Montag, 9. Mai 2016

aktion tier: Erst provozieren, dann differenzieren?

In der Vergangenheit hat der Tierschutzverein aktion tier - menschen für tiere e.V. bedauerlicherweise eine sehr strikte und einseitige Gangart an den Tag gelegt, was die Haltung von sogenannten „exotischen Wildtieren“ in menschlicher Obhut betrifft. In Erinnerung geblieben ist z.B. die Kampagne „Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer“, mit welcher der Verein dieselben Parolen (wie z.B. die Panikmache vor Salmonellen) verbreitete, mit denen Tierrechtsvereine wie PETA oder animal public e.V. den sachlichen Tierschutz karikieren. Dementsprechend scharf war meine bisherige Kritik an aktion tier und der Kampagnenchefin Ursula Bauer.
 
Im November 2015 berichtet ich darüber, dass sich allmählich eine neue Gangart bei diesem Verein abzuzeichnen scheint: aktion tier e.V. zu Gast beim Futterhaus

Gestern dann der Knaller, der mich wahrlich sprachlos werden ließ! Im Online-Portal der Osnabrücker Zeitung stieß ich auf diesen interessanten dpa-Artikel über das Zusammenleben von Kindern mit Reptilien: Exoten im Kinderzimmer: Leguane und Co sind keine Kuscheltiere

Darin kam neben einem Reptilienexperten des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) auch Ursula Bauer von aktion tier zu Wort. Überraschenderweise sucht man einseitige Verbotsforderungen, populistische Parolen und unbegründete Panikmache vergebens. Frau Bauer stellt sich in diesem Artikel sogar eindeutig hinter die verantwortungsvolle Reptilienhaltung, nachdem eine Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin aufgrund des Salmonellenrisikos vom direkten Kontakt von Kindern zu Reptilien abrät:
Tierschützerin Bauer sieht das etwas weniger streng: Solange man gut auf die Hygiene achte, spreche nichts gegen Körperkontakt, meint sie.
Abschließend stellt Frau Bauer auch noch klar, dass das Zusammenleben von Kindern mit Reptilien sehr lehrreich sein kann, weil Kinder dadurch etwas über die Tiere, ihre Eigenarten und Lebensräume lernen können, wenn die Eltern z.B. ein naturnahes Terrarium mit ihnen gemeinsam gestaltet.

Solche fundierten Aussagen verdienen nach all der Kritik in der Vergangenheit großes Lob! Natürlich läuft auch bei der Reptilienhaltung manches schief und Kritik seitens Tierschützern ist in gewissen Einzelfällen absolut berechtigt. Als Halter und Tierschützer unterstütze ich politische Entscheidungen, die für eine Verbesserung des Tierschutzes sorgen und mich von irgendwelchen Idioten, die sich „Exoten“ als Statussymbol für ein paar Euro bei einem Massenzüchter kaufen, abgrenzen. Ebenso darf die fachkundige Haltung nicht überreglementiert werden und die Vorteile der Vivaristik sollten öfter in den Vordergrund gestellt werden, statt immer nur negative Einzelfälle aufzubauschen. Der oben verlinkte dpa-Artikel und die Aussagen von Frau Bauer lassen mich endlich wieder daran glauben, dass die Diskussion auf eine sachliche Ebene gestellt und ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Hoffentlich bleibt aktion tier e.V. dieser Gangart zum Wohle der Tiere auch in Zukunft treu.

Erst mit emotionalen Kampagnen provozieren, um Aufmerksamkeit für das Thema zu bekommen und dann differenzieren, um den sachlichen Tierschutz voranzutreiben? Eine Strategie, mit der ich sehr gut leben kann, denn am Ende zählt für mich das Resultat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen