Donnerstag, 29. Juni 2017

Gefährliche Tiere: Hoyerswerda schafft Meldepflicht ab

Nachdem die Polizeiverordnung der Stadt Hoyerswerda (Sachsen) am 9. Juni nach 10 Jahren ihre Gültigkeit verlor, trat am 19 Juni eine neue städtische Polizeiverordnung in Kraft: Polizeiverordnung der Stadt Hoyerswerda (2017)

In der neuen Version wurde u.a. die Meldepflicht für gefährliche Tiere abgeschafft. In Sachsen existiert derzeit keine Gefahrtierregelung auf Landesebene, auf kommunaler Ebene können solche Regelungen aber umgesetzt werden. In der vorherigen Version wurde die „Gefahrtierhaltung“ in Hoyerswerda noch folgendermaßen geregelt:
§ 4 Tierhaltung
(2) Das Halten oder der dauerhafte Besitz von Raubtieren, Tieren giftiger Arten, Riesenschlangen sowie anderer Tiere, die ebenso wie diese durch ihre Körperkräfte, Gift oder Verhalten Personen gefährden können, ist der Polizeibehörde unverzüglich anzuzeigen.

Begründet wird die Streichung dieses Passus damit, dass es in den letzten 10 Jahren zu keinen relevanten Vorfällen kam und die Meldepflicht für gefährliche Tiere somit ein zahnloser Papiertiger sei, den man auch nicht (be)halten wolle.

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Dienstag, 27. Juni 2017

Domestikation von Reptilien

Können Reptilien domestiziert werden? Zur Beantwortung dieser Frage muss zunächst einmal geprüft werden, was man unter der sogenannten „Domestikation“ überhaupt versteht. Später werfen wir dann noch einen Blick auf bereits domestizierte Heimtiere und versuchen einen Vergleich zu Reptilien zu ziehen. Bei all den Diskussionen über die Berechtigung bestimmter Formen der Heimtierhaltung wird regelmäßig behauptet, dass sich bestimmte Tiere (u.a. Reptilien) nicht domestizieren lassen und daher nicht für die Haltung in Privathand geeignet seien.

Was ist eigentlich Domestikation?

Wikipedia.de beschreibt die Domestikation folgendermaßen: 
Domestizierung oder Domestikation (zu lateinisch domesticus „häuslich“) ist ein innerartlicher Veränderungsprozess von Wildtieren oder Wildpflanzen, bei dem diese durch den Menschen über Generationen hinweg von der Wildform genetisch isoliert werden. Wildtiere werden durch Domestikation zu Haustieren, Wildpflanzen werden zu Kulturpflanzen. Dadurch und durch die weitere Züchtung wird eine Nutzung durch den Menschen oft erst möglich oder die Nutzbarkeit kann enorm verbessert werden (siehe Nutztier und Nutzpflanze).
Quelle (abgerufen am 27.06.2017)

Das „Kompaktlexikon der Biologie“ von Spektrum.de beschreibt die Domestikation als „durch Zuchtauslese erreichte Umwandlung von […] Wildtieren in Haustiere (Haustierwerdung)“. Quelle

Grundsätzlich ist die Domestikation also als Prozess zu verstehen, bei dem ehemalige Wildtiere zum persönlichen Nutzen des Menschen gezüchtet werden. Das vom Menschen gewünschte Erscheinungsbild sowie die erwünschten Verhaltensweisen werden durch selektive Zucht über Generationen hinweg verstärkt und so in den Nachkommen ehemalige Wildtiere verankert.

Gemäß dieser Definition wäre eine Spezies als domestiziert anzusehen, sobald der Prozess der Selektionszucht zum gewünschten Ergebnis geführt hat und dieses dauerhaft genetisch verankert wurde. Speziell bei der Herausbildung gewünschter Verhaltensweisen ist dies von entscheidender Bedeutung. Eine Spezies ist erst dann als endgültig domestiziert anzusehen, sobald die gezüchteten Exemplare nicht mehr mittels Training/Zähmung zu den gewünschten Verhaltensweisen gebracht werden müssen, sondern diese von Geburt an zeigen. Das bedeutet ferner, dass die arttypischen Verhaltensweisen von Wildtieren erst wieder durch Umkehr der Zucht (z.B. Rückkreuzung) hervortreten.

Ein weiterer Aspekt der Domestikation ist die Schaffung von Hybriden, um gewünschte Resultate zu erreichen. Ein populäres Beispiel dafür wäre das Maultier, eine Kreuzung von Hauspferd und Hausesel.

