Dienstag, 30. August 2016

Reptile Max 60 – Reptilieninkubator

Der „Reptile Max 60“ (Rcom Reptilieninkubator 60) wird von der Firma TRIXIE vertrieben (Art.-Nr. 76310) und kann zum Zeitpunkt dieses Tests für ca. 170 Euro käuflich erworben werden. Die Temperatur lässt sich zwischen 20 und 42° C einstellen. Kühlen ist mit dem Reptile Max 60 demnach nicht möglich, weswegen das Gerät nicht für die Überwinterung von Tieren geeignet ist. Aber das ist meiner Meinung nach auch nicht unbedingt Sinn und Zweck eines Inkubators. Das Gerät bietet neben der Möglichkeit einer Inkubation von Reptilieneiern bei einer dauerhaften Temperatur auch das Bebrüten mit einer zwischengeschalteten Phase „höchster Sonneneinstrahlung“. In diesem Programm wird die eingestellte Soll-Temperatur während 3 von 24 Stunden Betriebsdauer um 1,5 °C erhöht, um die maximale Sonneneinstrahlung während der Mittagszeit in freier Natur zu simulieren.

Darüber hinaus ist das Gerät in der Lage, die Luftfeuchtigkeit in einem Bereich zwischen 40 und 95 % zu regeln. Zu diesem Zweck befindet sich im Innenraum des Inkubators ein Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor, den man flexibel an die gewünschte Position legen kann. So ist es möglich, die Werte entweder im Innenraum des Gerätes oder sogar direkt im Innern eines Brutbehälters zu messen.

Mithilfe programmierbarer Warngrenzen können individuelle Alarme gesetzt werden. Beispielsweise kann eingestellt werden, dass ein Alarm erklingen soll, sobald die Temperatur um eine bestimme Differenz vom Sollwert abweicht. Gleiches ist bei der Luftfeuchtigkeit möglich und verhindert so (je nach Inkubationsmethode) das Austrocknen der Gelege. Steuert man die Feuchtigkeit primär über die Substratfeuchtigkeit, kann der Luftfeuchtigkeits-Alarm auch komplett ausgeschaltet werden. Zur Regelung der Luftfeuchtigkeit / Belüftung ist an der Oberseite des Inkubators ein Schieberegler angebracht, mit dem sich die Größe eines dortigen Lüftungsloches stufenlos einstellen lässt.

Die Bedienung des Reptile Max 60 ist dank der anschaulichen Bedienungsanleitung, welche Informationen über die empfohlene Inkubationstemperatur gängiger Tiergruppen enthält, einfach und problemlos. Wie bei allen Inkubatoren dieses Preissegments kann es zu geringen Temperaturabweichungen kommen, weswegen man zu Beginn mit einem geeigneten Thermometer die eingestellte Soll-Temperatur mit der tatsächlich erreichten Temperatur abgleichen und bei Bedarf das Gerät entsprechend der gemessenen Abweichung höher oder niedriger einstellen sollte. Das Netzkabel wird nach dem Einstecken in das Gerät mit einer Abdeckplatte fest verschraubt, wodurch ein versehentliches Ziehen der Stromzufuhr zumindest an dieser Stelle ausgeschlossen werden kann.

Zum Lieferumfang gehören neben der Bedienungsanleitung und dem Stromkabel, zwei Brutbehälter (ca. 14 cm x 20 cm x 11 cm) mit Lüftungslöchern am oberen Rand, mehrere Abtrenngitter und zwei Tüten Vermiculite (2 x 170 g).

Test:
Nachdem ich mit anderen Inkubatoren schon schlimme Dinge erlebt hatte, war ich zunächst skeptisch, ob ich mich erneut mit einem gekauften Inkubator herumplagen oder nicht doch lieber wieder zum Inkubator „Marke Eigenbau“ zurückgreifen sollte. Diese Bedenken wurden dank der Zuverlässigkeit des Reptile Max 60 schnell zerschlagen. Zunächst einmal zeigt mein Gerät keine Abweichung zwischen Soll- und Ist-Temperatur, was schon mal äußerst praktisch ist.

Der Lieferumfang lässt keine Wünsche offen. So können die zwei Brutbehälter direkt als solche genutzt werden oder aber man füllt einen davon mit Wasser, um die Luftfeuchtigkeit im Gerät zu erhöhen. Ich habe in diesen Behältern auch schon erfolgreich Pfleilgiftfrosch-Kaulquappen aufgezogen. Des Weiteren sind Gitter enthalten, die man nach Abtrennung voneinander als Abgrenzung innerhalb der Brutbehälter verwenden kann. Mit ihnen ist es auch möglich, die Brutbehälter ein Stück weit mit Wasser zu füllen, um dann die Eier auf den Gittern direkt über dem Wasserspiegel zu inkubieren. 
 
 
Für „Gelegenheitszüchter“ können die Brutbehälter allerdings ein wenig zu groß sein. Ich selbst inkubiere daher die meisten Gelege auch weiterhin in den bewährten Heimchendosen. Ein Vorteil der mitgelieferten Behälter ist, dass das Kabel des Temperatur- und Luftfuchtigkeitssensors durch eines der Lüftungslöcher geführt werden kann.

Das professionelle Desing des Inkubators gefällt mir persönlich sehr gut und hebt sich von günstigen Styroporbox- oder kitschigen Eier-Designs anderer Hersteller ab. Beim Gebrauch fällt allerdings auf, dass die Bauweise des Inkubators doch ein wenig unkomfortabel ist. So muss zur Kontrolle der Gelege der Deckel abgenommen werden, was einerseits zu einem Absturz der Werte führt und andererseits die Umgebung des Inkubators befeuchtet, weil Schwitzwasser an den Rändern hinabtropft, was aber sicherlich eher hinzunehmen ist, als würde Schwitzwasser während der Inkubation mittig auf die Gelege tropfen, was bei diesem Gerät dank der kuppelförmigen Bauweise nicht der Fall ist. Außerdem ist eine Kontrolle verhältnismäßig selten notwendig, arbeitet man mit programmierten Warngrenzen für die Luftfeuchtigkeit.

