Mittwoch, 23. September 2015

6 Gründe, DOCH eine Schlange zu kaufen

Kürzlich veröffentlichte die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland in ihrem VeganBlog einen Artikel, in dem deutlich vom Erwerb einer Schlange als Heimtier abgeraten wird: 6 Gründe, NIEMALS eine Schlange zu kaufen
 
Neben der üblichen Panikmache wegen ein paar Dutzend entflohener Reptilien in Deutschland pro Jahr (im Vergleich zu Hunderten Vorfällen allein mit Hunden, allein im ersten Quartal des Jahres und allein in Berlin/Brandenburg) werden grundlegendende Falschbehauptungen von PETA aufgestellt, die größtenteils nicht einmal mit einer Quelle belegt werden. Gehen wir einzelnen Zitaten mal näher auf den Grund:
Für die Händler und Züchter zählt nur die Masse an Tieren. […] Die Tiere werden mitunter derart vernachlässigt, dass häufig noch nicht einmal ihr Tod auffällt.
Diese Behauptung ist viel zu sehr verallgemeinert. Fakt ist, dass die allermeisten Züchter durchaus sorgsam mit ihren Tieren umgehen. Man kann nicht einerseits mit Profitgier argumentieren und dann behaupten, dass alle Züchter ihre Tiere vernachlässigen würden und unbeobachtet sterben lassen. Ein solches Verhalten würde die Profite logischerweise schmälern, daher ist diese Argumentation vollkommen absurd. Die Aufzucht von Reptilien erfordert (wie auch die Aufzucht anderer Heimtiere) eine spezialisierte Fachkunde, Zeit und Geld. Als Züchter kann man mit dem Verkauf eines Tieres aus seiner eigenen Nachzucht kaum die Kosten decken, die bei der Aufzucht entstanden sind. Dies ist auch gar nicht der Anspruch der meisten Züchter. Alle mir persönlich bekannten Züchter und auch meine Wenigkeit züchten Reptilien, weil uns der Vorgang an sich reizt. Wir halten z.B. Schlangen, weil wir sie beobachten wollen. Wir wollen deswegen auch beobachten, wie sich diese Tiere fortpflanzen und wie sie aufwachsen. Wir spielen nicht Gott und erschaffen neues Leben, um es zu quälen oder in eine ungewisse Zukunft zu verramschen. Wir erschaffen Leben, weil wir wissen, dass Reptilien & Co. außer von uns kaum beachtet oder gar aktiv geschützt werden und aufgrund des Menschen langsam von unserem Planeten getilgt werden. Nicht primär wegen irgendwelcher Naturentnahmen, sondern wegen Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Insbesondere Tierarten, bei denen die Nachzucht eine besondere Herausforderung darstellt, wollen wir „knacken“ (eine Nachzucht schaffen). Auch vor dem Hintergrund, dass wir Naturentnahmen verringern wollen. Dafür stecken wir viel Geld in artgerechte Unterbringung und Aufzucht, welches durch den Verkauf der Nachzuchten nicht einmal zurück gewirtschaftet werden kann. Die Zucht von Reptilien ist also ein nachhaltiges Ehrenamt im Dienste der Artenvielfalt! Einen besseren Grund für eine Tierhaltung gibt es ja wohl kaum.
Ein nicht unerheblicher Teil der Tiere wird auf Börsen angeboten und teilweise zu „Schleuderpreisen verramscht“. Diese skrupellose Industrie solltest du nicht unterstützen!
Hierbei gebe ich PETA insofern Recht, dass manche Reptilien zu Schleuderpreisen verramscht werden. Hierbei handelt es sich durchweg um Tiere, die in Massen gezüchtet werden und deren Ansprüche man ohne tiefgreifende Fachkenntnisse erfüllen kann. Bei diesen Tieren haben sich z.B. Farbzuchten entwickelt, bei denen der Überschuss an normal gefärbten Exemplaren regelrecht verramscht wird. Ein leuchtendes Negativbeispiel gerade aus dem Bereich der Schlangenzucht ist die sogenannte „Odd-Ball-Versteigerung“ eines großen Züchters, der im Internet geschützte Königspythons in eine ungewisse Zukunft versteigert, weil zu viele Farmzuchten importiert wurden (eigene Aussage des Züchters) oder aber weil aufgrund der intensiven Zucht von neuen Farbvarianten zu viele wildfarbene Überschusstiere produziert wurden. Ein solches Vorgehen wird von mir ebenfalls scharf kritisiert, trotzdem würde ich diesem Züchter niemals unterstellen, dass er die Tiere in seiner Zucht vernachlässigen würde. Denn wäre dies der Fall, wäre die Qualität nicht gut genug und er könnte sich nicht am Markt halten. Denn neben Masse zählt nun mal auch Klasse. Sind die Tiere von einem Züchter anfällig und sterben schnell weg, würde dieser Züchter seine Kundschaft schneller verlieren, als er Nachschub produzieren könnte.

Im Gegensatz zum illegalen Welpenhandel, bei dem die Tiere aus dem Kofferraum heraus verkauft werden und wo Züchter unerkannt bleiben, findet der Reptilienhandel (noch) auf Börsen statt, bei denen die Behörden die Händler überprüfen können. Verbietet man Börsen, werden Reptilien bald verstärkt auf Bahnhöfen und Parkplätzen gehandelt. Der Tierschutz bleibt dabei auf der Strecke.

Die meisten der Reptilien wurden ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und in eine gewinnbringende Industrie gesteckt, die fühlende und verletzliche Lebewesen mit kaum mehr Fürsorge behandelt als Autoteile.
Wenn ich sehe, dass manche Leute mit ihren Autos zärtlicher umgehen als mit ihren Partnern, ist diese Aussage ja schon fast als Lob aufzufassen. Die Behauptung von PETA ist trotzdem gelogen, was problemlos belegt werden kann, wenn man einen Blick auf die Importzahlen und Vertriebswege wirft. PETA argumentiert dann gerne mit einer mysteriösen Dunkelziffer, weil dem Verein echte Zahlen zur Untermauerung der Behauptung fehlen. Ohne valide Zahlen hat eine solche Behauptung jedoch keinerlei Wert und kann vernachlässigt werden.
Schlangen benötigen ganz bestimmte Umgebungs- und Lichtverhältnisse und die richtige Nahrung.
Das ist richtig. Deswegen gibt es ja auch Terrarien und die erforderliche Terrarientechnik auf dem Markt, um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Jedes Tier hat besondere Ansprüche.
Die Tiere meiden jeden Kontakt zum Menschen – werden sie hochgehalten, angefasst, gestreichelt oder herumgereicht, bedeutet das für sie zum einen Stress und macht sie zudem anfälliger für Krankheiten und Verletzungen.
Auch das ist allgemein gesagt richtig. Schlangen und andere Terrarientiere sind Beobachtungstiere und keine Kuscheltiere. Dies ist sachkundigen Haltern durchaus bekannt. Dennoch gibt es Ausnahmen von der Regel: Meine Strumpfbandnattern zeigen z.B. keinerlei Scheu vor mir. Sie kommen sogar freiwillig in meine Richtung (sie suchen also regelrecht den Kontakt), weil sie mein Erscheinen mit Futter verbinden. Wenn sie sich an mich als Futterspender erinnern können, können sie sich sicherlich auch daran erinnern, dass zwischen meinem Erscheinen und der Futtergabe eine Herausnahme aus dem Terrarium in eine Futterbox erfolgt. Sie verbinden also das notwendige Anfassen mit einem positiven Erlebnis und haben deswegen inzwischen jede Art von Stressreaktion abgelegt. Zugegeben, anfangs standen sie unter Stress, zeigten Abwehrreaktionen und eine schnellere Atemfrequenz. Dieses Verhalten legten sie jedoch in nur wenigen Wochen ab. Nicht etwa, weil ich sie mit Schlägen dressierte (Argumentation von PETA in Bezug auf Wildtiere in Zirkussen) oder sie schon nach kurzer Zeit ihren Lebenswillen verloren, sondern weil sie positive Erfahrungen sammelten. Ähnliches Verhalten kann man bei vielen anderen Terrarientieren beobachten (sogar bei wildlebenden Exemplaren).

