Dienstag, 25. Oktober 2016

Einschränkung von Rattlesnake Roundups in Texas gescheitert

Wie der Austin American-Statesman gestern berichtete, hat die Texas Parks and Wildlife Commission einen geplanten Antrag aus der Agenda ihrer November-Sitzung gestrichen, mit dem die Ausgasung von Klapperschlangen im Rahmen der alljährlich stattfindenden Rattlesnake Roundups in Texas beendet werden sollte.

Bei diesen Rattlesnake Roundups (auch Rattlesnake Rodeo genannt) ist es seit Jahren gängige Praxis, Klapperschlangen mit Benzingasen aus ihren Winterverstecken zu treiben, um sie zu fangen und anschließend zu töten. Um diese Praktik entstand in den Jahren ein regelrechter Kult, der zu einer jährlichen Massentötung von Klapperschlangen in Texas und anderen US-Staaten geführt hat. Gerechtfertigt wird dies mit einer Überpopulation an Klapperschlangen, der man nur durch Tötung Herr werden kann. Eine weitere Rechtfertigung für diesen (von den zuständigen Behörden abgesegneten) Volkssport ist, dass die Schlangen vor ihrem Ableben gemolken werden und das Gift für die wissenschaftliche Forschung (z.B. für Gegengifte und Medikamente) eingesetzt wird, während das Fleisch der Tiere für den menschlichen Verzehr und die Häute als Leder genutzt werden. Grundsätzlich Argumente, die ich als Nicht-Veganer und Befürworter einer verantwortungsvollen Jagd durchaus nachvollziehen kann. Problematisch wird es für mich, wenn Tiere zur Belustigung von Zuschauern in Massen auf nicht gerade respektvolle und möglichst schmerzfreie Art und Weise getötet werden, wie es bei den Rattlesnake Roundups leider häufig der Fall ist. Wer starke Nerven hat, wird bei YouTube fündig. Ein Verbot der Ausgasung hätte diesem Spektakel einen herben Schlag versetzt.

Der Grund für das geplante Verbot war, dass dem Ausgasen häufig auch andere, vollkommen unbeteiligte Tierarten zum Opfer fallen. Laut Verantwortlichen des Texas Parks and Wildlife Department (TPWD) gibt es geeignetere Methoden, die Klapperschlangen zu fangen und zu dezimieren, ohne dabei Nicht-Zielarten zu gefährden. Der Kommissionsvorsitzende entschied jedoch nun auf Druck der wichtigsten staatlichen Gesetzgeber, diesen Punkt aus der Tagesordnung der November-Sitzung zu streichen. Schließlich sind die Rattlesnake Roundups eine wichtige Attraktion und somit Einnahmequelle für die lokalen Gesetzgeber und Städte. Es ist wahrlich kein Wunder, dass von dort heftige Kritik am geplanten Verbot geäußert wurde. Da ein Vollzug ohne das Mitwirken dieser lokalen Behörden nahezu unmöglich wäre, ist der Antrag schon vor der Kommissionssitzung gescheitert.

Während in anderen US-Staaten das Ausgasen bereits verboten ist, geht das massenhafte Töten von Klapperschlangen in Texas also trotz Kritik von Biologen, Zoologen, Herpetologen und Ökologen weiter.

Freitag, 21. Oktober 2016

21. Oktober: Reptile Awareness Day

Am heutigen Tag feiern wir den „Reptile Awareness Day“. Dieser Feiertag wurde von einer Gruppe von Reptilienfreunden geschaffen, um das Bewusstsein der Bevölkerung für Reptilien zu verändern. Schließlich haben Reptilien leider ein eher schlechtes Image. Wenn sie mal in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchen, dann zumeist in Form haarsträubender Schauergeschichten oder überzogenen Pressemeldungen. Auch Hollywood greift seit Jahrzehnten dieses Bild auf und verstärkt es mit Horrorfilmen, in denen Reptilien als blutrünstige Monster dargestellt werden. Herpetologen und Terrarianer feiern deswegen den Reptile Awareness Day, um Sympathie für wechselwarme Kriechtiere zu wecken.

Reptilien spielen schließlich eine wichtige Rolle für unser Ökosystem, werden aber bedauerlicherweise immer wieder übersehen. Große Artenschutzorganisationen aber auch viele zoologische Einrichtungen werben bzw. locken auf ihren Plakaten in der Regel mit spektakulären Botschafterarten wie Orang-Utan oder Pandabär. Reptilien eignen sich für solche Kampagnen aufgrund ihres negativ behafteten Images eher schlecht als recht. Sobald der Orang-Utan ausgestorben ist, wird dies von der Öffentlichkeit sicherlich im großen Ausmaß bedauert. Der Verlust von Reptilienarten geschieht hingegen still und leise und interessiert kaum jemanden in der Bevölkerung – kaum jemanden, außer uns Reptilienfreunden! Deshalb bietet der Reptile Awareness Day eine gute Gelegenheit für Sonderführungen und Aktionstage in Zoos, Tierparks, Naturschutzvereinen etc., um z.B. über einheimische Reptilien oder die Bedrohung von Lebensräumen und den dortigen Reptilienbeständen zu informieren.

Auch Terrarianer können an diesem Tag die Öffentlichkeit aufklären und die vielen positiven Aspekte der Haltung von Reptilien hervorheben. Schließlich sind wir es, die sich mit großem Engagement für Reptilien einsetzen, ihre Bedürfnisse kennen und ein besonderes Bewusstsein für die Lebensraumzerstörung haben. Die Haltung und insbesondere die verantwortungsvolle Nachzucht von Reptilien macht uns zu aktiven Artenschützern, weil dadurch einerseits Naturentnahmen reduziert werden und andererseits Backup-Populationen in menschlicher Obhut geschaffen werden, mit denen – nach Rettung der Lebensräume – viele Arten wieder angesiedelt werden können. Es sind nicht die Spendengelder etablierter Artenschutzorganisationen, die in diese Form des Arterhalts fließen, sondern unser eigenes, hart verdientes Geld. Da zoologische Einrichtungen mit beliebten Botschafterarten Aufklärungsarbeit leistet und sich viele versteckt lebende Arten nicht so gut für eine Haltung in solchen Einrichtungen eignen, spielt die Haltung dieser Arten in Privathand eine wichtige Rolle für den Artenschutz. Kooperationen zwischen Reptilienhaltern, zoologischen Einrichtungen, Wissenschaftlern und Naturschutzbehörden belegen, wie wichtig unser Beitrag für die Rettung von Reptilien ist und sei es „nur“ durch Naturbildung, um den Menschen diese Tiere einmal näher zu bringen. Denn nur was man kennt, kann man lieben lernen und für schutzbedürftig halten.

