Samstag, 31. Oktober 2015

Futterinsekten können Allergien auslösen

Wie in einem Artikel des österreichisches Kuriers gestern zu lesen war, haben Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Fachblatt World Allergy Organization Journal berichtet, dass sich Heuschrecken, die als Futtertiere im Haushalt einer Familie gehalten wurden, bei einem achtjährigen Jungen aus Wien als Quelle von Allergenen entpuppten.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Ich habe schon in mancher Fachliteratur von Fällen gelesen, dass Menschen (vorrangig mit einer Allergie gegen die Ausscheidungen von Hausstaubmilben) auch auf die Hinterlassenschaften anderer wirbelloser Tiere allergisch reagieren. Unter Schabenzüchtern und Liebhabern von Gespenstschrecken ist ebenfalls bekannt, dass manche Personen allergisch auf die Abwehrsekrete mancher dieser Tiere reagieren.

Objektiv betrachtet ist das Risiko insbesondere im direkten Vergleich zu Tierhaarallergien, Lebensmittelallergien oder Pollenallergien als eher gering einzustufen. Es ist aber sicherlich ein interessantes Feld für weitere Forschungen, inwieweit wirbellose Tiere wie z.B. Futterinsekten als Allergen-Quelle in Erscheinung treten können. Ein Grund zur besonderen Vorsicht, wie es die Wissenschaftler der Uni Wien anraten, oder gar zu Panik besteht aus meiner Sicht jedoch nicht. Wer von einer bestimmten Allergie betroffen ist, dem sollte der gesunde Menschenverstand (oder im vorliegenden Fall der Verstand der Erziehungsberechtigten) gebieten, keine vergleichbaren Risikoquellen unbedacht ins Eigenheim zu holen. Als Milbenallergiker wären andere Wirbellose als logische Risikoquelle einzustufen. Ein Hundehaarallergiker sollte ohne weitere Tests besser keine Katzen anschaffen, jemand mit Heuschnupfen sollte bei der Kaninchenhaltung aufpassen und wer auf Erdnüsse allergisch reagiert, sollte auch bei Haselnüssen vorsichtig sein.

Noch ein Hinweis aus der Praxis: Statt die Futtertiere und womöglich sogar die Terrarientiere komplett aus dem Eigenheim zu verbannen, um Allergenen zu entgehen, wäre es je nach Schweregrad der Allergie bereits ausreichend, die Futterinsekten hygienischer in separaten Boxen unterzubringen, die man regelmäßig säubert. Leider ist es durchaus ein gängiges Bild in so manchen Terrarianerhaushalt, dass die Futterinsekten wochenlang in ihren Heimchendosen hausen. Wer auf den Kot der Tiere allergisch reagiert, darf sich bei einer solch unhygienischen Futtertierhaltung natürlich nicht wundern, wenn die Symptome schlimmer werden. Von den Nachteilen einer solchen Futtertierhaltung für die Terrarienpfleglinge mal ganz abgesehen.

Tonhöhlen für Baumbewohner von viva-la-ristik.de

Eine Innovation auf dem deutschen Terraristikmarkt wurde von viva-la-ristik.de entwickelt: Tonhöhlen für baumbewohnende Terrarientiere

Bereits seit Jahren haben sich Tonhöhlen für bodenbewohnende Reptilien, Amphibien und Wirbellose bewährt. Was als Blumenuntersetzer aus dem Gartencenter mit selbst geschlagenem Einstiegsloch (und einem anschließendem Zusammenkleben eines unerwarteten Scherbenpuzzles) begann, wurde von findigen Entwicklern um ein Wasserreservoir auf der Oberseite dieser Verstecke erweitert. Durch den Ton dringt die Feuchtigkeit in das Innere des Verstecks und bietet dort höhlenbewohnenden Terrarientieren ein bevorzugtes Mikroklima.

Die neuentwickelten Tonhöhlen für Baumbewohner von viva-la-ristik.de funktionieren nach demselben Prinzip. Es handelt sich um längliche Tonröhren, an deren Oberseite eine Vertiefung zur Aufnahme von Wasser eingearbeitet wurde. Je nach Modell ist dieses Wasserreservoir fest integriert oder kann als Deckel abgenommen werden. Die strukturierte Oberfläche mancher Varianten dient der besseren Feuchtigkeitsaufnahme. Der Einstieg der Tiere erfolgt je nach Modell durch ein Einstiegsloch bzw. durch die untere Öffnung der Tonröhre. Befestigt werden die Verstecke z.B. mit Kabelbindern in den oberen Bereichen des Terrariums.

