Samstag, 26. August 2017

Handling und Umsetzen von Vogelspinnen

Geschichten, die das Leben schreibt: Kürzlich fragte die Kundin eines hiesigen Lebensmittel-Discounters eine dort arbeitende Verkäuferin nach Handschuhen, die dafür geeignet sind, Vogelspinnen ohne Gefahr eines Bisses umzusetzen. Da mein Lebensgefährte in besagtem Discounter arbeitet, wurde die Kundin von der Verkäuferin auf seine abendliche Arbeitsschicht vertröstet – kam allerdings nicht wieder. Diesen irgendwie absurden Vorfall (es ist ja nicht so, dass wir in Hameln keine Zoofachgeschäfte haben) möchte ich zum Anlass nehmen, das Handling von Vogelspinne zu erklären. Zunächst soll jedoch die Frage geklärt werden, wann und ob das Handling bzw. Umsetzen von Vogelspinne überhaupt notwendig ist:

Handling/Umsetzen von Vogelspinnen nötig?

Foto: NGi (Pixabay)
Bei dem in der Einleitung beschriebenen Kundenwunsch ging es darum, dass das Terrarium der besagten Vogelspinne gereinigt werden und das Tier zu diesem Zweck aus dem Terrarium entnommen werden sollte. Dies ist tatsächlich einer der wenigen Gründe, die ich als ausreichend triftig erachten würde, eine Vogelspinne aus ihrer angestammten Umgebung zu entnehmen. Wobei eine Grundreinigung nicht unbedingt immer notwendig ist. Hat man z.B. in feuchten Terrarien Springschwänze und Weiße Asseln, kümmern diese sich um die meisten Hinterlassenschaften (z.B. Kot, Futtertierreste). In trockenen Terrarien kann man diese Verschmutzungen meist direkt mit einer Pinzette entnehmen. Viele Vogelspinnen (z.B. die Vertreter der Gattungen Avicularia und Caribena) neigen dazu, ihren Kot an die Scheiben des Terrariums zu schießen. Solche Verschmutzungen können z.B. mit ausgedienten Zahnbürsten beseitigt werden ohne dass die Tiere dem Terrarium entnommen und dabei womöglich sogar angestammte Wohnröhren/Gespinste zerstört werden müssen.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass die Entnahme von Vogelspinnen aus ihrer gewohnten Umgebung einen gewissen Stress darstellt, welcher aus meiner Sicht möglichst vermieden werden sollte. Vogelspinnen orientieren sich u.a. mit sog. Orientierungsfäden. Zieht eine Vogelspinne in ein neues Terrarium ein, wird sie die Umgebung erkunden und hinter sich Fäden ziehen, die sie zur Orientierung benutzt. Entnimmt man eine Vogelspinne grundlos aus dem Terrarium und setzt sie später wieder in selbiges hinein, wird sie erneut diese Orientierungsfäden ziehen, was einen gewissen Stress und zumindest eine Vergeudung von Ressourcen darstellt. Aber vielleicht anthropoziere ich hier auch etwas zu sehr. Karin MANNS zeigt in ihrem äußerst lesenswerten aber ebenso umstrittenen Buch „Leben mit Vogelspinnen“ eine andere Seite von Vogelspinnen.

Naturbildung oder die Therapie von Arachnophobie sind aus meiner Sicht zwar durchaus gute Gründe für ein Handling von Vogelspinnen, allerdings werden diese Gründe sehr gerne aus Ausrede von Leuten vorgeschoben, die mit ihren Vogelspinnen als Statussymbol angeben wollen. Vogelspinnenbisse sind zwar in der Regel harmlos für den Menschen, stellen aber dennoch eine vermeidbare Verletzung dar, bergen ein gewisses Infektionspotenzial und können auch für die Tiere gefährlich werden. So manche Vogelspinne wurde schon aus Unachtsamkeit oder vor Schreck fallen gelassen und verletzte sich dabei tödlich.

Andere triftige Gründe für eine Entnahme von Vogelspinnen aus dem Terrarium können z.B. der Zweck der Abgabe, die Sicherung für einen Transport (z.B. im Falle eines Umzugs), das geplante Zusammensetzen für eine Verpaarung, die Geschlechtsbestimmung oder gesundheitliche Kontrolle/Behandlung aber auch das Umsetzen in größere Terrarien sein.

