Freitag, 29. April 2016

Parlamentskreis Tierschutz: Tierheime und Tierhalterfachkunde stärken

Gestern fand im Deutschen Bundestag die zweite Sitzung des Parlamentskreises Tierschutz statt. 
 
Neben der Forderung nach mehr staatlicher Hilfe für Tierheime wurde auf der Sitzung, an der Politiker aller Bundestagsfraktionen teilnahmen, eine Verbesserung der Tierhalterfachkunde gefordert, um Spontankäufen und unsachgemäßer Haltung insbesondere von exotischen oder gefährlichen Tieren entgegenzuwirken: Parlamentskreis Tierschutz fordert Verbesserung der finanziellen Situation der Tierheime in Deutschland
 
In der Meldung der SPD-Bundestagsabgeordneten Christina Jantz-Herrmann heißt es dazu konkret:
Um die Kenntnisse im Umgang mit Tieren zu steigern, bedarf es eines umfangreichen Angebots an sachdienlichen Informationen für künftige Besitzer*innen, die sich dann sicher auch positiv auf die Kaufentscheidung oder eben den Verzicht eines Kaufes auswirken. Solch ein Fachkundenachweis würde dazu beitragen, dass die nötigen Kenntnisse vorhanden sind, um ein Tier fach- und artgerecht zu halten.
Die Schaffung eines „Tierführerscheins“ wird von verantwortungsbewussten Tierhaltern und Tierschützern schon lange gefordert. Dass der Parlamentskreis Tierschutz einen solchen nun ebenfalls fordert, ist sehr zu begrüßen, zumal damit wohl den meisten negativen Einzelfällen innerhalb der Heimtierhaltung begegnet werden könnte und ideologische Verbotsforderungen vom Tisch gewischt würden. Auch Positivlisten wären dann unnötig, wenn die Tierhalterfachkunde gefördert würde. Hoffen wir mal, dass die Damen und Herren Abgeordneten die Stärkung der Tierhalterfachkunde nicht nur fordern, sondern das Parlament diese auch umsetzen wird.
 

Donnerstag, 28. April 2016

EU will Schutz bedrohter Arten verschärfen

Vom 24. September bis zum 5. Oktober findet in Johannesburg (Südafrika) die 17. Artenschutzkonferenz der Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) statt. Die EU hat am Dienstag insgesamt 21 Initiativen vorgestellt, mit denen sie den Schutz bedrohter Arten verbessern möchte: http://ec.europa.eu/environment/cites/events_en.htm#cop17

Folgende Anträge sind für die Terraristik relevant:

Mit die Aufnahme dieser Arten im CITES-Anhang I geht ein striktes Besitz- und Handelsverbot einher. Nachzuchten dürfen weiterhin gehalten und gehandelt werden. Allerdings sind die behördlichen Hürden dafür ziemlich hoch. Die Tiere müssen nicht nur angemeldet werden. Für Nachzuchten ist eine Befreiung vom Besitz- und Vermarktungsverbot bei der zuständigen Behörde zu beantragen. Damit verbunden ist in aller Regel eine Kennzeichnungspflicht (meist durch einen Mikrochip, bei manchen Arten reicht auch Fotodokumentation aus). Derartige Auflagen haben schon häufig dazu geführt, dass die Nachzucht eingestellt wurde, wenn sich eine Art nicht zufällig als gut zu vermarktendes „Haustier“ auf dem kommerziellen Heimtiermarkt etablieren konnten.

Bei den o.g. Arten ist dies jedoch eher nicht anzunehmen, weil Züchter kaum ihre eigenen Kosten decken können. Daher wird eine Listung im CITES-Angang I meiner Einschätzung nach das Ende der Erhaltungszucht dieser bedrohten Arten einläuten. So sehr ich den im Dezember 2014 in Kraft getretenen Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos innerhalb der EU begrüßt habe, so bedenklich empfinde ich die oberste Schutzkategorie für diese Art, denn gerade sie ist aktuell auf dem besten Weg, in der Erhaltungszucht aufzublühen und sich fest zu etablieren ohne auf Wildfänge mehr angewiesen zu sein. Der Schutzstatus innerhalb der EU hat den Handel mit Lygodactylus williamsi bereits geregelt und anhand der Meldepflicht sollten die Bestände bekannt und zu überwachen sein. Einen internationalen Schutzstatus könnte man mit einer Listung im CITES-Anhang II erreichen.