Besonders gut geeignet sind diese Tonhöhlen für arboricole Geckos mit Haftlamellen, die das feuchte Mikroklima gerne aufsuchen und auch zur Eiablage nutzen. Hierbei bietet sich der große Vorteil, dass die Höhle mitsamt dem Gelege problemlos aus dem Terrarium entnommen werden kann, um die Eier in einem Inkubator oder einem Aufzuchtterrarium sicher auszubrüten.


Amphibien wie z.B. Baumhöhlen-Krötenlaubfrösche nehmen Verstecke dieser Art in der passenden Größe sicherlich auch gerne an. Man muss jedoch das Reservoir regelmäßig auffüllen (mindestens täglich), weil sonst durch die Verdunstung das Versteck schnell wieder abtrocknet. Je nach Position der Tonhöhle (nahe einer Wärmequelle oder im Bereich einer Beregnungsanlage) kann dieser Füllintervall natürlich variieren.


Meine Jungferngeckos akzeptierten die von mir getestete Höhle schon nach wenigen Tagen. Besonders in den Sommermonaten mit teilweise äußerst ungemütlichen Höchsttemperaturen in meiner Dachgeschosswohnung, wurde die Höhle von meinen Geckos als Tagesversteck dankbar angenommen

Fazit:
Die Tonhöhlen für Baumbewohner von viva-la-ristik.de sind eine äußerst praktikable Möglichkeit, um baumbewohnenden Terrarientieren wie z.B. Geckos eine Versteckmöglichkeit mit einem feuchten Mikroklima zu bieten. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung.


Lieferumfang: 4/5
Anleitung: -
Design: 3/5
Bedienung & Komfort: 5/5
Funktion & Zuverlässigkeit: 5/5

Gesamtwertung: 4,25/5

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Skandal: Amazon löscht Frostfutter aus Sortiment!

Frostfutter (Symbolbild)
Bereits am 18. Oktober machte ein Artikel der BILD-Zeitung in den sozialen Netzwerken die Runde: BILD-Leser entdeckt Ekel-Angebot - Amazon stoppt Verkauf von toten Küken und Ratten

Ein Leser der BILD-Zeitung fand demnach zufällig Frostfutter bei Amazon, welches dort vom Drittanbieter „Tropic-Shop“ angeboten wurde. Er fand diese Produkte offenbar so befremdlich, dass er die BILD informierte, die bei Amazon nachfragte, woher diese toten Tiere stammen. Als Reaktion auf diese Anfrage soll Amazon laut BILD-Zeitung die Artikel umgehend gelöscht haben.

Dass der Anblick von Frostfutter bei manchen Leuten auf Unbehagen stößt, dafür habe ich durchaus Verständnis. Dass die Boulevardpresse eine solche Sache ausnutzt, wundert mich auch nicht. Was ich aber ganz scharf kritisiere, ist das Vorgehen von Amazon! Was unterscheidet z.B. gefrorene Küken von zerschredderten Küken in Katzenfutterdosen mit der Geschmacksrichtung Geflügel (man schaue nur mal auf die Rückseite einer solchen Dose und suche nach dem Begriff tierische Nebenerzeugnisse)? Nur weil ein Artikel noch die Tierleichen erkennen lässt, soll er ekelerregender sein als ein Produkt, welches aus einem mehr oder weniger homogenen Tierleichen-Brei besteht? Letztlich stammen diese Küken aus der konventionellen Geflügelzucht. Weil wir Menschen ständig Eier fressen müssen, werden überflüssige männliche Küken in der Tierzucht aussortiert, getötet und entsorgt. Letztlich steht jedes verkaufte Ei für eine Vielzahl an getöteten Eintagsküken. Dem sind sich die meisten Konsumenten jedoch nicht bewusst oder die Augen werden absichtlich davor verschlossen. Ein Ei sieht schließlich für die meisten Leute auch ästhetischer aus als ein totes Küken in der Gefriertruhe. Dabei handelt es sich bei einem Hühner-Ei um eine mit einer Art „Fruchtwasser“ gefüllten weiblichen Keimzelle, die aus derselben Körperöffnung gepresst wurde, aus der auch der Kot ausgeschieden wird. Hmm.... yummi!