Gründe für Domestikation

Tiere zu nutzen, ist in der menschlichen Kultur seit etwa 10.000 bis 15.000 Jahren verankert. Eng an die Entstehung der menschlichen Zivilisation war die Entstehung der Landwirtschaft inkl. Kulturpflanzen und Nutztieren gebunden. Aus Jägern und Sammlern wurden sesshafte Landwirte. Einzig der Hund wurde wohl schon vor über 100.000 Jahren vom Menschen als Weggefährte gehalten, also noch bevor unsere Vorfahren sesshaft wurden. Wildtiere wurden nicht mehr nur gejagt, sondern gehalten und gezüchtet. So wurde der Domestikationsprozess bei den ersten Spezies eingeleitet. Ob nun Rinder und Schweine zur Nahrungsgewinnung, Schafe zur Gewinnung von Wolle oder Katzen zum Schutz vor Vorratsschädlingen – nach der Zähmung wurden gewünschte Verhaltensweisen (z.B. Ablegen der natürlichen Scheu vor dem Menschen) und Erscheinungsbilder (z.B. mehr Fleischansatz) mittels Zuchtauslese verstärkt.

Zähmung von Wildtieren

Es muss festgehalten werden, dass die Domestikation auf Zuchtauslese und nicht auf Training basiert. Ob das Zähmen von wildlebenden Tieren bereits als erste Stufe im Domestikationsprozess angesehen werden kann, ist fraglich. Vor allem Individuen, die von Natur aus weniger Scheu vor dem Menschen hatten, wurden für die Selektionszucht verwendet. Bei diesen Exemplaren fiel das Einfangen logischerweise umso leichter als bei scheuen Exemplaren. Nach allgemeinem Verständnis beginnt die Domestikation erst ab der ersten Generation, die in menschlicher Obhut geboren wurde. Aus der Natur entnommene Tiere sind als nicht domestizierte Wildtiere anzusehen, selbst wenn sie vom Menschen erfolgreich gezähmt wurden.

Welche Tiere sind domestiziert?

Auffällig ist, dass sich seit jeher vor allem Säugetiere in Domestikation befinden. Ob nun von Wölfen abstammende Haushunde, von der Afrikanischen Falbkatze abstammende Hauskatzen oder vom Iltis abstammende Frettchen – Säugetiere scheinen besonders häufig erfolgreich domestiziert zu werden. Die Nutzung von Fleisch, Haaren/Häuten oder der Kraft/Fähigkeiten dieser Tiere waren wohl seinerzeit der Hauptantrieb der Domestikation, doch der eigentliche Erfolg der Domestikation lässt sich mit einem Blick auf die kognitiven Fähigkeiten dieser Tierklasse erklären. Säugetiere sind vor mind. 125 Millionen Jahren vom stammesgeschichtlichen Ast der Reptilien abgezweigt und haben die am höchsten entwickelten Gehirne im Tierreich entwickelt. Dies ermöglicht diesen Tieren eine enorme Bandbreite an komplexen Verhaltensweisen und zudem die Fähigkeit zu sozialen Interaktionen mit Artgenossen und sogar Angehörigen anderer Spezies. Dies erleichtert die Domestikation sehr.

Die zweithöchste Hirnentwicklung lässt sich bei Vögeln feststellen, bei denen es sich stammesgeschichtlich gesehen ebenfalls um Reptilien handelt – allerdings um sehr weit entwickelte Reptilien, von denen viele Arten zu komplexem Sozialverhalten fähig sind. Neben diversen Nutztieren wie Haushühnern oder Hausenten werden auch hier einige als domestiziert anerkannte Spezies aus Liebhaberei als Haus- bzw. Heimtiere gehalten (z.B. Wellensittiche, Kanarienvögel usw.).

Überspringen wir an dieser Stelle zunächst mal die Reptilien und auch die Amphibien und widmen uns stattdessen zunächst einer evolutionär gesehen noch älteren Tierklasse: den Fischen. Hier wird die Definition des Vorhandenseins einer Domestikation schon schwieriger. Neben Forellen und anderen Zuchtfischen zur Nahrungsgewinnung werden diverse Zierfische aus Liebhaberei gehalten und gezüchtet. Als domestiziert werden allerdings hauptsächlich Fische bezeichnet, die sich aufgrund der Selektionszucht stark von wildlebenden Artgenossen unterscheiden (Forellen gelten somit gemeinhin als nicht domestiziert). Neben dem Koi-Karpfen ist hier vor allem der Goldfisch zu nennen, welcher sich aufgrund der Zuchtbemühungen stark von seine Urahn dem Giebel unterscheidet.

Doch damit wird auch ein Problem deutlich, wenn man Tiere als domestiziert bezeichnet. Fische unterscheiden sich ebenso wie Reptilien in ihren kognitiven Fähigkeiten massiv von hochentwickelten Säugetieren. Die Zielsetzung der Domestikation von Fischen wie dem Goldfisch war nicht etwa die Schaffung von Tieren, die dem Menschen gegenüber treu ergeben sind und diesen als Sozialpartner akzeptieren, sondern lediglich Liebhaberei.

Die Vorstellung von einer „abgeschlossenen Domestikation“ gerät auch dadurch ins Wanken, wenn man domestizierte Tiere ohne Menschenkontakt aufzieht. Selbst hochentwickelte und als domestiziert geltende Tiere wie Haushunde, Hauskatzen und Hauspferde verhalten sich dann häufig ganz ähnlich wie ihre wildlebenden Artgenossen. Hauskatzen verwildern z.B. recht schnell, wenn sie ohne Einfluss des Menschen aufwachsen. Selbst in menschlicher Obhut lebende Hauskatzen, die einmalig Freigang erlebt haben, lassen sich oft nur schwer von diesem Privileg abbringen. Bei reiner Wohnungshaltung fühlen sie sich gefangen und zeigen Verhaltensauffälligkeiten, die stark an einer abgeschlossenen Domestikation zweifeln lassen, sondern eher an Wildtierverhaltensweisen erinnern.

