Freitag, 12. Mai 2017

ZZF fordert Regulierung des Internethandels

Nachdem der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) kürzlich ein Verbot gewerblicher Tierbörsen von den politischen Parteien zur Bundestagswahl 2017 forderte (ich berichtete), geht die Lobbyarbeit in die zweite Runde. Denn inzwischen hat der ZZF ein weiteres gemeinsames Positionspapier mit Tierschutzbund, Pro Wildlife und weiteren veröffentlicht, in dem eine Beschränkung des Internethandels mit Tieren gefordert wird: ZZF fordert zur Bundestagswahl 2017, den Versandhandel mit Tieren zu regeln!

Auf den ersten Blick sind die Forderungen des ZZF bzgl. einer Regelung des Internethandels nicht ganz so abgehoben wie in Bezug auf Tierbörsen. So wie ich die Forderung verstehe, sollen Inserate z.B. in Kleinanzeigenportalen weiterhin erlaubt sein. Nur sollen die Tiere dann nicht mehr per Kurier verschickt werden, sondern die Interessenten müssen die Anbieter persönlich besuchen, damit sich beide Parteien einen Eindruck voneinander verschaffen können. Zitat aus dem Positionspapier:
„Der Online- und sonstige Versandhandel mit Tieren an private Käufer soll […] verboten werden. Tiere dürfen im Internet und in anderen Medien angeboten werden. Aber sie sollten persönlich im Tierheim, bei Tierschutzorganisationen, im Zoofachmarkt oder in der Zuchtstätte des jeweiligen Anbieters übergeben werden.“
Dagegen ist aus meiner Sicht zunächst einmal nichts einzuwenden… auf den ersten Blick. Das Geschäftsfeld der Tierspedition müsste demnach komplett auf den gewerblichen Tierhandel beschränkt werden, denn nur so könnte ein Verbot umgesetzt werden. Ein Verbot des Versands von Tieren zwischen zwei sich bereits bekannten Tierhaltern wird zwar nicht im Positionspapier gefordert, wäre aber die logische Konsequenz, um Schlupflöcher zu vermeiden. Ob das allerdings im Interesse der Speditionen ist und ob der private Tiertransport mit der Bahn oder im überhitzten Auto in jedem Fall besser für das Tier ist, bleibt fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Tiere dann erst recht nicht mehr mit solchen seriösen Tierspeditionen, sondern mit normaler Paketpost verschickt würden. Alles naheliegende Konsequenzen, über die der ZZF und die anderen Vereine in ihrem gemeinsamen Positionspapier leider schweigen.
 

Fazit:

An Forderungen, den Handel auf Börsen oder im Internet zu regulieren, habe ich im Interesse der Tiere zur Vermeidung von Spontankäufen nichts auszusetzen. Aber genau wie die Forderung nach Verboten von gewerblichen Händlern auf Börsen ist die Forderung nach Einschränkungen des Internethandels seitens des ZZF in meinen Augen leider plump und unausgegoren. Börsen und Internet sind in Bezug auf den Handel mit Tieren inzwischen so negativ geprägt, dass Händlerverbände sich davon abgrenzen wollen. Dafür habe ich trotz all der Kritik durchaus Verständnis. Auf mich erweckt das alles aber mehr und mehr den Eindruck, als feuere der ZZF seine Forderungen als Schnellschüsse ab, um aus den nächsten Koalitionsverhandlungen möglichst unbeschadet hervorzugehen und eben selbst nicht von Verboten betroffen zu sein.

Um diesen Eindruck zu beseitigen, gäbe es eine simple Lösung: Wann liefert der ZZF eigentlich ein Positionspapier, in welchem die Missstände im stationären Zoofachhandel thematisiert und Forderungen nach strengeren Auflagen für die eigenen Mitglieder gestellt werden? Der ZZF ist schließlich vom Fach, also wird er doch wohl auch solche Forderungen liefern können. Die bisher mitzeichnenden Vereine wären dann bestimmt auch wieder gerne mit von der Partie...

 
Mehr zum Thema:
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen