Montag, 23. Mai 2016

NABU Artenschutzzentrum Leiferde: Zu Besuch bei Schildkröten, Schlange und Co.

Passend zum gestrigen Internationalen Tag der biologischen Vielfalt fand im NABU Artenschutzzentrum Leiferde eine themenbezogene Stationsführung mit dem Titel Zu Besuch bei Schildkröten, Schlange und Co. statt. Mein Partner und ich waren vor Ort, um an dieser Führung teilzunehmen. Aufgrund der überzogenen und teils fachlich falschen Stellungnahmen des NABU zum geplanten Gefahrtiergesetz in Nordrhein-Westfalen oder zur sogenannten Exotenhaltung allgemein war ich sehr gespannt, ob ich mit meinem Besuch womöglich Feindgebiet betreten würde oder nicht.

Die Führung sollte vom 14 bis 15 Uhr dauern. Wir waren schon ein paar Minuten vorher vor Ort und wurden zunächst in einem Seminarraum geparkt, weil sich noch andere Teilnehmer für die Führung angemeldet hatten. Dort befanden sich auch schon die ersten Terrarien: Eines mit vier Kornnattern, eines mit Wandelnden Blättern, eines mit Kammmolchen und in einem Eckterrarium war eine kleinwüchsigen Spornschildkröte untergebracht. Dank des sommerlichen Wetters waren die restlichen Besucher wohl anderweitig
verhindert und ließen ihre Teilnahme an der Führung sausen. Uns bot sich dadurch zwar der Vorteil einer exklusiven Stationsführung, es war jedoch wieder einmal sehr bezeichnend, dass sich sonst keiner für die Veranstaltung interessierte, obwohl sie in der Celler Presse relativ weiträumig angekündigt wurde.

Zu Beginn wurden wir sehr freundlich von der Biologin und Leiterin des Artenschutzzentrums Bärbel Rogoschik begrüßt, die uns zunächst einiges über das Artenschutzzentrum erklärte. Schwerpunkt der Station ist die Aufnahme, Pflege und (sofern möglich) Auswilderung von gefundenen oder verunglückten heimischen Wildtieren. Auch exotische Tiere wie Reptilien oder Papageien werden von der Station aufgefangen und falls möglich an neue Halter vermittelt. Für Haustiere wie Hunde, Katzen oder Brieftauben ist die Station nicht zuständig.

Meine Befürchtungen, dass mit dort als Reptilienhalter ein eisiger Wind entgegenwehen würde, verflogen sehr schnell. Meine Ansichten zu negativen Auswüchsen wie flohmarktähnlichen Börsen oder Farb-, Qual- und Hybridenzuchten deckten sich mit den Ansichten von Frau Rogoschik, weswegen ich mich zu Beginn als Reptilienhalter, DGHT-Mitglied und Tierschützer outete, bei dem auch immer wieder mal ungewollte Exoten landen
. Dadurch wurde das Gespräch direkt auf eine andere Ebene gehoben. Frau Rogoschik erlebt natürlich nur die Abgründe, weil sie sich nicht in allen Bereichen der Szene bewegt. Dennoch waren ihre Aussagen zur politischen Situation absolut nachvollziehbar und deckten sich ebenfalls mit meinen Ansichten. Sie fordert ebenfalls einen verbindlichen Fachkundenachweis für Tierhalter und von den Tierhalterfachverbänden eine deutliche Positionierung gegen die absurden Auswüchse innerhalb der Reptilienhaltung, welche die naturnahe Haltung von Wildtieren ad absurdum führen.

Es war mir eine sehr große Freude, mich endlich mal wieder sachlich mit jemanden über wissenschaftlichen Tier- und Naturschutz auszutauschen, was dazu führte, dass unsere einstündige Führung auf fast drei Stunden ausgedehnt wurde. Die in der heutigen Zeit immer schneller voranschreitende Naturentfremdung der Bevölkerung war ebenfalls ein großes Thema der Gespräche. Eine Naturentfremdung, die auch durch den in den Medien emotionalisierten Tierschutzgedanken verstärkt wird und dem echten Tier- und Naturschutz eher schadet als nützt.

Im Verlauf der Führung bekamen wir noch weitere Arten zu sehen, wie beispielsweise Abgottschlangen oder eine äußerst sympathische Grüne Wasseragamen, die in Hannover ausgesetzt wurde. Auch einige Tipps beispielsweise zur Beleuchtung oder Fütterung wurden ausgetauscht. Die Führung beinhaltete natürlich auch noch die anderen Tiere des Artenschutzzentrums. Besonders angetan war ich von den Greif- und Rabenvögeln.

Das aktuell wohl größte Problem des Artenschutzzentrums Leiferde sind Landschildkröten. Da es sich bei den aufgenommenen Tieren häufig um ausgesetzte oder während der Paarungszeit ausgebrochene männliche Exemplare handelt, ist der Platzbedarf für diese Tiere enorm. Auch eine Kastrierung von einzelnen Männchen änderte nichts am ausgeprägten Territorialverhalten. Noch problematischer stellt sich die Vermittlung dar, weil aufgrund von fehlenden Papieren eine Vermittlung in Privathand nicht erlaubt ist und zoologische Einrichtungen, an die eine Vermittlung möglich wäre, selbst überfüllt sind. Das Artenschutzzentrum hat deshalb für Landschildkröten einen Aufnahmestopp einführen müssen und setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass Artenschutzpapiere nachträglich ausgestellt werden können, um eine Vermittlung in verantwortungsvolle Privathand zu ermöglichen. Wobei letzteres bekanntlich ebenfalls ein Problem darstellt, weil die Schere zwischen fachkundigen und uninformierten Haltern weit auseinandergeht und erstere an Tierschuzfällen mit ein paar kleinen Macken selten interessiert sind
und die vielen Arten, bei denen typische Haustierprobleme auftreten, als langweilige Allerweltsarten abstempeln, weil sie sich eben nicht als Wanderpokale eignen.

Das Artenschutzzentrum Leiferde kümmert sich allerdings nicht nur um solche Problemfälle. Von der Station geht nämlich auch die Nachzucht von genetisch geeigneten Exemplaren der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) aus, die im Rahmen eines Projekts des NABU Niedersachsen am Steinhuder Meeres wieder angesiedelt wird. Wir bekamen Einblicke in die Außenanlage sowie die Becken mit vielen tollen Nachzuchten in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) - Symbolbild
Uns hat der Besuch im NABU Artenschutzzentrum jedenfalls sehr viel Spaß gemacht! Außerdem hat er mir erneut gezeigt, dass nicht alle NABU-Mitglieder nach strikten Haltungsverboten schreien, welche die Situation aufgrund von immer mehr Beschlagnahmungen sogar noch verschlechtern würden, sondern auch vollkommen fundierte Tier- und Naturschutzansichten vertreten können.
 

Freitag, 20. Mai 2016

Studie über die Persönlichkeit von Haustierhaltern

Derzeit läuft eine Studie über die Persönlichkeitsmerkmale von Haustierbesitzern, die von Studierenden der Uni Bremen mit der Fachrichtung Psychologie durchgeführt wird. Das Projekt kann mit einer Teilnahme an dieser anonymen Umfrage unterstützt werden. In der Umfrage wird zu Beginn konkret danach gefragt, ob man klassische Haustiere oder Terrarientiere (oder beides) hält. Man kann an der Studie auch teilnehmen, wenn man kein Haustierhalter ist.

Sind wir Terrarianer wohl eher ein Haufen verschrobener Eigenbrötler oder doch nur egoistische Selbstdarsteller, die gerne im Mittelpunkt stehen? Oder liegt die Wahrheit wie so oft vielleicht doch in der Mitte? Die Ergebnisse werden zeigen, ob Amtstierarzt Dr. Jochen Weins vom Landkreis Euskirchen (NRW) mit seinen Ausführungen auf dem ersten SPD-Wildtier-Symposium im Bundestag das Reptilienklientel richtig eingeschätzt hat. Ich zitiere mich selbst aus meiner Kolumne Speikobra im Magazin terraristik vom Dähne-Verlag (Ausgabe 1/2016):
Er erklärte dem Auditorium in seiner Präsentation beispielsweise die Eigenschaften eines typischen Reptilienhalters: So sind wir aus seiner Sicht oft „Empfänger von Sozialleistungen“ und befinden uns häufig in einer „prekären Finanzsituation“. Da wir „oft kein Selbstbewusstsein“ haben, halten wir Reptilien nur für unser „Ego und Image“. Und weil „besonders junge Leute“ gerne Reptilien halten, werden diese Tiere aufgrund unserer „Internetaffinität“ häufig im Internet gekauft.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Vogelspinnenschmuggel in Görlitz? Behörden rudern zurück!

Es gibt Neuigkeiten zu den im März in Görlitz beschlagnahmten Vogelspinnen und Geckos (ich berichtete: 130 Vogelspinnen und 16 Geckos grundlos sichergestellt). Nachdem ich seinerzeit von den betroffenen polnischen Haltern erfuhr, dass ihnen die Tiere am 16. März vom Veterinäramt ohne weitere Auflagen (abgesehen von der Kostenübernahme für die vorübergehende Unterbringung) wieder ausgehändigt wurden, nahm ich mehrmals Kontakt zur Sächsischen Zeitung (SZ) auf und bat um eine öffentliche Aufklärung der Situation, weil nach einem vorherigen Pressebericht noch ein mutmaßlicher Verstoß gegen geltendes Artenschutzrecht im Raum stand. Als ich schließlich Antwort von der Lokalredaktion bekam, schilderte ich die Situation, dass es sich bei den beschlagnahmten Vogelspinnen um gezüchtete Jungtiere der nicht geschützten „Rotweißen Brasilianischen Vogelspinne“ (Nhandu chromatus) handelte, für die keine Dokumente erforderlich sind und dass diese Art von Laien leicht mit geschützten Vogelspinnenarten aus der Gattung Brachypelma verwechselt werden kann.

Die SZ hat sich dem Fall tatsächlich noch einmal angenommen und bei den zuständigen Behörden nachgefragt. Das Ergebnis wurde am 27. April im Lokalteil der Sächsischen Zeitung veröffentlicht. Der Artikel ist auch online verfügbar (allerdings kostenpflichtig und nur testweise gratis): Spiderman verloren im Behördendschungel 

In diesem Artikel wird unter anderem erläutert, dass die beschlagnahmten Tiere zunächst im Tierpark Görlitz untergebracht wurden. Der Tierparkdirektor wollte sich ansonsten nicht zum Vorfall äußern und verwies für weitere Informationen an die zuständigen Behörden. Laut der Pressesprecherin des Landkreises wurde während der Kontrolle auch das Ausstellerverzeichnis der TERRARISTIKA überprüft, in dem die polnischen Händler nicht aufgeführt waren. Dies bekräftigte den Anfangsverdacht, dass die Tiere womöglich für einen illegalen Handel am Rande der Börse bestimmt seien.