Der heutige Reptile Awareness Day bietet für diese Botschaft eine sehr gute Grundlage.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Wörterbuch: Reptilienanzeige - Deutsch (Satire)

Tierkleinanzeigen in einschlägigen Onlineportalen enthalten häufig beschreibende Angaben zu den darin angebotenen Tieren. Besonders in Verkaufsanzeigen für Reptilien aber auch für Amphibien und wirbellosen Terrarientieren findet man Beschreibungen, die man von anderen Tierkleinanzeigen so nicht kennt und die deshalb eine „Übersetzung ins Deutsche“ erfordern.

Reptilienanzeige – Deutsch:

[Anzahl] Jahre alt – Alter unbekannt

Preis VB – Preis ist nicht verhandelbar

Weibchen – Männchen

Männchen – Geschlecht unbekannt (meist Weibchen)
 
Eigene Nachzucht – Herkunft des Tieres ungewiss (meist Wildfang)

Handzahm – Zeigt massive Scheu vor dem Menschen

Lässt sich gut vergesellschaften – Sehr dominant, nur für Einzelhaltung geeignet

Übergabe auf Börse möglich – Anbieter wird nicht da sein

Versand mit Tierspedition möglich – Tier kommt mit normaler Post

Abgabe nur nach Vorkasse – Gewinnchance 1:140.000.000, Glücksspiel kann süchtig machen

Inkl. Terrarium mit Technik und kompletter Einrichtung – Sperrmüll bestellen

Papiere vorhanden – Notwendige Papiere fehlen oder sind unzureichend

Produktives Zuchtpaar (1,1) – Tiere haben das gleiche Geschlecht (meist 2,0)

Produktives Zuchttier – Unfruchtbares Alttier

Gesund – Termin beim Tierarzt machen

Frisst tot und lebend – Hartnäckiger Futterverweigerer

Häutet sich am Stück – Hat massive Häutungsprobleme

Bekommt UV-Licht; Vitamine; Mineralstoffe – Leidet an Rachitis; Mangelerscheinungen

Letzte Kotprobe am [Datum] – Hat Darmparasiten

Legt regelmäßig Eier – Leidet regelmäßig an Legenot

Abgabe wegen Umzug – Anbieter ist mit Tieren überfordert

Bestandsauflösung wegen Hobbyaufgabe – Anbieter will sich neue Tiere kaufen
 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Reptilien im Ausverkauf

Im Juli 2016 wurde eine Studie von AULIYA et al. im Fachjournal „Biological Conservation“ veröffentlicht, welche sich mit dem negativen Einfluss des europäischen Lebendtierhandels auf das Überleben gefährdeter Reptilienarten befasst: Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market

Laut der Studie von AULIYA et al. wurden innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren (2004 bis 2014) 20,8 Millionen lebende und teils bedrohte Reptilien in die EU importiert, 6,1 Millionen davon nach Deutschland. Diese Zahlen wurden mittels Eurostat ermittelt und entsprechen in etwa den Angaben des Statistischen Bundesamtes für den genannten Zeitraum. Das internationale Expertenteam hat in seiner Studie einige Arten zusammengefasst, für die der internationale Lebendtierhandel eine Bedrohung darstellt. Darunter z.B. die Madagassische Schnabelbrust-Schildkröte (Astrochelys yniphora), welche zwar international unter Schutz steht (CITES-Anhang I), aber trotzdem immer wieder für den Heimtiermarkt geschmuggelt wird. Da es den Forschern zufolge nur noch ca. 250 Exemplare dieser Art in freier Wildbahn gibt, ist jeder weitere Verlust als große Bedrohung zu bewerten.

Problematisch ist die Situation auch bei Arten, die nicht einmal einem internationalen Schutzstatus unterliegen, sondern allenfalls in ihrem Herkunftsland geschützt sind, nach (illegaler) Ausfuhr jedoch vollkommen legal innerhalb der EU gehandelt werden dürfen. Diesem legalen Handel widmete sich das Expertenteam mit seiner Studie, da nur hier belastbare Daten erhoben werden konnten. Laut Reptile-Database sind zum Zeitpunkt der Studie insgesamt 10.272 Reptilienarten beschrieben. Unter die internationalen Handelsbeschränkungen fielen zum Zeitpunkt der Studie aber gerade mal 793 Reptilienarten (80 Arten auf Anhang I, 673 Arten auf Anhang II und 40 Arten auf Anhang III). Das ergibt einen Anteil von weniger als 8 Prozent. Grund dafür ist jedoch leider nicht, dass die Tiere nicht bedroht sind. Dies wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wirft. Die Mehrzahl der bedrohten Reptilienarten ist demnach gar nicht in den CITES-Anhängen zu finden. Außerdem ist die Bewertung vieler Arten in der Roten Liste nicht mehr aktuell und stammt teilweise aus Zeiten, in denen der Reptilienhandel noch kaum eine Rolle spielte.

Gerade diese oftmals nicht geschützten Raritäten sind innerhalb der Terraristik besonders begehrt. Sie sind es, die auf den Parkplätzen rund um den Reptilienbörsen dieses Landes den Besitzer wechseln oder innerhalb der Szene fleißig „getauscht“ werden. Ist der Handel innerhalb der EU legal möglich, findet man sie sogar im offiziellen Börsenverkauf. Manch ein Käufer hat vielleicht sogar mehr oder weniger noble Absichten – beispielsweise die Zielsetzung einer europäischen Erstnachzucht zur langfristigen Schaffung einer stabilen Population innerhalb der Terraristik. Es ist nicht zu leugnen, dass es in der Vergangenheit immer wieder solche Fälle gegeben hat und wir das Vorhandensein einiger - wenn nicht sogar aller Arten in der Terraristik solchen Pionieren zu verdanken haben. Leider sind diese Erfolge eher Ausnahmen, weil bei vielen Arten die erforderlichen Haltungsbedingungen für eine erfolgreiche Zucht oder sogar erst einmal für eine langfristig erfolgreiche Haltung gar nicht bekannt sind. Während sich vermehrungsfreudige Kulturfolger schnell in der Terraristik etablieren, sieht das bei selteneren Arten leider anders aus. Oftmals ist nicht einmal eine exakte Artenbestimmung vorhanden, denn teilweise handelt es sich sogar um Neuentdeckungen, die gerade erst wissenschaftlich beschrieben wurden. Und so verkommen die Letzten ihrer Art zu Versuchskaninchen und Wanderpokalen. Ganz besonders bitter empfinde ich die Ignoranz mancher Halter, die der Meinung sind: „Ist mir doch egal, solange der Handel legal ist, wird das schon alles mit rechten Dingen zugehen.“ Die Studie von AULIYA et al. zeigt, dass legal und nachhaltig sich einander nicht bedingen. Besonders Arten, die nur in einem kleinflächigen Lebensraum vorkommen (z.B. Inselendemiten) werden durch den Lebendtierhandel schnell an den Rand des Aussterbens gebracht. Auffällig ist außerdem, dass diese Arten – kaum sind sie inkl. Fundortangaben wissenschaftlich beschrieben – schon als „Nachzuchten“ zu erwerben sind. Es ist stark zu bezweifeln, dass es sich dabei wirklich um Nachzuchten handelt.