Durch die oberste Schutzkategorie wird der illegale Handel kaum verhindert. Wie schon bei der Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) zu erkennen ist, tauchen trotz des bestehenden Schutzes immer wieder geschmuggelte Exemplare auf. Daran wird auch eine Listung im CITES-Anhang I wenig ändern. Im Gegenteil, da verantwortungsvolle Züchter, die sich an die gesetzlichen Auflagen halten möchten, aufgrund der hohen Auflagen allein schon aus Kostengründen ihre Zuchten aufgeben werden, wird die Verfügbarkeit legaler Nachzuchten sinken und die Nachfrage wieder verstärkt aus illegalen Quellen gestillt.

Darüber hinaus unterstützt die EU die folgenden für die Terraristik relevanten Anträge, die immerhin kein generelles Haltungs- und Nachzuchtverbot zur Folge haben:
  • Baumschleichen (Abronia spp.) sollen in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Mexiko]
  • Der Masobe Großkopfgecko (Paroedura masobe) soll in CITES-Anhang II aufgenommen werden. [Antrag von Madagaskar]

Bemerkenswert ist, dass die EU erstmalig als eigenständiges Mitglied an der CITES-Konferenz teilnehmen wird. So fällt es gewissen „Artenschutzvereinen“, die sich bereits jetzt damit brüsten, an den Schutzanträgen mitgewirkt zu haben, umso leichter, ihre Forderungen zu transportieren.

Das Ergebnis der Schutzanträge ist derzeit natürlich noch vollkommen offen. Warten wir also ab und hoffen das Beste für unsere Erhaltungszuchten!

Dienstag, 26. April 2016

Isotopenmessung soll Artenschmuggel aufdecken

Die Goethe-Universität Frankfurt am Main hat gestern in einer idw-Meldung (Informationsdienst Wissenschaft) über eine Methode informiert, mit der dem illegalen Artenhandel auf die Spur gekommen werden soll: Isotopenmessung entlarvt illegalen Wildtierhandel
 
Nicht nur beim Elfenbeinhandel, sondern auch beim Handel mit lebenden Reptilien soll die quantitative Messung von Isotopenverhältnissen in Gewebeproben den Kampf gegen Artenschmuggel unterstützen. Die Goethe-Universität hat bei diesem Projekt mit dem WWF Deutschland, dem Kölner Zoo und internationalen Forschungsinstitutionen zusammengearbeitet, heißt es in der Meldung. Finanziert wurde die Arbeit vom Bundesumweltministerium (BUMB) über dem Bundesamt für Naturschutz (BfN).
 
Bei der Isotopenmessung werden Hautschuppen von lebenden Reptilien untersucht. Illegale Naturentnahmen geschützter Arten, die leider immer noch viel zu oft als Nachzuchten deklariert in den Handel gelangen, lassen sich auf diesem Wege von echten Nachzuchten unterscheiden, weil die Isotopenmuster bei nachgezüchteten Reptilien homogener sind als bei Wildfängen, die in freier Natur mit schwankendem Futtervorkommen zu kämpfen haben. Im oben verlinkten Artikel heißt es:
Beispielhaft haben die Forscher die in China und Vietnam heimische Krokodilschwanzechse Shinisaurus crocodilurus untersucht. Sie ist durch illegalen Handel und die gleichzeitige Zerstörung ihres Lebensraums sehr selten geworden. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation berichten, konnten sie anhand vietnamesischen Materials unterschiedliche Isotopensignaturen von Echsen aus der Wildnis und von in Gefangenschaft gehaltenen Exemplaren nachweisen.
Shinisaurus crocodilurus
Im Herbst 2016 findet die nächste Konferenz der CITES-Vertragsstaaten statt. Dort soll das neue Verfahren als ein wirksames Artenschutzinstrument vorgestellt werden. Denkbar wäre eine Datenbank von Zuchteinrichtungen, um im Falle eines Tieres mit zweifelhafter Herkunft anhand von Datenmaterial und Proben eine illegale Umdeklarierung aufzudecken.
 
Solche Fortschritte sind sehr zu begrüßen! Hoffentlich etabliert sich das Verfahren, um den illegalen Artenhandel vom legalen Handel mit Nachzuchten abzugrenzen und entsprechend ahnden zu können.

