Donnerstag, 3. Juli 2014

Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus) ist eine ungiftige, kleinbleibende und vorrangig bodenbewohnende Natter, deren Verbreitungsgebiet sich über große Teile Afrikas erstreckt. Ihr Name lässt schon vermuten, dass sie die Nähe zum Menschen nicht scheut. Sie gilt in ihrer Heimat als Kulturfolger und jagt mit Vorliebe kleinere Nagetiere, die wiederum von den Hinterlassenschaften des Menschen angelockt werden. In ihrem natürlichen Lebensraum kommt diese Schlange ansonsten in Grassavannen und Buschlandschaften vor. Sie bevorzugt freie Flächen, wohingegen dichte Wälder oder gar Wüsten gemieden werden. Angepasst an ihre Beutetiere ist die Afrikanische Hausschlange dämmerungs- und nachtaktiv.

Die Art wurde 1827 von BOIE als Boaedon fuliginosus beschrieben. Später wurde sie der Gattung Lamprophis zugeordnet und ist heute oftmals unter dem Namen Lamprophis fuliginosus im Handel zu finden. Im November 2010 kam es allerdings zu einer Revision der Gattung Lamprophis durch KELLY et al., bei der einige Vertreter der Hausschlangen aufgrund von weiteren Untersuchungen wieder der ursprünglichen Gattung Boaedon zugeordnet wurden. Der aktuell gültige Artname lautet daher Boaedon fuliginosus.

Die Afrikanische Hausschlange hat eine meist braune Grundfärbung. Am Kopf besitzt ihre Schwesternart, die Gestreifte Hausschlange (Boaedon lineatus), helle Streifen. Inzwischen gehe ich fest davon aus, dass es sich bei den Tieren in meinem Bestand ebenfalls um die Gestreifte Hausschlange handelt, da diese Art in den Terrarien wesentlich verbreiteter und die Deklaration als Afrikanische Hausschlange oftmals falsch ist (die Haltung ist bei beiden Arten identisch). Bei dem Großteil der in Gefangenschaft gehaltenen Hausschlangen wird es sich um falsch deklarierte Boaedon lineatus handeln. Hier ein paar Bilder einer echten Boaedon fuliginosus. 

Das Schuppenkleid irisiert je nach Perspektive und Lichteinfall in den verschiedensten Regenbogenfarben. Weibchen erreichen eine Gesamtkörperlänge von etwa 100 cm (seltener bis über 120 cm), Männchen bleiben mit etwa 70 cm deutlich kleiner. Vom Verhalten her sind diese Schlangen in der Regel sehr ruhig und lassen sich zur Fütterung, zur Kontrolle oder zur Reinigung des Terrariums sehr gut aus diesem herausnehmen. Ich persönlich habe auch nichts dagegen einzuwenden, wenn man Besuchern diese Tiere zeigt, um die unbegründeten Ängste vor Schlangen abzubauen. Dieses Hantieren mit den Schlangen sollte jedoch zur Vermeidung von Stress bei den Tieren nicht ständig erfolgen, sondern auf das nötige Maß begrenzt werden. Meine persönlichen Erfahrungen mit diesen Schlangen zeigen, dass sie sehr gierig sind und problemlos ans Futter (bei mir ausschließlich Frostfutter) gehen. Diese Gier äußerte sich schon öfters mit einem versehentlichen Biss der Schlange in einen meiner Finger direkt nach der Fütterung. Die Schlange merkte jedoch immer sofort, dass meine Finger kein weiteres Futter darstellen und lies direkt wieder los. Aggressive Abwehrbisse habe ich bei der Afrikanischen Hausschlange jedoch noch nie erlebt. Afrikanische Hausschlangen sind demnach zwar sehr ruhig und lassen sich gut hantieren, sind jedoch auch sehr ungestüm, wenn es ums Fressen geht. Daher sollten sie auch immer separat gefüttert werden. Anfangs hielt ich mein Pärchen noch zusammen. Um Zwischenfälle nach der Fütterung zu vermeiden, lies ich das wesentlich kleinere Männchen im Anschluss an die Fütterung mehrmals durch ein leicht feuchtes Handtuch gleiten, um evtl. vorhandene Duftnoten des Futtertieres zu entfernen. Dadurch kam es nie zu Zwischenfällen zwischen Männchen und Weibchen. Nach den ersten Paarungen trennte ich das Paar jedoch wieder und seitdem pflege ich die Geschlechter getrennt.

