Donnerstag, 24. März 2016

Wildtierbörsen in Österreich ab 1. April verboten

Wie das Bundesministerium für Gesundheit heute in einer Pressemeldung offiziell bekanntgab, wird die novellierte Tierschutz-Veranstaltungsverordnung am 1. April in Kraft treten: Verbot von Wildtier-Kaufbörsen ab 1. April

Reptilien, Amphibien und andere „Wildtiere“* dürfen demnach ab nächster Woche nur noch in Zoofachgeschäften, Baumärkten und Gartencentern erworben, auf Tauschbörsen getauscht sowie natürlich weiterhin von privat (oder schwarz) an privat abgegeben und im Internet gehandelt werden. Erhofft wird damit eine Verbesserung des Tierschutzes, weil mit dem Ende der Verkaufsbörsen auch Spontankäufe verhindert werden sollen.

Auf den noch weiterhin geduldeten Tauschbörsen dürfen nur noch Tiere derselben Tierklasse (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische) gegeneinander getauscht werden. Wenn sich also ein Reptilienhalter bei der so wichtigen Nachzucht von Amphibien engagieren möchte und auf einer Tauschbörse die Gelegenheit bekommt, eine solche Art zu bekommen, muss er offiziell erst einmal an anderer Stelle irgendeine Amphibienart erwerben, um diese dann auf der Tauschbörse gegen seine Wunschart zu tauschen. Reptilien darf er ja nicht gegen Amphibien tauschen. Eine sinnlose und umständliche Praxis. Es naht die Rückkehr zur guten alten Flüsterkneipe als Veranstaltungsort von „Tauschbörsen“, wo am Ende dann doch wieder Verkäufe stattfinden werden.

Was wie ein schlechter Aprilscherz anmutet und von sogenannten Tierschutzvereinen wie Vier Pfoten e.V. begrüßt wird, bereitet mir als aktivem Tierschützer große Sorgen. Österreich verschenkt mit dieser neuen Regelung die Chance, den Wildtierhandel effektiv zu kontrollieren. Während Behörden auf einer Verkaufsbörse direkt hunderte Züchter und Händler überprüfen konnten, ist dies zukünftig bei den zu erwartenden Internet- und Kofferraumgeschäften im Stil des Welpenhandels kaum möglich.

Die Betreiber der EXOTICA, der größten Reptilienbörse in Österreich, haben auch schon Ihre Zukunftspläne auf Facebook bekannt gegeben: So soll die Börse im Jahr 2017 unter einem geänderten Namen in einem EU-Nachbarland stattfinden und Tiere anbieten, die bereits in der Vergangenheit nicht auf österreichischen Börsen angeboten werden durften (z.B. Chamäleons). Hierbei wird deutlich, wie sich die Geschäfte verlagern, um bizarre Gesetze zu umgehen.

Statt vereinzelte Probleme zu lösen, werden sie einfach in einen Bereich verlagert, der nicht mehr kontrollierbar ist. Ein schwarzer Tag nicht nur für Börsenbetreiber und -händler, sondern auch für den Tierschutz in Österreich!
 

*Als Wildtiere gelten in Österreich gemäß § 4 Tierschutzgesetz alle Reptilien, Amphibien und Wirbellose (egal ob einheimisch oder nicht, ob nachgezüchtet oder Wildfang!) sowie Fische, Vögel (Papageienvögel, Finkenvögel, Taubenvögel) und Säugetiere (Fleischfresser, Nagetiere, Hasenartige), die nicht als domestiziert gelten. Bei diesen Tiergruppen bleibt der Gesetzgeber eine nähere Definition schuldig, welche Arten zu den Wildtieren gezählt werden. Für alle Reptilien, Amphibien und Wirbellose (sowie z.B. für Greifvögel, Flughunde, Affen etc.) gilt ab dem 1. April 2016 allerdings eindeutig ein Kaufbörsenverbot. 

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Mittwoch, 23. März 2016

Tierrechte - Wo ist der Unterschied?

Da mich der Verein animal public e.V. bei Facebook leider gesperrt hat, weil meine Kritik an der einseitigen Propaganda dieses Vereins dort unerwünscht ist, nutze ich diese Stelle, um ein paar Gedanken und offene Fragen zum Thema Tierrechte in den Raum zu stellen.

Am 21. März um 18 Uhr machte animal public auf Facebook mit folgender Aussage zu diesem Vorfall Stimmung gegen Reptilien- und andere Wildtierhalter:




Inzwischen hat sich zwar herausgestellt, dass der Tigerpython sehr wahrscheinlich nicht lebend ausgesetzt, sondern tot auf dem Parkplatz abgelegt wurde, aber dies konnte animal public am Tag des Postings nicht wissen. Nein, Kritik übe ich an der grundsätzlichen Aussage, dass dieser Einzelfall ein Verbot der privaten Wildtierhaltung rechtfertige. Wie lässt sich dies bitte objektiv begründen?

Gut, man könnte mir als Reptilienhalter unterstellen, dass ich selbst nicht objektiv bin, wenn es um ein Verbot der Reptilienhaltung geht. Daher bin ich gerne bereit, auch einmal die erhofften Vorteile eines Reptilienverbotes zu nennen:

Da wäre zuerst einmal der Vorteil, dass Reptilien nicht mehr frei verkäuflich wären. Zoofachgeschäfte würden keine Reptilien mehr verkaufen und Reptilienbörsen gäbe es auch nicht mehr. Der Handel im Internet könnte eingedämmt werden, weil jede Verkaufsanzeige illegal wäre. Dadurch würden zunächst einmal weniger Reptilien bei uninformierten Haltern landen, die sie derzeit noch problemlos und spontan bei den genannten Quellen erwerben können. Auch Ordnungsbehörden hätten keine Probleme mehr, illegale von legalen Tieren zu unterscheiden, weil ja schließlich alle Reptilien illegal wären. Verantwortungsbewusste Reptilienhalter, die sich an die bestehenden Gesetze halten möchten, wären nach einem Verbot gezwungen, die Vermehrung ihrer Tiere einzustellen. Das ist zwar bei einigen Arten gar nicht möglich und bringt zudem weitere Tierschutzprobleme mit sich, aber langfristig würden dadurch Reptilienbestände in der Privathaltung tatsächlich auslaufen. Würde der Bestandsschutz an hohe Hürden geknüpft, wären außerdem einige Halter gezwungen, ihre Bestände sofort aufzulösen. Weniger Reptilien in Privathand bedeuten weniger Tierleid aufgrund von schlechter Haltung.

Es würden dadurch zwar viele neue Tierschutzprobleme geschaffen, weil viele Halter in eine Situation getrieben würden, die sie überfordern könnte, weil der illegale Handel florieren würde und weil Auffangstationen sowie Tierheime einen immensen Zulauf befürchten müssten, aber langfristig wäre tatsächlich mit weniger Tierleid zu rechnen, sobald der provozierte Holocaust in deutschen Terrarien (wie das Beispiel Norwegen zeigt) in ein paar Jahrzehnten endlich beendet wäre.

Nun stellt sich mir aber die entscheidende Frage: Wo ist der Unterschied zum Tierleid anderer Heimtiere? Man nehme als Beispiel diesen Vorfall der letzten Tage: Entlaufener Hund wurde überfahren

