Freitag, 22. Juli 2016

Ab April 2017 keine Wildfänge mehr bei Fressnapf!

Gestern vermeldete der Deutsche Tierschutzbund e.V. in einer Pressemeldung, dass die Zoofachhandelskette Fressnapf ab April 2017 auf den Verkauf von wildgefangenen Reptilien verzichten will. Außerdem sollen ab April 2018 nur noch Reptilien aus europäischen Nachzuchten angeboten werden. Importiere Nachzuchten aus Drittländern wird es dann also auch nicht mehr geben. So zumindest der Plan, ob die Lieferketten allerdings bis zuletzt ins Detail rückverfolgbar sein werden, bleibt abzuwarten.

Obwohl der Tierschutzbund diese Entscheidung begrüßt, weil sie einen Schritt in Richtung „Ende der Reptilienhaltung” darstellt (eine nicht nachvollziehbare Forderung), finde ich diese Entscheidung trotzdem auch begrüßenswert. Ich persönlich habe in Filialen der großen Zoofachhandelsketten schon die wildesten Dinge erlebt – und damit meine ich nicht das angebotene Tiersortiment: Von falschen wissenschaftlichen Artnamen auf den Verkaufsbehältern und fehlenden Papieren für geschützte Arten über mangelnde Kenntnis des Personals bis hin zum „Verkauf um jeden Preis”. In einer dieser Filialen musste sogar der Kunde selbst Vogelspinnen, Skorpione & Co. aus den Verkaufsterrarien fangen, weil sich das Personal dies nicht zutraute!

Doch auch ohne solche Extreme merkt man als fachkundiger Kunde schon nach wenigen Minuten eines Beratungsgesprächs, ob ein Kauf anzuraten ist oder eher nicht. Während man in spezialisierten Zoofachgeschäften tatsächlich gut und ausführlich beraten wird, zeigt mir meine persönliche Erfahrung, dass dies in den Filialen der großen Ketten leider eher eine Seltenheit ist. Viele Tiere wandern über den Ladentisch in die Hände von nicht ausreichend informierten Haltern, die auf die „Beratung” des Fachpersonals vertrauen und die Verkaufsbecken, die primär der Tierpräsentation dienen, als Vorbild für die Haltungsbedingungen der frisch erworbenen Tiere nehmen. Insbesondere bei Wildfängen, die nicht an den Menschen und die Haltung in menschlicher Obhut gewöhnt sind, eine dramatische Konstellation.

Daher finde ich es ebenfalls begrüßenswert, dass zumindest schon mal Fressnapf auf den Verkauf von Wildfängen verzichten will. Ich bin grundsätzlich kein Gegner von Wildfängen, da diese auch einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten können, bin jedoch der Meinung, dass diese nicht auf Börsen oder im Zoofachhandel an jedermann verkauft werden sollten. Den vom Tierschutzbund postulierten Rückgang des angebotenen Artenspektrums sehe ich (abgesehen vom ohnehin zunehmend fortschreitenden Rückgang der Terraristik)
allerdings nicht . Ein großes Tiersortiment kann ausschließlich mit Nachzuchten gedeckt werden. Kommerzielle Großzuchten mit dem Ziel Profit abzuwerfen gibt es bekanntlich nicht nur bei klassischen Heimtieren, sondern auch bei Reptilien. Das Artenspektrum wird aus meiner Sicht also nicht in dem Maße zurückgehen, als dass sich die Mitarbeiter für die verbleibenden Arten eine verbesserte Fachkunde aneignen könnten. Ob sie diese dann auch an den Kunden weitergeben würden, stünde ohnehin auf einem anderen Blatt Papier.

