahrtierhalter“ mit restriktiven Maßnahmen zu gängeln. Frei nach dem rechtsstaatlichen Grundsatz: „Lieber tausend Verbrecher auf freiem Fuß als ein Unschuldiger im Gefängnis.“

Chemikaliengesetz
Das Gesetz zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Chemikaliengesetz, ChemG) enthält ebenfalls einen Paragraphen, der sich auf Tiere bezieht:
§ 18 ChemG – Giftige Tiere und Pflanzen

(1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, soweit es zum Schutz von Leben oder Gesundheit des Menschen unter Berücksichtigung der Belange des Natur- und Tierschutzes erforderlich ist, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates vorzuschreiben, dass Exemplare

1. bestimmter giftiger Tierarten
a) nicht eingeführt oder nicht gehalten werden dürfen,
b) nur eingeführt oder gehalten werden dürfen, wenn geeignete Gegenmittel und Behandlungsempfehlungen vom Einführer oder Tierhalter bereitgehalten werden, oder
c) nur eingeführt oder gehalten werden dürfen, wenn dies der zuständigen Behörde zuvor angezeigt wird
Somit wäre die Einführung einer bundeseinheitlichen Verordnung für die Haltung von gefährlichen Gifttieren inkl. entsprechender Tierliste/n und Auflagen wie einer behördlichen Meldepflicht bereits jetzt problemlos möglich. Dass eine solche Verordnung im Falle von Verboten auch Ausnahmen ermöglichen sollte und eine gesetzlich vorgeschriebene Vorhaltepflicht von Antiseren inkl. Behandlungsempfehlungen nicht anzuraten ist, habe ich schon mehrfach in anderen Beiträgen begründet.

Eine sehr erfreuliche Regelung wäre ebenfalls dank § 17 ChemG möglich, welcher besagt, dass eine Abgabe nur unter bestimmten Voraussetzungen oder nur an bestimmte Personen erfolgen darf. Somit könnte eine bundeseinheitliche Gifttierverordnung den Handel soweit reglementieren, dass eine Abgabe nur an sachkundige Halter erfolgen darf und Händler ihre Zu- und Abgänge ebenfalls behördlich melden müssen. Durch eine solche Regelung würde ein bisher undurchsichtiger Handel ohne strikte Reglementierungen, die Halter und Händler in die Illegalität drängen würden, für die Behörden transparent. Außerdem würden potentiell gefährliche Gifttiere in Zukunft nur in sachkundigen Händen landen, wodurch die Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bereits im Vorfeld einer Tierhaltung ausgeschlossen werden könnte. 

Fazit:
Bereits jetzt bietet das Bundesrecht diverse Möglichkeiten, eine sichere Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren sicherzustellen. Man müsste nur diese Regelungen einmal richtig nutzen. Stattdessen werden immer mehr Verordnungen geschaffen, welche die Bürokratie verschlimmern und systematisch die Grundrechte von Tierhaltern grundlos einschränken. Aufgrund dieser Verschlimmbesserung stehen nun Positivlisten auf der Agenda, mit denen die Verkomplizierung wieder zurückgeschraubt werden sollen. Dieses Vorgehen ist einfach nur absurd und wird auf dem Rücken der Minderheit der Terrarianer ausgetragen. Eine Minderheit übrigens, welche die Mitgliederzahl der Partei Bündnis 90 / Die Grünen ca. 6,5-mal übersteigt!

Donnerstag, 18. Juni 2015

SPD veröffentlicht Positionspapier Tierschutz

Am 16. Juni 2015 beschloss die SPD-Bundestagsfraktion ein Positionspapier zum Thema Tierschutz. Darin wird primär auf die Nutztierhaltung eingegangen. Doch auch die Haltung von Wildtieren wird erneut thematisiert. So heißt es für die private Wildtierhaltung:
Die SPD-Bundestagsfraktion ist für die Einführung einer Positivliste für Tiere, die in Deutschland legal gehalten werden dürfen (Heim und Wild). Solche Listen gibt es bereits in mehreren EU-Staaten (Belgien/Niederlande).

Der internationale Wildtierhandel muss stärker an nachhaltigem Artenschutz sowie am Tierschutz ausgerichtet werden. Unter anderem wollen wir verschärfte Prüfvorschriften für Importe in die EU und nach Deutschland, den Verkauf von Wildtieren auf gewerblichen Börsen verbieten, den Internethandel reglementieren und allgemein die Haltungsbedingungen für Wildtiere verbessern.
Dass die Politik das Internet nicht reglementieren kann, hat sie in der Vergangenheit ja schon öfters bewiesen. Hier sehe ich keine Gefahr für unser Hobby. Die Verbesserung der Haltungsbedingungen (beispielsweise eine Überarbeitung der Mindesthaltungsrichtlinien und die Umsetzung von Sachkundeprüfkonzepten) halte ich für gut. Dort besteht nämlich tatsächlich eine Möglichkeit, das Tierwohl zu verbessern, ohne verantwortungsvolle Halter zu gängeln.

