Montag, 23. Oktober 2017

F+E-Vorhaben „Exotenhandel“: And the winner is…

Wir erinnern uns: Im Juni dieses Jahres schrieb das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E-Vorhaben) mit dem Titel „Nachfragereduktionsstrategien von als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“ öffentlich aus (ich berichtete: BfN-Ausschreibung: Analyse des Exotenhandels).

Kurz zusammengefasst beinhaltet das F+E-Vorhaben in seiner ersten Phase Analysen des Handels mit sog. exotischen Wildtieren mit seinen Vertriebswegen und Herkunftsquellen. In einer zweiten Phase soll die Nachfrage von denjenigen Arten reduziert werden, die durch den Handel bedroht werden. Dazu sollen Öffentlichkeitsarbeit und „Kundenbeeinflussung“ (auch in den sozialen Medien) einerseits und andererseits marktsteuernde Strategien auf politischer Ebene (beispielsweise zur Unterstützung der Forderung nach einem „EU-Lacey-Act“ oder mittels Regulierung in den Anhängen der geltenden Artenschutzregelungen) genutzt werden.

Ich vertrat damals (und prinzipiell auch heute noch) die Meinung, dass wir seriösen Terrarianer in Anbetracht objektiver wissenschaftlicher Erhebungen und darauf begründeten Regulierungen des Handels nichts zu befürchten haben. Nun ist es mit wissenschaftlicher Objektivität allerdings so eine Sache…

Fälschung und Betrug sind vermutlich so alt wie die Wissenschaft selbst. Universitäten und unabhängige Forschungseinrichtungen haben „Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis“ implementiert, um gegen wissenschaftliches Fehlverhalten vorzugehen. Es gibt allerdings auch Institutionen, die für Studien gezielt beauftragt werden, um den jeweiligen Auftraggebern die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Dabei werden dann gerne mal Datenerhebungen manipuliert, Untersuchungszeiträume verkürzt, sobald unbequeme Daten auftauchen, die Methodik im laufenden Verfahren umgestellt, nicht repräsentativen Einzelfalldaten mittels Hochrechnung eine Allgemeingültigkeit unterstellt usw.

Deswegen sollten insbesondere Forschungsergebnisse von öffentlichem Interesse auf objektiven Erhebungen beruhen. Dies kann nur sichergestellt werden, wenn unabhängige Institutionen ohne Lobbyinteressen und ideologische Motive die Analysen durchführen. Dürfte dies im Falle einer Marktanalyse des Exotenhandels angenommen werden, wenn die Analysen beispielsweise direkt durch die Zoofachhandelslobby oder einen Veranstalter von Exotenbörsen durchgeführt werden würden? Objektiv betrachtet wohl eher nicht. Und wie sähe es aus, wenn ein Artenschutzverein den Zuschlag bekäme, der in der Kritik steht, mit falschen Zahlen die politische Meinung zu manipulieren? Wohl auch eher nicht...

Ob die hier geforderte Objektivität gegeben ist, bleibt abzuwarten, denn Pro Wildlife e.V. hat den Zuschlag für die Durchführung der Marktanalysen und die Entwicklung der „Nachfragereduktionsstrategien“ erhalten!

Dies habe ich aus vertrauenswürdiger Quelle erfahren. Auf die Ausschreibung beworben hatten sich den mir vorliegenden Informationen zufolge neben Pro Wildlife nur noch die DGHT zusammen mit dem WWF-Artenschutzprogramm TRAFFIC. Pro Wildlife erhielt letztlich den Zuschlag, obwohl beide Angebote qualitativ gleichwertig waren. Das von Pro Wildlife eingereichte Angebot war jedoch kostengünstiger und musste demnach – den EU-weit vorgeschriebenen Kriterien für öffentliche Ausschreibungsverfahren folgend – das Rennen machen. Die Kosten für das DGHT/TRAFFIC-Angebot überstiegen ohnehin den geplanten finanziellen Rahmen des BfN.