Des Weiteren sind nicht nur die genannten „Raritäten“ vom Lebendtierhandel bedroht. Selbst für vergleichsweise stabile Arten, die zwar nicht bedroht sind, die jedoch z.B. aufgrund einer langen Generationsfolge oder einer niedrigen Zahl an Nachkommen nicht schnell genug auf Verluste reagieren können, kann ein massives Absammeln zur Bedrohung werden. Welches Ausmaß der Lebendtierhandel dabei einnimmt, ist von Art zu Art allerdings unterschiedlich und belastbare wissenschaftliche Daten sind häufig nicht vorhanden. Importe sollten daher aus meiner Sicht differenziert betrachtet werden, weil viele Arten nicht ausschließlich für den Lebendtierhandel importiert werden, sondern auch für andere Verwendungszwecke (beispielsweise Reptilienleder für die Modeindustrie). Noch immer ist die Lebensraumzerstörung für die meisten Arten die weitaus größere Bedrohung, was allerdings keinen zusätzlichen Raubbau an bedrohten Wildtierpopulationen rechtfertigt.

Eine Listung in den CITES-Anhängen sorgt zwar je nach Schutzkategorie für einen Rückgang der Nachfrage und somit auch für einen Rückgang des Handels, viele Raritäten werden aber trotzdem (oder sogar gerade deswegen) weiter illegal geschmuggelt und gehandelt – z.B. mit gefälschten Papieren oder gänzlich ohne Papiere unter schlimmsten Bedingungen während des Transports. Dies wird man wohl auch kaum verhindern können – nicht mit einem internationalen Schutzstatus und auch nicht durch generelle Verbote von Handel und Haltung dieser Tiere (z.B. mithilfe einer sog. „Positivliste“). Mit allzu strikten Verboten würden wahrscheinlich sogar erst Begehrlichkeiten bei den falschen Leuten geweckt, die sich mit umso selteneren Raritäten schmücken wollen.

Die Grundforderung der Forscher ist die Schaffung einer EU-Regelung für den Handel mit gefährdeten, jedoch nicht im Rahmen des CITES reglementierten Arten. Denkbar wäre hierbei eine Regelung nach dem Vorbild der USA („Lacey Act“). Exemplare von in ihren Herkunftsländern geschützten Arten dürften nur noch importiert werden, wenn die Herkunftsländer eine legale Ausfuhr bescheinigen. Fehlt eine solche Bescheinigung, dürften die Tiere nicht in die EU eingeführt und auch nicht innerhalb der EU gehandelt werden. Mit einer solchen Regelung würde man Schmuggel zwar wie gesagt nicht komplett verhindern können, da jedoch der seriöse Handel reagieren müsste, würde ein Großteil des derzeit noch vollkommen legalen Raubbaus verhindert. Wichtig wäre dabei meiner Meinung nach aber auch, dass echte Nachzuchten weiterhin legal gehandelt werden dürfen.

Was können wir tun?
Verantwortungsbewusste Terrarianer sollten darauf achten, dass ihre Tiere aus legalen Quellen stammen und mit den erforderlichen Papieren ausgestattet sind. Wildfänge sollten, solange es keine Art Zertifizierung für nachhaltige Herkunft gibt, die Ausnahme sein und nur von Profis gehalten werden. Hierbei ist problematisch, dass viele Terrarianer sich als Profis sehen, sich eine Erstnachzucht zutrauen und am Ende dann doch scheitern, weil sie sich überschätzt haben. Ist eine seltene Art nicht von einem seriösen Züchter, den man persönlich besuchen kann, zu erwerben, sollte man auf die Haltung der jeweiligen Art verzichten. Insbesondere als Einsteiger, aber aus meiner Sicht auch als Fortgeschrittener und „Möchtegern-Profi“. Des Weiteren sollte man sich überlegen, ob es wirklich notwendig ist, sein Interesse an Reptilien mit einer undurchsichtig gehandelten Rarität zu stillen oder ob nicht vielleicht eine innerhalb der Terraristik bereits langfristig etablierte Art denselben Zweck erfüllt.

Ich persönlich pflege lieber ein paar (t)olle Kornnattern oder Bartagamen, die aus schlechter Haltung oder aus einer Auffangstation stammen, um „mein Ego zu beflügeln“, statt auf ach so seltene wildgefangene Raritäten zurückzugreifen, deren Haltung für die Wildpopulationen nur einen weiteren Sargnagel darstellt! Leider stehe ich mit dieser Meinung wohl ziemlich allein dar und werde im Nachgang dieses Artikels sicherlich wieder von einigen der langjährigen „Profis“ in den (a)sozialen Netzwerken angefeindet. Mir ist meine Anerkennung innerhalb der Terraristikgemeinde aber auch herzlich egal, weswegen ich auch keine seltenen und bedrohten Arten aus unbekannter Herkunft totpflegen muss. Wer etwas an diesem Standpunkt auszusetzen hat, zeigt damit eigentlich nur, dass er insgeheim genau weiß, dass das was er tut vielleicht doch nicht so gut ist und bestätigt damit meine Meinung.