Müsste ein Tierschutzverein wie animal public nach einer solchen Meldung nicht ähnlich reagieren? Müsste ein Verein wie animal public diese Meldung nicht ebenfalls auf Facebook verbreiten und sinngemäß folgendes dazu formulieren: „Wieder hat ein Tier mit Domestikationshintergrund die Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit des Halters mit dem Leben bezahlt. Es ist an der Zeit, dass die private Haustierhaltung endlich verboten wird.“? Wo ist der Unterschied? Ob nun ein sogenanntes
Wildtier aufgrund eines verantwortungslosen Halters zu Tode kam oder ein sogenanntes domestiziertes Haustier ist vom Tierschutzgedanken doch wohl egal. Wenn der eine Einzelfall ein generelles Haltungsverbot rechtfertigt, dann - ganz objektiv betrachtet - doch wohl auch der andere Einzelfall. Nicht, dass ich mir das wünsche. Ich wünsche mir Sachkundenachweispflicht für alle Tierhalter und tiergerechte Unterbringung für alle Tiere in menschlicher Obhut sowie angemessene Bestrafung bei den vereinzelt auftretenden Tierschutzverstößen.

Wer sich aufgrund solche Einzelfälle unbedingt radikalisieren und Verbote fordern möchte, kann dies sehr gerne tun. Nur soll diese Person oder der jeweilige Verein dann bitte nicht so verlogen sein und Tierschutz mit zweierlei Maß messen. Entweder haben alle Tiere das Recht auf eine artgerechte Haltung in menschlicher Obhut, die man mit den bestehenden Gesetzen bereits ausreichend regeln kann, oder aber alle Tiere haben das Recht auf Freiheit und ein Aussterben in Gefangenschaft. Mit dem wohl größten Tierrechtsverstoß in der Menschheitsgeschichte (genannt
Domestikation) zu argumentieren, unterstreicht lediglich diese Doppelmoral. Beim Tierschutz sowie bei der Haltung in menschlicher Obhut kann man Wildtiere nicht von Haustieren unterscheiden. Ich will jetzt gar nicht groß mit wissenschaftlichen Artikeln (wie dem von RICHTER et al.) argumentieren, weil es bei sämtliche Diskussionen offenbar nur noch um einen emotionalen Tierschutzgedanken geht, der für Fakten leider nicht aufnahmefähig ist - nicht nur beim Thema privater Wildtierhaltung, sondern auch bei der Tierhaltung in Zoos oder Zirkussen. Jeder Tierfreund, der Verbotsforderungen von Teilen der Tierhaltung unterstützt, sollte aber im Herzen erkennen können, dass Haustiere dieselben Tierrechte verdient haben, wie Wildtiere: Die Befreiung aus der menschlichen Knechtschaft als Statussymbol, Unterhaltungsobjekt oder Partner- / Kinderersatz. Andernfalls sind Empathie und gesunder Menschenverstand dieser Menschen falsch gepolt.

Dass Tierschutzvereine wie animal public e.V. ihre Doppelmoral ablegen und ihre einseitige Propaganda gegen Teile der Heimtierhaltung beenden, wage ich zu bezweifeln. Die von diesen Vereinen grundlos diffamierten
Wildtierhalter sind schließlich nur eine Randgruppe. Die Masse an Hundestreichlern und Katzenkuschlern würde man mit einer glaubwürdigen und konsequenten Verbotsforderung der gesamten privaten Tierhaltung verprellen, was sich in der Jahresbilanz negativ abzeichnen würde. Populismus war halt schon immer ein besonders einfacher Weg für den Machterwerb. 

Die Kommentarfunktion kann natürlich gerne genutzt werden, um auch gegenteilige Ansichten zu äußern oder die von mir gestellte Frage zu beantworten: Warum haben Wildtiere mehr Rechte verdient als Haustiere? Im Gegensatz zu animal public scheue ich nämlich keine sachliche Diskussion. 

Mehr zum Thema:
 

Freitag, 18. März 2016

Was ist nur mit den Veterinärämtern los?

Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus)
Erst gestern berichtete ich über einen Fall von Amtswillkür und die dadurch verursachten Schäden, welche aus der fehlenden Fachkenntnis eines Kreisveterinäramtes resultierten (130 Vogelspinnen und 16 Geckos grundlos sichergestellt) und heute macht schon der nächste Klopfer die Runde: Auf einem Parkplatz an der B 29 in der Nähe von Waldhausen wurde gestern Abend von einem Autofahrer eine ca. 4 Meter lange bereits verstorbene „Riesenschlange“ gefunden. Laut Presseberichten erklärte die Polizei, dass es sich nach Einschätzung des zuständigen Veterinäramtes um einen Netzpython handelte: Würgeschlange auf Parkplatz gefunden
 
Anhand der veröffentlichen Fotos des Fundtieres wurde jedoch deutlich, dass es sich um einen Tigerpython und nicht um einen Netzpython handelte. Nach entsprechenden Kommentaren von sachkundigen Leuten unter dem oben verlinkten Artikel wurde von der Redaktion zunächst erneut bestätigt, dass ein Vertreter des Veterinäramtes, der gestern selbst am Ort des Geschehens war, das Tier als Netzpython identifizierte. Erst im weiteren Verlauf des heutigen Tages erklärte die Pressestelle des Landratsamts Ostalbkreis, dass es sich wohl doch um einen Tigerpython handelte, der nicht bei den Behörden gemeldet war (davon war auch nicht auszugehen, weil es sich vermutlich um ein ausgesetztes Exemplar handelte und ein Tierhalter, der so bereitwillig gegen das Tierschutzgesetz verstößt, wahrscheinlich auch andere Regelungen wie die Meldepflicht vernachlässigt).

Das Verhalten des Tierhalters ist natürlich scharf zu kritisieren! Es ist traurig, dass solche Einzelfälle geschehen, obwohl es sicherlich andere Wege gegeben hätte, das Tier gut unterzubringen. Neben Auffangstationen gibt es viele Reptilienhalter, die sich im Tierschutz engagieren und solche Tiere aufnehmen würden, bevor sie womöglich ausgesetzt werden.* Davon bekommt die Öffentlichkeit nur kaum etwas mit, weil Terrarianer einerseits solche Dinge in der Regel unter sich klären (z.B. im Internet oder auf Börsen) und weil andererseits die etablierten Medien solche Vorfälle nicht ganz so spannend finden. Interessant wird es für viele Presseredaktionen erst, wenn ein Tier im öffentlichen Raum gefunden wurde. Solch ein Fund wird großflächig in der Medienlandschaft ausgeschlachtet, was aber nur zeigt, wie selten solche Einzelfälle im Vergleich zu regelmäßig ausgesetzten Hunden oder Katzen auftreten.
 
Trotzdem spielt diese Verzerrung der öffentlichen Meinung, die ohnehin schon Vorbehalte in Bezug auf „Ekeltiere“ hat, radikalen Tierhaltungsgegnern und Verbotsparteien in die Karten!  

Was aber nicht minder bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass erneut die Amtsperson eines Veterinäramtes nicht in der Lage war, ein Reptil richtig zu identifizieren. Binnen weniger Tage wird deutlich, welche Fachkunde offenbar bei einigen Veterinärämtern vorherrscht. Sind es doch diese Behörden, die private und gewerbliche Tierhaltungen begutachten und die Haltungsbedingungen absegnen. Das Ausmaß an Fehlentscheidungen ist wohl nur zu erahnen.

Zur Beseitigung dieses Problems fordern Tierhaltungsgegner die Schaffung einer Positivliste für die Tierhaltung, damit Amtsvertreter nur noch ein paar wenige Arten identifizieren können müssen. Was Positivlisten sind und dass dadurch erst immense Tierschutzprobleme erzeugt würden sowie ein vermehrtes Auftreten solcher Einzelfälle vorprogrammiert wäre, habe ich hier erklärt. Angemessen wäre stattdessen die Sicherstellung der nötigen Fachkunde bei den Veterinärämtern beispielsweise in Zusammenarbeit mit Tierhaltern und Tierhalterfachverbänden. Schon jetzt arbeiten Behörden mit Privatpersonen zusammen, wenn es um die Identifizierung von aufgefundenen „Exoten“ geht. Dies wäre nach Schaffung restriktiver Gesetze und Positivlisten kaum noch möglich.