Die geplanten Börsenverbote sind wohl trotz der vorgeschobenen Argumente leider nicht mehr aufzuhalten. Zu sehr wurden politische Entscheidungsträger von den Tierhaltungsgegnern und ihren aus dem Kontext gerissenen „Beweisaufnahmen“ von angeblichen „Wühlkisten“ gehirngewaschen. Zu sehr haben Zoofachbetriebe oder vermeintliche Tierhalterverbände aus skrupellosen wirtschaftlichen Interessen die Politik bei diesem Vorhaben unterstützt, um den konkurrierenden Parallelmarkt auszumerzen. Zu schwach war der Zusammenhalt der Tierhalter, die nicht erkannten, dass Börsen- und Gefahrtierverbote erst der Anfang sein werden.

Das Resultat sieht man: Wie ich es eigentlich schon erwartet habe, ist mit der Formulierung einer „bundeseinheitlichen Regelung der privaten Wildtierhaltung“ im Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung nicht etwa ein bundeseinheitliches Gefahrtiergesetz gemeint, sondern die Einführung von Positivlisten. Positivlisten sind jedoch ein tier-, arten- und naturschutzrechtlicher Skandal! Warum das so ist, erläutere ich ausführlich in meinem Beitrag: Was sind eigentlich… Positivlisten?

Fakt ist, dass es folgende kritische Punkte bei der Heimtierhaltung gibt, die mit Positivlisten abgedeckt werden sollen:

1. Gefahr für die Natur durch das Tier. Hierfür gibt es bereits die Regelungen durch das Bundesnaturschutzgesetz.

2. Bedrohung einer Tierart durch den Menschen. Hierfür gibt es diverse Artenschutzregelungen wie die Bundesartenschutzverordnung, die EU-Artenschutzverordnung und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.

3. Gefahr für das Wohl des individuellen Tieres durch den Menschen. Hierfür gibt es das Tierschutzgesetz, die Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport sowie weitere Sonderbestimmungen wie die Mindesthaltungsrichtlinien.

4. Gefahr für den Menschen durch das Tier. Hierfür gibt es die Gefahrtiergesetze der einzelnen Bundesländer, jedoch fehlt eine bundeseinheitliche Regelung.

Letzteres ist die einzige Lücke, die es zu stopfen gilt. Positivlisten, die alle genannten Punkte vereinen, sind dafür jedoch ungeeignet, weil sie bestehende Gesetze und Verordnungen (sogar auf EU-Ebene) ad absurdum führen! Offenbar hat die SPD trotz Ereignissen wie dem SPD-Wildtier-Symposium im Bundestag oder der Fachtagung der Heimtierbranche „Wir fürs Tier“ in Berlin nicht begriffen, was die Umsetzung solcher Regelungen für ein immenses Tierleid verursachen würde. Von den absolut unsozialen Einschränkungen ganz zu schweigen. Wenn das Volk der hiesigen Demokratur zukünftig mit Wahlen mal wieder ein wenig Demokratie spielen darf, sollte sich jeder Tierhalter ganz genau überlegen, ob er sein Kreuzchen bei der SPD macht! 

Sinn und Zweck solcher Überlegungen sind aber mit ein wenig politischem Sachverstand leicht nachvollziehbar: Bisher ist der Gesetzgeber noch in der Pflicht, den Handel und die Haltung einer beispielsweise gefährdeten Art durch Änderungen der Artenschutzregelungen zu reglementieren. Dies lässt sich (wie auch die angestrebten Importverbote) normalerweise nur auf EU-Ebene durchsetzen, was natürlich intensive Arbeit bedeutet. Durch die Einführung von kurzen Positivlisten wird ein Schlupfloch genutzt, um den Handel und die Haltung in nur einem Staat reglementieren zu können, ohne den Umweg über das EU-Parlament gehen zu müssen. Außerdem werden dadurch die Halter in die Beweis- und Kostenpflicht genommen, während sich der Gesetzgeber ausruhen kann. Perfide, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Man will es sich halt leicht machen.  

Umso wichtiger, dass wir nicht aufgeben und unsere Hilfe sowie unser Fachwissen weiterhin auf politischer Ebene einbringen, um derartige Regelungen zu verhindern!

 


Fachtagung der Heimtierbranche „Wir fürs Tier“ in Berlin


Am 21. Mai 2015 trafen sich in Berlin ca. 100 Politiker, Experten der Heimtierbranche und Vertreter von Tierschutzverbänden zur Fachtagung „Wir fürs Tier“ des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF). In zwei Themenforen wurde die gesellschaftliche Bedeutung von Heimtieren diskutiert. Eines dieser Themenforen beschäftigte sich mit der Haltung und dem Handel von Wildtieren. Referenten waren Robert Kless vom International Fund for Animal Welfare (IFAW), Svein A. Fosså von der European Pet Organization (EPO), der Tierarzt Dr. Markus Biffar von der ZZF-Fachgruppe Heimtierzucht und -großhandel und Ute Vogt von der SPD-Bundestagsfraktion.