Meine Ausführungen zum Schutzstatus wurden im Artikel ebenfalls zitiert – wenn auch ein wenig durcheinander gewürfelt. Ein Biologe des Senckenberg-Museums für Naturkunde in Görlitz ergänzt, dass für geschützte Arten, die aus der Natur entnommen wurden (Wildfänge) der legale Import mit CITES-Papieren nachgewiesen werden muss. Für innerhalb der EU nachgezüchtete Tiere reiche ein Herkunftsnachweis aus. Wie schon erläutert ist beides bei Nhandu chromatus sowie bei den ebenfalls in diesem Vorfall beteiligten Geckoarten nicht erforderlich. Dieser Umstand wird im Artikel in einem kurz eingeschobenen Satz erwähnt:
Im Fall der 130 Vogelspinnen von der A 4 konnte das Landratsamt allerdings keinen Verstoß gegen das Artenschutzgesetz feststellen.
Diese entscheidende Aussage verdeutlicht, dass nun auch von offizieller Seite bestätigt wurde, dass es sich beim besagten Vorfall um keinen Artenschmuggel handelte! 

Der Fall kann somit nun abgehakt werden. Wie schon von mir dargestellt, ist den kontrollierenden Bundespolizisten kein Vorwurf zu machen. Sie taten ihren Job und wenn es sich tatsächlich um einen Artenschmuggel gehandelt hätte, wäre es fatal gewesen, hätten die Beamten die Händler einfach durchgewunken. Bezeichnend ist allerdings, wie viel Zeit von den zuständigen Veterinär- und Naturschutzbehörden benötigt wurde, um den Vorfall aufzuklären und dass den Betroffenen dadurch unnötige Kosten entstanden. Deswegen fordern manche Vereine und Parteien die Einführung einer knappen Positivliste, um Behörden die Identifikation von Tierarten zu erleichtern. Statt aber mit einer solchen Regelung den Rechtsstaat zu beugen und unschuldige Halter grundlos einzuschränken, wären eine Verbesserung der vorherrschenden Fachkunde bei den zuständigen Behörden und ein enges Netzwerk an fachkundigen Experten (auch aus den Reihen der Tierhalter) sinnvoller, um in solchen Situationen schnell die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Für die betroffenen Polen sollte der Vorfall allerdings noch nicht abgehakt sein. Die Beschlagnahme ist zwar grundsätzlich als rechtmäßig zu betrachten, daher haben sie wohl leider keine Chance, den entstanden Verdienstausfall aufgrund der versäumten Börsenverkäufe einzufordern. Die Kosten für die zeitweilige Unterbringung der Tiere, die ihnen seitens der Behörden in Rechnung gestellt wurden, sollten hingegen nicht von ihnen, sondern gemäß § 51 Bundesnaturschutzgesetz von der öffentlichen Hand getragen werden:
(1) Ergeben sich im Rahmen der zollamtlichen Überwachung Zweifel, ob das Verbringen von Tieren oder Pflanzen Regelungen oder Verboten im Sinne des § 49 Absatz 1 unterliegt, kann die Zollbehörde die Tiere oder Pflanzen auf Kosten der verfügungsberechtigten Person bis zur Klärung der Zweifel in Verwahrung nehmen oder einen Dritten mit der Verwahrung beauftragen; […] Erweisen sich die Zweifel als unbegründet, hat der Bund der verfügungsberechtigten Person die Kosten für die Beschaffung der Bescheinigung und die zusätzlichen Kosten der Verwahrung zu erstatten.
Es kann schließlich nicht sein, dass unschuldige EU-Bürger auch noch draufzahlen, nur weil die Mühlen der deutschen Behörden mal wieder etwas langsam mahlen.
 

Dienstag, 17. Mai 2016

Internationale Geckotagung 2016 in Hameln

Am vergangenen Pfingstwochenende pilgerten Geckohalter aus Deutschland und Umgebung in meine Heimatstadt Hameln, um an der Internationalen Geckotagung 2016 im Lalu (HefeHof) teilzunehmen. Das Rahmenprogramm wurde mit einigen interessanten Vorträgen gefüllt. Unter anderem erklärte Julian Wiewel in seinem Vortrag „Das Lepidodactylus lugubris ABC - Entstehung, Linien, Haltung und Zucht“ die Herkunft des Jungferngeckos und dessen Genetik. Im Vortrag „Vertreter der Gattung Strophorus in der Terrarienhaltung“ von Hanno Siebeneicher ging es um die verschiedenen Arten der Gattung der Stachelschwanzgeckos und Dennis Hluschi stellte in seinem Vortrag „Ein Traum wurde wahr: Haltung und europäische Erstnachzucht von Gonatodes daudini“ einen sympathischen Gecko vor, der in einem nur wenige Quadratkilometer großen Verbreitungsgebiet auf Union Island (St. Vincent und die Grenadinen) vorkommt. Diese und weitere Vorträge sorgten neben einer Versteigerung von gesponserten Artikeln u.a. von ExoTerra für ein abwechslungsreiches Tagungsprogramm.

Ich selbst hielt ebenfalls einen Vortrag mit dem Titel „Endzeitstimmung - Die Terraristik im politischen Kreuzfeuer“ und nahm damit eine gewisse Außenseiterrolle ein. In meinem Vortrag erläuterte ich die aktuelle und in nächster Zeit drohende politische Situation und leistete ein wenig Überzeugungsarbeit für die Teilnahme an der derzeit noch laufenden EXOPET-Studie. Sehr gefreut haben mich die hohe Besucherzahl sowie die lebhafte Diskussion direkt nach meinem Vortrag und auch die Gespräche während der Pausen mit verschiedenen Tagungsteilnehmern über die absehbare Zukunft der sogenannten „Exotenhaltung“.
 