Abgesehen von diesen Kleinigkeiten lässt das Gerät wohl keine Wünsche offen. Ob man für einen Inkubator unbedingt einen Anschluss für das Auto benötigt, halte ich für fraglich, weswegen das Fehlen eines solchen Adapters in diesem Test zu keine Abwertung führt. Einzig Perlite-Verfechter könnten vielleicht noch bemängeln, dass nicht wenigstens eines der beiden Inkubationssubstrat-Tütchen mit ihrem bevorzugten Inkubationssubstrat gefüllt ist.

Für mich die primär wichtigste Aufgabe eines Inkubators ist das Erreichen und zuverlässige Halten der eingestellten Temperatur, um eine ordnungsgemäße Inkubation zu gewährleisten. In diesem Punkt liefert der Reptile Max 60 keinen Grund für Kritik. Sowohl bei Dauertemperatur als auch bei Wechseltemperatur funktioniert das Gerät einwandfrei und zeigt auch nach einigen Monaten der Nutzung keine Ausfallerscheinungen.

Fazit:
Für den Reptile Max 60 kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Das Gerät ist zwar preislich im oberen Bereich des Preissegments für elektrische Klein-Inkubatoren angesiedelt, erfüllt dafür seine Aufgaben aber auch zuverlässig und bietet Funktionen, die von günstigeren Geräten nicht geboten werden.

Lieferumfang: 5/5
Anleitung: 4/5
Design: 5/5
Bedienung & Komfort: 4/5
Funktion & Zuverlässigkeit: 5/5

Gesamtwertung: 4,6/5

Donnerstag, 25. August 2016

Review: Autorengespräch „Das Massengeschäft mit Schlangen und Schildkröten“

Nach der Ausstrahlung des „Report Mainz“ Beitrags „Gequälte Reptilien - Das Massengeschäft mit Schlangen und Schildkröten“ fand ein Gespräch zwischen dem Moderator Fritz Frey und den Autoren des besagten Beitrags Edgar Verheyen und Oliver Heinsch statt, welches online auf www.swr.de zu finden ist, jedoch nicht live im TV ausgestrahlt wurde. Im Autorengespräch wurde die Meinungsmanipulation weiter fortgeführt.

So wiederholte Edgar Verheyen die veralteten Importzahlen von jährlich 600.000 lebenden Reptilien. Dies zeige aus seiner Sicht, dass Reptilienhalter Sammler sind. Es handele sich um einen Boom vor allem bei jungen Leuten. Er behauptete ferner, dass die Reptilien nicht alt würden, weil Experten von Sterberaten bis zu 70 Prozent bei Import, Handel und Haltung normal seien, weil Menschen nicht in der Lage sind, die Tiere artgerecht zu halten. Wenn jährlich 600.000 lebende Reptilien importiert werden, in Deutschland jedoch nur ca. 700.000 Terrarien vorhanden sind, scheint der Ausschuss ja auch sehr hoch zu sein.

Zunächst einmal wird derzeit jährlich „nur“ etwa die Hälfte der genannten Anzahl an lebenden Reptilien nach Deutschland importiert. Der drastische Rückgang der Importe zeigt entweder, dass der Boom inzwischen abgeflaut ist oder aber dass der immer weiter steigende Bedarf inzwischen größtenteils durch Nachzuchten und nicht mehr durch Importe gedeckt werden kann. Des Weiteren ist Deutschland ein Umschlagplatz für die gesamte Europäische Union. Nicht jedes Reptil, welches z.B. am Frankfurter Flughafen ankommt und dort als Import in die Statistik einfließt, verbleibt auch in Deutschland. Auf die nicht überprüfbare Einzelfallrecherche von PETA bzgl. der hohen Ausfallrate muss ich wohl nicht noch mal näher eingehen.

Da Herr Verheyen auch von einer hohen Mortalität innerhalb der Reptilienhaltung sprach, sollte im Sinne der Wahrheitsfindung aber schon noch erwähnt werden, dass die Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathaushalten bei den im „Report Mainz“ gezeigten PETA-Recherchen gar nicht recherchiert wurden. Wissenschaftliche Studien u.a. von der Universität Leipzig beweisen lediglich, dass Reptilien vorzeitig sterben oder krank werden, wenn sie falsch gehalten werden. Aber dies ist ganz klar kein exklusives Problem bei der Haltung von Reptilien und lässt auch keine Rückschlüsse zu, wie hoch denn nun der Anteil an schlecht gehaltenen Reptilien in deutschen Haushalten ist. Außerdem zeigen Studien, dass Reptilien in Gefangenschaft tatsächlich länger leben als in freier Wildbahn und dass sich ihre Mortalität nicht einmal von der von Hunden oder Katzen unterscheidet. Die Aussage „Viele Reptilien werden nicht alt“ lässt sich somit ganz eindeutig widerlegen. Man fragt sich, wer diesem Reporter eigentlich das Recht gab, solche Dinge zu behaupten!

Die Aussagen seines Kollegen Herrn Heinsch wirkten da schon etwas weniger ideologisch. Er erklärte, dass man sich vor der Anschaffung eines Reptils über dessen Bedürfnisse und auch die zu erwartende Größe erkundigen sollte, auch bei Tieren, die allgemein als „Anfängerarten” gelten. Vor allem die Temperatur spiele bei wechselwarmen Reptilien eine große Rolle für die Gesundheit. Wer glaubt, man könne ein Reptil einfach so im Wohnzimmer halten, der irrt sich. Auf die Frage, wo man Reptilien erwerben sollte, nannte Heinsch zunächst einmal Tierheime und Auffangstationen als geeignete Anlaufstellen. Falls dies nicht möglich sei, solle man Händler bzw. Züchter aufsuchen, die man persönlich besuchen und somit direkt beurteilen kann.

