Haltung bewahren!

Die private Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“ wird in Öffentlichkeit und Politik kontrovers diskutiert und von Tierrechtsvereinen grundsätzlich scharf kritisiert. Die Begriffe „exotisch“ und „Wildtier“ werden dabei oft ohne nähere Definition in den Raum geworfen, damit Wähler und potentielle Spender diese Begriffe aus dem Bauch heraus für sich selbst definieren. Was aber offenbar keiner bemerkt: Die Tierrechtsvereine wollen auf diese Art einen Keil in die Heimtierhaltung treiben! Denn füllt man die leeren Worthülsen „Exot“ und „Wildtier“ einmal mit Inhalt, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild, als es Tierhaltungsgegner verbreiten und in den Köpfen ihrer ahnungslosen Gefolgschaft verankern wollen.

Klassische Heimtiere wie Hunde oder Katzen lassen sich durch die Begriffe „einheimisch / exotisch“ bzw. „domestiziert / Wildtier“ nicht von anderen Heimtieren wie Reptilien abgrenzen. Einseitige Gesetzgebungen oder Verbotsforderungen, die auf diesen Begriffen beruhen, sind als diskriminierend abzulehnen. Schon 2012 veröffentlichten RICHTER et al. einen Artikel  im Deutschen Tierärzteblatt zum Thema Wildtierschutz, in dem das Argument der Domestikation gegen die Wildtierhaltung ebenfalls entkräftet wurde. Sämtliche Argumente gegen die Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“ wie z.B. eine angeblich besonders hohe Sterberate oder ein erhöhtes Salmonellenrisiko bei der Haltung von Reptilien in menschlicher Obhut  lassen sich problemlos entkräften oder zumindest mit der Haltung von klassischen Haustieren in Relation setzen.

Trotzdem gibt es natürlich eklatante Unterschiede zwischen der Haltung eines Hundes und der eines Reptils, die sich allein schon aus den biologischen Verhaltensweisen und den unterschiedlichen evolutionären Entwicklungsstufen dieser Tiere ergeben. Der Gesetzgeber ist in der Pflicht (unter Konsultation von Fachexperten) angemessene Standards zu definieren, damit die Haltung aller Heimtierarten in menschlicher Obhut tierschutzgerecht abläuft.

Das Tierschutzgesetz und weitere Verordnungen wie die Tierschutz-Hundeverordnung oder Gutachten wie die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien definieren diese Anforderungen an eine tierschutzgerechte Heimtierhaltung. Denkbar wäre darüber hinaus ein mehrstufiger und auf die jeweiligen Tierklassen/-arten abgestimmter Sachkundenachweis, um dadurch z.B. den spontanen Erwerb und daraus resultierendes Tierleid bei allen Heimtieren zu unterbinden. 

Einzelfälle wie Unfälle oder ausgesetzte Exemplare sollten bei allen Heimtieren als solche erkannt und behandelt werden. Wer ein Tier entweichen lässt oder aussetzt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und gehört angemessen bestraft – ganz egal ob es sich bei dem Tier um eine Katze oder eine Schlange handelt. Verantwortungsbewussten Tierhaltern sollten aufgrund der Taten einzelner Personen jedoch keinerlei Nachteile entstehen! 

Die Terraristik ist kein neumordernes Hobby, sondern hat eine ca. 200jährige Tradition und muss deswegen als Kulturgut bewahrt werden. Allein schon aus Gesichtspunkten des Artenschutzes, weil die Terraristik gewissermaßen eine Arche-Noah für bedrohte Arten ist.

Ideologisch motivierte Haltungsverbote, welche auf Ängsten, Vorurteilen, Sensationsberichten oder falsch ausgelegten Studien beruhen, sind generell abzulehnen! Dies sollten allmählich auch mal die seriösen Tierschutzvereine erkennen und sich von den Tierrechtshetzern mit ihrer populistischen Meinungsmache distanzieren.
 

Kommentare:

  1. Der Bund versucht die Terraristik abzuschaffen!
    http://www.bund.de/SiteGlobals/Functions/anlage/anlageGenericJSP?type=0&view=renderAnlage&contentId=9236432&docId=1941886

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    1. Über diese Ausschreibung habe ich schon berichtet:
      http://terrarianer.blogspot.de/2017/06/bfn-ausschreibung-exotenhandel.html

      Meines Erachtens soll damit nicht die Terraristik abgeschafft werden, sondern es sollen Analysen darüber erfolgen, ob und in welchem Ausmaß Tierarten durch den Heimtierhandel bedroht werden. Dort soll dann mittels Aufklärungsarbeit eingegriffen werden. Wenn das schon das Ende der Terraristik bedeutet, scheint unser Hobby ja doch äußerst fragwürdig zu sein.

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