Daraus wird deutlich, dass prinzipiell noch gar keine Spezies abschließend und endgültig domestiziert wurde. Selbst die Arten, die sich seit mehreren zehntausend Jahren in Domestikation befinden, verhalten sich wie Wildtiere, wenn kein Einfluss des Menschen (Sozialisierung) erfolgt. Viele der gewünschten Verhaltensweisen basieren somit immer noch auf Training/Zähmung der in menschlicher Obhut geborener Exemplare. Wenn die Domestikation jedoch bei keinem Tier endgültig abgeschlossen ist, ist der Zeitpunkt, seitdem sich eine Tierart in Domestikation befindet, offenbar weniger entscheidend als vielmehr die Möglichkeit, eine Spezies mittels Selektionszucht in Aussehen und Verhalten zu manipulieren.

Domestikation von Reptilien

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen zur Domestikation wird deutlich, dass Reptilien ebenfalls seit geraumer Zeit domestiziert werden. Ebenso wie Wellensittich oder Goldfisch werden viele Reptilienspezies aus Liebhaberei (also ohne direkten, wirtschaftlichen Nutzen) als Heimtiere gehalten und gezüchtet. Dies hat bei manchen Arten zu vielen verschiedenen Zuchtformen geführt, die sich optisch stark von wildlebenden Artgenossen unterscheiden und demnach die genetische Isolation als Voraussetzung der Domestikation unterstreichen.

Ebenso wie bei anderen Tieren gibt es auch bei Reptilien Individuen, die weniger Scheu vor dem Menschen zeigen. Durch Selektionszucht kann auch hier eine Grundlage geschaffen werden, die später mittels „Sozialisierung“ der Nachkommen verstärkt werden kann. Denn viele in menschlicher Obhut aufgewachsene Reptilien lernen den Menschen mit der Zeit als positiven Einfluss (Futterquelle) kennen und werden so konditioniert, dass sie keine Scheu mehr zeigen. Damit unterscheiden sich diese Zuchtreptilien in ihrem Verhalten stark von wildlebenden Artgenossen. Aufgrund ihrer eher eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten werden Reptilien aber wohl nie in der Lage sein, den Menschen als Sozialpartner oder Ersatzartgenossen zu akzeptieren. Komplexes Sozialverhalten liegt nach aktuellem Stand der Forschung nun mal einfach nicht in der Natur der allermeisten Reptilien. Durch Gewöhnung und positive Verstärkung sind sie aber in der Lage, den Menschen als nicht bedrohlichen Einfluss in ihrem Leben zu dulden.

Wölfe und Falbkatzen gelten als Kulturfolger, daher fiel es bei diesen Spezies vergleichsweise leicht, sie für menschliche Ziele einzuspannen. Ebenso gibt es unter den Reptilien diverse Arten, die aktiv die Nähe des Menschen suchen, da sie (ebenso wie Wölfe und Falbkatzen) von seinen Hinterlassenschaften und der davon angelockten Nahrung (Mäuse und Ratten) profitieren. Manche dieser Kulturfolger tragen diesen Umstand sogar im Namen (z.B. Hausschlange und Hausgecko).

Hybridzuchten kommen bei Reptilien ebenfalls vor (z.B. Kreuzungen zwischen Kornnattern und Königsnattern), sind aber unter seriösen Terrarianern in der Regel verpönt. Dennoch sind Hybride als eine Form der Domestikation von Reptilien zu bezeichnen. 

Diese Überlegungen lassen sich im Prinzip auch auf Amphibien übertragen, die allerdings stammesgeschichtlich zwischen Fischen und Reptilien stehen und das zu erwartende Ausmaß der Domestikation daher noch stärker begrenzt ist als bei Reptilien. Doch auch hier findet man Hybrid- und Farbzuchten - Indikatoren für den Domestikationsprozess. Beispielsweise wird der Axolotl (Ambystoma mexicanum), welcher natürlicherweise braun-graun gefärbt ist, in verschiedenen Farbvarianten gezüchtet. Teilweise wurden dafür Ambystoma tigrinum eingekreuzt.  

Haustiere contra Heimtiere

Der Unterschied zwischen Haustieren und Heimtieren ist nur schwer herauszuarbeiten. Als Haustiere werden in der Regel Tiere bezeichnen, die erfolgreich vom Wildtierstatus genetisch isoliert wurden, während Heimtiere diejenigen Tiere sind, die nicht domestiziert sind, jedoch dazu geeignet sind, im Heim des Menschen zu leben. So werden z.B. Haushunde und Hauskatzen gemeinhin bei den Haustieren eingeordnet, Reptilien hingegen bei den Heimtieren, da die Abgrenzung zu den wildlebenden Verwandten noch nicht abgeschlossen ist.