Und da Schlangen weder jaulen noch schreien oder sich krümmen, fallen Verletzungen oft gar nicht auf und werden demnach auch nicht behandelt.
Ich wage auch sehr zu bezweifeln, dass irgendwer von PETA in der Lage wäre, bei einer Schlange ein Unwohlsein zu diagnostizieren. Für fachkundige Halter ist das jedoch weniger ein Problem. Gerade weil es sich um Beobachtungstiere handelt, fallen Abweichungen vom Normalverhalten recht schnell auf. Veränderter Kot, erbrochene Futtertiere etc. sorgen ebenfalls dafür, das Vorhandensein einer Krankheit zu erkennen. Hauskatzen lassen sich Krankheiten und Verletzungen doch auch nicht anmerken. Wird eine Freigängerkatze von einem Auto erfasst, kehrt sie im besten Fall heim und kann behandelt werden. Oftmals verkriechen sich diese Tiere jedoch instinktiv in einem Versteck, um dort qualvoll zu sterben. Wenn das nicht mal ein guter Grund dafür ist, sich lieber eine Schlange anzuschaffen!
Schlangen essen als Fleischfreeser Kaninchen, Mäuse und Ratten. Diese Tiere müssen im Zoogeschäft erworben werden, was die grausame Industrie zusätzlich finanziert.
Dass sich nicht alle Schlangen ausschließlich von Nagetieren ernähren, soll an dieser Stelle mal nicht weiter vertieft werden. Fakt ist, dass sich Hunde und Katzen auch von Fleisch ernähren – zumindest, wenn man sie dem TierSchG und der TierSchHuV entsprechend artgerecht ernährt. Die Herkunft dieser Futtermittel liegt ebenfalls in einer Industrie, die laut PETA-Definition Tiere ausbeutet. Es steht also jedem frei, sich für ein veganes Leben zu entscheiden und auf eine Schlangenhaltung zu verzichten, wenn er ein Problem damit hat, dass zu Futterzecken Tiere sterben müssen. So jemand muss dann aber auch auf die Hunde- und Katzenhaltung verzichten. Wer Schlangenhalter kritisiert, jedoch selber carnivore oder omnivore Tiere pflegt oder deren Haltung nicht mit gleichem Aufwand anprangert, ist ein Heuchler! Die Herkunft der Tiere aus Tierschutzfällen ist kein Argument, weil mein eigener Exotenbestand größtenteils aus solchen besteht. Mehr gibt es zu diesem angeblichen „guten Grund“ gegen die Schlangenhaltung nicht zu sagen, außer vielleicht, dass Katzen und Hunde mehrmals täglich Nahrung benötigen, während sich eine Schlange je nach Art und Alter mit 1 bis 2 Beutetieren im Monat begnügt – in der Summe also weniger Tierleichen frisst. Auch ein guter Grund, sich doch eine Schlange anzuschaffen.
Schlangen sind geschaffen dafür, üppige Urwälder und Sümpfe zu durchkriechen und dabei all ihre Sinne einzusetzen.
Davon abgesehen, dass die „üppigen Urwälder“ auf unserem Planeten in Flammen stehen, durchkriechen Schlangen diese Lebensräume nicht aus purer Lust an der Freude. Ob eine Schlange auf einem Ast oder in einer engen Höhle liegt, der bzw. die sich in einem Terrarium befindet oder in einem riesigen Urwald, ist ihr herzlich egal, solange sie alle ihre Bedürfnisse erfüllen kann. Das Bedürfnis eines Lauerjägers lautet „lauern und auf Beute warten“ und nicht „heute krieche ich mal ein paar Kilometer durch den üppigen Urwald und biete mich meinen Fressfeinden als Beute an“. Auch hier unterscheiden sich Schlangen von z.B. Katzen. Einer Katze ist es nämlich oftmals nicht egal, wenn sie den ganzen Tag in einer kleinen Wohnung hockt. Sie will ein großes Revier in dem sie ihren Jagdtrieb ausleben kann. Da Freigängerkatzen jedoch eine Gefahr für die heimische Fauna darstellen, kann man Katzen nur mit großem Aufwand sicher und zugleich artgerecht halten. Würden Halter von Freigängerkatzen endlich mal angemessen bestraft und Freigänge grundsätzlich verboten werden, hätte so mancher Großstadt-Katzenhalter ein Problem. Warum dann nicht lieber ein Tier anschaffen, dessen Bedürfnisse man sehr viel leichter erfüllen kann? Ein guter Grund für die Schlangenhaltung.
Eine von der britischen Royal Society of Biology veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mindestens 75 Prozent der als sogenannte Haustiere gehaltenen Schlangen, Echsen und Schildkröten innerhalb eines Jahres nach ihrem Erwerb in ihrem „neuen Zuhause“ sterben.
Da PETA die Quelle nicht genau benennt, kann ich sie nicht überprüfen. Fakt ist, dass hier in Deutschland bereits Studien durchgeführt wurden, mit denen angeblich auf miserable Haltungsbedingungen geschlossen werden könne. Fakt ist jedoch, dass diese Studien derartige Rückschlüsse nicht ermöglichen, wie ich ausführlich hier dargestellt habe: Miserable Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand bestätigt
Viele werden auch einfach wie Müll im Freien abgeladen, wo sie schließlich verhungern oder anderen Gefahren wie Raubtieren ausgesetzt sind.
Hierbei lohnt ein Blick auf die Abgabezahlen in Tierheimen, die der Deutsche Tierschutzbund veröffentlichte: In einem Zeitraum von fünf Jahren wurden in den Tierheimen des Tierschutzbundes gerade einmal 9.068 Reptilien aufgenommen (= 1.814 Reptilien pro Jahr). Pro Jahr landen jedoch laut Tierschutzbund bis zu 130.000 Katzen und 80.000 Hunde in den angeschlossenen Tierheimen. Rückschlüsse darauf, welche Tierhalter eher überfordert sind, fallen also nicht schwer.
Die Überlebenden können dem heimischen Ökosystem empfindlich schaden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Reptil in unserem Ökosystem als invasive Art in Erscheinung tritt, beträgt lächerliche 0,02 Prozent (siehe Faunenverfälschung durch ausgesetzte Terrarientiere). Im Gegensatz dazu gilt die Hauskatze als die invasive Spezies, die den größten negativen Einfluss auf bedrohte einheimische Wildtierarten ausübt (GENOVESI et al., 2012).
Studien belegen, dass Reptilien wie Schlangen oder Echsen sehr häufig Träger von gefährlichen Bakterien sind – den Salmonellen, die sich beim Umgang mit den Tieren verbreiten.
Dass Tiere Krankheiten übertragen können und man deswegen auf Hygienemaßnahmen achten sollte, ist richtig. Fakt ist aber auch, dass das Infektionsrisiko beim Umgang mit Schlangen nicht höher ist als beim Umgang mit klassischen Haustieren. Dies wurde kürzlich durch eine aktuelle Studie bestätigt. Der größte Anteil der Salmonellosen lässt sich ohnehin auf den Kontakt mit Lebensmitteln zurückführen. Unter anderem auch auf Lebensmittel, die von Veganern konsumiert werden. Ein guter Grund also, Veganismus zu verbieten oder?