Samstag, 23. April 2016

Exo Terra Incubator – Brüter für Reptilieneier

Im Handel sind einige elektrische Inkubatoren für das Ausbrüten von Reptilieneiern erhältlich. Einer davon wird von der Firma HAGEN Deutschland GmbH & Co. KG unter der Hausmarke Exo Terra vertrieben (Katalognr. PT2445). Es handelt sich um ein multifunktionales Gerät, welches nicht nur wärmen, sondern auch kühlen kann. Damit eignet sich das Gerät nicht nur für die Inkubation von Reptilieneiern, sondern auch für das Überwintern von Reptilien wie z.B. Schildkröten. Mit einem beiliegenden 12V-Anschluss für den Zigarettenanzünder im Auto kann das Gerät auch als transportabler Reisekühlschrank zweckentfremdet werden. Der Adapter soll aber wohl eher dazu dienen, Reptilien und anderen wechselwarmen Tieren einen möglichst stressfreien Transport (z.B. nach Erwerb oder bei Tierarztbesuchen) zu gewähren. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt zum Zeitpunkt des Tests bei 181,90 Euro.

Die Temperatur wird mit zwei Pfeiltasten am Gerät eingestellt. Eine digitale Leuchtanzeige gibt die im Inkubator herrschende Temperatur wieder. Wichtig ist, dass die Temperatur mit einem separaten Thermometer kontrolliert wird! Abweichungen von wenigen Grad zwischen angezeigter und tatsächlicher Innenraumtemperatur sind möglich. In diesem Fall muss die Temperatureinstellung angepasst werden, um die Wunschtemperatur im Gerät zu erreichen. Empfehlenswert ist eine Temperaturmessung mit einem externen Temperaturfühler direkt in den Brutbehältern. Da das Gerät aktiv kühlen kann, wird die Temperatur bei Abweichungen schnell korrigiert. Eine Überhitzung der Gelege ist damit prinzipiell ausgeschlossen.

Die Luftfeuchtigkeit wird mit einer mit Wasser gefüllten Bodenwanne erhöht. Der Exo Terra Incubator bietet allerdings keine Anzeige über die im Gerät herrschende Luftfeuchtigkeit. Eine exakte Regulation der Luftfeuchtigkeit ist somit nicht möglich.

Das Gerät besitzt zwei herausziehbare Ebenen, mit denen der Platz individuell genutzt werden kann. Mithilfe einer bei Bedarf zuschaltbaren Innenbeleuchtung können die Eier durch die einsehbare Fronttür überprüft werden, ohne den Inkubator dafür öffnen zu müssen. Die Lautstärke der Lüftung kann auf zwei Stufen (normal und leise) eingestellt werden. Eine Alarmfunktion ist leider nicht vorhanden. Auf weiteres Zubehör wie Brutbehälter und Brutsubstrat wurde ebenfalls verzichtet. Dafür sind in der Gebrauchsanleitung für einige gängige Reptilienarten die empfohlenen Inkubationstemperaturen angegeben.

Test:
Mein erstes Gerät im Test funktionierte zunächst einwandfrei. Die Abweichung zwischen angezeigter und tatsächlicher Temperatur betrug 2 °C und konnte durch eine entsprechende Einstellung problemlos kompensiert werden. Die Betriebslautstärke des Exo Terra Incubators war auch im normalen Betriebsmodus nicht störend und die eingestellte Temperatur wurde einwandfrei gehalten. Die Bedienung war dank der Fronttür sehr komportabel. Die ersten Wochen hätte ich also eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen.

Leider zeigten sich schon im ersten halben Jahr (es handelte sich um den zweiten Inkubationsverlauf) Ausfallerscheinungen. Die Kontrollbeleuchtung ließ sich nur noch sporadisch einschalten und schließlich fiel das komplette Gerät immer wieder aus. Eine zuverlässige Inkubation war damit nicht mehr sichergestellt. Vom Händler erhielt ich im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung ein Neugerät als Ersatz.

Auch das Ersatzgerät erlitt nach wenigen Wochen trotz umsichtiger Behandlung einen Defekt. Für die Inkubation war das Gerät auf 27 °C eingestellt. Das Temperaturdisplay zeigte jedoch eines Tages 65 °C an. Das Gerät versuchte die Temperatur zu senken und kühlte den Innenraum (samt Gelege) auf ca. 5-8 °C. Das änderte jedoch nichts daran, dass weiterhin 65 °C angezeigt wurden und das Gerät laufend weiter kühlte. Für die Inkubation von Reptilieneiern war also auch das Zweitgerät schon nach wenigen Wochen vollkommen ungeeignet.

Fazit:
Vielleicht hatte ich einfach nur Pech und andere Nutzer haben mit diesem Gerät bessere Erfahrungen machen können. Zweimaliges Totalversagen innerhalb des Gewährleistungszeitraumes kann ich trotz einiger guter Funktionen leider nur mit der schlechtesten Bewertung „honorieren“. Eine Alarmfunktion hätte den entstandenen Schaden (Verlust eines Geleges) vielleicht verhindern können.