Nach der absurden Ergebnisdarstellung einer Beobachtung des Internethandels durch den International Fund for Animal Welfare (IFAW-Studie über Onlinehandel mit Wildtieren), der eng mit der „Artenschutzorganisation“ Pro Wildlife vernetzt ist, wundert es mich nicht, dass in dem Fachforum die folgenden Forderungen abschließend formuliert wurden:

Es sei notwendig, zukünftig massiv gegen Tierbörsen und den Online-Handel vorzugehen. Wie unsere Bundeskanzlerin bereits sagte: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Daher sehe ich den Online-Handel kaum in Gefahr. Das massive Vorgehen gegen Tierbörsen wird man wohl leider nicht mehr stoppen können, wo doch sogar manche Zoohändler sowie die von ihnen gegründeten und gesponserten „Dachverbändein dasselbe Horn blasen, primär wirtschaftliche Interessen vertreten und die Interessen von z.B. Gefahrtierhaltern zu diesem Zweck gerne mal opfern (Gefährliche Tiere sind nicht lukrativ für die Vivaristik relevant).

Die Sachkenntnis für den Umgang mit sogenannten „Exoten“ soll erhört werden. Grundsätzlich ein guter Ansatz, jedoch wünsche ich mir dies auch von den ganzen Tierhaltungsgegnern, die kaum Sachkenntnis durchblicken lassen.

Eine transparente Regulierung soll geschaffen werden und dabei das Fachwissen aus Tierschutz, Wissenschaft und Praktikern einfließen. Insbesondere der wissenschaftliche Einfluss und die Expertise von Praktikern lassen die jüngsten Beschlüsse (z.B. beim Thema „Gefahrtierhaltung“) leider vermissen. Somit ist dieser Ansatz natürlich begrüßenswert. Bleibt abzuwarten, ob das nur wieder Worthülsen sind und sich am Ende nicht doch wieder primär auf die Scheinargumente der Tierschutz- und Tierrechtsvereine gestützt wird.

Geplant ist eine Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Verbänden, in der Daten über den Anteil der gehandelten und gehaltenen Wildfänge (!) erfasst werden sollen. Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt.

Die Folgen der Regulierungen sollen beachtet werden, damit nicht plötzlich illegaler Tierhandel geschaffen wird. Ach was…

Am 16. Juni 2015 beschloss die SPD-Bundestagsfraktion ein neues Positionspapier zum Thema Tierschutz, welches die auf der Fachtagung beschlossenen Punkte aufgreift, die aber eigentlich immer schon von den Tierhaltungsgegnern in den Block der SPD diktiert wurden.

Dienstag, 16. Juni 2015

Erfolg: Presserat weist MOPO24.de auf Verstöße hin

Am 24.03.2015 veröffentlichte „MOPO24.de“ einen Artikel mit der Schlagzeile „Er hielt sich Giftschlangen, nun ist er tot!“. Diese Überschrift suggeriert dem Leser, dass ein Giftschlangenhalter an den Folgen eines Schlangenbisses gestorben sei. Fakt ist jedoch, dass besagte Person einem Krebsleiden erlag, die Schlangenhaltung somit in keinem Zusammenhang zum Ableben stand. Dies wird zwar im besagten Artikel später auch deutlich, da jedoch Untersuchungen zufolge doppelt so viele Leser lediglich die Überschrift eines Artikels lesen, wie den Artikel selbst, wird der Großteil der Leser durch eine solche Schlagzeile in die Irre geführt. Dies stellt aus meiner Sicht einen Verstoß gegen Ziffer 2 Pressekodex (Sorgfaltspflicht) dar.

Geschmückt wurde der Artikel zusätzlich noch mit einem Foto, welches den Verstorbenen nach einem Schlangenbiss im Krankenhaus zeigt. Dieses Foto entstand 2003 nachdem ein tatsächlicher Schlangenbiss glimpflich verlief. Zwar hatte das Bissopfer gewiss seine Einwilligung zur Veröffentlichung des Fotos in dem damaligen Zusammenhang gegeben, dass eine solche Einwilligung für eine Bildveröffentlichung in einem gänzlich anderen Zusammenhang (Ableben nach Krebsleiden) gegeben wurde, ist jedoch zweifelhaft. Hier lagen aus meiner Sicht eine Verletzung der allgemeinen Persönlichkeitsrechte des Betroffenen sowie ein Verstoß gegen Ziffer 2 Pressekodex (Schutz der Persönlichkeit) vor.

Aus diesen beiden Gründen legte ich am 26.03.2015 Beschwerde beim Deutschen Presserat ein, über den mit Beschluss vom 02.06.2015 nun entschieden wurde. Die Rechtsvertretung von MOPO24.de rechtfertigte die Verwendung des Fotos damit, dass die Einwilligung zur Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 vorlag und diese seitdem nicht vom Betroffenen bzw. seinen Angehörigen widerrufen wurde. Außerdem sei eine anlassbezogene Verwendung legitim, weil in dem Artikel ebenfalls auf die Schlangenhaltung hingewiesen wurde. Dies sah der Presserat jedoch anders. Eine posthume Veröffentlichung ist aus Sicht des Presserates eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen, welche nicht mehr durch eine 12 Jahre alte Einwilligung gedeckt ist. Ferner wurde das Bild in einem gänzlich anderen Zusammenhang erneut veröffentlicht, weswegen die Redaktion laut Presserat auf eine Verwendung des Bildes hätte verzichten müssen.