Grob also dieselbe Meinung, die ich selbst vertrete. Eine Frage stellt sich mir allerdings: Was ist ständig mit der „Haltung von Reptilien im Wohnzimmer“ gemeint? Als Terrarianer verbinde ich damit zunächst einmal die Haltung von Reptilien in Wohnzimmerterrarien, in denen die geeignete Temperatur herrscht. Dies ist vollkommen unproblematisch, denn ob ein Terrarium nun in einem Wohnzimmer oder einem Hobbykeller steht, ist wenig relevant, solange die Bedürfnisse des jeweiligen Tieres mithilfe der Klima- und Lichtsteuerung erfüllt werden. Aber offenbar scheint es auch Leute zu geben, die Reptilien direkt im Wohnzimmer (also ohne Terrarium) halten und die daher im eigentlichen Wortsinne keine Terrarianer sind. Prinzipiell spricht selbst dagegen bei manchen Arten nichts, sofern das Wohnzimmer entsprechend tierschutzgerecht hergerichtet wurde. Aber was die „Haltung von Reptilien im Wohnzimmer“ betrifft, wird von den Kritikern oft nicht ausreichend erklärt, was damit eigentlich genau gemeint ist. Auch Reporter Heinsch wurde in diesem Punkt nicht konkreter.

Edgar Verheyen machte im weiteren Verlauf des Autorengesprächs deutlich, dass Händler während der Recherchen häufig gesagt hätten, dass der Verkauf von Nachzuchten nicht falsch wäre. Er führte aus, dass viele Reptilien als Wildfänge gehandelt würden. Seltene Arten (z.B. Inselpopulationen) würden dadurch an den Rand des Aussterbens getrieben. Das Argument der Händler, dass viele Arten durch die Haltung und Zucht in den Terrarien erhalten werden, bezeichnete Verheyen als vorgeschoben. Zitat: „Man spielt sich auf als Tierschützer. Man fragt sich eigentlich, wer gibt diesen Leuten eigentlich das Recht zu sagen, dass sie die Arterhaltung betreiben sollen. Das ist nicht deren Aufgabe. Denn im Grunde geht es ja auch um Kommerz und nicht um Arterhaltung.“

Nun stellt sich mir die Frage, ob ich mir als kleiner Privatzüchter, der nur aus wissenschaftlichem Interesse (vorgeschobenes Argument Nr. 1) und zur Erhaltung seines eigenen Bestandes (vorgeschobenes Argument Nr. 2) manche seiner Tiere nachzüchtet, diesen Schuh überhaupt anziehen soll. Aus meiner Sicht ist es die logische Konsequenz, dass Nachzuchten einen Beitrag zum Arterhalt leisten. Einerseits kenne ich aus meinem persönlichen Umfeld einige Züchter, die das sogar in Kooperation mit Naturschutzbehörden zur Wiederansiedlung von einheimischen Schlangen oder mit zoologischen Einrichtungen für den Erhalt von Goldfröschchen (Mantella aurantiaca) oder San Francisco-Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis tetrataenia) betreiben. Wenn das nicht „deren Aufgabe“ ist und alles nur Kommerz sein soll, warum machen die das dann ehrenamtlich? Keine Verkäufe, keine staatliche Subvention – alles nur für die Gewissheit, mit eigenem Engagement einen echten Beitrag im Artenschutz geleistet zu haben. Oder sind die gar nicht gemeint, sondern tatsächlich „nur“ kommerzielle Züchter? Selbst diese leisten einen Beitrag zum Artenschutz. Züchter wie M&S Reptilien sorgen mir ihrer Suche nach immer spektakuläreren Farbvarianten zwar sicherlich für andere Probleme (z.B. die Produktion eines hohen Ausschusses von wildfarbenen Königspythons, die zu Billigpreisen versteigert werden), trotzdem wird durch jedes dieser Nachzuchttiere der Import eines Wildfangtieres (womöglich als Farmzucht umdeklariert) unnötig.

Zum Abschluss des Autorengesprächs wurde noch mal auf die politische Situation eingegangen. Das Umweltministerium möchte sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass in ihren Herkunftsländern geschützte Arten nicht mehr so leicht importiert werden können (eine Art „EU Lacey Act“) und das Landwirtschaftsministerium, bei dem die Tierschutzzuständigkeit liegt, will mit einer großangelegten aktuellen Studie erst einmal die Situation erforschen, die aus Sicht von vielzitierten aber nicht namentlich genannten „Experten“ wohl unnötig ist, weil die Probleme bereits bekannt seien.

Die Autoren sowie der Moderator hofften zum Ende des Gespräches, dass der Beitrag beim Ministerium als eine Energiespritze wirke und das politische Handeln dadurch beschleunigt würde.

Mir stellt sich zum Autorengeschpräch die Frage, wozu ein solches Gespräch noch notwendig war. Neue Erkenntnisse wurden nicht vermittelt, lediglich der Meinung der Reporter eine zweite Plattform geboten. Ich bin zwar nur ein „selbsternannter Pseudojournalist“, dennoch halte ich die ganze Sache presseethisch für äußerst fragwürdig. Entweder sind Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unabhängig, dann kann gerne ein solches Gespräch nur mit den Beitragsautoren durchgeführt werden, wobei dann natürlich nicht nur eine tendenziöse Meinung vermittelt werden sollte! Oder aber die Autoren haben eine feste Meinung, dann sollten jedoch im Rahmen eines Nachgespräches auch Gegenstimmen zu Wort kommen. Da beides hier nicht der Fall war, bin ich zutiefst erschüttert, mit welch perfiden Methoden ein etabliertes Leitmedium wie „Report Mainz“ arbeitet. Immerhin diese lehrreiche Erkenntnis, kann man auch der Sache mitnehmen.

