Mittwoch, 12. April 2017

Gefahrtiervorfall in Berlin: Regeln ja, Komplettverbote nein!

Vergangene Woche wurde in Berlin Tempelhof-Schöneberg die Wohnung eines 44-jährigen Mannes geräumt, nachdem die Behörden einen Hinweis über eine mutmaßlich illegale Reptilienhaltung bekommen hatten: Berliner wohnte mit 24 hochgiftigen und schlecht gesicherten Tieren

Breitbandkupferkopf (Agkistrodon contortrix laticinctus)
Symbolbild
 
Wie die Senatsverwaltung inzwischen bestätigte, wurden bei dem Einsatz 24 potenziell gefährliche Terrarientiere sichergestellt, da diese im Teil A der Berliner Gefahrtierverordnung gelistet sind und deren Haltung in Privathand demnach streng verboten ist. Bei den Tieren handelte es sich den Berichten zufolge um einen fünf Meter langer Netzpython (Malayopython reticulatus), der entgegen der oben verlinkten Schlagzeile natürlich nicht hochgiftig ist, einen Dickschwanzskorpion (Parabuthus schlechteri) sowie 22 Giftschlangen (darunter verschiedene Kobras, eine Westliche Gabunviper sowie ein Breitbandkupferkopf). Die Tiere wurden in nicht ausreichend gesicherten Terrarien gehalten. An der Wohnungsräumung war der Verein aktion tier e.V. beteiligt, welcher in Brandenburg ein Reptilienzentrum betreibt, in dem die Tiere zunächst untergekommen sind.

Tierschützer fordern Gefahrtierverordnung

Eine Vermittlung der Tiere in Privathand wäre in Brandenburg zwar durchaus möglich, weil es dort derzeit keine Regelung für die Haltung von gefährlichen Tieren gibt, aktion tier schließt dies jedoch aus. Stattdessen wird eine Vermittlung der Tiere in zoologische Einrichtungen angestrebt. Sollte dies nicht möglich sein, verbleiben die Tiere dauerhaft im Reptilienzentrum.

Gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) äußerte sich der Betreiber der Brandburger Reptilienstation Marko Hafenberg kritisch zur unkontrollierten Haltung von gefährlichen Tieren in Privathand und zog einen Vergleich zum Waffenbesitz. Anzumerken ist, dass der private Schusswaffenbesitz in Deutschland durchaus erlaubt ist, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden (u.a. eine sichere Aufbewahrung der Waffe).


Von den Tierschützern wird daher eine Gefahrtierverordnung mit eindeutigen Regeln gefordert. Erfreulicherweise äußerte sich der Leiter der Auffangstation auch kritisch zu strikten Komplettverboten, weil dadurch Halter in der Anonymität verschwinden würden. Stattdessen solle eine Gefahrtierverordnung auf Erlaubnisvorbehalt und Meldepflicht basieren, damit die Behörden die Gefahrtierhaltungen effektiver kontrollieren könnten.


Das sind Forderungen, die ich durchaus teile, denn nicht jeder sollte sich ohne weiteres irgendwo ein gefährliches Tier kaufen können. Aber ebenso sollten verantwortungsvolle Tierhalter solche Tiere auch weiterhin halten und im Sinne des Arterhalts züchten dürfen. Mit einer sinnvollen Regelung könnten Auffangstationen zudem effektiver entlastet werden, denn nicht jeder Tierart ist für Zoos interessant und die Kapazitäten sind dort ohnehin nicht vorhanden, um jedes beschlagnahmte Tier aufnehmen zu können.

Fazit:

Fehlende Gefahrtierregelungen sind aus meiner Sicht genauso falsch wie überzogene Verbote ohne Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung. Denn dass diese nichts bringen, zeigt der aktuelle Fall in Berlin wieder mal sehr eindrucksvoll. Eine bundeseinheitliche Regelung wäre unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls denkbar. Darauf gehe ich demnächst noch mal in einem separaten Blogpost ein. In einem lesenswerten Artikel im Tagesspiegel äußerte sich bereits der Biologe Andreas Mendt über die Voraussetzungen und Risiken der Haltung von potenziell gefährlichen Terrarientieren: Mein Mitbewohner, der Python

Der bislang nüchterne und sachliche Umgang mit dem aktuellen Gefahrtiervorfall in Berlin seitens des Tierschutzvereins aktion tier e.V. verdient an dieser Stelle auch mal Lob. Ein solches Vorgehen, welches Reptilien- und Gefahrtierhalter nicht unter Generalverdacht stellt, sondern eine gemeinsame Basis schafft, ist am Ende sicherlich sehr viel zielführender als das unsachliche Schüren von Panik durch Aufbauschen solcher Vorfälle unter Forderungen von strikten Haltungsverboten.


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