Aktuelles

Seit einiger Zeit werden verschiedene Aspekte der Terraristik / Haltung von „exotischen Wildtieren“ auf politischer Ebene diskutiert. Diese Aufstellung soll einen wertungsfreien Überblick über die aktuell geplanten* Einschränkungen der sog. „Exotenhaltung“ verschaffen:

Gebietsfremde, invasive Arten von unionsweiter Bedeutung

Eine 2. Ergänzungsliste zur Unionsliste mit momentan 11 weiteren invasiven Tier- und Pflanzenarten ist für das Jahr 2018 vorgesehen. Bislang wurden keine für die Terraristik relevanten Tierarten für diese Liste benannt, allerdings u.a. die gesamte Schlangenkopffisch-Gattung Channa spp., was zeigt, dass womöglich rigoros ganze Gattungen verboten werden, obwohl nur wenige Arten aus diesen Gattungen die Kriterien für eine Listung erfüllen. Außerdem kann die Unionsliste jederzeit erweitert werden und dann auch wieder die Terraristik betreffen. Nationale Verbotslisten mit weiteren Arten sind nach Schaffung eines nationalen Durchführungsgesetzes ebenfalls denkbar.

Die Bundesländer haben Managementvorschläge veröffentlicht, zu denen bis zum 20. November 2017 Stellungnahmen von der Öffentlichkeit eingereicht werden können. Während eine Vermittlung von Buchstaben-Schmuckschildkröten z.B. aus Tierheimen weiterhin erlaubt sein soll, ist dies bei Nordamerikanischen Ochsenfröschen nicht vorgesehen. Weitere Informationen gibt es hier: Bürgerbeteiligung für Management invasiver Arten ausgerufen

Sachkundenachweis für Exotenhalter

In Niedersachsen war ein verpflichtender Sachkundenachweis für die Haltung von exotischen Wildtieren geplant. Konkrete Gesetzesentwürfe gab es dazu allerdings nicht. Da es Anfang August 2017 in Niedersachsen aufgrund des Wechsels der Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Twesten in die CDU zu einem Mehrheitswechsel kam, fand am 15. Oktober eine vorgezogene Landtagswahl statt. Die rot-grüne Landesregierung wurde dabei abgewählt und von einer Großen Koalition aus SPD und CDU abgelöst. Im Entwurf des Koalitionsvertrags der niedersächsischen GroKo ist nichts zur Haltung von exotischen Wildtieren zu finden. Der Ausgang des Antrags, welcher von den Grünen initiiert wurde, ist also derzeit wieder vollkommen offen.

Gefahrtierhaltung

Die Niedersächsische Gefahrtierverordnung soll auf Antrag der Grünen überarbeitet werden. Konkrete Termine und Entwürfe gibt es dazu derzeit nicht.

In Baden-Württemberg soll auf Drängen des amtierenden Ministers für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk (CDU) erstmalig eine Gefahrtierregelung basierend auf Sachkunde und Meldepflicht beschlossen werden. Entwürfe liegen allerdings noch nicht vor. Zur Verbesserung des Tierschutzes für „normale Exoten“ sieht der Minister den Bundesgesetzgeber in der Pflicht.

Die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Gefahrtierregelung steht ebenfalls im Raum, wurde aber bislang noch nicht weiter angegangen.

Börsenverbote

Nach den Verboten von Wildtierverkaufsbörsen in Österreich werden auch hierzulande die Forderungen nach solchen Verboten lauter. Laut der schwarz-roten Regierungskoalition sollen zunächst einmal die Ergebnisse der EXOPET-Studie abgewartet und die Börsenrichtlinien in rechtverbindlichen Status einer Verordnung erhoben werden. In welcher Weise die nächste Regierungskoalition diese Planung fortsetzt, wird der Koalitionsvertrag zeigen.

Internethandel

Der Online-Tierhandel soll eingeschränkt werden. Aktuell findet dies allerdings mehr oder weniger in Form einer Selbstregulierung durch einschlägige Handelsplattformen statt. Ob und in welcher Weise Einschränkungen oder gar Verbote gesetzlich umgesetzt werden, bleibt fraglich.

Positivliste

Die Reduzierung des in Privathaushalten gehaltenen Artenspektrums auf ein Minimum an aus Sicht des Gesetzgebers unproblematischen Arten mittels Positivliste wird von einigen Parteien und Landesregierungen zwar gefordert, steht aber aktuell nicht auf der Agenda der noch amtierenden Bundesregierung. Eine einheitliche Positivliste für die EU ist nicht geplant.

Importverbote / „EU-Lacey-Act

Gefordert wird eine Regelung, welche den Handel mit in ihren Herkunftsländern geschützten Arten, die keinem internationalen Schutzstatus unterliegen, verbietet. Eine solche Regelung müsste auf EU-Ebene beschlossen werden. Die Ergebnisse einer Marktanalyse im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), für die Pro Wildlife e.V. den Zuschlag bekam, werden meines Erachtens für diese Forderung von Bedeutung sein.

CITES-Artenschutzkonferenz 2019 (CoP18)

Die 18. CITES-Artenschutzkonferenz wird 2019 in Sri Lanka stattfinden. Offizielle Schutzanträge liegen aktuell zwar noch nicht vor, diverse Arten (z.B. Gonatodes daudini) werden aber bereits diskutiert.


*Für bereits beschlossene Regelungen und weiterführende Informationen siehe die entsprechenden Artikel hier im Blog. Diese Aufstellung wird laufend aktualisiert, daher sind Änderungen des Inhalts jederzeit möglich! Zuletzt erfolgte Änderungen werden gelb markiert.

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