Verschiedene Methoden des Umsetzens:

 

1. Umsetzen per Hand

Die in der Einleitung erwähnte Vogelspinnenhalterin hatte Angst vor einem Giftbiss und suchte daher nach bisssicheren Handschuhen. Eine solche Absicht ist äußerst kontraproduktiv. Wenn die Handschuhe tatsächlich effektiv vor dem Durchdringen von (je nach Vogelspinnenart) bis zu 2,5 cm langen Kieferklauen (Cheliceren) schützen können, fehlt es dem Träger logischerweise am nötigen Feingefühl, welches nötig ist, wenn man eine Vogelspinne mit der „bloßen“ Hand sicher hantieren möchte. Dünnere Handschuhe, die ein für die Spinne sicheres Handtieren theoretisch ermöglichen, dienen hingegen nur der psychologischen Beruhigung, was zwar durchaus auch von Vorteil sein kann, bieten im Falle eines Bisses jedoch keinen Schutz. Nur wenn eine Vogelspinne (z.B. eine Therapie-Spinne) das Handling gewohnt ist, akzeptiere ich persönlich diese Form der Handhabung, sofern es von fachkundigen Leuten praktiziert wird, die ihr Tier kennen und die Körpersprache von Vogelspinnen lesen können. In allen anderen Situationen – so auch bei der oben geschilderten Fragestellung der Discounter-Kundin– sollte auf diese Art des Handlings aus meiner Sicht verzichtet werden.

2. Umsetzen mit einer Pinzette

Manche Halter schwören auf die Pinzette als geeignetes Werkzeug, um Vogelspinnen umzusetzen. Das Problem bei dieser Methode ist, dass der Druck, der beim Ergreifen der Spinne ausgeübt wird, nur schwer dosiert werden kann. Entweder man hält die Spinne zu locker und riskiert so ein Fallenlassen oder muss das Tier unnötig stressen, bis man es endlich gesichert hat oder aber man übt zu viel Druck aus und riskiert so schwere bis tödliche Verletzungen der Spinne.

3. Vogelspinnen-Griff

Eine für den Halter und auch für das Tier eher ungefährliche Methode stellt der sog. „Vogelspinnen-Griff“ dar. Dabei wird je nach Größe der Spinne mit dem Zeige- und/oder Mittelfinger Druck auf den Vorderkörper (Prosoma) der Spinne ausgeübt, um ein Entweichen der Spinne zu verhindern, und der Zwischenraum (Petiolus) zwischen Prosoma und Hinterkörper (Ophistosoma) mit Daumen und Ringfinger fixiert. So kann die Spinne sicher angehoben und umgesetzt werden. Doch auch diese Praktik bedarf Übung, Ruhe und Feingefühl, um für alle Beteiligten verletzungsfrei abzulaufen.
 
4. Umsetzen mittels Dose 
Die aus meiner Sicht beste Methode eine Vogelspinne umzusetzen und zu transportieren stellt das Einfangen der Spinne mit einer Kunststoffdose dar. Sehr gut geeignet für die meisten adulten Vogelspinnen sind dafür Heimchendosen, die praktischweise bereits mit Luftlöchern versehen sind. Verwendet man eine andere Box und ist ein längerer Aufenthalt der Spinne darin geplant, muss man selbst Lüftungslöcher hineinstechen. Sinnvoll ist es dabei, die Löcher von innen nach außen zu stechen, damit die Spinne sich nicht an den dadurch entstehenden hervorstehenden Kanten verletzen kann.

Die Kunststoffbox wird einfach über die Vogelspinne gestülpt und der Deckel anschließend unter die Öffnung geschoben. Alternativ wird der Deckel neben die Box gelegt und diese über den Deckel geschoben, wobei die Spinne der Bewegung der Box folgen wird und auf den Deckel klettert. Beim Verschluss der Dose ist natürlich darauf zu achten, dass man keine Beine der Spinne einklemmt. Zwar können Vogelspinnen ihre Beine mit ein paar Häutungen regenerieren (ausgenommen sind männliche Vogelspinnen nach der Reifehäutung, da diese sich nicht mehr häuten) und die Beine brechen in der Regel an einer Sollbruchstelle ab, weswegen es nur zu einem geringen Verlust an Blut (Hämolymphe) kommt, dennoch sind solche Verletzungen zu vermeiden.
 