Diese allgemeine Unterscheidung birgt jedoch das Problem, dass die fließenden Übergänge bei einem fortschreitendem Prozess wie der Domestikation ignoriert werden. Neben Reptilien sind Wellensittiche dafür ein gutes Beispiel. Wellensittiche werden regelrecht willkürlich mal bei den Haustieren, mal bei den Heimtieren eingeordnet. Streng genommen handelt es sich um Heimtiere, da diese Tiere noch nicht endgültig von der Wildform genetisch isoliert wurden. Erkennt man jedoch die Entstehung von Farbvarianten oder andere Änderungen des Erscheinungsbildes (Schauwellensittich) als genetische Isolation und somit als erforderlichen Übergang vom Heimtier zum domestizierten Haustier an, müssen auch die gezüchteten Farbmorphen von Reptilien als domestizierte Haustiere bezeichnet werden. Gleiches gilt für schuppenlose Zuchtformen (z.B. Scaleless Kornnatter) und Hybride.


Fazit:

Versteht man die Domestikation als einen Prozess, bei dem Tiere durch Selektionszucht den Bedürfnissen des Menschen angepasst werden, stellt man fest, dass sich diverse Reptilienspezies ebenfalls in Domestikation befinden. Sie sind zwar mangels hochentwickelter kognitiver Fähigkeiten nicht in der Lage, den Menschen als Ersatzartgenossen oder Sozialpartner zu akzeptieren, im Rahmen ihrer Möglichkeiten sind einige Vertreter aber mit etablierten Haus- bzw. Heimtieren wie Goldfischen und Wellensittichen zu vergleichen, was den Grad der Domestikation betrifft. Manche Reptilienspezies befinden sich länger in Domestikation als andere. Jedes in Menschenhand geborene Reptil ist jedoch prinzipiell nicht mehr als Wildtier zu bezeichnen. Diese Bezeichnung ist wildlebenden bzw. direkt aus der Natur entnommenen Exemplaren vorbehalten.

Gezüchtete Reptilien befinden sich also nicht weniger in Domestikation als andere in Menschenhand gehaltene Heimtiere. Egal ob Hauskatze, Wellensittich, Bartagame, Axolotl oder Goldfisch – all diese Tiere sind mehr oder weniger domestiziert. Da Übergänge Prozessen immer fließend sind, lassen sich keine Tierarten als domestiziert oder nicht domestiziert scharf von anderen angrenzen.
 
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Mittwoch, 21. Juni 2017

mensch und tier 2/2017 – Titelthema: „Exotenhaltung“

Das Titelthema des aktuellen Vereinsjournals „mensch und tier“ (Ausgabe 2/2017) der Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. lautet: „Exotenhaltung: oft illegal und nicht artgerecht“. Die Onlineversion des Magazins ist hier verfügbar.

In der Vergangenheit trat aktion tier beim Thema „Exotenhaltung“ meinem Empfinden nach regelrecht zwiespältig in Erscheinung. Auf einseitige Kampagnen im Pseudo-PETA-Stil mit nackten Models zum Motto „Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer“ folgten überraschend differenzierte Aussagen in den Medien. Auch im aktuellen Vereinsjournal scheint die Behandlung des Themas ein regelrechter Drahtseilakt für den Verein zu sein.

Exotenhaltung: Reptilienschutzzentrum fordert Sachkundenachweis

In einem inhaltlich grundsätzlich nicht zu kritisierenden Bericht von Sophie Janenko über die Befreiung eines Nilkrokodils aus einem Brandenburger Hobbykeller wird die Forderung nach einem verpflichtenden Sachkundenachweis für Exotenhalter laut. Damit könnte auch aus meiner Sicht Tierleid vorgebeugt werden, denn die unüberlegte Anschaffung ist tatsächlich eine der Hauptursachen für Tierschutzprobleme. Ich finde es absolut legitim, wenn man über die Probleme berichtet, die bei der unüberlegten Anschaffung von Reptilien entstehen können und mit denen Tierschutzvereine regelmäßig konfrontiert werden. Bedauerlicherweise wird der Bogen aber dann doch ein wenig arg überspannt.  
 
So wird erneut das leidige Mantra vorgetragen, dass es besser sei, erst gar keine Reptilien zu halten, weil sie ohnehin nie artgerecht untergebracht werden könnten. Diese Behauptung ist jedoch grundlegend falsch! Die notwendige Sachkunde und das je nach Tierart erforderliche Equipment vorausgesetzt, unterscheidet sich die Reptilienhaltung aus Tierschutzsicht nicht von der klassischen Haustierhaltung. Lehnt man sie aus missverstandener Tierliebe (Artgerecht ist nur die Freiheit) ab, ist die Gefangenschaftshaltung von hochentwickelten, sozialen Raubtieren wie Hunden und Katzen oder Fluchttieren wie Pferden ebenfalls als niemals artgerecht abzuwerten. Derartige Haltungen werden im Magazin „mensch und tier“ jedoch keineswegs abgelehnt, sondern regelrecht promotet – trotz erschreckenden Negativberichten über Langzeitinsassen in Tierheimen oder die Beschlagnahmung von 19 Katzen im Landkreis Teltow-Fläming. Zur Behebung dieser Probleme werden lediglich Mindesthaltungsstandards gefordert, denn anders als bei der Reptilienhaltung gibt es solche für die Katzenhaltung bislang nicht.