Im Einzelfall finde ich es sogar sinnvoll, wenn Zoofachgeschäfte auf den Verkauf von lebenden Reptilien grundsätzlich verzichten. Einen solchen Verzicht habe ich auch schon selbst bei einer örtlichen Großkettenfiliale durchgesetzt. Einer der letzten Großabnehmer für Futtertiere zu sein, hat eben gewisse Vorteile. Selbst wenn Fressnapf und andere Zoofachhandelsketten dem Wunsch des Tierschutzbundes irgendwann folgen sollten und den Verkauf von Reptilien in all ihren Filialen einstellen, wäre dies aus meiner Sicht kein Verlust für die Terraristik. Spezialisierte Fachgeschäfte wird es auch weiterhin geben und dort wird man auch als Laie gut beraten. Bei all der Kritik an den großen Ketten soll nicht verschwiegen werden, dass es natürlich auch dort Fachpersonal geben kann, welches sich gut mit Reptilien auskennt und diese womöglich sogar selber privat hält. Bei solchen Mitarbeitern wird man dann womöglich auch gut beraten. Nur sind mir diese bisher nicht begegnet bzw. wurde bei ihnen trotz der vorhandenen Fachkunde deutlich, dass der Verkauf eines Tieres am Ende dann doch die höchste Priorität hat. Wer abweichende Erfahrungen gesammelt hat, kann sich glücklich schätzen.

Mehr zum Thema:

Und zur einseitigen Propaganda des Tierschutzbundes:

Ist der WWF nun auch gegen uns?

Der WWF-Deutschland hat gestern auf seinem YouTube-Channel ein Video aus der Reihe Öko mit Uke” veröffentlicht, in dem es um die Haltung von exotischen Tieren geht:



Kritik an der sogenannten Exotenhaltung” (Was sind eigentlich Exoten?) ist gewiss an manchen Stellen gar nicht unangebracht. Aber Verbesserungen erreicht man mit sachlicher Aufklärung. Bisher war der WWF Deutschland immer zu differenzierten Aussagen fähig, wenn es um die Reptilien-/Exotenhaltung ging, statt mit Lügen und Propaganda naturentfremdete Spender anzulocken. Dieses Video ist jedoch billigster Populismus, den man vom WWF eigentlich so nicht kennt. Ich sage nur megagiftige Mutantenspinnen aus Arizona”. Um nur mal ein paar der Unwahrheiten direkt zu benennen:

- Normale Tierheime sind zwar sicherlich mit Exoten” überfordert. Aber das sind sie ebenso mit den Hunderten Katzen und Hunden, die dort jährlich (pro Tierheim versteht sich) abgegeben werden. Der Anteil an Reptilien in den Tierheimen beträgt nur ca. 2 Prozent! Spitzenreiter ist und bleibt die süße Miezekatze”. Setzt man diese Zahlen mit den Heimtierzahlen ins Verhältnis, kommt man zu der Erkenntnis, dass Terrarianer sehr viel seltener überfordert sind als Hunde- oder Katzenhalter.

Weitere Informationen: Exoten, ein Problem für Tierheime?

- Im Video wird ein Vorfall mit einer mutmaßlichen Alligatorschildkröte aus dem Jahr 2013 genannt, um die Gefährlichkeit von Exoten” zu betonen. Dies zeigt, wie weit in der Vergangenheit gekramt werden muss, um solche Vorfälle zu benennen. Bis heute wurde nicht einmal eindeutig geklärt, ob es sich tatsächlich um eine Alligatorschildkröte handelte (Was wurde aus Lotti, der Alligatorschildkröte?). Davon abgesehen ist es nicht besonders gut durchdacht, eine Tierart aufzuführen, die ohnehin nicht mehr legal gehalten werdend darf, um Leute davon zu überzeugen, solche Tiere nicht mehr zu halten. Unfälle mit Hunden, Katzen und Pferden gehören zum Alltag und werden kaum noch erwähnt. Die Gefahrtierstudie 2015 hat gezeigt, dass Exoten” statistisch keine Rolle spielen, wenn es um die öffentliche Sicherheit und Ordnung geht! Besonnene Regelungen der Gefahrtierhaltung” sind zwar wünschenswert, sollten jedoch alle Gefahrtiere betreffen, wozu ich vollkommen objektiv auch Hunde, Katzen und Pferde zähle.