5. Umsetzen mittels Einrichtungsgegenständen

Oft können Vogelspinnen auch einfach mit Einrichtungsgegenständen wie z.B. Korkröhren von einem Terrarium in ein anderes überführt werden. Dies stellt in bestimmten Situationen sogar einen geringeren Stress für die Vogelspinne dar, als wenn man das Tier zunächst aus einer Korkröhre heraus traktieren müsste, um es mit einer Dose einzufangen. 

Regel Nr. 1: Ruhe bewahren!

Dieser Artikel wirkt vielleicht ein wenig so, als handele es sich bei Vogelspinnen um potentiell gefährliche Tiere, die mit höchster Vorsicht zu handhaben sind. Tatsächlich liegt mein Interesse weniger beim Schutz der Menschen vor eher harmlosen Verletzungen, sondern vielmehr beim Schutz der Tiere. Tatsächlich sind Vogelspinnen grundsätzlich harmlose Tiere. Lediglich nach Bissen von Ornamentvogelspinnen der Gattung Poecilotheria sind Nachwirkungen dokumentiert, die über längere Zeit andauern (z.B. Übelkeit und Lähmungen von Gliedmaßen). Die dokumentierten Berichte lassen sich aber meist auf eine bereits bestehende Vorerkrankungen oder andere Handicaps der Opfer zurückführen. Wirklich gefährlich sind Vogelspinnen für Nicht-Allergiker nicht. Solange man als Halter Ruhe bewahrt und sich nicht hektisch (aber auch nicht so sachte wie ein potentielles Beutetier) verhält, sind Übergriffe von Vogelspinnen eher die Ausnahme.

Die meisten in der Terraristik und vor allem bei Einsteigern beliebten Vogelspinnen (z.B. aus den Gattungen Brachypelma und Grammostola) gelten als beißfaul und ihre Bisse weisen eine harmlose Bienenstichsymptomatik auf. Speziell neuweltliche Vogelspinnen tendieren eher zu einem Abstreifen ihrer Brennhaare („Bombardieren“ – was lästig ist und auf Dauer zu Allergien führen kann, jedoch in aller Regel ebenfalls harmlos ist) und beißen erst in letzter Konsequenz bei starker Bedrängnis zu. Auch die häufig heraufbeschworene Aggressivität mancher Arten (z.B. Cyriopagopus lividus) lässt sich zumeist mit mangelhaften Haltungsbedingungen und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten erklären.
 

Samstag, 19. August 2017

„Trockenbrut“ über Wasser oder feuchtem Substrat?


Stefan Broghammer von M&S Reptilien erklärte am 20. Juli in einer Folge seiner YouTube-Sendung „Reptil TV - Technik“ die verschiedenen Methoden zur Inkubation von Reptilieneiern. Dabei stellte er auch eine von ihm als „Trockenbrut“ bezeichnete Methode vor. Bei dieser „trockenen“ Inkubation werden die zu inkubierenden Reptilieneier nicht direkt in feuchtes Brutsubstrat eingebettet, sondern auf durchlässigen Oberflächen (z.B. Gittern) über Wasser bzw. alternativ über feuchtem Brutsubstrat inkubiert, ohne dieses selbst zu berühren. Dabei stellte sich die Frage, ob die für die Eier verfügbare relative Luftfeuchtigkeit über einer Wasseroberfläche oder über feuchtem Brutsubstrat höher ist – welche dieser beiden Methoden also eher empfohlen werden kann:

  

Auch mein bevorzugter Inkubator (siehe Produkttest) bietet mit seinem mitgelieferten Zubehör die Möglichkeit einer „trockenen Inkubation“ von Reptilieneiern, die ich selbst allerdings noch nie praktiziert habe. Befürworter gibt es laut Herrn Broghammer für beide Varianten der Trockenbrut, was eine kurze Sicht der etablierten Reptilienforen bestätigte. Für die Inkubation über Wasser spricht, dass die Feuchtigkeit direkt vom Wasser abgegeben wird und nicht dazu neigt, sich im Brutsubstrat zu binden - denn dort will man sie ja im Gegensatz zur Feuchtbrut nicht haben. Für die Inkubation über feuchtem Brutsubstrat (z.B. Vermiculit) spricht hingegen, dass dadurch die Oberfläche vergrößert wird, wodurch die zu erwartende abgegebene Feuchtigkeit (Verdunstungsrate) ebenfalls höher liegen sollte. Welche der beiden Methoden tatsächlich effektiv mehr Feuchtigkeit an den Luftraum mit den Eiern abgibt, habe ich mit folgendem Versuch geprüft:

Versuchsaufbau

Zwei baugleiche Kunststoffbehälter mit einer definierten Wassermenge (100 ml) mit und ohne Brutsubstrat (40 g Vermiculit) wurden gewogen und anschließend im geöffneten Zustand für 6 Tage bei 25 °C belassen. Täglich wurden die Behälter gewogen und der prozentuale Masseverlust ermittelt. Diejenige Methode, mit der höheren prozentualen Verdunstungsrate ist demnach als die Methode anzusehen, welche den Reptilieneiern theoretisch eine höhere relative Luftfeuchtigkeit bietet.