Fazit:
PETA argumentiert auf die aufgezeigten Vergleiche zur Katzen- oder Hundehaltung immer wieder damit, dass diese Tiere ja schließlich domestiziert seien. Wie domestiziert ist jedoch eine Katze, die sich im Krankheitsfall vor dem Menschen versteckt, in der Gefangenschaftshaltung randaliert und in unserer Umwelt problemlos ohne den Menschen überleben kann? Wie domestiziert ist ein Hund, der ohne Sozialisierung in den ersten Lebenswochen dem Menschen gegenüber scheu oder gar aggressiv reagiert? Von einer abgeschlossenen Domestikation kann also gar keine Rede sein! RICHTER et al. veröffentlichten 2012 einen Artikel im Deutschen Tierärzteblatt, der das Argument der Domestikation gegen die Wildtierhaltung ebenfalls entkräftet.


Darüber hinaus ist es sehr fragwürdig, dass sich eine Tierrechtsorganisation auf die Domestikation beruft, wo dieser Vorgang doch einer der grundlegendsten Eingriffe in die Freiheitsrechte von Tieren ist! Kein Tier ist plötzlich als Haustier auf die Welt gekommen. Sämtliche heute als domestiziert angesehenen Tiere wurden irgendwann einmal als Wildtier aus der Natur entrissen, um dem Menschen zu dienen. Was PETA also bei Schlangen anprangert, wird bei der Haltung von Hunden und Katzen als Rechtfertigung des eigenen Standpunktes hochgehalten?!

Die Absicht dahinter ist ganz einfach zu durchschauen: Eine Gesellschaft, die sich Studien zufolge größtenteils vor Schlangen, Spinnen und anderem „Ekelgetier“ fürchtet, kann man ohne großen Aufwand gegen das eine Prozent der Terrarianer-Haushalte in Deutschland aufhetzen, um Unterstützung in Form von Spendengeldern zu generieren. Würde man dieselben Argumente auf Hunde und Katzen übertragen, was problemlos möglich ist, würde man sich jedoch gleich mit einem Drittel der Haushalte in Deutschland anlegen (siehe ZZF-Markdaten, 2014). Die verlogene Doppelmoral von PETA dient also meiner Meinung nach einer simplen Propaganda zur eigenen Bereicherung! Anders ist auch nicht zu erklären, warum dieser Verein Anfragen zu Einschränkungen der Hunde-, Katzen- und Pferdehaltung ignoriert, mit Spendengeldern nicht transparent wirtschaftet  und die Stiftung Warentest zur Vorsicht bei Spenden an diese Organisation rät (test, 2013).

Sonntag, 20. September 2015

Tierrechtler vs. Tiernutzer: Upps, ich bin ein Veganer!

Nicht nur bei der aktuellen Flüchtlingskrise erleben wir das, was Soziologen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ nennen, sondern auch beim leidigen Kampf zwischen Tierrechtlern und den Personen, die diese als „Tiernutzer“ bezeichnen (wenn sie denn mal ausnahmsweise nicht solche Wörter wie Mörder, Tierschänder etc. aus ihrem Wortschatz kramen). Auffällig ist, dass dieser Kampf primär von Seiten der Tierrechtler ausgeht, die dabei immer wieder auch zu strafrechtlich relevanten Mitteln (Verleumdung, üble Nachrede, Hausfriedensbruch, terroristische Anschläge usw.) greifen. Gerechtfertigt wird dieser Hass auf alle Tiernutzer damit, dass man ja schließlich etwas für schwächere Wesen unternimmt, deren Rechte sonst keine Beachtung finden. 

Tierrechtler sind häufig von Grund auf frustrierte Menschen. Da sie z.B. in ihrem Job oder in ihrem Familienleben mit Konflikten zu kämpfen haben, die sie nicht bewältigen können, sind sie dauerfrustriert. Der Kampf gegen Tiernutzer stellt dabei ein Ventil zur Spannungsentladung dar. Und weil in Zeiten des Internets insbesondere auf den Websites einschlägiger Tierrechtsvereine schnell Mitstreiter gefunden werden, entsteht ein nicht mehr gekanntes Gemeinschaftsgefühl und die Tierrechtler fühlen sich stark. Sich über einen Tiernutzer zu stellen und ihn z.B. als Tierquäler zu beschimpfen, erhöht bei diesem Typ von Tierrechtler das eigene Ego. Man fühlt sich im Sumpf des unerfüllten Lebens endlich mal wieder für einen kurzen Moment lang stark. Diese Form von Tierrechtlern lenkt davon sehr gerne ab, indem sie Tiernutzern eben dieses Verhalten unterstellen. Beispielsweise mit der Behauptung, Exotenhalter würden ihr Ego dadurch stärken, dass sie sich mit exotischen Wildtieren schmücken. In Hinblick auf die ganzen politischen Repressalien und den starken Gegenwind seitens der von den Tierrechtssyndikaten aufgehetzten Bevölkerung, mit denen Exotenhalter zu kämpfen haben, ist diese Unterstellung einfach nur lächerlich und soll von den eigenen Unzulänglichkeiten der Tierrechtler ablenken.

Tierrechtler reagieren außerdem mit Angst und Abneigung auf Tiernutzer, weil sie deren Aktivitäten nicht verstehen. Veganismus und Tierrechtsaktivismus sind Großstadtphänomene. Die Naturentfremdung führt zu Unverständnis, diese führt zu Ängsten und diese wiederum zu Abneigung von Vorgängen, die in ländlichen Regionen als vollkommen natürlich und somit normal empfunden werden (Tierhaltung, Schlachtung, Jagd usw.). Die Angst vor dem Fremden entwickelt sich nicht nur bei der Zuwanderung, sondern auch bei der Tiernutzung schnell zu einer Art von Fremdenhass. Im Falle der Exotenhaltung fällt es umso leichter, Abneigungen zu empfinden, denn wer will schon Schlangen, Spinnen oder anderes Getier in der Nachbarschaft haben? Gegen die Tiere selbst zu hetzen, ist jedoch nicht so chic, wie seine Abneigungen ganz einfach unter dem Deckmantel eines veganen Tierrechtsaktivismus zu verstecken. Schließlich fühlt man sich dabei gleich noch als der bessere Mensch, weil man ja etwas für Tiere getan hat, mit denen man sich aber eigentlich gar nicht so sehr befassen möchte und von deren Bedürfnissen man ohnehin keinerlei Ahnung hat.