Trotz des mehrfach im Magazin thematisierten angeblichen Anstiegs von Exoten in Tierheimen sucht man solche auf den letzten Seiten, auf denen Vermittlungstiere vorgestellt werden, seltsamerweise vergeblich – vorausgesetzt man klammert die Nachkommen der Afrikanischen Falbkatze von dem Label „Exoten“ ausnahmsweise mal aus.

Gefährliche Tiere in Berlin beschlagnahmt

Ein weiterer interessanter Artikel im besagten Heft berichtet über die Beschlagnahmung von mehreren Giftschlangen, einem Skorpion sowie einem Netzpython in Berlin, welche von ihrem Besitzer allesamt illegal gehalten wurden (die Gifttiere dürften in Berlin gar nicht gehalten werden, für den Python bräuchte man eine Genehmigung, die nicht vorlag). Außerdem waren die Tiere nicht ausbruchsicher untergebracht. Die Autorin des Artikels Ursula Bauer kommt am Ende zu der Schlussfolgerung, dass wir dringend eine bundeseinheitliche Gefahrtierregelung benötigen. Diese Forderung unterstütze ich grundsätzlich ebenfalls, weil der Flickenteppich an verschiedenen Regelungen der einzelnen Bundesländer den Vollzug und auch Tierschutzarbeit erschwert. Allerdings halte ich die Berliner Gefahrtierverordnung zu diesem Zweck nicht für vorbildlich, weil sie anschaulich demonstriert, dass sich die schwarzen Schafe von strikten Haltungsverboten ohne Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung sowieso nicht beeindrucken lassen, die verantwortungsvollen Tierhalter, welche z.B. beschlagnahme Tiere adäquat unterbringen könnten und von denen keinerlei Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, mit solchen Regelungen jedoch massiv eingeschränkt werden.

Der letzte Satz von Frau Bauer…
„Es ist Aufgabe des Gesetzgebers dafür zu sorgen, dass niemand durch sein Verhalten andere Menschen beunruhigt oder einer potentiellen Gefahr aussetzt.“
…lässt sich allerdings ebenso auf Pferde und Hunde ab einer bestimmten Körpergröße übertragen. Daher sollte das geforderte „Bundesgefahrtiergesetz“ konsequenterweise auch die Haltung dieser Gefahrtiere einheitlich regeln – insbesondere da sie regelmäßiger in den öffentlichen Raum gebracht werden als Terrarientiere.

Fazit:

Propaganda mit dem Vorschlaghammer gegen die Haltung von exotischen Tieren scheint man bei aktion tier e.V. derzeit zwar nicht (mehr) zu praktizieren, dennoch wird aus einigen Formulierungen im aktuellen Vereinsjournal erneut deutlich, dass der Verein der Exotenhaltung mehr als nur kritisch gegenübersteht. Zumal unter einem der älteren YouTube-Videos dieses Vereins zum Thema Tierbörsen ein Text als Videobeschreibung verwendet wurde, welcher sich mit exaktem Wortlaut auch heute noch regelmäßig unter Medienberichten mit „Exotenbezug“ wiederfindet (siehe hier).

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Dienstag, 20. Juni 2017

Aktuelle Tierschutzkampagne des ZZF

Nachdem der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) vor ein paar Wochen gemeinsam mit Tierhaltungsgegnern in gemeinsamen Positionspapieren Stimmung gegen den Tierhandel auf Börsen und über den Internetversand machte, stellte ich mir als außenstehender Privathalter die Frage, ob es dem ZZF tatsächlich um Tierwohl geht oder doch nur darum, kurz vor der Bundestagswahl im Herbst seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und ganz nebenbei konkurrierende Marktsektoren auszuschalten.

Am 15. Mai ließ ich dem ZZF daher folgende Anfrage zukommen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse las ich Ihre Pressemeldungen und Positionspapiere vom 3. und 9. Mai, in welchen Sie Verbote von gewerblichen Tierbörsen sowie Einschränkungen des Versandhandels mit Tieren fordern. Sie begründen Ihre Forderungen mit der Problematik von Spontankäufen durch nicht sachkundige Personen auf Börsen und im Internet. Nun stellt sich mir aus Tierschutzsicht die Frage, wann mit einem Positionspapier Ihres Verbands zu rechnen ist, in welchem Sie ein Verbot des Verkaufs von lebenden Tieren in Zoofachgeschäften fordern. Schließlich kommt es dort ebenfalls regelmäßig zu Spontankäufen und mangelhafte Beratung seitens der Verkäufer.