Ergebnisse

Der prozentuale Masseverlust bei dem mit Wasser gefüllten Behälter betrug nach 6 Tagen 79,1 Prozent, während die Verdunstungsrate beim Vermiculit-Behälter 78,8 Prozent betrug. Demnach lässt sich kein signifikanter Unterschied bei der Verdunstungsrate feststellen.

Diskussion
Bei der „trockenen Inkubation“ ist keine der beiden Varianten als die effektivere Inkubationsmethode anzusehen. Mit diesem Versuch wurde lediglich das Potenzial der Wasserabgabe ermittelt. Fraglich bleibt, ob dieses Verdunstungspotenzial überhaupt entscheidend ist oder ob die relative Luftfeuchtigkeit in einem geschlossenen System wie einem Brutbehälter davon gar nicht verändert wird. Schließlich ist die Luftfeuchtigkeit abhängig von der Temperatur auf einen bestimmten Wert limitiert. Hätte eine der beiden Methoden zur „Trockenbrut“ eine signifikant höhere Verdunstungsrate ergeben, hätte ich in einem zweiten Versuch mittels Hygrometern ermittelt, ob die Luftfeuchtigkeit davon überhaupt beeinflusst wird oder ob sie – sobald sie das bei der jeweiligen Temperatur mögliche Maximum erreicht hat – bei beiden Varianten identisch ist und konstant bleibt. Da aber im ersten Versuch bereits deutlich wurde, dass gar kein Unterschied bei der Verdunstungsrate besteht, erübrigen sich weitere Versuche.

Fazit:

Bei gleichen Inkubationsbedingungen ist die Feuchtigkeitsabgabe von Wasser mit der von feuchtem Vermiculit nahezu identisch. Sparsamer ist daher der Verzicht auf Vermiculit, wenn man sich schon für die „Trockenbrut“ entscheidet. Nicht umsonst wird diese Inkubationsmethode auch als „substratlose Inkubation“ bezeichnet. 

Samstag, 5. August 2017

EXOPET-Studie: Erste Ergebnisse veröffentlicht

Die ersten Ergebnisse der Forschungsarbeit „Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand: Situationsanalyse, Bewertung und Handlungsbedarf insbesondere unter Tierschutzaspekten“ (EXOPET-Studie) wurden in einem 2. Zwischenbericht veröffentlicht und können in der Projektträger-Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgerufen werden: Förderkennzeichen: 2815HS014

Der 2. Zwischenbericht ist in drei Teile unterteilt: In Teil 1 findet man die Methodik der Studie, Teil 2 stellt die Ergebnisse zu den Handelswegen dar und Teil 3 bezieht sich primär auf die Haltungsbedingungen bei Tierhaltenden inkl. den Ergebnissen der Online-Befragung.

Zusammengefasst lässt sich ableiten, dass sich die Haltungsbedingungen von Reptilien und Amphibien größtenteils im grünen Bereich befinden. Dies wird von den Autoren der Studie darauf zurückgeführt, dass sich vor allem Tierhalter aus den Reihen der Fachverbände beteiligten. Zitat aus dem Bericht:
Bei der Reptilienhalterumfrage lag eine gewisse Unausgeglichenheit der erhobenen Daten vor, da eine hohe Beteiligung (etwa ein Drittel) von in Vereinen organisierten Teilnehmern verzeichnet werden konnte.
Als Grund dafür wird die fehlende Bereitschaft des Zoofachhandels genannt, sich einzubringen und z.B. Informationsflyer zur EXOPET-Studie an seine Laufkundschaft zu verteilen. Es ist schon sehr bezeichnend, dass sich der Handel nur widerwillig an der Studie beteiligte, wie mehrfach im Bericht betont wird. Nach all den Aktionen des Zoofachhandels in letzter Zeit (sei es der Verzicht auf Reptilienverkäufe oder die aktuelle Tierschutzkampagne des ZZF) hätte ich nicht damit gerechnet, dass sich der Handel so verhält, als hätte er Dinge zu verbergen. Bis zum Abschluss des Projekts soll nun der Zoofachhandel verstärkt mit ins Boot geholt werden.