An dieser Stelle möchte ich auch noch den Veranstaltern für die gute Organisation der Tagung danken, obwohl ich manches davon - wie z.B. Übernachtungsmöglichkeiten oder Catering - aufgrund meines „Heimvorteils“ nicht nutzte.
 
 

Freitag, 13. Mai 2016

Können Reptilien träumen?

Forscher des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung berichteten am 29. April im wissenschaftlichen Fachblatt "Science" über neue Erkenntnisse zum Schlafverhalten von Bartagamen: Slow waves, sharp waves, ripples, and REM in sleeping dragons

Unterschiedliche Schlafphasen wie der REM-Schlaf waren bisher nur von Säugetieren und Vögeln bekannt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung haben die Hirnaktivität von fünf schlafenden Bartagamen untersucht und dabei festgestellt, dass diese Tiere ebenfalls unterschiedliche Schlafphasen sowie eine REM-Schlafphase mit erhöhter Hirnaktivität besitzen. Während des REM-Schlafs des Menschen ähnelt die Hirnaktivität (Beta-Aktivität) der des Wachzustandes. Auch Puls und Blutdruck steigen an. Außerdem ist dies die Schlafphase, in der wir hauptsächlich träumen.

Die Entdeckung unterschiedlicher Schlafphasen bei Reptilien bzw. konkret bei Bartagamen deutet darauf hin, dass die Schlafphasen schon bei der Evolution der ersten Landwirbeltiere vor ca. 320 Millionen Jahren entstanden. Obwohl Bartagamen erst ca. 70 Millionen Jahre später vom Stammbaum der Vögel / Dinosaurier abzweigten, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass bereits der gemeinsame Vorfahre unterschiedliche Schlafphasen besaß.

Die Schlafphasen der untersuchten Bartagamen ähnelten denen von Säugetieren in vielen Punkten, wiesen jedoch auch Unterschiede auf:
Die aufgezeichneten Aktivitätsmuster ähnelten denen von Ratten, entstünden aber überraschenderweise in einem anderen Hirnbereich, fanden die Wissenschaftler weiter heraus.
Quelle: Mit der Bartagame ins Reich der Träume

Ein Schlafzyklus dauert bei Bartagamen außerdem nur ca. 80 Sekunden, während er bei Katzen ca. 30 Minuten und beim Menschen bis zu 90 Minuten andauern kann. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass das Schlafverhalten von Reptilien offenbar simpler ist als das von Vögeln und Säugetieren.

Können Reptilien träumen?
Ob Reptilien träumen können oder nicht, kann nach aktuellem Stand der Forschung nicht beantwortet werden. Träume sind für uns Menschen mit einem emotionalen Erleben verbunden, weil bei uns und anderen Säugetieren mit REM-Schlaf Areale der Großhirnrinde beteiligt sind, die für die emotionale Bewertung zuständig sind. Diese Areale sind bei Reptilien allerdings nicht vorhanden bzw. bei weitem nicht so weit entwickelt wie bei Säugetieren. Wenn Reptilien also tatsächlich träumen können, ist von eher simplen Traumbildern auszugehen, jedoch nicht von Träumen, die einen emotionalen Tiefgang wie die uns bekannten Menschenträume haben.

Interessant ist, dass diverse Boulevardmedien die Forschungsergebnisse aufgegriffen haben und in ihren Schlagzeilen die Aussage verbreiten, dass Reptilien träumen könnten. Auch PETA ist auf diesen Zug aufgesprungen und schlussfolgert aus dieser Falschauslegung, dass Reptilien nicht in menschliche Obhut gehören. Der logische Zusammenhang erschließt sich mir nicht, denn dann gehören Säugetiere wie Hunde oder Katzen, die sehr wahrscheinlich tatsächlich träumen können, auch nicht in menschliche Obhut. Mit seiner unwissenschaftlichen Ergebnisdarstellung disqualifiziert sich der Tierrechtsverein jedenfalls erneut für jede fachliche Diskussion über das Verhalten von Reptilien.

Die Forscher am Frankfurter Max-Planck-Institut planen weitere Untersuchungen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gehirnaktivität von Reptilien, Vögeln und Säugetieren zu entdecken und dadurch Funktion sowie Aufbau der verschiedenen Wirbeltiergehirne besser zu verstehen. Vielleicht wird man also in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich zu der Erkenntnis kommen, dass Reptilien träumen können. 
 
Womöglich in einem nur wenige Sekunden aufblitzenden Traumbild von saftigen Futterinsekten, die ihnen am Tag zuvor vom fürsorglichen Pfleger spendiert wurden?
 

Montag, 9. Mai 2016

aktion tier: Erst provozieren, dann differenzieren?

In der Vergangenheit hat der Tierschutzverein aktion tier - menschen für tiere e.V. bedauerlicherweise eine sehr strikte und einseitige Gangart an den Tag gelegt, was die Haltung von sogenannten „exotischen Wildtieren“ in menschlicher Obhut betrifft. In Erinnerung geblieben ist z.B. die Kampagne „Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer“, mit welcher der Verein dieselben Parolen (wie z.B. die Panikmache vor Salmonellen) verbreitete, mit denen Tierrechtsvereine wie PETA oder animal public e.V. den sachlichen Tierschutz karikieren. Dementsprechend scharf war meine bisherige Kritik an aktion tier und der Kampagnenchefin Ursula Bauer.
 