Fazit:
Ein komplettes Haltungs- und Importverbot für bedrohte Arten wäre aus meiner Sicht nicht die richtige Lösung, weil dadurch die Schaffung stabiler Nachzuchtpopulationen in menschlicher Obhut verhindert werden würde. Legale und nachhaltige Importe sollten ebenso wie die Nachzuchtversuche bei professionellen Züchtern in Kooperation mit Naturschutzbehörden und zoologischen Einrichtungen gefördert werden. Denkbar wäre die Schaffung einer Art „Fair-Trade-Zertifizierung“ für den Lebendtierhandel. Nur eine bestimmte Quote dürfte dabei exportiert werden. Damit die ansässige Bevölkerung von ihren Wildtierpopulationen (und somit vom Schutz der Lebensräume) profitieren kann, müsste im Rahmen einer solchen Zertifizierung dafür gesorgt werden, dass der Löwenanteil der Einnahmen nicht in die Taschen dubioser Zwischenhändler wandert.

Dem hier kritisierten Raubbau könnte zusätzlich zu einer solchen Zertifizierung und dem „EU Lacey Act“ mit speziell auf den Artenschutzbereich geschultem Fachpersonal bei den Zollbehörden, der Erstellung von Bestimmungsschlüsseln, mit denen Zollbeamte die im Artenschutz relevanten Arten leichter identifizierten können, sowie der vermehrten Ausbildung von Spürhunden für den Artenschutzbereich begegnet werden. Auch (temporäre) Importverbote bestimmter Arten wären denkbar (sinnvoll derzeit z.B. bei asiatischen Schwanzlurchen zur Verhinderung einer Verbreitung des Chytridpilzes Bsal).

Mehr zum Thema:

Literatur:
AULIYA, M., et al., Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market, Biological Conservation (2016)

Dienstag, 4. Oktober 2016

Beschlüsse der 17. CITES-Artenschutzkonferenz (CoP17)

Die 17. CITES-Artenschutzkonferenz (Conference of the Parties, CoP17) ist zu Ende. Die für die Terraristik relevanten Anträge wurden am vergangenen Wochenende im Komitee behandelt, was ich live im Webcast der Konferenz verfolgte. Bereits heute hat das Plenum die Entscheidungen abschließend abgesegnet. Hier ein Überblick über die für die Terraristik relevanten Beschlüsse:


Beschlüsse vom 2. Oktober 2016:

Die Anträge, bestimmte kolumbianische Populationen des Spitzkrokodils (Crocodylus acutus) und das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) in Malaysia von CITES-Anhang I auf Anhang II herabzustufen, wurden angenommen.

Baumschleichen (Abronia) wurden in CITES-Anhang II gelistet. Davon 5 Arten mir einer Null-Quote für den Export (Abronia aurita, Abronia gaiophantasma, Abronia montecristoi, Abronia salvadorensis und Abronia vasconcelosii). Des Weiteren wurden die folgenden 5 Baumschleichenarten in CITES-Anhang I aufgenommen: Abronia anzuetoi, Abronia campbelli, Abronia fimbriata, Abronia frosti und Abronia meledona. Baumschleichen bekommen somit einen dreistufigen Schutzstatus: 1) Striktes Handelsverbot, 2) Exportverbot für Naturentnahmen, 3) Begrenzter Handel mit den restlichen Arten.

Bei der Baumschleichen-Debatte ließ sich der Delegierte Brasiliens übrigens noch zu einem emotionalen Kommentar hinreißen, dass tropische Reptilien schließlich nicht in Wohnzimmer in der nördlichen Hemisphäre gehören würden.

Bei den Zwergchamäleon-Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon gab es einige Diskussionen, weil gleich zwei Anträge mit der gleichen Forderung aber einem leicht unterschiedlichen Wortlaut eingereicht wurden. Es gab auch Kritik von Tansania, die beiden Gattungen wurden am Ende dann aber doch in CITES-Anhang II aufgenommen. Tansania schlug vor, sie lieber im CITES-Anhang III zu listen, was die antragstellenden Staaten ablehnten. Mit dieser Entscheidung sind nun alle bekannten Chamäleons international geschützt.

Der Psychedelische Gecko (Cnemaspis psychedelica) und der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) wurden am Sonntagabend aufgrund von Zeitmangel in einem regelrechten Eilverfahren in CITES-Anhang I aufgenommen. Es gab keine Gegenstimmen.

Der Masobe Großkopfgecko (Paroedura masobe) wurde in CITES-Anhang II aufgenommen.

Die Familie Lanthanotidae sollte zunächst in CITES-Anhang I aufgenommen werden. Betroffen wäre davon nur die einzige derzeit bekannte Art aus dieser Familie, der Borneo-Taubwaran (Lanthanotus borneensis). Aufgrund von Kritik seitens Indonesien, Japan und Korea wurde die Art dann doch nur in Anhang II gelistet und bekommt eine Null-Quote für den Export von Wildbeständen. Die drei genannten asiatischen Staaten sprachen von Zuchtfarmen und wollen mit den dort produzierten Tieren auch weiterhin international handeln. Antragsteller Malaysia gab schnell nach und ließ sich auf die niedrigere Schutzkategorie ein.

Zum Ende dieses langen Abends wurde noch die Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus) von CITES-Anhang II auf CITES-Anhang I hochgestuft.

Beschlüsse vom 3. Oktober 2016:
Dieser Tag war als der letzte Tag der Komitee-Sitzung mit vielen noch offenen Anträgen selbst für mich als unbeteiligten Zuschauer mit über 10 Stunden Webcast hart (umso größer ist meine Hochachtung vor den Teilnehmern der Konferenz – egal aus welchen Reihen diese stammen). Zu Beginn des Tages wurde noch über Elfenbein und Nashornhorn debattiert. Zur Mittagszeit gab es dann massive technische Probleme beim Abstimmungsverfahren, die für weitere Verzögerungen sorgten. Nachmittags ging es dann um Haie und andere Fische sowie die Gattung Nautilus, ehe abends die noch offenen Anträge aus dem Bereich der Herpetologie erneut in einem enormen Tempo abgefrühstückt wurden. Hierbei regnete es regelrecht neue Schutzkategorien:

Die Buschviper Atheris desaixi und die Hornviper Bitis worthingtoni wurden in CITES-Anhang II aufgenommen.

Die Weichschildkröten Cyclanorbis elegans, Cyclanorbis senegalensis, Cycloderma aubryi, Cycloderma frenatum, Trionyx triunguis und Rafetus euphraticus wurden in CITES-Anhang II aufgenommen.

