Mittwoch, 11. April 2018

Zunehmende Löschung von „exotischen” Kleinanzeigen?

Wenn Terrarianer ihre Nachzuchten abgeben möchten, bieten sich ihnen heutzutage mehrere Möglichkeiten. Neben persönlichen Kontakten zu anderen Terrarianern innerhalb und außerhalb von Vereinen und Börsen werden vor allem Inserate genutzt, um Interessenten zu erreichen. Längst wurden die guten alten Anzeigen in Fachzeitschriften von Internet-Kleinanzeigen abgelöst, die Schätzungen zufolge das aktuell meist genutzte Instrument für die Abgabe von privaten Nachzuchten sind (gewerbliche Händler nutzen neben Börsen und stationären Fachgeschäften eher eigene Online-Shops).

Umso ärgerlicher ist es, wenn Betreiber von einschlägigen Online-Handelsplattformen den Verkauf von sog. Exoten” verbieten. So mehren sich in letzter Zeit die Beschwerden von Züchterinnen und Züchtern, dass ihre Inserate z.B. im Facebook-Marketplace und bei ebay-Kleinanzeigen gelöscht werden. Dass ebay sog. Exoten in seinen Inserat-Grundsätzen verbietet, ist zwar nicht neu, aber offenbar scheint dieses Verbot seit einiger Zeit besonders strikt vollzogen zu werden. Vor allem fehlt es weiterhin an einer näheren Definition, was eigentlich genau unter dem Label Exoten zu verstehen ist.

Grundsätzlich finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn Verkaufsportale gewisse Anzeigen nicht dulden. Insbesondere solche Anzeigen, die womöglich kriminellen Ursprungs sind. Die Portale haben sich selbst dazu verpflichtet, illegalen Tierhandel zu bekämpfen – insbesondere den illegalen Artenhandel mit geschützten „Exoten“, aber auch den illegalen Welpenhandel. Es lässt sich nur spekulieren, inwieweit dieses Verhalten der aktiven Arbeit einschlägiger „Tier- und Artenschutzverbänden“ geschuldet ist. Die PR-Leute von ebay & Co. haben aber sicherlich unabhängig davon ein großes Interesse daran, dass sie in den Medien nicht als Marktplatz für illegalen Artenhandel dargestellt werden. Daher finde ich das Geschäftsgebaren durchaus nachvollziehbar.

Unglücklich finde ich dabei jedoch, dass alle Anbieter über einen Kamm geschoren werden. Anstatt dass sich die Verkaufsplattformen die Mühe machen, Inserate auf ihre tatsächliche Legalität zu prüfen, werden einfach generelle Verbote durchgesetzt. In Hinblick auf den erforderlichen Arbeitsaufwand zur Legalitätsprüfung ist das zwar verständlich, unfair gegenüber seriösen Inserenten ist es aber trotzdem. 
Die Rechtslage ist derzeit auch noch nicht abschließend geklärt. Verkaufsportale haften laut aktueller Rechtsprechung nur dann, wenn sie von der Rechtswidrigkeit der eingestellten Inserate Kenntnis haben, was jedoch nicht unumstritten ist. Manche Juristen sind der Meinung, dass die Portale in jedem Fall anteilig haftbar gemacht werden sollten. Die Portale gehen also verständlicherweise auf Nummer sicher und vermeiden Inserate, für die sie unter Umständen haftbar gemacht werden könnten – spätestens sobald sie auf mutmaßlich rechtswidrige Inserate aufmerksam gemacht wurden.

Solange es noch Online-Portale gibt, auf denen Inserate mit „Exoten” gestattet sind (nicht zuletzt die primär zu diesem Zweck betriebenen Websites), haben Züchterinnen und Züchter noch die Möglichkeit, ihre Nachzuchten an geeignete Interessenten abzugeben. Sollte jedoch auch dieser Handel aufgrund von Überregulierungen seitens des Gesetzgebers unterbunden werden, würde dies die Abgabe unnötig erschweren. Ich möchte mich nicht an den Spekulationen beteiligen, dass dadurch mit einem Anstieg an ausgesetzten Exoten zu rechnen sei, aber zumindest die Artenschutzbemühungen unseres konstruktiven Hobbies und der bewusste Verzicht auf Wildfänge würden damit unnötig erschwert.

Zum Abschluss noch ein Hinweis in eigener Sache:
Das Anbieten von Tieren, Sachen und Dienstleistungen in den Kommentaren dieses Blogs ist nicht gestattet! ;)

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Mittwoch, 4. April 2018

Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ in der Stadt-Galerie Hameln

Vom 5. April bis zum 21. April 2018 bietet die ECE Stadt-Galerie in meiner Heimatstadt Hameln seiner Laufkundschaft nicht mehr nur ein Konglomerat an „Fressläden“ und Jeans-Shops, sondern mit der Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ eine in unserer Großortschaft vergleichsweise seltene Gelegenheit, um lebende Reptilien zu sehen.