Im November 2015 berichtet ich darüber, dass sich allmählich eine neue Gangart bei diesem Verein abzuzeichnen scheint: aktion tier e.V. zu Gast beim Futterhaus

Gestern dann der Knaller, der mich wahrlich sprachlos werden ließ! Im Online-Portal der Osnabrücker Zeitung stieß ich auf diesen interessanten dpa-Artikel über das Zusammenleben von Kindern mit Reptilien: Exoten im Kinderzimmer: Leguane und Co sind keine Kuscheltiere

Darin kam neben einem Reptilienexperten des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) auch Ursula Bauer von aktion tier zu Wort. Überraschenderweise sucht man einseitige Verbotsforderungen, populistische Parolen und unbegründete Panikmache vergebens. Frau Bauer stellt sich in diesem Artikel sogar eindeutig hinter die verantwortungsvolle Reptilienhaltung, nachdem eine Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin aufgrund des Salmonellenrisikos vom direkten Kontakt von Kindern zu Reptilien abrät:
Tierschützerin Bauer sieht das etwas weniger streng: Solange man gut auf die Hygiene achte, spreche nichts gegen Körperkontakt, meint sie.
Abschließend stellt Frau Bauer auch noch klar, dass das Zusammenleben von Kindern mit Reptilien sehr lehrreich sein kann, weil Kinder dadurch etwas über die Tiere, ihre Eigenarten und Lebensräume lernen können, wenn die Eltern z.B. ein naturnahes Terrarium mit ihnen gemeinsam gestaltet.

Solche fundierten Aussagen verdienen nach all der Kritik in der Vergangenheit großes Lob! Natürlich läuft auch bei der Reptilienhaltung manches schief und Kritik seitens Tierschützern ist in gewissen Einzelfällen absolut berechtigt. Als Halter und Tierschützer unterstütze ich politische Entscheidungen, die für eine Verbesserung des Tierschutzes sorgen und mich von irgendwelchen Idioten, die sich „Exoten“ als Statussymbol für ein paar Euro bei einem Massenzüchter kaufen, abgrenzen. Ebenso darf die fachkundige Haltung nicht überreglementiert werden und die Vorteile der Vivaristik sollten öfter in den Vordergrund gestellt werden, statt immer nur negative Einzelfälle aufzubauschen. Der oben verlinkte dpa-Artikel und die Aussagen von Frau Bauer lassen mich endlich wieder daran glauben, dass die Diskussion auf eine sachliche Ebene gestellt und ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Hoffentlich bleibt aktion tier e.V. dieser Gangart zum Wohle der Tiere auch in Zukunft treu.

Erst mit emotionalen Kampagnen provozieren, um Aufmerksamkeit für das Thema zu bekommen und dann differenzieren, um den sachlichen Tierschutz voranzutreiben? Eine Strategie, mit der ich sehr gut leben kann, denn am Ende zählt für mich das Resultat.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Haltung gefährlicher Tiere: Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hat im Oktober 2015 eine Art „Pseudo-Gefahrtierregelung“ im novellierten Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) verankert. Wie schon in Schleswig-Holstein ist das Naturschutzrecht aus meiner Sicht nicht der richtige Ort, um Regelungen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu beschließen. In Rheinland-Pflanz gibt es außerdem noch eine Besonderheit.

In § 25 LNatSchG über die „Haltung und Zucht von Tieren einer besonders geschützten Art“ heißt es:
(2) Die Haltung von Tieren einer besonders geschützten Art, die für Menschen lebensgefährlich werden können, insbesondere […] von Giftschlangen, setzt eine sichere Unterbringung der Tiere voraus, um einem Entweichen der Tiere vorzubeugen. Neben einem Fachkundenachweis für diese Tiere ist zusätzlich eine Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden mindestens in Höhe von 500 000 Euro nachzuweisen.

(3) Über die Bestände sowie die Zu- und Abgänge von Tieren hat die Person, die diese Tiere hält, entsprechend § 6 BArtSchV Buch zu führen. Zusätzlich ist für jedes giftige Tier im Sinne des Absatzes 2 darin zu vermerken, welches Gift die entsprechende Art aufweist.
Die rheinland-pfälzische „Gefahrtierregelung“ beschränkt sich also lediglich auf besonders geschützte Tierarten, die für den Menschen lebensgefährlich werden können. Um bei den im Gesetz konkret genannten Giftschlangen zu bleiben: Die Haltung einer besonders geschützten Monokel-Kobra (Naja kaouthia) unterliegt neben den grundsätzlichen Auflagen für besonders geschützte Tiere (wie Buchführungs- und Meldepflicht gemäß Bundesartenschutzverordnung) den o.g. zusätzlichen Auflagen des § 25 LNatSchG. Im Gegensatz dazu ist die Haltung einer Schwarzen Mamba (Dendroaspis polylepis) in Rheinland-Pfalz weiterhin ohne Auflagen möglich, da für diese und weitere nicht geschützte Arten keine gesonderte Regelung besteht.

Mangels Tierliste ist es schwierig zu sagen, welche besonders geschützten Tiere als lebensgefährlich für den Menschen und somit gefährlich im Sinne des Landesnaturschutzgesetzes gelten. Insbesondere bei großen Riesenschlangen (Boidae und Pythonidae), die allesamt geschützt sind, kann derzeit nur die jeweils zuständige Naturschutzbehörde sachdienliche Informationen über die notwendigen Auflagen geben. Rechtssicherheit sieht anders aus. Beispiele dafür wären die Abgottschlange (Boa constrictor constrictor) und die Kaiserboa (Boa imperator syn. Boa constrictor imperator). Fallen beide, nur eine oder keine dieser Arten unter die Regelung des § 25 LNatSchG?