- Auch die im Video eher beiläufig erwähnte Gefährlichkeit von Reptilien Exoten” aufgrund der möglichen Übertragung von Krankheiten (wie z.B. Salmonellen) ist vergleichbar dem Risiko beim Umgang mit Hunden und Katzen. Mit diesem Argument dürfte man tatsächlich gar keine Tiere mehr halten. 

- Vor ca. 10 Jahren wurden noch ca. 840.000 lebende Reptilien importiert. Seitdem ist die Zahl rapide gesunken. Aktuelle Zahlen sprechen von ca. 350.000 lebenden Reptilien. Die veraltete Zahl wird nur genannt, um die Situation zu dramatisieren. Von den importierten geschützten Arten stammen übrigens 2/3 aus Nachzuchten. Die vom WWF genannte Zahl der illegalen Importe (Millionenhöhe) ist vollkommen aus der Luft gegriffen, weil es darüber keine verlässlichen und unabhängigen Daten gibt! Die sinkenden Importzahlen lassen sich durch den wachsenden Anteil an Nachzuchten erklären. Einige Arten (darunter auch die im WWF-Video als Beispiel genannte Boa constrictor) werden inzwischen in solche Massen hierzulande vermehrt, dass sie leider nicht immer von sachkundigen Leuten erworben werden und dann später zum Tierschutzfall werden. Darauf kann man gerne kritisch hinweisen. Jedoch diese Tierschutzprobleme von häufig gezüchteten Reptilien mit Massenimporten gleichzusetzen, wie es Öko-Uke in dem Video tut, verzerrt erneut die Realität.

- Die Transportmortalität betrug vor ca. 20 Jahren bei legalen Reptilienimporten bis zu 4 Prozent! Unabhängige und vor allem aktuelle Studien dazu sind allerdings kaum vorhanden. Leider werden immer wieder die bei schwarzen Schafen ermittelten hohen Verluste (teilweise bis zu 70 Prozent) auf die Allgemeinheit der Händler übertragen. Doch auch dies ist unwissenschaftlich.

- Exoten” fühlen sich bei uns nicht wohl, können aber Schaden anrichten? Widerspricht sich das nicht? Fakt ist, dass unser Klima für die Vivaristik kaum eine Rolle spielt, weil es ja eben darum geht, künstliche Haltungsbedingungen so naturnah wie möglich zu gestalten. Unser Klima bestimmt lediglich den Aufwand, ist jedoch grundsätzlich für die Haltung von Exoten” irrelevant.

- Relevant wird das Klima erst dann, wenn man das Schreckgespenst der Faunenverfälschung als Argument gegen die Exotenhaltung hervorkramt. Heimtiere sollten natürlich nicht in unsere Umwelt freigesetzt werden. Das gilt aber für alle Heimtiere. Die süße Miezekatze” hat den höchsten negativen Einfluss auf bedrohte einheimische Spezies (GENOVESI et al., 2012). Insgesamt 16 verschiedene einheimische Arten von der Roten Liste werden von der Hauskatze in ihrem Bestand gefährdet. Auch der Haushund taucht in der Top 10 der invasiven Arten auf. Statt sich also eine Katze zu besorgen, diese jedoch auf Dauer nicht beschäftigen zu können und das gelangweilte Tier schließlich als Freigänger” in die Natur zu entlassen, wäre die Anschaffung einer Echse oder einer Schlange vielleicht für viele berufstätige Leute sinnvoller und vor allem ökologischer. Davon abgesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiges Terrarientier bei uns als invasive Art in Erscheinung tritt, statistisch gering: Faunenverfälschung durch ausgesetzte Terrarientiere