*Nachtrag: Inzwischen hat die Obduktion der Schlange (welche noch einmal eindeutig als Dunkler Tigerpython identifiziert wurde) ergeben, dass das Tier an einer bakteriellen Infektion gestorben ist und wahrscheinlich schon tot war, als sie auf dem Parkplatz abgelegt wurde: Im Ostalbkreis entdeckter Python - Todesursache ist mittlerweile bekannt
Demnach liegt (zumindest was das mutmaßliche Aussetzen betrifft) kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor, sondern nurein Verstoß gegen die Vorschriften zur Tierkörperbeseitigung, wobei auch dies natürlich angemessen bestraft werden sollte, sofern der Halter noch ermittelt wird.
 

Donnerstag, 17. März 2016

130 Vogelspinnen und 16 Geckos grundlos sichergestellt

Vergangenen Samstag fand im nordrhein-westfälischen Hamm die 61. TERRARISTIKA statt, welche selbstverständlich wieder einmal für die eine oder andere Schlagzeile sorgte. Bemerkenswert ist vor allem dieser Bericht: 61. Terraristika in den Zentralhallen ohne Auffälligkeiten

Im besagten Artikel heißt es:
„Eindeutige Verstöße gegen Tier- und Artenschutz wurden nicht gemeldet.“
Also bekanntlich wieder alles ruhig und gesittet auf der Börse. Doch nicht so in ihrem Umfeld. Nein es wurde diesmal kein Schmugglerring zerschlagen. Es wurde auch keine Passanten von Giftschlangen gebissen oder von Krokodilen aufgefressen. Und an einer Salmonellose ist auch niemand krepiert. Nein, diesmal haben Staatsdiener selbst einen Bock geschossen.

Als nämlich die Bundespolizei in Görlitz (Sachsen) ein Fahrzeug aus Polen kontrollierte, stieß sie auf eine exotische Fracht: 130 Vogelspinnen im Auto entdeckt

Die Beamten verlangten Dokumente zu den Tieren, die von den Besitzern nicht vorgelegt werden konnten. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt des Landeskreises Görlitz wurden die Tiere (130 Vogelspinnen und 16 Geckos) sichergestellt. Laut Presseberichten prüfte anschließend die untere Naturschutzbehörde, ob ein Verstoß gegen das Artenschutz- oder Naturschutzrecht vorlag.

Sicherstellung unnötig
Kronengecko (Correlophus ciliatus)
Ist nicht nachweispflichtig
Worüber jedoch bisher nicht berichtet wird, ist, wie der Fall ausgegangen ist: Laut Auskunft eines der betroffenen Männer befanden sie sich am Freitag auf dem Weg nach Hamm, um ihre Tiere dort auf der TERRARISTIKA zum Verkauf anzubieten. Bei den Tieren handelte es sich um 15 Kronengeckos (Correlophus ciliatus), einen Neukaledonischen Riesengecko (Rhacodactylus leachianus) sowie um 130 Vogelspinnen der Art Nhandu chromatus. Für diese Tiere besteht derzeit kein internationaler Schutzstatus (die Geckos sind zwar in Anhang D der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt, was jedoch bedeutet, dass der Handel mit ihnen derzeit noch ohne Papiere möglich ist). Laut Aussage des Händlers verlangte am Samstagmorgen ein Amtsveterinär des Landkreises nach CITES-Dokumenten, andernfalls könnte man die Tiere nicht zurückgeben.