Der Tomatenfrosch (Dyscophus antongilii) wurde von CITES-Anhang I auf CITES-Anhang II herabgestuft. Darüber hinaus wurden der Südliche Tomatenfrosch (Dyscophus guineti) sowie der Westliche Tomatenfrosch (Dyscophus insularis) in CITES-Anhang II aufgenommen. Die madagassischen Tomatenfrösche genießen also nun alle denselben Schutzstatus.

Die Marmorkrötchen Scaphiophryne marmorata, Scaphiophryne boribory und Scaphiophryne spinosa wurden trotz Einwänden seitens Japan in CITES-Anhang II aufgenommen.

Der Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) wurde - ebenfalls trotz Einwänden seitens Japan - in CITES-Anhang I aufgenommen.

Zu guter Letzt wurde noch der Hongkong-Warzenmolch (Paramesotriton hongkongensis) in CITES-Anhang II aufgenommen.


Auch wenn Kubanische Landschnecken in der Terraristik derzeit keine große Rolle spielen, ist es vielleicht trotzdem interessant noch anzumerken, dass die Gattung Polymita ebenfalls direkt in CITES-Anhang I aufgenommen wurde und diese Schnecken demnach wohl auch nie in der Terraristik Fuß fassen werden.

Vielleicht wäre auch noch interessant zu erwähnen, dass die Tillandsie Tillandsia  mauryana vom CITES-Anhang II gestrichen wurde und demnach in Zukunft (wieder) vollkommen frei gehandelt werden darf.

Eine offzielle Liste aller Beschlüsse gibt es hier: CITES_CoP17_DECISIONS.pdf

Fazit:
Während der Konferenz wurde deutlich, dass Einschränkungen des Lebendtierhandels durch hohe und höchste Schutzmaßnahmen meist ohne Diskussion oder Gegenstimmen durchgewunken wurden, während das sehr viel lukrativere Reptilleder für die Luxusindustrie (ebenso wie der Handel mit Elfenbein und Nashornhorn) von einer sehr starken Lobby verteidigt wurde.

Die CITES-Mitgliedsstaaten haben gemäß Article XV des Abkommens nun 90 Tage Zeit, die Beschlüsse in geltendes Recht umzuwandeln. Die Anhänge der EU-Artenschutzverordnung, mit dem u.a. CITES in der EU vollzogen wird, werden also in den nächsten Wochen überarbeitet. Sobald die betroffenen Tierarten dort aufgelistet und die Änderungen offiziell in Kraft getreten sind, müssen sich betroffene Halter an die jeweiligen Vorschriften halten. Bis dahin können die betroffenen Tiere noch zu den aktuell gültigen Verordnungen gehalten und gehandelt werden.

Die Arten des CITES-Anhangs II werden normalerweise im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet und gelten in Deutschland als „besonders geschützt“. Für sie gilt bis auf wenige Ausnahmen eine Melde- und Nachweispflicht. Die Arten des CITES-Anhangs I werden in der Regel im Anhang A der EU-Artenschutzverordnung gelistet und gelten in Deutschland als
„streng geschützt“. Diese Arten unterliegen einem Besitz- und Vermarktungsverbot. Nachzuchten sind davon ausgenommen. Für sie gilt neben der Nachweis- und Meldepflicht eine zusätzliche Kennzeichnungspflicht, die für jede Tierart individuell geregelt wird. Näheres ist den gültigen Artenschutzverordnungen zu entnehmen.

Die nächste CITES-Artenschutzkonferenz (CoP18) wird 2019 in Sri Lanka stattfinden.
 

Montag, 3. Oktober 2016

Spinnen- und Insekten-Ausstellung in der Rattenfängerhalle Hameln

Brachypelma hamorii (ex smithi) - Symbolbild
Am 2. Oktober 2016 gastierte die Spinnen- und Insekten-Ausstellung aus Bielefeld in der Rattenfängerhalle Hameln. Ausgestellt wurden diverse Insekten, Spinnentiere und andere Wirbellose, darunter mit Theraphosa blondi die laut Guinness-Buch der Rekorde größte Vogelspinne der Welt. Vor allem Spinnentiere waren sehr präsent auf der Ausstellung. Neben Dutzenden verschiedenen Vogelspinnenarten, darunter die für die Gruppenhaltung geeignete Monocentropus balfouri oder die begehrte und zu hohen Preisen gehandelte Pamphobeteus insignis, wurden Riesenkrabbenspinnen, eine Geißelspinne (Damon diadema) und sogar zwei Echte Witwen (Latrodectus) ausgestellt - letztere zwar immer in Sichtweite des Veranstalters und mit einem Warnhinweis zur Giftigkeit, aber seltsamerweise in Falltürterrarien ohne Terrarienschlösser. Skorpione waren ebenfalls gut vertreten. Laut Website der Veranstalter gehören auch Kaiserskorpione (Pandinus imperator) zum Tierbestand der Ausstellung. Diese Art wurde aber leider nicht präsentiert. Nachdem der Export dieser Art in den Herkunftsländern eingestellt wurde, ist diese – angeblich häufig in Privathand nachgezüchtete Art – plötzlich zu einer regelrechten Rarität in deutschen Terrarien geworden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

An Insekten wurden verschiedene Schaben und Gespenstschrecken gezeigt. Käfer und Gottesanbeterinnen waren leider nur als Präparate vorhanden, nicht jedoch als Lebendexemplare. Ein besonderes Highlight war für mich eine lebende Riesenwasserwanze (Lethocerus patruelis). Zwei Hundertfüßer (Scolopendra dehaani und Scolopendra morsitans), Riesentausendfüßer (Archispirostreptus gigas), Achatschnecken (Achatina marginata suturalis), Einsiedlerkrebse und Landkrabben vollendeten das ausgestellte Lebendtiersortiment. Darüber hinaus wurden noch einige Präparate und eine Dokumentation präsentiert.