Veganismus ist inzwischen auch eine gesellschaftsfähige Ersatzreligion geworden und wird als moderner und gesunder Lifestyle beworben. Wer vegan lebt, ist gesund, sexy und glücklich. So jedenfalls die Suggestion einer Industrie, die mit dem Veganismus-Trend gutes Geld verdient und für die jede Art von Tiernutzung eine bedrohliche Konkurrenz darstellt. Man fürchtet um seine eigenen Werte, um seinen Status und seine Güter. Deswegen werden Tiernutzer als das abgrundtief Böse dargestellt, während nur der Veganer der einzig wahre Gutmensch ist. Von blutrünstiger Völlerei zum veganen Sojadrink, vom Ablasshandel zur PETA-Spende.

Wer jedoch wirklich eine gute Tat vollbringen möchte, der baut seine eigenen Vorurteile ab und versucht die Thematik nicht aus dem Bauch heraus zu bewerten, sondern anhand von Fakten.

Wenn man z.B. die private Haltung von Schlangen kritisiert, weil sich das einfach gut anfühlt, jedoch selber z.B. Katzen hält, sollte man schon wissen, dass die Mindesthaltungsrichtlinien des BMEL für die Schlangenhaltung Terrarien von wenigen Quadratmetern nennen, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. für Hauskatzen jedoch mind. 15 m² häuslichen Lebensraum empfiehlt. Dass also zumindest vom Platzbedarf Schlangen (wie auch andere Reptilien) wesentlich einfacher artgerecht und zugleich sicher zu halten sind als Hauskatzen.

Wer sich „tierleidfreie“ Plastikkleidung mit „PETA-Approved Vegan“ Logo aus Übersee importiert, der sollte bedenken, dass allein auf dem Transportweg sehr viel mehr Tiere verletzt und getötet wurden, als es bei der Produktion von regionaler Leder- oder Schafswollkleidung jemals möglich wäre, die noch dazu häufig länger gebrauchsfähig ist.

Wer überzeugt davon ist, dass Veganismus sich darin äußert, dass man in der Summe möglichst wenig Tierleid erzeugt, sollte erkennen, dass das regionale Wildfleisch eines weidgerecht erlegten Tieres, von dem mehrere Menschen satt werden können, in der Summe weniger Tierleid pro Kopf verursacht als vegane Fertigkost aus dem Supermarkt mit all ihren Pestizid- und Mähopfern. Nach der Logik des geringsten Tierleids bin ich als Regional-Wildfleischfresser und somit Befürworter der Jagd sehr viel eher als Veganer zu bezeichnen als die allermeisten Großstadtveganer! Mit Erschrecken musste ich darüber hinaus feststellen, dass der Großteil meiner Brotaufstriche und sogar mein Shampoo ein Vegan-Logo tragen...
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Um diese Gemeinsamkeiten zu erkennen, braucht es jedoch von beiden Seiten die Bereitschaft, sich auf „das Fremde“ einzulassen. Als Tiernutzer ist dies fast unmöglich, weil Tierrechtler, sobald sie sich in ihrer veganen Ersatzreligion angegriffen fühlen, erfahrungsgemäß für alle Sachargumente taub sind und am Ende nur noch mit persönlichen Beleidigungen ihren Standpunkt verteidigen können. Schließlich liegen Tierliebe und Menschenhass sehr nahe beieinander. Die engagiertesten Tierrechtler sind meiner Erfahrung nach leider auch immer die größten Misanthropen. 

Anmerkung:
Wenn engagierte Tierschützer, zu denen ich mich selbst zähle, etwas im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten unternehmen, um die „Rechte“ der Tiere durchzusetzen, welche z.B. im Tierschutzgesetz verankert sind, dann ist das nicht mit den Aktivitäten von Tierrechtlern zu vergleichen, die regelmäßig versuchen, Menschenrechte außer Kraft zu setzen, um vermeintliche Tierrechte durchzusetzen. Siehe dazu auch meinen Beitrag Begriffserklärung: Artenschutz, Tierschutz und die lieben Tierrechtler  


Dienstag, 15. September 2015

Salmonellen-Infektionsrate bei Reptilien so hoch wie bei Hunden und Katzen

Schon mehrmals erläuterte ich, warum die Angaben über eine Infektionsrate mit Salmonellen bei Reptilien in Höhe von bis zu 90 Prozent des Robert Koch-Institutes (RKI) nicht repräsentativ für die in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien sind. Untersucht wurden in den Studien, auf welche sich das RKI bezieht, nämlich nur bereits auffällige Reptilien in Haushalten, in denen bereits Kinder an einer Salmonellose erkrankten. Wer wen angesteckt hat und ob nicht vielleicht sogar andere Tiere wie Hunde oder Katzen im Haushalt der eigentliche Infektionsherd waren, wurde in einer RKI-Studie von RABSCH et al. gar nicht näher betrachtet. Allein von der Marktverteilung her ist anzunehmen, dass beim Großteil der untersuchten Haushalte auch diese klassischen Heimtiere vorhanden waren und somit eine potentielle Infektionsquelle darstellten. Auch die Tatsache, dass es sich um keine Blindstudie mit Tieren aus unauffälligen Haushalten handelte, entbehrt dieser Studie jeder Interpretationsgrundlage in Bezug auf alle in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien. Es ist regelrechter Wahnwitz, die Ergebnisse des Robert Koch-Institutes auf alle Reptilien in deutschen Haushalten zu übertragen! 

Zur Untermauerung der 90-Prozent-Angabe wird auch gerne auf eine Studie von WOODWARD et al. Bezug genommen, die jedoch lediglich Schildkröten aus kanadischen Zuchtfarmen untersuchte, die mit Schlachtabfällen aus der Geflügelzucht gemästet wurden. Die in dieser Studie ermittelte Infektionsrate von bis zu 90 Prozent kann somit ebenfalls nicht als die tatsächliche Infektionsrate mit Salmonellen bei in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien genannt werden.

Nun wurde in Kroatien eine Studie durchgeführt, die endlich mal keine auffälligen Verdachtstiere auf Salmonellen untersuchte und somit wesentlich repräsentativer ist. Und das schreibe ich nicht nur als von der „Salmonellenpanikmache“ betroffener Exotenhalter, sondern als leitender Angestellter in einem wissenschaftlichen Prüflabor und somit Kenner von wissenschaftlicher Objektivität. Untersucht wurden 200 augenscheinlich gesunde Reptilien (darunter Schlangen, Echsen und Schildkröten). Ergebnis: Die Infektionsrate mit Salmonellen bei in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien beträgt 13 Prozent.

Damit bergen Reptilien ein kaum höheres Infektionsrisiko als Hunde oder Katzen. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, das jeder zehnte Hund mit Campylobacter oder Salmonellen infiziert war. KRAFT & DÜRR geben für Hauskatzen eine Salmonellen-Infektionsrate in Höhe von 11 Prozent an. 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass etwa jeder zehnte Hund, jede zehnte Katze und jedes zehnte Reptil Salmonellen ausscheidet und theoretisch auf den Menschen übertragen kann, was insbesondere für kleine Kinder, ältere Personen und Personen mit einer Immunschwäche eine potentielle Gefahr darstellt.