Aus meiner eigenen Erfahrung als Kunde des Zoofachhandels kann ich über einige bedenkliche Situationen berichten. Beispielsweise wurden mir in der Filiale einer namhaften Zoofachhandelskette auf Nachfrage nach Blasenschnecken für ein 10 Liter Nanoaquarium Zebrawelse angeboten, die aus Tierschutzsicht für ein solches Becken vollkommen ungeeignet gewesen wären. Nicht sachkundige Kunden hätten das Angebot im guten Glauben wahrscheinlich angenommen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Beratung und Tierwohl werden aufgrund von Kostendruck (Mieten, Mindestlohn?) regelmäßig vernachlässigt.

Wann fordert der ZZF von der Bundesregierung ein generelles Verkaufsverbot von lebenden Tieren in stationären Zoofachgeschäften? Wann ist mit einem entsprechenden Positionspapier zu rechnen?

Mit der Bitte um weitere Informationen.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Nachdem diese Anfrage einige Zeit unbeantwortet geblieben war, hakte noch mal nach und bat erneut um Stellungnahme. Daraufhin wurde mir von der Pressestelle des ZZF sinngemäß mitgeteilt, dass ein Positionspapier gegen den Tierverkauf im Zoofachhandel nicht geplant sei. Ach was…

Der ZZF ist davon überzeugt, dass die Kontrollen der stationären Fachgeschäfte durch die zuständigen Behörden vollkommen ausreichen und daher keine Einstellung des Tierverkaufs im diesen Handelssektor notwendig sei. Zoogeschäfte sind aus Sicht des ZZF eine „geeignete Vermittlungsstelle“ für Tiere. Mir wurde außerdem ans Herz gelegt, dass ich mich im Falle einer tierschutzwidrigen Tierpräsentation zuerst einmal direkt an den Inhaber des Zooladens wenden solle. Schließlich seien suboptimale Haltungsbedingungen im Zoofachhandel manchmal notwendig und daher einfach zu erklären. Wenn das nichts bewirke, könne ich mich an die zuständige Behörde bzw. den zuständigen Amtstierarzt wenden.

Diese Antwort des ZZF ist ja wirklich sehr erstaunlich! Tierschutzwidrige Tierpräsentation im stationären Zoofachhandel sind also gewissermaßen immer nur Einzelfälle, die man sozusagen auf dem „kleinen Dienstweg“ angehen sollte. Mutmaßlich tierschutzwidrige Tierpräsentationen auf Börsen oder im Internet sind hingegen so problematisch, dass sich der Bundesgesetzgeber diesen mittels Verboten annehmen soll? Warum reicht es denn nicht gleichermaßen aus, wenn z.B. Börsenbesucher auffällige Tierpräsentationen den Börsenordnern/-betreibern melden?

Fazit:

Dass der größte Lobbyverband des Zoofachhandels derartige Äußerungen tätigt, war natürlich zu erwarten und die Antwort des ZZF auf meine Anfrage bietet daher keine neuen Erkenntnisse. Dennoch ist noch mal sehr deutlich geworden, dass Tierschutz von diesem Verband meiner Meinung nach mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn wenn Verbote das Allheilmittel sind, müssten sie konsequenterweise auch für den Zoofachhandel gefordert werden. Die Forderungen des ZZF und seiner neuen Partner wurden übrigens am 1. Juni in Berlin auf der ZZF-Tagung „Wir fürs Tier“ erneut gefestigt. Sie zeugen meines Erachtens aber nicht nur von Doppelmoral, sie sind nach meinem Rechtsempfinden auch grob wettbewerbswidrig.

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Freitag, 16. Juni 2017

BfN-Ausschreibung: Analyse des Exotenhandels

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat eine Ausschreibung für ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E-Vorhaben) mit dem Titel „Nachfragereduktionsstrategien von als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“ veröffentlicht. Gesucht wird ein Unternehmen, welches den Exotenhandel analysieren und später Möglichkeiten einer Nachfragereduzierung entwickeln soll.

Der Titel mag zunächst Angst und Bange machen, in der vollständigen Bekanntmachung zur Ausschreibung mit der Vergabenummer: 3517 82 0700 heißt es aber konkret:

„In der ersten Phase ist der Markt mit exotischen Tierarten, die als Heimtiere nach Deutschland importiert und dort vermarktet werden, zu analysieren.“
Dabei sollen die verschiedenen Vertriebswege sowie die Zielgruppen analysiert werden. Entscheidend aber ist, dass sich vorrangig auf den Lebendtierimport beschränkt werden soll. Der Handel mit inländisch „produzierten“ Nachzuchten wird also nicht Hauptgegenstand des Forschungsvorhabens sein. Sicherlich wird es aber trotzdem während der Analysen erforderlich sein, den Anteil an Nachzuchten auf dem Heimtiermarkt zu ermitteln und – sofern die für eine solche Arbeit notwendige wissenschaftliche Objektivität gewahrt wird – mit den Importen ins richtige Verhältnis zu setzen. Ebenso muss bei den Importen zwischen Naturentnahmen und Nachzuchten (z.B. aus Zuchtfarmen) unterschieden werden. Dieser Ansatz geht aber auch aus den Fragestellungen hervor, die in der Ausschreibung genannt werden:
3. a.
b. Stammen diese Tiere aus Zuchten oder handelt es sich um Naturentnahmen?
Da ich selbst hauptberuflich sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch im öffentlichen Dienst tätig bin, bewerte ich die Zielsetzung dieser ersten Phase des F+E-Vorhabens neutral. Als Exotenhalter finde ich eine solche Marktforschung auch gar nicht schlimm. Die mir vorliegenden Zahlen (z.B. Rückgang der Reptilienimporte) und meine Beobachtungen in der „Szene“ (z.B. gehandeltes Artenspektrum, Anteil an Nachzuchten, Farmzuchten und Wildfängen auf dem Markt) versetzen mich in durchaus hoffnungsvolle Stimmung, dass mit den Erkenntnissen eine gezielte Verbesserung des Artenschutzes vollzogen werden kann – wissenschaftliche Objektivität natürlich vorausgesetzt.