Die Terrarien waren für eine Wanderausstellung größtenteils ordentlich ausgestattet und soweit artgerecht. Während unseres Besuches wurden die Tiere regelmäßig mit (Sprüh-)Wasser versorgt. Manche Terrarien hätten vielleicht ein wenig mehr Dekoration vertragen können. Leider entsprachen ein paar wenige der Terrarien nicht unbedingt den empfohlenen Haltungsbedingungen. So wurde bei der Wasserwanze zwar im Begleittext erklärt, dass sich diese Tiere in Wasserpflanzen verstecken, diese suchte man im ausgestellten Aquaterrarium allerdings vergebens. Einer Blauen Burma (Haplopelma lividum) wurde nur sehr wenig Bodengrund geboten, was leider bei sehr vielen Haltern so praktiziert wird und der an sich bloß scheuen Vogelspinne einen besonders aggressiven Ruf verpasst hat. Diese Tiere sind aber gar nicht aggressiv, wenn man sie entsprechend ihrer Lebensweise als Röhrenbewohner vernünftig mit ausreichend Bodengrund hält und ihnen somit mehr als nur einen Blumentopf als Rückzugsmöglichkeit bietet. Ein ähnlicher Mangel an Verstecken war beim ausgestellten Riesenspaltenskorpion (Hadogenes paucidens) und bei der Geißelspinne zu beobachten. Letztere hatte lediglich einen Ast zur Verfügung, an dessen Rückseite die nachtaktive Spinne Schutz suchte. Normalerweise hält sich die Art tagsüber in Steinspalten oder hinter abgeplatzter Baumrinde auf. Von Spalten als Versteckmöglichkeit war auch im Terrarium des Spaltenskorpions nichts zu finden. Abgesehen davon waren die ausgestellten Terrarien aber in Ordnung.

Die beschreibenden Begleittexte enthielten stellenweise leider fachliche Fehler. Bei einer Brachypelma wurde lobenswerterweise der bestehende Schutzstatus beschrieben. Leider war dies bei den anderen Vogelspinnen der Gattung Brachypelma nicht der Fall. Bei einer Spinne fehlte der Begleittext leider komplett. Ich kam zwar nicht dazu, jeden Text aufmerksam bis zu Ende zu lesen aber was ich so las, entsprach häufig nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft. So wurden beispielsweise Zikaden-Präparate als
„Grashüpfer bezeichnet, dabei sind Zikaden nicht in dieser Unterfamilie (Gomphocerinae) zu finden und nicht einmal mit Heuschrecken verwandt. Auf anderen Tafeln wurden Vogelspinnen fälschlicherweise als „Taranteln“ bezeichnet. Die Wasserwanze wurde mit dem falschen wissenschaftlichen Artnamen benannt (Lethocerinae patruelis statt Lethocerus patruelis). Derart fehlerhafte Infotafeln entsprechen nicht meinem Anspruch, den ich an eine pädagogisch wertvolle Ausstellung über Wirbellose stelle.

Am Souvenirstand wurden neben dem üblichen Kitsch auch noch sog.
Anfängervogelspinnen (inkl. Terrarium/Faunabox) verkauft. Konkret handelte es sich bei diesen Tieren um die Rote Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea) und um die unter Artenschutz stehende Brachypelma boehmei. Diese beiden Arten halte ich nur bedingt für den Einstieg in die Vogelspinnenhaltung geeignet, weil eine artgerechte Haltung eine Winterruhe beinhaltet, die zwar auch Einsteiger bieten können, die jedoch eine umfangreichere Vorabinformation erfordert, die beim gezielten Kauf auf einer Börse oder in einem Fachgeschäft sicherlich eher gegeben ist als bei einem Spontankauf beim Besuch einer Wanderausstellung. Den Verkauf von Tieren auf solchen Ausstellungen halte ich daher für sehr fragwürdig. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, wenn statt lebender Tiere beispielsweise Bücher über die Haltung von Vogelspinnen und anderen Wirbellosen verkauft würden.

Besucher konnten auch noch ein Foto mit einer Vogelspinne auf der Hand machen und als Andenken ausdrucken lassen. Das Handling von Vogelspinnen lehne ich persönlich ab. Ich finde es zwar nicht schlimm, wenn man Menschen auf diese direkte Art und Weise diese wundervollen Tiere näherbringen und die Harmlosigkeit demonstrieren möchte – zumal die dafür verwendeten Tiere wohl sicherlich daran gewöhnt sind. Trotzdem sollte dies aus meiner Sicht immer eine Ausnahme sein und kein Showeffekt. Es handelt sich immerhin um Tiere, die zwar von Experten gut einzuschätzen sind, bei denen aber trotzdem immer das (wenn auch geringe) Risiko eines Unfalls besteht. Würde ein solcher Fall eintreten, würde dies natürlich wieder in sämtlichen Sensationsmedien ausgeschlachtet und auf alle verantwortungsvollen Halter zurückfallen. Fauchschaben, Gespenstschrecken oder Riesentausendfüßer wären für solche Aktionen vielleicht besser geeignet.

Fazit:
Grundsätzlich fand ich die Ausstellung trotz einiger fachlicher Fehler durchaus sehenswert und interessant. Bei manchen Tieren könnte die Außenwirkung einer artgerechten Haltung verbessert werden. Die Infotafeln sollten ebenfalls überarbeitet werden, um den wissenschaftlichen Wert der Ausstellung zu steigern. Abgesehen davon ist die besagte Ausstellung sicherlich auch für Terrarianer einen Besuch wert.

 

Höchster Schutzstatus für den Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Gestern wurde auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz in Südafrika über den Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) entschieden. Die Europäische Union hatte gemeinsam mit dem Herkunftsland Tansania die Listung dieses Geckos im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) beantragt. Dieser Antrag wurde ohne Gegenstimmen vom Komitee angenommen. Eine endgültige Entscheidung folgt zwar erst am 5. Oktober im Plenum der Artenschutzkonferenz, Änderungen sind jedoch aufgrund der einstimmigen Akzeptanz des Antrags nicht mehr zu erwarten. Lygodactylus williamsi bekommt somit einen internationalen Schutzstatus der höchsten Kategorie spendiert, was ein striktes Handelsverbot mit dieser Art weltweit (zumindest in den CITES-Mitgliedsstaaten) bedeutet.

Was bedeutet das nun für uns Terrarianer?
 
Grundsätzlich dient das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) dem Schutz wildlebender Arten. Aber natürlich sind auch Privathalter davon betroffen, weil im Artenschutzrecht bestimmte Auflagen zu erfüllen sind. Lygodactylus williamsi wird als CITES-Anhang-I-Art in der EU einem Besitz- und Vermarktungsverbot unterliegen. Nachzuchten sind davon grundsätzlich ausgenommen. Diese werden jedoch zusätzlich zu der seit Dezember 2014 geltenden Meldepflicht einer Kennzeichnungspflicht gemäß Abschnitt 4 BArtSchV unterliegen. Außerdem muss für den Handel mit Nachzuchten eine Vermarktungsgenehmigung beantragt werden, deren Gebühr je nach Gebührenordnung des jeweiligen Bundeslandes unter Umständen vom (geschätzten) wirtschaftlichen Wert der zu handelnden Tierart abhängt.