Die Verwendung der Schlagzeile rechtfertigte die Rechtsvertretung von MOPO24.de damit, dass das tatsächliche Ableben des Betroffenen im Artikel genannt wurde und die Überschrift nicht für sich allein genommen betrachtet werden dürfe. Hier waren die Mitglieder des Beschwerdeausschusses des Presserates übereinstimmend einer anderen Meinung. Die Überschrift erwecke beim Leser einen falschen Eindruck. Sie muss auch für sich genommen den Sachverhalt wahrheitsgemäß und unmissverständlich wiedergeben. 

Der Presserat sah meine Beschwerde somit als begründet an und erteilte der Redaktion von MOPO24.de einen entsprechenden Hinweis gemäß § 12 Beschwerdeordnung.

Fazit: 
Ein Hinweis stellt die mildeste Maßnahme des Deutschen Presserates im Falle einer begründeten Beschwerde dar. Die Redaktion ist im Nachgang nicht dazu verpflichtet, ihren Artikel entsprechend zu verändern. Dies hat die Redaktion von MOPO24.de bis jetzt auch nicht getan. Sensationsmedien sind dafür bekannt, dass sie selbst die härteste Maßnahme des Presserates (Rüge) nicht weiter beachten. Prinzipiell bleibt die polemische Medienpropaganda also bestehen. Gegen die unsachgemäße Verwendung des Fotos können lediglich die Angehörigen den Rechtsweg beschreiten. Erfahrungsgemäß machen dies jedoch die wenigsten Betroffenen, weil sie entweder ihre Rechte gar nicht kennen oder die möglichen Kosten scheuen und eine Persönlichkeitsverletzung somit einfach hinnehmen. 

Nachtrag vom 19.06.2015: Inzwischen erscheint beim Klick auf den Artikel-Link eine Meldung, dass der Beitrag nicht mehr existiert!

Somit verbuche ich diesen Fall als Erfolg. Seriöse Medien ändern z.B. bereitwillig ihre irreführenden Schlagzeilen (Erfolg: Rheinische Post ändert Schlagzeile). Sollte die Redaktion von MOPO24.de also nicht auch den Entschluss fassen, den Artikel entsprechend der kritisierten Punkte zu bearbeiten, offenbart sie ihre Meinung zum Pressekodex. Gerade in der heutigen Zeit voller medienkritischer Blogger sollten sich die etablierten Leitmedien genau überlegen, ob sie sich an den Pressekodex halten oder ob sie die ethische Grundlage eines seriösen Journalismus mit Füßen treten. Die Redaktion von MOPO24.de wird jedenfalls mit diesem Vorfall in der Jahresstatistik des Deutschen Presserates auftauchen.

Nach meinem Ableben wünsche ich mir übrigens eine Schlagzeile dieser Art: 



Dieser Fake-Artikel sollte eindeutig als Satire erkennbar sein.
Schließlich würde ich niemals auf die Idee kommen, meine Fenster zu putzen!!!

Samstag, 13. Juni 2015

Greenpeace und der Pakt mit PETA

Als Terrarianer mit einem recht hohen Stromverbrauch beziehe ich natürlich Öko-Strom (von der Naturstrom AG), weil mir die Konsequenzen für die Umwelt aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes der konventionellen Stromerzeugung bewusst sind. Mir ist es wichtig, dass die Stromerzeugung nachhaltiger gestaltet wird. Viele (Billig-)Stromanbieter und lokale Stadtwerke bieten auch Öko-Strom an, wobei es sich jedoch sehr häufig lediglich um norwegische „Ökostrom“-Zertifikate handelt, die für den deutschen Strom-Mix und den Ausbau von erneuerbaren Energien rein gar nichts leisten. Anbieter für echten Öko-Strom aus Deutschland, bei dem erneuerbare Energien auch noch ausgebaut werden, findet man nicht ganz so viele.

Eine Möglichkeit wäre z.B. „Greenpeace Energy“. Zumindest war es das bis vor kurzem noch für mich. Denn Greenpeace hat einen Pakt geschlossen, der vor lauter Doppelmoral so grausam stinkt, wie es eine frisch geöffnete Packung Sojamilch nicht besser könnte! Denn dieser Öko-Strom-Anbieter bewirbt auf seiner Website inwzischen „Tierleidfreie Energie aus Wasser- und Windkraft“ mit folgenden Worten:
Als Kunde von Greenpeace Energy entscheiden Sie sich für eine Stromversorgung aus sauberen Kraftwerken und geben ein Statement für den Tierschutz ab. Denn mit Ihrem Wechsel verbessern Sie nicht nur Ihre persönliche CO2-Bilanz, Sie unterstützen zugleich die Arbeit von PETA Deutschland e.V., denn 30,- Euro werden beim Wechsel an die Tierrechtsorganisation gespendet.
Dass Strom aus Wasser- und Windkraft prinzipiell mehr individuelles Tierleid erzeugt (geschredderte Fische und Vögel) als z.B. Atomkraft, kann leider nicht von der Hand gewiesen werden. Für mich wiegt das Massensterben aufgrund der Umweltverschmutzung jedoch höher als das individuelle Tierleid der Tiere, die bei dieser Stromerzeugung ums Leben kommen oder schwer verwundet werden. PETA hingegen steht ja dafür, das Leid des einzelnen Individuums bekämpfen zu wollen. Dass dieser Verein nun Öko-Strom bewirbt, zeigt deutlich, dass man für 30 Euro pro Vertragsabschluss ruhig mal wieder seine Prinzipien über Bord werfen kann. Sei es drum, ist halt PETA.

