Dienstag, 20. Juni 2017

Aktuelle Tierschutzkampagne des ZZF

Nachdem der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF) vor ein paar Wochen gemeinsam mit Tierhaltungsgegnern in gemeinsamen Positionspapieren Stimmung gegen den Tierhandel auf Börsen und über den Internetversand machte, stellte ich mir als außenstehender Privathalter die Frage, ob es dem ZZF tatsächlich um Tierwohl geht oder doch nur darum, kurz vor der Bundestagswahl im Herbst seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und ganz nebenbei konkurrierende Marktsektoren auszuschalten.

Am 15. Mai ließ ich dem ZZF daher folgende Anfrage zukommen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse las ich Ihre Pressemeldungen und Positionspapiere vom 3. und 9. Mai, in welchen Sie Verbote von gewerblichen Tierbörsen sowie Einschränkungen des Versandhandels mit Tieren fordern. Sie begründen Ihre Forderungen mit der Problematik von Spontankäufen durch nicht sachkundige Personen auf Börsen und im Internet. Nun stellt sich mir aus Tierschutzsicht die Frage, wann mit einem Positionspapier Ihres Verbands zu rechnen ist, in welchem Sie ein Verbot des Verkaufs von lebenden Tieren in Zoofachgeschäften fordern. Schließlich kommt es dort ebenfalls regelmäßig zu Spontankäufen und mangelhafte Beratung seitens der Verkäufer.

Aus meiner eigenen Erfahrung als Kunde des Zoofachhandels kann ich über einige bedenkliche Situationen berichten. Beispielsweise wurden mir in der Filiale einer namhaften Zoofachhandelskette auf Nachfrage nach Blasenschnecken für ein 10 Liter Nanoaquarium Zebrawelse angeboten, die aus Tierschutzsicht für ein solches Becken vollkommen ungeeignet gewesen wären. Nicht sachkundige Kunden hätten das Angebot im guten Glauben wahrscheinlich angenommen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Beratung und Tierwohl werden aufgrund von Kostendruck (Mieten, Mindestlohn?) regelmäßig vernachlässigt.

Wann fordert der ZZF von der Bundesregierung ein generelles Verkaufsverbot von lebenden Tieren in stationären Zoofachgeschäften? Wann ist mit einem entsprechenden Positionspapier zu rechnen?

Mit der Bitte um weitere Informationen.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Nachdem diese Anfrage einige Zeit unbeantwortet geblieben war, hakte noch mal nach und bat erneut um Stellungnahme. Daraufhin wurde mir von der Pressestelle des ZZF sinngemäß mitgeteilt, dass ein Positionspapier gegen den Tierverkauf im Zoofachhandel nicht geplant sei. Ach was…

Der ZZF ist davon überzeugt, dass die Kontrollen der stationären Fachgeschäfte durch die zuständigen Behörden vollkommen ausreichen und daher keine Einstellung des Tierverkaufs im diesen Handelssektor notwendig sei. Zoogeschäfte sind aus Sicht des ZZF eine „geeignete Vermittlungsstelle“ für Tiere. Mir wurde außerdem ans Herz gelegt, dass ich mich im Falle einer tierschutzwidrigen Tierpräsentation zuerst einmal direkt an den Inhaber des Zooladens wenden solle. Schließlich seien suboptimale Haltungsbedingungen im Zoofachhandel manchmal notwendig und daher einfach zu erklären. Wenn das nichts bewirke, könne ich mich an die zuständige Behörde bzw. den zuständigen Amtstierarzt wenden.

Diese Antwort des ZZF ist ja wirklich sehr erstaunlich! Tierschutzwidrige Tierpräsentation im stationären Zoofachhandel sind also gewissermaßen immer nur Einzelfälle, die man sozusagen auf dem „kleinen Dienstweg“ angehen sollte. Mutmaßlich tierschutzwidrige Tierpräsentationen auf Börsen oder im Internet sind hingegen so problematisch, dass sich der Bundesgesetzgeber diesen mittels Verboten annehmen soll? Warum reicht es denn nicht gleichermaßen aus, wenn z.B. Börsenbesucher auffällige Tierpräsentationen den Börsenordnern/-betreibern melden?

Fazit:

Dass der größte Lobbyverband des Zoofachhandels derartige Äußerungen tätigt, war natürlich zu erwarten und die Antwort des ZZF auf meine Anfrage bietet daher keine neuen Erkenntnisse. Dennoch ist noch mal sehr deutlich geworden, dass Tierschutz von diesem Verband meiner Meinung nach mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn wenn Verbote das Allheilmittel sind, müssten sie konsequenterweise auch für den Zoofachhandel gefordert werden. Die Forderungen des ZZF und seiner neuen Partner wurden übrigens am 1. Juni in Berlin auf der ZZF-Tagung „Wir fürs Tier“ erneut gefestigt. Sie zeugen meines Erachtens aber nicht nur von Doppelmoral, sie sind nach meinem Rechtsempfinden auch grob wettbewerbswidrig.

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