- Die Aussage, dass Hunde heimische” Tiere seien, offenbart die fachliche Inkompetenz von Uke” bzw. der Personen des WWF, die ihm seine Aussagen ins Skript geschrieben haben. Die genetische Herkunft des Haushundes ist noch nicht abschließend geklärt. Je nach Forschungsarbeit stammen sie entweder aus Europa oder aus Asien. Hauskatzen stammen eindeutig aus Nordafrika bzw. dem Nahen Osten. Es handelt sich bei diesen Tieren also auch um Exoten” - von Meerschweinchen, Wellensittichen usw. ganz zu schweigen. Diese werden von Uke aber komischerweise nicht erwähnt. Darüber hinaus wäre ich sehr am wissenschaftlichen Artnamen der Südgregorianischen Soldatenschildkröte” interessiert.

Fazit:
Damit endet nun also auch mein Vertrauen in den WWF, der mit seinem YouTube-Video bewiesen hat, dass die durch billigen Populismus generierte Zahl an Spendengeldern am Ende vielleicht doch schwerer wiegt, als eine fachlich fundierte und differenzierte Position gegenüber engagierten Tier- und Artenschützern aus dem Bereich der sog. Exotenhaltung”. Meine Unterstützung des WWF, den ich bisher immer für sehr seriös hielt, hat damit jedenfalls ein jähes Ende gefunden. Schade…

Nachtrag vom 11. August 2016:
Heute bekam ich vom Infoservice des WWF Deutschland eine Antwort auf einen Beschwerdebrief, den ich der Artenschutzorganisation aufgrund dieses Videos schrieb: Stellungnahme des WWF Deutschland zum YouTube-Video und zu meiner Kritik

Meine kritischen Kommentare auf der WWF-Facebookseite sowie direkt unter dem Video auf YouTube wurden inzwischen übrigens gelöscht. PETA lässt grüßen.
 

Donnerstag, 14. Juli 2016

Europäische Union verbietet „invasive Arten“

Im Oktober 2014 beschloss die Europäische Union die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, welche bereits am 1. Januar 2015 in Kraft trat. Diese Verordnung soll dafür sorgen, dass als invasiv eingestufte Spezies nicht mehr im Raum der Europäischen Union verbreitet werden und keinen Schaden mehr anrichten können. Zu diesem Zweck enthält die Verordnung diverse Verbote.

So besagt Artikel 7 der Verordnung:
(1) Invasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung dürfen nicht vorsätzlich
a) in das Gebiet der Union verbracht werden, auch nicht zur Durchfuhr unter zollamtlicher Überwachung;
b) gehalten werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss;
c) gezüchtet werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss;
d) in die, aus der und innerhalb der Union befördert werden, es sei denn, sie werden im Zusammenhang mit der Beseitigung zu entsprechenden Einrichtungen befördert;
e) in Verkehr gebracht werden;
f) verwendet oder getauscht werden;
g) zur Fortpflanzung, Aufzucht oder Veredelung gebracht werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss, oder
h) in die Umwelt freigesetzt werden.
Bisher war diese Verordnung für Tierhalter wenig relevant, weil sie sich auf eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung (die sogenannte „Unionsliste“) bezog, die bislang noch gar nicht vorlag. Für die Erstellung dieser Liste hatte die Europäische Kommission ein Jahr lang Zeit. Anfang Oktober 2015 wurde der erste Entwurf einer solchen Liste mit 37 Tier- und Pflanzenarten erstellt und am 4. Dezember 2015 von den Vertretern der EU-Mitgliedsländer bis auf wenige Ausnahmen gebilligt. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments forderte am 16. Dezember 2015 eine Überarbeitung des Entwurfs, weil bei einigen Arten die objektiven Gesichtspunkte für eine Listung nicht eindeutig ersichtlich waren.