Lieferumfang: 3/5
Anleitung: 4/5
Design: 4/5
Bedienung & Komfort: 4/5
Funktion & Zuverlässigkeit: 1/5

Gesamtwertung: 3,2/5 

Donnerstag, 21. April 2016

Nachzuchtbericht: Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Die Nachzucht der Afrikanischen Hausschlange (Boaedon fuliginosus) ist prinzipiell nicht schwierig. Die Fortpflanzungszeit dieser Tiere richtet sich im natürlichen Lebensraum nach den Regen- und Trockenzeiten. Da die Afrikanische Hausschlange als anpassungsfähiger Kulturfolger über weite Teile Afrikas verbreitet ist, unterscheiden sich auch die Hauptaktivitätszeiten je nach lokalem Klima. Im Terrarium lassen sich über das ganze Jahr hinweg Paarungen beobachten. Die Paarung selbst verläuft bei diesen Schlangen ziemlich ruppig. Ich konnte schon beobachten, wie das Weibchen das wesentlich kleinere Männchen während der Paarung durch das ganze Terrarium zog. Zu Verletzungen kam es dabei jedoch nie. Vor und auch noch während der Paarung bewegt sich das Männchen ruckartig entlang des Rückens des Weibchens. Damit soll das Weibchen zur Paarung stimuliert werden.

Nach erfolgreicher Kopulation dauert es etwa 2 Monate, bis das Weibchen seine Eier ablegt. Ziemlich exakt eine Woche vor der Eiablage häutet sich das Weibchen. Eine Verweigerung der Futteraufnahme während der gesamten Trächtigkeit konnte ich bisher nicht beobachten. Ich stelle eher einen gesteigerten Appetit in dieser Zeit fest. Am Tag der Eiablage ist mein Weibchen sehr aktiv und testet verschiedene Stellen im Terrarium auf die Eiablagetauglichkeit. Das Terrarium sieht dann regelrecht umgegraben aus. Die eigentliche Eiablage erfolgte bisher immer in einer bereitgestellten Wetbox (eine Kunststoffbox gefüllt mit Terrarien-Moos, welches zu Ziegeln gepresst im Fachhandel erhältlich ist), welche sich im Terrarium in einem Temperaturbereich von ca. 27 °C befindet.
 

Je nach Alter des Weibchens schwankt die Zahl der abgelegten Eier normalerweise zwischen 5 und 15 Stück. Das erste Gelege meines Weibchens bestand aus 6 Eiern und sah ziemlich deformiert aus. Ob aus den Eiern lebensfähige Jungtiere geschlüpft wären, kann ich leider nicht sagen, weil der Inkubator während der Inkubation einen Defekt erlitt und zum Kühlschrank mutierte.

Die Inkubation des zweiten Geleges war erfolgreicher. Inkubiert wurde bei 27 °C Dauertemperatur auf feuchtem Vermiculite. Nach 68 Tagen schlüpfte das erste Jungtier.  
 

Auch wenn es auf dem Foto so aussieht, handelt es sich um kein melanistisches Exemplar! Die Jungtiere sind zwar nach dem Schlupf dunkler als ihre Eltern, diese Farbe verliert sich jedoch nach einiger Zeit und sie entwickeln eine ähnliche braun-olive Grundfarbe wie ihre Eltern. Melanistische Hausschlangen sind derzeit sehr begehrt, daher sollte man sich vor dem Kauf unbedingt die Elterntiere anschauen! Andernfalls kauft man vielleicht Exemplare, die gar nicht melanistisch sind.

Manche Halter bringen ihre Tiere zunächst in sterilen Boxen mit Küchentüchern oder Zeitungspapier als „Bodengrund“ unter. Ich würde dies nur tun, falls sich der Dottersack eines Jungtieres kurz nach dem Schlupf einmal nicht komplett zurückgezogen haben sollte. Dies kam bei mir bisher aber noch nicht vor. Meine Schlüpflinge werden direkt auf Terrariensubstrat in kleinen Aufzuchtsboxen untergebracht. Eine kleine Wetbox mit feuchtem Moos, eine Wasserschale und ein paar Korkstücke als Versteckmöglichkeit und Häutungshilfe vervollständigen die Einrichtung. Gefüttert werden die Jungtiere nach der ersten Häutung wöchentlich mit zerkleinerten und später ganzen Babymäusen. Mit fortschreitendem Wachstum der Jungtiere wird die Futtergröße und der Fütterungsintervall entsprechend angepasst.