Was ich an der 1. Phase allerdings kritisch hinterfrage, ist die Tatsache, dass Meerschweinchen, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Goldhamster und Chinchillas ausgeklammert werden. Aus wissenschaftlicher Sicht wären Erhebungen zu diesen Tieren schließlich nicht minder interessant.

Aus der Ausschreibung geht zwar hervor, dass verschiedene Veröffentlichungen (u.a. von Sandra Altherr, Pro Wildlife e.V.) für die Analysen herangezogen werden sollen, ebenso sollen aber auch die Ergebnisse der Exopet-Studie und Zahlen des ZZF sowie der DGHT berücksichtigt werden. Uns DGHT-Mitgliedern ist es also freigestellt, ob wir uns über das BfN-Forschungsvorhaben aus Angst vor Einschränkungen aufregen oder ob wir selbst wissenschaftliche Arbeit leisten (z.B. Internetportale oder Börsenangebote analysieren) und so dafür sorgen, dass unsere Erkenntnisse ebenfalls beachtet werden. Dies setzt natürlich gewisse Qualifikationen voraus.

Ferner heißt es in der Ausschreibung:

„Basierend auf den Ergebnissen der Phase 1 sind Vorschläge zu machen und Informationsstrategien zu entwickeln, um die Nachfrage nach Arten in Deutschland zu reduzieren. Die Strategien zur Nachfragereduzierung haben sich schwerpunktmäßig auf die durch die Nachfrage im Handel bedrohten Arten zu beziehen.“
Auch hier sehe ich keinen Anlass für Kritik. Vorausgesetzt die Daten werden objektiv erfasst, ist eine Nachfragereduzierung für Arten, die durch den Heimtiermarkt tatsächlich bedroht werden und die nicht über CITES reglementiert sind, zu begrüßen. Vor nicht allzu langer Zeit war noch die Rede von generellen Importverboten. Diese sind bekanntlich ja auch im Koalitionsvertrag der noch amtierenden Bundesregierung verankert. Davon ist man abgekehrt und möchte zunächst einmal Analysen durchführen, um dann nicht etwa Verbote zu beschließen, sondern „Verbraucher“ zu beeinflussen, damit durch den Handel bedrohten Tiere nicht mehr gekauft werden.

Reptilien werden zwar bekanntlich primär durch den Verlust ihrer Lebensräume bedroht, für Exemplare aus kleinen Verbreitungsgebieten oder mit einer langen Generationsfolge kann der Heimtierhandel aber den letzten Sargnagel bedeuten. Als Reptilienfreunde können wir das doch nicht begrüßen... oder? Mit demselben Argument, dass Naturentnahmen nicht so schwer wiegen wie Lebensraumverlust, lassen verantwortungslose Katzenhalter ihre „Freigänger“ auf unsere heimischen Tierbestände los. Schließlich sind es ja nicht die Katzen, die die Tiere ausrotten, sondern der Mensch u.a. mit seiner intensiven Landwirtschaft. Recht haben sie, aber deswegen muss man weitere negative Einflüsse wie streunende Hauskatzen nicht dulden – ebenso wenig wie Wildfänge für den Massenmarkt von bedrohten, jedoch nicht unbedingt geschützten Arten. Entsprechende Analysen und daraus resultierende Aufklärungskampagnen in den sozialen Netzwerken sind daher aus meiner Sicht zu begrüßen – wieder vorausgesetzt es wird keine tendenziöse Stimmungsmache betrieben, sondern gezielt auf die durch das F+E-Vorhaben objektiv ermittelten Probleme hingewiesen. Ich selbst bin für neue Erkenntnisse jedenfalls immer offen.


Fazit:

Die Ausschreibung und das geplante F+E-Vorhaben empfinde ich persönlich nicht als Angriff auf die sog. „Exotenhaltung“. Wenn ein neutrales Unternehmen* den Zuschlag bekommt (also weder eine Tierrechtsorganisation, noch irgendwelche Reptiliengroßhändler), bin ich guter Hoffnung, dass die Ergebnisse ein Gewinn für einen nachhaltigen Handel mit Reptilien sein werden. Und dieser sollte uns Reptilienfreunde doch wohl besonders am Herzen liegen.