Nach einigen Monaten der Nachbesserung wurde die Unionsliste heute im Amtsblatt der EU (L 189/4) als Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 veröffentlicht. Sie tritt in 20 Tagen in Kraft. Ab dem 3. August 2016 ist die Verordnung für die auf der Unionsliste aufgeführten Tier- und Pflanzenarten innerhalb der Europäischen Union bindend! Folgende für die Terraristik relevanten Tierarten sind auf der Unionsliste aufgeführt:

Amphibien:
Amerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus)

Reptilien:
 
Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta)

Des Weiteren auch noch diverse Pflanzenarten, die für die Aqua-Terraristik eine Rolle spielen wie z.B. die Karolina-Haarnixe (Cabomba caroliniana) oder die Krause Afrikanische Wasserpest (Lagarosiphon major).

Gemäß Artikel 7 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 sind somit ab dem 3. August 2016 die Anschaffung, Haltung, Vermehrung und Weitergabe dieser Arten verboten!

Laut Artikel 31 der Verordnung gelten für nichtgewerbliche Halter folgende Bestimmungen, welche den Bestandschutz sichern:
(1) Abweichend von Artikel 7 Absatz 1 Buchstaben b und d dürfen Besitzer von zu nichtgewerblichen Zwecken gehaltenen Heimtieren, die zu den in der Unionsliste aufgeführten invasiven gebietsfremden Arten gehören, diese Tiere bis zum Ende ihrer natürlichen Lebensdauer behalten, sofern die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
a) die Tiere wurden bereits vor ihrer Aufnahme in die Unionsliste gehalten;
b) die Tiere werden unter Verschluss gehalten, und es werden alle geeigneten Maßnahmen getroffen, um eine Fortpflanzung oder ein Entkommen auszuschließen.
Laut EU-Verordnung kann die Weiterführung der Haltung untersagt werden, wenn Tierhalter die o.g. Bedingungen nicht erfüllen. Halter sollten also (z.B. mithilfe von Kaufbelegen) glaubwürdig beweisen können, dass sie ihre Tiere bereits vor Inkrafttreten der Unionsliste in ihrem Bestand hatten. Wer keine solche Belege hat, sollte sich innerhalb der nächsten Tage unbedingt Zeugen (z.B. einen Tierarzt) beschaffen, damit später zweifelsfrei bewiesen werden kann, dass man seine Tiere nicht erst nach Inkrafttreten der Unionsliste angeschafft hat. Denn danach ist eine Anschaffung wie gesagt verboten.

Während die Arten auf der Unionsliste in allen EU-Staaten verboten sind, werden die Mitgliedsstaaten in Artikel 12 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 darüber hinaus ermächtigt, eigene nationale Listen mit weiteren Arten zu erstellen, die im jeweiligen Staat als invasiv eingestuft werden und auf die dann die Regelungen der EU-Verordnung anzuwenden sind. Weitere Haltungsverbote auf nationaler Ebene sind also nicht ausgeschlossen.

Die Unionsliste selbst soll nach mindestens sechs Jahren von der Europäischen Kommission überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden. Mitgliedsstaaten können Anträge für Arten stellen, die in der Liste aufgenommen werden sollen. Mit der vorliegenden Liste ist das Ende der Fahnenstange also noch längst nicht erreicht.

Der Treppenwitz der Verordnung ist eine der Übergangsbestimmungen für gewerbliche Tierbestände, die aus Artikel 32 hervorgeht:
Der Verkauf oder die Übergabe lebender Exemplare an nichtgewerbliche Nutzer ist ein Jahr lang nach der Aufnahme der Art in die Unionsliste erlaubt, sofern die Exemplare unter Verschluss gehalten und befördert und alle geeigneten Maßnahmen getroffen werden, um eine Fortpflanzung oder ein Entkommen auszuschließen.
Sprich: Zoofachhändler dürfen zwar noch ein Jahr lang invasive Arten an Privatpersonen verkaufen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, um damit ihre Bestände aufzulösen, die Käufer – die ja selbst schon ab dem 3. August keine invasiven Arten mehr anschaffen dürfen – verstoßen damit allerdings genau genommen gegen die Verordnung. Hier werden sich die Juristen streiten müssen, wie dieser Widerspruch auszulegen ist.