Fazit:

In einigen grundsätzlichen Dingen vertrete ich eine ähnliche Meinung wie Pro Wildlife und auch die Auftritte der Mitbegründerin dieses Vereins Sandra Altherr bei einigen von mir verfolgten politischen Veranstaltungen ließen stellenweise durchaus differenzierte Züge erahnen. Andererseits sind die regelmäßig aufgestellten Falschbehauptungen z.B. über das Sortiment auf Tierbörsen oder eine mutmaßlich angenommene illegale Herkunft von Tieren in Internetanzeigen nicht vergessen.

Ich bin daher sehr gespannt, was für Ergebnisse Pro Wildlife vorlegen wird und wie diese zur Nachfragereduzierung genutzt werden.


Sonntag, 22. Oktober 2017

EU: Importstopp für Kaiserskorpione, Chamäleons & Phelsumen

Im Amtsblatt der EU L271/7 vom 20. Oktober wurde mit der Veröffentlichung der „Durchführungsverordnung (EU) 2017/1915 der Kommission vom 19. Oktober 2017 zum Verbot der Einfuhr von Exemplaren bestimmter Arten wild lebender Tiere und Pflanzen in die Union“ für einige für die Terraristik relevanten Tierarten ein Importverbot in die Europäische Union verhängt.
 
Betroffen sind davon unter anderem der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) aus Ghana. Nachdem Benin und Togo bereits im Jahr 2013 einen Exportstopp für diese besonders geschützte und seinerzeit in der Terraristik noch sehr beliebte und im Handel weit verbreitete Skorpionspezies verhängte, verschwand P. imperator trotz der immer wieder propagierten leichten Nachzüchtbarkeit zunehmend aus den privaten und gewerblichen Terrarien. Tatsächlich werden Kaiserskorpione inzwischen nur noch zu sehr hohen Preisen gehandelt, während sie vor ein paar Jahren noch zum Standardsortiment (um nicht zu sagen zur „Wegwerfware“) nahezu jedes Zoofachgeschäfts mit Terraristikabteilung gehörten. Der durchschnittliche Handelspreis lag damals bei 15-20 Euro für ein adultes Exemplar, heutzutage werden Zuchttiere für 60 bis weit über 100 Euro gehandelt, was zeigt, dass die Nachfrage höher ist als das Angebot an Nachzuchten. Skrupellose Händler verkaufen mittlerweile sogar asiatische Riesenskorpione der Gattung Heterometrus als afrikanische Kaiserskorpione, um vom Wertanstieg und der Naivität einiger Käufer zu profitieren.

Möglich war bislang auch noch der Handel mit Ranching-Kaiserskorpionen aus Ghana, welche momentan noch zu eher moderaten Preisen (ca. 30 Euro) im Handel zu finden sind. Ob es sich bei jenen Farmzuchten tatsächlich um solche handelt, darf allerdings in nicht wenigen Fällen bezweifelt werden. Ghana diente immer wieder als legaler Ausfuhrstaat für illegal in Togo und Benin gefangene Kaiserskorpione, welche als Farmzuchten deklariert in die EU eingeführt wurden. Diese Problematik hat inzwischen wohl auch eine wissenschaftliche Prüfgruppe der Europäischen Kommission erkannt, weswegen der Import von Kaiserskorpion-Farmzuchten aus Ghana mit der besagten Durchführungsverordnung nun verboten wurde.

Des Weiteren wurde der Import von Vierhornchalämeons (Trioceros quadricornis) aus Kamerun, von Fischers Chamäleons (Kinyongia fischeri) und Zweihornchamäleons (Kinyongia tavetana) aus Tansania sowie von den madagassischen Taggeckos Phelsuma borai, Phelsuma gouldi und Phelsuma hoeschi untersagt.

Aufgehoben wurden wiederum Importverbote von diversen madagassischen Arten aus den Chamäleongattungen Calumma und Furcifer, den Geckogattungen Phelsuma und Uroplatus (Blattschwanzgeckos), der Madagaskar-Buntfroschgattung Mantella sowie einigen weiteren Arten des Anhangs B aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie beispielsweise Boa constrictor aus Honduras. Diese waren noch im Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2015/736 zu finden, welche mit der neuen Durchführungsverordnung außer Kraft gesetzt wird.