Mittlerweile wurden noch drei weitere Videos aus der Reihe „REPORT MAINZ fragt...“ hochgeladen:

Im ersten Teil konnte Prof. Manfred Niekisch noch mal Fragen beantworten. Die 70 Prozent Mortalitätsrate bei manchen Transporten überraschen ihn z.B. nicht. Es gäbe sogar Fälle, bei denen 100 Prozent der Tiere verenden. Das mag zwar sein, aber ebenso gibt es Transporte, bei denen nur sehr wenige oder gar keine Tiere sterben. Die Ermittlung des Durchschnitts im Rahmen einer größeren unabhängigen Studie wäre interessant, nicht jedoch die Versteifung auf Einzelergebnisse. Auf die Frage, welche Ausnahmen von Importverboten es geben sollte, erklärte Prof. Niekisch, dass Importe zur wissenschaftlichen Forschung und für eine ordentliche Zucht sinnvoll sein können. Zitat: „Und wir dürfen nicht vergessen, dass es doch einige versierte Terrarienbesitzer waren, Tierhalter waren, über die wir erst mal etwas gelernt haben über die Biologie dieser Tiere. Also da gibt es durchaus Verdienste.“ Nur der Massenhandel müsse aufhören und ein Sachkundenachweis müsse her. Absolut meiner Meinung.

Im zweiten Teil wurde die Landestierschutzbeauftragte Baden-Württemberg Cornelie Jäger befragt. Sie vertritt die Meinung, dass Lebendimporte komplett verboten werden sollten. Sie wünscht sich eine Tierschutzheimtierverordnung, welche die Haltung und den Handel (z.B. Tierbörsen) von Exoten näher regeln sollte. Grundsätzlich bin ich nicht gegen eine spezielle „Exotenverordung“, aber es ist absehbar, dass mit einer solchen Verordnung eine Positivliste geschaffen werden soll, die in keiner Weise etwas an den Tierschutzproblemen ändern würde!

Im dritten Teil richteten sich die Fragen an den Biologien, Reptilienforscher und ehemaligen Fachbeirat des Magazins „Reptilia“ Dr. Mark Auliya. Er kritisierte zu Recht das Verramschen von Reptilien. Außerdem hält er Winterimporte für problematisch, weil bei niedrigen Temperaturen die Ausfälle besonders hoch seien. Am Ende nannte er noch zwei Beispiele, bei denen der Lebendtierhandel eine Bedrohung für Arten wurde.

Inzwischen hat auch Stefan Broghammer von M&S Reptilien Stellung zu den Recherchen genommen: Tierschützer stellen Reptilienhändler aus Weigheim an den Pranger

 

Mittwoch, 24. August 2016

Review: „Report Mainz“ (ARD) über „Gequälte Reptilien“

Am gestrigen Dienstag, den 23. August strahlte die ARD in ihrer Sendung „Report Mainz“ einen Beitrag über den (Massen)Handel mit Reptilien aus: „Gequälte Reptilien - Das Massengeschäft mit Schlangen und Schildkröten“

Eingeleitet wurde der Beitrag vom Moderator mit den Worten, dass wir Reptilienhalter zwar etwas skurril seien, jedoch auch eine finanzstarke Klientel, weil exotische Haustiere oftmals viel Geld kosten und daher ein lukratives Geschäft seien. Dies habe jedoch auch zu einem Massenmarkt geführt, bei dem die „Ware Tier“ zu niedrigen Preisen verramscht würde. Dies war dann auch das Kernthema des Beitrags. Es ging weniger um die (vorbildlichen?) Haltungsbedingungen bei Privatpersonen, sondern vielmehr um Massenimporte und Massenzuchten. Diese beiden Themenbereiche wurden meinem Empfinden nach jedoch nicht wirklich differenziert voneinander dargestellt. Vor allem wurde wieder mal deutlich, mit welchen Methoden die öffentliche Meinung von den etablierten Leitmedien manipuliert wird.

Als Negativbeispiel wurde zunächst einmal das Tierheim Hamburg gezeigt, welches von 30 Plätzen für Reptilien inzwischen auf 170 Plätze aufstocken musste. Ursache dafür sei die Problematik, dass z.B. Bartagamen schon für 2,50 Euro erhältlich sind und daher häufig von nicht ausreichend sachkundigen Leuten angeschafft werden, die sie dann aufgrund von Überforderung schnell wieder loswerden wollen. Dies ist ein Problem, welches auch ich sehe. Tiere sollten einen Wert haben und zu einem angemessenen Preis gehandelt werden. Wenn durch Massenzuchten bzw. Massenimporte die Preise gedrückt werden, bleibt das Tierwohl leider auf der Strecke.

Es folgte ein Besuch bei einem der größten deutschen Reptilienzüchter: Stefan Broghammer, Inhaber von M&S Reptilien, der auf YouTube auf dem Kanal „ReptilTV“ monatlich Videos über die Terraristik veröffentlicht. Im ARD-Beitrag wurde vor allem die dort praktizierte jahrelange Haltung und Zucht von Schlangen in vergleichsweise kleinen Plastikboxen thematisiert und kritisiert. Auf die Frage des Reporters, warum der Züchter die Tiere so halte, entgegnete Broghammer, dass dies die hygienischste Methode sei. Noch ehe es zu weiteren Erklärungen kommen konnte, unterbrach der Reporter und stellte fest, dass die Schlange sich darin ja nicht ausstrecken können. Schließlich kam die Frage der Fragen, ob diese Form der Haltung artgerecht sei, die der Züchter kurz und knapp mit einem „Ja!“ beantwortet.