Nachdem ich von diesem Vorfall gehört hatte, nahm ich Kontakt zum Anbieter Tropic-Shop auf, um mich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Laut BILD-Zeitung sollte es Gespräche zwischen Amazon und dem Händler geben, die evtl. zu einer Einigung führen sollten. Das Ergebnis lautet laut Aussage des Tropic-Shop-Inhabers, dass Amazon die sog. „Ekel-Artikel“ gelöscht hat und diese auch nicht wieder in das Sortiment aufnehmen wird, weil diese Art von Artikeln künftig verboten sein soll.
 
In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann man zur Stunde kein solches Verbot entnehmen. Es wäre auch ziemlich schwierig umzusetzen, denn wo will Amazon die Grenze ziehen? Welche Tierleichen-Produkte sind nach Ansicht von Amazon in Ordnung und welche sollen verboten werden? Als betroffener Händler hätte man sicherlich gute Chancen, rechtlich gegen die Löschung vorzugehen. Ich sehe darin nämlich das Wettbewerbsrecht gefährdet.

Anfrage bei Amazon
Selbstverständlich nahm ich auch noch Kontakt mit Amazon auf, bat um eine Stellungnahme und pochte darauf, dass nun auch meinem Ekelempfinden Folge geleistet werden müsse und die restlichen „Ekel-Artikel“ wie z.B. ganze Hähnchen und Forellen, eingelegte Weinbergschnecken aber auch Tierfutter mit geschredderten Eintagsküken, Pansen etc. aus dem Sortiment gelöscht werden müssten.  
 
Anmerkung: Ich ekele mich gewiss nicht vor jedem der genannten Produkte – im Gegenteil! Daher möchte ich an sich auch nicht, dass diese Artikel ebenfalls gelöscht werden. Mir ging es eher darum, auf eine Doppelmoral hinzuweisen. Denn Doppelmoral finde ich tatsächlich ziemlich ekelerregend!

In der ersten Antwort bat mich Amazon um die genaue Artikelnummer, auf die sich meine Anfrage bezog. Diese Bitte war natürlich absurd und zeigte mir, dass man sich bei Amazon mit dem Kern meiner Anfrage gar nicht richtig befasste. Wenn sich eine Anfrage auf die Löschung von Artikeln bezieht, kann man logischerweise keine Artikelnummern mehr nennen. Daher bat ich erneut um eine Stellungnahme und nannte stattdessen ein paar Artikelnummern von vergleichbaren „Ekel-Artikeln“. Diese befinden sich nun schon seit ca. einer Woche in Überprüfung von Amazon. Eine konkrete Stellungnahme zu der Löschung des Frostfutters habe ich bis heute leider nicht erhalten!
 
Mehrheit ist für den Verkauf solcher Artikel
Auf rosenheim24.de lief nach Bekanntwerden dieses Vorfalls eine Umfrage, ob solche Angebote auf Amazon erlaubt sein sollten. Die Mehrheit (78,58 %) sprach sich für solche Angebote aus, weil das ganz natürliche Dinge seien. Lediglich 21,42 % empfinden solche Angebote als ekelhaft und sind der Meinung, so etwas hätte auf Amazon nichts verloren.
 
Auch in den vielen Kommentaren in den sozialen Netzwerken wird deutlich, dass der Großteil erkannt hat, dass das Verfüttern von z.B. Nagetieren zur artgerechten Ernährung von diversen Reptilien wie einigen Schlangen gehört. Derartige Aussagen stammen nicht nur von Reptilienhaltern, sondern tatsächlich auch von anderen Tierfreunden, die selbst keine Reptilien in ihrer Obhut haben.
 