Dass jedoch Greenpeace diesen Verein auch noch mit Spenden unterstützt, zeigt mir, dass dort offenbar ein Überschuss an Geldern vorhanden sein muss. Ein Grund für mich, in Zukunft von Spenden an diesen Verein abzusehen. Schade, ich fand die Arbeit von Greenpeace eigentlich immer ganz gut. Durch den Pakt mit PETA wurde jedoch mein Vertrauen missbraucht. Pfui!
 

Donnerstag, 4. Juni 2015

Haltung gefährlicher Tiere: Länder ohne Regelung

Die folgenden Bundesländer haben aktuell keine Regelung für die Haltung von potentiell gefährlichen Terrarientieren:

Baden-Württemberg
Derzeit keinerlei Regelungen auf Landesebene.

Brandenburg
Derzeit keinerlei Regelungen auf Landesebene.

Mecklenburg-Vorpommern
Eine bestehende Gefahrtierregelung ist inzwischen ohne Ersatz erloschen.

Nordrhein-Westfalen
Derzeit keinerlei Regelungen auf Landesebene. Ein Gesetzesentwurf liegt jedoch vor. Geplant sind neben einer Meldepflicht leider auch strikte Haltungsverbote.

Saarland
Eine bestehende Gefahrtierregelung ist inzwischen ohne Ersatz erloschen.

Sachsen
Derzeit keine Regelungen auf Landesebene, aber einige mehr oder weniger sinnvolle Regelungen auf kommunaler Ebene. Mehr dazu hier.

Sachsen-Anhalt
Eine bestehende Gefahrtierregelung ist inzwischen ohne Ersatz erloschen.

Das Fehlen einer allgemeinen Regelung für die Haltung von gefährlichen Tieren in den o.g. Bundesländern empfinde ich durchaus als Missstand. Es ist nicht nachvollziehbar, dass z.B. in Berlin eine Tierhaltung verboten ist, die in Brandenburg nicht reglementiert ist. In den genannten Bundesländern darf man ganz legal gefährliche Tiere ohne Anmeldung bei den Ordnungsbehörden halten. Ausgenommen sind lediglich ein paar einzelne Städte, welche die Haltung solcher Tiere reglementiert haben. So schreibt § 8 der „Polizeiverordnung der Landeshauptstadt Dresden zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Dresden“ lediglich eine Meldepflicht vor, während § 16 der „Polizeiverordnung - Sicherheit und Ordnung in der Stadt Leipzig“ die Haltung von z.B. Giftschlangen aber auch Königspythons (!) unter Erlaubnisvorbehalt stellt. Ähnlich sieht es in Stuttgart aus, wo jedoch eine eigenständige „Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Tiere einer wildlebenden Art“ beschlossen wurde.

Die Gefahrtierverordnung von Sachsen-Anhalt ähnelte der von Niedersachsen, ist jedoch im Jahre 2005 außer Kraft getreten. In Mecklemburg-Vorpommern war ein Haltungsverbot in einem Paragraphen des Landesnaturschutzgesetzes verankert, welcher jedoch 2004 außer Kraft trat.

Die Saarländische „Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher wilder Tiere durch Privatpersonen“ wurde 2006 glücklicherweise außer Kraft gesetzt (durch das „Gesetz Nr. 1592 zur Neuordnung des Saarländischen Naturschutzrechts“). Laut der ursprünglichen Verordnung waren alle Arten der Warane und Pythons (darunter also auch harmlose und häufig gehaltene Arten wie z.B. der Königspython) verboten, während Giftschlangen in keiner Weise reglementiert waren. Verstöße konnten mit 125 DM Zwangsgeld bestraft werden. Das waren noch Zeiten… 


Manche der o.g. Bundesländer sind sich der Problematik einer fehlenden Gefahrtierregelung sehr wohl bewusst und planen bereits eine Anpassung der Gesetzeslage. Da jedoch aktuell eine bundeseinheitliche Regelung zur Diskussion steht, sehen sich manche Länder nicht unmittelbar in der Verantwortung, etwas zu ändern.