Prof. Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, sah das allerdings anders. Laut ihm sei zwar eine kurzfristige Haltung von Schlangen in Racksystemen in Ordnung und evtl. sogar notwendig (z.B. während der Quarantäne), eine jahrelange Beschränkung auf diese Haltungsform sei jedoch nicht artgerecht. Eine Boa möchte schließlich baden und viele Schlangen leben überwiegend auf Bäumen, Bedürfnisse, die eine Plastikbox nicht erfüllen kann und daher Leid verursacht. Dass bei M&S Reptilien vorrangig Königspythons gezüchtet werden, wurde einfach mal unter den Tisch gekehrt. Mich hätten weitere Hintergründe schon noch interessiert. Werden da z.B. auch andere Arten in solchen Plastikboxen / Racks gehalten? Meine persönliche Meinung zu Racks ist ambivalent und grundsätzlich sehe ich eher so, wie Prof. Niekisch. Gut strukturierte Terrarien sind als dauerhafte Haltungsbehältnisse einfach besser geeignet. Herr Broghammer hat zwar im Beitrag richtigerweise angemerkt, dass eine Schlange normalerweise niemals ausgestreckt in einem Terrarium / Rack liegt. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber trotzdem nicht, dass man dem Tier die Möglichkeit dafür nicht bieten bräuchte. Objektiv betrachtet ist es allerdings pupsegal, was meine persönliche Meinung oder die von Herrn Broghammer bzw. Prof. Niekisch zur Rackhaltung ist. Da es bisher zu diesem Thema keine Grundsatzurteile höchster Instanz gibt, obliegt es weiterhin den zuständigen Veterinärbehörden zu entscheiden, ob diese Haltungsform tierschutzgerecht ist oder nicht. Wenn das für M&S Reptilien zuständige Veterinäramt der Meinung ist, dass diese Haltungsform in keinem Widerspruch zum Tierschutzgesetz steht, dann ist sie rechtlich gesehen in diesem Einzelfall tatsächlich tierschutzgerecht.

Der Beitrag setzte sich fort mit emotionalen Aufnahmen der Tierrechtsorganisation PETA und der Nennung der Anzahl von jährlichen Reptilienimporten in Höhe von 600.000 lebenden Reptilien. Auch hier muss erneut betont werden, dass sich die Importe inzwischen bei ca. 300.000 Reptilien eingependelt haben. Zu sehen waren Aufnahmen von verletzten und dehydrierten Bartagamen, in Klebefallen gefangene (und natürlich verendete) Reptilien und weitere Grausamkeiten, die bei einem „großen Zulieferer eines deutschen Importeurs“ entstanden sein sollen. In den von PETA selbst veröffentlichten Aufnahmen wird konkret der US-Großhändler „Reptiles by Mack“ aus Ohiho genannt, bei dem das Bildmaterial von PETA USA gesammelt wurde. Über die Grausamkeit dieses Umgangs mit lebenden Tieren müssen wir wohl nicht diskutieren, ganz egal welche Organisation solche Aufnahmen angefertigt hat. Da die Vertriebswege in diesem Fall jedoch nie offengelegt wurden, ist fraglich, welche deutschen Händler in derartige Machenschaften verwickelt waren oder sind. Ich bin der Meinung, dass man – so schrecklich die Bilder auch sein mögen – diese Missstände nicht als Standard innerhalb des Reptilienimports annehmen darf. Aufnahmen von verantwortungsvollen Reptilienimporteuren würde PETA natürlich nie veröffentlichen. Schaut man mal bei andere unabhängigeren Quellen ein paar Berichte über den Import und Handel von Vivarientieren (beispielsweise in einschlägigen „Wissenschaftsmagazinen“), sieht man gänzlich andere Bilder. Nicht zuletzt sollte man bedenken, dass die Rechercheergebnisse von PETA teilweise aus Asien stammen, wo gänzlich andere Tierschutzstandards gelten. Klebefallen sind dort zur „Schädlingsbekämpfung“ genauso akzeptiert, wie bei uns Rattengift, welches ebenfalls einen qualvollen Tod fühlender Wirbeltiere verursacht und woran man als Verbraucher nicht einmal etwas mit einer veganen Lebensweise ändern kann.

PETA-Fachtierärztin Dörte Röhl behauptete im ARD-Beitrag, dass 70 Prozent der Wildfänge bzw. der in Deutschland gehandelten Reptilien (Was denn nun? Da gibt es schon noch einen Unterschied!) bereits beim Transport verenden und dass die Händler diese Mortalitätsrate bereits einkalkulieren würden. Diese Zahl stammt natürlich aus einer PETA-Recherche, die demnach nicht unabhängig ist und auch nicht überprüft werden kann. Mit diesem dubiosen Material derart unkritisch zu arbeiten, zeigt den Gesinnungsjournalismus des Reporterteams!

Jürgen Hoch, Geschäftsführer der Import-Export Peter Hoch GmbH sprach im Interview mit dem Report Mainz Reporter hingegen von einer Mortalitätsrate in Höhe von 1 bis 2 Prozent. Die Ausfallrate sei aus seiner Sicht in der Natur sehr viel höher. Auf Nachfrage des Reporters, ob man als Reptilienhändler also etwas Gutes tut, entgegnete Hoch: „Wir tun auf jeden Fall nichts Schlechtes...“ *Schnitt* Die zynische Formulierung, dass Importeure also Tiere vor der grausamen Natur retten, würde ich mir zwar nicht in den Mund legen wollen, dennoch bestätigen unabhängige Studien die von Herrn Hoch genannte Mortalitätsrate in Höhe von 1,97 bzw. 3,88 Prozent (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996).

Im weiteren Verlauf des Beitrags forderte Prof. Niekisch strengere Kontrollen der Händler und gesetzliche Beschränkung der Importe auf wenige begründete Ausnahmen. Der Massenhandel sorge schließlich nicht nur für große Tierschutzprobleme, sondern stellt für viele Arten auch eine Artbedrohung dar.

Auf Anfrage von Report Mainz nahmen drei große Zoofachhandelsketten zu der Thematik Stellung: Dehner will nur noch europäische Zuchtschildkröten verkaufen, Fressnapf möchte nur noch Zuchttiere aus Europa anbieten und Das Futterhaus beschränkt sich auf eigens kontrollierte deutsche Züchter.

Seitens der Politik gab es zwei Stellungnahmen: Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sieht wenig Chancen für ein Importverbot auf dem EU-Parkett. Und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Problem erst einmal weiter wissenschaftlich erforschen lassen.

Zum Abschluss des Beitrags kam noch einmal Prof. Niekisch zu Wort. Er ist der Meinung, dass die Auswirkungen des Massenhandels schon hinreichend bekannt seien und daher auch von politischer Seite gehandelt werden müsse.

Fazit:
Grundsätzlich teile ich die Meinung des Zoodirektors Niekisch, dass der Massenhandel ein Problem darstellt und die Auswüchse wie überforderte Halter und klassische Haustierprobleme bei Reptilien die gesamte Vivaristik in Verruf bringen. Das könnte aber auch schlichtweg daran liegen, dass dem Professor am meisten Sendezeit spendiert wurde. Es gab keine weiteren Erklärungen vom „Massenzüchter“ Broghammer oder vom „Massenimporteur“ Hoch. Warum? Wurden keine weiteren Aussagen gemacht? Oder wurde den „bösen Buben“ in diesem Beitrag einfach nicht derselbe zeitliche Rahmen zur Verfügung gestellt, wie den Kritikern? Das Unterbrechen der Reporter und die auffälligen Schnitte des Videomaterials lassen Letzteres vermuten.

Trotz meiner persönlichen kritischen Meinung am Massenhandel hinterlässt der Beitrag der ARD ein gewisses Geschmäckle. Erst kürzlich habe ich in meinem beruflichen Umfeld direkt miterleben dürfen, wie die Öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten die Wahrheit gezielt so darstellen, wie sie gerne die Meinung der Zuschauer hätten. Im besagten Fall ging es um die Qualität von Saatgut. Untersucht wurden vier verschiedene Saatgutarten von verschiedenen Herstellern und Anbietern (z.B. Bio-Qualität vs. Discounter). Im TV wurden Untersuchungsergebnisse der Keimfähigkeit einer Saatgutart veröffentlicht, bei denen das Bio-Saatgut schlechter als die Konkurrenz abschnitt. Die Ergebnisse der anderen drei Arten wurden nicht veröffentlicht. Der Zuschauer bekam also die Meinung aufgetischt, dass „Billigsaatgut“ besser sei als teures Saatgut. Dass das Bio-Saatgut bei den drei anderen Fruchtarten allerdings genauso gut oder sogar besser abschnitt, wie es die mir vorliegenden Untersuchungsbefunde beweisen, wurde im Beitrag nicht erwähnt. Dieser Vorfall hat mir gezeigt, dass die Medien an ihrem Ruf als „Lügenpresse“ Presse mit Pseudologiehintergrund in keiner Weise unschuldig sind.

So hat mir auch der Report Mainz Beitrag über „gequälte Reptilien“ gezeigt, dass Fakten willkürlich vermischt werden (Wildfängen, Importe oder doch Nachzuchten?), veraltete Zahlen ungeprüft veröffentlicht werden und dass offenbar nur die Meinung transportiert wird, die man dem Zuschauer einreden möchte, statt differenziert, objektiv und wahrheitsgemäß über Missstände zu berichten und dem Zuschauer die Meinungsfindung selbst zu überlassen! Man bedenke, dass es sich nicht um Privatfernsehen handelt, sondern um sog. „Qualitätsfernsehen“ mit einem staatlichen Informations- und Bildungsauftrag!

Auf der Internetseite von „Report Mainz“ ist noch ein zusätzliches Autorengespräch zu finden, welches nicht im TV ausgestrahlt wurde, auf das jedoch im TV hingewiesen wurde. Auf dieses Gespräch gehe ich hier näher ein: Review: Autorengespräch „Das Massengeschäft mit Schlangen und Schildkröten“ 


Donnerstag, 11. August 2016

Stellungnahme des WWF Deutschland zum YouTube-Video und zu meiner Kritik

Manch einer wird sich sicherlich noch an das YouTube-Video des WWF Deutschland mit dem Titel „Exotische Haustiere gehören nicht ins Wohnzimmer!” erinnern, in dem die Haltung von sogenannten Exoten auf aus meiner Sicht lächerliche und diskriminierende Art und Weise ablehnend dargestellt wurde. Heute fand ich in meinem Briefkasten eine Antwort vom Infoservice des WWF Deutschland auf einen Beschwerdebrief, welchen ich wenige Tage nach Veröffentlichung des Videos an die Artenschutzorganisation schickte und darin im Prinzip meinen Standpunkt ähnlich darstellte, wie ich es bereits in meinem Blogpost „Ist der WWF nun auch gegen uns?” tat.

Zunächst stellt der WWF Infoservice in seiner Antwort klar, dass mit dem Video keine seriösen Halter und Züchter diskreditiert werden sollten. Man spreche sich auch nicht pauschal gegen die „Exotenhaltung” aus, lege aber Wert auf eine wohlüberlegte Anschaffung solcher Tiere insbesondere mit dem Vorhandensein legaler Papiere. Prinzipiell also die bereits aus der Vergangenheit bekannte Grundsatzposition, die ich auch teile.