 
DV-TH e.V. berichtet über Vorfall
Der „Dachverband der Tierhalter“ hat sich natürlich nicht lumpen lassen und zeitnah ebenfalls einen (durchaus gelungenen) Artikel zu diesem Vorfall veröffentlicht: Das Schock-Sortiment von Amazon

Bezeichnend daran finde ich, dass Mitglieder dieses Vereins mir nach kritischen Bemerkungen gegenüber dem Verband vorwarfen, ich würde in den eigenen Reihen „herumwildern“, statt mich auf den Gegner zu konzentrieren. Die Tierschutz- und Tierrechtsvereine würden sich schließlich auch nicht gegenseitig schlecht machen. Dies mag man sehen wie man will, die Aussage wirkt aber insbesondere in Anbetracht des folgenden Zitates aus dem DV-TH-Artikel sehr amüsant:
Einziger Trost: Es ist ohnehin viel sinnvoller, sich sein Futter beim Zoofachhändler um die Ecke zu kaufen und nicht bei einem anonymen Internet-Anbieter.
Wie war das noch gleich mit „einer Krähe hackt der anderen kein Auge aus“? Nun stößt der DV-TH also nach den Gefahrtierhaltern auch noch die „anonymen Internet-Anbieter“, die teilweise vielleicht sogar Mitglied in diesem Verband sind, vor den Kopf. Dass es sich bei Tropic-Shop um einen anonymen Anbieter im Internet handeln soll, kann ich nach meinem aufschlussreichen Telefonat mit dem Inhaber nicht bestätigen. Bei Amazon sind sämtliche Angaben zu diesem Verkäufer ersichtlich. Es wundert mich aber auch nicht, dass dieser „Dachverband“ auf die örtlichen Ladengeschäfte pocht. Aber was weiß ich schon? Ich bin ja auch nur ein dubioser Blogger, der sich in der Anonymität des Internets versteckt...

Samstag, 24. Oktober 2015

Landkreistag NRW spricht sich erneut gegen GefTierG aus

Am 22.10.2015 veröffentlichte der Landkreistag Nordrhein-Westfalen eine interessante Pressemeldung, in der erneut Kritik am geplanten Gefahrtiergesetz geäußert und die Landesregierung aufgefordert wird, auf eine solche Gesetzgebung komplett zu verzichten: Andere Themen vordringlich - Land muss auf Gefahrtiergesetz verzichten!

Konkret heißt es in der Meldung:
„Dieses Gesetz ist überflüssig und löst nur unnötige Bürokratie aus“, so fasste der Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Landkreistages Nordrhein-Westfalen, Landrat Stephan Pusch, Kreis Heinsberg, die Beratungen des Ausschusses zum Entwurf eines Gefahrtiergesetzes zusammen.
Die mit der geplanten Gesetzgebung verbundene zusätzliche Bürokratie könne sich NRW nicht nur in Zeiten der Flüchtlingskrise schlichtweg nicht erlauben. Außerdem betont der Landkreistag, dass die Gefahr, die von sog. „gefährlichen Tieren“ ausgeht, im Vergleich zu anderen Gefahren überschaubar ist.

Bereits in der Stellungnahme des Landkreistages zum ersten Entwurf des Gefahrtiergesetzes forderte der kommunale Spitzenverband einen vollständigen Verzicht auf das Gesetzgebungsvorhaben. Dass diese Forderung leider nichts bewirkt hat, zeigt der (derzeit noch inoffizielle) zweite Entwurf des Gesetzes. 
 
Es bleibt also zu hoffen, dass die Landesregierung nun endlich mal aufwacht, die berechtigte Kritik seitens des Landkreistages beherzigt und vom geplanten Gefahrtiergesetz in der angedachten Form absieht. Eine Forderung, die sich die Dachverbände der Tierhalter bisher in dieser Deutlichkeit nicht zu stellen trauten!

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der Grünen

Inzwischen wurde die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen zum Thema Wildtierhaltung vom 31.08.2015 veröffentlicht (Drucksache 18/6029 vom 21.09.2015). 

Die Fragen in Bezug auf die laufende Forschungsarbeit „Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand: Situationsanalyse, Bewertung und Handlungsbedarf insbesondere unter Tierschutzgesichtspunkten“ wurden wie erwartet dahingehend beantwortet, dass damit erst einmal die Kenntnislücken der Bundesregierung zum Wildtierhandel und die dort evtl. vorherrschenden Tierschutzprobleme gefüllt werden sollen.