Fazit
Den Schutz der einheimischen Umwelt vor invasiven Arten finde ich als Natur- und Umweltschützer natürlich zunächst einmal äußerst begrüßenswert. Es ist sehr vorbildlich, dass sich die EU bemüht, gegen invasive Arten vorzugehen. Andere Staaten haben die Gefahr, die von „Alien Species“ für die einheimische Flora und Fauna ausgeht, längst erkannt. Australien hat seit 1908 ein sehr striktes Quarantänegesetz und in diversen Biodiversitäts-Hotspots wird konsequent Jagd auf eingeschleppte Ratten, Hunde, Katzen usw. gemacht. Und das ist auch gut so!

Ebenso ist es aber nur schwer nachzuvollziehen, warum manche Arten aus eher tropischen Gefilden aufgrund ihres Vorkommens in ein paar wenigen südlichen EU-Staaten direkt innerhalb der gesamten EU verboten werden (eine Spezies muss in mindestens drei EU-Staaten als „invasiv gebietsfremd“ eingestuft werden, um von „unionsweiter Bedeutung“ zu sein), während die Spezies mit dem höchsten negativen Einfluss auf einheimische bedrohte Arten nicht auf der Unionsliste aufgeführt wurde: die Hauskatze – die laut DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) in zumindest vier EU-Staaten (Spanien, Frankreich, Italien und Zypern) als invasiv eingestuft wird! Die Hauskatze hat nicht nur dort einen immens hohen negativen Einfluss auf einheimische Arten. Die Natur hat kaum eine Chance, dieser „Alien Species“ mit Krankheiten oder Hungersnot zu begegnen, weil der Mensch diese Invasoren hegt und sogar verwilderte Populationen füttert und ärztlich versorgt. Hier besteht dringender Nachholbedarf, um diese gebietsfremden Prädatoren dauerhaft unter Verschluss zu halten. Aber ich schweife ab…

Solange für verantwortungsbewusste Tierhalter die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung besteht, begrüße ich strikte Regelungen zum Schutz vor Faunenverfälschung, weil ich den Umwelt- und Artenschutz höher werte als meine persönlichen Tierhalterinteressen. Die Haltung von invasiven Arten sollte ebenso wie die Haltung von potentiell für den Menschen gefährlichen Tieren nur mit Auflagen möglich sein, damit diese Tiere und Pflanzen nicht in die heimische Umwelt gelangen. Schließlich sind es verantwortungslose Tierhalter (privat und gewerblich), die durch ihr Verhalten dafür gesorgt haben, dass es erst zu solch einer Verordnung kommen musste. So wie irgendwelche „Kurzzeit-Terrarianer“, die Tiere aus einer Laune heraus angeschafft und schließlich wieder abgegeben oder sogar ausgesetzt haben, zumal invasive Arten häufig sehr anpassungsfähig sind und daher gut mit der Haltung in menschlicher Obhut zurechtkommen, weswegen sie häufig vermehrt/importiert und in der Folge kostengünstig angeboten werden. Durch gewisse gesetzliche Hürden werden sicherlich viele Leute vom spontanen Erwerb eines invasiven Tieres abgehalten und sei es nur aus dem Grund, dass die jeweiligen Arten aus dem Handel verschwinden.

Grundsätzlich finde ich die Verordnung also gar nicht schlecht. Dass auf der Unionsliste lediglich 37 Spezies aufgeführt sind, ist unter objektiven Gesichtspunkten schlicht und ergreifend als Witz aufzufassen. Das Vorgehen gegen invasive gebietsfremde Arten wurde auf EU-Ebene schon häufig großspurig angekündigt. Das Resultat ist nun leider sehr ernüchternd. Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet!

Das Anschaffungs- und Nachzuchtverbot stellt für mich jedoch den größten Kritikpunkt an der Verordnung dar! Solange eine Haltung ausbruchsicher ist, spricht objektiv betrachtet nichts dagegen, dass sich ein Tierhalter neue Exemplare anschafft oder mit seinem Bestand züchtet. Eine Unterbindung der Fortpflanzung ist bei manchen Arten gar nicht möglich (Marmorkrebs) und verstößt bei Wirbeltieren aus meiner Sicht sogar gegen das Tierschutzgesetz. Da die EU-Verordnung die Nachzucht jedoch verbietet, müssen sich Halter nun aber leider daran halten und entsprechende Vorkehrungen (Kastration, getrenntgeschlechtliche Haltung, Vernichtung von Gelegen etc.) treffen. 

Das ehrenamtliche Engagement von echten Tierschützern, die ausgesetzte oder abgeschobene Tierschutzfälle bisher noch problemlos aufnehmen konnten, wird durch die EU-Verordnung ebenfalls unterbunden. In dieser Hinsicht bin ich selbst betroffen und werde zukünftige Anfragen in Bezug auf die nun verbotenen Tierarten ablehnen müssen, weil ich sie ja schließlich nicht mehr aufnehmen darf. Was mit diesen Tieren stattdessen geschehen wird, steht in den Sternen. Bei meinem Besuch im NABU Artenschutzzentrum Leiferde klagte die Leiterin darüber, dass sie den hohen Bestand an Landschildkröten nicht an Privatpersonen vermitteln dürfe, weil oftmals keine Papiere für die Tiere vorhanden sind und dass Schmuckschildkröten wesentlich unproblematischer seien. Tja, das wird sich nun wohl leider auch ändern. 

Spannend bleibt, was die Zukunft bringt. Nach Inkrafttreten der Unionsliste müssen Halter lediglich die in Artikel 31 genannten Auflagen erfüllen, um die auf die Liste genannten Arten weiterhin legal bis zu ihrem natürlichen Lebensende halten zu dürfen. Ein weiteres Vorgehen ist derzeit nicht notwendig. Es kann aber passieren, dass die EU-Regelung im Rahmen einer Durchführungsverordnung auf nationaler Ebene noch verschärft wird, indem z.B. Melde- und Kennzeichnungspflichten eingeführt werden.  Bei einer zukünftigen Revision der Unionsliste (oder bei Einführung einer nationalen Ergänzungsliste) stehen die nächsten Arten im Fokus. Schon im Vorfeld der Schaffung der Unionsliste standen eingige weitere Arten aus dem Bereich der Vivaristik zur Diskussion, haben es aber nicht auf die endgültige Version geschafft. Dies kann in spätestens 6 Jahren allerdings schon wieder ganz anders aussehen. Um nur mal eine Auswahl der Arten zu nennen, die auf den Symposien diskutiert wurden und somit bereits in der engeren Auswahl sind: Japanischer Feuerbauchmolch (Cynops pyrrhogaster), Aga-Kröte (Rhinella marina), Glatter Krallenfrosch (Xenopus laevis), Bahamaanolis (Anolis sagrei), Zierschildkröte (Chrysemys picta), Tokeh (Gecko gecko), Asiatischer Hausgecko (Hemidactylus frenatus), Kettennatter (Lampropeltis getula), Kornnatter (Pantherophis guttatus), Gewöhnliche Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna)...

Sonntag, 10. Juli 2016

VDA-Aktionstag „Öffentliches Aquarium“ am 6. November

Auf dem Bundeskongress 2015 des VDA (Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V), welcher im Rahmen der „Tage der Vivaristik“ im Mai 2015 in Braunschweig stattfand, wurde seinerzeit festgestellt, dass wir Vivarianer in der Öffentlichkeit, abgesehen von Sensationsmeldungen über negative Einzelfälle, kaum wahrgenommen werden. Wir sollten aus unseren Hobbykellern raus in die weite Welt, um der Öffentlichkeit die positiven Seiten unseres Hobbys näherzubringen und dadurch auch in der politischen Diskussion positiver aufzufallen.