Die Videoreihe „Öko mit Uke” sei bewusst „flapsig, unterhaltsam und augenzwinkernd” gestaltet, weil die Zielgruppe dieser Videos auf YouTube bei Jugendlichen in einem Alter unter 25 Jahren liegt.

Der WWF bezieht sich bei seinen Aussagen u.a. auf die Ergebnisse des Artenschutzprogramms TRAFFIC (ich berichtete), laut denen es sich bei einem gewissen Anteil der als Nachzuchten deklarierten Importe in Wahrheit um Wildfänge handelt. Der Anteil an Nachzuchten sei von 7 Prozent im Jahre 1990 drastisch angestiegen, was (je nach Spezies) nicht immer nur mit einem höheren Anteil an echten Nachzuchten aufgrund verbesserter Haltungs- und Zuchtbedingungen zu erklären sei, sondern weil leider auch viele (illegale) Naturentnahmen als Nachzuchten umetikettiert würden.

Bzgl. der Importzahlen räumt der WWF ein, dass die genannte Zahl von über 840.000 importieren Reptilien tatsächlich 2007 erreicht wurde und die Importzahlen seitdem rückläufig sind. Man habe die Zahl ungeprüft (!) aus einem National-Geographic-Artikel übernommen. Die „aktuell” (2014) ca. 363.000 importieren Reptilien sind aus Sicht des WWF aber immer noch „kein unerhebliches Maß”. Dem stimme ich ebenfalls zu. Es wäre wünschenswert, wenn Wildfänge nur noch die Ausnahme wären. Hierbei wäre es interessant, die Zahlen nach Spezies getrennt betrachten zu können. Wie ich schon in einigen meiner Börsenberichte erklärt habe, empfinde ich es als ein Unding, dass immer noch wildgefangene Exemplare von Arten importiert werden, die problemlos gezüchtet werden könnten, derer sich jedoch kaum ein Züchter annimmt, weil Großhändler mit ihren Massenimporten die Preise drücken.

Der WWF möchte aber auch mehrere meiner Kritikpunkte aus meinem Beschwerdebrief sowie meinem Blogpost zurückweisen:

So habe ich in meinem vorherigen Beitrag (bzw. auf den dort verlinkten Seiten) von einem Anteil an Importen innerhalb der Reptilienhaltung in Höhe von ca. 24 Prozent gesprochen, ausgehend von den Importzahlen aus dem Jahr 2014 und dem von der FEDIAF in einer Studie ermittelten Anteil von Reptilien in deutschen Haushalten (1,35 Mio.). Der WWF hat korrekterweise erkannt, dass man auf den genannten Prozentsatz nur dann kommt, wenn man die Zahlen auf ein einziges Importjahr bezieht und die Importe der vorherigen Jahre vernachlässigt. Da laut WWF die Lebenserwartung von Reptilien in menschlicher Obhut „hoffentlich deutlich über einem Jahr liegt”, muss der Anteil an gehaltenen Importtieren deutlich über 24 Prozent liegen, weil sich die in den vergangenen Jahren importierten Reptilien aufaddieren. Eine Ergänzung meinerseits zu dieser durchaus berechtigten Kritik an meiner Darstellung: Für exakte Zahlen müsste man die genauen Zu- und Abgänge innerhalb der Privathaltung dokumentieren. Derartiges Datenmaterial liegt derzeit nicht vor und wird wohl auch kaum zu ermitteln sein.

Die von mir geschilderte Gefahr für einheimische Arten, welche aus meiner Sicht von streunenden Hauskatzen ausgeht, wird vom WWF Deutschland dahingehend relativiert, dass sich unsere heimische Tierwelt auf solche Raubtiere eingestellt hat, während z.B. australische Bodenbrüter dies während ihrer Evolution mangels entsprechender Prädatoren nicht taten und deswegen verwilderte Hauskatzen für die beispielhaft genannte australische Artenvielfalt ein sehr viel höheres Risiko darstellen als für heimische Wildtiere. Exoten seien daher hierzulande anders zu bewerten. Außerdem bezieht sich der WWF auf die Domestikation von Hunden und Katzen, welche ja schon viele Tausende oder gar Zehntausende Jahre zurück liegt und diese Tiere daher nicht mehr wie Exoten zu betrachten sind, auch wenn ihre Herkunft nicht direkt in Deutschland zu suchen ist (was bei Haushunden wohl aber derzeit innerhalb der Wissenschaft diskutiert wird). In diesem Punkt vertrete ich weiterhin ganz klar die von diesen Ausführungen abweichende Meinung, dass sich Millionen Jahre Wildtierevolution nicht durch 20 bis 30 Tausend Jahre Domestikation abtrainieren lassen und dass insbesondere Katzen eine Gefahr für einheimische Arten darstellen, weil sie vom Menschen gehegt werden und sich unsere Natur dieses Einflusses nicht mit Krankheiten, kalten Wintern etc. erwehren kann. Die Domestikation ist daher sogar eher noch als verstärkender negativer Einfluss zu betrachten.

Bei den Themen Transportmortalität und Krankheitsübertragung bezogen sich die Aussagen im besagten YouTube-Video des WWF nicht explizit auf den Reptilienhandel, sondern es wurden Beispiele aus dem Vogelbereich genannt. Das ist zwar richtig, ich bezweifle trotzdem, dass Zuschauer aufgrund der Aufmachung des Videos noch groß differenzieren können. Es ist eher anzunehmen, dass die im Video aufgegriffenen Themen direkt auf die gesamte „Exotenhaltung” und somit auch auf die Reptilienhaltung übertragen werden. Daher ist eine entsprechende Gegendarstellung zu diesen Punkten aus meiner Sicht durchaus angebracht.