Aus den Ergebnissen geht jedoch auch hervor, dass Abweichungen von den zugrundeliegenden empfohlenen Haltungsparametern ebenfalls auftreten. Da aufgrund des hohen Datenvolumens allerdings der Schwerpunkt zunächst nur auf die häufigsten im Rahmen der Halterbefragung aufgeführten Tierarten gelegt wurde (und somit auf die Arten, die aufgrund ihrer Häufigkeit logischerweise auch häufiger schlecht gehalten werden), ist dieses Resultat nicht verwunderlich. Haltungsverbote und Positiv- sowie Negativlisten wurden von den Studienteilnehmern als nicht zielführend angesehen, was sich auch mit der Meinung der beteiligten Expertengruppen deckt. Ergänzend dazu steht im Bericht:
Letzteres wird auch dadurch untermauert, dass auch bei „einfacher zu haltenden Arten“ deutliche Haltungsdefizite im Rahmen der Studie gefunden wurden. In der Expertengruppe war man sich weiterhin einig, dass ein Handlungsbedarf nicht nur bei der Haltung exotischer Tiere, sondern generell bei allen in Privathand gehaltenen Wirbeltieren einschließlich domestizierter Haus-, Heim- und Hobbytiere besteht.
Zu diesem Zweck werden u.a. eine Überführung der Mindesthaltungsrichtlinien in verbindliches Recht, ein TÜV für Tierbedarf sowie ein verpflichtender Sachkundenachweis als zielführende Lösungen zur Verbesserung des Tierschutzes eingestuft. Wörtlich heißt es im Fazit des Berichts:
Die in der bisherigen Auswertung der großen Datenmenge erhaltenen Ergebnisse zeigen, dass eine artgemäße und verhaltensgerechte Haltung von fremdländischen und einheimischen Amphibien, Reptilien und Vögeln als Heimtiere grundsätzlich möglich ist. Es ist allerdings auch nicht abzustreiten, dass Probleme bis hin zu eklatanten Missständen auftreten können. Der aus Sicht der Projektteilnehmer aussichtsreichste Ansatzpunkt zur Verbesserung der Haltung liegt in der Vermittlung von Sachkunde und damit der Verbesserung der Halterkompetenz.

Fazit:

Grundsätzlich belegen die ersten Ergebnisse der EXOPET-Studie, dass die sogenannte Exoten- oder Wildtierhaltung nicht so dramatisch ist, wie es radikale Tierhaltungsgegner gerne behaupten und dass die durchaus vorhandenen Probleme wie mangelhafte Haltungsbedingungen, falsche Ernährung etc. mit Verbesserungen der Tierhalterkompetenz eher behoben werden können als mit Haltungsverboten. Ob und in welcher Weise die Bundesregierung die noch folgenden Abschlussergebnisse bei Gesetzgebungsvorhaben berücksichtigen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber zumindest wird den Kritikern, die mit einseitiger Propaganda und Desinformation (z.B. zu Importzahlen) arbeiten, mit den Ergebnissen dieses unabhängigen Forschungsvorhabens gehörig Wind aus den Segeln genommen. Vielleicht der Grundstein, das Wohl von exotischen Heimtieren nachhaltig zu verbessern? 
Wir werden sehen...
 
Mehr zum Thema:
 

Dienstag, 1. August 2017

Sonderausstellung „Spinnen & Skorpione“ im Museum Koenig (Bonn)

Vom 23. März bis zum 30. Juli wurde im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn die Sonderausstellung „Spinnen und Skorpione – Eine Erfolgsgeschichte der Evolution“ von Dieter Scholz präsentiert, die ich am vergangenen Sonntag noch kurzfristig besuchen konnte.


Gleich zu Beginn begrüßte, neben einem überlebensgroßen Kreuzspinnenmodell, eine naturgetreue Nachbildung einer männlichen Zwerg- bzw. Baldachinspinne (Walckenaeria acuminata) in 100facher Vergrößerung die Besucher, welches von der Designerin Julia Stoess angefertigt wurde.