Derzeit greifen noch die Regelungen der aktuell gültigen EU-Artenschutzverordnung (Verordnung (EG) Nr. 338/97), deren Vollzug durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in Deutschland geregelt ist. Nach Abschluss der Artenschutzkonferenz sind die CITES-Mitgliedsstaaten angehalten, die Beschlüsse innerhalb von 90 Tagen in ihren jeweiligen Artenschutzgesetzen und -verordnungen umzusetzen (Article XV CITES). Das bedeutet, dass bis Anfang 2017 die Anhänge der EU-Artenschutzverordnung entsprechend geändert werden müssen. Bis dahin sind Haltung und Handel noch zu den bisherigen Auflagen möglich. Sobald L. williamsi als CITES-Anhang-I-Art in den Anhang A der EU-Artenschutzverordnung aufgenommen wurde, greifen die für die Anhang-A-Arten geltenden strengen Artenschutzvorschriften.


Nachtrag v. 27.01.2017: Inzwischen hat die EU den Schutzstatus aktualisiert und L. williamsi rechtsverbindlich in Anhang A aufgenommen: CITES-Beschlüsse treten im EU-Recht in Kraft!
 

Es ist nicht die Aufgabe von betroffenen Haltern, sich im vorauseilenden Gehorsam nun Gedanken über die bevorstehende Art der Kennzeichnung zu machen. Ob sinnvoll oder nicht, es wird wahrscheinlich auf eine Fotodokumentation hinauslaufen. Näheres wird aber erst in Anlage 6 BArtSchV festgelegt. Wichtig ist für den Moment nur, dass betroffene Halter ihre Tiere auch wirklich zu den aktuell gültigen Rechtsvorschriften halten (also der geltenden Meldepflicht nachkommen).

Die Listung im CITES-Anhang I und die damit bevorstehende Aufnahme von L. williamsi im Anhang A der EU-Artenschutzverordnung bedeuten für Halter und Züchter in Zukunft sehr viel mehr Aufwand, Kosten und Bürokratie, weswegen wohl viele Erhaltungszuchten einbrechen werden. Womöglich kommt es in den nächsten Wochen noch zu regelrechten Panikverkäufen, weil Halter und Züchter die verschärften Auflagen scheuen oder aufgrund von Panikmache sogar Angst vor Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen haben. Wer sich an die geltenden Auflagen hält, hat aber normalerweise nichts zu befürchten (von vereinzelt vorkommender Behördenwillkür einmal abgesehen).

War L. williamsi nicht schon längst geschützt?

Der Himmelblaue Zwergtaggecko war bzw. ist bis jetzt wie erläutert nur im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet und deswegen zwar in Deutschland besonders geschützt, in Nicht-EU-Staaten bislang aber nicht weiter reglementiert. Tansania hat den Export ebenfalls längst verboten, was jedoch Wilddiebe nicht davon abhielt, die Tiere zu schmuggeln und dann – vollkommen legal – außerhalb ihres Herkunftslandes zu verkaufen. Deswegen war ein internationaler Schutzstatus dringend notwendig.

Was bedeutet das für die wildlebenden Populationen?

Schmuggel und Lebensraumzerstörung werden durch den Beschluss wohl leider nicht gestoppt. Immerhin wird der Handel mit illegalen Wildfängen weiterhin und vor allem weltweit erschwert. Aber dafür hätte aus meiner Sicht zunächst auch eine Listung im CITES-Anhang II mit einer Null-Quote für den Export von Wildfängen ausgereicht.

Für den Erhalt der Art ist es mit dem internationalen Schutzstatus allein nicht getan. Der Lebensraum muss in Zukunft ebenfalls besser geschützt werden. Eine nachhaltige Nutzung der Wildpopulationen gab es bei L. williamsi nie. Die Schraubenbäume, auf denen die Geckos leben, wurden von Wilddieben gefällt und die Tiere danach abgesammelt. Immerhin ist der illegale Handel mit der Zeit zurückgegangen, weil immer mehr Exemplare in menschlicher Obhut nachgezüchtet wurden. Da aufgrund der höchsten Schutzkategorie wohl viele Erhaltungszuchten hierzulande aufgegeben werden, könnte der illegale Handel mit Naturentnahmen allerdings wieder lukrativer werden.

Aktuell ist der Himmelblaue Zwergtaggecko noch eine vergleichsweise häufig gehaltene Art in deutschen Terrarien. Dies wird sich meiner Einschätzung nach in Zukunft ändern. Nicht etwa, weil es keine als Nachzuchten deklarierten illegalen Wildfänge mehr gibt (wie manche Artenschützer verlauten lassen), sondern weil viele Betroffene den neuen Schutzstatus als Überregulierung verstehen. Der behördliche Aufwand wird sich im Verkaufspreis widerspiegeln. L. williamsi wird zukünftig wohl nur noch von wenigen Liebhabern gehalten, die den ganzen Aufwand nicht scheuen. Deswegen wäre es für den Erhalt der Art sinnvoll, wenn Züchter ihre Bemühungen z.B. innerhalb von Halterverbänden und Terraristik-Vereinen zukünftig gezielter koordinieren,
vergleichbar den Zuchtbüchern zoologischer Einrichtungen, um möglichst blutsfremde Tiere miteinander zu verpaaren. Der kommerzielle Handel wird aber gewiss anders reagieren und auf andere, nicht geschützte (aber deswegen nicht zwangsläufig weniger gefährdete) Arten wie z.B. Lygodactylus picturatus oder Lygodactylus fischeri zurückgreifen.

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Sonntag, 2. Oktober 2016

Erneut "End-ZEIT-stimmung"

Während derzeit in Johannesburg (Südafrika) die 17. CITES-Artenschutzkonferenz tagt, hat die ZEIT einen Artikel veröffentlicht, in dem wir Terrarianer mit Elfenbeinschnitzern in eine Schublade gesteckt werden: Chinesen lieben Elfenbein, wir quälen Geckos

Einer der Schwerpunkte des Artikels ist die Haltung des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi), welcher demnächst wahrscheinlich einen internationalen Schutzstatus der höchsten Kategorie bekommen wird. Die Haltung dieses inzwischen regelmäßig nachgezüchteten Geckos wird im besagten ZEIT-Artikel auf polemische Art und Weise grundsätzlich kritisiert. Zwar kommt auch eine Züchterin zu Wort, die mit ihren Nachzuchten den illegalen Schmuggel verhindern möchte, der Tenor des Artikels wurde allerdings ganz offensichtlich von den
Personen, die Exotenhaltung hassen und sich als Tierschützer ausgeben übernommen. Leider sind auch einige der Aussagen der besagten Geckohalterin nicht allgemeingültig und werden sicherlich nicht von allen Geckohaltern und -züchtern unterschrieben (z.B. bzgl. Einzelhaltung oder den angeblich immensen Kosten für ein Terrarium).