Erfahrungsgemäß sind die Jungtiere sehr gute Fresser, die bereits ab der ersten Fütterung Frostfutter akzeptieren. Während der Häutungsphase kann die Fütterung ausfallen. Die weitere Aufzucht bereitet keine Probleme. Wichtig ist nur, dass man unbedingt auf einen ausreichenden Ausbruchsschutz achtet! Man mag nicht glauben, durch was für schmale Lüftungsschlitze sich die kleinen Hausschlangen zwängen können.
 

Mehr zum Thema:
Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Für weiterführende Informationen über die Haltung und Zucht von Hausschlangen empfehle ich das Buch „Die Hausschlange: Lamprophis lineatus“ von Kriton Kunz aus der Reihe „Art für Art“ des Natur und Tier Verlags.

Anmerkung
Wie ich bereits in meiner Haltungsbeschreibung zur Afrikanischen Hausschlange schrieb, gehe ich davon aus, dass es sich bei meinen Exemplaren trotz anderslautender Deklaration seitens des Vorbesitzers in Wahrheit um Gestreifte Hausschlangen (Boaedon lineatus) handelt. Die Gestreifte Hausschlange galt lange Zeit nicht als eigenständige Art, sondern lediglich als Variation der Afrikanischen Hausschlange. Daher wurden diese Tiere in der Literatur und in der Terraristik häufig miteinander verwechselt. Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei den meisten als „Boaedon fuliginosus“ bezeichneten Exemplaren innerhalb der Terraristik um Falschdeklarationen oder sogar um Hybriden! Artreine Afrikanische Hausschlangen sind innerhalb der Terraristik selten anzutreffen. DNA-Untersuchungen von freilebenden und in menschlicher Obhut gehaltenen Exemplaren könnten hierbei Licht ins Dunkel bringen.


Dienstag, 19. April 2016

Wenn „Exoten“ gefunden werden…

Leider kommt es immer wieder vor, dass exotische Reptilien im öffentlichen Raum aufgefunden werden. Vorfälle wie der einer wahrscheinlich entflohenen Kornnatter in Wegberg oder der einer mutmaßlich ausgesetzten Boa bei Schönberg passieren leider immer wieder. Die lebende Kornnatter wurde von Autofahrern auf einer ehemaligen Bundesstraße entdeckt. Die bereits verstorbene Boa wurde von einer Joggerin gefunden. Über die Halter ist wie bei den meisten derartigen Vorfällen derzeit nichts bekannt.
 
 
Wie kommt es zu solchen Vorfällen?
Es gibt verschiedene Gründe, warum exotische Heimtiere im öffentlichen Raum aufgefunden werden. Wenn die Tage wieder länger werden und die Temperaturen steigen, erwachen viele Reptilien in der Heimtierhaltung aus der Winterruhe. Für Reptilien aus gemäßigten Breiten beginnen nun Paarungszeit und Partnersuche, was zu einer besonders gesteigerten Aktivität führt. Bei unzureichender Ausbruchssicherung gelingt daher so manchem Reptil der Ausbruch aus seinem Terrarium. Da an wärmeren Tagen zudem die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Halter ihre Räumlichkeiten längerfristig und womöglich in Abwesenheit lüften, gelingt einem ausgebrochenen Reptil auch schon mal die Flucht aus der Wohnung.
 
Auch die Überforderung eines Halters kann ein Grund dafür sein, dass dieser sein Tier verbotenerweise einfach aussetzt und es schließlich im öffentlichen Raum aufgefunden wird. Deshalb ist es wichtig, eine Sachkundenachweispflicht für private Tierhalter einzuführen. Ein solcher Sachkundenachweis sollte mehrstufig aufgebaut sein, weil für gefährliche Tiere (Giftschlangen, Pferde, Hunde etc.), besonders anspruchsvolle Arten (z.B. Nahrungsspezialisten) oder Invasoren (Schmuckschildkröten, Hauskatzen etc.) höhere Anforderungen an die Halter gestellt werden sollten, als bei weniger anspruchsvollen Arten.

Ein solcher „Tierführerschein“ würde außerdem Spontankäufe verhindern. Diese sind oftmals der Grund dafür, dass Heimtiere später in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben oder sogar ausgesetzt werden. Jedes Jahr landen ca. 80.000 Hunde, 130.000 Katzen und 1.800 Reptilien in deutschen Tierheimen.