Auf der anderen Seite ist die Panikmache der Medien und diverser Tierrechtsvereine nicht nachvollziehbar. Die Anzahl der statistisch relevanten Unfälle mit potentiell gefährlichen Terrarientieren liegt trotz fehlender Regelungen in den genannten Bundesländern praktisch bei null. Eine mit Sachverstand eingeführte Regelung auf bundesweiter Ebene, die sachkundigen Privathaltern eine Haltung dieser Tiere ohne Gängelung seitens der Behörden erlaubt, ist zwar wünschenswert, jedoch zeigen die Statistiken, dass von Tieren wie Giftspinnen, Panzerechsen oder sogenannten „Riesenschlangen bisher für die Bevölkerung keine messbare Gefahr ausgegangen ist. Statistisch gesehen birgt jeder Sektkorken eine größere Gefahr! In den Medien klingt der Fund einer Giftschlange leider sehr viel länger nach als die regelmäßigen Vorfälle mit Hunden, Pferden oder Katzen. Die seltenen Einzelfälle mit exotischen Tieren werden hingegen wochenlang in den Medien breitgetreten, um die Abneigung der Bevölkerung gegenüber diesen Tieren zu befriedigen und dadurch Leser zu begeistern. Doch ist und bleibt es nicht fair, wenn eine kleine Randgruppe aufgrund von Einzelfällen eingeschränkt und somit diskriminiert wird, während Vorfälle mit niedlichen Tieren emotional kaum wahrgenommen werden! Lediglich sogenannte „Kampfhunde“ fallen durch das Kindchenschema, was ebenso zu kritisieren ist.

Um es mit den Worten von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert in einer Rede im Oktober 2013 zu sagen:
Die Kultur einer parlamentarischen Demokratie kommt weniger darin zum Ausdruck, dass am Ende Mehrheiten entscheiden, sondern darin, dass Minderheiten eigene Rechtsansprüche haben, die weder der Billigung noch der Genehmigung durch die jeweilige Mehrheit unterliegen. Die Minderheit muss wissen, dass am Ende die Mehrheit entscheidet, was gilt, und die Mehrheit muss akzeptieren, dass bis dahin – und darüber hinaus – die Minderheit jede Möglichkeit haben muss, ihre Einwände, ihre Vorschläge, wenn eben möglich auch ihre Alternativen zur Geltung zu bringen.
Vergleicht man die „Gefahrtierhaltung“ mit dem Risiko anderer Hobbies wie z.B. Skifahren, müsste man eigentlich auch strengere Regelungen dieser Freizeitbeschäftigungen fordern. Aber jeder Bürger sollte mündig genug sein, um selbst zu entscheiden, in welches persönliche Risiko er sich bei seinen Freizeitaktivitäten begibt.

Daher fordere ich bei allen Diskussionen über eine bundeseinheitliche Gefahrtierverordnung um Wahrung der Rechte von Minderheiten, Ablegen von emotionalen Vorurteilen gegenüber bestimmten Tierarten, Sachverstand und Konsultation sachkundiger Fachleute wie den Mitgliedern der Tierhalterverbände! Kriminellen Konsorten aus der Tierrechtslobby, die regelmäßig Straftaten wie Hausfriedensbruch begehen, und ihren ideologisch motivierten Dachvereinen sollten keinerlei Mitspracherecht bekommen, da sie einerseits nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen aufstellen und andererseits häufig nicht das erforderliche wissenschaftliche und rechtsstaatliche Fachwissen besitzen!


Mittwoch, 3. Juni 2015

Eine Frage der Zuverlässigkeit

Am 29. Mai veröffentlichte Find-mich-Fix auf Facebook eine (unvollständige) Statistik über Hundesuchmeldungen, die seit Neujahr 2015 bis zum 29. Mai in ihrer Datenbank aufgegeben wurden. Insgesamt wurden bisher 1.518 Hunde als vermisst gemeldet, wobei die Betreiber selber anmerken: „Da uns nicht alle entlaufenen und gefundenen Hunde bekannt werden, wird die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen.“

Jeder entlaufene Hund ist ein Zeichen für einen unzuverlässigen Halter. Wäre die Sicherung des Hundes ordnungsgemäß erfolgt, wäre dieser gar nicht erst entflohen. Hunde benötigen natürlich Freilauf gemäß TierSchG, aber dabei darf die Sicherung des Tieres nicht auf der Strecke bleiben (eigene Privatanlagen oder öffentliche Freilaufflächen - wer keines davon bieten kann, sollte sich keinen Hund anschaffen!). Oftmals handelt es sich bei den Ausreißern um schlecht sozialisierte Tiere (sogenannte „Angsthunde“), bei denen bereits in den ersten entscheidenden Lebenswochen grobe Haltungsfehler begangen wurden.

Laut der European Pet Food Industry Federation (FEDIAF) befanden sich 2012 in Deutschland ca. 1.350.000 Reptilien und ca. 5.300.000 Hunde in der Heimtierhaltung. Wären Terrarianer im gleichen Maße zuverlässig oder eben unzuverlässig wie Hundehalter, müssten rein rechnerisch aktuell 387 entlaufene Reptilien durch Deutschland kreuchen. Da jedoch Reptilien sehr viel mehr Aufsehen erregen und es deswegen eher als Meldung in die Medien schaffen, ist von einem derart hohen Anteil wohl nicht auszugehen, zumal Schlangen mit die beliebtesten Reptilien sind, die jedoch auch weitaus mehr Gemüter erregen als z.B. Sichtungen von Schildkröten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Reptilienhalter objektiv betrachtet sehr viel zuverlässiger sind als Hundehalter.