Andere Fragen wurden erstaunlicherweise ziemlich eindeutig beantwortet. So z.B. die Frage der Grünen in Bezug auf das Ziel im Koalitionsvertrag, Importe von Wildfängen in die EU grundsätzlich zu verbieten:
Die Bundesregierung hält ein solches Verbot auf europäischer Ebene für nicht durchsetzbar.
Die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren betreffend stellt die Bundesregierung klar, dass die Kompetenz für eine solche Regelung bei den Bundesländern liegt und nicht beim Bund.
Die Bundesregierung sieht […] für Vorschriften zur Regelung der Haltung oder Zucht gefährlicher Tiere auf Bundesebene keine Möglichkeiten.
Dies ist zwar bekannt, jedoch stand immer die Frage im Raum, ob dieses Problem durch den Beschluss einer Positivliste umgangen werden soll. Ein solches Vorgehen ist nach aktuellem Stand der Dinge wohl nicht geplant. Sollte eine Positivliste zur Diskussion kommen, dann erst nach Abschluss der o.g. Forschungsarbeit und wohl auch nur unter Gesichtspunkten des Tierschutzes. Damit würde sich die deutsche Positivliste von den Positivlisten anderer EU-Staaten (Belgien und Niederlande) unterscheiden, die mit diesem Instrument direkt verschiedene Problematiken zu regeln vermochten.

Die Bundesregierung hat darüber hinaus erkannt, dass die Vivaristik eine über 200 Jahre lange Tradition in Deutschland hat und erklärt damit die höheren Importzahlen von lebenden Reptilien im Vergleich zu anderen EU-Staaten (siehe Antwort auf Frage 25). Ein Problem sieht sie bei den Importen offenbar nicht.

In ihrer Antwort auf die Frage 10 bezieht sich die Bundesregierung leider auf die überzogene Hochrechnung des Deutschen Tierschutzbundes bzgl. Tierheimabgaben. Hier besteht offenbar dringender Aufklärungsbedarf, um den politischen Entscheidungsträgern aufzuzeigen, dass tatsächlich nur etwa ein Drittel der vom Tierschutzbund veröffentlichten Tierheimabgaben ermittelt wurde (9.068 Reptilien in 5 Jahren).

In ihrer Frage 11 wollten die Grünen wissen, welche Konsequenzen die Bundesregierung aus dem Beschluss der 84. Umweltministerkonferenz zieht. Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort darauf, dass für den Wildtierhandel und die Haltung von Wildtieren sowie für die Durchführung von Wildtierbörsen bereits Anforderungen im Tierschutzgesetz festgelegt sind. 

Die geforderten Börsenverbote werden von der Bundesregierung ebenfalls entkräftet. So heißt es in der Antwort der Drucksache, dass das Tierschutzgesetz, die Änderungen vom 1. August 2014, die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes (AVV Tierschutzgesetz) und die vom BMEL herausgegebenen Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen den Tierschutz auf solchen Veranstaltungen bereits ausreichend regeln.

Fazit:
Momentan sieht die Bundesregierung keinen notwendigen Handlungsbedarf, den Handel und die private Haltung von Wildtieren strenger zu reglementieren. Bis zum Abschluss der Forschungsarbeit in 18 Monaten sind sehr wahrscheinlich keine Regelungen auf Bundesebene diesbezüglich zu erwarten. Man kann aber nie wissen, ob im Laufe der Zeit nicht vielleicht doch wieder irgendwelche Einzelfälle die reaktionären Politiker dazu bewegen, irgendwelche restriktiven Beschlüsse zu erlassen.

Nach Abschluss und Auswertung der Forschungsarbeit befinden wir uns mitten im Wahlkampf 2017. Die Grünen werden darin die 18-monatige Laufzeit sicherlich als „Stillstand der Bundesregierung“ vermarkten. Eines ihrer Wahlversprechen könnte sein, nach Einzug in das Parlament schnellstmöglich eine „Positivliste zur Verbesserung des Tierschutzes bei Wildtieren“ auf den Weg zu bringen.

Im April 2016 soll ein Zwischenbericht der laufenden Forschungen erfolgen, der nun erst einmal mit Spannung abzuwarten ist. Für das weitere Vorgehen ist es wichtig, nicht die Bundesländer aus den Augen zu verlieren. Gefahrtierregelungen können weiterhin drohen und stehen in Nordrhein-Westfalen bekanntlich kurz vor dem Abschluss. Den dortigen Haltern nützt es nichts, wenn auf Bundesebene erst einmal keine Einschränkungen drohen. Und auch auf EU-Ebene schwebt das Damoklesschwert weiterhin über der Vivaristik.