Sonntag, 22. Oktober 2017

EU: Importstopp für Kaiserskorpione, Chamäleons & Phelsumen

Im Amtsblatt der EU L271/7 vom 20. Oktober wurde mit der Veröffentlichung der „Durchführungsverordnung (EU) 2017/1915 der Kommission vom 19. Oktober 2017 zum Verbot der Einfuhr von Exemplaren bestimmter Arten wild lebender Tiere und Pflanzen in die Union“ für einige für die Terraristik relevanten Tierarten ein Importverbot in die Europäische Union verhängt.
 
Betroffen sind davon unter anderem der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) aus Ghana. Nachdem Benin und Togo bereits im Jahr 2013 einen Exportstopp für diese besonders geschützte und seinerzeit in der Terraristik noch sehr beliebte und im Handel weit verbreitete Skorpionspezies verhängte, verschwand P. imperator trotz der immer wieder propagierten leichten Nachzüchtbarkeit zunehmend aus den privaten und gewerblichen Terrarien. Tatsächlich werden Kaiserskorpione inzwischen nur noch zu sehr hohen Preisen gehandelt, während sie vor ein paar Jahren noch zum Standardsortiment (um nicht zu sagen zur „Wegwerfware“) nahezu jedes Zoofachgeschäfts mit Terraristikabteilung gehörten. Der durchschnittliche Handelspreis lag damals bei 15-20 Euro für ein adultes Exemplar, heutzutage werden Zuchttiere für 60 bis weit über 100 Euro gehandelt, was zeigt, dass die Nachfrage höher ist als das Angebot an Nachzuchten. Skrupellose Händler verkaufen mittlerweile sogar asiatische Riesenskorpione der Gattung Heterometrus als afrikanische Kaiserskorpione, um vom Wertanstieg und der Naivität einiger Käufer zu profitieren.

Möglich war bislang auch noch der Handel mit Ranching-Kaiserskorpionen aus Ghana, welche momentan noch zu eher moderaten Preisen (ca. 30 Euro) im Handel zu finden sind. Ob es sich bei jenen Farmzuchten tatsächlich um solche handelt, darf allerdings in nicht wenigen Fällen bezweifelt werden. Ghana diente immer wieder als legaler Ausfuhrstaat für illegal in Togo und Benin gefangene Kaiserskorpione, welche als Farmzuchten deklariert in die EU eingeführt wurden. Diese Problematik hat inzwischen wohl auch eine wissenschaftliche Prüfgruppe der Europäischen Kommission erkannt, weswegen der Import von Kaiserskorpion-Farmzuchten aus Ghana mit der besagten Durchführungsverordnung nun verboten wurde.

Des Weiteren wurde der Import von Vierhornchalämeons (Trioceros quadricornis) aus Kamerun, von Fischers Chamäleons (Kinyongia fischeri) und Zweihornchamäleons (Kinyongia tavetana) aus Tansania sowie von den madagassischen Taggeckos Phelsuma borai, Phelsuma gouldi und Phelsuma hoeschi untersagt.

Aufgehoben wurden wiederum Importverbote von diversen madagassischen Arten aus den Chamäleongattungen Calumma und Furcifer, den Geckogattungen Phelsuma und Uroplatus (Blattschwanzgeckos), der Madagaskar-Buntfroschgattung Mantella sowie einigen weiteren Arten des Anhangs B aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie beispielsweise Boa constrictor aus Honduras. Diese waren noch im Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2015/736 zu finden, welche mit der neuen Durchführungsverordnung außer Kraft gesetzt wird.

Die vollständige Artenliste ist dem Anhang der oben verlinkten Durchführungsverordnung zu entnehmen, welche am 9. November 2017 in Kraft tritt.

Kommentare:

  1. Aber C. parsonii z.b. hat dennoch ein Importverbot.

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    1. Calumma parsonii ist keine Spezies, die aktuell neu geregelt wurde, daher bin ich mal etwas tiefer in die Historie eingetaucht: Der Import von Wildfängen wurde zuletzt in der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 757/2012 ausgesetzt, welche mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 578/2013 außer Kraft gesetzt wurde. Seitdem wurde C. parsonii in den nachfolgenden DVOs nicht wieder in die Listen der ausgesetzten bzw. verbotenen Importe aufgenommen. Seit dem 11. Juli 2013 wäre der Import also laut EU-Recht wieder erlaubt. Die CITES-Exportquote liegt dieses Jahr übrigens bei 300 lebenden Exemplaren.

      In den ZEET-Daten des BfN (Stand: September 2017) ist allerdings abweichend davon ein Importverbot angegeben, wobei in der Begründung auf eine Sitzung der Wissenschaftlichen Prüfgruppe im Jahr 2015 verwiesen wird, bei der C. parsonii als negativ für den Import eingestuft wurde. Normalerweise werden die Beschlüsse der Prüfgruppe einmal jährlich im Amtsblatt der EU veröffentlicht - was aber im Falle von C. parsonii zwischen der Aufhebung des Importstopps (2013) und dem erneuten Beschluss (2015) nicht geschehen ist. Die Beschlüsse der Prüfgruppe sind aber trotzdem bindend, weswegen C. parsonii meines Erachtens nicht als Wildfang aus Madagaskar importiert werden darf.

      Ich habe das BfN dennoch um weitere Informationen gebeten, um Klarheit in diesem konkreten Fall zu schaffen. Sobald ich Rückmeldung erhalten habe, melde ich mich hier wieder.

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