Natürlich ist jedes entlaufene Tier bereits eines zu viel. Von Hunden geht allerdings auch noch eine weitaus größere Gefahr aus als von den allermeisten Terrarientieren (einerseits anatomisch, andererseits durch eine höhere Gefahr im Straßenverkehr). Dennoch wäre es in Anbetracht dieser Zahlen falsch, alle Hundehalter über einen Kamm zu scheren. Schließlich hält der Großteil der Halter seine Hunde sicher und sozialisiert sie auch gut. Wegen ein paar schwarzen Schafen sollte man nicht mit dem Finger auf alle Hundehalter zeigen. ABER gleiches gilt für Reptilienhalter. Nur weil ab und zu mal eine Schildkröte ausgesetzt wird oder eine Schlange aus einem nicht vollständig gesicherten Terrarium entkommt, muss man doch nicht gleich alle Halter vorverurteilen und ihnen ihre Zuverlässigkeit absprechen! Ich zeige mich durchaus solidarisch mit den allermeisten Hundehaltern, erwarte dieselbe Solidarität im Gegenzug aber auch für uns Terrarianer. Und wenn man uns (aufgrund von Einzelfällen!) unsere Tierhaltung verbieten möchte oder uns ohne nachvollziehbaren Grund strenge Auflagen zumutet, dann fordere ich dies im gleichen Maße auch für z.B. Hundehalter. Alles andere wäre ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle.

Montag, 1. Juni 2015

Haltung gefährlicher Tiere: Thüringen

In Thüringen gilt seit September 2011 das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren (ThürTierGefG) welches nicht nur die Haltung von potentiell gefährlichen Wildtieren, sondern auch die Hundehaltung reglementiert. Die Haltung von „gefährlichen Hunden“ sowie von gefährlichen Wildtieren unterliegt einer Erlaubnispflicht durch die zuständige Ordnungsbehörde.

Grundsätzlich besteht in Thüringen also schon mal kein striktes Haltungsverbot. Eine solche Regelung ist begrüßenswert, weil verantwortungsvollen Haltern somit eine Haltung möglich bleibt. Rahmenbedingungen für eine Erlaubniserteilung sind neben der Volljährigkeit des Halters das Vorhandensein der erforderlichen Sachkunde und Zuverlässigkeit. Die Sachkunde wird gemäß der im Jahr 2012 veröffentlichten Thüringer Verordnung über die Prüfungsstandards und die Durchführung der Sachkundeprüfung bei gefährlichen Tieren (ThürSachkundePrüfVO) durch Vorlage entsprechender Unterlagen bei Antragstellung geprüft. Dabei muss vom Antragsteller u.a. dargestellt werden, welche Maßnahmen für eine sichere Unterbringung des Tieres notwendig sind und dass grundlegende Kenntnisse über die artgerechte Haltung vorhanden sind. Zu einem Fachgespräch mit einem Sachkundeprüfer kann zusätzlich geladen werden, falls die dem Antrag beigefügten Angaben nicht ausreichen sollten, um die Haltersachkunde zu belegen.

Des Weiteren besteht gemäß § 10 ThürTierGefG eine Haftpflichtversicherungspflicht:
Der Halter eines gefährlichen Tieres ist verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung zur Deckung der durch das Tier verursachten Personen- und Sachschäden mit einer Mindestversicherungssumme in Höhe von 500 000 Euro für Personenschäden und in Höhe von 250 000 Euro für sonstige Schäden abzuschließen und aufrechtzuerhalten.
Eine Versicherungspflicht besteht gemäß § 2 auch für Hundehalter und schreibt dieselben Versicherungssummen vor. Das Thema Haftpflichtversicherung wird kontrovers diskutiert. Im Gegensatz zu Hunden werden die für die Vivaristik relevanten „Gefahrtiere“ im Regelfall nie in den öffentlichen Raum geführt. Bei Vorhandensein einer sicheren Unterbringung besteht somit faktisch keinerlei Möglichkeit, dass diese Tiere eine dritte Person schädigen. Wozu also vorschreiben, dass ein Halter sich dahingehend versichern muss? Aus meiner Sicht ist ein Versicherungsschutz als Zusatzbaustein in der Privathaftpflichtversicherung zwar (je nach gehaltener Tierart) durchaus empfehlenswert, jedoch sollte diese nicht gesetzlich vorgeschrieben werden, da dies unverhältnismäßig wäre. Die gleiche Meinung vertritt auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dieser äußerte sich zu ähnlichen Bestrebungen in Nordrhein-Westfalen folgendermaßen:
Bezüglich der vorgesehenen Einführung einer Pflichthaftpflichtversicherung für die Halter gefährlicher Tiere wildlebender Art bestehen jedoch Bedenken. So stellt eine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung kein geeignetes Mittel zur Gefahrenprävention und Förderung von Risikobewusstsein dar. Auch ist nicht sichergestellt, dass Versicherungsschutz für alle gehaltenen Wildtiere zur Verfügung steht.
Quelle: Stellungnahme des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft zum Entwurf für ein Nordrhein-Westfälisches Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tieren wildlebender Arten (Gefahrtiergesetz – GefTierG NRW)