Die vollständige Artenliste ist dem Anhang der oben verlinkten Durchführungsverordnung zu entnehmen, welche am 9. November 2017 in Kraft tritt.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wohnungsbrand: Giftschlange im Haus?

Wohnungsbrand (Symbolbild)
Wie unsere örtliche Tageszeitung DEWEZET berichtet, kam es gestern Morgen in einer Hamelner Wohnung zu einer Rauchentwicklung. Die Ursache war nicht etwa ein vergessener Topf auf einer Herdplatte, sondern eine geplatzte Glühlampe in einem Terrarium, wodurch das darin enthaltene Einstreu in Brand geriet. Als Nachbarn die Rauchmelder hörten, riefen sie die Feuerwehr, welche den Entstehungsbrand den Berichten zufolge schnell löschen konnte. Als die Einsatzkräfte den Hinweis bekamen, dass es sich bei dem entwichenen Terrarientier wahrscheinlich um eine Schlange handelte, entstand die Sorge, dass womöglich nun eine Giftschlange im betroffenen Mehrfamilienhaus herumkriechen könnte. Erst als der 30-jährige Bewohner von der Polizei an seiner Arbeitsstätte angetroffen wurde, konnte Entwarnung gegeben werden: Bei der Schlange handelte es sich um eine vollkommen harmlose Königsnatter.

Warum ist dieser Vorfall interessant für einen Blogpost?

Rauchentwicklung ist Wohnungen ist Feuerwehralltag und auch tierische Einsätze sind in der Regel eher Banalitäten. Verdient ein Vorfall mit einer harmlosen Natter, bei der es sich theoretisch auch um einen Goldhamster hätte handeln können, überhaupt die Aufmerksamkeit eines seriösen Blogs fernab der Sensationspresse?

Durchaus, denn der Vorfall zeigt, wie vernünftig es ist, seine Terrarien zu beschriften. Was für Gifttierhalter ohnehin Pflicht sein sollte, kann auch für Otto Normalterrarianer sinnvoll sein. Denn leider kann wohl jeder von uns in eine ähnliche Situation geraten – auch dann, wenn die Terrarien sicher verschlossen sind, der Bodengrund feuerfester ist als beispielsweise (für die Reptilienhaltung ohnehin eher ungeeignetes) Kleintier- oder Holzspaneinstreu und auf Leuchtmittel zurückgegriffen wird, die im Falle eines Ausbrennens nicht gleich platzen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht und ein Wohnungsbrand muss ja nicht einmal in den eigenen vier Wänden entstanden sein.

Für Feuerwehr & Co. ist es daher äußerst hilfreich, wenn sie während eines Einsatzes wissen, was in der Wohnung „kreucht und fleucht“, insbesondere wenn die Bewohner persönlich nicht anwesend sind. Terrarienbeschriftungen mit deutschen und wissenschaftlichen Artnamen, der Anzahl der gehaltenen Tiere und ein zusätzlicher Hinweis auf das Gefahrenpotential gelten als das Minimum an Beschriftung, welche z.B. Giftschlangenhalter an ihren Terrarien anbringen sollten. Für Halter von ungefährlichen Tieren reicht mitunter auch schon ein gut lesbarer allgemeiner Hinweis („Keines der hier gehaltenen Tiere ist gefährlich“) im Eingangsbereich und ggf. zusätzlich an zentralen Stellen der Wohnung inkl. Angabe von Mobilfunknummer und ggf. Telefonnummer der Arbeitsstelle aus. Solche Hinweise helfen Einsatzkräften bei der Tierrettung und dabei, sich effektiver auf die jeweilige Gefahrensituation zu konzentrieren, statt sich wegen mutmaßlichen Gifttieren um die Eigensicherung sorgen zu müssen.