Empfehlungen zur Einhaltung von hygienischen Standards (kein Kontakt zu Lebensmitteln, Händewaschen nach Kontakt etc.) sind somit bei Reptilien und auch bei klassischen Haustieren angebracht. Panikmache oder gar Verbotsforderungen unter Berufung auf das angebliche besonders hohe Zoonose-Risiko sind jedoch absurd! Würde man dies objektiv zu Ende führen, käme man zu der Erkenntnis, dass Reptilien im Alltag kaum mit Menschen in direkten Kontakt kommen und nach Reinigungsarbeiten ein Händewaschen problemlos eingeplant werden kann. Hunde und Katzen als soziale Haustiere hingegen treten häufiger in Kontakt zum Menschen und die Hygienemaßnahmen werden dabei häufiger vernachlässigt. Zu Bedenken wäre dabei auch, dass Keime von wechselwarmen Tieren nicht unbedingt auf den Menschen übertragen werden können, ganz im Gegensatz zu den Keimen von Hunden oder Katzen. Wer also nach Verboten schreien möchte, kann dies gerne bei den Tieren tun, die eine potentiell höhere Infektionsgefahr für den Menschen darstellen. Aber das sind eindeutig nicht Reptilien!


Literatur:
Maja Lukac, Karl Pedersen, Estella Prukner-Radovcic; PREVALENCE OF SALMONELLA IN CAPTIVE REPTILES FROM CROATIA; 2015 

Kraft W. & Dürr U.M.; Katzenkrankheiten; 1996

 

Samstag, 12. September 2015

Zu Besuch im Tierpark Bad Pyrmont

Am Montag, den 31. August 2015 strahlte RTL die Reportage „Team Wallraff - Reporter Undercover“ mit Günter Wallraff aus. Thema waren Missstände in Freizeitparks. Unter anderem wurde mit Hilfe von Laura Zodrow vom sog. „Tierschutzverein“ Animal Public e.V. über eklatante Missstände im Tierpark Bad Pyrmont berichtet. Dort wurde ein Schimpanse sechs Monate lang alleine in seinem Gehege gehalten, ehe er schließlich dank RTL (so jedenfalls die Suggestion der Sendung) an einen Auffangstation in England vermittelt wurde. Zur allgemeinen Empörung wurde auch noch ein frisch geborenes männliches Schweinchen geschlachtet, zerteilt und an Raubtiere verfüttert. Die „Tierschützerin“ sprach empört von einem gravierenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, da der wichtige Grund zur Tötung des Tieres aus ihrer Sicht fehlte.

Spätestens an diesem Punkt der Sendung wurde ich misstrauisch. Die Realitätsverzerrung seitens des „Tierschutzvereins“ Animal Public ist mir als Terrarianer nur allzu bekannt. Ebenso die einseitige Berichterstattung des Senders RTL. Als aktivem Tierschützer ist mir natürlich ebenso bekannt, dass ein wichtiger Grund zur Tötung eines Tieres auch dann vorliegt, wenn es zur Produktion von Nahrung oder Tierfutter geschlachtet wird. Vorausgesetzt die schlachtende Person hat die entsprechende Sachkunde. Entweder kennt sich Frau Zodrow dann doch nicht so gut beim Thema Tierschutz aus oder aber sie tätigte absichtlich eine Falschaussage, um die RTL-Zuschauer (die sich im Tierschutzgesetz wahrscheinlich nicht so gut auskennen) zu täuschen und den Tierpark zu diskreditieren. Bereits bei der Schlachtung der Giraffe „Marius“ im Zoo Kopenhagen bäumte sich der disneyfizierte Pöbel auf. Faktisch macht es aber ganz einfach keinen Unterschied, ob ein Zoo Schlachtfleisch kauft und an seine Raubtiere verfüttert oder ob er seine Futtertiere selber „produziert“.

Beängstigend waren nach Ausstrahlung der Sendung auch die Bewertungen des Tierparks auf Google, die einen regelrechten Shitstorm darstellten. Die Stimme des Tierschutzes ging sogar soweit, dass die Tierpark-Leitung bereits nach wenigen Tagen knapp 60 Morddrohungen erhielt. Die engagiertesten Tierrechtler sind eben auch immer die größten Misanthropen. Inzwischen wurden die strafrechtlich relevanten Kommentare vermutlich aufgrund von Unangemessenheitsmeldungen wieder entfernt.

Stellungnahme des Tierparks:
Bevor ich über meinen heutigen Besuch im Tierpark Bad Pyrmont berichte, möchte ich an dieser Stelle noch auf die Stellungnahme des Tierparks zu den anderen Missständen, die in der Wallraff-Reportage gezeigt wurden, auf dessen Homepage verweisen. Diese macht für mich grundsätzlich Sinn. RTL war laut Aussage des Tierparks übrigens nicht zu einer Gegendarstellung bereit, was einem qualitativen Journalismus diametral gegenübersteht! Aber was will man auch von einem Sender erwarten, der in weiser Voraussicht des Intellekts seiner Zielgruppe seine Online-Mediathek nicht nur unter rtl-now.de sondern auch unter rtl-nau.de anbietet?

Mein Besuch im Tierpark:
Da Bad Pyrmont nur wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt und dort laut Angaben auf der Internetseite auch diverse Reptilien und einige Amphibien gehalten werden, bot es sich mir natürlich an, selber mal vorbeizuschauen und mir ein eigenes Bild von der dortigen Tierhaltung zu machen. Denn im Gegensatz zu irgendwelchen feigen Heckenpennern, die ohne rechtsgültiges Impressum vom Fliesentisch aus im Internet ihrem Analhusten Gehör verschaffen, mach ich mir insbesondere dann gerne ein eigenes Bild, wenn einschlägig bekannte „Tierschutzvereine“ irgendwelche „Tiernutzer“ in Verruf bringen.

Beim ersten Rundgang durch den Tierpark konnte ich keine nennenswerten Missstände feststellen. Ich kenne mich zwar bei den Haltungsbedingungen der meisten Säugetiere nicht wirklich aus, kann aber durch Besuche in anderen zoologischen Einrichtungen Vergleiche ziehen. Mir fiel z.B. kein einziges Tier auf, das stereotype Verhaltensweisen an den Tag legte. Während ich in anderen Tierparks teilweise den Eindruck hatte, dass es sich bei den Tieren um sehr naturnahe Roboter handelte, die immer dieselben Bewegungsmuster an den Tag legten und teilweise sogar rückwärts durch ihre Gehege stolperten, erfüllte kein einziges Tier im Tierpark Bad Pyrmont dieses Bild. In der Wallraff-Reportage erweckten die Gehege den Eindruck, extrem trist zu sein, als würden die Tiere auf nacktem Betonboden eingesperrt und hätten keinerlei naturnahe Unterbringung. Dieses Bild spricht da wohl eine ganz andere Sprache:


Leider wurde dieser durchaus positive erste Eindruck im Laufe meines Besuches dann doch extrem getrübt! Denn in Sachen Reptilienhaltung bezeichne ich mich durchaus als Kenner und kann bei diesen Tieren die Haltungsbedingungen gut einschätzen. Während die Wasserschildkröten noch einen guten Eindruck auf mich machten... 


...machte mich beim Außengehege der Griechischen und Maurischen Landschildkröten bereits die Tatsache stutzig, dass in ihrem Schutzhaus keine erkennbare Wärme- und UV-Quelle vorhanden war. Insbesondere an wechselhaften Herbsttagen, wäre eine solche aber durchaus angebracht, um die Tiere nicht jetzt schon in eine regelrechte „WinterUNruhe“ zu schicken.