Was tun, wenn man ein exotisches Reptil findet?
Obwohl die Wahrscheinlichkeit, einem entflohenen oder ausgesetzten Reptil im öffentlichen Raum zu begegnen, sehr gering ist, sollte man in einer solchen unverhofften Situation Folgendes beachten:
 
  • Wenn man sich der Ungefährlichkeit des Tieres nicht sicher ist, sollte man es nicht berühren und Abstand halten. Reptilien greifen in der Regel nur an, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen. In dieser Situation sollte man die Polizei, Feuerwehr oder örtliche Tierrettung über den Fund informieren und das Tier währenddessen im Auge behalten, bis die Einsatzkräfte eingetroffen sind.
  • Handelt es sich augenscheinlich um ein harmloses Tier, welches jedoch nicht direkt eingefangen werden kann, sollte man es z.B. mit einem Karton oder ähnlichen Hilfsmitteln vor Ort sichern, bis die Einsatzkräfte eingetroffen sind.
  • Handelt es sich definitiv um ein harmloses Reptil und man ist in der Lage, dieses selber zu fangen, sollte man dies tun und das Tier entweder zur Polizei, Feuerwehr oder zum örtlichen Tierschutzverein oder bestenfalls zu einer Wildtierauffangstation bringen. Ist das Tier augenscheinlich verletzt, sollte man es zu einem Tierarzt (im besten Fall zu einem, der sich auf Reptilien spezialisiert hat) bringen.
  • Wenn ein Reptil bei niedrigen Außentemperaturen gefunden wurde, darf dieses keinesfalls direkt unter eine Wärmelampe gelegt werden! Eine Temperaturanpassung muss stufenweise erfolgen, sonst kann das Tier einen Kreislaufzusammenbruch erleiden.
Zum Glück sind solche Vorfälle nicht die Regel, weil Reptilienhalter normalerweise sehr achtsam mit ihren Tieren umgehen.

Samstag, 16. April 2016

Review: n-tv-Dokumentation „Extrem-Schmuggler – Wildtiere“

Am Mittwoch lief auf n-tv die Dokumentation „Extrem-Schmuggler – Wildtiere“. Der Handel mit lebenden Reptilien war einer der Schwerpunkte der Doku, die erwartungsgemäß zur Unterhaltung sensationsheischend aufgemotzt wurde, was den Informationsgehalt ziemlich trübte. Gezeigt wurde u.a. Bildmaterial, das von einem Ermittler der Tierrechtsorganisation PETA USA beim texanischen Wildtiergroßhändler „U.S. Global Exotics“ (USGE) mittels versteckten Kameras aufgenommen wurde.

Die verdeckten Aufnahmen zeigten diverse Reptilien in einem sehr schlechten Zustand. Viele waren dehydriert, einige befanden sich bereits im Todeskampf. Mitarbeiter der Firma äußerten gegenüber dem PETA-Ermittler, dass hohe Verluste einkalkuliert würden. Auch Artenschutzverstöße wurden vermutet. Geschützte und illegal aus der Natur entnommene Arten sollen z.B. unter legalen Giftschlangenlieferungen versteckt geschmuggelt worden sein. Der legale Tierhandel diente demnach nicht nur dem direkten Profit, sondern auch als Maske eines noch sehr viel lukrativeren illegalen Artenhandels. Schließlich wurde Anzeige erstattet, was dazu führte, dass die Firma dicht gemacht und die Tiere gerettet werden konnten. USGE soll Geschäftsbeziehungen in alle Welt (auch nach Deutschland zu namhaften Händlern) gehabt haben. Wer die Machenschaften von PETA kennt, könnte vermuten, dass die Aufnahmen vielleicht nur in einer Quarantänestation der Firma entstanden und die kranken Tiere gar nicht für den weiteren Handel vorgesehen waren. Da jedoch auch Vertreter der örtlichen Veterinärbehörde in der n-tv-Doku zu Wort kamen, die von PETA USA erhobenen Vorwürfe bestätigten und das Amtsgericht Arlington dem USGE-Inhaber Jasen Shaw die weitere Obhut der Tiere untersagte, ist den gezeigten Missständen Glauben zu schenken.

PETA USA hat in diesem Fall mit ihren dubiosen Methoden wie Hausfriedensbruch also tatsächlich mal etwas geleistet, wovon Tiere am Ende profitieren konnten. Leidende Tiere vor einem Großhändler zu retten, der sie lediglich als Ware betrachtete und lieber Verluste hinnahm, statt Tierarztkosten zu zahlen, verdient Lob. Dies allerdings mit ebenfalls gesetzeswidrigen Methoden zu erreichen, ist abzulehnen.

Die Qualität der Dokumentation war allgemein eher dürftig, weil das komplexe Thema „Artenschmuggel“ in einer solchen Art von Unterhaltungsformat nur angekratzt werden konnte und stellenweise auch fachliche Fehler auftraten (so wurde z.B. Tierschutz mit Artenschutz verwechselt).

