Mittwoch, 3. Mai 2017

ZZF spricht sich gegen Tierbörsen aus!

Heute hat der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) ein Positionspapier veröffentlicht, in welchem er ein Verbot gewerblicher Tierbörsen zur Bundestagswahl 2017 fordert. Diese Forderung basiert auf einem gemeinsamen Schulterschluss u.a. mit Pro Wildlife und dem Deutschen Tierschutzbund. Das Positionspapier sowie die zugehörige Pressemeldung gibt es hier: ZZF fordert zur Bundestagswahl 2017: Gewerbliche Tierbörsen abschaffen!

Einen sehr lesenswerten Beitrag zu diesem Ereignis hat auch schon Homoneo.de veröffentlicht.
 
Der Dachverband der deutschen Heimtierbranche hat also nun deutlich Stellung gegen sogenannte „gewerbliche Tierbörsen“ bezogen. Es ist bekannt, dass die Terraristik im Zoofachhandel stark rückläufig ist. Dies geht z.B. aus der Ausgabe 1/2015 des Fachmagazins für die Heimtierbranche „pet“ hervor, in dem die Terraristik als eines der „schwierigsten Segmente der Heimtierbranche“ aufgrund der „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ der Kunden bezeichnet wurde. Weil die meisten Züchter ihre Tiere lieber auf Börsen, statt über den Zoofachhandel als Zwischenhändler verkaufen und die Preise aufgrund fehlender Overheadkosten wie Miete, Personal etc. deutlich niedriger sind als im stationären Zoofachhandel, sind Börsen sicherlich als kostengünstige Alternative zu betrachten, die dem Zoofachhandel die Kundschaft streitig machen. Aufgrund der Preistransparenz auf Börsen und der Möglichkeit, verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen, bieten Börsen Vorteile, die der Zoofachhandel nicht bieten kann und deren Mangel bislang mit kostengünstigen Wildfängen oder Einsparungen beim Fachpersonal kompensiert wurden. Es ist aus wirtschaftlicher Sicht also mehr als nur verständlich, wenn der Zoofachhandel sich gegen Börsen ausspricht. Entscheidend ist, welche Argumente man bedient, um diese Position zu untermauern:

Keine Beratung auf Börsen?

Der ZZF sowie die mitzeichnenden Organisationen sind der Meinung, dass auf Börsen aufgrund des Andrangs keine sachgerechte Beratung sichergestellt werden kann. Auch sei eine Beratung nach dem Kauf nicht mehr möglich.

Wie ich schon zur der letzten Terraristika in einem Pro- und Contra-Artikel zum Thema „Exotenbörsen“ umfangreich dargestellt habe, halte ich die Beratung auf Börsen für qualitativ besser als in vielen Filialen des Zoofachhandels. Das Problem auf Börsen ist, dass die meisten Händler den Käufern eine vorhandene Sachkunde einfach unterstellen und daher meist nur auf Anfrage eine Beratung durchführen. Durch diese etablierte Verkaufspraktik sind Spontankäufe leider durchaus möglich.

Andererseits habe ich schon in vergangenen Artikeln immer wieder mal über meine Erlebnisse als Kunde im Zoofachhandel berichtet. Beispielsweise der Bericht über ein Jemenchamäleon, das monatelang als Ladenhüter in einem sehr kleinen Terrarium hauste und plötzlich, nachdem mein Partner und ich Kaufinteresse äußerten und nach den Papieren fragten, zunächst vertröstet wurden und das Tier kurz darauf aus dem Verkauf verschwand ("Die Papiere bitte!"). Oder aber über meine Suche nach Blasenschnecken für ein 10 Liter Nanoaquarium, die mit der Empfehlung der Verkäuferin endete, doch stattdessen Welse zu kaufen (die für ein solches Minibecken vollkommen ungeeignet gewesen wären!). Man fragt sich, was schlimmer ist: Keine Beratung oder falsche Beratung?

Natürlich sind das nur Einzelfälle und nicht jedes Zoofachgeschäft stellt die Verkaufsinteressen so skrupellos über das Tierwohl. In kleinen, spezialisierten Zoofachgeschäften wird man sehr gut beraten, eben weil man dort mit spezialisiertem Personal zu tun bekommt. In großen Ketten mit häufig wechselndem Tierbestand sieht das aber leider häufig anders aus. Wenn der Zoofachhandel mit Selbstbeschränkungen gegen solche Probleme vorgeht, dann ist das sehr zu begrüßen. Argumente gegen Konkurrenten vorzuschieben, obwohl es in den eigenen Reihen mindestens ebenso berechtigte Kritik gäbe, ist jedoch blanker Hohn.

Um an dieser Stelle noch eine frische Anekdote nachzuschieben: Es ist bemerkenswert, dass das Personal im örtlichen Zoofachhandel immer wieder gerne betont, wie schlimm doch Tierbörsen sind, man diese Leute dann aber selbst vollgepackt auf solchen Veranstaltungen antrifft.

Tierleid durch fahrende Händler?

Ein weiteres Argument beruht auf dem Vorwurf, dass Händler von Börse zu Börse tingeln und der wiederholte Transport insbesondere bei langen Anreisen Tierleid verursacht.

Auch dieses Argument ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen, könnte aber anstelle mit Verboten z.B. durch eine konsequente Beschränkung der Händler auf das nähere Börsenumfeld behoben werden. Dadurch würden auch kaum kontrollierbare Megabörsen mit flohmarktähnlichen Auswüchsen reduziert. Das Argument hinkt allerdings insofern, als dass Vereinsbörsen erlaubt bleiben sollen. Ob nun jemand mit seinen Tieren aus München zu einer gewerblichen Tierbörse nach Hamm fährt oder zu einer regelmäßigen Vereinsbörse nach Paderborn, macht aus Tierschutzsicht keinen Unterschied. Denn Vereine sind mitunter genauso überregional wie gewerbliche Tierbörsen. Schließt man auch diese in die Verbotsforderung mit ein, währen Züchter und Händler dazu gezwungen, ihre Tiere auf anderen Wegen (z.B. im Internet) zu verkaufen. Ob das in jedem Fall tierschutzgerecht wäre, ließe sich nur schwer überprüfen.

Fazit:

Ich hoffe sehr, dass die Börsenbetreiber nun nicht denselben Fehler machen und sich in einem Positionspapier auf ebenso undifferenzierte Art und Weise gegen den Verkauf von Tieren im Zoofachhandel aussprechen – womöglich sogar noch mit einem gemeinsamen Schulterschluss mit Tierhaltungsgegnern. Denn das ist es, was diese Lobby immer wieder geschickt einfädelt: Unterschiedliche Interessenvertreter gegeneinander auszuspielen. Statt auf Basis einer objektiven Herangehensweise eine gemeinsame Grundlage für die durchaus nötigen Verbesserungen in allen Bereichen der Heimtierbranche zu finden, geht die Tendenz leider zunehmend zu immer radikaleren Positionen, mit denen mehr und mehr das Ende der Heimtierhaltung eingeläutet wird. 
Der ZZF hat nun immerhin eine klare Stellung zu dieser Thematik bezogen. 
Zu wissen, woran man ist, ist ja auch schon ein Erfolg.
 
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