Aber dies ist im Vergleich zu den Missständen im sog. „Reptilienhaus“ des Tierparks noch eine Lappalie. Zuerst einmal stand an den Türen des Reptilienhauses, dass man diese nach Betreten schließen solle. Dies war jedoch nicht möglich, weil eine der Türen im offenen Zustand an einem Haken eingehängt wurde. Somit war ein kühler Durchzug durch das kleine Reptilienhaus garantiert. Darin befanden sich ein größeres Terrarium u.a. mit Sporn- und Pantherschildkröten. Diese hatten (wie schon die Landschildkröten im Freigehege) keinen Wärmestrahler zur Verfügung. Auch die Beleuchtung war für diese tagaktiven Tiere unzureichend.


Man verzeihe mir die schlechte Bildqualität der Fotos aus dem Reptilienhaus, aber es war darin halt sehr dunkel und ich wollte die Tiere nicht durch Blitzlicht stressen . Manche der Fotos wurden sogar noch von mir aufgehellt, damit man überhaupt die Tiere erkennen kann. 

In einem anderen Terrarium wurde eine Bartagame (Pogona vitticeps) gehalten. Beleuchtet wurde das Terrarium mit 1,5 Leuchtstoffröhren und einer Energiesparlampe – womöglich mit UV-Anteil. Da jedoch ein Wärmespot fehlte (Energiesparlampen mit UV-Licht sollten immer mit einem solchen kombiniert werden, weil nur so aus dem Provitamin D3 das für den Calciumstoffwechsel wichtige Vitamin D3 in der Reptilienhaut gebildet werden kann) und die vermeintlichen UV-Quellen viel zu weit vom Tier entfernt waren (sie strahlen nur etwa 10 cm weit UV-Licht in der ausreichenden Menge ab), ist nicht anzunehmen, dass das sonnenliebende Tier ausreichend UV-Licht bekommt. Als Wärmequelle wurde augenscheinlich ein Heizkabel in einer Sand-Ecke des Terrariums verlegt, in der sich die Bartagame die ganze Zeit aufhielt. Diese Art der Wärme ist unnatürlich und ersetzt bei tagaktiven Sonnenanbetern keinen Sonnenplatz! Vergleiche ich das Verhalten dieses Tieres mit meinen sehr aktiven Bartagamen (in deren Terrarien aber auch mindestens die zehnfache Menge an Energie fließt), kann von einer artgerechten Bartagamenhaltung im Tierpark Bad Pyrmont leider keine Rede sein.


Ein ähnliches Bild bot sich in einem Kornnatter-Terrarium. Wobei ich bei diesen eher dämmerungsaktiven Tieren fairerweise Abstriche in der Beleuchtung akzeptiere. Mangels Thermometern war eine Überprüfung der Temperatur unmöglich. Ein Lob bekommt der Tierpark aber für die durchweg sauberen Trinkgefäße.


Wieder erschüttert hat mich dann die Haltung zweier Schönnattern (Orthriophis taeniurus). Immerhin war hier ein Hygrometer vorhanden und die Luftfeuchtigkeit lag in einem guten Bereich. Da den Tieren aber offenbar ebenfalls eine adäquate Wärmequelle fehlte, wickelten sie sich um die einzig vorhandene Leuchtstoffröhre. Diese war nicht durch ein Gitter geschützt, was dazu führen kann, dass die recht kräftigen Tiere das Leuchtmittel zerbrechen. Damit verbunden wäre dann eine Freisetzung von Giftstoffen und eine Verletzungsgefahr aufgrund der Scherben.



Im Terrarium eines Riesensamtgeckos (Blaesodactylus boivini) war immerhin die Keramikfassung für einen Heatspot vorhanden. Sie diente zum Zeitpunkt meines Besuchs allerdings nur als „dekoratives Element“.



Auf der Website gibt der Tierpark an, darüber hinaus noch folgende Reptilien und Amphibien zu halten, die jedoch offenbar nicht mehr im Bestand sind: Grüner Leguan, Jemenchamäleon und Goldfröschchen. Insbesondere letztere waren der eigentliche Hauptgrund meines Besuches, weil diese bedrohte Art laut Angaben des Tierparks in einem Amphibienprogramm gemeinsam mit Privathaltern der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), in der ich ja selber Mitglied bin, nachgezüchtet werden. Auf Nachfrage beim Zoopersonal wurde mir mitgeteilt, dass die Goldfröschchen bereits vor einiger Zeit abgegeben wurden. Gründe dafür konnte man mir nicht nennen. Schade, ich hatte eigentlich eine Tierpatenschaft für diese Art in Erwägung gezogen, um den Park zu unterstützen.

Reaktion:
Im Zuge der von mir festgestellten Missstände bei der Reptilienhaltung habe ich mit der Tierparkleitung Kontakt aufgenommen und auch einige Verbesserungen vorgeschlagen. Ich bekam sogar die Möglichkeit, selber aktiv zu werden und die Tierhaltung während der Winterpause durch eigenhändige Umbauten zu verbessern, was sich allerdings aufgrund anderer Projekte meinerseits zeitlich nicht ergab. Ursachen der Probleme sind laut Aussage des Tierparkleiters eine gewisse Überforderung sowie fehlendes Fachwissen der Tierpfleger beispielsweise über eine richtige UV-Beleuchtung.

Abschließend sei noch gesagt, dass RTL und Animal Public gar nicht die Sache mit dem Minischwein hätten ausschlachten müssen. Aber mit niedlichen Babyschweinen kann man offenbar mehr Empathie erzeugen als mit Reptilien. Ich verließ den Tierpark am Ende dann doch mit einem extrem unguten Gefühl, was ich nach dem ersten Rundgang vor Betreten des Reptilienhauses nicht erwartet hätte. 

Freitag, 11. September 2015

Umweltminister der Länder fordern Umsetzung des Koalitionsvertrags

Bereits am 22. Mai 2015 fand im Kloster Banz in Bad Staffelstein (Bayern) die 84. Umweltministerkonferenz statt. Beschlossen wurden dort durchaus sinnvolle Pläne wie z.B. das „Bündnis gegen Mikroplastik“, bei dem die Forschung im Bereich Mikroplastik (z.B. von sich langsam zersetzenden Plastiktüten in den Gewässern) weiter ausgebaut werden soll. Auf Tagesordnungspunkt 15 stand allerdings auch das Thema „Umgang mit exotischen Tieren - Verbot gewerblicher Tierbörsen, Beschränkung des Handels und der Haltung in Privathand“. Folgender Beschluss wurde in das Ergebnisprotokoll aufgenommen:
Die Umweltministerinnen, -minister und -senatoren der Länder fordern den Bund auf, bis zum Jahresende 2015 den Entwurf einer Rechtsgrundlage zur bundeseinheitlichen Regelung
1. des Handels mit und der privaten Haltung von exotischen und Wildtieren und
2. der Untersagung gewerblicher Tierbörsen für exotische Tiere vorzulegen.
Ordnungsrechtliche Vorgaben zu gefährlichen Tieren bleiben davon unberührt.
Ganz besonders widersprüchlich ist hier die Aussage, dass nach Beschluss einer bundeseinheitlichen Regelung die Gefahrtiergesetze trotzdem in Kraft bleiben sollen. Es wurde doch erst wegen der großen Unterschiede in diesen Regelungen der einzelnen Bundesländer auf eine bundeseinheitliche Regelung gepocht – nicht nur von Tierrechtlern, sondern auch von Ordnungsbehörden und Tierhaltern. Bleiben die unterschiedlichen Gefahrtierregelungen bestehen, gibt es faktisch gar keine bundeseinheitliche Regelung, weswegen ein Beschluss in dieser Art und Weise vollkommen absurd wäre. Entweder bleiben die Landesverordnungen bestehen und man findet sich mit einer nicht einheitlichen Regelung ab oder aber man beschließt auf Bundesebene eine Regelung, welche auch die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren beachtet, durch die dann aber auch die Länderregelungen ihre Existenzberechtigung verlieren. Die auf der Konferenz beschlossene Planung schafft nur unnötige Verwirrung, erschwert den Vollzug und lässt sich nicht mit dem Koalitionsziel „Abbau von unnötiger Bürokratie“ vereinbaren! 
 