Nachtrag: Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (Drs. 18/11544) geht hervor, dass die Ergebnisse des Forschungsvorhabens zur Benennung von Spezies zur Aufnahme in den Anhang D der EU-Artenschutzverordnung genutzt werden sollen.

*Nachtrag vom 20.10.2017: 
Wie ich heute erfahren durfte, hat Pro Wildlife e.V. den Zuschlag bekommen: And the winner is...

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Donnerstag, 1. Juni 2017

Zu Besuch im Sea Life Hannover

Vor ziemlich genau 10 Jahren wurde das Regenwaldhaus der Herrenhäuser Gärten zum Sea Life Hannover umgebaut. Zentrale Teile des Gewächshauses wurden beibehalten und sind seitdem das Alleinstellungsmerkmal zu den anderen Aquarien der laut eigenen Angaben weltgrößten Schauaquarienkette. Im März 2016 wurde dieses zentrale Highlight des Aquariums mit der Themenwelt „Expedition Dschungel“ um einige Exponate aus der Herpetofauna erweitert.

Präsentiert werden derzeit neben Köhlerschildkröten (Chelonoidis carbonarius) und einer Grünen Wasseragame (Physignathus cocincinus) u.a. Kuba-Krokodile (Crocodylus rhombifer):
 

Schienenschildkröten (Podocnemis unifilis):

Blaue Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „Azureus“):

und Pantherchamäleons (Furcifer pardalis):

Ein Warnschild zu Beginn des Dschungelwelt-Rundgangs mit der Aufschrift „Lizards Crossing“ dient nicht zur der Dekoration. Tatsächlich kann man mit etwas Glück frei im Gewächshaus lebende Echsen beobachten. Ich meine mind. einen Anolis roquet identifiziert zu haben, was mir auf Nachfrage bestätigt wurde (ferner wurde mir mitgeteilt, dass sich mehrere freilaufende Große Madagaskar-Taggeckos (Phelsuma grandis) im Regenwaldbereich befinden):
 

In einer sog. „Rangerstation“ werden zudem diverse wirbellose Tiere, darunter Gespenstschrecken, Fauchschaben und Riesenschnurfüßer, ausgestellt, die bei regelmäßigen Vorführungen von den Besuchern hautnah erlebt werden können. Diese Erlebnisstation ist eine sehr schöne Ergänzung zu den bekannten „Berührungsbecken“ der Sea Life Aquarien, an denen z.B. Putzergarnelen und Anemonen unter Aufsicht berührt werden dürfen. Das hautnahe Erleben erzeugt eine emotionale Bindung und somit eine stärkere Sensibilisierung für die Schutzbedürftigkeit wildlebender Arten und ihrer Lebensräume.

Abseits des Regenwald-Themas bietet das Sea Life Hannover (natürlich neben der für Schauaquarien typischen Unterwasserwelt) für herpetologisch interessierte Besucher eine Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) - auch Suppenschildkröte genannt - namens „Oscar“, welche im Ozeanbecken durch den obligatorischen Beobachtungstunnel betrachtet werden kann. Direkt nach dem Einlass widmet sich das Sea Life Hannover dem Lebensraum Leine, dem städtischen Fluss. Auch dort kommen Terrarianer auf ihre Kosten. So werden neben Gelbbauchunken (Bombina variegata)...
 

...auch Jungtiere der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) gezeigt, die im Sea Life aufgezogen und in Kooperation mit dem NABU Niedersachsen wieder in niedersächsischen Gewässern (z.B. am Steinhuder Meer) ausgewildert werden.


Überhaupt haben die Themen Artenschutz und Naturbildung einen sehr hohen Stellenwert im Sea Life. Viele zoologische Einrichtungen sind in diesen Bereichen natürlich ebenfalls sehr aktiv, doch leider wird das Engagement häufig nicht intensiv genug vermittelt. Anders im Sea Life Hannover! Regelmäßig wird man bei seinem Rundgang nicht nur auf die prekäre Situation der ausgestellten Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen hingewiesen, es werden den Besuchern sogar Hinweise mitgegeben, wie schon kleinste Änderungen der eigenen Verhaltensweisen einen Beitrag zum Artenschutz leisten können. Beispielsweise der Kauf von Fischen und Hartholz aus nachhaltigen Quellen, das Recycling von Papier zum Schutz der tropischen Regenwälder und die Reduzierung von Plastikmüll sowie der Verzicht auf Produkte mit Mikroplastik. Konsequenterweise verzichtet das Sea Life Hannover selbst ebenfalls auf die Ausgabe von Plastiktüten im Souvenirshop und achtet auf eine nachhaltige Herkunft der ausgestellten Tiere.

Zum Schutz des Lebensraumes Meer und seiner Bewohner wurde zudem der Sea Life Trust ins Leben gerufen, auf den ich zum Abschluss noch gezielt hinweisen möchte. Dieser unterstützt aktiv andere Organisationen (z.B. gegen den Walfang) und betreibt Projekte beispielsweise zur Rettung von Meeresschildkröten. Weitere Informationen dazu unter: www.sealifetrust.org