Nhandu chromatus
Unterliegt keinem Schutzstatus
Dies ist aus meiner Sicht ein eindeutiger Fall von Amtswillkür! Für die genannten Arten beim Handel oder Transport innerhalb der EU Herkunftsnachweise oder gar CITES-Dokumente zu verlangen, ist genauso absurd, wie solche Dokumente z.B. für Wellensittiche oder Meerschweinchen einzufordern. Die zuständige untere Naturschutzbehörde hat dies inzwischen auch erkannt und die Tiere den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben. Doch als krönenden Abschluss will man den unschuldig unter Schmuggelverdacht geratenen Händlern auch noch die vorübergehende Unterbringung der Tiere in Rechnung stellen! Moralisch wäre es wohl eher angebracht, wenn die Behörden den Händlern ihren Verdienstausfall aufgrund des versäumten Messeverkaufs erstatten würden. Einen rechtlichen Anspruch hat man darauf aber wohl eher nicht. Den betroffenen Händlern ist aber trotzdem ein Widerspruchsverfahren bzgl. der Kostenerstattung anzuraten.

Fazit:
Obwohl wir dank offener Grenzen innerhalb der EU und der gültigen Artenschutzrichtlinien eigentlich vor solchen Vorfällen sicher sein sollten, kommt Amtswillkür leider immer wieder vor. Den Polizeibeamten ist nicht anzukreiden, dass sie die Tiere nicht eindeutig identifizieren konnten. Dass jedoch ein hinzugezogener Amtsveterinär nicht erkannte, dass für die besagten Arten keine Herkunftsnachweise oder sonstige Papiere notwendig sind und deswegen dieser Vorfall als mutmaßlicher Artenschmuggel in der medialen Berichterstattung (sowie erwartungsgemäß in den Pamphleten von Tierhaltungs- und Börsengegnern) auftaucht, obwohl letztlich unbescholtene EU-Bürger die wahren Opfer sind, ist ein unsäglicher Skandal, der sich im Umfeld der 61. TERRARISTIKA ereignete.

Schützen kann man sich vor solcher Willkür leider kaum, denn für nicht geschützte Arten existieren nun einmal keine Papiere und die eigenen Aussagen haben offenbar wenig Gewicht, solange Polizei & Co. dank der einseitigen Propaganda gegen die sogenannte „Exotenhaltung“ aber auch aufgrund tatsächlicher Schmuggelaktionen in der Vergangenheit sofort vom Schlimmsten ausgehen, sobald man mit seinen vollkommen legalen Tieren „erwischt“ wird.


Mittwoch, 9. März 2016

Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien

Im heutigen Beitrag soll es um die rechtliche Einordnung der Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien gehen, weil diesbezüglich noch ein paar Halbwahrheiten kursieren. Sind die Richtlinien verpflichtend? Droht Ärger, wenn man von den Richtlinien abweicht? Diese und weitere Fragen werden hier beantwortet:

Was sind die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien? 
Bei den „Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien“ handelt es sich um ein Gutachten, welches 1997 im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt wurde und neben einer empfohlenen Mindestgröße für Terrarien auch Empfehlungen für die Terrariengestaltung, die Grund- und Sonnenplatztemperatur, die empfohlene bzw. mögliche Geschlechterzusammensetzung des Tierbesatzes, die Lebenserwartung (bei einigen Arten) sowie Besonderheiten (z.B. Nahrungsspezialisten) benennt. Die empfohlene minimale Terrarien- bzw. Gehehegröße wird im besagten Gutachten mit einer Formel errechnet, wobei die Kopf-Rumpflänge (z.B. bei Echsen), die Gesamtkörperlänge (bei Schlangen) bzw. die Panzerlänge (bei Schildkröten) für die Länge, Breite und ggf. Höhe um einen bestimmten Faktor multipliziert wird.
 