Aufgrund ihres Verbreitungsgebietes legt die Afrikanische Hausschlange vor der Fortpflanzung keine Winterruhe im eigentlichen Sinne ein. Stimulation durch simulierte Regen- und Trockenzeiten kann jedoch von Vorteil sein. Eine dauerhafte Paarhaltung ist zwar aufgrund des friedlichen Verhaltens möglich, jedoch für das Weibchen sehr stressig, da es dadurch andauernd dem Paarungsdruck des Männchens ausgesetzt ist. Insbesondere vor der Eiablage benötigt das Weibchen Ruhe, da es durch andauernden Stress zu Legenot kommen kann, die unbehandelt in der Regel immer mit dem Tod des Tieres enden wird. Man sollte die Paare also nur für die Paarung zusammensetzen und danach wieder trennen. Das wollte ich zwar zu Beginn der Haltung dieser Art selbst nicht gerne hören, empfand es dann aber doch für nötig, als ich den anhaltenden Paarungseifer des Männchens bemerkte. In größeren und gut strukturierten Terrarien können aber sicherlich mehrere Weibchen mit einem Männchen gehalten werden. Auch die Vergesellschaftung mehrerer gleichgeschlechtlicher Tiere ist möglich, bedarf aber der Beobachtung, da es bei den paarungswilligen Männchen gelegentlich zu Rangeleien (Kommentkämpfen) kommen kann. Nach etwa 2 Monaten nach der Paarung wird sich das Weibchen häuten und etwa 1 Woche später das Gelege absetzen. Zu diesem Zweck sollte ihm ein geeigneter Eiablagebehälter (z.B. eine Box mit feuchtem Spaghnummoos bei einer Temperatur von ca. 27 °C) angeboten werden. Die Eier werden zur weiteren Inkubation in einen geeigneten Inkubator überführt. Bei ca. 27 °C schlüpfen die Jungtiere nach etwa 2 Monaten und sollten zur besseren Kontrolle und Fütterung einzeln aufgezogen werden. Hier gibt es einen Nachzuchtbericht mit weiteren Informationen.

Haltungsbedingungen:
Afrikanische Hausschlangen lassen sich am besten in trockenen Holzterrarien pflegen, da diese Art keinen hohen Bedarf an Feuchtigkeit hat und in Holzterrarien die erforderlichen Temperaturen gut erreicht und gehalten werden können. Eingerichtet wird das Terrarium mit mehreren Verstecken (z.B. umgedrehten Tonschalen aus dem Blumenladen, welche man an einer Seite einschlägt und abschleift, Korkröhren, Korkrindenstücken oder käuflich zu erwerbenden Boxen mit feuchtem Moos) und ein paar Klettergelegenheiten. Zwar gilt die Afrikanische Hausschlange als Bodenbewohner, dennoch klettert sie im Terrarium gelegentlich über Äste oder an einer strukturierten Rückwand. Durch eine solche wird der nutzbare Raum der Schlange vergrößert. Echte Pflanzen können die Einrichtung des Terrariums vervollständigen und sind hilfreich für das Mikroklima. Ich persönlich bevorzuge bei der Haltung von dämmerungs- und nachtaktiven Schlangen allerdings künstliche Pflanzen, da sich diese leichter reinigen lassen und sie außerdem keinen Lichtbedarf haben. Ein Schlangenterrarium nur wegen der Pflanzen hell auszuleuchten, halte ich für nicht sehr zweckmäßig und bei Einhaltung der Haltungsparameter ist es den Tieren auch egal, ob echte, künstliche oder gar keine Pflanzen im Terrarium vorhanden sind. Diese Schlangen nutzen nämlich bevorzugt enge Verstecke und keine Pflanzen als Deckung. Als Bodengrund verwende ich Kokoshumus.