Immerhin wird in Rheinland-Pfalz besonderen Wert auf Fachkunde gelegt, wie der erste Absatz des § 25 LNatSchG zeigt:
(1) […] Eine ausreichende Fachkunde wird vermutet, wenn die Person, die Tiere hält, Mitglied in-einem Fachverband ist oder an einer entsprechenden Fortbildungsveranstaltung eines Zoos oder eines Fachverbandes teilgenommen hat und darüber auf Verlangen der zuständigen Behörde eine schriftliche Bestätigung vorlegen kann.
Wobei es durchaus diskussionswürdig ist, ob die simple Mitgliedschaft in einem Fachverband bereits ausreicht, um von einer vorhandenen Fachkunde im Umgang mit potentiell gefährlichen Tieren zu sprechen.

Verstößt ein Halter gegen diese Anforderungen oder kann sie nicht innerhalb einer angemessenen Frist sicherstellen, kann ihm die Tierhaltung untersagt werden.

Fazit:
Rheinland-Pfalz hat zwar einen Teilbereich der Haltung von potentiell gefährlichen Tieren geregelt und legt dabei besonders Wert auf Fachkunde der Tierhalter, statt strikte Haltungsverbote auszusprechen, ist von einer sinnvollen Gefahrtierregelung aber leider trotzdem noch weit entfernt. Das Bundesland scheint lediglich eine Regelung für die Tiere beschlossen zu haben, von denen es ohnehin aufgrund der Meldepflicht gemäß Bundesartenschutzverordnung Kenntnis hat. Bei nicht geschützten Exemplaren scheint beim Gesetzgeber hingegen das Motto zu gelten: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Vielleicht reicht Rheinland-Pfalz bald noch eine solche Regelung nach.
 

Mittwoch, 4. Mai 2016

Landtagswahlen 2016: „Exoten“ in den Koalitionsverträgen (ST, RP & BW)

Am 13. März fanden in gleich drei Bundesländern Landtagswahlen statt (Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg). Mittlerweile liegen die Entwürfe der Koalitionsverträge vor, die in nächster Zeit auf den Parteitagen der koalierenden Parteien diskutiert und wahrscheinlich ohne große Änderungen abgesegnet werden. 

Sachsen-Anhalt (CDU, SPD & Bündnis 90/Die Grünen)
Koalitionsvertrag: Zukunftschancen für Sachsen-Anhalt – verlässlich, gerecht und nachhaltig
Wir wollen gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungswege finden, um die Haltungsbedingungen, die Fütterung und das Management im Sinne des Tierwohls, der Tiergesundheit und der Umweltverträglichkeit zu verbessern. […] Das Anliegen der artgerechten Tierhaltung umfasst neben den Nutztieren auch die Heim- und Haustiere.
Der Koalitionsvertrag enthält keine geplanten Einschränkungen für Halter von „exotischen Wildtieren“ – nicht zwischen den Zeilen. Verbesserung von Haltungsbedingungen unter Beteiligung der betroffenen Halter ist ein lobenswertes Ziel. So muss das sein. 

Rheinland-Pfalz (SPD, Bündnis 90/Die Grünen & FDP)
Koalitionsvertrag: Sozial gerecht – wirtschaftlich stark – ökologisch verantwortlich, Rheinland-Pfalz auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt
Wir werden Sachkunde-Angebote - insbesondere für junge Heimtierhalter - unterstützen. Weiterhin werden wir auf Landes- und Bundesebene für Maßnahmen wie die Verbesserung der Sachkunde von Heimtierhaltern eintreten, um der Überfüllung von Tierheimen entgegenzuwirken. Dazu werden wir uns auch auf Bundesebene für eine Heimtierschutzverordnung einsetzen.
In Rheinland-Pfalz wird großen Wert auf Sachkunde gelegt, was zunächst einmal sehr zu begrüßen ist. Aber zwischen den Zeilen gelesen sollte uns die Forderung nach einer Heimtierschutzverordnung hellhörig werden lassen. Im Koalitionsvertrag der vorherigen Landesregierung (SPD und Grüne) war bereits eine solche Heimtierschutzverordnung geplant, mit der die Haltung von „Exoten“ im Rahmen einer Positivliste eingeschränkt werden sollte. Es bleibt abzuwarten, in welcher Art und Weise sich die Landesregierung von Rheinland-Pfalz nun auf Bundesebene für genau solch eine Gesetzgebung einsetzen wird. 

Baden-Württemberg (CDU & Bündnis 90/Die Grünen)
Koalitionsvertrag: VERLÄSSLICH. NACHHALTIG. INNOVATIV.
Im Sinne eines vorbeugenden Tierschutzes werden wir Menschen, die sich für die Haltung exotischer Tiere interessieren, vermehrt Anleitung dazu geben, ob und wie diese Tiere artgerecht gehalten werden können.
Das klingt zunächst einmal auch ganz ordentlich. Wenn doch nur das Wörtchen „ob“ nicht wäre. Es war in der Vergangenheit immer wieder spannend, wenn der Gesetzgeber Tierhaltern eine Anleitung dafür geben wollte, ob exotische Tiere gehalten werden können. Auch in Baden-Württemberg lässt man sich gewisse Hintertürchen wohl noch offen, um die sogenannte „Exotenhaltung“ einzuschränken. Ob dies passieren wird, bleibt zunächst abzuwarten. 