Es handelt sich dabei um eine Wanderausstellung aus dem Hause der expovivo Tierausstellungen AG, welche bereits im September 2016 mit ihrer Ausstellung  „Die Wüste lebt!“ im A2 Center Hannover für Aufsehen sorgte, weil sich in einigen Terraristik-Gruppen in den „sozialen“ Netzwerken ein Shitstorm manifestierte, welcher den Betreibern in diesem Ausmaße vollkommen neu war. Ich berichtete: Ausstellung „Die Wüste lebt!“ im A2 Center Hannover

Die Ausstellung in Hamelns „Konsumtempel“ wurde zwar noch nicht offiziell eröffnet, dennoch bot sich mir heute die Gelegenheit für einen spontanen Besuch. Gezeigt wird ein Querschnitt der Herpetofauna. Neben bekannten Evergreens wie u.a. Grüner Leguan (Iguana iguana), Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis) und Halsbandleguan (Crotaphytus collaris) werden mit Taubagame (Tympanocryptis tetraporophora) oder Kronenbasilisk (Laemanctus serratus) auch etwas seltenere Arten ausgestellt. Doch nicht nur Reptilien sind zu sehen: Tigersalamander (Ambystoma tigrinum) sowie ein paar Arthropoden runden die Ausstellung „Zeugen der Urzeit“ ab. Ergänzt wird sie in den kommenden Tagen außerdem um kostenlose Führungen.

Die Terrarien sind für eine Wanderausstellung zwar gewohnt zweckmäßig aber trotzdem artgerecht eingerichtet. Sicherlich gäbe es an der einen oder anderen Stelle (z.B. beim leidigen Thema Bodengrund) durchaus noch Möglichkeiten für Verbesserungen, aber wirklich erwähnenswerte Mängel oder gar Verstöße gegen Haltungsrichtlinien waren für mich keine zu erkennen. Die Tiere verhielten sich vollkommen ruhig bzw. zeigten gesunde Neugier, statt Scheu und auch die Sauberkeit, das angebotene Futter, die Beleuchtungs- und Beregnungstechnik sowie der vorhandene Sichtschutz waren mehr als nur in Ordnung. Letzterer wurde im Terrarium eines Pantherchamäleons (Furcifer pardalis) im Vergleich zu den seinerzeit leider kaum vorhandenen Versteckmöglichkeiten für ein Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) in der Wüsten-Ausstellung Hannover sogar immens verbessert! Hier scheinen sich die Betreiber die seinerzeit in der Sache zwar stellenweise durchaus berechtigte, aber leider auf eine meines Erachtens bis auf wenige Ausnahmen total unverschämte Art und Weise von Vertretern unserer Zunft anonym im Internet, statt im direkten Gespräch mit den Betreibern, vorgebrachte Kritik zu Herzen genommen zu haben.

Dies verdient Lob, ebenso wie die Bereitschaft der Stadt-Galerie Hameln, eine solche Ausstellung mit „Spannungspotential“ nach Hameln zu holen, mit der den Besuchern laut eigenen Angaben nicht nur ein besonderes Erlebnis geboten, sondern auch eine Lanze für den Schutz dieser faszinierenden Tiere gebrochen werden soll!

Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) - Symbolbild

Montag, 12. Februar 2018

Umfrage zu Schlangenparasiten und deren Behandlung

Derzeit läuft eine Umfrage einer Schülergruppe eines slowenischen Biotechnischen Gymnasiums mit dem Titel „A survey of internal parasites in snakes and treatments ensuring their elimination“ (übersetzt: „Eine Übersicht über innere Parasiten bei Schlangen und Behandlungen, die deren Beseitigung sicherstellen“). Die jungen Forscher nehmen damit an einem Forscherwettbewerb (KRKA) teil.

Schlangenhalter, die der englischen Sprache mächtig sind, können den Fragebogen >>>hier<<< ausfüllen und so an der Umfrage teilnehmen.


Donnerstag, 8. Februar 2018

„Exotenhaltung“ im Koalitionsvertrag 2018

Nach Wochen des Sondierens und zähen Koalitionsverhandlungen wurde gestern der Koalitionsvertrag der Großen Koalition (CDU, CSU und SPD) veröffentlicht. Mit Spannung erwarten wir zukünftige Regulierungen der Terraristik und anderer vivaristischer Sektoren der Heimtierhaltung, welche sich mit sogenannten „exotischen Wildtieren“ befassen.

Mit Sorge erinnern wir uns an die Formulierungen der GroKo in ihrem Koalitionsvertrag 2013. Verbote u.a. von „gewerblichen Tierbörsen“ und eine „bundeseinheitliche Regelung“ in Form einer „Positivliste“ standen immer wieder zur Debatte. Letztlich kam es dazu (nicht zuletzt dank des Engagements von einzelnen Tierhaltern und Halterverbänden) nicht.