Der VDA hat reagiert und ruft in seiner aktuellen Mitgliederzeitschrift vda-aktuell (Ausgabe 3/2016) seine Mitglieder und angeschlossenen Vereine auf, sich am ersten Aktionstag „Öffentliches Aquarium“ zu beteiligen, der am 6. November 2016 stattfinden wird. Vereine und andere Interessenten sollen ihre Türen und Hobbykeller öffnen, um der Öffentlichkeit die positiven Seiten unseres Hobbys zu präsentieren.

Bedauerlicherweise richtet sich der Aktionstag primär an Aquarianer und Aquaristikvereine. In der vda-aktuell heißt es dazu in einem Artikel vom VDA-Vizepräsidenten Organisation Günter Oberjatzas wörtlich:
Auch Terrarianer können natürlich teilnehmen. Er erscheint uns aber einfacher und weniger konfliktträchtig, den Tag zunächst als Tag des öffentlichen Aquariums zu begehen.
Warum scheut der VDA diese möglichen Konflikte? Die Terraristik hat es ebenso nötig (um nicht zu sagen sogar sehr viel nötiger) als die Aquaristik, in der Öffentlichkeit realistischer wahrgenommen zu werden. Die öffentliche Kritik ist doch gerade der Hauptgrund für die Veranstaltung eines solchen Aktionstages. Während Aquarien zum alltäglichen Bild z.B. in Altenheimen, Hotellobbys oder Restaurants gehören, verstecken sich Terrarien abgesehen von zoologischen Einrichtungen und vereinzelten Ausstellungen tatsächlich fast ausschließlich vor den Augen der Allgemeinheit. Dabei wäre z.B. ein üppig bepflanztes Pfeilgiftfroschterrarium ebenso gut für ein Zahnarztwartezimmer geeignet, wie ein beruhigend vor sich hin plätscherndes Meerwasseraquarium. Nur muss man diese Information auch mal entsprechend transportieren, wofür ein solcher Aktionstag natürlich bestens geeignet wäre. Darüber hinaus beziehen sich die Schreckensmeldungen über ausgesetzte „Exoten“ oder die Propaganda der Tierrechtsvereine fast ausnahmslos auf die Terraristik. Kritik an der Aquaristik wird - zumindest in der Öffentlichkeit - sehr viel seltener laut.

Wie der Autor des Artikels in der vda-aktuell es selbst schon formuliert hat: Man wählt den einfachen Weg und geht Konflikten lieber aus dem Weg. Das verstärkt leider das Bild, dass die Terraristik offenbar doch etwas zu verbergen hat. Statt die öffentliche Wahrnehmung zurechtzurücken, duckt sich einer der größten Tierhalterverbände der Vivaristik erneut weg. Schade, Chance vertan.

Auf der VDA-Website ist zu lesen:
Das hier nur Aquarianer angesprochen werden, liegt nicht daran das wir unsere Terrarianer nicht dabei haben wollen, wir wissen aber auch um die kritischere Position der Terrarristik in der Öffentlichkeit. Wir denken darüber nach, wie eine ähnliche Aktion für die Terraristik erfolgreich umsetzbar ist.
Es ist toll, dass der VDA sich darüber Gedanken machen möchte, bevor irgendwelche unüberlegten Aktionen gestartet werden, die am Ende der Terraristik vielleicht sogar mehr schaden als nützen. Aber geht es nicht genau darum, die kritische Position zu korrigieren? Wer etwas verändern möchte, muss auch etwas riskieren.
 
Na ja, soll der VDA ruhig erst einmal mit dem Aktionstag öffentliches Aquarium Erfahrungen sammeln. Für einen „Tag des öffentlichen Terrariums“ kann es allerdings irgendwann zu spät sein...