Im September wird es auch noch mal auf Landesebene spannend, denn dann finden in Mecklenburg-Vorpommern die nächsten Landtagswahlen statt. Auch das Abgeordnetenhaus von Berlin wird im September neu gewählt.

Montag, 2. Mai 2016

Kommt das Gefahrtiergesetz NRW im Juli zur Abstimmung?

In letzter Zeit ist es ziemlich ruhig um das geplante Gefahrtiergesetz in Nordrhein-Westfalen geworden. Mehrere zum Teil auch unabhängige Verbände haben ihre Kritik am geplanten Vorgehen des Umweltministeriums NRW geäußert. Seitens des Umweltministeriums hieß es am 28. April auf eine Anfrage meinerseits, wie der aktuelle Stand der Gesetgebung ist, dass das Gesetzgebungsverfahren seit einiger Zeit Gegenstand eines Abstimmungsprozesses im politischen Raum sei, an dem das Umweltministerium nicht beteiligt sei. Außerdem hieß es, dass sich die Prioritäten der inneren Sicherheit aufgrund der Flüchtlingskrise verlagert hätten, weswegen das geplante Gefahrtiergesetz zunächst zurückgestellt wurde.

Entgegen der Hoffnung vieler betroffener Halter ist das Gesetzesvorhaben aber leider nicht vom Tisch: Kein Platz für Kobras im Wohnzimmer

Laut Auskunft des Sprechers des Umweltministeriums NRW sollen bis Juli alle finalen Arbeiten abgeschlossen sein und das Gefahrtiergesetz zur Abstimmung in den Landtag gebracht werden!

Im oben verlinkten Artikel wird das geplante Gesetz erneut mit dem Auffinden von ungefährlichen Arten im öffentlichen Raum gerechtfertigt. Dabei haben diese für eine Gefahrtiergesetzgebung keinerlei Relevanz. Außerdem ergab die Gefahrtierstudie 2015, dass Vorfälle mit gefährlichen Tieren statistisch keine Rolle für die öffentliche Sicherheit und Ordnung spielen.

Auch die im Artikel genannte Schätzung (!) über die Importzahlen geht an der Realität total vorbei (es werden veraltete Zahlen genannt) und hat mit dem Anteil an potentiell gefährlichen Tieren in privaten Haushalten grundsätzlich erst einmal nichts zu tun.

In letzter Zeit ist die Einschätzung von Experten von Tierarten wie Reptilien und Wirbellosen über das Gefahrenpotential in den Gesetzesentwurf eingeflossen. Es bleibt abzuwarten, ob es dadurch zu Verbesserungen gekommen ist oder nicht.

Laut des oben verlinkten Artikels hat sich an der geplanten zweistufigen Verbotsliste (strikte Komplettverbote für besonders gefährliche / potentiell tödliche Arten und Auflagen für andere gefährliche Arten) nichts geändert. Die Nachzucht soll ebenfalls weiterhin verboten werden. Dies waren die größten Kritikpunkte seitens echter Fachexperten, woran sich offenbar leider nichts geändert hat. Interessant ist auch die Planung, die entstehenden Kosten durch eine Gebührenpflicht auf die Halter umzulagern.

Im Artikel wird Vize-Präsident Ralf Unna vom Landestierschutzverband NRW zitiert:
„Diese Geschäfte laufen eher von Kofferraum zu Kofferraum – und nicht auf offiziellen Messen“
Es ist durchaus richtig, dass Leute, die z.B. eine Giftschlange als Statussymbol kaufen wollen, dies auf einem Parallelmarkt tun. Nur wird sich daran auch durch ein striktes Gefahrtiergesetz rein gar nichts ändern! Mit einer solchen Gesetzgebung trifft man lediglich die verantwortungsvollen Halter und Züchter, von denen keinerlei Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.

Aus diesem Grund sind strikte Haltungs- und Nachzuchtverbote (wahrscheinlich sogar geknüpft an ein „öffentliches Interesse“) unverhältnismäßig. Außerdem zeigt die geringe Zahl der Vorfälle eindeutig, dass der Großteil der Halter seine Tiere sicher untergebracht hat. Ansonsten würden Vorfälle wie das Mülheimer „Kobrahaus“ an der Tagesordnung sein.

Sinnvolle Regelungen wie Meldepflicht und Sachkundenachweispflicht sowie eine Regelung des Handels sind gewünscht. Strikte Verbote sind jedoch abzulehnen, wie es in den Stellungnahmen von fachkundigen Verbänden und auch unabhängigen Organisationen nachzulesen ist. Vielleicht wurden manche der Kritiken ja doch erhört, der Wortlaut der neuesten Meldungen macht jedoch wenig Hoffnung auf eine sinnvolle Gefahrtiergesetzgebung in Nordrhein-Westfalen.
 

Sonntag, 1. Mai 2016

Nachbetrachtung: Terrarienbörse Hannover (01.05.2016)

Mich zog es am heute mal wieder zur Terrarienbörse Hannover. Diesmal war ich nur auf der Suche nach Korkästen, weil meine Futterhaus-Filiale es seit mehr als 10 Wochen einfach nicht auf die Reihe bekommt, diese zu bestellen. Da will man seinen Tiere schon einen möglichst artgerechten Lebensraum bieten und ist dafür beim allgemeinen Zoofachhandel wieder einmal an der falschen Adresse. Wie gut, dass es noch Börsen gibt, auf denen man das benötigte Zubehör erwerben kann. Insbesondere bei Korkästen/-röhren ist die direkte Auswahl sinnvoll, weswegen Internetkäufe hierbei für mich nicht infrage kommen.