Erwähnenswert wäre abschließend vielleicht noch eine Bitte von PETA Deutschland, die aufgrund der Ermittlungen beim besagten US-Großhändler laufend davon abrät, Tiere im Zoofachhandel, auf Börsen oder gar bei Züchtern zu kaufen, weil man damit angeblich das Leid der Tiere bei Großhändler wie USGE unterstütze. Ob dies jedoch tatsächlich der Fall ist, ist zu bezweifeln. Sicherlich gibt es schwarze Schafe auch bei deutschen Händlern oder Massenproduzenten, die sich selbst „Züchter“ nennen. Und bei vielen Tieren insbesondere im Zoofachhandel aber auch auf Börsen ist die Herkunft nicht immer klar. Grundsätzlich jedoch vom Kauf abzuraten, ist dennoch unangebracht. Kauft man direkt bei einem Züchter und nimmt die Tierhaltung dabei vor Ort in Augenschein, ist daran nichts auszusetzen. Auf diesem Wege kann man sich meiner Einschätzung nach sogar wesentlich besser über die Vorgeschichte eines Tieres informieren, als z.B. in einem Tierheim. Natürlich ist jedem ans Herz zu legen, zunächst die Tiere aus einem Tierheim oder einer Auffangstation in die eigene Obhut aufzunehmen. Die meisten Arten gibt es dort allerdings gar nicht, weswegen der Kauf bei einem seriösen Züchter vollkommen in Ordnung ist (natürlich solange man sich seiner Verantwortung als Tierhalter bewusst ist und sich entsprechend im Vorfeld über die Haltungsansprüche informiert hat).

Durch den direkten Kauf bei einem Züchter unterstützt man keine dubiosen US-Großhändler, die kranke Tiere verramschen, sondern noble Leute, die sich mit Herzblut und hohem finanziellen Aufwand für ihre Tiere einsetzen, diese zumeist ohne Profit vermehren und damit einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz leisten! Wer jedoch Kornnattern, Königspythons, Abgottschlangen, Leopardgeckos etc. sucht, sollte sich tatsächlich eher mal an ein Tierheim oder eine Auffangstation wenden, um die Massenvermehrung dieser Tiere im Rahmen der Morphenzucht nicht auch noch zu unterstützen.
 