Für Bartagamen wird beispielsweise die Formel 5 x 4 x 3 (L x B x H) genannt. Zur Errechnung der minimalen Terrariengröße soll die Kopf-Rumpflänge (KRL = Länge des Tieres ohne Schwanz) mit den in der Formel genannten Zahlen multipliziert werden. Die Terrariengröße wird hierbei für die Haltung eines Pärchens empfohlen, wobei sich die Berechnung nach dem größten Tier richtet. Hat dieses Tier z.B. eine KRL von 23 cm, ergibt sich daraus eine minimale Terrariengröße von 115 cm x 92 cm x 69 cm (L x B x H). Diese Maße werden vom Gutachten als Minimum angesehen, größere Terrarien sind natürlich möglich und wünschenswert (wobei die Höhe vom Gutachten auf 200 cm beschränkt wird) und auch Abweichungen bei der Grundfläche werden vom Gutachten ausdrücklich ermöglicht. So heißt es in der Einleitung für die Angaben zu Echsen:
Die Maße der Grundfläche, bezogen auf die KRL, sind Empfehlungen, aber keine Festlegungen für die Flächengestaltung, die auch anders sinnvoll sein kann.
Die oben errechnete erforderliche Mindestfläche (10.580 cm²) kann somit auch in Terrarien mit anderen Maßen erreicht werden. Diese Abweichung sollte aber logischerweise nicht so extrem sein, dass es absurd wird: Ein „Terrarium“ mit einer Grundfläche von 11 m x 10 cm würde zwar rechnerisch die Grundfläche erfüllen, wäre für die Haltung aber trotzdem ungeeignet. Ein gängiges Terrarienmaß wäre aber z.B. 150 cm x 80 cm x 80 cm, welches die Vorgaben der Mindesthaltungsrichtlinien für die Haltung eines Bartagamenpärchens mit der o.g. KRL erfüllen würde.

Wie sind diese Haltungsanforderungen rechtlich einzuordnen?
Die rechtliche Grundlage für die Schaffung der Mindesthaltungsrichtlinien findet man im Tierschutzgesetz (TierSchG). Dort wird das Bundesministerium in § 2a ermächtigt, die Anforderungen an die Haltung von Tieren nach § 2 TierSchG näher zu bestimmen. Aufgrund dieser Ermächtigung hat das zuständige Bundesministerium die aus Tierschutzsicht nötigen Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien im besagten Gutachten zusammengefasst. Grundsätzlich handelt es sich dabei jedoch um kein Gesetz. Ein Verstoß gegen das Gutachten stellt zunächst einmal keinen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar (außer die Tierhaltung ist so miserabel, dass direkt ein Verstoß gegen § 2 TierSchG vorliegt). Sinn des Gutachtens ist, Haltern und Behörden eine Richtlinie für die Haltung zu geben. Diese Richtlinien sind jedoch nicht rechtsverbindlich. Siehe dazu den Internetauftritt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft:
Die Gutachten / Leitlinien sind zwar nicht rechtsverbindlich, sie unterstützen aber Tierhalter, zuständige Behörden und Gerichte bei der Entscheidung, ob eine Tierhaltung den Vorschriften des Gesetzes entspricht.
Fakt ist somit auch, dass sich ein Amtsveterinär, der eine Tierhaltung begutachtet (z.B. weil man eine gewerbsmäßige Zucht betreiben möchte), nach den Anforderungen des BMELV-Gutachtens richtet. Im Streitfall werden nach aktueller Rechtsprechung zumeist die Angaben des Gutachtens als erforderliches Mindestmaß angesehen (siehe z.B. Ist die Rackhaltung bei Königspython und anderen Reptilien erlaubt?). Die im Gutachten genannten Anforderungen bekommen demnach in jedem Einzelfall per Gerichtsbeschluss durchaus rechtsverbindlichen Charakter, weswegen es sinnvoll ist, sich am Gutachten zu orientieren!