Gemäß § 3 ThürTierGefG galten zum Inkrafttreten des Gesetzes „Tiere einer wildlebenden Art, die Menschen durch Körperkraft, Gifte oder Verhalten erheblich verletzen können und ihrer Art nach unabhängig von individuellen Eigenschaften allgemein gefährlich sind“ als gefährlich im Sinne des Gefahrtiergesetzes. Damals musste im Zweifelsfall noch bei der zuständigen Ordnungsbehörde nachgefragt werden, welche Tierarten unter diese Definition fallen. Da dies logischerweise mit der Zeit ziemlich aufwendig wurde, erkannte man auch in Thüringen, dass die Schaffung einer Tierliste sinnvoll wäre. Diese wurde 2012 mit der Verordnung über gefährliche Tiere im Sinne des § 3 Abs. 1 Nr. 1 des Thüringer Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren (ThürWildtierGefVO) eingeführt. Über das Gefahrenpotential einzelner Arten lässt sich zwar bekanntlich streiten, die Thüringer Liste ist aus meiner Sicht im direkten Ländervergleich aber durchaus vorbildlich und die Listung der meisten Arten nachvollziehbar.

Während die Zucht von und der Handel mit „gefährlichen Hunden“ gemäß § 11 ThürTierGefG ausdrücklich verboten ist, besteht ein solches Verbot für potentiell gefährliche Wildtiere nicht.

Soweit eigentlich alles recht vorbildlich (zumindest für die Wildtierhaltung). Leider bleibt es nicht dabei, denn das ThürTierGefG liefert noch weitere Einschränkungen, die eine private Haltung bedauerlicherweise dann doch nahezu unmöglich machen:

Gifttierhalter müssen beispielsweise ein geeignetes Gegenmittel inkl. Behandlungsempfehlung bereithalten. Dies ist absolut absurd, weil wohl kaum ein Arzt ein dubioses Gegengift aus einem Privatbestand im Falle eines Unfalls anwenden würde und das Vorhandensein von Gegengift im heimischen Kühlschrank somit eine Sicherheit vorgaukelt, die gar nicht gegeben ist. Außerdem handelt es sich bei Gegengiften um Gefahrstoffe, von denen im Privathaushalt somit ebenfalls eine gewisse Gefahr ausgeht. Insbesondere da die Behandlungsempfehlungen darauf ausgelegt sind, dass Dritte das Gegengift verabreichen sollen. Herzlichen Glückwunsch, der Patient ist noch vor Eintreffen der Rettungskräfte gestorben. Die einzig vernünftige Behandlungsempfehlung würde lauten: „Tier sichern, Arzt rufen und Finger weg vom Gegengift!“ Die Vorratshaltung ist zudem mit immensen Kosten verbunden, die aus den o.g. Gründen nicht zu rechtfertigen sind. Statt einer solchen Regelung wäre die verpflichtende Mitgliedschaft in einem Serenverein, der die Gegengifte bundesweit entsprechend der Tierbestände seiner Mitglieder koordiniert, die kostengünstigere, verlässlichere und somit sinnvollere Lösung.

In Thüringen wird zwar prinzipiell kein Unterschied zwischen der privaten und der gewerblichen Haltung gemacht, Gefahrtierhalter müssen jedoch einen „besonderen wissenschaftlichen oder beruflichen Bedarf“ für die Haltung vorweisen. „Liebhaberei“ wird in aller Regel nicht als ausreichende Begründung akzeptiert. Ein solcher Passus ist nicht nachvollziehbar. Warum dürfen z.B. gewerbliche Schausteller mit Publikumsverkehr potentiell gefährliche Tiere eher halten als private Liebhaber, deren Tierhaltung von der zuständigen Behörde als sicher abgenommen wurde? Auf eine sichere Unterbringung kommt es doch primär an und nicht auf den Zweck der Haltung. Die Halter von „gefährlichen Hunden“ haben in Thüringen übrigens ähnliche Probleme: Sie müssen nachweisen, warum ihr Tierwunsch nicht durch eine „ungefährliche Rasse“ ebenso angemessen befriedigt werden kann.

Fazit: 
Das Thüringer Gefahrtiergesetz hätte das Potential gehabt, die bundesweit nachvollziehbarste, liberalste und zugleich konsequenteste Gefahrtierregelung zu werden. Der Erlaubnisvorbehalt, die Zucht- und Handelserlaubnis sowie die Tierliste haben durchaus Vorbildcharakter. Doch aufgrund der vorgeschriebenen Vorratshaltung von Antiseren durch Gifttierhalter, dem nicht nachvollziehbaren geforderten wissenschaftlichen oder beruflichen Bedarf sowie aus meiner Sicht auch aufgrund der Haftpflichtversicherungspflicht gehört das Thüringer Gefahrtiergesetz leider zu den schlechtesten der Bundesrepublik.