Donnerstag, 10. September 2015

Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen richtete sich am 31. August mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung: Drucksache 18/5906 - Wildtierhaltung in Deutschland – Umsetzung des Koalitionsvertrages

Damit versuchen die Grünen offenbar erneut Druck auf die Bundesregierung auszuüben, um schnellstmöglich ein bundesweites Verbot der Wildtierhaltung durchzusetzen. Sinn und Zweck sind hierbei leicht zu durchschauen. Derzeit läuft eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), mit der sich ein Überblick über die Wildtierhaltung in Deutschland verschafft werden soll, ehe man eine politische Entscheidung in Erwägung zieht. Grundsätzlich ein sehr besonnenes Verhalten. Die Studie läuft bis Anfang 2017. Schlägt man noch etwas Zeit für die sachgemäße Interpretation der Ergebnisse drauf, wird das mit der Umsetzung einer Positivliste vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2017 ziemlich knapp. Für die grüne Verbotspartei wird es also eng, um sich mit einem Wildtierhaltungsverbot noch vorher profilieren zu können und kurz vor den nächsten Wahlen noch einmal ein paar Wählerstimmen zu erhaschen. Die Grünen haben somit ein gesteigertes Interesse daran, dass ein Verbot schnellstmöglich umgesetzt wird, damit sie es für ihren eigenen Wahlkampf ausschlachten können. Schließlich wurden andere Themen wie die Energiewende bereits von anderen Parteien geklaut und jede Wählerstimme spült bare Münze in die Parteikasse.

Die Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung ist wie üblich voller Mängel. Beispielsweise werden erneut überhöhte Importzahlen genannt. Laut EUROSTAT sollen in einem Zeitraum von 10 Jahren (2004 bis 2014) über sechs Millionen lebende Reptilien nach Deutschland importiert worden sein. Rechnet man die sechs Millionen Reptilien in 10 Jahren auf die Anzahl pro Jahr um, kommt man auf 600.000 lebende Reptilien. Dies deckt sich ungefähr mit den Angaben des Statistischen Bundesamtes. Was jedoch von den Grünen verschwiegen wird: Die Importzahlen sind seit Jahren rückläufig und liegen derzeit bei knapp 300.000 importieren Reptilien pro Jahr, von denen der Großteil aus Zuchten und nicht aus der freien Wildbahn stammt (siehe Vertriebswege). Dies sollte der Vollständigkeit halber auch erwähnt werden. Mit aktuellen Zahlen scheinen es die Grünen also leider nicht so zu haben, weswegen die wissenschaftliche Erhebung des BMEL umso wichtiger ist! Es ist aber auch verständlich, dass sich diese Partei emotional viel lieber 10 Jahre in der Zeit zurückversetzt, als sie noch zusammen mit der SPD die Bundesregierung bilden konnte. Aber die Ex ist ja mit der CDU/CSU ins Bett gestiegen.

Des Weiteren berufen sich die Grünen auf die aktuelle „Studie“ von Pro Wildlife e.V., welche gravierende wissenschaftliche Mängel aufweist und objektiv im Detail betrachtet eigentlich nur beweist, dass Hunde und Katzen auch mittels Positivliste verboten werden müssen. Bezug genommen wird auch auf eine Studie von GENOVESI et al. (2012), laut der die Hauskatze als die Art ermittelt wurde, welche den höchsten negativen Einfluss auf geschützte einheimische Spezies hat. Der Haushund erscheint in dieser Studie ebenfalls in der Top 10 der invasivsten Arten. Die Grünen fordern also offensichtlich ein Verbot von Hauskatzen und Hunden!

Insgesamt stellen die Grünen in ihrer „Kleinen“ Anfrage satte 34 Fragen, die von der Bundesregierung beantwortet werden sollen. Warum z.B. überhaupt eine Studie durchgeführt wird und nicht gleich im Eilverfahren die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele umgesetzt werden. Die Durchführung einer Studie wird gleich mehrmals hinterfragt. Manche Fragen sind einfach nur provokant und sinnfrei, beispielsweise auf welcher Basis die Ziele im Koalitionsvertrag verankert wurden, wenn man dafür erst eine Studie benötigt. Nun, vielleicht war bereits bei Beschluss des Koalitionsvertrages geplant, dass man den Wildtierhandel erst einmal näher betrachten möchte, ehe man eine Regelung aus dem Hut zaubert. Ein besonnenes Verhalten, welches für eine reaktionäre und populistische Verbotspartei natürlich unbegreiflich sein mag.

Fazit:
Scheinbar haben sich dich Grünen noch immer nicht mit ihrer Rolle als Oppositionspartei abgefunden. „Opposition“ kommt vom lateinischen „oppositio“, was „das Entgegensetzte“ bedeutet. Die Grünen müssten der Bundesregierung also eigentlich etwas entgegensetzen und nicht darum betteln, dass diese ihren eigenen Koalitionsvertrag umsetzt.


Literatur:
GENOVESI et al.; Alien mammals in Europe: updated numbers and trends, and assessment of the effects on biodiversity; 2012

Dienstag, 8. September 2015

Petition gegen PETA und wieder zurück

Bis vor wenige Stunden lief auf www.openpetition.de noch eine Petition mit dem Titel „Peta gehört Verboten“. Die Initiatoren der Petition forderten darin ein Verbot der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V., weil dieser Verein aus ihrer Sicht Volksverhetzung gegen Berufsgruppen, die mit Tieren oder tierischen Produkten arbeiten, betreibe und verfassungswidrig sei.

Nach versuchter Abgabe meiner Stimme erhielt ich eine Nachricht, in der der Initiator erklärte, dass die Petition zurückgezogen wurde. Man befürchtet zu hohe finanzielle Konsequenzen, würde man die Petition weiterlaufen lassen. Aus der Nachricht wird deutlich, dass der Petent Opfer der Rechtsabteilung von PETA wurde. Ein Verein, der Millionen an Spendengeldern mit entsprechenden Kampagnen einnimmt, jedoch selber kein eigenes Tierheim betreut und dessen Transparenz sowie Organisation und Kontrolle von der Stiftung Warentest als unzureichend eingestuft wurden, hat natürlich die entsprechenden Mittel verfügbar, um z.B. Blogger, Journalisten oder eben auch Initiatoren von Petitionen einzuschüchtern. Abmahnungen mit immens hohen Streitwerten sind ein gängiges Mittel des Vereins, um die Meinungsfreiheit abzuschaffen und jede noch so kleine Bedrohung im Keim zu ersticken. Ich hatte selbst schon das zweifelhafte Vergnügen einer solchen Fanpost, als ich meinen Offenen Brief an Innenminister Thomas de Maizière (CDU) veröffentlichte. Bedauerlicherweise lassen sich die meisten Empfänger solcher Abmahnungen von den darin genannten Streitwerten einschüchtern und lassen es nicht auf einen Prozess ankommen. Und nur deswegen hat dieser Club so viel Macht!