Letztlich kommt es also auf die Situation an und an was für einen Amtstierarzt man gerät. Übereifrigen Amtsveterinäre, die jedes Gehege bis auf den letzten Zentimeter nachmessen und mit der im Gutachten genannten Formel berechnen, sollte man als Kenner des Gutachtens und sachkundiger Tierhalter aber durchaus freundlich auf manche Dinge hinweisen. Die Haltung von Jungtieren zur Aufzucht, von kranken (oder neuen) Tieren in Quarantäne oder von Tieren während einer Ruheperiode unter abweichenden Haltungsbedingungen wird vom Gutachten ermöglicht:
Für Quarantäne und Behandlung erkrankter Tiere sowie bei der Simulation von Ruhephasen und der Aufzucht von Jungtieren können besondere Haltungsbedingungen erforderlich sein.
Darüber hinaus findet man in der Einleitung des Gutachtens folgendes:
Das Gutachten soll und kann das Studium entsprechender Fachliteratur nicht ersetzen und ist als alleinige Quelle für den Erwerb von Wissen über die Reptilienhaltung nicht geeignet.
Weicht man bei seiner Tierhaltung von den im Gutachten genannten Anforderungen ab, weil man seine Haltung anhand der in der Fachliteratur genannten Angaben gestaltet, ist dies prinzipiell in Ordnung. Insbesondere dann, wenn die Fachliteratur aktuellere Erkenntnisse enthält. Denn laut Gutachten entsprechen die Angaben darin dem Erkenntnisstand von 1997. Sie sollten „in regelmäßigen Abständen auf ihre Aktualität überprüft und erforderlichenfalls überarbeitet werden“. Dies ist zwar derzeit in Planung, ist bisher aber nicht erfolgt, weswegen es nur logisch ist, wenn sich Halter guten Gewissens auf aktuelle Fachliteratur stützen, statt auf ein fast 20 Jahre altes Gutachten. Vor Behördenwillkür ist man damit aber leider trotzdem nicht sicher. Sollte sich ein besonders pingeliger Amtstierarzt bei einer Begehung nicht überzeugen lassen und auch ein offizielles Beschwerdeverfahren erfolglos sein, bleibt leider nur noch der Rechtsweg als Option.

Ist ein neues Gutachten geplant?
Derzeit läuft eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (siehe "EXOPET-Studie" der Uni Leipzig - unbedingt mitmachen!). Die Ergebnisse sollen u.a. in die Schaffung eines aktuellen Gutachtens über die Haltungsanforderungen von Reptilien fließen. Es ist begrüßenswert, dass das Gutachten überarbeitet und auf den aktuellen Stand von Wissenschaft und Tierhaltung gebracht werden soll, weil manche der darin empfohlenen Terrariengrößen als Minimalgröße vollkommen überzogen sind und manche wiederum an Massentierhaltung grenzen. Es wäre auch wünschenswert, wenn die Anforderungen an die Haltung von Einzeltieren deutlich im Gutachten genannt und von der Haltung eines Pärchens abgegrenzt würden.

Über eine unverbindliche Richtlinie hinaus Mindestanforderungen per Gesetz als rechtsverbindlich festzulegen, wäre jedoch aus meiner Sicht kontraproduktiv. Denn eine Verbesserung des Tierschutzes wäre dies wahrscheinlich nicht. Tiere sind nun einmal lebende Materie und jedes Individuum ist anders, daher lassen sie sich kaum in eine allgemeingültige Form pressen. Manche Tiere können aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Verletzungen nicht mehr gut klettern. Müsste man diesen Tieren dann trotzdem Klettermöglichkeiten bieten, weil rechtsverbindliche Anforderungen dies vorschreiben, würde das Tierwohl gefährdet. Ähnlich sieht es bei der Beleuchtung aus, wenn man bestimmte Farbzuchten hält, die auf intensives Licht womöglich mit Stress und somit Krankheit reagieren. Ein weiteres Beispiel wäre die Verpflichtung eines beheizten Wasserteils für z.B. Wasseragamen. Je nach Umgebungstemperatur kann ein solcher vorteilhaft sein oder bei den badenden Tieren eine Lungenentzündung verursachen. Es muss also immer auch Möglichkeiten geben, die Haltung den gegebenen Bedingungen frei anzupassen, so wie es das aktuell gültige Gutachten bereits ermöglicht.
 
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