Leider war ein altbekannter Anbieter mit einer großen Auswahl an Korkprodukten diesmal nicht auf der Börse vertreten. Ganz umsonst war meine Fahrt dann aber doch nicht, da ich mich ordentlich mit Fachliteratur eindeckte und ein paar Spingschwanz-Zuchtansätze für einen günstigeren Preis als im Zoofachhandel erwerben konnte.

Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, um auch mal das Tierangebot zu checken. Da ich diesmal nicht auf der Suche nach Tieren war, konnte ich vergleichsweise gelassen stöbern und musste nicht von Stand zu Stand hetzen. Neben den üblichen Arten waren auch ein paar Raritäten vertreten, die auf einer vergleichsweise kleinen Börse wie der Terrarienbörse Hannover nur selten zu sehen sind. Ein Anbieter hatte z.B. Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri) im Sortiment.
 
Eine weitere Rarität entdeckte ich bei einem bekannten Großhändler, der primär Wildfänge im Sortiment hat: Flugdrachen (Draco spp. deklariert als Draco lineatus). Darüber hinaus Schönheiten wie Nackenstachler (Acanthosaura capra) und junge Grüne Leguane (Iguana iguana) - ebenfalls, soweit ich es überblicken konnte, allesamt Wildfänge. Ich bin niemand, der Naturentnahmen grundsätzlich verteufelt, weil diese auch einen wichtigen Beitrag zum Arterhalt leisten können. Trotzdem halte ich manche Angebote dann doch für sehr fragwürdig. Ausgewachsene Grüne Leguane werden an anderer Stelle teilweise verschenkt oder warten in Tierheimen und Auffangstationen auf neue Besitzer. Muss man da unbedingt aus der Natur entnommene Jungtiere regelrecht verramschen, nur weil diese sich aufgrund ihrer Niedlichkeit einfach besser verkaufen lassen als adulte Exemplare oder teure Nachzuchten der wenigen Züchter, die diese Art noch selbst vermehren? Selbst Importe von Farmzuchten wäre besser, weil man damit Tieren das Leben rettet, die sonst im Kochtopf landen würden. Da es sich beim Grünen Leguan immerhin um eine bedrohte Art handelt, die über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt ist, haben manche Länder in Südamerika bereits den Verkauf von Leguanfleisch verboten. Und bei uns werden Wildfänge gehandelt. Muss das sein? Der Handel mit Flugdrachen bereitet mir ebenso Sorge, weil diese Art in der Haltung ziemlich anspruchsvoll sein soll und sich bisher kaum stabil über längere Zeit halten ließ. Eine deutsche Erstnachzucht beruhend auf Wildfängen wäre zwar äußerst begrüßenswert. Ob diese jedoch dadurch erreicht wird, dass importierte Exemplare dieser Art für weniger als 30 Euro auf einer Börse von einem Großhändler gewissermaßen an jedermann verkauft werden, wage ich dann doch stark zu bezweifeln.

Der schon mehrmals von mir hier im Blog thematisierte Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) wurde von den verschiedenen Anbietern auf der Terrarienbörse Hannover leider sehr unterschiedlich ausgelegt. Eine Anbieterin zeichnete ihre Tiere ohne jeden Schutzstatus aus, weil sie Ausdrucke von der Website von Lucky Reptile als Behälterbeschriftung benutzte. Ein anderer Anbieter spendierte der Art hingegen sogar einen internationalen Schutzstatus in Form einer WA II-Beschriftung. Beides ist falsch! Lygodactylus williamsi ist derzeit nur in der EU-Artenschutzverordnung auf Anhang B aufgeführt, steht jedoch (noch) in keinem der Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.

Positiv aufgefallen ist mir ein Verkäufer, der neben den Verkaufsdosen mit seinen Tieren Fotos aufstellte, welche die Tiere im Adultstadium zeigten. Bei den Nachzuchten der Grünen Wasseragame (Physignathus cocincinus) wurde dadurch die imposante Größe deutlich, die diese Tiere erreichen können. Fotos wirken einfach sehr viel anschaulicher als die Größenangaben in cm auf den Verkaufsbehältern (sofern diese überhaupt vorhanden sind). Vielleicht wäre es sinnvoll, eine derartige Illustration in den Börsenrichtlinien grundsätzlich vorzuschreiben, damit Käufer wissen, worauf sie sich einlassen.
 
Fazit:
Auf der Terrarienbörse Hannover gab es also das altbekannte Spiel von Licht und Schatten, wie man es von Börsen her kennt. Vereinzelte Anbieter, die Wildfänge zu günstigen Preisen anbieten, machen es engagierten Züchtern schwer, ihre Nachzuchten zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Manche Anbieter zeichnen ihre Tiere mit dem falschen Schutzstatus aus. Dies wirft ein schlechtes Licht auf Verkaufsbörsen und die Terraristik allgemein. So manche Kritik von Börsengegnern wird damit durchaus nachvollziehbar. Andererseits sieht es im Zoofachhandel nicht viel anders aus, weswegen die bestehenden Richtlinien grundsätzlich strenger überprüft werden sollten. Eine striktere Selbstkontrolle seitens der Händler und Börsenbetreiber wäre ebenfalls wünschenswert, um schwarze Schafe auszusortieren und vorbildliche Händler zu stärken.