Die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geben für ein Pärchen der Afrikanischen Hausschlange einen Faktor von 1,0 x 0,5 x 0,5 (L x B x H) der Gesamtkörperlänge als Mindestgröße für das Terrarium an. Bei einer zu erwartenden Größe von etwa 100 cm macht dies ein Terrarium von mindestens 100 cm x 50 cm x 50 cm für ein adultes Pärchen. Ich selbst pflege derzeit lediglich ein Weibchen in einem Terrarium dieser Größe. In einem 80 cm x 40 cm x 40 cm Terrarium ist ein Männchen untergebracht. Zur Paarung setze ich das Männchen zu dem Weibchen. Die Jungschlagen können in kleinen Plastikboxen und später z.B. in Standardterrarien von 30 cm x 30 cm x 30 cm aufgezogen werden. Die Haltungsparameter orientieren sich dabei an denen der Elterntiere.


Die Temperatur sollte tagsüber bei etwa 27 °C liegen. Die Schlangen benötigen aber auch eine kühlere Ecke als Rückzugsmöglichkeit. Ich erreiche diese Temperaturen durch das Einbringen eines Spotstrahlers in einer Hälfte des Terrariums, unter dem auch Temperaturen von etwa 35 °C erreicht werden. Dieser Strahler ist durch ein Lampenschutzgitter zu sichern, da sich die Schlangen ansonsten schwere Verbrennungen an den heißen Leuchtmitteln zuziehen können. Nachts sinkt die Temperatur auf etwa 20 °C ab. Da Afrikanische Hausschlangen sehr robust und anpassungsfähig sind, müssen diese Temperaturen nicht bis auf das Grad genau eingestellt werden. Dies soll allerdings auch kein Freifahrtschein dafür sein, die Tiere bei total ungeeigneten Bedingungen zu halten!

Die Luftfeuchtigkeit kann tagsüber bei etwa 50 % liegen, in der Nacht sollte sie leicht ansteigen. Diese Feuchtigkeit erreicht man bereits durch eine Wasserschale und gelegentliches Sprühen mit einer Sprühflasche. Die Wasserschale sollte keinesfalls fehlen und alle 2 bis spätestens 3 Tage (bei Verschmutzung sofort!) gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden. Die Schlangen trinken aktiv aus dieser Schale, nehmen aber auch nach dem Sprühen die Tropfen von der Terrarieneinrichtung auf. In der Häutungsphase (deutlich erkennbar an milchig trüben Augen der Tiere) erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit auf 60-70 % am Tag. Verstecke mit feuchtem Moos stehen immer bereit, was der Häutung ebenfalls zugutekommt. Nachdem sich das Weibchen etwa 2 Monate nach der Paarung gehäutet hat, lasse ich die Luftfeuchtigkeit ganz bewusst stark abfallen, damit die Eiablage tatsächlich in der bereitgestellten Box mit feuchtem Moos erfolgt. Das Weibchen wird diesen feuchten Ort innerhalb des ansonsten trockenen Terrariums gezielt aufsuchen und zur Eiablage nutzen.

Da die hier geschilderten Haltungsparameter sehr leicht hergestellt werden können und die Möglichkeit der Pflege von Afrikanischen Hausschlangen schon in vergleichsweise kleineren Terrarien möglich ist, die Tiere zudem robust sind, keine Winterruhe benötigen (vor der sich Neulinge meist scheuen) und zudem ein ruhiges Verhalten an den Tag legen, sind sie auch informierten Anfängern in der Schlangenhaltung sehr zu empfehlen. Die Lebenserwartung der Afrikanischen Hausschlange liegt bei guter Pflege bei ca. 20 Jahren. Dies sollte man vor der Anschaffung natürlich bedenken.


Für weiterführende Informationen über die Haltung und Zucht von Hausschlangen empfehle ich das Buch „Die Hausschlange: Lamprophis lineatus“ von Kriton Kunz aus der Reihe „Art für Art“ des Natur und Tier Verlags. 

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