Zum Abschluss stellt der WWF Deutschland noch einmal klar, dass seriöse, wissenschaftlich begleitete Artenschutzprogramme von dieser Organisation unterstützt werden und der Beitrag seriöser Züchter zur Arterhaltung anerkannt wird. Zu den restlichen Kritikpunkten wie den angeblich hohen Tierheimbeständen, den vielen überforderten Haltern oder dem hohen Gefahrenpotential von „Exoten” äußerte sich der WWF Infoservice in seiner Antwort übrigens nicht.

Ich überlasse es nun euch, zu entscheiden, wie ihr die Aussagen des WWF einordnet. Für mich ist klar, dass Vertrauen so schnell nicht wieder aufgebaut werden kann und ich dem WWF daher zukünftig leider äußerst skeptisch gegenüber eingestellt sein werde.

Mittwoch, 3. August 2016

„EU Alien Species Act“: Wohin jetzt mit all den Schildkröten?

Heute ist es „endlich“ soweit: Die Unionsliste über invasive gebietsfremde Arten tritt in Kraft und beschert Besitzern von 37 Tier- und Pflanzenarten diverse Verbote, welche ich schon einmal ausführlich an anderer Stell dargestellt habe (Europäische Union verbietet „invasive Arten“). Doch heute soll es mal nicht um meine „egoistischen Halterinteressen“ gehen. Heute möchte ich das Thema mal aus einer anderen Perspektive betrachten, welche auch in diesem Artikel von Kristina Bräutigam (wwww.extratipp.com) hervorgeht: Ausgesetzte Schildkröten sind Riesenproblem
 


Dass wir uns nun mit dem „EU Alien Species Act“ herumplagen müssen, liegt ganz allein darin begründet, dass irgendwelche Vollidioten in der Vergangenheit nicht darauf geachtet haben, was mit ihren Tieren passiert. Die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) ist nicht etwa aus bösem Willen seitens der EU ab heute verboten, sondern weil sie in der Vergangenheit immer wieder ausgesetzt wurde. Dooferweise kommt die Rotwangen-Schmuckschildkröte (T. s. elegans) mit unserem Klima relativ gut zurecht. Und auch die anderen Unterarten wie die Gelbwangen-Schmuckschildkröte (T. s. scripta) findet man nicht selten in einheimischen Gewässern, wo sie aufgrund der niedrigen Temperaturen und der meist knappen Nahrungsvorkommen vor sich hin vegetieren. Diese Neozoen sind nicht von selbst eingewandert, sondern wurden von verantwortungslosen Haltern ausgesetzt. Oder aber ihnen gelang die Flucht aus nicht ausreichend abgesicherten Freianlagen, wofür dann ebenfalls die Halter die Verantwortung tragen. Ursprung dieser Probleme sind ehemalige Massenimporte und der preiswerte Verkauf dieser Tiere im Zoofachhandel, in Baumärkten oder auf Börsen als niedliche Haustiere an unbedarfte Tierfreunde. Diese Zeiten sind zwar glücklicherweise schon lange vorbei, doch die vorhandenen Tiere wurden trotzdem irgendwann groß und stellten ihre Halter vor gewisse räumliche Schwierigkeiten. Wohin mit der ehemaligen Baby-Schildkröte, die plötzlich die stattliche Größe eines Suppentellers erreicht hat?

Schon vor Inkrafttreten des „Alien Species Act“ fehlte es den Tierheimen und Auffangstationen an Kapazitäten. Wenn man von Tierheimen hörte, die mit einer Exotenschwemme zu kämpfen hatten, handelte es sich beim Großteil der Tiere um besagte Schmuckschildkröten. Bisher waren diese Einrichtungen jedoch in der glücklichen Situation, dass sie die Tiere an verantwortungsvolle Leute abgeben konnten, auch wenn das nicht immer einfach war. Der Anteil an informierten Personen, die einer ausgewachsenen
Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte eine artgerechte Unterbringung bieten konnte und wollte, war gering. Und die Leute mit dem nötigen Know-how wollten sich meist keine so langweiligen Allerweltstiere ins Haus holen. Aber es gab sie trotzdem: Wahre Tierfreunde, die einer abgeschobenen Wasserschildkröte ein schönes Aquarium, einen Zimmerteich oder im besten Fall einen (ausreichend abgesicherten) Gartenteich bieten konnten.

Damit ist nun leider Schluss! Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 verbietet potentiellen Haltern bekanntlich den Erwerb von Tieren, die auf der Unionsliste aufgeführt sind. Die Tierheime und Auffangstationen werden daher ab heute auf ihren Tieren sitzenbleiben. Selbst wenn eine Vermittlung noch ein Jahr lang gemäß Artikel 32 der Verordnung erlaubt sein sollte, obwohl dies im Widerspruch zu den Verboten steht, ist auch diese allerletzte Galgenfrist irgendwann mal vorbei. Ab dem 3. August 2017 ist dann endgültig Schluss mit einer Vermittlung von
Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröten in private Hände. Selbst wenn Abnehmer genug Ahnung von artgerechter Haltung und Pflege haben, dürfen sie die betroffenen Tiere trotzdem nicht mehr aufnehmen. Gleichwohl werden auch weiterhin Exemplare gefunden und in Tierheimen und Auffangstationen untergebracht. Die Schlagzeile müsste also in Zukunft lauten: „Ausgesetzte Schildkröten: Keiner darf sie mehr haben“!

War bisher von einer angeblichen „Exotenschwemme“ in deutschen Tierheimen die Rede, wird sich die Situation mit jedem weiteren Haltungsverbot sogar noch verschlimmern. Doch dies ist Tierhaltungsgegnern bekanntlich egal. Sie argumentieren, dass dann immerhin keine neuen Tiere mehr „produziert“ werden und die „leidenden Exoten in Gefangenschaft“ irgendwann endlich ausgestorben sind. Eine wahrlich weltfremde Einstellung, die in keiner Weise meinem Tierschutzverständnis entspricht!