Freitag, 1. April 2016

PETA & Co. begrüßen Wildtierbörsenverbot in Österreich

Es war ja zu erwarten, dass PETA Deutschland e.V. das heute in Kraft getretene „Wildtierbörsenverbot“ in Österreich bejubeln würde: Österreich verbietet Verkauf von Wildtieren auf „Exotenbörsen“
Das Problem ist, dass PETA die Nachricht über das Börsenverbot nutzt, um mal wieder Scheißhausparolen gegen die Exotenhaltung zu transportieren. Ich zitiere aus dem oben verlinkten Artikel aus PETAs VeganBlog:
Veranstalter und Händler nehmen [...] hohe Sterberaten der Tiere beim Fang, Transport und im Handel billigend in Kauf – dabei gelten in der Zoohandelsbranche 70 Prozent als üblich.
Diese hohe Mortalität hat wer ermittelt? Richtig, PETA selbst. Genauer gesagt Ermittler von PETA USA bei nur einem US-Großhändler. Repräsentativ? Wohl eher nicht! Außerdem finde ich unabhängige Quellen sehr viel glaubwürdiger. Derartige Studien kommen auf eine Sterberate beim Transport von Reptilien in Höhe von 1,97 bis 3,88 Prozent (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996). Sicherlich auch nicht so toll für das betroffene Einzeltier, aber auch nicht so hoch, wie von PETA propagiert. Es ist zudem davon auszugehen, dass dank fortschrittlicher Logistiktechnik die Ausfallquoten in den letzten 20 Jahren weiter gesunken sind.
Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen.
Hierbei handelt es sich eindeutig um eine dreiste Lüge, mit der Außenstehende in ihrer Meinungsbildung manipuliert werden sollen! Naturentnahmen machen beim Handel mit geschützten Reptilien gerade einmal 8 Prozent aus (siehe Vertriebswege in der „Exotenhaltung“). Aber vielleicht sind 8 Prozent für PETA ja schon ein „erheblicher Teil“? Naturentnahmen (sogenannte Wildfänge) sind zwar durchaus diskussionswürdig und der Verkauf auf Börsen an jedermann sollte kritisch hinterfragt werden, sie sind jedoch nicht grundsätzlich zu verurteilen, weil sie auch einen wichtigen Teil zum Arterhalt beitragen. Nicht nur für die Populationen in deutschen Terrarien, sondern auch in den Lebensräumen selbst! Weitere Informationen dazu gibt es hier: "Wir müssen doch den Regenwald bewahren" (Cartoon)
Eine tierärztliche Fallstudie [...] kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten.
Hier wird ein entscheidender Nebensatz verschwiegen: Von Reptilien, die im ersten Haltungsjahr verstorben waren, starben 51 Prozent aufgrund von Haltungsfehlern. Rückschlüsse auf die Qualität der Reptilienhaltung insgesamt sind laut der Autoren der Studie jedoch nicht möglich, weil die Masse an Reptilien in deutschen Terrarien, die sich seit Jahrzehnten aufgrund von guter Haltungsbedingungen bester Gesundheit und eines langen Lebens erfreuen, gar nicht untersucht wurden. Fazit: Wenn Reptilien schlecht gehalten werden, werden sie krank und sterben wahrscheinlich schnell. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Hälfte aller Reptilien falsch gehalten wird! Weitere Informationen dazu hier: Hohe Sterblichkeit von Reptilien in menschlicher Obhut widerlegt & Miserable Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand bestätigt
Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gefährliche exotische Salmonellenarten: Schätzungsweise 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich.
Schätzungen und Studien, bei denen nur Verdachtstiere untersucht wurden, liefern schlicht und ergreifend keine validen Daten zur Infektionsrate! Dazu müsste man eine Blindstudie durchführen und dabei auch unauffällige Reptilienbestände untersuchen. Laut Anfrage bei einem der federführenden Autoren der Studien des Robert Koch-Institutes (RKI), auf die sich PETA immer wieder bezieht, wurde mir mitgeteilt, dass eine derart komplexe Studie in Deutschland nahezu unmöglich durchzuführen sei (schriftliche Auskunft von Dr. Rabsch, RKI). Man kann also nur mit Sicherheit sagen, dass Reptilien Salmonellen übertragen können und man deswegen auf die gebotenen Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Tieren achten sollte. Panikmache ist jedoch vollkommen unbegründet. Experten der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) sind darüber hinaus der Meinung, dass von Reptilien grundsätzlich ein deutlich geringeres Risiko für eine Salmonelleninfektion ausgeht, vergleichbar dem von Katzen oder Hunden. Weitere Infos dazu gibt es hier: Salmonellen-Infektionsrate bei Reptilien so hoch wie bei Hunden und Katzen

Auch andere Vereine wie der Deutsche Tierschutzbund e.V. haben sich heute positiv zum Inkrafttreten des „Kaufbörsenverbotes für Wildtiere“ in Österreich geäußert. Dabei ist heute eigentlich ein schwarzer Tag für den Tierschutz. Glaubt ernsthaft jemand, dass mit dem Verbot etwas verbessert wird? Die Börsenbetreiber planen jetzt schon ihre Abwanderung ins Ausland, wo der Tierschutz nicht so großgeschrieben wird. Damit verbunden sind womöglich schlechtere Verkaufsbedingungen, noch weniger Kontrollen und längere Transportwege. Alternativ besorgen sich Halter ihre Tiere dann einfach im Internet, wo man den Handel wohl niemals effektiv regeln wird können. So mancher „Züchter“ verschickt Wirbeltiere bereits jetzt, anstatt eine zugelassene Tierspedition zu nutzen, illegal per Post. Das habe ich selbst schon erleben müssen. Diese dubiosen Händler lassen am heutigen Tage bestimmt die Korken knallen, weil mit dem Kaufbörsenverbot eine große Konkurrenz ausgeschaltet wurde. Wo bitte haben Veterinärämter und Zoll neben dem stationären Fachhandel die besten Chancen, den Handel mit Reptilien etc. zu überwachen, wenn nicht auf Börsen? Wohl kaum bei Kofferraumgeschäften oder Auslandsbörsen.

Von meinem Standpunkt als Reptilienhalter ist es mir herzlich egal, ob Börsen verboten werden, weil ich sowieso kein großer Börsengänger mehr bin, sondern größtenteils nicht mehr gewollte Tierschutzfälle in meiner Obhut habe. Als engagierter Tierschützer kann ich bei dieser Entscheidung aber nur mit dem Kopf schütteln. Es ist absolut kein Erfolg, wenn man Probleme dadurch „beseitigt“, indem man sie ins Ausland verlagert! 

Und so geht der Tierschutz zugrunde - mit donnerndem Applaus.