Es entspricht zwar der Wahrheit, dass der Heimtierhandel bei der besagten Geckoart besonders in den Anfängen des Handels einen negativen Einfluss auf die wildlebenden Populationen ausübte, inzwischen hat sich dies jedoch dank engagierter Halter und Züchter geändert. Lygodactylus williamsi ist keine Rarität mehr in deutschen Terrarien, was einzig und allein daran liegt, dass die Art regelmäßig nachgezüchtet wird. Da sie außerdem innerhalb der EU bereits im Anhang B unter Schutz gestellt wurde, ist ein illegaler Handel mit geschmuggelten Wildfängen zumindest hierzulande mittlerweile eher die Ausnahme (obwohl auf Börsen leider immer noch Exemplare mit der Deklaration
kein Schutzstatus und somit wohl auch ohne die erforderlichen Herkunftsnachweise verkauft werden). Ein internationaler Schutzstatus würde zwar den illegalen Handel weiterhin erschweren, an der fortschreitenden Lebensraumzerstörung, welche die Hauptursache der Gefährdung dieser Geckoart ist, würde sich aber leider wenig ändern.

Die durchaus vorhandenen Probleme wie der illegale Artenhandel rechtfertigen jedoch keinesfalls einen derart diffamierenden Artikel, der stellenweise auch noch fachlich falsche Informationen enthält. Terrarianer wie die im ZEIT-Artikel zitierte Biologin leisten mit ihren Nachzuchten einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz. PETA hingegen behauptet, dass die Gefahr illegaler Schmuggelware sehr viel höher sei und dass Verlustraten beim Transport von Reptilien in Höhe vom bis zu 70 Prozent von der Branche einkalkuliert würden. Diese Aussage lässt sich durch keine unabhängige wissenschaftliche Studie belegen! Davon abgesehen, dass unabhängige Studien zu gänzlich anderen Ergebnisse kamen (Transportmortalität von 1,97 bis 3,88 Prozent [STEINMETZ et al., 1996; MORITZ, 1994]), zeigen selbst tragische Fälle wie ein kürzlich am Flughafen Amsterdam aufgedeckter Reptilienschmuggel die Unwahrheit von PETAs Behauptung: Im besagten Fall lag die Transportmortalität trotz der miserablen Transportbedingungen bei
nur 3,9 Prozent. Die Behauptung, dass es bei kontrollierten legalen Transporten regelmäßig immens höher sein soll, entbehrt somit jeder Grundlage. Einzelfälle wie die bei lediglich einem US-Großhändler von PETA USA ermittelte hohe Verlustraten, die aufgrund menschlichen Versagens vereinzelt natürlich durchaus auch mal bei seriösen Händlern vorkommen können, als allgemeingültige Regel darzustellen, ist unwissenschaftlich. Umso schlimmer, wenn solche Aussagen ohne weitere Recherche von eigentlich unabhängigen Journalisten verbreitet werden! 

Dass Reptilien und andere Tiere in menschlicher Obhut besondere Ansprüche an die Haltung stellen (wie z.B. eine artgemäße Ernährung, technische Ausstattung usw.), ist eigentlich logisch, wird jedoch im besagten ZEIT-Artikel als Grund dafür genannt, auf die Haltung von Reptilien zu verzichten. Mit dieser Logik müsste jede Art von Haus- und Heimtierhaltung abgelehnt werden, denn jedes Tier hat besondere Ansprüche, die es mit dem passenden Zubehör und der richtigen Ernährung zu erfüllen gilt. Würden PETA und ihr neues Sprachrohr die ZEIT einmal dieselben Maßstäbe an die Haltung von sog. „domestizierten Tieren“ anlegen wie an die Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“, gäbe wohl es einen ordentlichen Shitstorm und entsprechende finanzielle Verluste. Argumente gäbe es jedenfalls genug: Tierschutz bei Hunden, Katzen und Pferden verbessern. Stattdessen werden Reptilienhalter ohne triftigen Grund besonders kritisch hervorgehoben und mit Elfenbeinschnitzern in eine Schublade gesteckt. Nun gut, immerhin braucht man für Elfenbein kein besonderes Zubehör und gefüttert werden muss es auch nicht.

Die finale Aussage des ZEIT-Artikels, dass man sich Gedanken über die Herkunft seiner Tiere machen sollte, unterschreibe ich grundsätzlich. Wenn man (z.B. im Internet, auf Börsen oder durch Vereine und Reptilienstammtische) mit Züchtern in Kontakt kommt, von denen man die Tiere als legale Nachzuchten erwerben kann und bei denen man sich durch einen persönlichen Besuch von der legalen und unproblematischen Herkunft der Tiere überzeugen kann, ist dies der aus meiner Sicht der beste Anschaffungsweg. Dass diese Art des Erwerbs ebenso wie die sog. Wildtierhaltung von PETA abgelehnt wird, ist nicht überraschend. Dass jedoch ein unabhängiges Leitmedium einen solchen Standpunkt undifferenziert unter einer polemischen Schlagzeile verbreitet und damit die Meinungsbildung zu Ungunsten der verantwortungsvollen Tierhaltung lenkt, ist erschreckend! Ich fühle mich als verantwortungsvoller Terrarianer, der alle Vorschriften nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt, seine Tiere entsprechend ihres Schutzstatus ordnungsgemäß angemeldet hat und sich darüber hinaus sogar aktiv im Tier- und Artenschutz einsetzt, von der ZEIT, welche mich und Gleichgesinnte schamlos als Tierqler bezeichnet, grundlos persönlich angegriffen!

Aber mit einer Randgruppe wie den Terrarianern kann man es ja machen. Wobei... Warum eigentlich? Wehren wir uns und hinterlassen unsere (sachlichen!) Kommentare unter dem Online-Artikel und auf der Facebook-Seite von der ZEIT.

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