Inzwischen wurde die Petition, die bereits über 1.000 Stimmen sammeln konnte, auch offiziell von openpetition.de beendet. In der Begründung dazu heißt es:
Der Petent stellt die Behauptung auf, PETA Deutschland e.V. sei verfassungswidrig und betreibe Volksverhetzung ohne dafür ausreichende Beweise anzugeben. In dieser Form ist der Text beleidigend und rufschädigend zu Lasten von PETA Deutschland e.V.
Somit wurde die Petition offiziell von Portalbetreiber beendet. Dabei ist nicht die Petition selbst aus meiner Sicht rufschädigend, sondern das Verhalten des Tierrechtsvereins PETA Deutschland e.V. sorgt schon ganz alleine dafür, dass der eigene Ruf beschmutzt wird. Beweise zur Begründung der in der Petition genannten Vorwürfe gäbe es genug, weswegen kaum anzunehmen ist, dass der Verein tatsächlich vor Gericht gezogen wäre. Zu groß wäre das Risiko gewesen, dass auch noch ein Gericht feststellt, dass PETA tatsächlich verfassungswidrig ist. Ein solches Urteil hätte das Aus für PETA Deutschland e.V. bedeutet. Allein durch diese erneute Zensur zeigt sich, dass die in der Petition genannte Begründung „PETA gehört verboten, weil diese Organisation Persönlichkeitsrechte einschränkt“ vollkommen zutreffend ist. Angriffe auf die Meinungsfreiheit oder das Petitionsrecht: Eine seriöse Wohltätigkeitsorganisation hätte das doch gar nicht nötig! Der aktuelle Petent ließ sich zwar einschüchtern, ein anderer hat aber vielleicht die Courage und nimmt den Kampf gegen PETA erneut auf. Aberkennung der Gemeinnützigkeit wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung.
 

Mittwoch, 2. September 2015

Tierschutzbund macht mal wieder Stimmung gegen Exoten

Gestern veröffentlichte der Deutsche Tierschutzbund als Reaktion auf Medienberichte über aufgefundene Reptilien mal wieder eine Pressemeldung, in der er die Haltung von sogenannten „Exoten“ kritisiert: Ausgesetzte und entflohene Exoten: Deutscher Tierschutzbund fordert einheitliche gesetzliche Regelungen

Über die Grundsatzposition des deutschen Tierschutzbundes und seine verdrehten „Fakten“ habe ich bereits letztes Jahr ausführlich berichtet: Deutscher Tierschutzbund e.V. über Exoten im Privathaushalt
 
In der aktuellen Pressemeldung wird erneut der übliche Blödsinn verbreitet. Beispielsweise die manipulierten Zahlen einer Tierheimbefragung (in fünf Jahren wurden keine 30.000 Reptilien abgegeben, sondern nachweislich nur 9.068). Der verschwindend geringe Anteil an potentiell gefährlichen Reptilien, die in diesem Zeitraum in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes untergekommen sind, wird in der Pressemeldung mit den Worten „Es landeten aber auch potenziell gefährliche Arten, wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen, Warane oder ein Brillenkaiman, in den Händen des Tierschutzes“ aufgegriffen und somit als besonders erwähnenswert dargestellt.

Was daran jedoch besonders erwähnenswert ist:
In fünf Jahren waren 11 als potentiell gefährlich anzusehende Reptilien in den befragten Tierheimen untergebracht zzgl. 19 Alligator- und Schnappschildkröten, die bereits in ganz Deutschland verboten sind. Diese werden ebenso wie die in der Pressemeldung genannten Warane in der Studie nicht zu den gefährlichen Tieren gezählt. Unter den tatsächlich als gefährlich anzusehenden Tieren waren 1 Kaiman, 2 Giftschlangen und 8 potentiell gefährliche Riesenschlangenarten (4 Tigerpythons, 1 Netzpython und 3 Grüne Anakondas) – größtenteils in Bundesländern, welche die Haltung dieser Tiere bereits geregelt (verboten) haben. Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Tierheimabgaben machen gefährliche Reptilien statistisch unbedeutende 0,1 Prozent aller Tierheimen-Reptilien aus. Legt man die hochgerechnete Zahl zugrunde, sind es sogar nur 0,04 Prozent. Die Nennung dieser Tiere in der Pressemeldung ist objektiv betrachtet vollkommen unnötig. Tierheimbestände von bereits verbotenen Tieren zur Untermauerung weiterer Verbote zu nennen, erscheint mit schlicht und ergreifend dumm.

Der Tierschutzbund teilte seine Propaganda natürlich auch auf Facebook. Es ist sehr erfreulich, dass sich in den Kommentaren ein großer Widerstand regt und immer mehr „Exotenhalter“ aufwachen und dort ihre Meinung zu den dubiosen Machenschaften des Tierschutzbundes hinterlassen. Besonders lächerlich wirkt die Anti-Exoten-Propaganda des Vereins deswegen, weil auf derselben Facebook-Seite kurze Zeit später ein Artikel über die Situation in Tierheimen bzgl. Hunden und Katzen geteilt wurde. Darin wird auf einen Artikel aus dem Jahre 2014 verwiesen, in dem der Tierschutzbund von bis zu 130.000 Katzen in deutschen Tierheimen sprach: Zu viel Nachwuchs: Tierheime befürchten Katzenschwemme

Die ca. 1.800 Reptilien pro Jahr in den Tierheimen des Tierschutzbundes werden von diesem Verein also als eine große Überforderung der Halter und als ein immenses Tierschutzproblem interpretiert, welches ein generelles Verbot unumgänglich machen soll, während 130.000 Tierheim-Katzen den Tierschutzbund nicht mal ansatzweise an ein Verbot denken lassen. Hier zeigt sich erneut die Doppelmoral des Deutschen Tierschutzbundes!

Fazit:
Abschließend muss ich erneut betonen, dass die vom Tierschutzbund geforderte Positivliste die Situation sogar noch verschlechtern würde. Derzeit regeln Terrarianer die Abgabe bzw. Weitergabe von Tieren primär unter sich. Dies wäre nach Beschluss einer Positivliste nicht mehr möglich und Tierheime sowie Auffangstationen müssten öfter einspringen. Außerdem würden aufgrund der Illegalisierung der Wildtierhaltung vermehrt Tiere ausgesetzt, weil Halter zunehmend rechtliche Konsequenzen befürchten müssten. Dies zeigen die auch heute schon immer wieder ausgesetzten Schnappschildkröten und die sog. „Gefahrtiere“ in den Bundesländern, welche die Haltung besonders streng reglementiert haben. Auch das ehrenamtliche Engagement von verantwortungsvollen Terrarianern, die zur Entlastung der Tierheime und der öffentlichen Hand bereitwillig einspringen, wenn es zu „Exotenfunden“ kommt, würde nach Beschluss einer Positivliste außer Kraft gesetzt.

Bringt der Tierschutzbund dies dann meinem örtlichen Tierschutzverein schonend bei oder muss ich das selbst übernehmen? Und warum muss ich bei der ganzen Anti-Exoten-Propaganda eigentlich immer an fremdenfeindliche Parolen denken?