Modell einer Walckenaeria acuminata von Julia Stoess

Herzstück der Sonderausstellung waren 80 Terrarien mit unterschiedlichen Vertretern der Klasse Arachnida. Der Schwerpunkt lag dabei deutlich auf den Vogelspinnen (Theraphosidae) und dabei vor allem auf den Gattungen Brachypelma und Poecilotheria. In einem Terrarium wurde z.B. die erfolgreiche Gruppenhaltung von Poecilotheria smithi präsentiert. Auch eine Brachypelma boehmei x emilia, also eine Hybridkreuzung, war vertreten. Die Gattung Theraphosa wurde mit ihren drei derzeit bekannten Arten (T. apophysis, T. blondi und T. stirmi) präsentiert und demonstrierte anschaulich, dass diese Tiere die Trivialbezeichnung „Riesenvogelspinnen“ absolut zu Recht tragen.
 
Terrarien mit allen drei Theraphosa-Arten

In einem Terrarium, welches laut Beschriftung eine weibliche Ceratogyrus marshalli enthielt, wimmelte es nur so von Spiderlingen (das adulte Tier war nicht zu sehen) und in einem Avicularia-Terrarium konnten ebenfalls einige Jungtiere entdeckt werden.
 
Jungtiere von Ceratogyrus marshalli

Neben all den Vogelspinnen rundeten Skorpione wie Opistophthalmus pallipes und Smeringurus vachoni, Geißelspinnen, ein Geißelskorpion, Krabbenspinnen sowie ein Walzenspinnen-Terrarium den Lebendtierbestand ab.

Opistophthalmus pallipes

Nephila pilipes in
Freilufthaltung

Kritik könnte man lediglich bei der Beschriftung der Terrarien äußern. Diese trugen lediglich den wissenschaftlichen Artnamen sowie das Herkunftsland als Information zum Inhalt. Die naturnahe Terrarieneinrichtung verschaffte zwar einen tollen Eindruck vom Lebensraum der Tiere, dennoch wären weiterführende Informationen zu den ausgestellten Arten wünschenswert gewesen. Auf großformatigen Informationstafeln wurden zwar interessante Infos über die Lebensweise von Spinnentieren und zu speziellen Themen wie Arachnophobie oder die Gewinnung von Spinnenseide vermittelt, explizite Infos zu den ausgestellten Tieren waren dort aber leider nicht immer zu finden. Da mir selbst als „Spinnen-Freak“ nicht alle wissenschaftlichen Artnamen geläufig sind, wären deutsche Trivialnamen für eine grobe Einordnung und weitere Infos für ein schnelleres Auffinden der Tiere in den Terrarien hilfreich gewesen.

Das ist allerdings schon Kritik auf hohem Niveau, die mit Höhepunkten wie der Freilufthaltungen von Opuntienspinnen (Cyrtophora citricola) und Nephila pilipes, einem Fossil von Megarachne sowie einem dreidimensionalen Nachbau eines Ausschnitts des Kupferstiches von Maria Sybilla Merian aus dem Jahre 1705, welcher Carl von Linné zu dem Artnamen Aranae avicularia veranlasste und so den Begriff „Vogelspinne“ prägte, allemal wettgemacht wurde.
 
Rekonstruktion des bekannten Vogelspinnen-Kupferstichs
von Maria Sybilla Merian aus dem Jahr 1705


Ein Terrarium mit Großen Zitterspinnen (Pholcus phalangioides), die sich in vielen hiesigen Haushalten ebenfalls in „Freilufthaltung“ befinden, ein Kino mit einer Spinnendokumentation sowie eine kleine aber feine Galerie mit Makrofotos sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben.
 


Wer die Sonderausstellung verpasst hat, muss sich nicht grämen. Das Museum Koenig ist auch so immer einen Besuch wert. Im Untergeschoss findet man z.B. ein sehenswertes Vivarium. Herpetologisch interessierte Besucher kommen dort u.a. mit Ringelnatter (Natrix natrix), Schwarzgepunkteten Winkerfröschen (Staurois guttatus) und Schneckenfresser-Schildkröten (Malayemys subtrijuga) auf ihre Kosten. Geduld lohnt sich, da sich manche Tiere nicht sofort offenbaren. Aber den geschulten Augen eingefleischter Terrarianer entgehen auch die mitunter gut getarnte Paradies-Schmuckbaumnatter (Chrysopelea paradisi) oder die Vietnamesischen Moosfrösche (Theloderma corticale) nicht.