Im gestern veröffentlichten Koalitionsvertrag mit dem sperrigen Titel „Ein neuer Aufbruch für Europa - Eine neue Dynamik für Deutschland - Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“ finden sich an lediglich zwei Stellen Formulierungen, welche sich auf unser Hobby beziehen. So steht im Artenschutz-Kapitel folgender Passus:
„Unser Engagement im internationalen Artenschutz und gegen die Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel werden wir ausweiten.“
Normalerweise haben wir seriösen Vivarianer mit illegalem Wildtierhandel nichts zu tun. Da jedoch in der Vergangenheit immer wieder legale (wenn auch leider nicht in jedem Fall nachhaltige) Naturentnahmen mit Artenschmuggel vermischt wurden, könnten uns gewisse (Über-)Regulierungen in diesem Sektor durchaus auch betreffen.

Etwas konkreter wird es im Tierschutz-Kapitel, wo die Koalitionspartner ankündigen, für die sog. „Exotenhaltung“ bis Mitte der Legislaturperiode (also bis Herbst 2019) Pläne zur Beseitigung bestehender Missstände zu entwickeln:
„Wir haben in verschiedenen Bereichen Herausforderungen im Tierschutz (Wildtier- und Exotenhaltung, Qualzuchten, Tierbörsen, Internet und Versandhandel von lebenden Heimtieren, illegaler Welpenhandel, Situation der Tierheime und Heimtierzubehör). Das für Tierschutzfragen zuständige Ministerium wird bis zur Mitte der Legislaturperiode Vorschläge für konkrete Maßnahmen bis hin zu Verboten zur Verbesserung des Tierschutzes in diesen Bereichen vorlegen.“
Verbote bleiben also weiterhin eine Option für die Bundesregierung. Wichtiger Bestandteil bei der Entscheidungsfindung wird sicherlich die EXOPET-Studie sein, welche bekanntlich verlängert wurde, um weitere Erkenntnisse zu sammeln.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wer das zuständige Ministerium – also das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – zukünftig leiten wird. Zumindest eines ist bereits bekannt: das Tierschutz-Ressort bleibt bei der Union. Als Favoritin zur Ablösung des geschäftsführenden Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) gilt Medienberichten zufolge derzeit Julia Klöckner, CDU-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz.

Die CSU hat dem Koalitionsvertrag bereits zugestimmt und auch die CDU wird ihn auf einem eigenen Parteitag wohl absegnen. Ob die SPD-Mitgliederbefragung ebenfalls zu einem positiven Ergebnis kommt, bleibt fraglich. Da der Koalitionsvertrag jedoch in vielen Bereichen deutliche SPD-Handschrift zeigt, wird er meiner Einschätzung nach wohl auch von der sozialdemokratischen Basis akzeptiert.


Samstag, 6. Januar 2018

EU-Liste invasiver Arten: 2018 keine Neulistungen

EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten haben diese Woche beschlossen, dass es im Jahr 2018 keine Neulistungen von invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung auf der derzeit 49 Tier- und Pflanzenarten umfassenden Unionsliste geben wird.

Noch zum Beschluss der ersten Erweiterungsliste im August 2017 war geplant, in diesem Jahr eine 2. Ergänzungsliste mit 11 Neuzugängen zu erlassen, welche zwar keine für die Terraristik relevanten Arten enthalten sollte, dafür jedoch erstmalig ganze Gattungen – darunter (sehr zum Leidwesen unserer Hobbykollegen aus der Aquaristik) die gesamte Schlangenkopffisch-Gattung Channa spp.!

Doch statt neue Arten und Gattungen neu zu listen, soll sich in diesem Jahr zunächst erst auf das Management der bereits gelisteten „Alien Species“ konzentriert werden, wobei auch betroffene Interessenverbände stärker mit einbezogen werden sollen.

Die wissenschaftliche Prüfgruppe der EU wird aber auch in diesem Jahr die Risikobewertung von weiteren Arten vorantreiben, um Neulistungen im Jahr 2019 in die Wege zu leiten. Wünschenswert wäre, wenn bei diesen Bewertungverfahren die ökologisch unterschiedlichen Anforderungen von Tier- und Pflanzenarten strenger geprüft würden, um die Grundvoraussetzung einer sog. „unionsweiten Bedeutung“ zu erfüllen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass keine in südlichen EU-Mitgliedsstaaten als potentiell invasiv anzusehenden Spezies direkt im gesamten EU-Gebiet (also auch in nördlichen EU-Staaten mit einem für eine Ausbreitung ggf. nicht geeigneten Klima) reglementiert würden, sondern alternativ nationale Verbotslisten zur Verhinderung der Ausbreitung Anwendung fänden.

Am 10. Februar endet darüber hinaus die Frist für die Einreichung von Risikobewertungen für eine bereits vorgesehene dritte Aktualisierung der Unionsliste. Welchen Umfang die nächste Erweiterung im kommenden Jahr also tatsächlich haben wird, bleibt abzuwarten.
 
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