Mittwoch, 21. Juni 2017

mensch und tier 2/2017 – Titelthema: „Exotenhaltung“

Das Titelthema des aktuellen Vereinsjournals „mensch und tier“ (Ausgabe 2/2017) der Tierschutzorganisation aktion tier – Menschen für Tiere e.V. lautet: „Exotenhaltung: oft illegal und nicht artgerecht“. Die Onlineversion des Magazins ist hier verfügbar.

In der Vergangenheit trat aktion tier beim Thema „Exotenhaltung“ meinem Empfinden nach regelrecht zwiespältig in Erscheinung. Auf einseitige Kampagnen im Pseudo-PETA-Stil mit nackten Models zum Motto „Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer“ folgten überraschend differenzierte Aussagen in den Medien. Auch im aktuellen Vereinsjournal scheint die Behandlung des Themas ein regelrechter Drahtseilakt für den Verein zu sein.

Exotenhaltung: Reptilienschutzzentrum fordert Sachkundenachweis

In einem inhaltlich grundsätzlich nicht zu kritisierenden Bericht von Sophie Janenko über die Befreiung eines Nilkrokodils aus einem Brandenburger Hobbykeller wird die Forderung nach einem verpflichtenden Sachkundenachweis für Exotenhalter laut. Damit könnte auch aus meiner Sicht Tierleid vorgebeugt werden, denn die unüberlegte Anschaffung ist tatsächlich eine der Hauptursachen für Tierschutzprobleme. Ich finde es absolut legitim, wenn man über die Probleme berichtet, die bei der unüberlegten Anschaffung von Reptilien entstehen können und mit denen Tierschutzvereine regelmäßig konfrontiert werden. Bedauerlicherweise wird der Bogen aber dann doch ein wenig arg überspannt.  
 
So wird erneut das leidige Mantra vorgetragen, dass es besser sei, erst gar keine Reptilien zu halten, weil sie ohnehin nie artgerecht untergebracht werden könnten. Diese Behauptung ist jedoch grundlegend falsch! Die notwendige Sachkunde und das je nach Tierart erforderliche Equipment vorausgesetzt, unterscheidet sich die Reptilienhaltung aus Tierschutzsicht nicht von der klassischen Haustierhaltung. Lehnt man sie aus missverstandener Tierliebe (Artgerecht ist nur die Freiheit) ab, ist die Gefangenschaftshaltung von hochentwickelten, sozialen Raubtieren wie Hunden und Katzen oder Fluchttieren wie Pferden ebenfalls als niemals artgerecht abzuwerten. Derartige Haltungen werden im Magazin „mensch und tier“ jedoch keineswegs abgelehnt, sondern regelrecht promotet – trotz erschreckenden Negativberichten über Langzeitinsassen in Tierheimen oder die Beschlagnahmung von 19 Katzen im Landkreis Teltow-Fläming. Zur Behebung dieser Probleme werden lediglich Mindesthaltungsstandards gefordert, denn anders als bei der Reptilienhaltung gibt es solche für die Katzenhaltung bislang nicht.

Trotz des mehrfach im Magazin thematisierten angeblichen Anstiegs von Exoten in Tierheimen sucht man solche auf den letzten Seiten, auf denen Vermittlungstiere vorgestellt werden, seltsamerweise vergeblich – vorausgesetzt man klammert die Nachkommen der Afrikanischen Falbkatze von dem Label „Exoten“ ausnahmsweise mal aus.

Gefährliche Tiere in Berlin beschlagnahmt

Ein weiterer interessanter Artikel im besagten Heft berichtet über die Beschlagnahmung von mehreren Giftschlangen, einem Skorpion sowie einem Netzpython in Berlin, welche von ihrem Besitzer allesamt illegal gehalten wurden (die Gifttiere dürften in Berlin gar nicht gehalten werden, für den Python bräuchte man eine Genehmigung, die nicht vorlag). Außerdem waren die Tiere nicht ausbruchsicher untergebracht. Die Autorin des Artikels Ursula Bauer kommt am Ende zu der Schlussfolgerung, dass wir dringend eine bundeseinheitliche Gefahrtierregelung benötigen. Diese Forderung unterstütze ich grundsätzlich ebenfalls, weil der Flickenteppich an verschiedenen Regelungen der einzelnen Bundesländer den Vollzug und auch Tierschutzarbeit erschwert. Allerdings halte ich die Berliner Gefahrtierverordnung zu diesem Zweck nicht für vorbildlich, weil sie anschaulich demonstriert, dass sich die schwarzen Schafe von strikten Haltungsverboten ohne Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung sowieso nicht beeindrucken lassen, die verantwortungsvollen Tierhalter, welche z.B. beschlagnahme Tiere adäquat unterbringen könnten und von denen keinerlei Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, mit solchen Regelungen jedoch massiv eingeschränkt werden.

Der letzte Satz von Frau Bauer…
„Es ist Aufgabe des Gesetzgebers dafür zu sorgen, dass niemand durch sein Verhalten andere Menschen beunruhigt oder einer potentiellen Gefahr aussetzt.“
…lässt sich allerdings ebenso auf Pferde und Hunde ab einer bestimmten Körpergröße übertragen. Daher sollte das geforderte „Bundesgefahrtiergesetz“ konsequenterweise auch die Haltung dieser Gefahrtiere einheitlich regeln – insbesondere da sie regelmäßiger in den öffentlichen Raum gebracht werden als Terrarientiere.

Fazit:

Propaganda mit dem Vorschlaghammer gegen die Haltung von exotischen Tieren scheint man bei aktion tier e.V. derzeit zwar nicht (mehr) zu praktizieren, dennoch wird aus einigen Formulierungen im aktuellen Vereinsjournal erneut deutlich, dass der Verein der Exotenhaltung mehr als nur kritisch gegenübersteht. Zumal unter einem der älteren YouTube-Videos dieses Vereins zum Thema Tierbörsen ein Text als Videobeschreibung verwendet wurde, welcher sich mit exaktem Wortlaut auch heute noch regelmäßig unter Medienberichten mit „Exotenbezug“ wiederfindet (siehe hier).

Mehr zum Thema:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen